Das Bild des "Fremden" und die Rolle der Medien. Welche Auswirkung hat es auf rassistische Übergriffe?


Hausarbeit, 2020

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Konstruktion des Fremden
1.1 Definition des Fremden
1.2. Konstruktion des Fremden durch die Medien

2. Auswirkungen dieser Konstruktion
2.1 Die Rolle der Medien
2.2 Beispiel Genozid in Ruanda

Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Zahl der Menschen, die vor Krieg, Konflikten und Verfolgung fliehen, war noch nie so groß wie heute. 2019 waren 79,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Im Vergleich dazu waren es Ende 2018 70,8 Millionen Menschen, vor zehn Jahren 37,5 Millionen Menschen. In Deutschland nahm die Zahl der Asylsuchenden im Vergleich zu 2016 hingegen deutlich ab. 85 Prozent der Flüchtlinge lebt in Entwicklungsländern, obwohl laut der Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung (AKUF) der Universität Hamburg die Auseinandersetzungen im Jahr 2019 von 28 kriegerischen Konflikten auf 27 gesunken sind. Die meisten Flüchtlinge kommen aus

- Syrien (6,6 Millionen Menschen)
- Venezuela (3,7 Millionen)
- Afghanistan (2,7 Millionen)

In diesen Ländern herrscht seit mehreren Jahrzehnten Krieg und Gewalt. Dabei richtet sich diese Gewalt gegen die Zivilbevölkerung. Dies äußert sich zum Beispiel durch Vergewaltigung, Massenhinrichtungen, Verschleppung oder das Rekrutieren von jungen Männern beziehungsweise Kindern.1

Deutschland steht seit 2015 verstärkt vor einer großen politischen, wirtschaftlichen und menschlichen Herausforderung bezüglich der Flüchtlingsmigration. Aufgrund der wirtschaftlichen Perspektiven, der geografischen Lage und dem bestehenden Asylrecht gehört die Bundesrepublik zu den größten Aufnahme- und Zielländern von Flüchtlingen und Asylsuchenden in Europa, waren es im Jahre 2013 noch 127.000 Asylanträge, so stieg die Zahl im Jahr 2019 auf 721.000 Anträge. In Deutschland wurden 2019 165.600 Anträge gestellt. Insgesamt leben rund 20,8 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund in Deutschland. Das entspricht ungefähr V* der Bevölkerung.2

Migration wird in der deutschen Gesellschaft aber noch immer nicht als „natürlicher“ Prozess wahrgenommen, der eine lange Tradition hat. Zuwanderung als Begriff wird, fast untrennbar, mit der Zuschreibung von Fremdheit in Verbindung gebracht und sogar zunehmend zur Kennzeichnung von MigrantInnen reserviert, teilweise wird dieser in Medien mit “Asyltourismus” betitelt. Gleichzeitig schein Gewalt und Anfeindungen gegenüber Asylsuchenden die Norm geworden zu sein (Hanau,PEGIDA).

Woher kommt die Angst vor denen, die in das “eigene” Land betreten? Warum werden diese Menschen direkt als Feinde wahrgenommen? Sondern als das was Sie sind.3 Menschen die durch Flucht oder Vertreibung eine neue Heimat in der Ferne suchen müssen. Die Ihnen fremd ist, sondern in denen Sie die Fremden sind. In dieser Ausarbeitung möchten wir uns der Thematik von Fremdheit sowie deren Darstellung in den Medien auseinandersetzen. Dazu werden wir zunächst den Begriff von Fremdheit genauer definieren und anhand von zwei Beispielen die Darstellung mit Zuhilfenahme des Textes “Ordnungen des Anderen” von Julia Reuter genauer beschreiben.

1. Konstruktion des Fremden

Der Mensch ist verunsichert von dem Fremden. Nach Julia Reuter erschafft man das Fremde, um eine Grenze zu dem Eigenen zu ziehen und seine eigene Identität im Kontrast zu dem Anderen/Fremden zu erschaffen.4 Durch gesamtgesellschaftliche Prozesse kann diese Ausgrenzung verschärft, konkretisiert und vor allen Dingen legitimiert werden. Das Fremde wird also von sozialen Akteuren konstruiert und teilweise auch aktiv und bewusst hergestellt.5 Wie diese Konstruktion von statten gehen kann und welche besondere Rolle die Medien hierbei spielen, wird in diesem Kapitel erläutert.

