Freie Universität Berlin
Thema der Lehrveranstaltung: Bildung und Erziehung
WS 2008/09
Abgabetermin: 16. März 2009
,,Wie man ein Kind lieben soll":
Einblicke in die Welt des Janusz Korczak
Verfasserin: Sarah Diekow
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
...
S. 3
2. Korczaks Weg zum Pädagogen
...
S. 3
3. Korczaks Bild vom Kind
...
S. 5
3.1. Grundprinzipien seiner Pädagogik
...
S. 6
3.2. Die drei Grundrechte des Kindes
...
S. 6
3.2.1. Das Recht des Kindes auf seinen Tod
...
S. 6
3.2.2. Das Recht des Kindes auf den heutigen Tag
...
S. 7
3.2.3. Das Recht des Kindes, so zu sein, wie es ist
...
S. 7
4. Praktische Pädagogik am Beispiel des Waisenhauses ,,Dom Sierot"
...
S. 8
4.1. Das Kameradschaftsgericht
...
S. 9
4.2. Die Tafel
...
S.10
4.3. Das Kinderparlament
...
S.10
4.4. Der Briefkasten
...
S.11
5. Schlussbetrachtung
...
S.12
6. Literaturverzeichnis
...
S.13
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1. Einleitung
Wer war Henryk Goldszmit, der besser bekannt war als Janusz Korczak?
Wer war dieser Mann, der zahlreiche Begabungen in sich vereinte und dennoch nur einen
Lebensinhalt kannte? Wie setzte er seine pädagogischen Vorstellungen um und welche
praktischen Einrichtungen führte er im Waisenhaus ein?
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Beantwortung der hier gestellten Fragen.
Der Blick richtet sich zunächst auf die Person Korczak. Im Vordergrund steht dabei der
Pädagoge. Im folgenden Teil werden die Grundprinzipien seiner Pädagogik dargestellt und
sich mit den Grundrechten des Kindes auseinandergesetzt. Schließlich soll an Hand des
Waisenhauses ,,Dom Sierot" die Methoden zur Umsetzung seiner Pädagogik aufgezeigt
werden. Diese Arbeit behandelt nicht die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche
Lage Polens, da eine adäquate Berücksichtigung den Rahmen der Arbeit bei weitem
überstiegen hätte. Grundlage für diese Hausarbeit sind neben verschiedenen Biographien
auch die beiden pädagogischen Hauptwerke Korczaks, ,,Wie man ein Kind lieben soll" und
,,Das Recht des Kindes auf Achtung", die eine Einsicht in sein Leben, seine Tätigkeit und
seine pädagogischen Überzeugungen ermöglichen.
2. Korczaks Weg zum Pädagogen
,,Ich bin Arzt von Beruf, Pädagoge aus Zufall, Schriftsteller aus Leidenschaft und
Psychologe aus Notwendigkeit." (Korczak zit. nach Lifton 1991, S. 169)
Janusz Korczak wurde am 22. Juli 1878 oder 1879 als Henryk Goldszmit in Warschau
geboren. Er war Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie und entwickelte früh ein
soziales Interesse (vgl. Pelzer 1994, S. 11). Schon als Kind weihte er seine Großmutter in
seinen Plan ein die Armut abzuschaffen, damit es keine vernachlässigten und verwahrlosten
Kinder mehr geben würde. Er hegte starkes Mitgefühl für andere Menschen, vor allem für
diejenigen, die der sozial benachteiligten Schicht angehörten und wollte helfen Not und
Elend zu beseitigen (vgl. Pelz 1997, S. 9). Sein Vater verspielte den gesamten Besitz der
Familie und stirbt 1896 in einer Nervenheilanstalt. Aus Sorge, die Geistesstörung seines
Vaters könnte vererbbar sein, entschließt er sich keine eigene Familie aufzubauen, sondern
ein Wohltäter der Menschheit zu werden (vgl. Pelz 1997, S. 14). Durch den Tod des Vaters
kam es zum sozialen Abstieg der Familie. Henryk muss daraufhin Nachhilfeunterricht -
seine erste regelmäßige pädagogische und lehrende Tätigkeit - erteilen um die Familie zu
finanzieren (vgl. Pelz 1997, S. 13). Mit der Schulzeit verbindet Korczak eher unangenehme
Erfahrungen:
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,,Nach den Berichten Korczaks und vieler seiner Zeitgenossen waren die Schulen eher
mit Kadettenanstalten vergleichbar. Die Prügelstrafe stand noch auf der Tagesordnung,
und es herrschte ein Ton, der mehr auf Abrichtung zielte als auf vernünftige Bildung"
( Pelzer 1994, S. 17).
