Wahlmüdigkeit. Fehlende Motivation und Attraktivität der Politik für junge Menschen?


Forschungsarbeit, 2018

13 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Forschungsproblem

2 Forschungsstand

3 Forschungsfrage

4 Theoretischer Rahmen

5 Methodischer Rahmen

6 Exemplarischer Rahmen und Ergebnis

Literaturverzeichnis

1 Forschungsproblem

Betrachtungen der Wahlstatistiken der Bundesrepublik Deutschland zufolge, lässt sich deutlich erkennen, dass die Wahlbeteiligung der Wahlberechtigen seit den 1980er Jahren abnimmt. Die Folgen dieser passiven Stimmenthaltung auf die Wahlergebnisse sind bedenklich. Auf welche Legitimation stützt sich ein Parlament, wenn seine Abgeordneten nicht von der Mehrheit der Bevölkerung gewählt sind? Die Politikverdrossenheit der Wahlberechtigten zieht sich durch alle Bevölkerungsschichten. So konstatiert auch Bytzek (2011: 66) alle Altersgruppen seien gleichermaßen von der Wahlverdrossenheit betroffen, diese sei in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Während auch aufgrund des demografischen Wandels bei den abgegebenen Stimmen der Anteil der älteren Generationen zunimmt, lässt sich insgesamt eine immer geringere Wahlbeteiligung der Bevölkerung feststellen. Die herrschende Dissonanz der Bevölkerung zur Politik führt in dieser Entwicklung dabei nicht zu einem Wendepunkt, vielmehr wird der Missmut allumfassend und ansteigend flächendeckend.

Wichtige Funktionen des politischen Systems werden zunehmend außer Kraft gesetzt und können politische Entscheidungen und Handlungen nicht mehr legitimieren. Die Bedeutung der im demokratischen System mitbestimmenden Bevölkerung gewinnt an Einfluss und verursacht, dass kleine Minderheiten politische Dominanz gewinnen.

Dem gegenüber werden die Bedürfnisse und Meinungen großer Bevölkerungsgruppen zunehmend vernachlässigt. Hier ist besonders zu benennen, dass die Wahlbeteiligung der Wählerschaft der bis zu 29-Jährigen scheinbar überdurchschnittlich abgenommen hat.

„Bei den vergangenen sieben Bundestagswahlen war die Wahlbeteiligung in der Altersklasse der 60- bis 70-Jährigen am höchsten. […], von den 21- bis 25-Jährigen sogar nur 60 Prozent“ (Spiegel Online, 2017).

Die Klagen über die sogenannte „Politikverdrossenheit“ besonders der jungen Generation haben sich in den vergangenen Jahren deutlich vermehrt (Hoffmann-Lange 2001: 11-19). Während dieser Mythos bei den Berichterstattungen zu den Bundestagswahlen immer wieder gerne medial bedient wird, lässt sich mit Blick auf die tatsächlich erhobenen Daten zur Wahlbeteiligung jedoch ein anderes Bild zeichnen.

„Junge Menschen gehen nicht unbedingt seltener wählen als mittlere Jahrgänge, mit steigendem Alter sinkt dagegen die Wahlbeteiligung deutlich“ (Abendschön/Roßteutscher 2011: 71).

Den Trend der allgemein sinkenden Wahlbeteiligung in Korrelation zu der überdurchschnittlich sinkenden Wahlbeteiligung der älteren Generation betrachtend, lässt sich vermuten, dass bei den Wahlen von Morgen immer weniger Bürger wählen gehen werden.

Die dadurch einerseits stetig verfälschte Wiederspiegelung der politischen Meinung der Gesellschaft, sowie die daraus resultierende höher gewichtete Meinung der Minderheiten der Bevölkerung in diesen, bzw. durch diese so zustande gekommenen Wahlergebnissen, führen dazu, dass politische Entscheidungen und Prozesse nicht mehr im Interesse der Mehrheit der Bevölkerung abgehandelt werden. Grundbausteine wie z.B. die bereits genannte Legitimation politischer Entscheidungen sind somit nicht mehr gegeben oder respektive nicht mehr an der tatsächlichen mehrheitlichen politischen Meinung der Bevölkerung orientiert. Es lässt sich also sagen, dass „eine niedrige Wahlbeteiligung folglich eine ernste Gefahr für die Demokratie in Deutschland“ (Bytzek 2011: 17) darstellt. Damit ist eine deutliche gesellschaftliche Relevanz des Themas erwiesen.

