Brandschutz und Betriebs- und Anlagensicherheit. Welche Bedeutung kommt dem anlagentechnischen Brandschutz in der modernen Produktionswirtschaft zu?


Projektarbeit, 2020

31 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Themeneinleitung
1.1 Methodik
1.2 Vorgehensweise
1.3 Forschungsfrage

2 Grundlagen des Brandschutzes
2.1 Aufbau und Struktur des Brandschutzes
2.2 Anforderungen an den organisatorischen Brandschutz
2.3 Anforderungen an den baulichen Brandschutz
2.4 Anforderungen an den Anlagentechnischen Brandschutz

3 Produktionswirtschaft
3.1 Digitalisierung der modernen Produktionswirtschaft
3.2 Produktionsplanungs- und Steuerungssysteme (PPS-Systeme)..

4 Betriebssicherheit
4.1 Betriebssicherheitsverordnung
4.2 Arbeitsschutzgesetz

5 Anlagensicherheit und die Grundlegenden Konzepte

6 Anwendungsbeispiel Ford-Werke Köln GmbH

7 Kritische Diskussion

8 Wissenstransfer

9 Fazit

10 Weiterer Forschungsbedarf

Abbildungsverzeichnis

Quellenverzeichnis

1 Themeneinleitung

Die Formulierung der für das Ziel der Arbeit notwendigen zentralen Forschungsfrage soll im anschließenden, dritten Bestandteil des Unterpunktes erfolgen und unter Umständen zugleich in Teilfragen erarbeitet werden. Die so entstandene Forschungsfrage muss als „Roter Faden" der vorliegenden Forschungsarbeit betrachtet werden und soll im abschließenden Fazit als beantwortet gelten. Sie fokussiert aktuell geltende Anforderungen an den Brandschutz, welche durch in ihrer Komplexität steigende rechtliche Vorgaben und Planungen sowie bauliche Anlagen stetig gestiegen sind. Ein von vornherein umfangreich und ordnungsgemäß geplantes Brandschutzsystem gilt als Basis dafür, in einem späteren Betrieb einer Anlage oder eines Gebäudes weniger Komplikationen gegenüberzustehen, was die Bedeutung eines vorbeugenden Brandschutzes betont.

Ein Großbrand in einer US-amerikanischen Fabrik, der neben der Fabrik selbst hunderte von Menschenleben nur deshalb forderte, weil das Gebäude nicht über ausreichend Fluchtwege verfügte, sollte der Startpunkt für umfangreiche, neue Gesetze und Richtlinien im Bereich des Brandschutzes sein. Während zu diesem Zeitpunkt technisch hochwertige Einrichtungen mit automatisierten Melde- und Löscheinrichtungen fehlten, sind eine große Anzahl an eben solchen Möglichkeiten heute in der Lage, ausbrechende Feuer und Brände nicht nur zu melden, sondern auch einzudämmen oder gar zu verhindern. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit sollen daher ausgewählte Faktoren aus dem Feld des vorbeugenden Brandschutzes mit einem Fokus auf Anlagentechnik näher betrachtet werden.

1.1 Methodik

Auf Basis einer umfassenden Literaturrecherche in Fachliteratur und Fachartikeln aus entsprechenden Publikationen soll im Rahmen der vorliegenden Forschungsarbeit eine Ausarbeitung und Darbietung von anlagentechnischem Brandschutz in einer modernen Produktionswirtschaft erfolgen. Einen weiteren Recherchebereich dazu stellen Anforderungen und Maßgaben der Betriebs- und Anlagensicherheit dar.

1.2 Vorgehensweise

Der Aufbau der Arbeit in zehn Kapiteln soll im Folgenden erörtert werden. Ausgehend von einer allgemeinen Einführung und Darstellung der Ausgangsproblematik sollen in einem zweiten Kapitel theoretische Kenntnisse und Wissensstände des Brandschutzes näher betrachtet werden.

