Twitter-Kommunikation des Bundesgesundheitsministers in der Corona-Krise. Inhaltsanalyse des Twitter-Profils von Jens Spahn


Hausarbeit, 2021

34 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis. I

Einleitung.

1 Die Begriffe.

2 Krisenkommunikation.

3 Krisenkommunikation in den sozialen Medien.

4 Die Stellung des Bundesgesundheitsministers.
4.1 Im Kabinett
4.2 In der Corona Krise.

5 Methodisches Vorgehen.

6 Ergebnisse und Diskussion.

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis.

9 Anhang.

Einleitung

„Aus der Coronaepidemie in China ist eine weltweite Pandemie geworden (Spahn, 2020).“

Mit diesen Worten wendete sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am 04. März 2020 an die Bevölkerung. Das neuartige Virus führte auch in der Bundesrepublik Deutschland zu massiven Einschränkungen. Einer der zentralen Akteure war und ist hier Jens Spahn.

Die Relevanz des Themas ergibt sich aus der Aktualität, der zunehmenden Bedeutung der sozialen Medien in unserer Gesellschaft und der zentralen Bedeutung des Bundesgesundheitsministers in der Corona Krise. Das Ziel ist es, herauszufiltern und zu kategorisieren, wie Jens Spahn auf seinem Twitter Account im gewählten Zeitraum kommuniziert. Zu Beginn sollen die zentralen Begriffe erläutert werden, bevor auf die Krisenkommunikation allgemein eingegangen wird. Hierbei werden auch wichtige Grundsätze vorgestellt, die zu einer erfolgreichen Krisenkommunikation führen. Anschließend soll auf die sozialen Medien und speziell die Rahmenbedingungen des Kurznachrichtendienstes Twitter eingegangen werden. Daraufhin wird Jens Spahns Stellung sowohl im Kabinett als auch in der Corona Krise herausgearbeitet. Den Kern der Arbeit bildet eine qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring. Als Datensatz dienen dabei alle Beiträge (Tweets) des Twitter Profils von Jens Spahn, im Zeitraum vom 12. – 16. Dezember 2020. Dieser Zeitraum wird gewählt, da dies die Tage kurz vor und während des Beginns des 2. Lockdowns1 in Deutschland sind. Hierbei wird nur der Text der verschiedenen Tweets analysiert. Bilder und Videos bleiben außen vor. Da zur Krisenkommunikation speziell auf Twitter kaum Quellen existieren, wird in diesem Zusammenhang eine induktive Vorgehensweise gewählt. Abschließend soll die Arbeit mit einer kurzen Bilanz des Analyseteils und einem Ausblick auf mögliche weitere Forschungsdimensionen beendet werden. Verschiedene Faktoren der Krisenkommunikation wurden bereits mehrfach untersucht (Reynolds & Seeger, 2005; Coombs, 2007; Raupp, 2014; Riecken, 2013). Die Krisenkommunikation auf diversen Sozialen Medien wie Twitter ist jedoch noch weitgehend unerforscht.

1 Die Begriffe

Im Folgenden werden die wichtigsten Begriffe definiert.

Krise

Ehekrise, medizinische Krise, Sinnkrise, Unternehmenskrise, Wirtschaftskrise, Balkan Krise, Flüchtlingskrise, Corona Krise. Der Begriff der Krise taucht in verschiedenen Bereichen immer wieder auf. Gesellschaft und Politik mussten sich besonders in den letzten Jahren immer wieder mit verschiedenen Krisen auseinandersetzen.

Nach Merten (2013) ist "eine Krise […] die Störung eines geordnet verlaufenden Prozesses, deren 1) Zeitpunkt des Eintretens, 2) deren Ursache, 3) deren Dauer und 4) deren Verlauf ungewiss ist und daher eine reale Gefahr darstellt. Zu deren Bewältigung ist ein Handeln und Entscheiden unter Ungewissheit erforderlich, dessen Effektivität zudem in der Krise nicht sicher abschätzbar ist“ (S.155-156). Durch diese Definition wird der Verlauf einer Krise deutlich.

