Orientierungspraktikum an einer Grundschule. Ein kurzer Bericht


Praktikumsbericht / -arbeit, 2016

14 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Kurzporträt der Schule

2. Theoriegeleitete Auswertung des Praktikums

3. Abschlussreflexion

4. Literaturverzeichnis

5. Anhang

1. Kurzporträt der Schule

Das als Lehramtsstudent zu absolvierende Praktikum bestritt ich an der Z Grundschule in XY Das 1.000 Einwohner Dorf XY liegt im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Nordosten Brandenburgs. Das Schulgebäude befindet sich in der Schulstraße 3. Das 3- wöchige Orientierungspraktikum durchlief ich in der Zeit vom 12.09.2016 bis zum 30.09.2016.

Die XY Grundschule und deren Wurzeln lassen sich bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen, als sich Dorfbewohner dazu entschlossen ein Gebäude zu errichten, welches bis heute den Jungen und Mädchen der Region im Norden Brandenburgs als Schule dient. Nach der Wende kam es kurzzeitig zur Trennung von Grund- und Gesamtschule, ehe es im Jahre 1994 wieder zur Vereinigung kam. Im selben Jahr wurde der Ganztagsbetrieb in den Klassen 7 bis 10 aufgenommen, womit die XY Grundschule zweifelsohne zu den Vorreitern dieses Konzepts in Brandenburg gehörte. Die Gesamtschule XY musste 2006 aufgrund des Rückgangs der Schülerzahlen ab Klasse 7 schließen. Die fortan in Form einer verlässlichen Halbtagsgrundschule bestehende Löwenzahngrundschule XY entschied sich im Schuljahr 2012/13 am Pilotprojekt „Inklusion“ teilzunehmen.

Das Schulgebäude besteht aus 2 Etagen, welche durch zwei parallel zueinander verlaufene Treppen verbunden sind. Hervorzuheben ist hierbei, dass die linke der beiden Treppen ausschließlich zum Hochgehen und die rechte Treppe zum Heruntergehen gedacht sind, worauf von den Pausenaufsichten besonders geachtet wird. Durch diese Regelung sollen körperliche Zusammenstöße zwischen den SuS verhindert werden. Das Gebäude beinhaltet 8 Unterrichtsräume, wobei jeder Klasse von außen sichtbar ein eigener Klassenraum zugeordnet ist. Die Räume selbst sind ansprechend ausgestattet. Zwar sind beispielsweise die grünen Kreidetafeln noch nicht von moderneren Whiteboards ersetzt worden, dennoch stellen die von den SuS in Eigenregie gestalteten Räume einen lernfreundlichen Ort da. Ich konnte in nahezu jedem Raum feststellen, dass dieser mit Basteleien der SuS geschmückt ist. Die Grundschule XY besteht aus einem einzigen großen Komplex. Dieser beinhaltet ebenfalls eine 250m2 große Turnhalle inklusiver zweier Sportumkleiden und eines großen Geräteraumes. Darüber hinaus befindet sich nur 100 Meter weiter der Sportplatz des ortsansässigen Fußballclubs SV Victoria Z, welcher der Schule zur Verfügung steht. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle des Berichts den Schulhof der Löwenzahngrundschule. Ein außerordentlich schön gestalteter Ort an dem nicht ein Quadratmeter betonierter Asphalt, dafür aber Dutzende von Bäumen zu finden sind. Der Pausenhof verfügt über zahlreiche Vergnügungsmöglichkeiten wie einer Tischtennisplatte, eines Klettergerüstes, eines Sandkastens, mehrerer Schaukeln und vieles mehr. Finanziert werden diese Geräte unter anderem vom Förderverein der Grundschule. Dieser wurde 2013 gegründet und ist seither unter der Leitung von Frau S. an der Planung und der Durchführung unterrichtlicher und außerunterrichtlicher Projekte beteiligt. Ein weiterer wichtiger Punkt besteht im Sammeln von Spenden, mit deren Hilfe die kleinen und großen Wünsche der SuS erfüllt werden können.1

