Diese Hausarbeit thematisiert grundlegende sozialarbeiterische Methoden für den Kontakt mit Doppeldiagnose-Patienten.
Menschen mit Doppeldiagnosen stellen keine kleine Randgruppe im Pflegesystem dar. So wird der Anteil von Menschen mit Persönlichkeitsstörung bei Alkoholkranken viermal so hoch veranschlagt wie bei Menschen ohne Suchterkrankung. Die epidemiologic catchment area (ECA) study des National Institute of Mental Health (NIMH) von 1990 ergab, dass die Häufigkeit von Substanzmissbrauch/-abhängigkeit bei schizophrenen Menschen 47% beträgt.
Allerdings ist die Gefahr für DD-Patienten/innen durch die Raster der Pflegesysteme zu rutschen immer noch groß, da für viele suchttherapeutische Einrichtungen eine diagnostizierte Psychose ein Ausschlusskriterium für eine stationäre Aufnahme darstellt. Umgekehrt verkompliziert langandauernder Konsum von Suchtmitteln den Krankheitsverlauf von Persönlichkeitsstörungen und dessen Behandlung.
Das Resultat davon ist, dass viele Patienten/innen mit Doppeldiagnosen sich in verschiedenen Pflegesystemen aufhalten, ohne einen adäquaten Umgang oder Behandlung zu erfahren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Stand der Forschung
3 Begriffsklärung
3.1 Krankheitsbild der Doppeldiagnose
3.1.1 Ätiologische Erklärungsmodelle der Doppeldiagnose
3.2 Methoden der Sozialen Arbeit
3.2.1 Einzelfallhilfe
3.2.2 Soziale Gruppenarbeit
3.2.3 Gemeinwesenarbeit
4 Methoden der sozialen Arbeit bei Doppeldiagnose-Patienten
4.1 Einzelfallhilfe mit Doppeldiagnose-Patienten
4.2 Soziale Gruppenarbeit mit Doppeldiagnose-Patienten
4.3 Gemeinwesenarbeit mit Doppeldiagnose-Patienten
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, die Eignung klassischer Methoden der Sozialen Arbeit – Einzelfallhilfe, soziale Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit – für die Behandlung von Doppeldiagnose-Patienten kritisch zu untersuchen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, welche dieser methodischen Ansätze sich in Abhängigkeit von der individuellen Ausgangslage eines Klienten am besten für die Unterstützung und Reintegration von Menschen mit Doppeldiagnosen eignen.
- Krankheitsbild der Doppeldiagnose und ätiologische Erklärungsmodelle
- Methodische Grundlagen der Sozialen Arbeit (Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit)
- Analyse der Einzelfallhilfe im Kontext von Doppeldiagnose-Patienten
- Chancen und Grenzen der sozialen Gruppenarbeit für Doppeldiagnose-Patienten
- Integrationsmöglichkeiten durch Gemeinwesenarbeit bei Patienten mit Doppeldiagnosen
Auszug aus dem Buch
4.1 Einzelfallhilfe mit Doppeldiagnose-Patienten
Wie bereits beschrieben, fokussiert sich die Einzelfallhilfe auf die Veränderung und die zu bearbeitenden persönlichen Probleme des/der Klienten/in. Dies ist bei der Behandlung von DD von Vorteil, da auf diese Weise neue, auf die spezielle Situation des/der DD-Patienten/in zugeschnittene, coping-Strategien für den Umgang des Individuums mit der Umwelt und der DD erarbeitet und vermittelt werden können. Denn je besser er/sie seine/ihre psychischen und sozialen Problemen durch eigene Ressourcen bewältigen kann, desto weniger wird er/sie der irrationalen Vorstellung verfallen, dass der Konsum ihm/ihr, ganz im Sinne des Affektregulationsmodells, bei der Bewältigung behilflich ist (vgl. Baumeister 2010: 214). Schuhler plädiert:
Wird Suchtmittelmissbrauch als funktionale Copingstrategie verstanden, mit der der Mensch sich mehr oder minder bewusst Hilfe in schwierigen äußeren wie inneren Situationen verschaffen will, muss die innere Welt des Patienten, seine Bewertungen, Einstellungen, Bewältigungsstrategien, seine sozialen Bezüge, die Art und Weise, wie er mit seinen Mitmenschen lebt und wie er mit sich selbst umgeht, im Mittelpunkt stehen. (Schuhler 2006: 153)
Durch die Zentralisierung des Ansatzes auf das Individuum und seine Bedürfnisse kann im Umgang mit der Klientel eine große Handlungsfreiheit und Flexibilität erreicht werden. Diese sind erforderlich, um vollends auf DD-Patienten/innen eingehen und diese verstehen zu können (vgl. Gouzoulis-Mayfrank 2008: 263 ff., Ziedonis et al. 2005: 315 ff., zit. Nach Dürsteler-MacFarland/Wiesbeck 2014: 54) und so, nach dem Verständnis des Vulnerabilitätsmodells, Stressoren zu minimieren. Vor Allem während des Beginns einer Zusammenarbeit kann die Flexibilität von Vorteil sein, um die Beziehung zwischen dem/der DD-Patienten/in und Sozialarbeiter/in zu stärken und auszubauen (vgl. Galuske 2007: 81; Reichertz-Boers/Hemmesmann 2010: 347).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik ein, dass Doppeldiagnose-Patienten aufgrund der Komplexität ihrer Erkrankungen oft aus bestehenden Pflegesystemen fallen und somit einer spezialisierten sozialarbeiterischen Betrachtung bedürfen.
2 Stand der Forschung: Hier wird die therapeutische Herausforderung skizziert, da klassische Ansätze zur Suchtbehandlung und psychiatrische Betreuungsweisen oft in einem Spannungsfeld zueinander stehen, was den integrativen Ansatz erforderlich macht.
