Abstrakt
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den Wegen und Methoden von E-Learning im Handwerk. Zunächst wird das Problem des Themas dargelegt, seine wissenschaftliche Relevanz erläutert sowie Zielsetzungen und die Forschungsfragen definiert. Die Klärung der Definition von E-Learning ist für das Verständnis wesentlich, gelangt allerdings zu keiner schlüssigen Antwort, nicht zuletzt, weil vor allem in der akademischen Szene darüber eine ziemliche Uneinigkeit herrscht. Aber dieses dritte Kapitel kommt der Vorstellung, was E-Learning sein sollte, nahe. Um Veränderungen von Leistungen evident zu machen, sind Kenntnisse über Lerntheorien notwendig. Die Kenntnis dieser wichtigen Grundlagen sind insofern von Bedeutung, da erst am gelungenen Transfer („Verhaltensänderung“) der Erfolg von Lernprozessen mit Hilfe elektronischer Methoden sichtbar wird. Weiters wird ausgeführt, in wie weit im Handwerk rechnergestützte Systeme im Rahmen beruflicher Weiterbildung bereits eine Rolle spielen, respektive notwendig sind. Eine Bewertung des Einsatzes, mögliche Methoden und Potentiale von E-Learning sind wesentliche Inhalte. Allerdings ist E-Learning nur mit Unterstützung elektronischer Medien möglich. Deshalb werden die wichtigsten Technologien und Systeme beschrieben, die bei E-Learningszenarien zum Einsatz kommen können. Letztendlich ermöglichen sie die Umsetzung netzbasierten Lernens. Um diese Technologien auch nachhaltig einsetzen zu können, sind Voraussetzungen zu erfüllen, die in einem Kapitel über Personalentwicklung dargelegt sind.
Das letzte Kapitel schließlich widmet sich den Zielsetzungen und Interpretationen von Gesprächen, die im Rahmen dieser Arbeit empirisch durchgeführt worden waren. Im Anschluss daran wird der Versuch unternommen, die Gesprächsergebnisse mit bereits formulierten Hypothesen zu diskutieren.
Eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte mit einem abschließenden Fazit beendet diese Arbeit.
Abstract
This thesis deals with the ways and methods of e-learning in arts and crafts. At first the problem of this topic is presented and its scientific importance is explained, as well as aims and research questions are defined.
The definition of e-learning is essential for understanding the issue, although it is hardly possible to come to a final conclusion as even within the academic environment there is some disagreement. But this chapter comes close to the perception of what e-learning should be.
In order to make changes in achievements evident, knowledge about learning theories is essential. Insights into these important basics are inevitable. As only an effective transfer and a change in the learning behaviour make the success of e-learning by means of electronic methods visible.
Furthermore it will be explained in how far computer-aided working methods in vocational training in crafts already play a role or still have to be introduced. An assessment of the use of, the effectiveness of different methods and the potential of e-learning in general are essential issues of this thesis. That is why the most important technologies and systems of e-learning that can be used for different purposes are defined. In order to use these technologies effectively certain conditions have to be fulfilled, which will be explained in detail in the chapter of personnel development.
The final chapter deals with the objectives and interpretations of discussions which were carried out in the course of preparation for this thesis. Subsequently the results will be evaluated by means of already existing hypotheses.
This thesis is finished by presenting a summary of the most important issues and a final conclusion.
5
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis 7
Tabellenverzeichnis 8
1 Vorwort 9
2 Einleitung 10
2.1 Problemstellung 10
2.2 Relevanz 11
2.3 Zielsetzung und Forschungsfrage 12
2.4 Struktur und Methodik 12
3 Begriffsbestimmungen - eine Auswahl 14
3.1 Handwerk 14
3.1.1 Exkurs: Handwerksausbildung im Österreich 15
3.2 Ausgewählte Definitionen von E-Learning anhand der Literatur 17
3.3 Blended Learning 19
3.4 Zusammenfassung 22
4 Lerntheorien und Lernformen in der beruflichen Bildung 24
4.1 Grundlagen der Lerntheorien 24
4.1.1 Behaviorismus 26
4.1.2 Kognitivismus 28
4.1.3 Konstruktivismus 29
4.2 Motivationale Faktoren 32
4.3 Informelles und formelles Lernen 34
