Im Sommer letzten Jahres trat Jürgen Habermas wieder ins Licht einer breiteren Öffentlichkeit, als er im Rahmen des Kulturforums der Sozialdemokratie über die aktuellen Globalisierungstendenzen in verschiedenen Bereichen der Gesellschaft und deren Auswirkungen auf die Politik sprach. Dabei kritisierte Habermas in Anwesenheit des jetzigen Bundeskanzlers Gerhard Schröder im Berliner Willy-Brandt-Haus nicht nur den aufkommenden Neoliberalismus, sondern stellte auch die Frage nach den zukünftigen Inhalten der Politik. Die Rede stellt eine Kurzfassung des kürzlich bei Suhrkamp veröffentlichten Essays dar, wobei sich diese Hausarbeit nur auf den genannten Vortrag bezieht. Zur Verdeutlichung des Inhalts werde ich zunächst eine mit kurzen Kommentaren ergänzte Zusammenfassung anschliessen, die Jürgen Habermas Gedankengang folgt, um abschliessend eine Bewertung seiner Aussagen aus meiner Sicht noch einmal etwas ausführlicher darzulegen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Die postnationale Konstellation und die Zukunft der Demokratie
2. Bewertung
Zielsetzung & Themen
Die Hausarbeit setzt sich kritisch mit Jürgen Habermas' Essay "Die postnationale Konstellation und die Zukunft der Demokratie" auseinander. Ziel ist es, seine Thesen zur Entmachtung des Nationalstaates durch die Globalisierung und die daraus resultierenden Herausforderungen für die europäische Demokratie darzulegen und einer eigenen Bewertung zu unterziehen.
- Globalisierung und die Krise der Nationalstaaten
- Die Rolle der Politik im Zeitalter des Neoliberalismus
- Europäische Integration als Antwort auf postnationale Herausforderungen
- Gesellschaftstheoretische Konzepte von Öffnungs- und Schließungsprozessen
- Legitimitätsfragen innerhalb supranationaler Institutionen
Auszug aus dem Buch
1. Die postnationale Konstellation und die Zukunft der Demokratie
Nach Jürgen Habermas Auffassung hat sich seit dem Zusammenbruch des Ostblocks und den daraus resultierenden Folgen für Politik und Weltwirtschaft die Heransgehensweise vieler Politiker an soziale oder ökonomische Problemstellungen verändert. Er bemängelt, daß die Politik zunehmend davor zurückweicht, Mißstände aufzuheben und diese stattdessen lediglich als naturgegebene "Schönheitsfehler" betrachtet, mit denen man sich abfinden müsse. Als Ursache hierfür nennt Habermas die Tendenz der nationalen Regierungen, neoliberale Elemente in ihre Arbeit einzufügen, was seiner Meinung nach in eine Selbstabwicklung der Politik mündet und den Sozialstaat in Bedrängnis bringt. Er bezeichnet diese Entwicklung als "das mehr oder weniger intelligente Managment einer erzwungenen Anpassung ( reduziert auf) Imperative der Standortsicherung"3, was für ihn im klaren Gegensatz zum sozialdemokratisch geprägten Aufbau des Wohlfahrtstaates im Europa der Nachkriegszeit steht.
Der zweite Aspekt, den Jürgen Habermas in der Einleitung zu seiner "Berliner Rede" anspricht, ist die Veränderung des demokratischen Selbsteinwirkungsprozesses durch die Globalisierung. Während er die im Nationalstaat gewachsenen demokratischen Prozesse im keynesianisch geführten Staatswesen der Fünfziger und Sechziger Jahre als noch funktionstüchtig beschreibt, sieht er "die Idee, daß eine demokratisch verfasste Gesellschaft mit einem ihrer Teile reflexiv auf sich als ganze einwirken kann"4, angesichts von Globalisierungstendenzen gefährdet, da es in der postnationalen Konstellation an demokratischen Institutionen mangelt. Da die Politik auf diese Veränderungen nach Habermas Empfinden nur mit Ratlosigkeit reagiert, stellt er sich die Frage, ob und wie eine politische Neuformation der globalen Gesellschaft möglich ist beziehungsweise wie die Politik anders auf die Veränderungen reagieren kann.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Der Autor stellt Jürgen Habermas als bedeutenden Philosophen vor und erläutert den Kontext des zugrunde liegenden Vortrags zum Thema Globalisierung und Politik.
1. Die postnationale Konstellation und die Zukunft der Demokratie: Dieses Kapitel fasst Habermas' Analyse der Globalisierung, die Schwächung der Nationalstaaten und seine Überlegungen zur Europäischen Union als mögliche Antwort auf demokratische Defizite zusammen.
2. Bewertung: Hier wird der Vortrag von Habermas einer kritischen Prüfung unterzogen, wobei insbesondere seine parteipolitischen Tendenzen und die Unkonkretheit seiner Lösungsvorschläge für ein europäisches Staatswesen reflektiert werden.
Schlüsselwörter
Jürgen Habermas, Globalisierung, postnationale Konstellation, Demokratie, Nationalstaat, Europäische Union, Neoliberalismus, Sozialstaat, politische Fragmentierung, Weltinnenpolitik, transnationale Arrangements, Legitimitätslücke, staatsbürgerliche Solidarität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Analyse von Jürgen Habermas zur Situation des Nationalstaates und der Demokratie unter dem Druck der Globalisierung, basierend auf seinem Vortrag über die "postnationale Konstellation".
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind der Machtverlust nationaler Regierungen durch ökonomische Globalisierung, das Spannungsfeld zwischen Markteffizienz und sozialer Gerechtigkeit sowie die Rolle der EU bei der demokratischen Neugestaltung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie Habermas die Auswirkungen der Globalisierung auf den demokratischen Nationalstaat einschätzt und welche Lösungswege er für die politische Neuorganisation, insbesondere auf europäischer Ebene, vorschlägt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine interpretative Analyse, die das referierte Werk von Habermas wiedergibt und anschließend aus der Perspektive des Autors kritisch auf den Prüfstand stellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil wird zunächst Habermas' Diagnose der politischen Handlungsunfähigkeit sowie seine Skepsis gegenüber neoliberalen Standortstrategien dargelegt, gefolgt von einer Auseinandersetzung mit seinen Vorstellungen zur EU und zur staatsbürgerlichen Solidarität.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Globalisierung, postnationale Konstellation, Demokratie, Nationalstaat, Europäische Union, Sozialstaat und politische Legitimität.
Wie bewertet der Autor Habermas' Rhetorik im Hinblick auf den politischen Kontext?
Der Autor argumentiert, dass Habermas' Vortrag stark von dem damaligen Wahlkampfkontext beeinflusst war und seine Kritik an bestimmten politischen Akteuren oder Strategien als parteipolitisch motiviert betrachtet werden kann.
Warum hält der Autor Habermas' Vision eines europäischen Staates für unkonkret?
Der Autor kritisiert, dass Habermas zwar ein "soziales Europa" fordert, aber offen lässt, wie die konkrete demokratische Struktur und die Balance zwischen nationaler Identität und supranationaler Integration praktisch realisiert werden sollen.
- Quote paper
- Alexander Pilic (Author), 1999, Zu: Jürgen Habermas - Die postnationale Konstellation und die Zukunft der Demokratie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9980