Ursachen können Naturereignisse (z. B. Pandemien), technisches oder menschliches Versagen (z. B. Unfälle) oder auch Terrorismus und Kriminalität sein.

Krisen lassen sich weiterhin durch die folgenden Merkmale charakterisieren: eine hohe Dynamik, wenig Steuermöglichkeiten, keine Linearität, eine zeitliche Befristung, hohe Komplexität, einen ungewissen Ausgang und kaum überschaubare Folgen (Bundesministerium des Inneren, 2014).

Pandemie

Der Pandemieplan des Robert-Koch-Instituts (RKI) definiert eine Pandemie als eine Epidemie, die sich auf die ganze Welt ausgebreitet hat. Gegen das Virus, welches die Krankheiten beim Menschen auslöst, gibt es keine bzw. kaum Immunität und es ist leicht übertragbar. Zu Beginn der Ausbreitung weiß die Wissenschaft sehr wenig über die Merkmale des Virus. Eine Impfung steht noch nicht bereit. Der Schweregrad der Pandemie kann sehr unterschiedlich bezüglich Anzahl der Kranken und Toten sowie des Verlaufes der Krankheit sein. Das kann wiederrum auch von Region zu Region variieren und sich im Laufe der Zeit ändern (RKI, 2016).

Covid-19

Die Krankheit Covid-19 ist eine „respiratorisch leicht von Mensch-zu-Mensch übertragbare virale Krankheit“ (RKI, 2020, S.17). Symptome sind beispielsweise Husten, Schnupfen, Fieber und Müdigkeit. Ein schwerer Verlauf kann insbesondere bei Menschen mit Vorerkrankungen oder älteren Menschen auftreten. Die Krankheit wurde das erste Mal am Silvestertag 2019 in der chinesischen Stadt Wuhan entdeckt, wobei noch nicht klar war, welche Krankheit die diagnostizierten Lungenentzündungen auslöst. Der erste Fall in Deutschland wurde am 28.01.2020 bekannt (RKI, 2020).

2 Krisenkommunikation

Auf Basis des Crisis and Emergency Risk Communication Modells kann Krisenkommunikation wie folgt definiert werden: „Crisis communication seeks to explain the specific event, identify likely consequences and outcomes, and provide specific harm-reducing information to affect communities in an honest, candid, prompt, accurate, and complete manner (Reynolds & Seeger, 2005, S. 46).”

Nach Helbig und Kretschmer (2006) gibt es einige Grundregeln, die für eine erfolgreiche Krisenkommunikation zu beachten sind. An erster Stelle wird hier die Aktivität in der Krise genannt. Ein passives Verhalten sei kontraproduktiv, da es zu Gerüchten oder Vermutungen kommen könnte. Darüber hinaus solle nichts verheimlicht werden, sondern jegliches Handeln für die Bevölkerung unmissverständlich und deutlich gemacht werden. Betont wird auch ein einheitliches Auftreten im Rahmen einer sogenannten One-Voice-Policy. Auf der Basis von Erfahrungen verschiedener Sprecher einer Partei, zeigte sich eine Verschärfung der Krise, wenn wichtige Personen einer Organisation in sehr verschiedene Richtungen kommunizierten. Das stelle ebenso eine Gefahr für das Vertrauen gegenüber der Regierung dar. Des Weiteren sei das zeitnahe Kommunizieren von zentraler Bedeutung.

Hierbei sind Risikokommunikation und Krisenkommunikation zu unterscheiden. Ersteres legt den Grundstein für Zweiteres. Die Risikokommunikation konzentriert sich auf Prävention und Vorbereitung. Die Krisenkommunikation selbst findet bei Eintreten der Krise statt und zeichnet sich durch schnelles, kurzfristiges Handeln aus. Hier wird sich konkret an der Gefahr oder dem Ereignis orientiert, was die Krise auslöst, um möglichst schnell erneut den Normalzustand herbeizuführen und Schäden zu begrenzen. Die Grundsätze beider Kommunikationskategorien sind: Offenheit, Transparenz, Glaubwürdigkeit und Dialogorientierung. In beiden Arten der Kommunikation wird das oberste Ziel Glaubwürdigkeit und Vertrauen z. B. gegenüber der Regierung aufzubauen, verfolgt (Bundesministerium des Inneren, 2014). Während der Kommunikation in der Krise spielen die Medien eine zentrale Rolle, denn es ist ihre Aufgabe der Vermittler zwischen Staat und Bevölkerung zu sein. Durch sie nimmt die Gesellschaft die Krise war, weshalb die Medien durch ihr gezieltes Framing2 die Krise mit beeinflussen können (Raupp, 2014).