4.3.1 Informelles E-Learning 36
4.3.2 E-Learning in Web 2.0 37
4.4 Selbstgesteuertes Lernen in der betrieblichen Bildung 40
4.4.1 Cognitive Apprenticeship 42
4.4.2 Anchored Instruction 45
4.5 Zusammenfassung 46
5 E-Learning im Handwerk 49
5.1 Varianten 51
5.2 Bewertung des Einsatzes von E-Learning im Handwerk 53
5.3 Potentiale 56
5.3.1 Vorteile von E-Learning 59
5.3.2 Nachteile von E-Learning 60
5.4 Zusammenfassung 62
6 Überblick über Technologien und E-Learning Systeme 63
6.1 Technologien 63
6.2 E-Learningsysteme 63
6.2.1 Computer Based Training (CBT) 64
6.2.2 Web Based Training (WBT) 65
6.2.3 Virtuelle Seminare 65
6.2.4 Lernportale 67
6.3 Zusammenfassung 69
6
7 Betriebliche Weiterbildung und Personalentwicklung 72
7.1 Ziele und Kompetenzerwerb 72
7.2 Säulen der Personalentwicklung 75
7.2.1 Instrumente zur Personalbildung 76
7.2.2 Instrumente zur Personalförderung 77
7.2.3 Instrumente der Arbeitsstrukturierung 78
7.3 Zusammenfassung 78
8 Gespräche: E-Learning im betrieblichen Alltag und im Arbeitsalltag 80
8.1 Zielsetzungen der Gespräche 80
8.2 Die Gesprächspartner/innen 80
8.3 Methode 81
8.4 Beschreibung und Interpretation der Gesprächsergebnisse 82
8.4.1 Verständnisfrage zu E-Learning 83
8.4.2 Weiterbildung mit E-Learning und möglicher Mehrwert 84
8.4.3 Zeitressourcen 88
8.4.4 Lerninhalte bei E-Learningszenarien 90
8.5 Erkenntnis 93
9 Zusammenfassung und Fazit 94
9.1 Zusammenfassung 94
9.2 Fazit 97
10 Literaturverzeichnis 99
11 Anhang 105
11.1 Gesprächsleitfragen 105
11.2 Transkripte 105
11.2.1Gespräch G1 106
11.2.2Gespräch G2 111
11.2.3Gespräch G3 116
11.2.4Gespräch G4 123
11.2.5Gespräch G5 127
11.2.6Gespräch G6 130
11.2.7Gespräch G7 137
7
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 3-1 , Blended Learning (Wortmann 2007, S. 58)
Abbildung 4-1: Veränderungen bei Kurz- und Langzeitgedächtnis
(Kandel 2007, S. 280)
Abbildung 4-2: Rolle des Lernprogramms mit behavioristischem Hintergrund
(Thissen 1999, S. 6)
Abbildung 4-3: Rolle des Lernprogramms mit kognitivistischem Hintergrund
(Thissen 1999, S. 11)
Abbildung 4-4: Rolle des Lernprogramms mit konstruktivistische Hintergrund
(Thissen 1999, S. 18)
Abbildung 4-5: Kontinuum formellen und informellen Lernens in der betrieblich-beruflichen
Bildung (Rohs/Dehnbostel 2007, S.1)
Abbildung 4-6: Struktur einer Lernarchitektur (nach Zinke, 2004, S. 7)
Abbildung 4-7: Architektur des Cognitive Apprenticeship (eigene Darstellung)
Abbildung 4-8: Drei prototypisch Lehrparadigmen (Baumgartner/ Kalz 2004, S. 14)
Abbildung 5-1: Technologiebasiertes Kategorisierungsmodell.
(Abb. nach Back et. al., 1998)
Abbildung 5-2: Erfolgversprechende Zielgruppen in der E-Learning Wirtschaft
(Fritsch, 2009, S. 6)
Abbildung 5-3: Änderung der Relevanz computerbasierter Lernangebote
unterschiedlichen Mitarbeiter/innengruppierungen (Fritsch, 2009, S. 7)
Abbildung 5-4: wie wird Internet geschäftlich eingesetzt (Zoch 2007, S. 14)
Abbildung 5-5: E-Learning Lernorte (Ferreira, 2007, S. 72)
Abbildung 5-6: E-Learning während der Arbeitszeit oder Freizeit?
(Ferreira, 2007, S. 72)
Abbildung 6-1: Virtueller Klassenraum von WIFI Wien
Abbildung 6-2: Formen von E-Learning in der beruflichen Weiterbildung
(eigene Darstellung)
Abbildung 7-1: Qualifikation und Kompetenz (Georgieff et. al. 2006, S. 38)
Abbildung 7-2: Kompetenzmodell (Wortmann 2007, S. 14)
Abbildung 7-3: Die drei Säulen der Personalentwicklung (Wortmann 2007, S. 15)
Abbildung 8-1: Selektionsvorgang
Abbildung 9-1: Grundstruktur und Komponenten für E-Learning (eigene Darstellung)
8
Tabellenverzeichnis
Tabelle 4-1: Lernparadigmen und ihre Sicht auf die Lernenden (Hinze, 2004, S. 32) 31
Tabelle 4-2: Vergleich E-Learning 1.0 und E-Learning 2.0 (Kerres, 2006, S. 6) 39
Tabelle 4-3: Lehren und Lernen aus der Sicht verschiedener Lernparadigmen
(Reinmann, 2005, S.165) 47
Tabelle 8-1: Übersicht der Gesprächspartner/innen 81
Vorwort 9
1 Vorwort
Diese Arbeit wurde im Rahmen eines Studiums an der Donau Universität Krems erstellt. Die Verbindung von Handwerk und E-Learning ist das Ergebnis der Auseinandersetzungen mit meinen Berufen als seit knapp 20 Jahren selbstständiger Tischlermeister und geprüfter Lehrer an der Höheren Lehranstalt für künstlerische Gestaltung in Wien (seit 13 Jahren). Verständlicherweise sollte das Studium eine Ergänzung sein, die mit beiden Berufen kompatibel ist und deren Studienergebnisse ich adäquat verwerten kann.