Die auf der Forschung basierten Auswertungen sowie Annahmen, welche grundsätzlich auf die Ursachenfindung des Nichtwählens ausgerichtet sind, stellen die wissenschaftliche Relevanz dar. Durch diese Ergebnisse soll es ermöglicht werden, die Ursachen der fehlenden Wahlbereitschaft junger Generationen nachzuvollziehen und darauf aufbauend weiteres sinken der Wahlbeteiligung zu prävenieren. So zeigt die Forschung nicht das bestehende und verbreitete Problem auf, sondern begrenzt ihren Beitrag auf die Ursachen dieses Problems. Der Zusammenbruch des in der Bundesrepublik verankerten Systems der Demokratie droht aus dem politischen Desinteresse der deutschen Wählerschaft zu resultieren.

„Denn ohne politisches Interesse ist eine politische Beteiligung kaum vorstellbar und ohne politische Beteiligung ist eine demokratische Mitbestimmung nicht zu realisieren“ (Niedermayer 2001: 19, zitiert nach Lange et al. 2013: 32).

2 Forschungsstand

Bereits seit etwa fünfzig Jahren stellt das Thema des Wahlverhaltens und dessen Ursprünge und Auswirkungen einen wichtigen Aspekt der Forschung dar. Nicht nur die in den 1970er und 1990er Jahren zunehmende, sondern auch die darauf jeweils folgende Abnahme der Wahlbeteiligung wird dabei von verschiedensten Forschern auf ihre Ursprünge, Wirkungen und Folgen behandelt.

In den Vordergrund rücken diesbezüglich auch die Printmedien. Durch die Berichterstattung bezüglich der Wahlen wird die subjektive Wahrnehmung der Wahlbeteiligungen beeinflusst. Die tatsächliche Wahlbeteiligung, bzw. die Verhältnismäßigkeit der Wahlbeteiligung z.B. innerhalb der verschiedenen Altersgruppen zueinander, werden dabei medial so aufbereitet, dass Tendenzen und Trends erkannt werden, die real nicht oder nur ansatzweise zu benennen sind.

Auch die Aussage, dass die Wahlbeteiligung junger Menschen überproportional, im Vergleich zu anderen Altersgruppen, abgenommen hat wird vor allem von den Printmedien verstärkt und verbreitet.

Zudem vertreten auch diese zum Teil kontroverse Vorstellungen und Aussagen bezüglich des Wahlverhaltens junger Menschen. So scheinen zwei Ausprägungen besonders in den Vordergrund zu treten. Die Annahme, jene Fehler liegen einzig in der Generation der jungen Menschen und deren Interessen, oder jene, eher jugendfreundliche Annahme, dass überwiegend äußere Umstände und Begebenheiten dieses ausgeprägte Wahlverhalten herbeiführten.

Während der Stern 2009 titelte, dass junge Menschen viele Dinge im Kopf haben, nur das Wissen, dass bald Wahlen anstehen, nicht, veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung im selben Jahr eine noch stärker ausgeprägte Ansicht diesbezüglich. So heißt es:

„Sie nehmen die gesellschaftlichen Gegebenheiten einfach hin, statt sie in Frage zu stellen. Ihre Angst vor Misserfolg ist größer als die Hoffnung auf Erfolg. Statt Idealisten sehen wir vielmehr nur Utilitaristen, die einfach nur konsumieren“ (Süddeutsche, 2009).

Leser und Leserinnen dieser Printmedien bekommen somit vermittelt, dass die Entwicklung der stetig sinkenden Wahlbeteiligung der jungen Generationen ursächlich bei ihnen selbst zu finden sei. Andere Faktoren, die dieser Entwicklung zuträglich sein könnten, werden hierbei ausgeklammert.

Dieser radikalen Ansicht gegenüber stehen andere Printmedien, wie z.B. die Frankfurter Rundschau, welche 2009 schrieb: „Die Jugend ist nicht wahlmüde, sondern wählerisch“ und die darüber hinaus auch den Aspekt der stetig wachsenden Wählergruppe der über sechzigjährigen mit in ihre Aussage einbeziehen. So heißt es bezüglich des demographischen Wandels in unserer Gesellschaft: „Wenn die Parteien nicht tunlichst vermeiden, dieses Klientel zu verprellen, verlieren sie dafür die Jugend“ (Frankfurter Rundschau, 2009). Es wird dem Leser somit ein kontroverses Bild vermittelt, denn im Vordergrund des Problems stehen nun Politik und gesellschaftliche Aspekte und weniger die Jugend bzw. die jungen Menschen. Auch Die Zeit schrieb 2009, dass vor allem die Politik jugendverdrossen und nicht die jungen Menschen politikverdrossen seien.

