Ökosystemdienstleistung und Umweltmanagement bei Puma. Darstellung und kritische Analyse des Environmental Profit and Loss Accounts


Masterarbeit, 2007

77 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Ausgangssituation und Problemstellung
1.2 Forschungsziel und Methodik

2 Unternehmen und die natürliche Umwelt
2.1 Umwelt, Ökologie und Ökonomie
2.2 Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft
2.3 Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit
2.4 Ökosystemdienstleistungen
2.5 Millennium Ecosystem Assesment

3 Umweltberichterstattung
3.1 Definition
3.2 Historische Entwicklung
3.3 Formen und Instrumente der Umweltberichterstattung
3.4 Motive einer freiwilligen Umweltberichterstattung

4 Bewertung der Ökosystemdienstleistungen
4.1 Wertegehalt von Ökosystemdienstleistungen
4.2 Anreize zur Bewertung von Ökosystemdienstleistungen
4.3 Ansätze zur Bewertung von Ökosystemdienstleistungen
4.4 Monetäre Bewertung von Ökosystemdienstleistungen
4.5 Herausforderungen der ökonomischen Bewertungsmethoden

5 Pumas Environmental Profit and Loss (E P&L)
5.1 Die Praxis der E P&L
5.2 Motive von Puma für die E P&L
5.3 Bewertungsmethode der E P&L von Puma
5.4 Ergebnisse der E P&L von Puma

6 Kritische Würdigung der E P&L von Puma
6.1 Stärken
6.2 Schwächen
6.3 Resultat

7 Fazit
7.1 Limitationen
7.2 Ausblick

Quellenverzeichnis

Abstract (Zusammenfassung)

Das menschliche Wohlbefinden ist stark abhängig von Ökosystemen und von den Vorteilen, die sie bieten, wie Nahrung und Trinkwasser. Sie stellen die Grundlage eines sicheren und gesunden Lebens dar. Um die wachsende Nachfrage nach Rohstoffen, Nahrungsmitteln und Energie zu befriedigen, hat die Menschheit in den letzten Dekaden großen Einfluss auf die Natur genommen und zum Teil irreversible Veränderungen der Ökosysteme und der Biodiversität verursacht. Eine neue Denkrichtung in bisherige Wirtschaftsmodelle und unternehmerische Verhaltensweisen ist nötig, wenn das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung verwirklicht werden sollte. Um gemeinsam weitere Degradierungen der weltweiten Ökosysteme zu verhindern, müssen Zivilgesellschaft, Privatwirtschaft und Politik regional als auch international zusammenarbeiten. Der erste Schritt, um die weltweiten Umweltschäden zu verringern, ist über die eigenen Umweltauswirkungen weltweit bewusst zu werden. Als ein neuer Ansatz zielt die Idee der Ökosystemdienstleistungen darauf ab, den natürlichen Lebenserhaltungsprozessen eine höhere Wertschätzung beizumessen. Inspiriert von dieser Idee sowie um einen für das Unternehmen strategisch wichtigen Zug vollzogen zu haben, veröffentlicht das Unternehmen Puma im Jahre 2011 seine erste ökologische Gewinn- und Verlustrechnung (E P&L) in Form eines eigenständigen Umweltberichts in monetären Werten. Abgesehen von wenigen Primärdaten aus dem eigenen Umweltmanagementsystem basiert die E P&L überwiegend auf modellierten Daten, da exakte Informationen und Datenmaterialien in der Lieferkette fehlen. Trotz der Herausforderungen der ökonomischen Bewertung von Umweltauswirkungen schafft es Puma, zu zeigen, dass unternehmerische Verantwortung die gesamte Wertschöpfungskette betrifft. Hinzu wirft die E P&L von Puma die Diskussion um die Internalisierung von externen Effekten in unternehmerischen Entscheidungsfindungsprozessen um einen beachtlichen Schub voran. Auch wenn Veränderungen Zeit brauchen, sind Akteure des Wandels nötiger als je zuvor.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Das Drei-Säulen-Modell

Abb. 2: ÖSD i.A.a. das Drei-Säulen Modell

Abb. 3: ÖSD-Veränderungen und Konsequenzen auf Menschen

Abb. 4: Bewertungsansätze von ÖSD

Abb. 5: Schlüsselelemente der Bewertung in der E P&L

Abb. 6: Ergebnisse der E P&L von Puma

Abb. 7: Vergleich von InCycle-Produkten mit konventionellen Produkten

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Monetäre Bewertungsmethoden im Vergleich

Tab. 2: Die wesentlichsten Umwelteinflussbereiche von Puma

Tab. 3: Pumas Lieferkette und Auswirkungen auf die Umwelt

Tab. 4: Regionale Analyse der Umweltauswirkungen von Puma

Tab. 5: Geschäftsbereich-Analyse der Umweltauswirkungen von Puma

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Symbolverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Ausgangssituation und Problemstellung

Umweltweltkatastrophen, wie radioaktiv verseuchte Gebiete, Plastikinseln in den Ozeanen, Öl verklebte Landschaften und ausgedörrte Salzseen, stellen eine Bedrohung für das Fortleben vieler Ökosysteme und somit eine große Herausforderung für eine nachhaltige Entwicklung auf der Erde dar (Unger 1994, S. 1; Barton 1999, S. 211). Bereits bis 2050 werden um die 30% mehr Menschen auf der Welt leben (WBCSD 2010). Durch die wachsende Bevölkerung insbesondere in den Entwicklungsländern und den erhöhten Pro-Kopf-Verbrauch der Industrieländer steigt die Nachfrage nach knappen Ressourcen (Jöhr 1982, S. 8; UN 2004, S. 25; UN 2015). Um dieser stet wachsenden Nachfrage u.a. nach Nahrung, Wasser, Fasern und Treibstoffen gerecht zu werden, ändert der Mensch die weltweiten Ökosysteme auf eine dramatische und unumkehrbare Art und Weise (MEA 2005b, S. 4; WBCSD 2010, S. 2 f.). Dabei kämen die Vorteile eines weltweit funktionierenden Ökosystems nicht nur einem Individuum zugute, sondern stünden dem Gemeinwohl zur Verfügung (TEEB 2010, S. 6, Jones 2010, S. 131). Leider werden sie jedoch unter dem Gesichtspunkt der Nicht-Ausschließbarkeit und Nicht-Rivalität hauptsächlich als öffentliche Güter bzw. Kollektivgüter behandelt (Samuelson 1954, S. 387; Hess 1980, S. 375; Barton 1999, S. 208 ff.; Chee 2004, S. 549). Da öffentliche Güter keinen Preis oder ökonomisch eindeutigen Handelswert haben, werden sie nicht über Märkte gehandelt (Boyd/Banzhaf 2007, S. 617). Dies führt dazu, dass Unternehmen den Umweltfaktoren bzw. den externen Effekten keine monetären Größen zuordnen, an denen sie schließlich gemessen werden könnten (Barton 1999, S. 209 ff.). Des Weiteren kann es dazu kommen, dass Aspekte, die außerhalb des ökonomischen Prinzips (Maximierung der Differenz zwischen Nutzen und Kosten) liegen, entweder vernachlässigt oder gar nicht erst abgebildet werden (ebd.). Das veranlasst Unternehmen in der Regel, die Natur unkontrolliert zu übernutzen und auszubeuten (Grunewald/Bastian 2010, S. 29). Werden tradierte Denkmuster, dass die natürlichen Ressourcen grenzenlos frei zur Verfügung stehen, wie bisher fortgeführt und Umweltgüter weiterhin in Kosten-Nutzen-Kalkülen der gängigen Wirtschaftsverhalten global vernachlässigt, wird die Natur größtenteils irreversibel geschädigt (Faber/Manstetten 1992, S. 16, Jones 2010).