In einer Pandemie

Im Rahmen einer Pandemie, wie beispielsweise der Corona Pandemie, sind die drei folgenden Grundziele in der Krisenkommunikation von zentraler Bedeutung, die bereits im Rahmen der Neuen Grippe ("Schweinegrippe") angewendet wurden: Sensibilisieren, Informieren, Motivieren.

Die Menschen sollten sensibilisiert werden, sich an die Maßnahmen zu halten, um ihnen zu zeigen, dass sie, wie in der Corona-Krise, durch Einhaltung der AHA-Regeln3 und einer Reduktion der Kontakte selbst etwas gegen die Ausbreitung der Pandemie tun können – sich folglich aktiv an der Bekämpfung der Pandemie beteiligen können. Es wird auch darauf hingewiesen, den Ernst der Lage zu kommunizieren, aber ohne Panik und Angst in der Bevölkerung zu verbreiten. Ferner sollten die Informationen zielgruppengerecht und sachlich vermittelt werden, insbesondere bezüglich einer möglichen Impfung. Die Akzeptanz in der Bevölkerung einer Impfstrategie kann dadurch erhöht werden. Aber auch Ängste und Unsicherheitsfaktoren sollten nicht ignoriert, sondern angenommen werden. Dazu ist es wichtig, verschiedene und vor allem viele Kanäle der Kommunikation, wie Pressekonferenzen des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG), der Regierung, Fernsehauftritte von Schlüsselpersonen wie des Bundesgesundheitsministers oder des RKIs zu nutzen. Hier sollte auch die Nutzung sozialer Medien bedacht werden. Darauf wird im folgenden Kapitel näher eingegangen. Das Motivieren bezieht sich insbesondere auf die Bereitschaft, sich impfen zu lassen. Hierbei sollte der Nutzen und die Vorteile der Impfung betont werden. Darüber hinaus ist es wichtig mögliche Probleme einer Impfkampagne zu kommunizieren wie beispielsweise eine zu geringe Impfbeteiligung oder zu wenig Impfstoff (Martin, 2010).

3 Krisenkommunikation in den sozialen Medien

„Als Social Media werden alle digitalen Technologien und Plattformen bezeichnet, die es Nutzern ermöglichen, miteinander zu kommunizieren, sich auszutauschen und mediale Inhalte untereinander oder öffentlich zu teilen. Oft wird auch der Begriff Web 2.0 (…) synonym für Social Media verwendet (Bundesministerium des Inneren, 2014, S. 22).“ Im Folgenden wird der deutsche Begriff „soziale Medien“ verwendet. Die Nutzung dieser ist in den vergangenen Jahren rasant angestiegen.

So nutzen deutschlandweit circa 38 Millionen Menschen, also 46 % der Bevölkerung, soziale Medien (Stand Januar 2020). Die Statistiken weisen ebenso auf eine steigende Tendenz hin, denn im Vergleich zu 2016 stieg die Anzahl der Nutzer in Deutschland um 10 % an (Kemp, 2020b). Weltweit nutzen bereits ungefähr 3,8 Millionen der Menschen aktiv soziale Medien, was fast die Hälfte der gesamten Weltbevölkerung ist (Kemp, 2020a).

Diese stellen unter anderem aus diesem Grund für die Regierung und öffentliche Institutionen eine gute Möglichkeit dar, in einer Krise mit der Bevölkerung zu kommunizieren. Ein weiterer Aspekt ist das starke Verlangen der Menschen in einer Krisensituation nach Informationen, um Unsicherheit oder gar Panik zu stillen. Über die sozialen Medien als Kommunikationskanal ist es möglich, schnelle, preiswerte und spezifische Informationen an die Bevölkerung heranzutragen und diese dauerhaft zu aktualisieren. Nutzer können auch eigene Informationen weiter verbreiten, bestätigen oder bereitstellen. Das hat aber auch den Nachteil, dass es zur Verbreitung von Gerüchten und falschen Informationen kommen kann. Hier ist es an den Nutzern herauszufiltern welche Informationen glaubwürdig sind und welche nicht. Aus der Sicht der Regierung bieten die sozialen Medien zudem den Vorteil einen Einblick in die Stimmung in der Gesellschaft zu erhalten (Kramer, Rösner & Winter, 2016).