Im Rahmen dessen soll der Begriff „Brandschutz" allgemein definiert und für die zugrundeliegende Forschungsfrage erstmalig eingeführt werden.

Zusätzlich sollen gesetzliche Vorgaben hinzugezogen, das allgemeine System des Brandschutzes erklärt und Bedingungen an den Brandschutz formuliert werden.

Im Anschluss erfolgt eine detaillierte Betrachtung moderner Produktionswirtschaft mit einem Fokus auf dem aktuellen Stand der Digitalisierung sowie Industrie 4.0. Auch die allgemeine Betriebssicherheit und gesetzliche Vorgaben sollen einbezogen werden.

In einem vierten und fünften Kapitel soll diese allgemeine Betriebssicherheit unter dem Gesichtspunkt der Anlagensicherheit näher für die vorliegende Forschungsfrage erläutert und dies bzgl. wird das grundlegende Konzept der Anlagensicherheit erklärt.

Im Anschluss daran soll ein Anwendungsbeispiel aus der Karosseriefertigung aufzeigen, welche Bedeutung dem anlagentechnischen Brandschutz zukommt und welche Komplexität dem zugrunde liegt. Als Problematik stellt sich hier der Brandschutz der Brandschutzanlage selbst.

Die finalen Kapitel sieben bis zehn sollen die erarbeiteten Ergebnisse kritisch hinterfragen und neben abschließenden Schlussfolgerungen auch die Basis für zukünftige Forschungsfragen und die Weitergabe von Erforschtem stellen.

1.3 Forschungsfrage

So ergibt sich die Forschungsfrage dieser Projektabreit wie folgt: Welche Bedeutung kommt dem anlagentechnischen Brandschutz in der modernen Produktionswirtschaft zu und welche Bedingungen für die erfolgreiche Umsetzung der Betriebs- und Anlagensicherheit müssen gegeben sein.

Im Rahmen dessen spielt die vorhandene Konstruktion aus Anlage und Brandschutz eine zentrale Rolle, weshalb bei der Erstellung des Brandschutzkonzeptes einzelne Risikofaktoren, die sich aus der Konstruktion selbst ergeben, nicht vernachlässigt werden dürfen. Aufgrund dessen ist eine von drei potenziellen Sicherheitsklassen notwendig, um die Auswirkung eines Ausfalls von Übertragungswegen oder gar dem gesamten System zu bewerten.

2 Grundlagen des Brandschutzes

In Deutschland sterben jedes Jahr über 400 Menschen durch Brandereignisse und deren Folgen in Einrichtungen und Gebäuden. Betrachtet man alle europäischen Länder, fallen sogar bis zu 4000 Menschen Bränden zum Opfer. Wie viele Personen leicht oder schwer verletzt werden, lässt sich nicht mit Genauigkeit sagen, jedoch geht man davon aus, dass jedes Jahr eine halbe Million Menschen gefährliche Begegnungen mit Feuer macht und nicht unbeschadet aus ihnen hervorgeht. Die Wichtigkeit von gutem Brandschutz und der Entwicklung eines geeigneten Konzeptes wird von solchen Zahlen zusätzlich unterstrichen. Schließlich finden sich in beinahe jedem Unternehmen und jedem Privathaushalt Brandherde wie Heiz- und Klimaanlagen, Halogenleuchten, PCs und andere technische Ausstattung, die als potenzielle Brandgefahr angesehen werden müssen. Auch leicht brennbare und brandbeschleunigende Baustoffe wie Kunststoff finden immer häufiger Verwendung, da sie kostengünstig und formbar sind.1 Selbst wenn gewerbliche und industrielle Betriebe gegen Brandschäden versichert sind, sollten die genannten Brandrisiken als ernstzunehmende Bedrohung verstanden werden. Während materielle Schäden nämlich ersetzt werden können, gilt dies nicht für den Verlust von bewährten Mitarbeitern oder Marktanteilen, die Gesundheit oder gar für Menschenleben. Daher bedarf es wirkungsvollen Maßnahmen zur Bekämpfung dieser Gefahren. Unternehmen können Brände vermeiden, indem sie sich an wirkungsvolle Brandschutzmaßnahmen halten. Da jede Ausgangslage individuell ist, existiert allerdings kein allgemeingültiges Brandschutzkonzept für alle baulichen Anlagen. Hier muss in jedem Fall ein auf die Anlage abgestimmtes Konzept entwickelt werden.

