Was dich erwartet:
Das Wichtigste vorweg:
- Alles, was von der Realität abweicht, muss erklärt werden
- Die Welt eines Romans kann ein ganz neues Universum sein, aber auch viel kleiner, zum Beispiel eine fiktive Stadt, Schule, oder sogar nur ein einzelner Raum
- Worldbuilding umfasst mehr als die Hauptcharaktere und ihre Umgebung, dazu gehören auch Sprache, Religion, Kultur, politische Lage und vieles mehr
Was ist eigentlich Worldbuilding?
Worldbuilding besteht aus vielen verschiedenen Elementen, die zusammenspielen. Das bedeutet nicht nur, ein ganzes Universum, oder eine Fantasywelt komplett neu zu erfinden. Auch die Stadt, ein Zimmer oder ein bestimmtes Gebäude können die „Welt“ deiner Geschichte sein. In Closed-Room-Krimis beispielsweise bildet der abgeschlossene Raum, in dem das zu enträtselnde Verbrechen stattgefunden hat, den Großteil der Welt dieser Geschichte.
Worldbuilding lässt sich dabei in die folgenden Bereiche gliedern:
Geographie/ Umgebung
In welcher Umgebung spielt deine Geschichte? Gestaltest du eine komplett neue Fantasywelt, musst du dir Gedanken um verschiedene Länder, deren geographischen Bezug zueinander und die Gestaltung der Lebensräume machen. Gibt es Meere oder Wüsten? Wo befinden sich in dieser Welt Wälder, Flüsse und Berge? Gibt es überhaupt Land, oder spielt deine Geschichte auf einem Planeten, der nur aus Wasser besteht?
Bei realistischeren Geschichten müssen die größeren Zusammenhänge meist weniger detailliert beschrieben werden, aber du musst dir zum Beispiel Gedanken zum Aufbau einer Stadt, der Aufteilung der Räume in einem Gebäude oder der Gestaltung der privaten Räume deiner Hauptcharaktere machen.
Kulturelle Eigenheiten
Ein weiterer wichtiger Punkt sind kulturelle Eigenheiten zu deinen Handlungsorten, an die auch deine Charaktere gebunden sind. Welche Sprache(n) sprechen die Charaktere und unterscheiden sie sich an verschiedenen Handlungsorten oder bei den Protagonisten? Welche Religion beeinflusst die Moralvorstellungen und Handlungen der Charaktere bzw. gibt es überhaupt eine Religion?
Auch die Gestaltung der Kleidung, die Wahl der Lebensmittel oder bestimmte Handlungsmuster können eine wichtige Rolle für das Worldbuilding spielen.
Politische Situation
Stark an die kulturellen Strukturen deiner Geschichte ist auch die politische Situation gebunden. Diese kann je nach Handlung und Genre mehr oder weniger im Vordergrund des Worldbuilding stehen. Dennoch solltest du dir zumindest grundlegend Gedanken darüber machen, ob deine Figuren beispielsweise in einer großteils funktionierenden Demokratie, einer Diktatur, oder einer Monarchie leben.
Herrscht Frieden, gibt es nationale/internationale politische Spannungen oder findet deine Handlung gar vor dem Hintergrund eines Krieges statt?
Charaktere
Wie sind seine Charaktere sozialisiert? Sind sie fest in der Gesellschaft integriert oder ein:e Außenseiter:in, weil sie beispielsweise aus einem anderen Land oder von einem anderen Planeten kommen? Welcher Gesellschaftsschicht entstammen sie? Haben sie einen sozialen Absturz oder Aufstieg erfahren? Wie kommunizieren sie? Welchen Kleidungsstil haben sie?
All diese Fragen und weitere Aspekte sollten bei der Gestaltung jedes Charakters berücksichtigt werden, besonders bei den Hauptcharakteren, um ihre Handlungen logisch zu begründen und ihre persönliche Situation im Kontext anderer Figuren und der Welt, die du gestaltest, für Leser:innen verständlicher zu machen.
