Das KHM der Gebrüder Grimm "Brüderchen und Schwesterchen" soll den Gegenstand dieser Analyse darstellen. Dabei wird das Bild der Frauen, deren Beziehung untereinander und die Entwicklung der Hauptfigur verglichen und interpretiert. In Märchen ist das Bild der Frau vielseitig und ändert sich innerhalb des Märchens stark. Bei der Analyse werden drei Leitfragen beantwortet. Welche Eigenschaften werden in dem Märchen "Brüderchen und Schwesterchen" mit den heutigen Frauenbildern in Verbindung gebracht? Wie verändert sich das Frauenbild, ausgehend von der Gestalt des Schwesterchens, von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter? Welche Bedeutung haben die Beziehungen zwischen den im Märchen agierenden Frauen und welches Frauenbild wird dargestellt? Schlussendlich werden die gezogenen Erkenntnisse der Analyse zusammengefasst und der Einfluss auf den Leser erörtert. Ein Fazit der Analyse stellt mögliche Verbesserungsvorschläge dar.
Die meisten Menschen kennen Literatur hauptsächlich in Form von Märchen. Kindheitserinnerungen vom abendlichen Vorlesen sind ein Grund, warum Märchen einen besonderen Stellen-wert für uns haben. Sie wurden anfangs von Generation zu Generation mündlich weitergetragen. Die bekannten Anfangs- und Schlussätze "Es war einmal" oder "und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute" der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm gehören zu ihren Kinder- und Hausmärchen (KHM). Im Laufe der Zeit wurde der Inhalt der Märchen verändert. Deshalb wurden Märchen in den letzten Jahrhunderten verschriftlicht. Doch auch hier kann man Unterschiede feststellen, wenn man die Ausgabe erster Hand mit der Ausgabe letzter Hand vergleicht. Die Erzählungen über die Heldinnen und Helden sind aus der heutigen Zeit nicht mehr wegzudenken, denn Märchen gelten als zeitlose, aktuelle Klassiker der Literatur.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Märchen
2.1 Definition und Ursprung
2.2 Volksmärchen
3. Genderperspektiven
4. Frauenbilder und Geschlechterrollen
4.1 Das Schwesterchen als Kind und junges Mädchen
4.2 Das Schwesterchen als junge Frau und Mutter
4.3 Stiefmutter
4.4 weitere Figuren
4.4.1 Stiefschwester
4.4.2 Kinderfrau
5. Beziehungen zwischen den Figuren
6. Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Märchen „Brüderchen und Schwesterchen“ der Gebrüder Grimm im Hinblick auf die darin entworfenen Frauenbilder, die Entwicklung der Hauptfigur sowie die sozialen Beziehungen zwischen den weiblichen Charakteren im Vergleich zwischen der Ausgabe erster und letzter Hand.
- Analyse von Frauenbildern und deren Wandel in der Märchenliteratur
- Untersuchung der Geschlechterrollen unter genderkritischen Aspekten
- Vergleichende Interpretation der Textfassungen (erste und letzte Hand)
- Erörterung der sozialen Machtverhältnisse und Beziehungen weiblicher Figuren
Auszug aus dem Buch
4.1 Das Schwesterchen als Kind und junges Mädchen
Obwohl das Alter des Schwesterchens keine Erwähnung findet, kann es im Laufe des Märchens in zwei Teile gegliedert werden. Im ersten Abschnitt der kurzen Erzählung wird die Kindheit des Schwesterchens beleuchtet. Hier ist sie emotional, sanft und vernünftig. Dies spiegelt sich in sehr höflicher und freundlicher Aussprache, wenn sie mit ihrem Bruder spricht, wider. Beispiele dazu sind: „Ich bitte dich, Brüderchen, trink nicht.“ (KHM, Z. 19) oder „Sei still, liebes Rehchen, ich will dich ja nimmermehr verlassen.“ (KHM, Z. 33f.) Des Weiteren ist das Schwesterchen sehr empfindlich, beispielsweise hat sie Angst vor Jägern (vgl. KHM, Z. 51). Nachdem ihr Brüderchen aus dem verzauberten dritten Brünnlein getrunken hat und sich in ein Reh verwandelt hat, weinte das Schwesterchen aber spendete dem Bruder ebenfalls Trost. In der Ausgabe erster Hand ist hier nur die Rede von einem Brünnlein (vgl. Z. 12). Diese Eigenschaft der Schwester zeichnet sie als stark und verantwortungsbewusst aus. Weiterhin kümmert sie sich fürsorglich um ihren Bruder. Dies zeigt die innige und warmherzige Beziehung und das Vertrauen der Geschwister zueinander, da sie sich nie verlassen und alles zusammen meistern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Märchenanalyse, Darstellung der Forschungsfragen und der Zielsetzung der Arbeit.