Durch ein solches Konzept soll „die Entstehung von Bränden verhindert und die Ausbreitung von Feuer und Rauch begrenzt werden, erreicht werden, dass Brände möglichst schon im Entstehen erkannt und bekämpft werden sowie Gefahren für Menschen, Umwelt, Sachwerte abgewendet und eine Unterbrechung der Unternehmenstätigkeit verhindert bzw. minimiert werden.

Ein Brandschutzkonzept soll dazu dienen, die genannten Schutzziele umzusetzen. Darüber hinaus werden durch die Ganzheitlichkeit eines solchen Konzeptes auch Sach- und Vermögenswerte sichergestellt, die Produktion aufrechterhalten, Imageverlust vermieden sowie die Marktstellung erhalten.

Der Begriff Brandschutz umfasst demnach alle Schutzmaßnahmen im Bereich Bau, Technik und Organisation, die das Entstehen von Bränden verhindern, dem Ausbreiten von Rauch oder Feuer (Brandausbreitung) vorbeugen und die im Falle eines Brandes die Löscharbeiten sowie die Rettung von Menschen und Tieren unterstützen.2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Grunlagen des Brandschutzes

Gesetzliche Vorgaben:

Der Bau von Gebäuden und Anlagen unterliegt bestimmten gesetzlichen Vorgaben und Regeln. Der bauliche Brandschutz ist Teil der Länderbauordnung des entsprechenden Landes. Diese basiert auf der Musterbauordnung (MBO), die im Jahr 2002 erlassen wurde. Die MBO sichert die Einheitlichkeit des Bauordnungsrechtes der Bundesländer und gilt somit als Rahmenrichtlinie. So besagt § 3 Abs. 1 der MBO:

„Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass die öffentliche Sicherheit und Ordnung, insbesondere Leben, Gesundheit und die natürlichen Lebensgrundlagen, nicht gefährdet werden.

Laut diesem Paragraf tragen demnach sämtliche Personen Verantwortung, die zur Errichtung und Instandhaltung eines Gebäudes beitragen. Darüber hinaus erläutert § 14 der Musterbauordnung ausführlich, welche Anforderungen bei der Gefahrenabwehr in Brandfällen gelten und schließt dabei sowohl Maßnahmen zur Vorbeugung als auch zur Abwehr mit ein:

„Bauliche Anlagen sind so anzuordnen, zu errichten, zu ändern und instand zu halten, dass der Entstehung eines Brandes und der Ausbreitung von Feuer und Rauch (Brandausbreitung) vorgebeugt wird und bei einem Brand die Rettung von Menschen und Tieren sowie wirksame Löscharbeiten möglich sind.3 Dem Bauordnungsrecht liegt die Musterbauordnung zugrunde. Es dient, bezogen auf das jeweilige Bundesland, der Vermeidung von Nachteilen und Gefahren, die von einem Gebäude ausgehen. Die Schutzziele und Regelungen werden von der Länderbauordnung erlassen und richten sich nach dem Umfang und dem individuellen Zweck einer baulichen Anlage. Ergänzt werden diese Regelungen im Falle von Hochhäusern, Werkstätten, Geschäftshäusern und Ähnlichem: Hier greifen spezielle Sonderbauverordnungen (vgl. MBO § 2 Abs.4).4

2.1 Aufbau und Struktur des Brandschutzes

Die Aufteilung in einzelne Bereiche gewährleistet einen ganzheitlichen Brandschutz und Sicherheit.

