Tanja Oexler 1083242 Seite 2 von 74
Inhaltsverzeichnis
S e i t e
Abk ürzungsverzeichnis 4
Abbildungsverzeichnis 6
Anlagenverzeichnis 7
1 Einführung zum Thema 8
1.1 Ausgangsszenario. 8
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit 9
2 Charakteristik kleiner und mittelständischer Unternehmen 11
2.1 Definition kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU) 11
2.1.1 Quantitative Kriterien 11
2.1.2 Qualitative Kriterien 13
2.2 Bedeutung von KMU für die deutsche Wirtschaft 14
2.3 KMU und Strategie 15
3 Die Balanced Scorecard als theoretisches Konstrukt 16
3.1 Begriff und Wesen der BSC 16
3.2 Entstehung der BSC 16
3.3 Kerngedanke und Zielsetzung des BSC-Ansatzes 17
3.4 Die Balanced Scorecard als Managementsystem 18
3.5 Mission, Vision und Strategie als Ausgangspunkt der BSC 20
3.5.1 Die Mission 20
3.5.2 Die Vision 21
3.5.3 Die Strategie 22
3.6 Perspektiven der Balanced Scorecard 24
3.6.1 Finanzperspektive 25
3.6.2 Kundenperspektive 26
3.6.3 Interne Prozessperspektive 27
3.6.4 Lern- und Entwicklungsperspektive 28
3.6.5 Weitere Perspektiven 29
3.7 Kausale Verknüpfung der Messgrößen diverser Perspektiven 30
3.7.1 Ursache-Wirkungsbeziehungen 30
3.7.2 Ergebniskennzahlen und Leistungstreiber 31
3.7.3 Verknüpfung mit den Finanzen 33
3.8 Kritische Würdigung des Instruments Balanced Scorecard 34
3.8.1 Nutzenpotenziale und Stärken der BSC 35
3.8.2 Schwächen der BSC 35
Tanja Oexler 1083242 Seite 3 von 74
4 Balanced Scorecard in kleinen und mittleren Unternehmen 36
4.1 Rahmenbedingungen in KMU 36
4.2 Voraussetzungen und Möglichkeiten der Einführung einer BSC 37
4.3 Anwendungsfelder und Verbreitung der BSC in KMU 38
5 Das Unternehmen XY GmbH 39
5.1 Firmenporträt 39
5.2 Organisationsstruktur 40
5.3 Der Bereich Automobiltechnik 40
5.3.1 Produkt- und Dienstleistungsprogramm 41
5.3.2 Absatzmarkt und Branche 41
5.4 Anlass zur Implementierung einer Balanced Scorecard 41
6 Konzeption einer BSC für den XY Automobilbereich 43
6.1 Einführung zur Konzeption der Balanced Scorecard 43
6.2 Schaffung des organisatorischen Rahmens 43
6.2.1 Berücksichtigung kritischer Erfolgsfaktoren 44
6.2.2 Projektorganisation 45
6.2.2.1 Aufbauorganisation 45
6.2.2.2 Ablauforganisation 46
6.2.3 Bestimmung der BSC-Architektur 47
6.2.4 Kommunikation und Sicherstellung der Partizipation 48
6.3 Klärung strategischer Grundlagen 49
6.3.1 Durchführung eines Strategiechecks 50
6.3.2 SWOT-Analyse im Bereich Automobiltechnik 51
6.4 Entwicklung der BSC 52
6.4.1 Strategische Stoßrichtung und Ableitung strategischer Ziele 53
6.4.2 Strategy Map und Story of Strategy 56
6.4.3 Auswahl der Messgrößen 58
6.4.4 Festlegung der Zielwerte 59
6.4.5 Bestimmung strategischer Aktionen 61
6.5 Roll-out der Balanced Scorecard 62
6.6 Sicherstellung des kontinuierlichen Einsatzes der BSC 63
6.7 Einführungs- und Umsetzungsprobleme 64
7 Schlussbetrachtung und Fazit 65
Quellenverzeichnis 66
Anlagen 70
Eidesstattliche Erklärung 74
Tanja Oexler 1083242 Seite 4 von 74
Abkürzungsverzeichnis
Abb. ........................................... Abbildung AT ........................................... Automobil BSC ........................................... Balanced Scorecard BWA ........................................... Betriebswirtschaftliche Auswertung bzgl. ........................................... bezüglich bzw. ........................................... beziehungsweise ca. ........................................... circa d. ........................................... der DB ........................................... Deckungsbeitrag d. h. ........................................... das heißt DV ........................................... Datenverarbeitung ET ........................................... Ersatzteile etc. ........................................... et cetera EU ........................................... Europäische Union EVA ........................................... Economic Value Added