Das Konzept der Ökosystemdienstleistungen (ÖSD) soll Abhilfe schaffen und das Bewusstsein in der Gesellschaft, Wirtschaft und Politik deutlich dahingehend stärken, die Natur und dessen Funktionen für die menschliche Existenz wertzuschätzen (Daily 1997, S.3; Costanza et. al 1997a). Als ein Bindeglied zwischen Ökologie und Ökonomie, beschreiben ÖSD durch die natürlichen Lebenserhaltungsfunktionen und der damit verbundenen biologischen Vielfalt Vorteile bzw. Nutzen („ benefits “) für das menschliche Wohlergehen (ebd). Um Umweltverschmutzung, Erschöpfung der natürlichen Ressourcen sowie das Aussterben von Tier- und Pflanzenarten zu vermeiden, ist insbesondere unternehmerischer Handlungsbedarf gefragt (WBCSD 2011, S. 4). Die Fähigkeit ÖSD zu bewerten und in unternehmerische Entscheidungen einzubeziehen ist daher dringender als je zuvor gefragt (Grunewald/Bastian 2012, S. 90). Hierbei hilft die Transformation der ÖSD in monetäre Werte, um sie als knappe und nutzenstiftende Güter wertzuschätzen (ebd.). Entgegen der Externalisierung ökologischer und sozialer Effekte, die es der Wirtschaft erlaubt auf Kosten der Gesellschaft Profite zu maximieren (externe Umweltkosten), soll auf diese Weise deren Internalisierung im Unternehmen deutlich mehr Zugang finden (Endres 2010, S. 21 f.; WBCSD 2011, S. 4).

Neben der Produktion und Nutzung von erneuerbaren Energien, umweltschonenden Materialien sowie effizienten Transportsystemen stehen Unternehmen immer mehr im Lichte der Öffentlichkeit, über ihre Wertschöpfungsaktivitäten und dadurch verursachte externe Effekte zu berichten (Pramanik et al. 2008; WBCSD 2011). Inzwischen fordern nicht nur Regierungen und Umweltaktivisten mehr Transparenz über die vom Unternehmen verursachten Auswirkungen auf die natürliche Umwelt und Biosphäre (Umweltauswirkungen) sowie Maßnahmen zur Vermeidung oder Verminderung weiterer Umweltschäden in Umweltberichten, sondern ebenso Kunden, Eigentümer, Mitarbeiter und Geschäftspartner (Pramanik et al. 2008, S. 149). Hierbei gilt die Umweltberichterstattung (UBE) als ein Werkzeug, um über die eigenen betrieblich bedingten Umweltauswirkungen mit einer Vielzahl von Interessengruppen– einschließlich der Öffentlichkeit, lokale Gemeinschaften, staatliche Behörden, Umweltgruppen, Mitarbeiter, Aktionäre und Kunden – (Stakeholder) zu kommunizieren (ebd.). Abgesehen von der Entwicklung von alternativen Umweltrechnungssystemen stellt die UBE ein bedeutender Antrieb für den Internalisierungsprozess von ÖSD im Unternehmen dar, um die gesamte Bandbreite der Umweltauswirkungen offenzulegen (Jones 2010). Allerdings setzt eine UBE die Monetarisierung der Umweltauswirkungen nicht zwangsläufig voraus, wohl aber deren qualitative und quantitative Erfassung (Hartmann 2014, S.28). Trotz des herausfordernden Ansatzes der Ökonomisierung der Umwelt, dass die Natur sich nicht in monetären Werten erfassen lässt (Petschow et al. 2014, S.15), sind diese für eine objektive Behandlung unterschiedlicher Umweltschäden besser geeignet als physikalische Größen (Costanza et. al 1997a, S. 253). Insbesondere weil diese Daten unter Ökonomen zu mehr Verständnis sowie einer besseren Vergleichbarkeit führen, die in vielen Entscheidungsfindungsprozessen einbezogen werden können (Puma 2011, S. 5). Da aber die Wirtschaft die Umweltthematik generell als eine kostenverursachende Belastung ansieht (Hallay 1989, S. 2), ist laut Kering (2012) genau der obengenannte Aspekt einer der wichtigsten Motive, warum Puma seine Umweltauswirkungen entlang der gesamten Lieferkette als monetäre Werte in der E P&L aufführt (Kering 2012).

Als eines der ersten Beispiele über die unternehmensbezogenen Umweltauswirkungen in ökonomischen Werten zu berichten, gilt Pumas ökologische Gewinn- und Verlustrechnung (Environmental Profit and Loss Account: E P&L) (Puma 2011; Kering 2012). Die deutsche Tochtergesellschaft der Kering S.A. (Kering) hat sich das strategische Ziel gesetzt, umweltverträglicher zu wirtschaften, um einer der nachhaltigsten Sportsartikelhersteller weltweit zu werden (ebd.). Anhand eines eigenständigen Umweltberichts, in der das Unternehmen seine Umweltauswirkungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette erfasst und in monetären Werten transformiert (i.H.v. 145 Mio. €; 70 % des Unternehmensgewinns), betritt das Unternehmen Neuland im Bereich ökologischer Unternehmensbilanzierung (ebd). Jedoch stellt schon die Datengenerierung eine zentrale Herausforderung dar, mit der Puma noch lernen muss umzugehen (ebd.). So ist das Unternehmen gezwungen, Datenlücken v.a. in der Wertschöpfungskette durch Extrapolationen und Modellierungen zu schließen (Puma 2011 S. 13 f.). Dabei bleibt es fraglich, ob der Ansatz und die Methoden von Puma relevant für die gesamte Wirtschaft sein können, wofür u.a. eine verursachungsgerechte Messbarkeit und Bewertung von Umweltauswirkungen vorausgesetzt werden sollte. Hinzu existieren selbst in der Theorie noch Unstimmigkeiten darüber, welche Kategorisierung, Methoden und Indikatoren am besten für die ökonomische Bewertung von ÖSD geeignet sind (Hein et al. 2006, S. 224 f.; Wallace 2007, S. 238 f.; de Groot et al. 2010, S. 261; Menzel/Teng 2010). Hierbei kommen vor allem die Fragen auf, inwiefern ÖSD unabhängig voneinander betrachten werden können und aus welcher Perspektive bzw. für welche Stakeholder bewertet und berichtet wird (ebd.).

1.2 Forschungsziel und Methodik

Ziel der Masterarbeit ist es, den aktuellen Stand der Debatte zu den Themen Nachhaltigkeit, UBE und ökonomische Bewertungsmethoden von ÖSD aufzuarbeiten. Darüber hinaus soll vor dem Hintergrund dieser Debatte Pumas E P&L vorgestellt, eingeordnet und bewertet werden. Hierbei kommen insbesondere die Fragen auf, welche Motive hinter der Herangehensweise von Puma stecken, die eigenen Umweltauswirkungen anhand von monetären Werten zu veröffentlichen, und wie das Management mit den Herausforderungen in Bezug auf die ökonomische Bewertung von Umweltauswirkungen umgegangen ist.

Bei dieser Arbeit handelt es sich um eine literaturbasierte, konzeptionelle Arbeit. Daher wird zunächst auf Basis der Theorie zur Unternehmensverantwortung ein Überblick über den aktuellen Stand zum Thema UBE verschafft. Danach wird auf die unterschiedlichen monetären Bewertungsmethoden von ÖSD und die damit verbundenen Herausforderungen für Unternehmen eingegangen. Anhand eines Beispiels aus der Praxis (Puma) wird aufgezeigt, wie Puma die theoretische Konzeption der monetären Bewertung von unternehmensbezogenen Umweltauswirkungen in seine E P&L umgesetzt und im Kontext der UBE veröffentlicht hat. Schließlich wird in der Gegenüberstellung der Stärken und Schwächen der E P&L die vorher beschriebenen Themen wieder aufgegriffen und darauf eingegangen, warum Puma diese Form der UBE gewählt hat und wie das Unternehmen mit den Herausforderungen der monetären Bewertung von ÖSD umgegangen ist.