Die Musterbauordnung 2002 gibt folgende Unterteilung vor:

- Abwehrender Brandschutz
- Betrieblich organisatorischer Brandschutz
- Vorbeugender baulicher anlagentechnischer Brandschutz

Der abwehrende Brandschutz findet seine Anwendung im akuten Brandfall und umfasst sämtliche passive und aktive Maßnahmen, die bei Bränden von hilfeleistenden Stellen wie der Feuerwehr angewandt werden, um direkte und indirekte Schäden zu mindern. Erfolgen kann dies etwa unter Verwendung von Schaum oder Löschwasser.

Der betrieblich-organisatorische Brandschutz wird von den Verantwortlichen eines Gebäudes geregelt. Diese erstellen eine Brandschutzordnung für die betriebliche Praxis unter Berücksichtigung aller Anforderungen. Diese Brandschutzordnung zielt darauf ab, objektbezogene Verhaltensregeln für alle Personen zusammenzustellen, die sich in dem Gebäude aufhalten.

Im weiteren Verlauf konzentriert sich diese Arbeit auf den vorbeugenden baulichen und anlagentechnischen Brandschutz. Die eben erläuterten Bereiche des abwehrenden und betrieblich-organisatorischen Brandschutzes werden nicht fortführend thematisiert.5

2.2 Anforderungen an den organisatorischen Brandschutz

Um Bränden wirksam vorbeugen zu können, müssen die Regelungen und gesetzlichen Vorgaben der Landesbauordnung eingehalten werden. Zu diesem Zweck wurden bestimmte Anforderungen aufgestellt, die von den Verantwortlichen beachtet werden müssen:

- Brände verhindern: Hier kommt es darauf an, dass die richtigen Baustoffe verwendet und Brandlasten reduziert werden, sowie dass Mitarbeiter unterwiesen und ihnen das Rauchen untersagt wird.
- Brandausbreitung verhindern: Dieser Punkt bezieht schreibt vor, dass geeignete Bauteile verwendet, Brandabschnitte geschaffen ortsfeste Löschanlagen eingebaut werden.
- Brandmeldung sicherstellen: Diese Maßnahme erfordert, dass Mitarbeiter gezielt unterwiesen und öffentliche Brandmeldeanlagen installiert und eingebaut werden.
- Flucht- und Rettungswege: Neben dem Einbau von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen erfolgt dies durch die Sicherstellung des 1. Und 2. Rettungsweges.
- Flächen für die Feuerwehr: Hier sollen Feuerwehrumfahrten und Aufstellflächen geschaffen sowie Feuerwehrpläne erstellt werden.
- Bereitstellung von Löschmitteln: Die Löschwasserversorgung muss durch geeignete Sonderlöschmittel sichergestellt werden.

Die nachfolgenden Kapitel widmen sich nun konkreter dem vorbeugenden Brandschutz und gliedern ihn in den Bereich des baulichen und anlagentechnischen Brandschutzes.6

2.3 Anforderungen an den baulichen Brandschutz

Unter baulichem Brandschutz versteht man die Gesamtheit aller bautechnischen, baugestalterischen und funktionsplanerischen Maßnahmen, aufgrund derer eine Brandausbreitung bzw. eine Brandübertragung auf ein Minimum reduziert oder vollständig verhindert werden kann.

Es dient der Rettung von Menschen und Tieren, gewährleistet die sichere Tätigkeit der Feuerwehr bei Brandbekämpfung und reduziert den Zerstörungsgrad sowie den Umfang der Sachschäden an Gebäuden, Anlagen und Arbeitsmitteln.7

Bereits bei der Bebauungsplanung beginnt baulicher Brandschutz. Gebäude müssen für Feuerwehrfahrzeuge erreichbar sein und die Zugänglichkeit entsprechend ausgewiesen werden. Auch die Architektur der Gebäude ist für den baulichen Brandschutz von Bedeutung. So müssen Mauern zu angrenzenden Gebäuden als Brandschutzmauern gekennzeichnet werden. Eine besondere Aufmerksamkeit liegt auch auf den Wand- und Deckendurchbrüchen, durch die sich ein Feuer innerhalb eines Gebäudes ausbreiten kann.

