Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung. 2
2. Begriffsbestimmung 3
3. Behaviorismus 4
3.1 Das klassische Konditionieren 5
3.2 Das operante Konditionieren. 7
3.3 Lehr- und lerntheoretische Konsequenzen. 8
4. Kognitivismus 10
4.1 Neurobiologische Grundlagen der Gehirnforschung 10
4.2 Drei theoretische Beiträge zu einer Psychologie des kognitiven Lernens 12
4.3 Lehr- und lerntheoretische Konsequenzen. 15
5. Konstruktivismus 17
5.1 Was ist der Konstruktivismus? 17
5.2 Der radikale Konstruktivismus 17
5.3 Lehr- und lerntheoretische Konsequenzen. 18
5.4 Vor- und Nachteile des Konstruktivismus 19
6. Zusammenfassung. 20
7. Programmbeispiele 21
8. Diskussion 23
9. Literaturverzeichnis 24
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1. Einleitung
Der menschliche Lernprozess ist seit jeher Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Forschungen, zählt er doch zu den faszinierendsten und zugleich komplexesten Phänomenen überhaupt. Der Mensch ist von Geburt an lernfähig, so lernen Säuglinge beispielsweise sehr schnell, wie sie ihre Bedürfnisse mitteilen können. Das leistungsfähige Gehirn (gutes Gedächtnis, abstraktes Denken) und die natürliche Neugierde des Menschen unterstreichen diesen Umstand. Lernen geschieht nicht nur bewusst (z. B. in der Schule) sondern oftmals unbewusst (z. B. Spracherwerb von Kleinkindern). Trotzdem werden nicht alle Sinneseindrücke vom menschlichen Gehirn gespeichert - die Sinneswahrnehmungen werden selektiert und bewertet. Gerade für Lehrer stellt sich die Frage, wie ihre Schüler lernen, damit sie die Lernprozesse optimal unterstützen und begleiten können.
In der pädagogischen Diskussion haben sich in den letzten Jahrzehnten drei Lerntheorien herauskristallisiert, die den menschlichen Lernprozess sehr unterschiedlich erklären: Der Behaviorismus, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden ist und bis heute einen großen Einfluss in der wissenschaftlichen Diskussion hat, der Kognitivismus, der aus der Kritik am Behaviorismus hervorgegangen ist und schließlich der Konstruktivismus, der in den 1990er Jahren verstärkt Eingang in die Diskussion gefunden hat.
Beginnend mit einer Begriffsbestimmung von „Lernen“ und „Lerntheorien“ werden in einem zweiten Teil die drei Lerntheorien Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus vorgestellt. Anschließend werden die theoretischen Ausführungen durch drei Lernprogramme ergänzt, wobei jede Lernsoftware einer bestimmten Lerntheorie zugeordnet werden kann. Abschließend sollen die Vor- und Nachteile der drei Lerntheorien und ihre konkreten Einsatzmöglichkeiten im Unterricht diskutiert werden.
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2. Begriffsbestimmung
Um sich überhaupt mit dem Thema Lerntheorien auseinander setzen zu können, muss man eingangs die Frage klären, was man unter den Begriffen „Lernen“ und „Lerntheorien“ versteht.
Der Begriff „Lernen“ wird in der Umgangssprache häufig mit der Schule verbunden, in der Pädagogik und der Psychologie wird der Begriff „Lernen“ jedoch sehr viel weiter gefasst. Bower und Hilgard definieren „Lernen“ folgendermaßen: „Lernen bezieht sich auf die Veränderung im Verhalten oder im Verhaltenspotential eines Organismus hinsichtlich einer bestimmten Situation, die auf wiederholte Erfahrungen des Organismus in dieser Situation zurückgeht, vorausgesetzt, daß diese Verhaltensänderung nicht auf angeborene Reaktionstendenzen, Reifung, oder vorübergehende Zustände (wie etwa Müdigkeit, Trunkenheit, Triebzustände, usw.) zurückgeführt werden kann.“ 1
Lernen ist also eine Verhaltensänderung, die durch Erfahrungen mit einer bestimmten Situation entsteht. Es handelt sich somit um einen Prozess, bei dem sich die Handlungen, das Denken und Empfinden des Lernenden verändern und ein verändertes Verhalten nach sich ziehen. Vom Lernen abzugrenzen sind Verhaltensänderungen die aufgrund anderer Ursachen (z. B. angeborene Reaktionstendenzen, Reifung, Drogeneinfluss, Müdigkeit) entstehen. Die Definition verdeutlicht, dass Lernen nicht nur bewusst, z. B. in der Schule, passiert sondern häufig unbewusst, z. B. der Spracherwerb oder das Laufen lernen bei Kindern. Außerdem zeigt diese Definition, dass der Mensch in der Lage ist lebenslang zu lernen, auch wenn der Schwerpunkt der Lernleistung in der frühen Kindheit und Jugend liegt.