evtl. ........................................... eventuell f. ........................................... folgende ff. ........................................... fortfolgende F&E ........................................... Forschung und Entwicklung ggf. ........................................... gegebenenfalls GuV ........................................... Gewinn- und Verlustrechnung HGB ........................................... Handelsgesetzbuch i. d. R. ........................................... in der Regel IfM ........................................... Institut für Mittelstandsforschung inkl. ........................................... inklusive int. ........................................... intern i. S. ........................................... im Sinne KMU ........................................... kleine und mittlere Unternehmen MA ........................................... Mitarbeiter mind. ........................................... mindestens Mio. ........................................... Millionen
Tanja Oexler 1083242 Seite 5 von 74
MK ........................................... Materialkosten o. g. ........................................... oben genannt p. a. ........................................... pro anno PM ........................................... Projektmanagement ppm ........................................... parts per million QM ........................................... Qualitätsmanagement ROCE ........................................... Return on Capital Employed s. ........................................... siehe s. Kap. ........................................... siehe Kapitel SGE ........................................... strategische Geschäftseinheit SO ........................................... Strengths, Opportunities sog. ........................................... sogenannt ST ........................................... Strengths, Threats
SWOT ........................................... Strengths, Weakness, Opportunities, Threats S1 - S4 ........................................... Strategie 1 - Strategie 4 TEuro ........................................... Tausend Euro TQM ........................................... Total Quality Management u. a. ........................................... unter anderem u. Ä. ........................................... und Ähnliches vgl. ........................................... vergleiche WB ........................................... Werkzeugbau WO ........................................... Weakness, Opportunities WT ........................................... Weakness, Threats z. B. ........................................... zum Beispiel
Tanja Oexler 1083242 Seite 6 von
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abb. 1:Unternehmensgrößenklassen nach Definition des IfM
Abb. 2: KMU-Schwellenwerte der EU seit 01.01.2005
Abb. 3: Abgrenzung KMU von Großunternehmen
Abb. 4: Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der mittelständischen Unternehmen
Abb. 5: Die Balanced Scorecard als strategischer Handlungsrahmen
Abb. 6: Illustration Mission, Vision, Strategie
Abb. 7: Von der Vision zur Balanced Scorecard
Abb. 8: Perspektiven der Balanced Scorecard.
Abb. 9: Beispiel für die Finanzperspektive einer BSC.
Abb. 10: Beispiel der Kundenperspektive einer BSC
Abb. 11: Die int. Prozessperspektive - das generische Wertkettenmodell
Abb. 12: Beispiel der internen Prozessperspektive einer BSC
Abb. 13: Beispiel der Lern- und Entwicklungsperspektive einer BSC
Abb. 14: Weitere denkbare Perspektiven der BSC
Abb. 15: Ergebniskennzahlen und Leistungstreiber
Abb. 16: Schematische Ursache-Wirkungskette in der BSC
Abb. 17: XY - ein mittelständisches Unternehmen
Abb. 18: 5 Phasen zur Einführung einer BSC
Abb. 19: Vorschlag einer BSC-Projektorganisation
Abb. 20: Prozess der Strategieklärung
Abb. 21: Checkliste Strategie
Abb. 22: SWOT Analyse der SGE Automobiltechnik
Abb. 23: SWOT - Strategische Stoßrichtungen.
