Die Fallarbeit orientiert sich an dem Vorgehen von B. Müller und ist in ein vier Phasenmodell kategorisiert. Die erste Phase beinhaltet die Anamnese, welche der Datenerfassung und der Sammlung und Sortierung von Vorinformationen bezüglich der vorliegenden Arbeit impliziert. Im Anschluss daran, folgt die Diagnose, die detaillierter auf die Problemdefinierung eingeht und die Ursachen analysiert. Der dritte Gliederungspunkt ist die Intervention, diese fokussiert sich auf die in Frage kommenden professionellen Interventionsmöglichkeiten und Angebote.
Der letzte und abschließende Arbeitsprozess bezieht sich auf die Selbstevaluation. In dieser Phase soll der sozialpädagogisch Handelnde seine geleistete praktische Arbeit kritisch reflektieren und auf Effektivität und Adäquatheit untersuchen. Die vorliegende Arbeit bezieht sich auf den Fall des Pascals nach dem von Burkhard Müller initiierten Muster der multiperspektivischen Fallarbeit.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Anamnese
Diagnose
Intervention
Selbstevaluation
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das Verhalten des zehnjährigen Pascal auf Basis der Methode der multiperspektivischen Fallarbeit nach Burkhard Müller zu analysieren und adäquate professionelle Interventionsmöglichkeiten innerhalb des SGB VIII zu eruieren.
- Grundlagen der multiperspektivischen Fallarbeit nach Burkhard Müller
- Analyse der familiären Situation und Auslöser für das antisoziale Verhalten
- Differenzierte Diagnostik des kindlichen Verhaltens im Kontext von Trennung und Patchwork-Strukturen
- Prüfung und Auswahl geeigneter pädagogischer Unterstützungsangebote
- Reflektion des eigenen professionellen Handelns als Fallverantwortliche
Auszug aus dem Buch
Diagnose
Pascal ist ein 10-jähriger Junge im prä-pubertären Schulkindalter, der seit der Trennung der Eltern eine zunehmende antisoziale Tendenz zeigt. Durch die Trennung der Eltern begann, die für Pascal zunächst unzerstörbare Umwelt, zerstörbar zu werden. Die Kind-Familien-Beziehung wurde insuffizient und damit auch das Umfeld welches Pascal Grenzen und Werte aufzeigen konnte, die seine innerlichen Triebe begrenzten. Durch die Insuffizienz begann Pascal sein neues Umfeld weiter auszutesten und auszureizen.
Durch antisoziale und aggressive Handlungen, wie z.B. das Ziehen an der Bikinihose eines Mädchens, zeigt Pascal eindeutig eine Handlung um auf sich aufmerksam zu machen, seine Umwelt zu provozieren und zu testen, ob die Umwelt es schafft ihn zu restringieren. Dadurch zeigt Pascal eindeutige Züge Abweichenden Verhaltens. Mit seinem gewalttätigen, störenden und delinquenten Verhalten zwingt er die Umwelt, sich mit ihm zu befassen und Stellung zu beziehen. (vgl. Böhnisch. 2001, S.17)
Der nur noch sporadische Kontakt zum Kindesvater mit weiter abnehmender Zuneigung des Vaters und sich durch die neuen Partnerschaften beider Elternteile ergebende neue Umwelt, lässt Pascal seine Umgebung noch unübersichtlicher wirken, die Ängste vor dem Bindungsverlust verstärken das Gefühl der Unüberschaubarkeit. Dadurch multiplizierten sich Pascals antisoziale Tendenzen, er wurde immer aggressiver gegenüber dem Vater und der neuen Partnerin, jedoch mit dem Ziel mehr Zuneigung und Liebe zu erfahren. Gegenteiliges wurde erreicht, der Vater distanzierte sich von Pascal und setzte schließlich die Besuchswochenenden aus.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Vorstellung des theoretischen Konzepts der multiperspektivischen Fallarbeit nach Burkhard Müller und Einordnung der methodischen Vorgehensweise.
Anamnese: Darstellung der aktuellen Lebenssituation des zehnjährigen Pascal, insbesondere fokussiert auf die familiären Spannungsfelder und Verhaltensauffälligkeiten.
Diagnose: Analyse der Ursachen für das antisoziale Verhalten des Kindes im Kontext der veränderten Familienstrukturen nach der Trennung der Eltern.
Intervention: Identifikation und Bewertung passender Hilfemaßnahmen nach dem SGB VIII zur Förderung der familiären Situation und Stabilität.
Selbstevaluation: Reflexion der Autorin über ihre Rolle als fallführende Fachkraft und die Anwendung der gewählten Methode im praktischen Fall.
Schlüsselwörter
Multiperspektivische Fallarbeit, Burkhard Müller, Soziale Arbeit, Pascal, Antisoziales Verhalten, SGB VIII, Erziehungshilfe, Kindeswohl, Trennungssituation, Familiendynamik, Erziehungsberatung, Intervention, Fallverantwortung, Pädagogische Unterstützung, Verhaltensauffälligkeiten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die professionelle Bearbeitung eines Fallbeispiels eines zehnjährigen Jungen mittels der Methode der multiperspektivischen Fallarbeit nach Burkhard Müller.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Zentrum stehen die Auswirkungen elterlicher Trennung auf die kindliche Entwicklung, antisoziale Verhaltensmuster bei Schulkindern und die Möglichkeiten staatlicher Erziehungshilfe.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, das abweichende Verhalten von Pascal zu verstehen, fachlich fundiert zu diagnostizieren und im Rahmen des SGB VIII angemessene pädagogische Interventionsschritte abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Fallbearbeitung verwendet?
Verwendet wird das vierphasige Modell der multiperspektivischen Fallarbeit nach Burkhard Müller, bestehend aus Anamnese, Diagnose, Intervention und Selbstevaluation.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Erhebung der Lebensumstände (Anamnese), die fachliche Einordnung des Verhaltens (Diagnose) sowie die Ableitung und Begründung geeigneter Hilfsmaßnahmen (Intervention).
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen multiperspektivische Fallarbeit, SGB VIII, erzieherische Hilfen, familiäre Trennungsfolgen und die Rolle des Sozialarbeiters als Fallverantwortlicher.
Wie bewertet die Autorin die Anwendung der Methode auf diesen speziellen Fall?
In der Selbstevaluation beschreibt die Autorin die Methode als hilfreich für die Strukturierung, weist jedoch auch auf die persönliche Herausforderung hin, mit komplexen Familiendynamiken und der eigenen professionellen Verantwortung umzugehen.
Warum wird im Fall Pascal eine Erziehungsberatung nach § 28 SGB VIII als sinnvoll erachtet?
Da die Mutter sich überfordert fühlt, bietet diese Maßnahme die Chance, die Eltern bei der Bewältigung der erzieherischen Probleme zu unterstützen und einen besseren Umgang mit den Signalen des Kindes zu erlernen.
- Citation du texte
- Selin Kolasinliler (Auteur), 2020, Multiperspektivische Fallarbeit nach Burkhard Müller anhand eines zehnjährigen Jungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/998124