2. Märchen: Theoretische Abgrenzung der Begriffe Märchen und Volksmärchen sowie Einordnung in die literaturwissenschaftliche Tradition.
3. Genderperspektiven: Erläuterung der theoretischen Grundlagen der Gender Studies und Definition der für die Arbeit relevanten Begriffe wie Frauenbild und Geschlechterrollen.
4. Frauenbilder und Geschlechterrollen: Detaillierte Analyse der weiblichen Figuren im Märchen, unterteilt in ihre jeweilige Entwicklungsphase oder Rolle.
5. Beziehungen zwischen den Figuren: Untersuchung der sozialen Dynamiken und Machtstrukturen zwischen den weiblichen Charakteren und deren Einfluss auf die Handlung.
6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Leitfragen und Ausblick auf mögliche weiterführende Forschungsmethoden wie die Rezeptionsästhetik.
Schlüsselwörter
Märchen, Gebrüder Grimm, Brüderchen und Schwesterchen, Gender Studies, Geschlechterrollen, Frauenbild, Textvergleich, Literaturwissenschaft, Märchenanalyse, Volksmärchen, soziale Konstrukte, Stiefmutter, Heldenreise, Literaturtheorie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einer genderkritischen Analyse des Grimms-Märchens „Brüderchen und Schwesterchen“ und untersucht, wie Geschlechterrollen und Frauenbilder in dem Text konstruiert werden.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Hauptfigur vom Kind zur Mutter, die Darstellung von weiblichen Gegenspielerinnen wie der Stiefmutter sowie der Vergleich unterschiedlicher Textfassungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszufinden, welche Eigenschaften mit heutigen Frauenbildern korrespondieren und wie sich die Darstellung der weiblichen Charaktere innerhalb des Märchens sowie zwischen den Editionen verändert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine textanalytische Methode angewandt, die auf literaturwissenschaftlichen Begriffen der Gender Studies und der Rollentheorie basiert.
Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Schwesterchens in verschiedenen Lebensphasen, die Analyse der Stiefmutter- und Stiefschwesterfiguren sowie die Betrachtung der Beziehungen zwischen den weiblichen Figuren.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Genderperspektiven, Geschlechterrollen, Frauenbilder, Textvergleich und Märcheninterpretation charakterisiert.
Wie unterscheidet sich das Schwesterchen in den verschiedenen Lebensabschnitten?
Das Schwesterchen zeigt sich als Kind aktiv und geschickt bei der Überlebenssicherung im Wald, während sie nach der Vermählung und Mutterschaft zunehmend passiver und unterwürfiger agiert.
Welche Bedeutung kommt der Stiefmutter als literarischer Figur zu?
Die Stiefmutter wird als Antagonistin analysiert, die weniger durch stereotype weibliche Eigenschaften als vielmehr durch destruktive, eher maskulin konnotierte Zielstrebigkeit und Bosheit charakterisiert ist.
- Citar trabajo
- Anonym (Autor), 2019, Die Geschlechterrolle im Märchen "Brüderchen und Schwesterchen" der Gebrüder Grimm. Vergleich zwischen der Ausgabe erster und letzter Hand, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/997725