Die für die Arbeit relevante Literatur wird anhand von passenden Suchbegriffen im Katalog der Hamburger Bibliotheken sowie in bekannten Zeitschriftendatenbanken, wie ProQuest, EBSCO, JSTOR usw. recherchiert. Da die Erarbeitung der E P&L gemeinsam mit den Beratungsgesellschaften Trucost und PricewaterhouseCoopers (PwC) erfolgt (Puma 2011, S. 12) und von der Expertengruppe (Kering 2012) u.a. zusammengefasst ist, basiert die Darstellungen der E P&L in Kapitel 5 auf die Berichte und Informationen von Puma (2011), Kering (2012), Kering (2015a) und Trucost (2016).

Darüber hinaus werden für die kritische Evaluierung in Kapitel 6 öffentliche Berichte, Zusammenfassungen und Analysen von Puma (2011), Hartmann (2014) und Kjaer et al. (2015) herangezogen sowie nach relevanten Querverweisen in der Literatur und den genannten Praxisberichten gesucht. Auf allen hiervon abweichenden Quellen wird in den jeweiligen Abschnitten des Kapitels 5 und 6 explizit hingewiesen.

2 Unternehmen und die natürliche Umwelt

2.1 Umwelt, Ökologie und Ökonomie

Um auf die Notwendigkeit der Wechselwirkungen zwischen Ökologie und Ökonomie eingehen zu können, ist es zunächst sinnvoll, die Begriffe Umwelt, Ökologie und Ökonomie voneinander getrennt zu erläutern. Generell kann unter Berücksichtigung der Umgebung, mit der jedes Unternehmen in Wechselbeziehungen steht (Gabler 1997, S. 3868), zwischen der natürlichen oder ökologischen und der künstlich vom Menschen geschaffenen (anthropogenen) Umwelt unterschieden werden. Während die anthropogene Umwelt sich in politisch-rechtliche, ökonomische, sozio-kulturelle und technologische (PEST-Analyse) Umweltsegmente aufteilt, umfasst die natürliche Umwelt Boden, Wasser, Luft und biologische Vielfalt, wozu auch der Mensch an sich gehört (Biosphäre) (Wagner 1997, S. 2 ff.; Hansmann 1998, S. 8). Im Laufe dieser Arbeit wird der Fokus überwiegend auf die natürliche Umwelt (f. nur Umwelt genannt) gelegt, da sie in Bezug auf die ausgewiesenen Umweltauswirkungen in der E P&L von Puma von größerer Bedeutung ist. Von Umweltauswirkungen wird generell gesprochen, wenn das Unternehmen in Wechselwirkung zu seiner Umwelt steht und sie beeinflusst bzw. verändert (Hitzler, 1998, S. 4 ff.).

Die erste Einführung des Begriffes Ökologie als eine eigenständige Wissenschaft innerhalb der Biologie führt in das Jahr 1866 zu Ernst Haeckel (Leser 1997, S.13 f.): „Unter Oecologie verstehen wir die gesamte Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt, wohin wir im weiteren Sinne alle ‚Existenz-Bedingungen‘ rechnen können. Diese sind teils organischer teils anorganischer Natur:“ (Haeckel 1866, S. 286).

Damit stellt die Ökologie die Lehre vom Haushalt der lebenden Organismen mit der Natur im Kampf ums Überleben dar („oikos“: Haus/Haushalt, „logos“: Lehre/Kenntnis) (Leser 1997, S. 28; Hansmann 1998, S. 196). Mehr als ein Jahrhundert später definiert Krebs (1972) die Ökologie als das Studium der vielseitigen Wechselwirkungen mit populationsbiologischen Effekten auf die Lebewesen (Krebs 1972; Begon et al. 2006, S. xi). Diese Arbeit folgt den Gedanken, die Ökologie als ökologische Wissenschaft im Sinne von Krebs (1972) und Begon et al. (2006) zu verstehen, welche die Aufgabe hat, den Zustand der Ökosysteme zu erfassen und Informationen darüber zu liefern, welche Einflüsse zu deren Veränderung führen. Gegenwärtig wird die Ökologie zunehmend im Zusammenhang mit der Ökonomie, Soziologie und Geografie gesehen, um die komplexen Wechselwirkungen in der Natur aus verschiedenen wissenschaftlichen Dimensionen zu betrachten (Leser 1997, S 6 f.; Jax 30.10.2015)

Die Ökonomie oder Wirtschaft befasst sich mit dem Zusammenwirken aller Einrichtungen in einer Volksgemeinschaft, wie private und öffentliche Haushalte sowie Unternehmen (auch Wirtschaftssubjekte genannt), und die sich unter der Prämisse der Ressourcenallokation ergebenen Herausforderungen in der Maximierung des menschlichen Wohlstands (Goodland/Ledec 1987, S. 20). Abgesehen von einigen wenigen freien Gütern stellen knappe Güter, bei denen das natürliche Vorkommen im Verhältnis zu den menschlichen Bedürfnissen geringer ausfällt, die hauptsächliche Herausforderung in einer Volksgemeinschaft dar. Menschliche Bedürfnisse werden befriedigt, indem der Mangel nach Gütern und Dienstleistungen beseitigt wird. Daher befasst sich die Ökonomie mit Entscheidungsalternativen, die sich auf einen sparsamen Umgang mit knappen Gütern fokussieren, um die Befriedigung der menschlichen Bedürfnisse zu maximieren (Grunewald/Bastian 2012, S. 90).

Seit langer Zeit gelten Ökonomie und Ökologie als unvereinbar. Zwischen beiden Disziplinen ist häufig von einem Spannungsfeld die Rede, in der ökonomische Vorteile ökologische Nachteile bedingen oder umgekehrt (Ghazaryan 2008, S. 56). Damit ist gemeint, dass traditionelle Unternehmensziele, wie Umsatzwachstum und Gewinnmaximierung (Kremer 2012, S. 21), mit den Zielen des unternehmerischen Umweltschutzes divergieren (Ghazaryan 2008, S. 56), da Umweltschutzmaßnahmen zu erhöhten Einkaufspreisen und Produktionskosten führen würden, die gerade Unternehmen mit Kostensenkungsstrategien am meisten betreffen könnten (Hallay 1989, S. 2 f.). In diesem Sinne gehen Unternehmen davon aus, dass Umweltschutzmaßnahmen den Unternehmenserfolg negativ beeinflussen würden (Faber/Manstetten 1992, S. 16 f.), was sie dazu bringt, dass sie nur die Mindestanforderungen an gesetzlichen Vorschriften zum Umweltschutz erfüllen (Hansmann 1997, S. 148).

Seit Ende der sechziger Jahre erfuhr die Ökologie international im Rahmen zunehmender Umweltschutzdebatten eine Bedeutungserweiterung als Synonym für ressourcenschonender Umgang mit der Natur oder umweltfreundliche Lebensführung (Jöhr 1982, S. 8). Zunächst orientierte sich die Theorie daran, Umweltschutz anhand qualitativer Argumente in die ökonomischen Denkstrukturen zu integrieren (Meffert/Kirchgeorg 1998, S. 22 f.). Besonders in den letzten 20 Jahren hat sich die Ökologie in verschiedenen Formen des Umweltmanagements zu einem festen Bestandteil unternehmerischer Überlegungen entwickelt (ebd.). Das Umweltmanagement soll dazu beitragen, sowohl aktuelle Umweltprobleme zu bewältigen und strategische Umweltrisiken abzuwehren als auch langfristige Unternehmensziele zu sichern (Hansmann 1997, S 148). Demnach hat sich die Auffassung, dass ein offensiv konzipiertes und strategisch ausgerichtetes Umweltmanagement den Unternehmenserfolg fördert, durchgesetzt (Wagner/Schaltegge, 2002, S. 23). Als interdisziplinäres Wissenschaftsfeld führen u.a. Costanza et al. (1997b) das Konzept der ökologischen Ökonomie ein, das an einer Erweiterung der klassischen Ökonomie ansetzt und neben ökologische und ökonomische auch gesellschaftliche Aspekte integriert. Demnach wird die Ökonomie als eine Hilfestellung zur Ökologie verstanden, anhand der zu mehr Lösungen von komplexen Umweltproblemen beigetragen werden kann (Costanza et al. 1997b, S. 48 ff.).