Die Universität Krems war somit für mich sowohl ein zeitbestimmender Faktor als auch einer die Thematik und Relevanz des Studiums betreffend. Mein Wissensinteresse zielt auf eine Weiterbildung ab, die mein Betätigungsfeld in meiner Schule und im Handwerk erweitern könnte. Relevant schien mir diese spezielle Weiterbildungsmöglichkeit, weil sie die Lebens- und Berufstauglichkeit meiner Selbstständigkeit und von meinen Schülern und Schülerinnen eventuell fördern und erhöhen kann. Es ist ja offensichtlich, dass moderne Medien und Technologien bereits den ganz normalen Alltag eines modernen Menschen durchdringen, sein Leben bestimmen (Einkauf, Bank, Information) und sozial (Freizeitverhalten, Spiele, Kommunikation) verändern. Diesen Umstand bedenkend, kommt der Medienbildung in den Schulen aber auch in Unternehmen eine immer größere und wichtigere Bedeutung zu.
Das Lernen als ständiges in Bewegung-Sein: bedeutsam scheinen mir die Möglichkeiten, wie Lernen in einer bereits höchst digitalisierten Welt zu einem interessanten und leicht verdaulichen Erlebnis werden kann. In diesem Zusammenhang interessieren mich etwa die Konzepte von Lernplattformen als Beispiel für Lehrmethodik. Die Wichtigkeit von Lehrinhalten ist für mich dann gegeben, wenn ihre Inhalte eine schöpferische und konstruktive Auseinandersetzung zulassen.
E-Learning und Handwerk schließen einander nicht aus. Denn sie verbinden handwerkliche Produktion und Wissen in einer schnelllebigen Zeit.
Einleitung 10
2 Einleitung
2.1 Problemstellung
Wissensnutzung und Wissensteilung ist etwas, dass in Klein- und Mikrobetrieben (z.B. holzverarbeitender Berufe) eine noch untergeordnete Rolle spielt. Persönliches und wirtschaftliches Konkurrenzdenken stellen eine Barriere dar - oft wird Wissen, quer durch alle Handwerksbetriebe, zum Nachteil aller, zurückgehalten. Der Wunsch nach Kooperation besteht, scheitert aber meist an fehlenden Strukturen, Zusammenarbeit erfolgt meist durch persönliche Kontakte. Ausbildung und Praxis sind scheinbar inkohärent. Es gilt, Wissen für alle im Handwerk nutz- und anwendbar zu machen. Bereits bestehende Plattformen sind meiner Ansicht nach unzureichend, weil sie nur konsumatorisch ausgerichtet sind - der Einsatz moderner Medien zur partizipativen Wissensnutzung und Wissensteilung ist im Handwerk kaum bekannt. Eine effiziente Nutzung der Möglichkeiten (etwa Lern- und Lehrplattformen, E-Portfolio) muss bereits in der Ausbildung vorgesehen werden, wie auch das Forcieren zur Bildung eines Netzwerkes. Selbstbestimmtem und lebenslangen Lernen kommt nicht nur in diesem Bereich eine immer größere Bedeutung zu. Warum aber sollen sich Menschen weiterbilden und fortbilden? Im Wesentlichen, um das sich rasch mehrende Wissen für die beruflich notwendigen Qualifikationen sicherzustellen, andrerseits auch um persönliche Kompetenzen zu trainieren, die für kollaboratives Arbeiten innerhalb einer Organisation wichtig sind. Nicht zuletzt schafft Lernen und Bildung einen erweiterten Horizont um globalisierte Strukturen besser erfassen und verstehen zu können.
Wissen ist Macht, lautet ein oft zitiertes Sprichwort. Wissen bedeutet aber auch, sich in einer Welt immer stärker werdender Globalisierung und Marktbeherrschung zu behaupten. In einer Welt eben, in der Kommunen und Gesellschaften nicht mehr nur alleine auf sich untereinander angewiesen sind, sondern mit Hilfe weniger Mausklicks in das Weltgeschehen einsteigen können um so nicht nur Informationen, sondern auch Güter und Waren zu beziehen. Es ist also durchaus nicht mehr der Fall, dass Handels-und Produktionsplätze in einem Ort bleiben. Diese Art der Globalisierung verursacht einen harten Wettbewerb, mit dem Ziel, vor allem auch auf bequeme Art und Weise an den globalen Produktionsgütern teilzuhaben.
Menschen bilden sich formell und informell: immer stärker ist die Nutzung neuer Medien, und allen voran das Internet, als Quelle von Informationen. In den Bildungsprozessen von
Einleitung 11
Menschen wird Wissen als Mittel eingesetzt, um Märkte und Zukunftschancen zu forcieren aber auch um sich selbst in adäquate Positionen hoch zu kämpfen. 1 „Wir leben in einer Wissensgesellschaft.“ 2 schreibt Paul Liessmann und erläutert, es heiße, Wissen und Bildung seien die wichtigsten Ressourcen des rohstoffarmen Europas und Investitionen in Bildung seien somit Investitionen in die Zukunft. 3 Denn Wissenserwerb und Bildung ist nie abgeschlossen, und dort wo es um Erkenntnis geht, hört Lernen auch nie auf.
2.2 Relevanz
Lernen und sich Weiterbilden sind en vogue und gehören mittlerweile zum guten Ton. Nicht zuletzt ist Weiterbildung finanztechnisch auch steuerschonend, somit auch in dieser Beziehung gewinnbringend.