1.1 Definition des Fremden

Der “Fremde” war schon immer Tatbestand der sozialen Wirklichkeit. Was dieses bedeutete, war jedoch immer unterschiedlich definiert.6

In der Antike war der Fremde hauptsächlich über die Sprache definiert, wer nicht griechisch sprach und den man dadurch nicht verstand, war der Fremde (bârbaros).7 Das Fremde kann man also dadurch erklären, dass das Individuum und die Gesellschaft ihn nicht “verstehen kann”. Das bedeutet auch, dass “der Fremde” keinen objektiven Fakt, sondern einen Beziehungsstatus zu einem selber darstellt.8

In der Wissenschaft gibt es unterschiedliche Ansätze das “Fremde” zu definieren. Georg Simmels und Julia Reuther definieren das Fremde als etwas was durch das Eigene konzipiert wird, und gleichzeitig nah und fern wirkt, da einem nicht viel mit dem Fremden verbindet und dieser einem eher unbekannt ist, beziehungsweise unbekannt scheint. Das Nicht-Gemeinsame wird durch die Unbekanntheit betont und benutzt um eine ganze Gruppe von unterschiedlichen Individuen zu stigmatisieren (zum Beispiel alle Flüchtlinge, obwohl diese aus unterschiedlichen Regionen kommen).9 Auf die Ungewissheit kann der Mensch und die Gesellschaft positiv reagieren, mit Sehnsucht, Interesse oder Neugier, oder negativ, also mit Argwohn, Vorsicht, Ausgrenzung oder sogar Gewalt10

Der Soziologe Zygmunt Bauman fasste dies zusammen als: „Fremde bedeuten das Fehlen von Klarheit, man kann nicht sicher sein, was sie tun werden, wie sie auf die eigenen Handlungen reagieren würden; man kann nicht sagen, ob sie Freunde oder Feinde sind - und daher kann man nicht umhin, sie mit Argwohn zu betrachten.“11

In ihrem Buch: “Die Ordnung des Anderen” tauchte Julia Reuter tiefgreifender in die Materie ein und erklärte die verschiedenen Arten und Weisen wie das Fremde (von dem “Eigenen”) konstruiert werden kann. Sie ging darauf ein, wie Fremdheit rein sozial konstruiert wird und oft nur entsteht, da man mit der Ankunft des Fremden Angst hat, dass die eigene Ordnung zerstört wird. : “Fremdheit ist damit aber kein objektiver Tatbestand der sozialen Wirklichkeit, sondern das Resultat einer Ordnung der Alltagswelt.”12 In unserer alltäglichen Welt wird das Bild von Fremdheit konstant von der “eigenen Gesellschaft” wieder interpretiert, neu gebildet , reproduziert und schließlich dadurch gefestigt. Das kann auf unterschiedliche Arten passieren und zum Beispiel zur Machterhaltung, Identitätsbildung oder der Besserstellung der eigenen Gruppe fungieren. Die Ambivalenz des Fremden, also ob er Feind ist und er Angst hervorruft oder positiv bewertet als Ergänzung des eigenen gilt, kommt auf die sozialen Debatten, Meinungsbildung und soziale Stärke der Gruppe an.13

Ein Beispiel wie das Fremde konstruiert werden kann aus “Die Ordnung des Anderen” ist die “Etablierten- Außenseiter Studie” von Norbert Elias. Hier wurde gezeigt, wie in einem kleinen Vorort der Industriestadt Leicester die »Soziodynamik der Stigmatisierung« sich abspielte und wie Macht durch einen soziale Prozess entand. In Winston Parca bildeten Ortsansässige eine Gruppe und durch diesen Entstehungsprozess entwickelten sie ein überlegenes einheimisches Wir- Gefühl welches im Kontrast zu den Neudazugzogenen sich ausdrückte. Durch den starken Gruppenzusammenhalt konnten sie ein starkes Machtgefälle erzeugen und die neuen Menschen ausschließen.14