Twitter

Twitter ist ein Kurznachrichtendienst (auch oft Mikrobloggingdienst genannt). Twitter hat 330 Millionen Nutzer weltweit, die monatlich aktiv die Plattform nutzen. Davon nutzen über 40 % den Kurznachrichtendienst täglich (Twitter, 2019).

Die folgenden Begriffe werden in der Inhaltsanalyse verwendet und darum hier erläutert:

Tabelle 1: Definitionen der Begriffe bezüglich Twitter

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Samuelis, 2017

Die Plattform wird von verschiedenen privaten und öffentlichen Personen und Institutionen genutzt wie z. B. auch Parteien, Ministerien, Organisationen oder Ministern. Auch in Deutschland sind immer mehr der Bundesminister auf Twitter vertreten (Samuelis, 2017 Absatz 3 -6).

Insbesondere durch die beiden US-Präsidenten Barack Obama und Donald Trump wurde Twitter zu einem wichtigen Kommunikationskanal allgemein in der Politik und speziell im Wahlkampf. Twitter setzt durch seine Formate und plattformspezifischen Eigenschaften Grenzen, aber ermöglicht auch vieles. Durch die Begrenzung auf 280 Zeichen muss sich der Kommunikator auf das Wichtigste in seinem Tweet fokussieren. Das ermöglicht dem Leser eine schnelle und gute Lesbarkeit. Letztlich kann eine Interaktion über Twitter auch anhand der Beziehung charakterisiert werden. Es ist sowohl die One-to-One-, die One-to-Few-, die One-to-many- als auch die Many-to-Many-Kommunikation möglich. Normalerweise kann die Kommunikation weiterhin als asynchron eingeordnet werden, da eine Interkation meist zeitverzögert fortgesetzt wird. Nutzer können zu jeder Zeit Tweets versenden oder eine andere Interkation ausführen (Pfaffenberger, 2016).

4 Die Stellung des Bundesgesundheitsministers

Im folgenden Kapitel soll sowohl auf das Aufgabengebiet des Ministers, seine Bedeutung im Kabinett und auf das auf das Verhältnis zu den Ländern eingegangen werden. Anschließend wird die Stellung von Jens Spahn in der Corona Krise analysiert. Hierbei soll insbesondere auf das Infektionsschutzgesetz eingegangen werden.

4.1 Im Kabinett

Grundlegend markiert das Ressortprinzip nach Art. 65 S. 2 GG den Rahmen der Rechte und Pflichten des Bundesgesundheitsministers. Es ist seine Aufgabe, sein Ressort (Gesundheit) eigenverantwortlich zu leiten. Kanzler- und Kollegialprinzip begrenzen hier seine Möglichkeiten. Weiterhin ist es in seinem Zuständigkeitsbereich der Bundesregierung, sogenannte Kabinettsvorlagen zu präsentieren und diese zur Diskussion zu geben (§§ 21, 51 GGO). Des Weiteren vertritt und repräsentiert der Minister Ansichten und Entscheidungen der Bundesregierung gegenüber der Legislative und der Bevölkerung (Busse & Hofmann, 2019). Bei den Abstimmungen im Bundeskabinett haben Bundesinnen-, Bundesfinanz-, sowie Bundesinnenminister eine herausragende Stellung. Welche Minister an Bedeutung gewinnen, sagt ebenso etwas über die Situation und Probleme der Gesellschaft aus. So gewann beispielsweise in der Corona Pandemie der Bundesgesundheitsminister an Bedeutung. Das zeigte sich auch in der medialen Berichterstattung (Marschall, 2015).