In einer Epoche raschen und unüberschaubaren, globalen Wissenszuwachses verändert sich unsere Gesellschaft zunehmend, und somit auch die Art und Weise der Informationsbeschaffung. Es genügt nun beispielsweise nicht mehr, dass sich kleine(re) Betriebe auf Mundpropaganda und örtliche Verhältnisse verlassen - dazu ist auch dieser Markt durch die Möglichkeiten des Internets bereits zu sehr globalisiert. Um marktfähig zu bleiben, bedarf es eines Umdenkens betrieblicher Denkmuster, die statt Konkurrenz Synergien bewirken. Weiterbildung von Unternehmer/innen und deren Mitarbeiter/innen in den Bereichen informellen Lernens mit Hilfe neuer Medientechnologien und E-Learningstrategien ist ein wichtiger Schritt zur Festigung fachlicher und persönlicher Kompetenzen, der eine positive Wettbewerbssituation vor allem für Mikrobetriebe vielleicht eher zu sichern vermag.
Innovationen werden im IKT-Bereich als zentrale strategische Parameter zur Konkurrenz eingesetzt und bewirken im Rahmen globalisierter Wissensgesellschaft eine Veränderung in der Arbeitswelt. 4
Die Globalisierung hat zudem noch die arbeitsmarktpolitische Wirkung, dass auch Arbeitnehmer/innen „längst nicht mehr alleine auf dem europäischen Binnenmarkt, sondern weltweit mit Berufskollegen um die vorhandenen Arbeitsplätze konkurrieren.“ 5 Dadurch bleibt oftmals nur als Ausweg die Strategie, „sich durch stete
1 Vgl. Liessmann, 2009, S.147
2 a.a.O., S.7
3 a.a.O.
4 Vgl. Fleissner in Banse/Bartikova, 2007, S.16
5 Lang, 2004, S.22
Einleitung 12
Bildungsmaßnahmen einen Vorteil zu verschaffen und somit die individuelle Beschäftigungsfähigkeit zu erhalten.“ 6
2.3 Zielsetzung und Forschungsfrage
Diese Arbeit möchte die Einbindung der neuen Medien in den Arbeits- und Ausbildungskontext des Handwerks und Kunsthandwerks beschreiben und zeigen, welcher Status Quo im Bereich E-Learning vorhanden ist. Vorhandene Ansätze zur Qualifizierung von Handwerkern und Förderung von E-Learning und Medienkompetenzen sollen optimiert und für die tägliche Praxis nutzbar gemacht werden. Diese Arbeit soll zeigen, ob E-Learning eine Optimierung von Wissen als „Arbeitsressource“ innerhalb von - aber auch kollaborativ zwischen - Kleinbetrieben bewirken kann und wird und mit welchen Methoden das möglich wäre. Didaktische Möglichkeiten zu selbstbestimmtem, konstruktivistischen Lernen und Lehren mit Hilfe von E-Learningmethoden sollen diskutiert werden um bestehendes und erworbenes Wissen in den Arbeitsalltag integrieren zu können.
Die leitende Forschungsfrage zu dieser Arbeit lautet, wie E-Learning im Handwerk aus Sicht der Meisterin und des Meisters im Bereich der betrieblichen Aus- und Weiterbildung eingesetzt und genutzt werden kann.
Weitere Fragen, die in dieser Arbeit behandelt werden, sind die zum Einsatz von E-Learning in Frage kommenden Methoden und die Frage nach dem Nutzen des Einsatzes von E-Learning und welchen Mehrwert dieser vorrangig für den Meister und die Meisterin hat.
2.4 Struktur und Methodik
Die Basis dieser Arbeit bildet die theoretische Abhandlung anhand der Literatur. Die Definition der Begriffe Handwerk und E-Learning ist für das Verständnis eine wesentliche Voraussetzung. Involvierte Bereiche sind Potenziale, Vor- und Nachteile von E-Learningszenarien, Blended Learning, betriebliche Weiterbildung. Lerntheoretische und didaktische Hintergründe beim selbstgesteuerten Lernen in der beruflichen Bildung machen einen wichtigen Teil dieser Arbeit aus. Ein Überblick über Technologien und Systeme ergänzt das Thema.
6 a.a.O.
Einleitung 13
Wissenserwerb und Wissensverteilung sind Elemente der Personalentwicklung. In einem Kapitel werden deshalb Ziele und die „Säulen“, auf denen Personalentwicklung stattfindet, beschrieben. Nach Behrendt et. al. soll E-Learning wie ein Organisationsentwicklungsprozess 7 behandelt werden, für die verantwortlichen Personalentwickler ist dieser jedoch „in der Praxis noch unterentwickelt“. 8
Empirisch beinhaltet diese Arbeit eine Erhebung über Inhalte, die im Rahmen von E-Learning in einem handwerklichen Betrieb angedacht und umgesetzt werden sollen. Als Instrument wurde das qualitative Interview gewählt. 9
Dabei werden die Befragten nicht nur als Träger abrufbarer Informationen verstanden, sondern als Akteure, bei denen im Sinne einer Handlungsforschung auch Veränderungen in ihren Erkenntnissen bewirkt werden sollen. 10
Exemplarisch werden Führungskräfte als auch Mitarbeiter/innen eines ausgewählten Betriebes befragt, um die Sichtweisen und Perspektiven aller betroffenen Akteure einfließen zu lassen. Sowohl subjektiv relevante als auch themenbezogene Informationen der befragten Personen zum E-Learning sollen erfasst werden.