Lerntheorien schließlich „sind Versuche, die Kenntnisse über das Lernen zu systematisieren und zusammenzufassen.“ 2
1 Bower G. H. und E. R. Hilgard (1983): Theorien des Lernens. Bd. 1. Stuttgart. S. 31.
2 Edelmann, W. (1996): Lernpsychologie. Weinheim. S. 7.
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3. Behaviorismus
Der Begriff Behaviorismus leitet sich ab von dem englischen Wort „behavior“, welches mit dem deutschen Nomen „das Verhalten“ zu übersetzen ist. Somit ist der Behaviorismus eine Theorie der Wissenschaft, die sich mit dem Verhalten des Menschen auseinandersetzt beziehungsweise dieses untersucht. Es geht den Behavioristen vor allem darum, das Verhalten des Menschens (oftmals abgeleitet vom Verhalten des Tieres) möglichst exakt und objektiv zu beschreiben. „Der Behaviorist fragt: Warum machen wir nicht das, was wir beobachten können, zum eigentlichen Gebiet der Psychologie?“. 3
Als Begründer des Behaviorismus gilt der amerikanische Psychologe John Broadus Watson (1878- 1958), der in der Einleitung seines Aufsatzes Psychologie wie sie der Behaviorist sieht folgendes schreibt: „Der Leser wird keine Diskussion des Bewusstseins finden und auch nicht die Begriffe wie Empfindungen, Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Vorstellung, Wille usw. Diese Worte haben einen guten Klang, aber ich habe festgestellt, dass ich auf sie verzichten kann“. 4 Daraus resultierend kann also festgehalten werden, dass die Beobachtung objektiv wahrnehmbaren Verhaltens die Methode der Behavioristen ist und man sich damit ganz eindeutig gegen die Bewusstseinspsychologie richtet. Der Behaviorist beschränkt sich nämlich auf Dinge, die beobachtbar sind, da „geistige Phänomene“ nicht messbar sind und daher auch nie zu wissenschaftlichen Daten werden können. Somit wird der Mensch von den Behavioristen als Black-Box angesehen, wobei die Gefühle und das Bewusstsein absolut unberücksichtigt bleiben. Im Prinzip versucht der Behaviorist den Organismus (sowohl den menschlichen als auch den tierischen) nach dem Vorbild einer Maschine zu verstehen- einer Maschine allerdings, in die nicht hineingesehen werden kann, sondern deren Funktionsweise nur aus dem Input (Reiz) und dem Output (Reaktion) zu erschließen ist.
Ziel dieser Lerntheorie ist die Vorhersage und Kontrolle von Verhalten, das heißt es geht um die Beschreibung und Steuerung des Lernens durch Hinweisreize und Verstärkungen, so dass das erwünschte Verhalten am Ende erfolgt. (Dieser Prozess wird im weiteren Verlauf dieser Hausarbeit noch genauer erläutert werden.)
3 Baumgart, 2001, S. 118.
4 Watson, 1984. Einleitung.
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3.1 Das klassische Konditionieren
Das Paradebeispiel für den Behaviorismus ist das Klassische Konditionieren oder auch Signallernen. Unter dem Begriff Konditionieren versteht man nun das Erlernen von neuen Reiz- Reaktions- Verbindungen, das bedeutet ein bestimmter Reiz führt dann auch zu einer ganz bestimmten Reaktion. Die Voraussetzung hierfür sind jedoch reflexartige Reaktionen, die einem von Natur aus angeboren sind. Im Verlauf dieses Konditionierungsprozesses wird dann schlussendlich ein neutraler Reiz zu einem bedingten Reiz, wodurch daraufhin dann auch eine bedingte Reaktion ausgelöst wird. Um diese theoretischen Ansätze etwas nachvollziehbarer zu machen, werde ich dies nun einmal konkret an Hand eines typischen Experimentes zur Klassischen Konditionierung verdeutlichen.
Als Begründer der Klassischen Konditionierung gilt der russische Physiologe Iwan Petrowitsch Pawlow (1848- 1936), der in Petersburg das physiologische Labor für experimentelle Medizin gegründet hat, in dem er dann auch den größten Teil seiner berühmten Forschungsarbeiten durchgeführt hat- so auch sein recht bekanntes Experiment zur Untersuchung zwischen dem Zusammenhang des Speichelflusses (Reaktion) und der Fütterung (Reiz) bei Hunden.