An der Grundschule Z arbeiten insgesamt 11 Lehrerinnen. In der Tat ist momentan keine männliche Lehrkraft angestellt. Des Weiteren ist eine Sozialarbeiterin an der Schule angestellt, für deren Arbeit ein extra Raum eingerichtet wurde. Außerdem arbeiten im Rahmen der Koorperationsvereinbarung mit der nahegelegenen Kita Zwergenland 2 Erzieherinnen in der Schule, sowie darüber hinaus zahlreiche Leiterinnen und Leiter von sogenannten Interessenangeboten. Im Schuljahr 2016/17 besuchen insgesamt 131 SuS von Klasse 1 bis 6 die Grundschule. Dabei gibt es pro Jahrgangsstufe immer nur eine Klasse und keine Parallelklassen. Abschließend erwähne ich nun, wie die XY Grundschule zu ihrem Namen gekommen ist. Im Jahr 2008 beschloss die damalige Schulleitung, der Schule einen spezifischen Namen zu geben. Man verfuhr dabei wie folgt: Im Dialog zwischen SuS und den Lehrkräften wurden mehrere Vorschläge diskutiert. Letztendlich einigten sich alle Beteiligten auf drei unterschiedliche Möglichkeiten zwischen denen im Folgenden das Lehrpersonal, die Schüler und deren Eltern entscheiden konnten. Zur Wahl standen neben der siegreichen „Löwenzahngrundschule“, die „Erich Kästner Grundschule“ und die „Grundschule am Wäldchen“. Nachdem alle Stimmen ausgezählt wurden stand fest, dass sich der Name Löwenzahngrundschule mit überwältigender Mehrheit durchgesetzt hatte. Im Gespräch mit der Lehrerin XY erfuhr ich, dass der Erfolg des Namens zum einen der Tatsache geschuldet ist, dass auf den Wiesen rund um das Schulgelände die Pflanze weit verbreitet ist. Zum anderen ist die Fernsehserie „Z“ bei den damaligen SuS sehr beliebt gewesen.

2. Theoriegeleitete Auswertung des Praktikums

In diesem Abschnitt der Arbeit werde ich die während des Orientierungspraktikums gemachten Erfahrungen unter Berücksichtigung des von mir ausgewählten Beobachtungsschwerpunkts vorstellen. Mein Hauptaugenmerk lag dabei auf den Unterrichtseinstiegen und deren Auswirkung auf den Unterricht. Überwiegend werde ich meine Beobachtung unter Zuhilfenahme der Literatur von Johannes Greving und Liane Paradies „Unterrichts-Einstige: Ein Studien- und Praxisbuch“ aus dem Jahr 1996 erklären. Die beiden oben genannten Autoren unterscheiden grundsätzlich zwischen sogenannten Stundeneröffnungsritualen und einem methodisch-didaktisch aufbereiteten Unterrichtseinstieg. Erstgenanntes soll an dieser Stelle nur umrissen werden, da ich mich vor allem auf die wesentlich komplexeren Einführungen in neue Sachverhalte konzentriert hatte. Nichtsdestotrotz möchte ich die Bedeutung der Rituale nicht klein reden. Im Gegenteil, Greving und Paradies zählen die formale Stundeneröffnung zu den wichtigen Ritualen, ohne die die Institution Schule seinem pädagogischen Auftrag gegenüber der Gesellschaft nur mangelweise gerecht werden würde.2