Die aufgeführten Printmedien weisen stark unterschiedliche Meinungen auf, es ist jedoch zu beachten, dass in beiden Fällen von einer bereits existierenden und stets sinkenden Wahlbeteiligung junger Menschen ausgegangen wird.

Es wird deutlich, dass hierbei eine Forschungslücke besteht.

Der Einfluss der Massenmedien, sowie äußere Umstände, wie z.B. das Wohngebiet, aber auch die Wiedervereinigung Deutschlands, sowie das Geschlecht in Bezug auf das Wahlverhalten wurden in Forschungen bereits analysiert, dem Rückgang der Wahlbeteiligung junger Menschen und den dabei zugrunde liegenden Ursachen dabei jedoch wenig Interesse entgegen gebracht.

Die Forschungslücke besteht somit in der Analyse der Hintergründe und Ursachen des veränderten Wahlverhaltens junger Generationen.

3 Forschungsfrage

Die sich daraus ergebende Forschungsfrage lässt sich folgendermaßen formulieren: „Warum haben sich viele junge Wähler 2017 nicht an der Bundestagswahl beteiligt?“

Die Entscheidung die Ursachen und Gründe der Wahlverweigerung bei jungen Bundesbürgern speziell in Bezug auf die Bundestagswahl 2017 zu untersuchen erfolgt mit Blick auf zwei Gesichtspunkte.

Der im Vier-Jahres-Rhythmus wiederkehrenden Bundestagswahl wird innerhalb des gesellschaftlichen bzw. politischen Lebens eine zentrale Rolle zugesprochen, sie gilt sozusagen als die Nationalwahl der BRD. Alle anderen Wahlen werden oft nur als Wahlbarometer oder Prognosegeber für anstehende Bundestagswahlen behandelt.

Da untersucht werden soll, ob die Verweigerung der Stimmabgabe vor allem bei den Wählern der bis zu 25-jährigen Wahlberechtigten Ursachen und Gründe hat, die sich von denen der Wahlverweigerung andere Altersgruppen signifikant unterscheiden oder abheben, gilt es auch eine zeitnahe Wahl zur Untersuchung heranzuziehen, um möglichst aktuelle Ergebnisse zu erhalten.

4 Theoretischer Rahmen

Ausgehend von der genannten Forschungsfrage ließe sich annehmen, dass der Kernpunkt die Untersuchung des Wahrheitsgehaltes der Aussage, dass die Teilnahme junger Menschen an den Wahlen stets sinkend, ist.

Näher betrachtet wird jedoch klar, dass die Ursachenfindung der eigentliche Kernaspekt der aufgeführten Forschungsfrage darstellt. So gilt es zu beachten, in wie weit die aufgeführte Forschung die Ursachen ermitteln soll und welche weiteren Aspekte ebenfalls für ein Ergebnis der Forschung grundlegend sind.

Aufgrund des zu erarbeitenden Forschungsergebnisses, welches überwiegend auf die individuellen Motive der Nichtwähler eingeht, ist es naheliegend, diesbezüglich die Theorie des Politikwissenschaftlers Downs des rationalen Wählers näher zu betrachten.

Diese Theorie besagt, dass Wähler ihre politischen Entscheidungen nicht aufgrund von äußeren Umständen oder eigener Ziele oder Wünsche treffen, sondern vielmehr aus einem ökonomischen Rationalitätsempfinden heraus.

Es steht somit im Vordergrund der Entscheidung, von welcher Partei oder Politik sich der Wähler am meisten Vorteile verspricht. Diese Vorteile beziehen sich jedoch immer auf die ökonomischen Effekte und dürfen nicht mit den persönlichen Vorteilen des Wählers verglichen werden, weswegen Downs hier von einem ökonomischen Rationalitätsbegriff spricht. Das heißt, „Die persönliche Wahlentscheidung wird bestimmt durch ihren maximal zu erzielenden politischen Nutzen“ (Bundeszentrale für politische Bildung 2009: 2). Ein rationaler Wähler bewertet und entscheidet demnach sowohl nach politischen wie auch nach wirtschaftlichen Indikatoren, jedoch nie einzig nach dem eigenem Empfinden. Ein allumfassender Blick auf die aktuelle politische wie wirtschaftliche Lage verschafft dem Wähler dann die Antwort, welche der Parteien ihm ökonomisch die besten Vorteile versprechen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Wahlmüdigkeit. Fehlende Motivation und Attraktivität der Politik für junge Menschen?
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V998074
ISBN (eBook)
9783346373069
ISBN (Buch)
9783346373076
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wahlmüdigkeit, junge Menschen, Politik
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Wahlmüdigkeit. Fehlende Motivation und Attraktivität der Politik für junge Menschen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/998074

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