2.2 Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft

Laut Meffert und Kirchgeorg (1998) hat Umweltschutz in der internationalen Forschung zur weltweiten Gesetzgebung ab den 70er Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Auch in Deutschland sind bereits im Jahr 1980 die ersten Umweltschutzdebatten in das Blickfeld des öffentlichen Interesses angekommen (u.a. durch die Gründung der umweltschutzorientierten Partei der „Grünen“). Die gestiegene Aufmerksamkeit wurde ausgelöst durch die vielen anthropogen verursachten Umweltschäden in dieser Zeit, wie die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986, die dazu führten, dass sich weltweit viele Umweltschutzorganisationen etablierten. Schließlich griff die internationale Gesetzgebung Umweltschutz als Aufgabe der Vereinten Nationen (VN) auf, und Umweltschutz, als der bis zu diesem Zeitpunkt von den Naturwissenschaftlern dominierter Bereich, wurde zu einem Diskussionsschwerpunkt unterschiedlicher Disziplinen (Meffert/Kirchgeorg 1998, S. 14).

Im Jahre 1992 legten insgesamt 172 Staaten auf der Konferenz der VN über Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro (Rio-Konferenz) den Grundstein für ein Umdenken in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung und ratifizierten gemeinsam das Aktionsprogramm, die Agenda 21 (Emrich 2015, S. 1). Mit der Rio-Konferenz ist sowohl die nationale als auch die internationale Wirtschaftspolitik aufgefordert, Naturschutz und Umweltmanagement als eine der höchsten Prioritäten in ihr Handeln zu etablieren (UN 1992, S. 3 ff.; Schoenheit et al. 2008, S. 11). Zwei Jahre später verankerte sich speziell in Deutschland das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung als Staatsziel im Grundgesetz, welches die Entwicklung und Konkretisierung von nationalen Zielen und Maßnahmen u.a. im Bereich Umweltschutz fordert (Grunewald/Bastian 2010, S. 321). Während der Rio-Konferenz wurde ebenso die Convention on Biological Diversity (CBD) mit dem Ziel, die Biodiversität bis 2050 zu bewerten, unterzeichnet (CBD, 2016a). Im Bereich der Implementierung hat die CBD 12 Prinzipien entworfen, die u.a. das Involvieren der Stakeholder sowie die Bewertung von Umweltauswirkungen festlegen (CBD, 2016b). Doch trotz Anstrengungen auf globaler, europäischer und nationaler Ebene wurde das Ziel, den Verlust von Biodiversität bis 2010 deutlich zu reduzieren, nicht erreicht (EU-PAR 2012, S. 22).

1997 legte das Kyoto-Protokoll verbindliche Zielwerte für Emission von Treibhausgasen (THG) erstmals fest, denen sich v.a. die Industriestaaten verpflichtet sahen. So hat sich die Europäische Union (EU) dazu verpflichtet, in dem Zeitraum von 2008 bis 2012 die durchschnittlichen Schadstoffemissionen um acht Prozent gegenüber dem Niveau von 1990 zu reduzieren (Jones 2010, S. 124). Stern (2007) prognostiziert, dass ein gemeinsames Eingreifen zur Vermeidung der globalen Klimaveränderung mittelfristig weniger kosten würde als ein späteres Einschalten (Stern 2007). Im Zuge der Ergebnisse der Studie Millennium Ecosystem Assessment (MEA; s. nächsten Abschnitt) und des Stern-Berichts, verspricht sich die Gruppe der G8+5 mehr Schulterschluss beim Klimaschutz (MEA 2005a; BBC 16.02.2007). In der Zeit finden umweltbezogene Input-Output- (I-O) Modelle zur Reduktion von Umweltauswirkungen verstärkt Anwendung (Jones 2010, S. 124). Kurz darauf entstand die Forschungsinitiative: The Economics of Ecosystems and Biodiversity (TEEB). Mit einer umfassenden ökonomischen Perspektive auf die Umwelt verfolgt TEEB das Ziel, die Natur und deren natürliche Ressourcen für den Menschen sichtbar zu machen, indem weltweite Studien zusammengefasst und Ansätze zur ökonomischen Bewertung von ÖSD und biologischer Vielfalt aufzeigt werden. So beziffert z.B. Gallai et al. (2009) den Wert der allein für den Menschen lebensnotwendige Blütenbestäubung durch Insekten auf 153 Mrd. €, die 9,5 % der weltweit produzierten Lebensmittel entspricht (Gallai et al. 2009, S. 819). In diesem Kontext werden weitere Studien und Berichte für Entscheidungsträger in der Wirtschaft und Politik publiziert, anhand derer sich insbesondere Unternehmen informieren können, wie sie ihre Umweltauswirkungen qualitativ und quantitativ bewerten können (TEEB 2016). Zur Fortführung des internationalen TEEB-Programms ist in Deutschland 2011 das Projekt „Naturkapital Deutschland" entstanden, das zum Ziel hat, in den Bereichen Klima, Entwicklung ländlicher Räume und Naturleistungen in Städten zu berichten sowie diese in einem „ National Assessment “ zusammenzufassen (Naturkapital-DEU 2012).

2.3 Unternehmensverantwortung und Nachhaltigkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weltweit hat sich die Bezeichnung der nachhaltigen Entwicklung als eines der bedeutsamsten Schlagwörter und als Maßstab für die Zukunftsfähigkeit der Menschheit und Natur etabliert (Kastenholz et al. 1996, S. 1). Das Konzept der nachhaltigen Entwicklung wird oftmals als ein Drei-Säulen-Modell beschrieben (vgl. Abb.1), das eine gleiche Gewichtung der drei Dimensionen Ökonomie, Ökologie und Soziales umfasst und deren einheitliche Integration (s. Teilmenge) als generelles Handlungsprinzip angestrebt wird (Müller 2015, S. 6).

Eine relevante Definition nachhaltiger Entwicklung liefert der sogenannte Brundtland-Bericht mit dem Titel „Our Common Future“, den die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (World Commission on Environment and Development; WCED) der VN im Jahre 1987 publizierte (WCED 1987). Demnach versteht die Kommission unter dem Leitbild der nachhaltigen Entwicklung eine „Entwicklung, die die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen“ (Generationsgerechtigkeit) (WCED 1987, S. 16).

Unternehmen – insbesondere multinationale Konzerne als die treibende Kraft für Innovationen in einer Gesellschaft – stellen mit ihren global aufgestellten Geschäftsmodellen die wesentlichste Ursache für Umweltveränderungen und Umweltschäden dar (Frey 1980, S. 47, Hansmann 1997, S. 145). Langfristig gesehen hat ihr ökologischer Fußabdruck weitreichend negative Folgen für die natürlichen Lebensgrundlagen der künftigen Generationen (Sukhdev 2013). Demnach können echte Fortschritte in Richtung einer nachhaltigen Entwicklung nur dann erzielt werden, wenn Unternehmen sich verpflichtet fühlen zu handeln und die verursachten externen Effekte beseitigen (Jones 2010, S. 123 f.). Für Drucker (1973) scheint es unausweichlich zu sein, dass Unternehmen sich ihrer sozialen Auswirkungen und Verantwortung entziehen (Drucker 1973, S. 325).