Begründung zur Auswahl:
Da für den Autor dieser Arbeit aufgrund seiner handwerklich-gewerblichen Ausübung nicht nur rein akademisch relevante Ergebnisse wichtig sind, sondern auch eine praktische Umsetzbarkeit gegeben sein soll, entschloss sich dieser in Zusammenarbeit mit der BAF-Bildungsplattform 11 eine Erhebung durchzuführen, die die Grundlagen für eine praktische Implementierung von E-Learningszenarien nach Abschluss dieser Arbeit ermöglichen sollte.
7 Vgl. Behrendt et. al., 2004, S.6
8 a.a.O.
9 siehe Kap. 8
10 Vgl. Stangl, (o.J)
11 Vgl. Gerstner, (o.J)
Begriffsbestimmungen - eine Auswahl 14
3 Begriffsbestimmungen - eine Auswahl
Im Rahmen dieses Kapitels wird der Versuch unternommen, anhand der Literatur, zum besseren Verständnis, Begriffe zu definieren um einen Zusammenhang zum oben genannten Thema herstellen zu können.
3.1 Handwerk
Handwerk ist eine Wortgruppe, deren technische Sichtweise von der Erstellung eines Werkes durch Handarbeit ausgeht. Die produktive Umsetzung von Ideen geschieht hauptsächlich durch manuelle Fertigungsmethoden. Freilich hat sich diese Sichtweise im Laufe der Zeit geändert, so gibt es nicht nur deutlich verbesserte sondern auch neu entwickelte Werkzeuge, die eine extreme Arbeitsleistung und dementsprechende Wettbewerbsfähigkeit ermöglichen. 12
Das Tischlerhandwerk beispielsweise erforderte in früheren Zeiten für die Herstellung eines Möbelstückes vergleichsweise viel Handarbeit. Die Anfertigung klassischer Holzverbindungen und polierter Holzoberflächen war bis vor nicht allzu langer Zeit ausschließlich von Hand zu erzeugen. Mittlerweile gibt es technische Errungenschaften, die eine Arbeit im klassischen Sinne im Bruchteil eines vormals kalkulierten Arbeitsaufwandes bewerkstelligen können. Der Begriff des Handwerks erfolgt also auch „in Abhängigkeit vom gesellschaftlichen Wandel und vor allem dem technologischen Fortschritt“. 13
Unternehmen im Bereich des Handwerks sind in der Regel dem kleinen oder mittleren Segment zuzuordnen und zeichnen sich durch Personenzentriertheit 14 aus, d.h., dass die Befugnisse der Geschäftsführung und die Eigentumsverhältnisse in einer Person zentriert sind. In der Regel ist das der Meister oder die Meisterin.
So liegt eine wichtige Abgrenzung des Handwerks von der Industrie auch in der Ablegung der Meisterprüfung. Sie hat nicht nur Bedeutung in der Unternehmensführung, sondern auch in der Ausbildung von Lehrlingen im Rahmen des dualen Ausbildungssystems. Im Handwerk selbst dominieren in der Regel die Produktion und die praktische Arbeit. Essentielle Teilbereiche eines Unternehmens wie Werbung, Büroarbeit und
12 Vgl. Glasl et. al., 2008, S.7
13 a.a.O.
14 Vgl. a.a.O., S.23
Begriffsbestimmungen - eine Auswahl 15
Weiterbildungsmaßnahmen werden oft aus Zeitgründen hintangestellt, „Informationen […] typischerweise kurz und informell generiert und weitergegeben.“ 15
Handwerk wird aber auch über die Berufsbezeichnung definiert: Alle Personen, die nicht nur handwerklich arbeiten, sondern auch dementsprechende Prüfungen über ihre Fertigkeiten und Fähigkeiten abgelegt haben, zählen zum Handwerk. Ein Problem stellt sich oft in der Akzeptanz und Anerkennung der autonomen Handwerker, die durch Interesse und Talent zum Handwerk ihre Kompetenzen mit viel Fleiß autonom erworben haben und als große Konkurrenz zu den Geprüften gelten. Diese Gruppe firmiert meist unter der Bezeichnung Kunsthandwerker, ist freischaffend tätig und gehört in der Regel keiner Gruppierung innerhalb der Sozialpartnerschaft an, wird aber ebenso zur Steuerleistung herangezogen.
Handwerk wird auch definiert über die Art der Leistungen: so sind die entstehenden Produkte meist auf Einzelanfertigung oder Kleinstserien spezialisiert und auf individuelle Kundenbedürfnisse geplant und abgestimmt. Diese Flexibilität kann in der industriellen Massenproduktion nur sehr eingeschränkt erreicht werden.
Einen Ansatz zum Verständnis des Handwerksbegriffes liefert die Funktionaldefinition, die auf den Rencontres de St. Gall 16 von 1949 basiert: „Handwerk ist selbständige Erwerbstätigkeit, gerichtet auf die Befriedigung individualisierter Bedürfnisse durch Leistungen, die ein Ergebnis der Persönlichkeit des gewerblichen Unternehmers, seiner umfassenden beruflichen Ausbildung und des üblichen Einsatzes seiner persönlichen Mittel und Kräfte sind.“ 17 Folgt man dieser Funktionaldefinition, und legt man moderne, zeitgemäße Maßstäbe in deren Interpretation, ist Handwerk auch in KMUs vertreten und somit Teil größerer Unternehmen.