Abb. 24: Mögliche Zielformulierungen der SGE Automobiltechnik
Abb. 25: Horváth Partners-Filter zur Ableitung strategischer Ziele
Abb. 26: Vorschlag Strategy Map SGE Automobil
Abb. 27: Vorschlag Messgrößen der BSC für die SGE Automobil
Abb. 28: Vorschlag Zielwerte der BSC für die SGE Automobil
Abb 29: Vorschlag strategische Aktionen der BSC für die SGE Automobil
Tanja Oexler 1083242 Seite 7 von 74
Anlagenverzeichnis
Seite
Anlage 1: Organigramm XY GmbH ..................................................................... 70 Anlage 2: Projektbericht ....................................................................................... 71 Anlage 3: Projektplan ........................................................................................... 72 Anlage 4: Balanced Scorecard ............................................................................ 73
Tanja Oexler 1083242 Seite 8 von 74
1 Einführung zum Thema
1.1 Ausgangsszenario
Betrachtet man die aktuelle wirtschaftliche Lage - geprägt durch den immer größer werdenden Konkurrenzdruck, kurzlebigere Produktionszyklen und zunehmende Globalisierung - ist die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens auf Dauer nur dann gewährleistet, wenn es durch zielgerichtete Maßnahmen flexibel auf die sich ändernden Marktbedingungen reagieren kann. In Bezug auf die wirtschaftliche Überlebensfähigkeit sehen sich immer mehr Unternehmen gezwungen ihr Management neu auszurichten. Obwohl viele bemüht sind, diese Herausforderungen zu meistern, scheitern sie häufig bei der konsequenten Umsetzung ihrer Strategien im operativen Tagesgeschäft. Managementsysteme, die für eine stabile Umwelt geschaffen wurden, scheinen in einem dynamischen Zeitalter nicht mehr adäquat. Selbst dem Klein- und Mittelbetrieb, der das Bild der leichten Überschaubarkeit vermittelt, macht eine derartige Evolution immens zu schaffen, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Ein traditionelles, auf finanzielle Kennzahlen fokussiertes Management kann den heutigen Anforderungen von Unternehmen im Informationszeitalter nach effektiven Planungswerkzeugen nicht weiter gerecht werden. Die Kollision des Zwangs zur Schaffung von Wettbewerbsvorteilen und dem Ziel eines an historischen Werten orientierten Rechnungswesensmodells hat eine neue Synthese hervorgebracht: die Balanced Scorecard (vgl. Kaplan, Norton 1997: 7). Die BSC ergänzt finanzielle Kennzahlen vergangener Leistungen um die treibenden Faktoren künftiger Leistungen und ist damit auf dem Weg, sich zu einem modernen Managementsystem zu etablieren. Hohen Anklang findet die BSC in der Praxis. Eine in 2008 durchgeführte Studie von Horváth & Partners bestätigt, dass BSC-Anwender im Drei-Jahres-Vergleich überdurchschnittlich erfolgreich sind und ein höheres Umsatzwachstum im Wettbewerb erzielen. Ein positiver Einfluss zeigt sich u. a. bei Kennzahlen wie Kundenzufriedenheit (65 % Zustimmung), Qualität (65 %) und Mitarbeiterzufriedenheit (57 %). 40 % aller Unternehmen, die das Konzept intensiv nutzen, sahen bei sich selbst absolute Stärken in der Strategieumsetzung. Weiter gaben 90 % an, dass die BSC für sie auch künftig von großer Bedeutung sein wird (vgl. Horváth & Partners 2009a).
Tanja Oexler 1083242 Seite 9 von 74
1.2 Zielsetzung und Aufbau der Arbeit
Ziel dieser Diplomarbeit ist es, die theoretischen Grundlagen der Balanced Scorecard darzulegen und anhand eines Implementierungskonzepts für das Unternehmen XY GmbH aufzuzeigen, wie eine BSC insbesondere in kleine und mittelständische Unternehmen eingeführt werden kann. In diesem Zusammenhang soll ferner zum Ausdruck kommen, ob die Balanced Scorecard ein geeignetes Instrument für den Bereich Automobiltechnik der XY GmbH darstellt. Der praktische Teil stellt ausschließlich auf die Entwicklung eines Vorschlags ab, der aufzeigt, welche organisatorischen Schritte und Maßnahmen durchzuführen wären, um eine erfolgreiche Implementierung im Automobilbereich der Unternehmung sicherzustellen.