Logik
Ein weiterer grundlegender Aspekt, der alle vorherigen Punkte verbindet, ist die Logik in den äußeren Gegebenheiten und dem inneren Handlungsantrieb der Charaktere. Alles funktioniert nach bestimmten Regeln und du musst kein Geographie- oder Physik-Ass sein, um zu erklären, warum es auf den Berggipfeln kälter ist als im Tal. In deiner Welt existiert Magie? Erkläre, nach welchen Regeln sie funktioniert. Auch neue Technologien lassen sich mit Logik einfach erklären, ohne auf wissenschaftliche Details näher einzugehen. Wichtig ist, DASS du sie in irgendeiner Form erklärst, damit Leser:innen verstehen, wie deine Welt funktioniert.
Tipps zum Worldbuilding
Wie du die Welt deiner Geschichte gestaltest, hängt ganz von deinem persönlichen Schreibstil und den Anforderungen des Plots ab. Die folgenden Tipps können dir jedoch in vielen Situationen während deines Schreibprozesses helfen:
Ein eigener Ort nur für das Worldbuilding
Egal ob du ein digitales/handschriftliches Journal erstellst, einen Ordner mit losen Notizen sammelst oder eine Excel-Tabelle erstellst: Erschaffe dir etwas, wo du alles zum Worldbuilding deiner Geschichte sammelst und aufbewahrst, damit du bei Bedarf jederzeit nachsehen und neue Ideen hinzufügen kannst. Halte neue Einfälle auch immer direkt fest, damit du sie nicht wieder vergisst. Bevor du diese Ideen dann in den bereits bestehenden Text einfügst, solltest du sie mit den Regeln deiner Welt abgleichen, damit keine Logiklücken entstehen.
„So wenig wie möglich, aber so viel wie nötig“
Versuche weitschweifige Landschaftsbeschreibungen, die Tierwelt auf der anderen Seite des Kontinents und andere Details in der Geschichte selbst auszusortieren. Deine Leser:innen sollen zwar ein grundlegendes Verständnis von der Welt bekommen, in der deine Figuren leben, aber beschränke dich dabei auf das Nötigste. Solange die Umgebung nicht die Handlung beeinflusst oder direkten Einfluss auf deine Charaktere nimmt, sind detailreiche Beschreibungen meist eher hinderlich.
In deiner Welt gibt es auf der anderen Seite des Meeres ein geheimnisvolles Wüstenvolk? Gut, aber solange deine Hauptcharaktere nicht dort sind oder mit einem Vertreter dieses Volkes in Kontakt treten ist es für deine Geschichte eher irrelevant, wie viele Menschen dort leben, an welchen Stellen genau sich Oasen befinden, ob das Volk zu Fuß die Wüste durchstreift und ob es dabei Schafe, Ziegen, Rinder oder Kamele dabei hat, oder nicht.
Bringe Details erst dann an, wenn sie für das Verständnis oder die Handlung deiner Geschichte relevant sind.
Beachte die Vorgaben der Realität
Wenn deine Geschichte in einer realen Umgebung spielt oder historisch in der Vergangenheit angesiedelt ist, ist es zwingend notwendig, dass du die Vorgaben beachtest, die dir dabei von der Realität gegeben werden. Deine Hauptfigur ist ein Hanseatischer Händler des 15. Jahrhunderts? Dann kann er seine Handelspartner nicht per Telefon oder E-Mail erreichen, sondern ist an relativ lange Abstände zwischen Verfassen und Erhalt einer Nachricht gebunden, die von einem Boten über Land oder Wasser übermittelt werden muss. Deine Geschichte spielt im heutigen Hamburg? Dann kann die Stadt nicht plötzlich direkt an den Alpen oder irgendwo in Norwegen liegen.
Der Vorteil bei realistischem Worldbuilding ist, dass du weniger erklären musst, da du ein allgemeines Verständnis von bestimmten Gegebenheiten voraussetzen kannst.