Diese standardisiert und stereotyp ablaufenden Rituale sind im Vergleich zu den 50er und 60er Jahren weitestgehend verschwunden, allerdings konnte ich in ausgewählten Fächern beobachten, dass sich nach wie vor solcher Traditionen bedient wird. So wurde beispielsweise jede von mir hospitierte Sportstunde mit einem erwärmenden Rundenlaufen eröffnet. Dies wurde von den Schülern auch jeweils routiniert, ohne großartige Kritik, allerdings auch ohne besonderen Enthusiasmus durchgeführt. Während meines Praktikums konnte ich außerdem feststellen, dass einige Rituale fester Bestandteil des Unterrichts waren. So erhoben sich die SuS zu Beginn eines jeden Schultags von ihren Plätzen um der jeweiligen Lehrperson im Chor einen guten Morgen zu wünschen. Dieses Ritual wurde an der gesamten Schule durchgeführt, unabhängig von Klasse oder Lehrperson. Darüber hinaus wies ein Großteil der Lehrerschaft die SuS am Anfang einer jeden Stunde ausdrücklich darauf hin, dass alle für den Unterricht irrelevanten Gegenstände vom Tisch zu verschwinden sind. Diese Beschreibung der Rituale ist keineswegs wertend oder von mir persönlich negativ konnotiert, sondern schildert lediglich die von mir wahrgenommenen Situationen. Ich konnte sogar erkennen, dass seitens der SuS aufgrund der klaren Strukturen ein hohes Maß an Konzentration und an Disziplin festzustellen war, was wiederum nötig ist, um guten Unterricht durchführen zu können.3

Der Lehrperson tun sich der Literatur zufolge mehrere Möglichkeiten auf, einen thematischen Einstieg zu finden. Diese Möglichkeiten werde ich im folgenden Abschnitt beleuchten. Bekannte Didaktiker wie Klafki haben dem Einstieg als eigenständige Phase in ihren früheren Werken kaum Bedeutung in Bezug auf den Unterrichtsverlauf zugesprochen. Diese Tatsache kritisieren Greving und Paradies in ihrem Werk ausdrücklich und beginnen die Anfangsphase nicht mehr nur als bloßes Anhängsel eines Unterrichtsinhaltes, sondern es als didaktisch autonome Methode zu betrachten, bei der sowohl die Aktivität der Lehrerseite als auch der Schülerseite notwendig ist. Beide Autoren gehen nämlich davon aus, dass der Einstieg maßgeblich verantwortlich für den weiteren Verlauf der Stunde und der kommenden Unterrichtseinheiten ist. Während der Gespräche mit der Frau XY (Lehrerin für Deutsch und Geschichte), bei der ich einen Großteil meiner Hospitationsstunden verbrachte, zu eben diesem Thema, konnte ich feststellen, dass sie diese Einstellung teilt und dem Einstieg in den Unterricht eine außerordentliche Bedeutung zumisst. Demzufolge lastet schon eine spezielle Verantwortung auf dem Einstieg, denn er muss in erster Linie die SuS für die kommenden Aufgaben und Themen motivieren.4

Zu den weiteren Funktionen eines Einstiegs gehören außerdem die zu weckende Neugierde bzw. das zu weckende Interesse am Thema. Dem Lehrer sollte es nach Möglichkeit gelingen die Lernbereitschaft der SuS zu steigern. Im Idealfall schafft es die Lehrkraft allein durch den Einstieg bestimmte Fragestellungen bei den SuS zu entwickeln. Darüber hinaus sollten Brücken geschlagen werden, sprich die Verbindung von altem und neuem Stoff, sodass an das Vorwissen der SuS angeknüpft wird und diese die Bedeutung der neuen Einheit beziehungsweise des neuen Themas besser einstufen können.5

Oftmals begannen die Unterrichtsstunden während meines Praktikums mit der Kontrolle der erteilten Hausaufgaben. Die Gespräche mit den Lehrkräften deckten sich mit der von mir verwendeten Literatur insofern, dass jeweils die Bedeutung und Wichtigkeit der Hausaufgabenkontrolle hervorgehoben wurde. Die SuS bekommen auf diese Weise einerseits ein wichtiges Feedback, um sich und ihre Arbeiten besser einschätzen zu können, andererseits wird ihnen vor Augen geführt, dass sie die Aufgaben nicht umsonst erledigen. Darüber hinaus dient die Kontrolle auch der Lehrkraft um zu erkennen, wie sicher die SuS im Umgang mit den jeweiligen Aufgaben sind und wo gegebenenfalls noch Defizite bestehen. Problematisch hingegen empfand ich den Ablauf dieses Prozesses. Die entsprechenden Lösungen wurden beispielsweise in Mathematik oftmals von denselben SuS gegeben. Ein Großteil der Klasse war dabei überhaupt nicht eingebunden. So konnte weder festgestellt werden, ob die Hausaufgaben verstanden oder überhaupt erledigt wurden. Außerdem wurden oftmals nur die reinen Lösungen vorgegeben, nicht aber die Lösungswege. Daher muss man diese permanente Einstiegsform differenziert betrachten. Im Laufe meines Praktikums bin ich zu der Erkenntnis gekommen, dass das Vergleichen von Hausaufgaben möglichst handlungsorientiert zu gestalten ist und nach Möglichkeit alle SuS einzubinden sind.