Es erfolgt eine Untergliederung der Arbeit in sieben Kapitel. Zunächst wird das Ausgangsszenario sowie Zielsetzung und Aufbau im Rahmen der Einführung dargestellt, um einen adäquaten Einstieg in das Thema zu gewähren. Nach dem einführenden Kapitel werden die charakteristischen Merkmale und Besonderheiten kleiner und mittelständischer Unternehmen betrachtet. Dabei wird der Begriff der KMU definiert, eine Abgrenzung der Unternehmen hinsichtlich quantitativer und qualitativer Aspekte vorgenommen sowie auf deren besondere gesellschaftspolitische und wirtschaftliche Stellung in Deutschland eingegangen. Letztendlich wird die Bedeutung der Strategie in KMU´s beleuchtet.
Gegenstand des dritten Kapitels ist die theoretische Konzeption einer Balanced Scorecard. Nach wesentlicher begrifflicher Klärung und Erläuterung der Entstehung, des Kerngedankens und der Zielsetzung erfolgt die Darstellung der BSC als Managementsystem, in dem die zugrundeliegende Mission, Vision und Strategie des Instruments näher betrachtet werden. Nach expliziter Darbietung der möglichen Perspektiven der BSC wird auf die kausale Verknüpfung der Messgrößen in den verschiedenen Betrachtungsebenen eingegangen und deren Wirkungsweise näher erklärt. Den Abschluss dieses Abschnitts bildet eine kritische Bewertung des Konzepts, in dem die Stärken und Schwächen einer Balanced Scorecard im Allgemeinen verdeutlicht werden.
Tanja Oexler 1083242 Seite 10 von 74
Des Weiteren verweist der vierte Teilbereich dieser Arbeit auf die Spezifika des Einsatzes der Balanced Scorecard in kleinen und mittleren Unternehmen. Insbesondere werden dabei die Rahmenbedingungen in KMU, Voraussetzungen und Möglichkeiten zur Implementierung des Konzepts sowie Anwendungsfelder und Verbreitung der BSC aufgezeigt.
Im Rahmen des fünften Kapitels dieser Diplomarbeit wird das Unternehmen XY GmbH vorgestellt, für das exemplarisch ein Konzept für die Einführung einer Balanced Scorecard im Bereich Automobiltechnik erörtert werden soll. Dabei wird ein Einblick in das Produkt- und Dienstleistungsprogramm sowie Absatzmarkt und Branche gewährt. Letztendlich bildet der Beweggrund zur Implementierung einer Balanced Scorecard in der vorgestellten Unternehmung den Schluss dieses Abschnitts.
Infolge der Unternehmensdarbietung wird im sechsten Kapitel ein in fünf Schritten dargestelltes Implementierungskonzept geschaffen. Hierbei ist in erster Linie der grundsätzliche organisatorische Rahmen zu klären, bevor im nachfolgenden Schritt die strategischen Grundlagen festgelegt werden können. Daraufhin kann die eigentliche Entwicklung der unternehmensindividuellen Balanced Scorecard stattfinden. Im Anschluss beschreibt die vierte Phase den unternehmensweiten Roll-out der BSC. In einem fünften Schritt werden Gestaltungsempfehlungen zur Gewährleistung des kontinuierlichen Einsatzes der Balanced Scorecard gegeben, um einen dauerhaften Erfolg zu sichern. Zudem werden die kritischsten Problembereiche bei der BSC-Einführung und Umsetzung aufgeführt.
Den Abschluss dieser Arbeit bildet eine Zusammenfassung des Instruments Balanced Scorecard sowie eine kritische Würdigung und Empfehlung des Balanced Scorecard-Konzeptes für die XY GmbH im Bereich Automobiltechnik. In einer abschließenden Gesamtbetrachtung wird auf die künftige Bedeutung der BSC verwiesen.