Dies gilt auch für Türen, die in bestimmten Fällen als Brandschutztüren verwendet werden. Des Weiteren ist die Auswahl von Baustoffen und Material ein wichtiges Kriterium für den baulichen Brandschutz.

Diese weisen nämlich unterschiedliche Verhaltensweisen beim Brand auf. Falls möglich sollten feuersichere oder schwer entflammbare Baustoffe verarbeitet werden. Brennbare Baustoffe (wie z.B. Holz) unterliegen besonderen Vorschriften. Zudem sollte die Planung von sicheren Fluchtwegen (durch Treppenhäuser oder Feuerleitern) Bestandteil des baulichen Brandschutzes sein.

Im Folgenden werden die genannten Anforderungen und Maßnahmen näher erläutert.8

2.4 Anforderungen an den Anlagentechnischen Brandschutz

Zum anlagentechnischen Brandschutz zählt man sämtliche Anlagenelemente und technischen Einrichtungen, die zur Erkennung, Meldung, Eingrenzung und Bekämpfung von Bränden sowie zur Verringerung von Bränden und Rauch beitragen. Dies können ortsveränderliche oder ortsfeste Anlagen sein. Zum Bereich des anlagentechnischen Brandschutzes zählt man:

- Brandmeldung und Brandwarnungen
- Brandbekämpfung
- Einsatz von Rauch- und Wärmeabzugsanlagen
- Sicherstellung eines wirksamen Löscheinsatzes der Feuerwehr.910

Brandmeldeanlagen:

Einige allgemeine Einstellungen liegen nicht im Verantwortungsbereich des Benutzers. Diese sind in der Dokumentvorlage festgelegt.

Brände zu erkennen, ist dank des Einsatzes von Brandmeldeanlagen (BMA) bereits in sehr frühen Entstehungsstadien möglich. Die Anlagen erfüllen unter anderem folgende Funktionen:

- möglichst frühes Erkennen von entstehenden Bränden
- Alarmierung der Hilfe leistenden Stelle wie der Feuerwehr
- Warnen von Personen, die sich im Gebäude befinden
- Ansteuern von Brandschutzeinrichtungen
- Ortung des Brandortes und Ermöglichen eines Zugangs für die Feuerwehr zum Gebäude.9 10 11

Bei Brandmeldern wird zwischen einer automatischen und nicht automatischen funktionsweise unterschieden. Während letztere durch Personen von Hand ausgelöst werden, reagieren automatische Brandmelder von selbst auf bestimmte Brandkenngrößen wie etwa Rauch und Temperatur. Grundsätzlich führen verschiedene Entwicklungen zu einer Reaktion bei Brandmeldern, etwa eine starke Wärmeentwicklung, offenes Feuer, unsichtbare wie sichtbare Rauchaerosole und Schwelbrände. Damit in jedem individuellen Fall der Brandgefährdung und je nach Eigenschaften des brennbaren Stoffes Sicherheit gewährleistet werden kann, gibt es unterschiedliche Ausführungen von Brandmeldern. Beim Auslösen eines Alarms erhält auch die Brandmeldezentrale (BMZ) eine Meldung, die dort ausgewertet und akustisch und optisch abgebildet wird. Daraufhin leitet die BMZ den Alarm an die Übertragungseinrichtung weiter. Zudem werden in der BMZ durchgehend alle Meldegruppen auf Fehler überprüft, etwa auf einen Ausfall der Energieversorgung, auf Drahtbruch, Kurzschluss, oder Erdschluss. Sofern eine Störung vorliegt, wird sie direkt nach der Registrierung angezeigt. Auf diese Weise werden alle Informationen miteinander vernetzt und Brandschutzeinrichtungen werden angesteuert.12

