Dieser Unterrichtsentwurf skizziert, wie Gespräche mit Zeitzeugen Einzug in einen methodisch fortschrittlichen handlungs- und problemorientieren Geschichtsunterricht erhalten und als Auseinandersetzung mit der Vergangenheit in der Gegenwart dienen können.
Bereits in der Antike und im Mittelalter basierte die Geschichtsschreibung auf dem, was von Zeitgenossen erzählte wurde. Trotz des Primats der Schriftquellen seit dem 19ten Jahrhundert, griffen einige Historiker weiterhin auf mündliche Erzählungen zurück.
In den 1940er Jahren entwickelte sich in den USA die geschichtswissenschaftliche Methode der Oral History, in der Interviews mit Zeitgenossen historiografisch ausgewertet wurden. Hinzu kam die Gelegenheit, dass mit der Erfindung von mobilen Aufnahmegeräten seit Mitte des 20. Jahrhunderts, diese mündlichen Selbstzeugnisse konserviert und nach entsprechenden Kriterien ausgewertet werden konnten.
Inhaltsverzeichnis
1. Lerngruppenbeschreibung
2. Sachanalyse
3. Didaktische Überlegungen
4. Kompetenzentwicklung und Lernziele
5. Methodische Entscheidungen
6. Stundenverlaufsplanung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Ausbildungsleistung zielt darauf ab, angehende Lehrkräfte dazu zu befähigen, den methodisch anspruchsvollen Einsatz von Zeitzeugen im Geschichtsunterricht professionell zu planen, durchzuführen und auszuwerten. Hierbei steht die Förderung der geschichtskulturellen Kompetenz im Vordergrund, um einen authentischen und handlungsorientierten Zugang zur Vergangenheit zu ermöglichen.
- Grundlagen der Oral History und ihre Bedeutung für die historische Bildung
- Didaktische Anforderungen an die Vorbereitung und Nachbereitung von Zeitzeugengesprächen
- Methoden der Kompetenzentwicklung im Geschichtsunterricht
- Planung und Gestaltung einer schülerorientierten Unterrichtssequenz zum Thema Zeitzeugen
- Reflexion über Chancen, Risiken und Verhaltensregeln beim Zeitzeugeneinsatz
Auszug aus dem Buch
2. Sachanalyse
„All history was first oral.”, bemerkte seinerzeit der englische Schriftsteller Samuel Johnson im Jahr 1773. So basierte bereits in der Antike und im Mittelalter die Geschichtsschreibung auf dem, was von Zeitgenossen erzählte wurde. Trotz des Primats der Schriftquellen seit dem 19. Jahrhundert, griffen einige Historiker weiterhin auf mündliche Erzählungen zurück. In den 1940er Jahren entwickelte sich in den USA die geschichtswissenschaftliche Methode der Oral History, in der Interviews mit Zeitgenossen historiografisch ausgewertet wurden. Hinzu kam die Gelegenheit, dass mit der Erfindung von mobilen Aufnahmegeräten seit Mitte des 20. Jahrhunderts diese mündlichen Selbstzeugnisse konserviert und nach entsprechenden Kriterien ausgewertet werden konnten. Während zunächst ausschließlich Vertreter hochgestellter Personenkreise, v.a. Politiker und Generäle, interviewt wurden, verlagerte sich in den 60er Jahren das Spektrum der Befragten zu bis dato eher benachteiligten sozialen Gesellschaftsgruppen wie Afro-Amerikanern oder Frauen.
In der Bundesrepublik Deutschland wurde die Oral History vor allem im Kontext der Alltagsgeschichte eingesetzt. In wissenschaftlichen Großprojekten wie dem LUSIR – Lebensgeschichte und Sozialkultur im Ruhrgebiet – versuchten Historiker das subjektive Geschichtsbild bestimmter Bevölkerungsgruppen und Milieus aufzuarbeiten. Personen wie Lutz Niethammer ist es zu verdanken, dass sich die Oral History als geschichtswissenschaftliche Methode etablierte und so ein Schub an Geschichtsinteresse in der bundesdeutschen Gesellschaft ausgelöst wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Lerngruppenbeschreibung: Darstellung der Seminarzusammensetzung und des bisherigen Erfahrungsstandes der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst sowie der Lernvoraussetzungen für die geplante Einheit.
2. Sachanalyse: Historischer Abriss über die Entwicklung der Oral History als Methode und ihre Bedeutung als Zeitzeugenarbeit in der Erinnerungskultur.
3. Didaktische Überlegungen: Begründung des Themas im Rahmen des Fachlehrplans Sachsen-Anhalt sowie Analyse des Potenzials von Zeitzeugengesprächen für die Kompetenzentwicklung.
4. Kompetenzentwicklung und Lernziele: Definition der fachbezogenen Lernziele und des angestrebten Kompetenzzuwachses der Seminarteilnehmer.
5. Methodische Entscheidungen: Erläuterung der gewählten Unterrichtsmethoden (z.B. Spinnennetzmethode, Videoclip) und deren didaktischer Funktion für den Seminarablauf.
6. Stundenverlaufsplanung: Detaillierte tabellarische Darstellung der zeitlichen Strukturierung, der Sozialformen und der Medieneinsätze für die Seminarsitzung.
Schlüsselwörter
Zeitzeugen, Oral History, Geschichtsunterricht, geschichtskulturelle Kompetenz, Erinnerungskultur, Vorbereitungsdienst, didaktische Planung, Authentizität, Lernziele, Methodenvielfalt, Zeitzeugengespräch, historische Bildung, Selbsttätigkeit, DDR-Geschichte, Reflexion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Konzeption und methodischen Gestaltung des Einsatzes von Zeitzeugen im Geschichtsunterricht für angehende Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Einordnung der Oral History, didaktischen Anforderungen an Zeitzeugengespräche und der praktischen Unterrichtsplanung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, Seminarteilnehmer zu befähigen, Zeitzeugengespräche professionell in ihren Unterricht zu integrieren und dabei methodische Herausforderungen zu meistern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf geschichtsdidaktische Theorien, den aktuellen Fachlehrplan für Sachsen-Anhalt und Ansätze der empirischen Lernforschung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Sachanalyse, didaktische Begründungen, die methodische Planung einer Unterrichtseinheit und eine detaillierte Verlaufsplanung für das Seminar.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Zeitzeugen, Oral History, geschichtskulturelle Kompetenz, Authentizität und methodische Planung.
Welche Rolle spielt die Entwicklungstheorie nach Havighurst für die Lerngruppe?
Die Theorie dient dazu, die Motivation und die Lernbedürfnisse der Lehrkräfte im Vorbereitungsdienst zu erklären, da sie sich in einer spezifischen Entwicklungsphase befinden, in der sie neue fachdidaktische Herausforderungen meistern müssen.
Warum wird die Spinnennetzmethode im Seminar eingesetzt?
Diese Methode dient zur Aktivierung der Teilnehmer, um deren Vorentlastungen und Einschätzungen zum Thema Zeitzeugen strukturiert zu erfassen und Stärken sowie Schwächen der Methode transparent zu machen.
- Citar trabajo
- Philip Sell (Autor), 2020, Zeitzeugen im Geschichtsunterricht. Die Gestaltung einer Unterrichtsstunde für die Oberstufe (Gymnasium), Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/996000