3.1.1 Exkurs: Handwerksausbildung im Österreich
Dieses Kapitel befasst sich mit einem Exkurs zur Handwerksausbildung, die in der oberen Sekundarstufe angeboten wird.
15 a.a.O., S.24
16 An den Rencontres de St-Gall treffen sich alle 2 Jahre an verschiedenen Orten in der
Schweiz (2008 in St. Gallen) KMU-Forscher unterschiedlicher Länder, um während
einer Woche KMU-spezifische Fragen zu erörtern.
17 Glasl et. al., 2008, S.8
Begriffsbestimmungen - eine Auswahl 16
Im Rahmen des österreichischen Bildungssystems stehen die allgemein bildenden höheren Schulen in ihren unterschiedlichen Formen oder der Besuch einer berufsbildenden mittleren beziehungsweise höheren Schule zur Auswahl. Letztere bieten eine umfassende allgemein bildende und berufsbildspezifische Ausbildung an. In der Regel dauern sie fünf Jahre, berechtigen zum Besuch von Universitäten und/oder Fachhochschulen und schließen mit dem Gesellenbrief ab. Eine besondere Form sind die humanberuflichen höheren Schulen für künstlerische Gestaltung in Villach, Linz und Wien. Diese bieten eine umfassende fünfjährige handwerkliche Ausbildung in unterschiedlichen Sparten der handwerklich-künstlerischen Berufe. So werden beispielsweise in Wien Schüler/innen in der Abteilung für plastisches Gestalten nicht nur in einem Handwerk ausgebildet, sondern synchron in drei (Möbelbau/Holzbildhauerei, Schmuckgestaltung und Keramik). Abgeschlossen wird nach fünf Jahren mit Matura und Diplomprüfung in einer der Werkstätten.
Eine weitere spezielle Form der handwerklichen Berufsausbildung ist im Bereich der allgemein bildenden höheren Schulen zu finden. Beispiele dafür sind das Werkschulheim Felbertal (Tischlerei, Maschinenbau, Mechatronik) und das Evangelische Werkschulheim (Tischlerei, Goldschmied/in, IKT-Technologien) mit dem Lehrplan eines Realgymnasiums Diese Schulen schließen am Ende der 8. Klasse mit der Gesellenprüfung ab, in der 9. Klasse besteht die Möglichkeit, die Matura zu absolvieren.
Ungefähr 80% aller Jugendlichen streben nach Ende ihrer Pflichtschulzeit eine berufliche Erstausbildung an. Etwa 40% erlernen einen Lehrberuf im Rahmen des dualen Ausbildungssystems: 80 % der Lehrzeit finden im Betrieb und 20 % der Ausbildung in der Berufsschule statt. Wobei der Besuch der Berufsschule entweder einmal pro Woche oder in Unterrichtsblöcken von acht bis zwölf Wochen pro Schuljahr erfolgt. Je nach Berufsbild dauert die Ausbildung im Handwerk drei oder vier Jahre. Etwa die Hälfte aller Lehrbetriebe in der holzverarbeitenden Industrie bildet Lehrlinge im Lehrberuf Holz- und Sägetechnik aus, ein Viertel bildet Lehrlinge in Tischlerei- und etwa 15 % bilden Lehrlinge in Zimmereibetrieben aus.
Die Betriebsgröße selbst ist für die Lehrlingsausbildung nicht entscheidend. Auch ein Einzelunternehmen kann Lehrlinge ausbilden, sofern die Befugnis und die Gewährleistung gegeben sind. Für die Ausbildung der Lehrlinge im Betrieb ist eine Person zuständig, die über eine entsprechende Ausbilderqualifikation verfügt. Meist ist das der Meister oder die Meisterin, aber auch ein(e) qualifizierte(r) Mitarbeiter/in kann die Ausbildung übernehmen. Die Kompetenz dazu setzt sich neben fachlichen und berufspädagogischen auch aus rechtlichen Kenntnissen zusammen. Der Erwerb dieser Qualifikation erfolgt im Rahmen der Unternehmerprüfung oder der Meisterprüfung. Personen, die bereits über eine solche
Begriffsbestimmungen - eine Auswahl 17
Qualifikation verfügen, dürfen ebenfalls Lehrlinge ausbilden. Die Fachlehrer/innen an den Berufsschulen verfügen in der Regel über einen Meisterabschluss oder eine facheinschlägige Berufsprüfung für den Bereich des Lehrberufs und über ein längeres Berufspraktikum. Die pädagogische Ausbildung erwerben sie in einem dreijährigen Studium an den Pädagogischen Hochschulen.
Zur Verbesserung der Durchlässigkeit von Handwerk und Allgemeinbildung aber auch zur Aufwertung des Handwerks insgesamt besteht in Österreich die Möglichkeit, die Berufsreifeprüfung 18 (BRP = Berufsmatura) neben der Ausbildung zum Fachgesellen zu absolvieren. Um in den Genuss der kostenlosen BRP zu kommen, muss mindestens eine und dürfen maximal drei Teilprüfungen während der Lehrzeit abgelegt werden. Die letzte Teilprüfung aus dem entsprechenden Fachbereich darf erst nach Abschluss der Lehre und nach Vollendung des 19. Lebensjahres absolviert werden. Mit dieser Regelung sollen mögliche Ungerechtigkeiten gegenüber Absolventen einer berufsbildenden höheren Schule vermieden werden.