Rauch und Wärmeabzugsanlagen:

Die Rauch- und Wärmeabzugsanlage (RWA) ist ein weiteres Element, das für den vorbeugenden Brandschutz eine hohe Bedeutung hat. Sie dient dazu, den Rauch im Brandfall so schnell wie möglich aus dem Gebäude ins Freie abzuführen. Unter dem Oberbegriff RWA versteht man im Allgemeinen eine Anlage, die aus einem Branderkennungssystem, dem Auslöse- und Bedienfeld, den Steuerleitungen sowie aus den einzelnen Rauch- und Wärmeabzugsgeräten mit ihren jeweiligen Öffnungsmechanismen besteht.

Kommt es bei einer baulichen Anlage zum Brand, gelangen die heißen Brandgase und der Rauch bis an den oberen Raumabschluss. Je nach Verlauf des Brandes kann also der geschlossene Raum, das Treppenhaus oder die Halle in kürzester Zeit mit Rauch gefüllt sein. Die RWA ermöglicht hier eine Abführung der Brandgase und des Brandrauchs nach außen, sie erlaubt es also, Gebäude rauchfrei und somit sicher zu halten und schafft durch die gezielte Wärmeabführung gleichzeitig eine thermische Entlastung der Gebäudekonstruktion. Bei der Rauchfreihaltung steht somit der Personenschutz im Vordergrund, der durch den Erhalt von ausreichenden Sichtbedingungen gewährleistet wird. Die Wärmeabführung dient hingegen vor allem dem Gebäudeerhalt. Die Rauch- und Wärmeabzugsanlagen werden automatisch oder von Hand durch die Feuerwehr ausgelöst.13

Sprachalarmanlagen:

Neben den bereits genannten Maßnahmen ist auch eine Sprachalarmanlage sehr wirkungsvoll im Bereich des vorbeugenden Brandschutzes. Die elektro- akustischen Anlagen retten im Brandfall Personen mithilfe der Ausgabe von Sprach- und Tonsignalen. Gesteuert werden sie entweder automatisch von einer Brandmeldeanlage oder manuell vom Brandfallmikrofon. Die Anlagen können live Ansagen an die Beschäftigten übermitteln, aber auch zuvor gespeicherte Brandfall- oder Räumungsdurchsagen abspielen. Da Tonsignale und deren Bedeutung beim Empfänger für Unklarheit sorgen können, werden gesprochene Texte meist eher anerkannt. Denkbar wären Verhaltensanweisungen für die entsprechenden Situationen. Dies würde eine Vorbereitung der gespeicherten Texte sowie das Verfügbarmachen von mehrsprachigen Aufnahmen erfordern.

Je nach Gebäudeakustik kann es zu Verständlichkeitsproblemen mit Spracha- larmanlagen kommen. Neben der akustischen Beschaffenheit und dem Hintergrundschallpegel ist auch die Erreichbarkeit der Anlage je nach Konstruktion ein wichtiger Faktor. Bei der Konzepterstellung sind daher bestimmte Risiken zu berücksichtigen. Zu diesem Zweck wird eine von drei möglichen Sicherheitsklassen gefordert, die beurteilt, wie sich ein Ausfall von Übertragungswegen oder dem Gesamtsystem auswirkt. Zudem wird mit Redundanzen gearbeitet, um Ausfällen oder Engpässen vorzubeugen. Während Sprachanlagen mehrere mögliche Einsatzgebiete aufweisen, haben Brandfalldurchsagen Priorität.14 15 16

Sprinkleranlagen:

Sprinkleranlagen sind effektive und darüber hinaus die weitverbreitetsten Anlagen zum Löschen von Bränden. Es handelt sich dabei um selbsttätige Sprühwasserlöschanlagen, die einen Brand verhindern sollen, indem sie ihn bereits in der Anfangsphase bekämpfen. Ihre Schutzmöglichkeiten für öffentliche, industrielle und gewerbliche Gebäude sind vielfältig. Eine Sprinkleranlage besteht hauptsächlich aus einem an der Wasserversorgung angeschlossenen Rohrnetz, welches die zu schützenden Gebäudeteile durchzieht. In regelmäßigen Abständen sind dort stehende oder hängende Sprinkler in das Rohrnetz eingebunden.