Tanja Oexler 1083242 Seite 11 von 74
2 Charakteristik kleiner und mittelständischer Unternehmen
2.1 Definition kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU)
Eine Begriffsbestimmung kleiner und mittlerer Unternehmen scheint zunächst unproblematisch. Ein Blick in die Literatur hingegen zeigt, dass eine allgemein anerkannte und eindeutige Definition nicht existent ist. Erklärbar ist dieses Defizit durch die Branchenheterogenität, die eine generelle Aussage aussichtslos macht. Je nach Zweck sind verschiedene quantitative und qualitative Aspekte zur Abgrenzung von KMU denkbar, die wie folgt ausgestaltet sind. Häufig wird aus Gründen der Praktikabilität auf Definitionen des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) in Bonn oder des Gesetzgebers verwiesen (vgl. Müller 2009: 102 f.).
2.1.1 Quantitative Kriterien
In der Regel wird der rechnerische Anteil des Mittelstands an der Gesamtwirtschaft über sog. quantitative Kriterien ermittelt. Hierbei handelt es sich um Größen, wie Zahl der Beschäftigten, Gesamtkapital, Umsatz, Bilanzsumme etc. Die Einbeziehung aller möglichen Aspekte zur Abgrenzung von KMU ist weder zwingend, noch zielführend. Alternativ werden daher zur Betriebsgrößenklassifikation ausgewählte quantitative Merkmale vorgeschlagen. Exemplarisch seien hier die Regelungen des IfM Bonn, der Europäischen Kommission sowie des Handelsgesetzbuches erwähnt. Alle drei referenzieren auf die Größen Beschäftigtenzahl und Umsatz, während das HGB und die EU darüber hinaus die Bilanzsumme in die Größenprüfung einbeziehen (vgl. Müller 2009: 6). KMU-Definition des IfM Bonn (seit 01.01.2002)
Von großer Bedeutung für Wissenschaft und Arbeit ist die „Arbeitsdefinition“ (siehe Abb. 1) des Instituts für Mittelstandsforschung in Bonn. Unternehmensgrößen werden dabei wie folgt abgegrenzt (vgl. IfM 2009a):
Abb. 1: Unternehmensgrößenklassen nach Definition des IfM. - Quelle: IfM 2009a (Eigene Darstellung).
Tanja Oexler 1083242 Seite 12 von 74
KMU-Definition der Europäischen Kommission (seit 01.01.2005) Gemäß Kommissions-Empfehlung vom 6. Mai 2003 erfolgt die Klassifizierung der Unternehmensgrößen wie in Abbildung 2 dargestellt. Diese Abgrenzung ist im Speziellen für die Berechtigung der Inanspruchnahme von Fördermitteln für KMU von Bedeutung (vgl. IfM 2009b).
Definition nach deutschem HGB:
Eine weitere Begriffsabgrenzung bietet das deutsche Handelsgesetzbuch für Kapitalgesellschaften gemäß § 267 HGB. Demnach gelten nachstehende Bestimmungen.
Tanja Oexler 1083242 Seite 13 von 74
2.1.2 Qualitative Kriterien
Zur Abgrenzung der KMU von Großunternehmen mögen quantitative Merkmale durchaus zweckmäßig sein, dennoch ist für eine weiterführende Analyse bzw. Differenzierung ein höheres Maß an Detaillierung notwendig. Um dieser Anforderung gerecht zu werden, ist eine Berücksichtigung qualitativer Aspekte erforderlich (vgl. Müller 2009: 7). Als kennzeichnend gelten folgende Merkmale, die sich bei der qualitativen Beschreibung von KMU durchgesetzt haben:
¾ Selbständigkeit der Unternehmung
¾ Fähigkeit zur Erbringung individualisierter, differenzierter Leistungen
¾ Verschmelzung von Unternehmer, Kapitalgeber und Leiter in einer Person
¾ Prägung des Betriebs durch die Persönlichkeit des Unternehmers
¾ regional oder hinsichtlich Marktgröße begrenzte Tätigkeit
¾ geringer Formalisierungsgrad (vgl. Pichler et al. 1996: 12). Des Weiteren finden sich qualitative Unterschiede zwischen Großbetrieben und KMU in sämtlichen Funktionsbereichen der Unternehmen wieder (s. Abb. 3). Ausgewählte Beispiele sollen an dieser Stelle der Transparenz dienen.
Abb. 3: Abgrenzung KMU von Großunternehmen. - Quelle: Pfohl 2006: 18 ff. (Eigene Darstellung).