Die am häufigsten auftretende Anfangsform ist der sog. „Informierende Unterrichtseinstieg“. Hierbei ist der handlungsorientierte Anspruch, wenn überhaupt vorhanden, sehr gering. Das bedeutet, dass die Inhalte eher sprachlich vermittelt werden. Während demzufolge der Grad der Schüleraktivität eher gering ist, ist der der Lehrerlenkung sehr hoch. Auf besondere Arten der Motivationsförderung und verspielte Einstiegsformen wird komplett verzichtet. Den SuS soll durch das Weglassen von Überraschungseffekten eindeutig vor Augen geführt werden, welche Anforderungen an sie gestellt werden, welche Lernziele sie in welchem Zeitraum zu erreichen haben und vor allem soll ihnen bewusst werden, warum die entsprechenden Lerninhalte behandelt werden. Das ist der hauptsächliche Grund, weshalb Jochen und Monika Grell als klare Befürworter dieses Konzeptes gelten. In ihrem gemeinsamen Werk „Unterrichtsrezepte“ von 2010 stellen sie die These auf, dass SuS nur durch den informierenden Einstieg die notwendige Lernbereitschaft entwickeln, da ihnen Sinn und Ziel der Arbeit bewusst wird. Den Lernenden ist klar, was von ihnen verlangt wird. Darüber hinaus behaupten die beiden Autoren, dass bei den üblichen Einstiegsformen, die geprägt sind von täuschenden Motivationstricks, keine willkürliche Lernbereitschaft zustande kommt.6

Dieses System baut auf eine hohe Transparenz des Lehrplans, was eine sorgfältige Planung der Lehrperson voraussetzt. In der Regel erfolgt eine sehr lehrerzentrierte Durchführung des Unterrichts, auch bekannt als klassischer Frontalunterricht. Allerdings bekommen die SuS durch eine genaue Präsentation des Lehrplans weitläufige Einblicke und somit auch die Gelegenheit unliebsame Punkte anzusprechen und im Austausch mit dem Lehrer über mögliche Alternativen zu diskutieren.7

[...]


1 http://www. grundschule -breddin. de/

2 Greving, J., Paradies, L. (1996). Unterrichts-Einstiege. Ein Studien- und Praxisbuch. Berlin: Cornelsen. S. 16 ff.

3 Greving, J., Paradies, L. (1996). S. 26-27.

4 Becker, G.E. (1995). Durchführung von Unterricht. Handlungsorientierte Didaktik Teil II. Weinheim und Basel: Beltz. S. 128-132.

5 Greving, J., Paradies, L. (1996). S.18.

6 Grell, J., Grell, M. (2010). Unterrichtsrezepte. Weinheim und Basel: Beltz Verlag. S. 106-107.

7 Greving, J., Paradies, L. (1996). S. 32-36.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Orientierungspraktikum an einer Grundschule. Ein kurzer Bericht
Hochschule
Universität Rostock
Note
1,7
Autor
Jahr
2016
Seiten
14
Katalognummer
V994866
ISBN (eBook)
9783346378675
Sprache
Deutsch
Schlagworte
orientierungspraktikum, grundschule, bericht
Arbeit zitieren
Philip Sell (Autor), 2016, Orientierungspraktikum an einer Grundschule. Ein kurzer Bericht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/994866

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