Im Brandfall werden nicht alle Sprinkler ausgelöst, sondern nur diejenigen in unmittelbarer Nähe zum Feuer. Möglich ist dies aufgrund einer temperaturempfindlichen Glasampulle, die sich im Kopf des Sprinklers befindet und bei steigender Temperatur (ca. 70°C) zerplatzt. Dadurch pumpt der Sprinkler das Wasser aus den dafür vorgesehenen Tanks in das Rohrnetz. Die flächendeckende Verteilung erfolgt durch die Konstruktion des Sprinklers, dank welcher das Löschwasser auf den Sprühteller prallt. Durch den entstehenden Wasserfluss werden darüber hinaus weitere Alarmeinrichtungen ausgelöst. Ein darauffolgendes akustisches Signal sorgt für die Alarmierung einer dauerhaft besetzten Stelle. Ist der Brand vorüber, werden die Geräte ausgetauscht und die Sprinkleranlage ist erneut ein- satzbereit.1516

Sprinkleranlagen zu planen und installieren bedarf der Beachtung von strengen Maßstäben. Diese unterliegen maßgeblich den Anforderungen, die in DIN EN 12845: Ortsfeste Brandbekämpfungsanlagen - Automatische Sprinkleranlagen - Planung, Installation und Instandhaltung sowie in DIN 14489: Sprinkleranlagen; Allgemeine Grundlagen beschrieben werden.17

[...]


1 „vds.de: Bildungsangebot - Brandschutz im Betrieb“ o. J.-a

2 „vds.de: Bildungsangebot - Brandschutz im Betrieb“ o. J.-b

3 „Musterbauordnung - MBO - Bundesrecht | Schriften“ o. J.

4 vgl. (Kemper, 2012) S. 12-14

5 „Gratis-Download: Brandschutzordnung - AKADEMIE HERKERT“ o. J. Hüseyin Ulusal

6 „Organisatorischer Brandschutz - Brandschutz ist Lebensschutz“ o. J.

7 „pa14_01_2009_vorbeugender_brandschutz.pdf“ o. J.

8 „Moderner baulicher Brandschutz“ o. J.

9 „pa14_01_2009_vorbeugender_brandschutz.pdf“ o. J.

10 BauNetz o. J.-a

11 BauNetz o. J.-b

12 vgl. (Kemper, 2012) S.44-48

13 BauNetz o. J.-c

14 BauNetz o. J.-d

15 BauNetz o. J.-e

16 vgl. (Kemper, 2012) S. 51-54

17 „DIN 14489 - 2010-11 - Beuth.de“ o. J. S. 12

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Brandschutz und Betriebs- und Anlagensicherheit. Welche Bedeutung kommt dem anlagentechnischen Brandschutz in der modernen Produktionswirtschaft zu?
Hochschule
Rheinische Fachhochschule Köln
Note
1,3
Autor
Jahr
2020
Seiten
31
Katalognummer
V998851
ISBN (eBook)
9783346370952
ISBN (Buch)
9783346370969
Sprache
Deutsch
Schlagworte
brandschutz, betriebs-, anlagensicherheit, welche, bedeutung, produktionswirtschaft
Arbeit zitieren
Hüseyin Ulusal (Autor), 2020, Brandschutz und Betriebs- und Anlagensicherheit. Welche Bedeutung kommt dem anlagentechnischen Brandschutz in der modernen Produktionswirtschaft zu?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/998851

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