3.2 Ausgewählte Definitionen von E-Learning anhand der Literatur
In seinem Bericht definiert Revermann E-Learning als „eine Lehr-/Lernform, die durch neue Informations- und Kommunikationstechnologie unterstützt oder ermöglicht wird, und der Aufzeichnung, Speicherung, Be- und Verarbeitung, Anwendung und Präsentation von Informationen bzw. Lerninhalten dient. Der digitale Inhalt (Content) kann interaktiv und multimedial gestaltet werden, d.h. es können Texte, Grafiken, Audio- und Videosequenzen, Animationen und interaktive Funktionalitäten genutzt werden. Die Lernprozesse können durch netzbasierte Kommunikation zwischen Lernendem, Tutor, Dozent oder Mitlernendem - z.B. durch E-Mail, Chat und kollaborative Arbeitsumgebungen - ergänzt werden. Dabei sind synchrone (zeitgleiche bzw. »Live«-Kommunikationsformen) und asynchrone (zeitversetzte) Formen zu unterscheiden.“ 19 Folgt man dieser Definition, wird klar, dass die rein informelle Nutzung des Internets an sich noch kein E-Learning darstellt. Wesentlich ist also der Zugang zu den Ressourcen Wissen und Lernen, die im Rahmen kollaborativer und kommunikativer Interaktion
18 Vgl. 118. Bundesgesetz: BGBl. I Nr. 68/1997, zuletzt geändert durch
BGBl. I Nr. 91/2005, i.d.g.F. BGBl. I Nr. 118/2008
19 Revermann, 2005, S.14
Begriffsbestimmungen - eine Auswahl 18
aufgearbeitet werden. Wissensbeschaffung, deren Weitergabe und Teilung ist somit eine wichtige soziale Komponente von E-Learning.
Howe und Knutzen sprechen von einer Konsolidierungsphase, in der sich die aktuelle E-Learning Diskussion nach Abklingen der ersten Euphorie befindet und meinen, dass diese Phase „insbesondere dadurch gekennzeichnet ist, dass die Aufmerksamkeit weniger der Optimierung technischer Lösungen als den Lernenden mit ihren Bedürfnissen, Voraussetzungen usw. gilt.“ 20 E-Learning wird also dahingehend definiert, dass sie als Teil einer neuen, quasi reformierten Lernkultur 21 Rechnung zu tragen habe und in diesem Kontext eben „nicht die technische, sondern die menschliche Seite […] beim E-Learning an erster Stelle stehen [müsse]. Es nütze halt nichts, wenn das Studienmaterial technisch brillant, didaktisch aber miserabel aufbereitet ist und der Lernende am PC frustriert vereinsame.“ 22 E-Learningszenarien in der beruflichen Aus- und Weiterbildung müssen folglich ein klares Konzept beinhalten, das auch „die Analyse von Arbeitsprozessen“ 23 mit einschließt. E-Learning impliziert somit ein konkretes Design von didaktischen Maßnahmen, die es den Lernenden erlauben, aktiv und sinnvoll Zusammenhänge in den Arbeitsablauf generieren können.
Wache definiert E-Learning als eine neue Kultur des Lernens und des Lehrens, dessen einzelne Komponente in „unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen verankert ist, in denen Lernen institutionell abgewickelt wird.“ 24 Als Komponenten bzw. Teilsysteme nennt er Die Lernenden
Anbieter wie Bildungsplaner, Lehrer/innen und Dozent/innen Technologien im Sinne von Autorenwerkzeugen wie etwa Wikisysteme und beispielsweise Mahara als ePortfolio und Reflexionswerkzeug sowie Lernplattformen.
schließlich die Inhalte und Lernumgebungen
E-Learning Szenarien können somit selbst als Lernumgebung betrachtet werden, „in denen Lernprozesse menschlicher Individuen durch den Einsatz digitaler Technologien
20 Howe/Knutzen, 2007, S.19
21 Vgl. Wache, 2003, S.1
22 Mandl zit. nach Howe/Knutzen, 2007, S.19
23 a.a.O.