Der Bund hat im Rahmen der Gesundheitspolitik eine wichtige Bedeutung. Er ist für die Sozialversicherung, die wirtschaftlichen Aspekte in den Krankenhäusern und die Krankenhauspflegesätze zuständig. Der wichtigste Akteur das Bundesministerium für Gesundheit und damit auch der Bundesgesundheitsminister. An dieser Stelle sind auch die Behörden der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA), das RKI und das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zu nennen.

Die Stellung ist auch im Vergleich zu den Bundesländern herauszustellen. Große Bereiche der Gesundheitspolitik fallen in die konkurrierende Gesetzgebung nach Art. 74 GG. Die Länder dürfen also nur gesetzgeberisch tätig werden, wenn keine Vorschriften des Bundes vorliegen. Da dies oft der Fall ist, sind die Möglichkeiten der Länder gering. Diese fallen in die Bereiche die Versorgung in den Krankenhäusern, der öffentliche Gesundheitsdienst und die Prävention. Nach Art. 83 GG führen sie die Vorschriften aus und haben die Hoheit über die Gesundheitsämter in den Kommunen. Auf der Ebene der Länder sind insbesondere die Landeministerien für die Gesundheitspolitik zuständig. Die Landesgesundheitsminister treffen sich einmal pro Jahr auf der Gesundheitsministerkonferenz, um sich über verschiedene Positionen auszutauschen und Entscheidungen zu koordinieren (Gerlinger & Noweski, 2012).

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dem Bundesgesundheitsminister im Rahmen der Ebene des Bundes und des Bundesgesundheitsministerium eine zentrale Bedeutung in der Gesundheitspolitik im Vergleich zu den Ländern zukommt.

4.2 In der Corona Krise

Um die Stellung des Bundesgesundheitsministers Jens Spahn in der aktuellen Corona Krise zu verdeutlichen, soll an dieser Stelle die überarbeitete Version des Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite, welches am 18. November 2020 verabschiedet wurde, hinzugezogen werden.

Dabei ist an erster Stelle § 5 von zentraler Bedeutung. Dieser Paragraph enthält eine „weitreichende Anordnungs- und Verordnungsermächtigung für das BMG“ (Kießling, 2020, Rn. 1,2) und damit für den Bundesgesundheitsminister, wenn „eine epidemische Lage von nationaler Tragweite“ (Kießling, 2020, Rn. 1,2) vom Bundestag bestätigt wurde. Weiterhin werden ihm eine Reihe an Ermächtigungen und Rechten eingestanden. 4 Einerseits gab es dazu weitreichende Kritik. So überschreiten diese insbesondere seine eigentlichen Befugnisse nach Art. 35 Abs. 2 S. 2, Abs. 3 GG. So wird auch im Kommentar von Kießling (2020) von „operativen Befugnissen“, die einen „Eingriff in die Grundrechte“ bedeuten, gesprochen (Rn. 1,2). Ferner sei nicht klar, ob eine derartige „direkte Ministerialverwaltung“ (Rn. 1,2) zulässig sei. Insbesondere Einschränkungen der Möglichkeiten der Länder, lassen sich nach Kießling (2020) mit Art. 83 GG nicht vereinbaren und eine „Verschiebung grundgesetzlich festgelegter Zuständigkeiten durch ein einfaches Bundesgesetz“ (Rn. 1,2) sei nicht mit dem Rechtsstaatsprinzip vereinbar. Andererseits würde damit ein schnelles Handeln der Bundesregierung ermöglicht, um die Gesundheit der Bevölkerung zu schützen und einen Zusammenbrauch des Gesundheitssystems zu verhindern. Insbesondere dieser Zeitfaktor ist es, der verhindern kann, dass eine Epidemie/Pandemie zu dynamisch und unkontrollierbar wird.