Obwohl die Bedeutung der nachhaltigen Entwicklung im Unternehmensleitbild sowie die Anzahl der Unternehmensaktivitäten im Umweltmanagement in den letzten Jahrzehnten zugenommen haben (Scherer/Palazzo 2011, S. 899), hat das bisherige Geschäftsmodell der multinationalen Konzerne deutlich zum Verlust von ökologischen Lebenserhaltungssystemen beigetragen (Jones 2010, S. 128 f.; Sukhdev 2013). Besonders seit der industriellen Entwicklung mit dem Schwerpunkt im Textilsektor ab dem 19. Jahrhundert (Hansmann 1997, S. 10) und der technischen Erleichterung der globalen Beschaffungs- und Produktionsprozesse haben Umweltbelastungen deutlich zugenommen (Hansmann 1997, S. 145). Im Anbetracht der gegenwärtigen Wertschöpfungsprozesse und vom Unternehmen verursachten Umweltauswirkungen weisen Kreikebaum (1992a) und Günther (2008) auf zwei Hauptmerkmale der Umwelt hin. Zum einen ist sie während der wirtschaftlichen Beschaffungs- und Leistungsstellung (Input- oder Verbrauchseite) ein unverzichtbarer Ressourcenlieferant. Zum anderen stellt sie ein Aufnahmemedium für die unerwünschten Abfallprodukte und Schadstoffe dar (Output-Seite), die durch die Leistungserstellung aber auch dem Verbrauch der z.B. Konsumenten verursacht werden. Somit führen unkontrollierter Ressourceneinsatz, ausgelassene Verwertung sowie unsachgemäße Entsorgung von langjährig bestehenden Abfallstoffen zur Verschmutzung von Umweltkompartimenten wie Luft, Boden und Wasser (Kreikebaum 1992a, S. 2; Günther 2008, S. 3).

Laut Stern (2007) trägt die Erschöpfung von natürlichen Ressourcen, wie z.B. Abholzung der Wälder u.a. für Viehzucht und Nahrungsanbau, jährlich zu mehr Kohlendioxidkonzentration in der Luft bei als die globalen Emissionen durch den Verkehrssektor (Stern 2007, S. ix). Die Emissionen von Treibhausgasen (THG) und anderen Gasen belasten die Luft und tragen grundsätzlich zu einer schnelleren Erderwärmung bei (Hitzler 1998; IPCC 2007; Günther 2008, S. 4 f.; Puma 2011, S. 12). Neben dem Anstieg der Meeresspiegel und häufigere Extremwetterereignisse führen steigende Temperaturen wiederum zu einer Verschlechterung der natürlichen Aufnahmefähigkeit des atmosphärischen Kohlendioxids und somit u.a. bei Regenfällen zur Versauerung des Bodens und der Ozeane (ebd.). Auf der anderen Seite belasten mangelnde Entsorgungsalternativen von z.B. Plastikrückständen in der Umwelt weiterhin die Meere und deren marine Biodiversität (Derraik 2002, S. 842). Ebenso werden Flüsse als Aufnahmemedium für Abwasser benutzt und durch industrielle und gewerbliche Ausscheidungsstoffe, wie Chemikalien, Öle, Farben und sonstige Sonderabfälle verunreinigt, wodurch der Lebensraum für viele Pflanzen und Tiere zerstört wird (Hitzler 1998, S. 8 ff.).

Immer mehr Unternehmen werden sich dieses Problems bewusst und leisten einen Beitrag zum Leitbild der nachhaltigen Entwicklung, indem sie das Konzept der Corporate Social Responsibility (CSR) in ihrem Unternehmen einführen (Kubaščíková 2008, S. 19; Jones 2010). Unter CSR wird das Konzept verstanden, auf freiwillige Basis gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen, die über der eigentlichen Geschäftstätigkeit und Gesetzeskonformität des unternehmerischen Engagements hinausgeht (EU-KOM 2001, S. 7; Scherer/Palazzo 2011, S. 899 f.). Somit sind Unternehmen die „Schlüsselinstitutionen“ in einer Gesellschaft, um das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung voranzubringen (Drucker 1973, S. 325). Mit dem Begriff Leitbild soll sowohl die offizielle Wahrnehmung (Bildcharakter) als auch die handlungsorientierten Aspekte (Leitcharakter) unternehmerischer Verantwortung angesprochen werden (Dierkes/Marz 1992, S. 229 ff.), die den sozial- und umweltbewussten Austausch mit den relevanten Interessen- und Anspruchsgruppen nicht vernachlässigt, um langfristig Handlungsoptionen zur Lösung von sozialen und ökologischen Problemen zu erarbeiten (Müller 2015, S. 211). In diesem Sinne verlangt das CSR-Konzept, gesellschaftliche und ökologische Ansprüche der Stakeholder in die Unternehmenstätigkeiten der höchsten Managementebene des Unternehmens zu verankern, um sie in langfristig strategisches und operatives Handeln umzusetzen (Drucker 1973, S. 337 f.; Reich 1998, S. 15 f.).

2.4 Ökosystemdienstleistungen

Mit ÖSD werden Nutzen und Vorteile (benefits) verstanden, die der Mensch, durch die Ökosysteme bereitgestellt bekommt (MEA 2005a, S. 49). Somit stellt die ÖSD-Idee den Menschen generell in den Mittelpunkt und fordert, dass Ökosysteme weltweit nachhaltig geschützt werden, um die Bereitstellung von ÖSD für den Menschen langfristig zu sichern (MEA 2005a, S. 49; Fisher et al. 2008, S. 2051). Speziell soll aufgezeigt werden, welche Werte durch die Existenz und das Funktionieren der Ökosysteme für den Menschen entstehen und wie der Mensch im Stande ist, diese zu verändern (Fisher et al. 2008, S. 2051; Grunewald/Bastian 2012, S. 322).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: ÖSD i.A.a. das Drei-Säulen Model

(Quelle: Laurila-Pant et al. 2015, S. 2)

In der Literatur werden ÖSD definiert als die Gesamtheit der Zustände und Prozesse von Ökosystemen und die damit verbundene Biodiversität, die das menschliche Leben erhalten und ausfüllen (Daily 1997, S. 3). Mit anderen Worten stiften Ökosysteme Nutzen, die als direkte und indirekte Beiträge zum menschlichen Wohlbefinden aufgefasst werden können (de Groot 1987; Costanza et al. 1997a, S. 253). In Anlehnung an das Drei-Säulen-Modell (s. Abb. 2) soll mit der Verbindung von Ökosystem und Dienstleistungen eine Brücke zwischen Natur und Wirtschaft gebildet werden, auf der sich die unterschiedlichen Dimensionen Ökosystem und Biodiversität, nachhaltiges Wirtschaften und gesellschaftlicher Wohlstand treffen können.

Dabei stellt ein Ökosystem als Gegenstand der Ökologie einen Verbund aus biotischen und abiotischen Faktoren dar (Leser 1997, S. 18). Das heißt, sie besteht aus einer Lebensgemeinschaft von pflanzlichen und tierischen Organismen (Biozönose, biotisch) sowie dem dazugehörigen Lebensraum (Biotop, abiotisch), die beide trotz dynamischer Prozesse gemeinsam zu einem Gleichgewichtszustand tendieren (Grunewald/Bastian 2012, S. 4; Frey 1980, S. 48). Diese Lebensräume weisen eine hohe ökologische Komplexität auf, da sie geografisch ineinander übergehen können und durch innere und äußere Einflüsse stark veränderbar sind. Hinzu stehen die abiotischen und biotischen Faktoren in ständigen Wechselwirkungen zueinander und können sich teilweise unerwartet verändern (Simmons 1993, S. 29; Pearce/Moran 1994, S. 5 f.).