Mit 21 Jahren beginnt er sein Medizinstudium, das er 1904 mit einer Promotion abschließt.
Neben dem Studium betätigt er sich als Publizist, womit er sein Studium finanziert. Im
Blickpunkt seiner facettenreichen Schriften stehen immer wieder die Kinder, so auch in
seinem 1901 veröffentlichten ersten Roman ,,Die Kinder der Straße" (vgl. Pelzer 1994, S.
20/21 und 142). Aufgrund eines Druckfehlers bei einem Literaturwettbewerb erhält Henryk
sein Pseudonym ,,Janusz Korczak" welchen er sein Leben lang bewahrt (vgl. Dauzenroth
2002, S. 17). Eine zentrale Rolle bei seiner Orientierung zur Pädagogik spielte sein
zunehmendes Engagement in einem Warschauer Wohltätigkeitsverein, wo er sozial
benachteiligte Kinder aus dem Warschauer Elendsviertel kostenlos unterrichtete (vgl. Pelzer
1994, S. 35/36). Vor allem die Zeit mit Arbeiterkindern in den Sommerkolonien scheint
Korczak erheblich beeinflusst zu haben. Hier machte er erste gegenständliche pädagogische
Erfahrungen: ,,Den Sommerkolonien habe ich viel zu verdanken. Hier begegnete ich zum
ersten Male einer Kinderschar und lernte in selbständiger Arbeit das ABC der
pädagogischen Praxis" (Korczak 1989, S. 234). Darüber hinaus bildete er sich pädagogisch
weiter, indem er unter anderem die Werke von Montessori, Pestalozzi, Fröbel und
Makarenko las (vgl. Pelz 1997, S. 19). Im Jahre 1904 nimmt er seine erste Stelle als
Kinderarzt in einer Klinik an. 1905 wird seine Arbeit durch seine Einberufung als Lazarettarzt
in den russisch-japanischen Krieg unterbrochen (vgl. Dauzenroth 2002, S. 18). Korczak
entwickelte sich zu einem beliebten Arzt, dessen Patienten aus verschiedensten
Verhältnissen stammen, wobei seine Sympathie bei den Benachteiligten lag. Von Menschen
aus der wohlhabenden Gesellschaft nahm er sehr hohe Honorare, wohingegen er von den
Armen nichts verlangte (vgl. Pelz 1997, S. 19/20). 1911 ersetzte er seinen hohen
gesellschaftlichen Status und sein gutes Einkommen gegen die pädagogische Leitung des
jüdischen Waisenhauses ,,Dom Sierot" (Haus der Waisen), das nach seinem Konzept
errichtet wurde. Auf das Waisenhaus wird in Kapitel 4 noch gesondert eingegangen. Die
neue Funktion gab ihm die Möglichkeit seine sozialen, ärztlichen und pädagogischen
Fähigkeiten zu vereinen (vgl. Dauzenroth 2002, S. 19/20). Parallel dazu entsteht durch
seine Hilfe ein weiteres Waisenhaus namens ,,Nasz Dom" (Unser Haus). Im Jahre 1918
veröffentlichte Korczak eines seiner bedeutendsten pädagogischen Werke, ,,Wie man ein
Kind lieben soll", in dem er seine Erlebnisse und Beobachtungen als Arzt und Erzieher
aufzeigt. In seiner schaffensreichsten Phase verfasste Korczak das berühmteste polnische
Kinderbuch, das Märchen vom ,,König Hänschen".
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