5 Methodisches Vorgehen

Die Inhaltsanalyse wurde nach Mayring (2015) durchgeführt. Im Folgenden wird das methodische Vorgehen anhand von 12 Schritten nach ihm beschrieben:

1. Festlegung des Materials
2. Analyse der Entstehungssituation

Der vorliegenden Arbeit liegen 49 Tweets zugrunde (s. Anhang), die Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zwischen dem 12. und 16. Dezember 2020 entweder selbst verfasst oder retweetet hat. Das umfasst die Tage kurz vor der Verschärfung der Maßnahmen (zweiter Lockdown) sowie den Beginn des Lockdowns am 16. Dezember 2020. Daneben sind auch die Debatte der Zulassung des ersten Impfstoffes und der Beginn der Impfungen als Handlungshintergrund zu erwähnen. Es wird angenommen, dass die Zielgruppe dieser Tweets überwiegend junge Erwachsene sind.

3. Formale Charakteristika des Materials

Die Tweets wurden durch Screenshots Ende Dezember archiviert, da es sowohl in der App als auch in der Online-Version von Twitter nur möglich ist, Tweets der letzten 8 Wochen aufzurufen. Anschließend wurden die Tweets im Programm „Excel“ transkribiert und mit Datum und einer Nummerierung versehen.

4. Richtung der Analyse

Mit dieser Arbeit soll herausgefunden werden, welche Hauptthemen Jens Spahn in seinen Tweets anspricht und wie differenziert sich diese gestalten. Nach dem Kommunikationsmodell von Lagerberg (1975) wurde hier also insbesondere der inhaltliche Aspekt der Texte untersucht (Was wird gesagt?).

5. Theoretische Differenzierung der Fragestellung

Die leitende Fragestellung dieser Arbeit leitet sich aus den theoretischen Annahmen der generellen Krisenkommunikation sowie der Krisenkommunikation in den sozialen Medien, speziell Twitter, ab.

6. Bestimmung der Analysetechniken und des Ablaufmodells

Den Mittelpunkt der Analyse stellt die Kategorienbildung dar. Hierbei wurde sich für eine induktive Vorgehensweise entschieden, da es noch keine Kategorien zur Krisenkommunikation auf Twitter in der einschlägigen Forschungsliteratur gibt. Das Ziel ist es möglichst viel aus dem vorliegenden Material (Tweets) zu erfahren. Die induktive Kategorienbildung ist eine Form der Zusammenfassung, so dass die Inhalte auf das Wichtigste reduziert werden.

7. Definition der Analyseeinheiten

Hierbei wurde ein vollständiger Tweet als Kontexteinheit gewählt und ein Satz eines Tweets als Kodiereinheit.

8. Analyseschritte mittels des Kategoriensystems

Die Erstellung des Kategoriensystems wurde weitestgehend nach dem Schema von Mayring (S.68) vollzogen. Einige Tweets konnten keiner Kategorie zugeteilt werden, weshalb eine Restkategorie erstellt wurde. Im folgenden Kapitel werden die Ergebnisse der Inhaltsanalyse dokumentiert, interpretiert und mit der Theorie in Verbindung gesetzt (Schritte 9 bis 12).

[...]


1 Synonym für starke Einschränkungen im öffentlichen Leben wie Schließung von Geschäften, Schulen oder Universitäten

2 Rahmung und Deutung verschiedener Themen durch Journalisten aber auch Rezipienten (Raupp, 2014)

3 Abstand halten, Hygiene beachten, Alltagsmaske tragen

4 „Maßnahmen zur Grundversorgung mit Arzneimitteln , Stärkung der personellen Ressourcen im Gesundheitswesen und zur Abweichung von Berufsgesetzen der Gesundheitsfachberufe betrifft“ (Kießling, 2020, Rn. 9,10)

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Twitter-Kommunikation des Bundesgesundheitsministers in der Corona-Krise. Inhaltsanalyse des Twitter-Profils von Jens Spahn
Hochschule
Universität Erfurt
Note
1,7
Autor
Jahr
2021
Seiten
34
Katalognummer
V999957
ISBN (eBook)
9783346390110
ISBN (Buch)
9783346390127
Sprache
Deutsch
Schlagworte
twitter-kommunikation, bundesgesundheitsministers, corona-krise, inhaltsanalyse, twitter-profils, jens, spahn
Arbeit zitieren
Julia Pabst (Autor:in), 2021, Twitter-Kommunikation des Bundesgesundheitsministers in der Corona-Krise. Inhaltsanalyse des Twitter-Profils von Jens Spahn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/999957

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