Speziell in der deutschen Literatur lassen sich die Wurzeln des ÖSD-Konzepts bereits Mitte des 20. Jahrhunderts finden, als die „Potenziale des Naturraumes“ und der Wohlfahrtseffekt durch die Umwelt zum ersten Mal thematisiert wurden (Grunewald/Bastian, 2012, S. 16). In der englischsprachigen Literatur findet laut Hermann et al. (2011) der Begriff Ecosystem Services von Ehrlich und Ehrlich (1981) sowie von Ehrlich und Mooney (1983) Anfang 1980 zum ersten Mal Anwendung (Ehrlich/Ehrlich 1981; Ehrlich/Mooney, 1983, S. 248). Um weitere Degradierungen von Ökosystemen zu verhindern, war es besonders wichtig, die Abhängig von natürlichen Ressourcen in der Ökonomie und Soziologie aufzuzeigen. Daher wurden Umweltschutz- und Biodiversitätsthemen verstärkt in der Gesellschaft diskutiert und wenige Jahre später das Konzept der ÖSD entwickelt, wozu v.a. de Groot (1992), Daily (1997) und Costanza et al. (1997a) beigetragen haben (de Groot 1992; Costanza et al. 1997a; Daily 1997; Hermann et al. 2011, S. 5; Grunewald /Bastian, 2012, S. 14). Schließlich haben weitere wissenschaftliche Studien und Literatur bzgl. ÖSD nach der Veröffentlichung der international durchgeführten MEA-Studie (s. Kapitel 2.5), mit der Absicht hauptsächlich Entscheidungsfindungsprozesse zu unterstützen, exponentiell zugenommen (Hermann et al. 2011, S, 5). Auch wenn das Konzept der ÖSD in Kreisen der ökologischen und ökonomischen Forschung sowie Politik zur Erklärung von komplexen Zusammenhänge zwischen Mensch und Umwelt heute fest etabliert ist (Costanza et al. 2014, S. 152), finden stets einige Definitionsunklarheiten bzgl. Zuständen, Prozessen und Funktionen von Ökosystemen statt (Petschow et al. 2014, S.14). Um jedoch die Herausforderungen zum Umweltschutz und zur Bewertung von ÖSD sowohl anschlussfähig als auch handlungsweisend kommunizieren zu können, ist es sehr wichtig ein gleichermaßen nachvollziehbares und akzeptiertes Begriffssystem für unterschiedliche Disziplinen (Ökologie, Ökonomie, Soziologie und Politik) zu schaffen (ebd.). Daher basiert diese Arbeit auf die Grundannahme, dass ÖSD gesellschaftlich wertvoll sind (Boyd/Banzhaf 2007; S. 616) und nutzt die Definition von Grunewald und Bastian (2012), nach der ÖSD Vorteile beschreiben, „die von der Natur erbracht und vom Menschen benutzt werden“ (Grunewald/Bastian, 2012, S. 3).

2.5 Millennium Ecosystem Assesment

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: ÖSD-Veränderungen und Konsequenzen auf Menschen

(Quelle: MEA 2005b, S. 50)

Das ÖSD-Konzept trägt dazu bei, die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Natur zu verdeutlichen (MEA 2005a). Auf diesen Ansatz baut die im Jahre 2005 von den VN groß angelegte und publizierte MEA-Studie (2005a; 2005b) mit dem Ziel, die Auswirkungen der aktuellen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung auf die globalen Ökosystemen zu verstehen und Szenarien für die Zukunft zu bewerten. Mit der Definition „ the benefits people obtain from ecosystems “ (MEA 2005b S. 1) für ÖSD und basierend auf u.a. der Konzeption von Costanza et al. (1997a), geht sie davon aus, dass das menschliche Wohlbefinden neben den sozialen und technischen Bedürfnissen nach Zusammenleben und Innovationen ebenso durch die ÖSD beeinflusst wird. DieÖSD in Abb. 3 werden zunächst in vier verschiedene Klassen unterteilt: Die bereitstellenden (provisioning), regulierenden (regulating), kulturellen (cultural) und unterstützenden (supporting) Dienstleistungen, wobei die letztgenannte als Grundlage für die restlichen ÖSD verstanden wird. Insgesamt gehören hierzu u.a. unverarbeitete Lebensmittel, Nahrung, und nachwachsende Rohstoffe, wie z.B. Holz und Fasern, aber auch saubere Luft, Klimaregulierung, Hochwasserschutz, die Aufnahme von biogenen Abfallstoffen und die Möglichkeiten zur kulturellen Entfaltung, wie Erholung, Freizeit und Spiritualität (Puma 2011, S. 2). Diesbezüglich kann das menschliche Wohlbefinden ebenso in die Hauptkategorien, Sicherheit, Grundvoraussetzungen für ein gutes Leben, Gesundheit, gute soziale Beziehungen sowie Wahl- und Handlungsfreiheit unterteilt werden. Dabei wird die Wahl- und Handlungsfreiheit sowohl von den anderen Kategorien beeinflusst, als auch von vielen anderen Faktoren, wie Bildung und Erziehung. Analog zu der Theorie von Maslow (1943) können bestimmte Grundbedürfnisse, wie z.B. eine gesunde natürliche Ernährung, als Voraussetzung für die individuellen Selbstverwirklichungsziele verstanden werden.

Neben der Definition und Klassifizierung von ÖSD zeigt die Studie ebenso einen systematischen Überblick über den Zustand von insgesamt 24 Ökosystemen. Obwohl die Veränderungen in der Natur v.a. durch die Landwirtschaft, Viehzucht und Fischerei zu einer Besserung des Lebens von vielen Menschen weltweit beigetragen haben, verhindern sie jedoch zugleich die natürlichen Prozesse, andere künftig überlebensnotwendige Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. So verdeutlicht die Studie, dass Ökosysteme aufgrund der steigenden menschlichen Bedürfnisse nach Ressourcen in ihrer Struktur, Funktion sowie Artenvielfalt größeren Belastungen ausgesetzt sind und sich somit mehr als je zuvor verändert haben. Rund 63% (15 von 24) der Ökosysteme auf der Welt sind zerstört und werden somit nicht nachhaltig genutzt, 90% der Fischbestände sind überfischt und 25% aller europäischen Arten sind vom Aussterben bedroht (EU-PAR 2012, S. 22). Dabei können Risiken für Mensch und Natur schwer antizipiert werden, da sich die ÖSD häufig unerwartet und irreversibel verändern, was gängige Wirtschaftsmodelle nicht gerade zu verhindern beabsichtigen. Dieser Zustand kann erhebliche Schäden für künftige Generationen verursachen, die sich negativ auf das Leitbild der nachhaltigen Entwicklung auswirken. Besonders in den ärmeren Regionen der Welt herrscht angesichts der politischen und sozialen Konflikte, der Verschlechterung der Nahrungs- und Trinkwasserversorgung und des Mangels adäquaten Schutzes vor Naturkatastrophen eine größere Abhängigkeit von ÖSD. In diesen Regionen der Welt bedeuten die negativen Konsequenzen der Umweltauswirkungen eine Verschärfung der Armuts-, Krankheits- sowie Hungersituation; was ein Hindernis bei der Erreichung der von den VN gesetzten Millennium Development Goals (MDGs) bis 2015 (ab 2015 Sustainable Development Goals: SDGs) darstellt (TEEB 2010, S. 15). Schließlich konstatiert die MEA-Studie anhand von bestimmten Szenarien, dass trotz der gleichzeitig zunehmenden Nachfrage nach ÖSD weitere Umweltbelastungen teilweise verhindert werden könnten. Hierfür fehlen jedoch die wesentlichen institutionellen und finanziellen Rahmenbedingungen sowie Anreize. Daher werden Lösungsansätze zum Umweltschutz meistens erst dann genauer wahrgenommen, wenn Ökosysteme bereits aus dem Gleichgewicht geraten oder sogar ganz zerstört sind (MEA 2005a; MEA 2005b).