Für dieses Experiment ist ein Hund in einen besonderen Apparat gestellt worden, in dem die Intensität des Speichelflusses als Reaktion auf bestimmte Reize gemessen werden konnte. Der Hund hat sich in dieser Apparatur nicht sehr viel bewegen können, so dass sein Kopf geradeaus gerichtet gewesen ist und er immer nach vorne gesehen hat. Ein runder Auffangbehälter, der dem Hund seitlich unter das Maul gebunden worden ist, hat den abgesonderten Speichel des Hundes gesammelt; der Abfluss des Speichels ist mit Hilfe eines chirurgischen Eingriffs durch eine Fistel nach außen geleitet worden. Direkt vor dem Hund hat eine Schale gestanden, die von außen je nach Belieben mit Futter gefüllt werden konnte. Als der Hund nun in dieser Apparatur gestanden hat, hat man eine Glocke ertönen lassen. Daraufhin hat der Hund (natürlicher Weise) keine besondere Reaktion gezeigt und auch keinen Speichel abgesondert. Zu Anfang dieses Experiments hat es demnach noch keinen Zusammenhang zwischen der Glocke und der Speichelabsonderung des Hundes gegeben. Im nächsten Schritt ist dem Hund dann Futter gegeben worden, woraufhin der Hund Speichel abgesondert hat. Nun sind verschiedene Versuchsdurchgänge, in denen kurz vor der Fütterung/ der
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Futterabgabe der Klang der Glocke ertönt ist, gefolgt. Als natürliche Reaktion auf das Futter hat der Hund auch hierbei Speichel abgesondert. Nachdem diese Kombination der Glocke mit dem Futter noch öfters wiederholt worden ist, hat Pawlow im nächsten Schritt nur die Glocke alleine ertönen lassen. Die erstaunliche Reaktion des Tieres ist nun gewesen, dass es jetzt schon bei dem Klang der Glocke Speichel abgesondert hat, ohne auch zugleich Futter zu bekommen. Somit hat der Hund durch dieses Experiment eine neue Reiz- Reaktions- Verbindung gelernt. Im Laufe dieses Konditionierungsprozesses wird also der anfänglich neutrale Reiz (Glocke) zu einem bedingten Reiz, der dann wiederum eine bedingte, also erlernte, Reaktion auslöst. Die Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings, dass ein Hund über einen angeborenen Speichelreflex verfügt, sobald er Futter bekommt. Diese Tatsache wird oftmals als etwas Normales oder Selbstverständliches angesehen, jedoch sind diese reflexartigen Reaktionen, die schon angeboren sind, auf jeden Fall nötig, wenn neue Reiz- Reaktions- Verbindungen erlernt werden möchten. Durch das Klassische Konditionieren ist man dann zu den folgenden drei Forschungsergebnissen gekommen: Kontiguität, Extinktion und Generalisierung. Das Gesetz der Kontiguität sagt, dass eine räumlich- zeitliche Nähe der Reize absolut notwendig ist. Das heißt also nur wenn der neutrale und der bedingte Reiz (hier: Glocke und Futter) kurz aufeinander folgen und räumlich beieinander liegen, erfolgt der Prozess der Konditionierung.
Die sogenannte Extinktion beschreibt die Löschung der konditionierten Reiz-Reaktions- Verbindung nach der Trennung dieser beiden Reize. Für unser Beispiel bedeutet dies: wenn dem Hund nach dem Ertönen der Glocke längere Zeit kein Futter mehr gegeben wird, dann wird sich irgendwann auch die Speichelabsonderung des Hundes als Reaktion auf das Ertönen der Glocke wieder einstellen. Der bedingte Reiz wird also wieder zum neutralen Reiz. Wiederholt man dieses Experiment jedoch nach einiger Zeit wieder, so zeigt der Hund nach wesentlich weniger Versuchsdurchführungen wieder die bedingte Reaktion auf den bedingten Reiz. Somit ist also bewiesen, dass die Konditionierung nicht gänzlich gelöscht worden ist, sondern lediglich gehemmt worden ist.
Mit der Generalisierung ist gemeint, dass auch ähnliche Reize die entsprechende Reaktion hervorrufen können. Ein Alltagsbeispiel hierfür wäre, dass sich die Angst,
Arbeit zitieren:
Stephanie Reuter, 2005, Lehr- und Lerntheorien - Behaviorismus, Kognitivismus und Konstruktivismus, München, GRIN Verlag GmbH
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