Konsequenz in der Beschreibung
Einer der wichtigsten Punkte ist der logische Aufbau deiner Geschichte und damit auch die Konsequenz, in der Beschreibung von Figuren, Umgebung, Traditionen, etc. Deine Hauptfigur ist relativ groß? Dann kann sie mittendrin nicht plötzlich kleiner als der Durchschnitt sein (es sei denn natürlich es gibt eine logische Erklärung und ein im Verlauf der Handlung beschriebenes Ereignis, das dazu geführt hat, wie beispielsweise ein Schrumpftrank in einer magischen Welt). Deine Geschichte spielt in der heutigen Realität und die Handlung soll ebenfalls realistisch ohne Fantasy-Aspekte sein? Dann kann dort auch nicht aus dem Nichts eine Gruppe Greifen, Elfen oder Fae auftauchen.
Benutze deine Welt für mehrere Geschichten
Wenn du ein Buch geschrieben hast und dafür eine ganz neue Welt erschaffen hast, wäre es schade um die Zeit und Mühe, die du in dieses Worldbuilding hineingesteckt hast, um es nicht für weitere Geschichten zu nutzen. Der Rahmen deiner Welt ist fertig gebaut, nutze ihn also, um andere Figuren aus anderen Teilen dieser Welt ihr eigenes Abenteuer mit neuen Details erleben zu lassen. Leser:innen, die deine Welt lieben, werden sich freuen, wieder in sie eintauchen zu können.
Du weißt nicht, ob du bei deinem Worldbuilding an alles gedacht hast? Genau dafür ist unsere Checkliste: Einfach runterladen und prüfen, ob in deiner Welt alles stimmig ist. Viel Spaß!
Häufig gestellte Fragen
Genug Worldbuilding ist erreicht, wenn du die Regeln deiner Welt kennst, die für die Handlung relevant sind.
Best Practice:
Entwickle zunächst nur die Bereiche, die direkt mit Plot und Figuren interagieren.
Frag dich: Was muss die Leser:in verstehen, damit die Szene funktioniert?
Faustregel vieler Autor:innen:
90 % des Worldbuildings bleibt im Hintergrund – nur 10 % erscheinen im Text.
Die effektivste Strategie:
Worldbuilding sollte über Handlung und Beobachtung vermittelt werden, nicht über Erklärungen.
Drei bewährte Techniken:
1. Kontext statt Erklärung
Nicht: „Magie ist verboten.“
Sondern: Eine Figur versteckt panisch ihr Zauberbuch vor der Stadtwache.
2. Figurenperspektive nutzen
Die Welt wird durch Wahrnehmung und Emotion erklärt.
3. Informationshäppchen
Leser:innen lernen die Welt schrittweise über Szenen hinweg.
Merksatz:
Wenn Informationen nicht für die aktuelle Szene nötig sind, gehören sie nicht hinein.
Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch Komplexität, sondern durch logische Zusammenhänge.
Die wichtigsten Hebel:
1. Ursache → Wirkung
Wenn Magie existiert: Wie verändert sie Wirtschaft oder Militär?
2. Umwelt prägt Kultur
Klima, Ressourcen und Geografie formen Gesellschaften.
3. Konsistente Regeln
Sobald eine Regel etabliert ist, darf sie nicht plötzlich gebrochen werden.
Beispiel:
Wenn Teleportation existiert, würden Handelsrouten oder Grenzen anders funktionieren.
Es gibt viele Methoden, aber eine besonders effiziente Reihenfolge ist:
Story-first Worldbuilding
- Protagonist:in
- Zentraler Konflikt
- Ort der Handlung
- Regeln der Welt, die den Konflikt beeinflussen
Danach können Sie die Welt schrittweise erweitern, während die Geschichte wächst.
Viele erfolgreiche Autor:innen bauen ihre Welt iterativ während des Schreibens auf.
Originalität entsteht selten durch komplett neue Ideen – sondern durch ungewöhnliche Kombinationen.
Bewährte Strategien:
1. Perspektive ändern
Bekannte Tropes aus neuer kultureller Perspektive erzählen.
2. Ein Element radikal verändern
Beispiel: Magie existiert, aber nur in Träumen.
3. Realweltliche Inspiration
Geschichte, Anthropologie oder Mythologie liefern einzigartige Ansätze.
4. Konsequenzen durchdenken
Was passiert langfristig, wenn deine Welt ein bestimmtes Element besitzt?
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