Tanja Oexler 1083242 Seite 14 von 74
2.2 Bedeutung von KMU für die deutsche Wirtschaft
Den gesamtwirtschaftlichen Stellenwert der mittelständischen Unternehmen in Deutschland zeigt Abbildung 4 deutlich auf. Unter Zugrundelegung der quantitativen Definition des IfM Bonn ergibt sich, dass in 2007 von insgesamt 3,59 Mio. Unternehmen in Deutschland, deren Jahresumsatz Minimum 17.500 € beträgt, 99,7 % zu kleinen und mittelständischen Unternehmen zählen. Auf sie entfallen 37,5 % aller Umsätze und 70,6 % aller Beschäftigten, deren Anteil an Auszubildenden sich auf 83,0 % beläuft. Des Weiteren halten KMU 47,2 % an der Nettowertschöpfung der Unternehmen (vgl. IfM 2009a).
Abb. 4: Gesamtwirtschaftliche Bedeutung der mittelständischen Unternehmen. - Quelle: IfM 2009a. Aus diesen Schlüsselzahlen geht hervor, dass KMU eine eminente Größe in der deutschen Wirtschaft sind. Die wirtschaftliche Bedeutung einer solchen Verantwortung kann anhand eines magischen Bedeutungsvierecks aufgezeigt werden, in dem mittelständische Unternehmer primär als Anbieter, Arbeitgeber, Ausbilder und Innovatoren fungieren und somit einen beachtlichen Stellenwert in der Wirtschaft darstellen (vgl. Wegmann 2006: 36 ff.). Als Anbieter nehmen vor allem vorgelagerte Zulieferer z. B. im Automobilbereich eine wichtige Rolle ein. Traditionell mittelständisch geprägte Zulieferer begründen ihren Erfolg durch Flexibilität und starkes unternehmerisches Engagement. Sie tragen dazu bei, dass Großunternehmen kostengünstig produzieren können. Weiterhin lässt sich die beschäftigungspolitische Bedeutung als Arbeitgeber und Ausbilder gut ersehen. Durch die hohe Beschäftigungsquote wirken KMU stabilisierend auf die Volkswirtschaft und werden als Beschäftigungsmotor in Deutschland bezeichnet. Selbst die Verantwortung für die Gesellschaft, die sich aus der hohen Ausbildungsintensität ergibt, geht zunächst von KMU aus.
Tanja Oexler 1083242 Seite 15 von 74
Technischer Fortschritt und Innovation sind die Schlüsselfaktoren für wirtschaftliches Wachstum. In der Rolle des Innovators sind KMU insofern aktiv, dass sie sich durch Konzentration auf markt- und kundenorientierte Innovationen sowie enge Kunden- und Lieferantenbindung überlegene Informationen schaffen, um Zeit und Kosten für F&E-Aktivitäten zu begrenzen. Letztendlich profitiert dadurch die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands (vgl. Wegmann 2006: 36 ff.).
2.3 KMU und Strategie
Das strategische Management in kleinen und mittelständischen Unternehmen, die größtenteils durch Inhaber geführt sind, ist zumeist von der Persönlichkeit des Unternehmers geprägt. Die strategische Planung erfolgt in KMU häufig implizit und intuitiv - im Kopf des Unternehmers. Auf formale Planungsmethoden wird häufig verzichtet. Zu sehr stehen die Bewältigung des Tagesgeschäfts, die Sicherung des unmittelbaren Erfolgs und der Liquidität im Mittelpunkt (vgl. Krüger et al. 2006: 233).