3 Umweltberichterstattung

3.1 Definition

Laut Fichter (1998a) ist die UBE ein kommunikativer „Ausdruck veränderter betrieblicher Umfeldbedingungen“ (S. 18) und „die Gesamtheit aller Maßnahmen zur sachgerechten und wahrheitsgemäßen Unterrichtung von unternehmensinternen und -externen Zielgruppen über umweltrelevante Fragen des Unternehmens oder des Standortes“ (Fichter 1998a, S. 45). Ähnlich gehen Pramanik et al. (2008) vor und schreiben: „ Corporate Environmental Reporting can be defined as an umbrella term that describes various means by which companies disclose information on their environmental activities to the users. “ (Pramanik et al. 2008, S. 149).

Damit kann die UBE deutlich der Unternehmenskommunikation zugeordnet werden und ein Bestandteil des Umweltmanagements aus verschiedenen Werkzeugen bestehen (Fichter 1999, S. 1), die die Reduzierung der Umweltauswirkungen des Unternehmens optimalerweise anhand von Diskussionen mit der Öffentlichkeit und innerhalb der Branche zusätzlich voranbringen sollen (Lehmann/Clausen 1992, S. 1). Als ein Ausdruck unternehmerischer Verantwortung ist sie für die Stakeholder nur dann relevant, wenn sie deren Ansprüche und Informationsbedürfnisse berücksichtigt und neben qualitativen Informationen (die Darstellung des Leitbildes sowie Maßnahmen und Risiken im Bereich Umweltschutz) auch quantitative Indikatoren und Ziele über unternehmensbezogene Umweltauswirkungen dokumentiert (Häßler/Dahle 1997, S. 86 ff.; Steven et al. 1997, S. 9).

3.2 Historische Entwicklung

UBE hat ihren Ursprung in der Nachhaltigkeitsberichterstattung, deren Vorkommen zum ersten Mal in Form eines sozialen Audits um mehr als 75 Jahren zurückliegt (Carroll/Beiler 1975, S. 589; Hess 2008, S. 453; Lautermann/Pfriem 2011, S. 276). Anhand der Literatur kann die Berichterstattung in Form eines Mitarbeiterberichts sogar um mehr als 100 Jahren zurück geschätzt werden (Gray et al. 2014, S. 54). Bereits 1940 hat Kreps die damals übliche Gewinn- und Verlustrechnung als unzureichend gesehen, um den Beitrag der Unternehmen zu den volkswirtschaftlichen Gesamtzielen, wie Gesundheit, Bildung, Innovationen, internationaler Frieden und die Demokratisierung, zu messen (Kreps 1940, Hess 2008, S. 454). Erst als die ersten Umweltprobleme, die Ölverknappung ab 1971 sowie der von dem Expertenrat, Club of Rome, im Auftrag gegebener Bericht Limits to Growth von 1972 (Jöhr 1982, S. 8) international auf sich aufmerksam machten, bekam Umweltschutz eine höhere Priorität in der Politik (Hallay 1989, S. 2). Als Ende 1970 die ersten Umweltmanagementsysteme und I-O-Modelle (Frey 1980, S. 49) als Bindeglied zwischen ökonomischen Prozessen und deren ökologischen Wirkungen eingeführt wurden, waren Unternehmen in der Lage, eine systematische Erfassung und Gegenüberstellung (Öko-Bilanz) von Ressourcenverbräuchen (Input-Faktoren) und Umweltbelastungen (Output-Faktoren) zur Bewertung umweltrelevanter Zustände und Prozesse zu erarbeiten (Kreikebaum 1992b, S. 265 f.; Lautermann/Pfriem 2011, S. 277). Zur Abbildung der Ergebnisse sind die ersten Umweltberichte v.a. in Form von Umwelterklärungen in physikalischen Größen allmählich entstanden (Fichter 1999, S. 1). Doch weltweit hatten bis 1990 noch nicht einmal zehn Unternehmen eine umfangreiche UBE der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt (Fichter 1998a, S. 62). Angestoßen durch die historischen Ereignisse in der Gesetzgebung Anfang 1990 und das allmählich steigende Umweltbewusstsein in der Gesellschaft ist das Verlangen nach Umweltberichten nicht nur in der Politik und Forschung, sondern auch von Seiten der Konsumenten, Mitarbeiter und Geschäftspartner in der Wertschöpfungskette weltweit gestiegen (Fichter 1998a, S. 17). Seitdem werden Umweltschutz und die unternehmensrelevanten Auswirkungen auf die Natur in Geschäftsberichten, Nachhaltigkeitsberichten sowie in separaten Umweltberichten zunehmend thematisiert (ebd). Als 1989 die ersten gesonderten Umweltberichte veröffentlicht sowie das EG-Öko-Audit-Systems (Eco-Management and Audit Scheme: EMAS) im Jahre 1995 gestartet wurden, ist eine überproportional zunehmende Tendenz der unternehmerischen Publikationsbemühungen erkennbar und die Zahl der öffentlichen Umwelt- und Nachhaltigkeitsberichte deutlich gestiegen (Steven et al. 1997, S. 9; Fichter 1998a, S. 62; Kolk 2004, S. 51 ff.; Pramanik et al. 2008, S. 149). Bis 1999 sind rund 2000 UBE (Umwelterklärungen und Umweltberichte) allein von deutschen Unternehmen publiziert worden (Loew/Fichter 1999, S. 4).

Als ein Bestanteil der global wachsenden Informationssysteme über nachhaltige Entwicklung und Umweltschutz steht es aktuell nicht mehr zur Debatte, ob Unternehmen Berichterstattung leisten sollen oder nicht. Vielmehr ist es zu einer selbstverständlichen Aufgabe geworden (EU-KOM 2001, S. 18). Insbesondere große Unternehmen erstellen regelmäßig Nachhaltigkeitsberichte oder eigenständige Umweltberichte, die sich je nach den Motiven der UBE und Ansprüchen der jeweiligen Stakeholder voneinander unterscheiden (KPMG 2013a, S. 10; Müller 2015, S. 214).

3.3 Formen und Instrumente der Umweltberichterstattung

Konzeptionell kann die UBE je nach Anlass und Motivation unterschiedliche Formen annehmen sowie mit Hilfe von verschiedenen Instrumenten vorgenommen werden. Was die Form betrifft, unterscheidet Fichter (1998a) zwischen der unfreiwilligen UBE, der Pflichtberichterstattung und der freiwilligen UBE, die im Folgenden erläutert werden (Fichter 1998a, S. 43 f.):

Form: Während die unfreiwillige UBE eine Reaktion auf Druck der Öffentlichkeit, Markt oder Politik darstellt und der Schadensbegrenzung – speziell der ungeplanten Vermeidung von Imageverlust und Umsatzabnahme durch verursachte Umweltauswirkung – dienen soll, ist die Pflichtberichterstattung gesetzlich vorgeschrieben. Bereits 1999 ist eine wachsende Zahl von Ländern zu beobachten, in denen sich neben Veröffentlichungspflichten von Finanzkennzahlen ebenso die UBE im gesetzlichen Regelsystem verankert hat (KPMG 1999, S. 7 f.). In Deutschland ist hierfür das Umweltrecht relevant, die Rechtsnormen zum Umweltschutz und zur Erhaltung von Ökosystemen und Artenvielfalt festlegt. Doch durch die wachsende Regelungsdichte unterschiedlicher Richtlinien, Verwaltungsvorschriften, Gesetze, Normen und Satzungen wird das Umweltrecht für Unternehmen immer komplizierter und unübersichtlicher. Beispielsweise ist das deutsche Umweltrecht in unterschiedlichen Fachgesetzen zum Schutze von Wasser, Boden, Luft sowie Natur und Landschaft geregelt. Darüber hinaus sind der Bund, die einzelnen Bundesländer und die EU an der Gesetzgebung beteiligt. Die Fülle und Komplexität dieser Aspekte bereitet Unternehmen hohen Aufwand, alle Vorschriften zu kennen und richtig anzuwenden (Wansleben 2007, S. 14 ff.). Aufgrund dessen wurde 2005 das Reformprojekt des Bundes, die Integrierung und Harmonisierung der unterschiedlichen Fachgesetze in einem Umweltgesetzbuch, ins Leben gerufen. Trotz der vielen Vorteile ist jedoch das Projekt der Vereinfachung des Umweltrechts in Deutschland 2009 gescheitert. Dennoch hat der Bund einzelne Vorschriften als Einzelgesetze verabschiedet und diese bundesweit vereinheitlicht, wie z.B. das Umweltstatistikgesetz, THG-Emissionshandelsgesetz und das Umweltinformationsgesetz (Günther 2008, S. 354 f.; BMUB 2009).