Die Neuankömmlinge brachten einige Probleme wie Raumnot mit sich, was bedeutete, dass die anfänglich kleinen Differenzen zwischen den Gruppen detonierten. Die Etablierten benutzen die kleinen Differenzen, um den Neuankömmlingen alles Negative zuzuschreiben: Die Etablierten stuften sich als höherwertig ein und die Außenseiter wurden als faul, unordentlich und ähnliches abgestuft. Diese Praxis der Machtausübung birgt also nicht nur Benachteiligungen in der Resourcenverteilung sondern bringt auch viel soziale Ächtung mit sich. Die Etablierten jedoch erfreuten sich an ihrem neuen Status. So kann die Konstruktion des Fremden also das “Eigene” definieren und elevieren.15

1.2. Konstruktion des Fremden durch die Medien

In diesem Teil wird erläutert, wie und wieso die Medien eine große Rolle in der sozialen Konstruktion des Fremden spielen.

Die Medien haben eine bedeutende gesellschaftliche Funktion: als Informant und Meinungsbilder und Wegweiser die Bevölkerung. Als die größten Medien gelten Social Media (Face- book, Instagram, Twitter, etc.), Filme, Fernsehen, Nachrichten, Zeitungen (vor allem die BILD) und Zeitschriften.16

Medien fungieren als die Schnittstelle zwischen Politik und dem Alltag, deswegen schauen viele Menschen zu den Medien, um sich ihre Meinung zu bilden. Durch ihre Berichterstattung werden die Aussagen der Politiker verstärkt und ausgestrahlt.17 theoretisch sollten Medien Vorfälle und ähnliches nur objektiv und fachlich berichten. Jedoch tun sie dies nicht, da Objektivität schier unmöglich ist.18

Erstens bestimmen sie durch ihren Fokus, welche Nachrichten an die Öffentlichkeit gelangen und zweitens bestimmen sie durch ihre Sprache also durch welches Framing,19 welche Nachrichten wie aufgefasst werden. Ein gängiges Beispiel hierfür wäre die kontinuierliche Anti-Flüchtlingsrhetorik der Medien, welche die Meinungen der Bevölkerung in eine bestimmte (rassistische) Richtung lenkte. Hierzu gehören Begriffe wie “Das Boot ist voll” und “Flüchtlingswelle”. “Flüchtlingswelle” wurde von vielen seriösen und “neutralen” Medienquellen wie die Tagesschau benutzt und suggerierte, dass die von Krieg flüchtenden Menschen eine große Bedrohung (wie eine Welle das ist) darstellen. Dadurch wurde “der Fremde” in dem Fall zu einer Gefahr und nicht zu einem Freund, den man freundlich willkommen heißt.20

Die andere große Informationsquelle der Moderne ist das Internet. Social Media kann einen positiven Effekt haben, der die Fremdenfeindlichkeit von Menschen verkleinert, da auch “typisch” Fremde Menschen ihr Leben mit einem Teilen können und dadurch einem ähnlicher und näher wirken als sie es sonst tun würden. Dazu können vielerlei Stimmen (auch von Minderheiten) gehört werden und nicht nur die der Berufsjournalisten und Politiker. Dadurch kann Empathie für die Lebenslage vieler unterschiedlicher Menschen entstehen.21 Auf der anderen Seite kann viele Social Media Nutzung auch dazu führen, dass die eigene Meinung bestätigt wird und man nur Stimmen hört, die der eigenen Meinung zustimmen. (die sogenannte Filterblase).22 Ein gutes Beispiel hierfür wäre die Website “8chan” bei der viele rechtsextreme Nutzer ihre rassistische und sexistische Meinung verbreiten und sich gegenseitig dazu auffordern rassistisch motivierte Attentate zu begehen.23 Durch die mangelnde Diversität und rechtliche Kontrolle auf solchen Seiten kann sich eine extremistische, Fehlinformation und fremdenfeindliche Meinung durchsetzen, von welcher die Nutzer der Seite auch nicht mehr wegkommen können, da sie ihren Rassismus und Sexismus verinnerlicht haben. Der Anfang kann klein anfangen, damit, dass man über einen rassistischen Witz (“Meme”) lacht und dadurch die gewisse Stereotype und negative Stigmen über Bevölkerungsgruppen reproduziert (zum Beispiel, dass alle Sinti und Roma Diebe sind).24