Zudem scheitert es oftmals an der Ausstattung mit zeitlichen, finanziellen und personellen Ressourcen sowie an der Arbeitsüberlastung der Geschäftsführung durch operative Tätigkeiten (vgl. Schöning et al. 2005: 25 f.). Die Notwendigkeit eines strategischen Managements wird daher oftmals unterschätzt. Insbesondere dann, wenn die aktuelle wirtschaftliche Lage unschädlich ist. Vor dem Hintergrund der wachsenden Umweltdynamik, des steigenden Innovationsdrucks und der zunehmenden Kapitalintensität - eine fatale Situation. Nur durch eine strategisch richtige Positionierung kann gewährleistet werden, dass die Unternehmung auch künftig erfolgreich sein wird (vgl. Schauf 2006: 67). Mittelständische Unternehmen besitzen gerade durch ihre Kleinheit und Übersichtlichkeit einen strukturellen Wettbewerbsvorteil gegenüber großen Unternehmen. Um sich diesen Vorteil bestmöglich zunutze zu machen, bedarf es einer zukunftsfähigen Strategie. Um dorthin zu gelangen gilt es, zunächst den Status quo der Unternehmung zu ermitteln, daraufhin eine auf externe Marktchancen sowie ressourcenbasierende Strategie zu entwickeln und mittels eines geeigneten Instruments umzusetzen. Eine Umsetzung des strategischen Leitsatzes erfolgt mit Hilfe der Balanced Scorecard, auf die in nachfolgenden Ausführungen explizit eingegangen wird (vgl. Krüger et al. 2006: 235 f.).
Arbeit zitieren:
Tanja Oexler, 2009, Entwicklung eines Balanced Scorecard-Konzeptes für kleine und mittelständische Unternehmen – dargestellt im Bereich Automobiltechnik der XY GmbH, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Implementierung der Balanced Scorecard in kleinen und mittleren Un...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Hausarbeit, 19 Seiten
Balanced Scorecard: Einsatzmöglichkeiten bei Klein- und Mittelunterneh...
Bachelorarbeit, 49 Seiten
Balanced Scorecard als Instrument zur Steuerung der Beschaffung
Dargestellt an einem Fallbeisp...
Diplomarbeit, 91 Seiten
Supply Chain Controlling mit der Balanced Scorecard
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Diplomarbeit, 134 Seiten
Anwendung der Balanced Scorecard für das Supply Chain Management
Diplomarbeit, 105 Seiten
Implementierung einer Balanced Scorecard - Auswirkungen der spezifisch...
Studienarbeit, 36 Seiten
Strategische und operative Beschaffung
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Seminararbeit, 53 Seiten
Die Balanced Scorecard als Instrument des strategischen Management dar...
Diplomarbeit, 56 Seiten
Die Balanced Scorecard als Instrument des Risikomanagements
BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern
Diplomarbeit, 98 Seiten
Die Balanced Scorecard im Supply Chain Management
Eine Einführung in die Supply ...
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Studienarbeit, 36 Seiten
Die Balanced Scorecard in der Beschaffung
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Bachelorarbeit, 33 Seiten
Herausforderungen an das strategische Controlling im Mittelstand
Seminararbeit, 21 Seiten
Einführung einer Balanced Scorecard für die IT
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Diplomarbeit, 55 Seiten
Die Umsetzungsplanung mit der Balanced Scorecard am Beispiel strukturv...
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Studienarbeit, 20 Seiten
Die Purchasing Scorecard: Möglichkeiten und Grenzen einer Übertragung ...
BWL - Beschaffung, Produktion, Logistik
Bachelorarbeit, 37 Seiten
Wertorientierte Planungsprozesse und Balanced Scorecard
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 31 Seiten
Tanja Oexler's Text Entwicklung eines Balanced Scorecard-Konzeptes für kleine und mittelständische Unternehmen – dargestellt im Bereich Automobiltechnik der XY GmbH ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Tanja Oexler hat den Text Entwicklung eines Balanced Scorecard-Konzeptes für kleine und mittelständische Unternehmen – dargestellt im Bereich Automobiltechnik der XY GmbH veröffentlicht
Tanja Oexler hat einen neuen Text hochgeladen
Arbeits- und Gesundheitsschutz in klein- und mittelständischen Unterne...
Praktische Umsetzung rechtlich...
Mathias Bauer, Alois Engeldinger
Internationalisierung der Absatzmärkte für kleine und mittelständische...
Erfolgsfaktoren für KMU
Phillipp Kruse
Liquiditätsmanagement für mittelständische Unternehmen
Wie Sie Liquiditätsenge vermei...
Christoph Graf von Bernstorff
Management kleiner und mittlerer Unternehmen
Stand und Perspektiven der KMU...
Peter Letmathe, Joachim Eigler, Friederike Welter, Daniel Kathan, Thomas Heupel
0 Kommentare