3 Begriffsklärung: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe, wie Doppeldiagnose, Psychose und Missbrauch, und erläutert theoretische Herleitungsmodelle sowie die methodischen Ansätze der Sozialen Arbeit.
3.1 Krankheitsbild der Doppeldiagnose: Es wird das gemeinsame Auftreten von Substanzmissbrauch oder -abhängigkeit und mindestens einer anderen psychischen Störung definiert und durch zentrale Begriffe wie Komorbidität und psychische Störungen präzisiert.
3.1.1 Ätiologische Erklärungsmodelle der Doppeldiagnose: Das Kapitel erläutert das Affektregulationsmodell und das Sensitivitätsmodell als Erklärungsansätze für die kausale Beziehung zwischen der psychischen Störung und dem Suchtkonsum.
3.2 Methoden der Sozialen Arbeit: Hier werden die Grundlagen methodischen Handelns in der Sozialen Arbeit reflektiert, wobei der Fokus auf planvoller Gestaltung des Klientenkontakts liegt.
3.2.1 Einzelfallhilfe: Das Kapitel beschreibt die Einzelfallhilfe als eine methodische Form, die das Individuum in den Mittelpunkt stellt und auf eine Stärkung des Ichs abzielt.
3.2.2 Soziale Gruppenarbeit: Die Gruppenarbeit wird als Medium der Erziehung und sozialen Eingliederung dargestellt, bei dem Interaktion und Selbstkonfrontation zur persönlichen Reifung beitragen.
3.2.3 Gemeinwesenarbeit: Die Gemeinwesenarbeit wird als Ansatz definiert, der soziale Konflikte innerhalb eines Netzwerks identifiziert und auf eine gesamtgesellschaftliche Aktivierung der Akteure setzt.
4 Methoden der sozialen Arbeit bei Doppeldiagnose-Patienten: In diesem Kapitel werden die drei zuvor beschriebenen Methoden konkret auf ihre Anwendbarkeit und Wirkungsweise im Kontext der Doppeldiagnose untersucht.
4.1 Einzelfallhilfe mit Doppeldiagnose-Patienten: Die Einzelfallhilfe wird hier als besonders flexible und individuell zugeschnittene Methode bewertet, die vor allem zu Beginn einer therapeutischen Zusammenarbeit essenziell ist.
4.2 Soziale Gruppenarbeit mit Doppeldiagnose-Patienten: Die Arbeit beleuchtet die Potenziale einer fachlich begleiteten Gruppenarbeit für Doppeldiagnose-Patienten, insbesondere zur sozialen Stabilisierung und zum Austausch.
4.3 Gemeinwesenarbeit mit Doppeldiagnose-Patienten: Dieses Kapitel diskutiert die GWA als ergänzende Methode für den späten Behandlungsverlauf, um Patienten in soziale Netzwerke und den Alltag zu reintegrieren.
5 Fazit: Das Fazit fasst die drei Methoden als aufeinanderfolgende Treppenstufen zusammen, die unterschiedliche Stadien der Genesung und gesellschaftlichen Teilhabe unterstützen.
Schlüsselwörter
Doppeldiagnose, Soziale Arbeit, Einzelfallhilfe, Soziale Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit, Suchtbehandlung, Psychose, Komorbidität, Affektregulationsmodell, Sensitivitätsmodell, Psychoedukation, Reintegration, Sozialarbeiter, Therapiebeziehung, Klientel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der sozialarbeiterischen Unterstützung von Patienten, die sowohl an Suchterkrankungen als auch an weiteren psychischen Störungen leiden, den sogenannten Doppeldiagnose-Patienten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die medizinischen und psychologischen Grundlagen der Doppeldiagnose, die theoretischen Ansätze der Sozialen Arbeit sowie die praktische Anwendung von Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit bei dieser Zielgruppe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, zu analysieren, wie die drei klassischen Methoden der Sozialen Arbeit bei Doppeldiagnose-Patienten eingesetzt werden können, um eine effektive Behandlung und gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, in der aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse, Fachlexika und theoretische Modelle der Sozialen Arbeit und Psychiatrie kritisch gegenübergestellt und auf die praktische Anwendbarkeit untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsdefinition inklusive Erklärungsmodellen sowie einen praxisorientierten Teil, in dem die Wirkung von Einzelfallhilfe, Gruppenarbeit und Gemeinwesenarbeit spezifisch auf Doppeldiagnose-Patienten untersucht wird.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Doppeldiagnose, Soziale Arbeit, Einzelfallhilfe, Soziale Gruppenarbeit, Gemeinwesenarbeit, Suchtbehandlung, Psychose und Reintegration.
Warum eignet sich die Einzelfallhilfe besonders für den Beginn einer Zusammenarbeit?
Aufgrund ihrer Flexibilität und der starken Zentralisierung auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten bietet sie die Möglichkeit, eine tragfähige Beziehung aufzubauen und ein Fundament für weitere therapeutische Schritte zu legen.
Welche Rolle spielt die Gemeinwesenarbeit bei Doppeldiagnose-Patienten?
Die GWA fungiert primär als Instrument zur gesellschaftlichen Teilhabe und Reintegration in späteren Phasen, indem sie soziale Netzwerke nutzt, um den Patienten aus der Isolation zurück in einen strukturierten Alltag zu führen.
Was wird unter der Interdependenz der Störungen verstanden?
Dies beschreibt das Phänomen, dass beim Auftreten psychiatrischer Symptome unmittelbar auch Störungen im Bereich der Suchterkrankung erkennbar sind und umgekehrt, was ein paralleles Behandlungsverständnis notwendig macht.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2019, Patienten mit Doppeldiagnose im deutschen Pflegesystem. Methoden für die Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/995949