2.Auswirkungen dieser Konstruktion

„ Was wir über unsere Gesellschaft wissen, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“25

schrieb der Soziologe Niklas Luhmann dieses Zitat zeigt welche bedeutende und wichtige Rolle von und Medien bei der Übermittlung und Wahrnehmung unserer sozialen Wirklichkeit einnehmen. In diesem Abschnitt möchten wir uns mit der Rolle der Medien genauer auseinandersetzen. Zunächst folgt eine Analyse welche Wirkung Medien auf Individuum haben und im Anschluss folgt ein Beispiel was passiert, wenn Medien Stellung innerhalb der Gesellschaft missbrauchen.

2.1 Die Rolle der Medien

Die Rolle der Medien nehmen einen wichtigen Platz innerhalb jeder Gesellschaft ein. In der Vergangenheit wurden diese oft für politische Zwecke (Bundestagswahlen 2017) instrumentalisiert, um das Volk in eine bestimmte Richtung zu manövrieren26. Oft werden daher Medien neben der Legislative, Judikativen und Exekutive als vierte Gewalt genannt. Medien haben die Macht eine Meinung in der Bevölkerung zu manifestieren, sie von Sachverhalten zu überzeugen oder ein „allgemeingültiges“ Stimmungsbild zu erzeugen27.

Journalisten*innen haben die Aufgabe und Pflicht Informationen, Meinungen, Wertvorstellungen zu veröffentlichen und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Nach dem Kodex des Deutschen Presserates ist das:

„ Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.“28

[...]


1 (vgl. Hamburger Arbeitsgemeinschaft Kriegsursachenforschung 2019)

2 (vgl. Bildung 2020)

3 (vgl. Roos 2014: 88)

4 (Elke M. Geenen,2002,)

5 (Julia Reuter, 2002)

6 (David Grupe,2007)

7 vgl (David Grupe,2007)

8 vgl (Julia Reuter, 2002)

9 vgl (Julia Reuter, 2002)

10 vgl (Julia Reuter, 2002)

11 Zygmunt Bauman (2000)

12 vgl (Julia Reuter, 2002)

13 vgl (Julia Reuter, 2002)

14 (Norbert Elias, John L. Scotson,2002)

15 vgl (Norbert Elias, John L. Scotson, 2002)

16 (Jutta Röser, 2007)

17 (Jäger, S.,2000)

18 (Elizabeth, Wehrling, 2016)

19 vgl.(Elizabeth, Wehrling, 2016)

20 vgl (Elizabeth, Wehrling, 2016)

21 (Peter Holtz,2020)

22 ( Carsten Ovens , 2017)

23 ( Vice, 2019)

24 (Rachel Dubrowski, 2014)

25 (Luhmann 2017: 63)

26 (Vgl. Holtz-Bacha & Lynda , 2019)

27 (Vgl.Bidlo, 2012)

28 (Deutscher Presserat, 2020)

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Bild des "Fremden" und die Rolle der Medien. Welche Auswirkung hat es auf rassistische Übergriffe?
Hochschule
Universität Hamburg
Veranstaltung
Hate speech und (Rechts-)Populismus
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V998973
ISBN (eBook)
9783346371546
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bild, fremden, rolle, medien, welche, auswirkung, übergriffe
Arbeit zitieren
Fabian Hartmann (Autor), 2020, Das Bild des "Fremden" und die Rolle der Medien. Welche Auswirkung hat es auf rassistische Übergriffe?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/998973

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