Der Pflichtberichterstattung kommt durch das Umweltrecht zugute, dass Unternehmen dazu veranlasst werden, ein kompetentes Umweltmanagementsystem aufzubauen, um ihren Anmelde- Anzeige- und Auskunftspflichten nachzukommen (Fichter 1998a, S. 90). In diesem Sinne beabsichtigt das 2005 in Deutschland eingeführte Umweltinformationsgesetz eine bessere Information der Stakeholder (Günther 2008, S. 119). Seit 2011 verfolgt die Europäische Kommission sogar das Ziel, „integrierte finanzielle und nicht-finanzielle Berichterstattung mittel- und langfristig“ zu fördern (EU-KOM 2011, S. 14).

Als Gegensatz hierzu erfolgt die freiwillige UBE weder durch den öffentlichen Druck noch ist sie gesetzlich vorgeschrieben. V.a. lässt sie sich von der unfreiwilligen UBE dadurch unterscheiden, dass sie geplant ist und nicht unmittelbar nach einem von Unternehmen ausgelösten und öffentlich bekannten Umweltschaden erfolgt (Fichter 1998, S. 42 ff.). Dabei kann das Unternehmen selbst über den Inhalt, Aufbau und Umfang des Berichts bestimmen. Neben der standardisierten Pflichtberichterstattung und der selbstständigen UBE kann es sich auch an verschiedene Initiativen in der Nachhaltigkeitsbranche wenden, welche Unternehmen dazu motivieren, freiwillige UBE nach bestimmten Kriterien zu veröffentlichen (KPMG 1999, S. 7 f.). Hierbei kann es sich z.B. um die Darlegung der bestehenden Corporate Governance Strukturen, des Umweltschutzleitbildes und der physikalischen Umweltdaten handeln (GRI/CDP 2011). Unter den Initiativen fallen u.a. Unternehmensmitgliedschaften beim Global Reporting Initiative, Carbon Disclosure Project und EMAS (ebd). Durch die freiwillige Teilnahme an diesen sogenannten Gemeinschaftssystemen und Projekten verpflichten sich Unternehmen, ihre Umweltdaten nach vorgegeben Richtlinien und Standards zu veröffentlichen. Als Gegenzug genießen sie bestimmte Vorzüge, wie Kommunikations- und Networking -Veranstaltungen, Konferenzen, Workshops, Analysen oder Rankings (BMU/UBA 2001, S. 662; EU 2009).

Instrumente: Zu den in der Wirtschaft wichtigsten Instrumenten der UBE gehören die Umwelterklärung und der Umweltbericht (Fichter 1999, S. 1). Beide Begriffe werden in der Praxis und Theorie nicht eindeutig definiert. Daher gilt für diese Arbeit die Erläuterung von Steven et al. (1997): Umwelterklärung und Umweltbericht werden hauptsächlich durch die Möglichkeit der (vorgeschriebenen) Systematisierung und Standardisierung der Inhalte unterschieden. Insbesondere unterscheiden sich beide dadurch, dass bei ein Umweltbericht nicht veröffentlichungspflichtig ist (Günther 2008, S. 81). Trotzdem kann sie ebenso systematisch erfolgen, indem eine methodische Auswahl an umweltrelevanten und zu berichtenden Themen sowie Verantwortlichkeiten, Zielen und Kennzahlen getroffen wird (KPMG 2014a, S. 8). Dazu später mehr.

Die Umwelterklärung ist ein zentrales Element der EMAS-Verordnung, die von der Europäischen Union als eines der umfassendsten Umweltmanagementsysteme öffentlich-rechtliche Grundlage findet (EU 2009). EMAS ist 1995 in Kraft getreten (damals: EG-Öko-Audit-Verordnung) und in Deutschland unter dem Umweltauditgesetz geregelt (EU 2009; EMAS 2015, S. 4; UBA 2016). Durch die freiwillige Teilnahme verpflichten sich Unternehmen, der Öffentlichkeit glaubwürdige und zuverlässige Umweltinformationen in Form einer genau spezifizierten Umwelterklärung zugänglich zu machen (EMAS 2015, S. 3). EMAS stellt Werkzeuge für die regelmäßige Selbst- und Fremdprüfung zur Verfügung, an dem sich Unternehmen sämtlicher Branchen und Betriebsgrößen beteiligen können, um ihre Umweltauswirkungen über die gesetzlichen Anforderungen hinaus zu reduzieren (EMAS 2015). Das Betrachtungsobjekt ist ein dem Unternehmen zugehöriger Betrieb oder Standort, der nach jeder erfolgten Umweltbetriebsprüfung eine Umwelterklärung zu erstellen hat (Loew/Fichter 1999, S. 1; UBA 2016). Hierbei ist das Ziel in einer systematischen, knappen und plausiblen Form zu erfassen und herauszustellen, ob Vorgaben oder Ziele eingehalten wurden sowie eventuelle Maßnahmen zur kontinuierlichen Verbesserung vorzunehmen sind (Günther 2008, S. 73 f.). Konkret sollen die betrieblichen Umweltauswirkungen bzgl. Emissionen, Abfallproduktion, Ressourcen-, Wasser- und Energieverbrauch als umweltbezogene Kenngrößen unter Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben anhand Soll/Ist- und Zeitvergleiche geprüft und bewertet werden (Loew/Fichter 1999, S. 1). Neben der internen (z.B. Mitarbeiter aus dem Qualitätsmanagement) soll die externe Prüfung durch einen Außenstehenden bzw. eine staatlich zugelassene und unabhängige Umweltgutachtung gegebenenfalls auf Mängel im Umweltmanagementsystem hinweisen und nach erfolgreicher Prüfung die Umwelterklärung für gültig erklären (Günther 2008, S. 83; UBA 2016). Werden die Anforderungen der EMAS-Verordnung in der Umwelterklärung erfüllt,wird diese durch die Gutachtung validiert und eine Eintragung des Betriebes in das EMAS-Register kann durch die Weiterleitung der Umwelterklärung an das Umweltbundesamt erfolgen (UBA 2016).

[...]

Ende der Leseprobe aus 77 Seiten

Details

Titel
Ökosystemdienstleistung und Umweltmanagement bei Puma. Darstellung und kritische Analyse des Environmental Profit and Loss Accounts
Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
77
Katalognummer
V997908
ISBN (eBook)
9783346369666
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ökosystemdienstleistung, Umweltmanagement, Sustainable Devolopment Goals, Nachhaltigkeit, Umweltberichterstattung, Ökologische Gewinn und Verlustrechnung, Millennium Ecosystem Assesment, ökonomischen Bewertungsmethoden, Wertschöpfungsanalyse, Wettbewerbsvorteil, Risikomanagement, strategisches Management, Textil, Sport
Arbeit zitieren
Hamed Abbaspur (Autor), 2007, Ökosystemdienstleistung und Umweltmanagement bei Puma. Darstellung und kritische Analyse des Environmental Profit and Loss Accounts, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/997908

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