Die wissenschaftliche Untersuchung der Presse in der unmittelbaren Nachkriegszeit befasst sich intensiv mit der Rekonstruktion öffentlicher Meinungsbildung unter den Vorzeichen von Besatzung, Trümmergesellschaft und politischer Neukonstituierung. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt dabei auf der Frage, wie Medien die moralischen und politischen Verpflichtungen nach dem Zusammenbruch der NS-Diktatur wahrnahmen. Forscher analysieren hierbei die Diskrepanz zwischen der notwendigen Aufarbeitung von Verbrechen und der tatsächlichen medialen Darstellung, um die Mechanismen von Erinnerung und Vergessen in der frühen Bundesrepublik oder in den besetzten Zonen zu verstehen. Methodisch variieren die Ansätze zwischen quantitativen Inhaltsanalysen zur Erfassung von Berichterstattungsraten und qualitativen Diskursanalysen zur Untersuchung ideologischer Färbungen. Ein weiteres Feld ist die Untersuchung der regulatorischen Rahmenbedingungen, etwa durch Lizenzierungsverfahren oder die Kontrolle durch die Alliierten, welche die Vielfalt und Richtung der journalistischen Arbeit maßgeblich beeinflussten. Neben der rein politischen Funktion wird auch die soziokulturelle Bedeutung der Zeitungen als identitätsstiftende oder spaltende Instanz in einer instabilen Gesellschaft untersucht. Du findest dazu wissenschaftliche Arbeiten bei GRIN als PDF und eBook, viele davon auch als Print-on-Demand.