24 Wache, 2003, S.2f
Begriffsbestimmungen - eine Auswahl 19
(zur Aufzeichnung, Speicherung, Übertragung, Be- und Verarbeitung, Anwendung und Präsentation von Informationen) unterstützt und ermöglicht werden.“ 25
E-Learning wird meist als Überbegriff verwendet, der sämtliche Möglichkeiten zur Vermittlung von Lerninhalten mit Hilfe elektronischer Medien miteinbezieht. A. Back definiert in ihrer Annäherung an den Begriff E-Learning folgendermaßen: „E-Learning kann begriffen werden als Lernen, dass mit Informations- und Kommunikationstechnologien (Basis- und Lerntechnologien) respektive mit darauf aufbauenden (E-Learning-)Systemen unterstützt bzw. ermöglicht wird.“ 26
„Werde unter dem Label E-Learning alter Wein in neuen Schläuchen verkauft?“ fragen Lamprecht und Petsche und überlegen, ob nicht doch „eine intentionale Neubestimmung tradierten Lernens als Ausdruck einer neuen Lernkultur“ damit verbunden werde. In Anlehnung an Heinz Mandl (2002) und Reinmann-Rothmeier (2002) definieren sie den Begriff E-Learning als „Erscheinungsformen des Lernens mittels elektronischer Medien, bei denen distributive, interaktive und kollaborative Technologien benutzt werden.“ 27
3.3 Blended Learning
Warum soll an dieser Stelle Blended Learning 28 erläutert und erklärt werden? Obwohl es nur eine von zahlreichen Formen von E-Learning ist, hat es zumindest eine extreme Relevanz in der Durchführung von Lernszenarien. So besteht dieses Paradigma aus einer Kombination von einzelnen Präsenzveranstaltungen mit mehrwöchigen E-Learningsequenzen. Lernende lernen sich dabei persönlich kennen und können ein Gruppengefühl aufbauen, das den Lernprozess während der so genannten Onlinephasen unterstützt und somit eine soziale Zugehörigkeit beschreibt. Ein anderes Synonym für das Konzept des Blended Learning ist Hybrides Lernen bzw. hybride Lernarrangements. 29 Zu beachten ist allerdings, dass ein bloßer Mix unterschiedlicher Methoden nicht automatisch einen Blended Learning Ansatz ergibt, sondern, dass sich Präsenz- und Onlinephasen abwechseln oder eben mischen. Der „Verband der europäischen Blended Learning-Akteure“ definiert wie folgt: "Als Blended Learning wird bezeichnet, wenn eine didaktisch sinnvolle Verknüpfung von
25 a.a.O., S.2 und Howe/Knutzen, 2007, S.55
26 A. Back et. al., 2001, S.28
27 Lamprecht/Petsche in Banse/Bartikova, 2007, S.81, Vgl. auch: Kap. 5.1
28 deutsch: gemischtes Lernen
29 Vgl. Reinmann, 2005, S.104
Begriffsbestimmungen - eine Auswahl 20
Präsenzlernen und elektronischen Lehr-/Lernkonzepten wie z.B. Computer Based Training (CBT) oder E-Learning im Rahmen einer organisierten und durchgängig betreuten Aus-, Fort- und Weiterbildungsmaßnahme erfolgt.
Bei Blended Learning werden die sehr unterschiedlichen Lernformen so verzahnt und zu einer Einheit zusammengeführt, dass es gelingt, die Vorteile der jeweiligen Lernform einzubringen und die Nachteile der jeweils anderen Lernform zu kompensieren. [ ... ] Durch das Zusammenwirken dieser Aspekte wird das Ganze mehr als die Summe seiner Teile und ermöglicht einen größtmöglichen Lernerfolg." 30
Idealerweise beginnt ein Blended Learning Szenarium mit einer Präsenzveranstaltung. In diesem beispielsweise ein- oder zweitägigem Seminar können die bisweilen unterschiedlichen Vorkenntnisse der Lernenden auf ein einheitliches Niveau gebracht werden. Vorstellbar ist auch folgendes Szenarium: Der Kurs beginnt online mithilfe einer webbasierten Einführung, deren Bearbeitung schließlich zu einem einheitlichen Wissenstand der Lernenden führt. An dieses virtuelle Lernen schließt eine Präsenzveranstaltung, welche durch kollaborative Interaktivität geprägt ist und somit hilft, erworbenes Wissen zu vertiefen und zu festigen.
In folgender Abbildung ist ein Beispiel an idealtypischer Abfolge von Präsenz- und Onlinephase dargestellt.
30 Hornbostel, 2007, S.17
Begriffsbestimmungen - eine Auswahl 21
Für Präsenzveranstaltungen selbst sind gute Vortragende nicht ersetzbar. Ein Vorteil von Blended Learning ist aber durchaus, dass durch verminderte Präsenzzeiten Lernhemmnisse wie persönliche Animositäten innerhalb einer Gruppe oder zwischen Individuen aber auch schlechte und/oder langweilige Dozenten hintangestellt werden. Aufgrund der mittlerweile sehr umfangreichen Informationen, die aus dem Internet abgerufen werden können, und auch wegen des verstärkten Trends hin zur Praxisorientierung von Wissen sollte dieses außerhalb der traditionellen Institution von Lernenden erworbene Wissen nicht mehr ignoriert, sondern von institutionalisierten Bildungs- und Lehranstalten formal anerkannt werden. Mit diesem Wechsel der Sichtweise muss freilich auch eine konkrete Veränderung der Ausbildung eines Ausbildners / einer Ausbildnerin verbunden sein. Zudem muss klar sein, dass eine adäquate Aus- und Weiterbildung im Beruf mittlerweile auch nicht nur ausschließlich über den Computer vermittelt werden kann. Die Menschen werden nämlich auch weiterhin auf unterschiedlichste Arten miteinander persönlich in Kontakt stehen. Nach wie vor wird Arbeiten und Lernen in Gruppen sowie direkter Austausch mit Personen, die ihrerseits hohe fachliche und soziale Kompetenzen aufweisen, Voraussetzung für den Erwerb von social skills bleiben. “Die zeitgenössische Pädagogik bezeichnet diese Form der Kombination von Lernen im virtuellen und physischen Raum mit ‚blended learning’. Diese Orte der Interaktion mit all ihren Voraussetzungen, der sachlich-technischen und personellen Infrastruktur, müssen auch in Zukunft organisiert und zur Verfügung gestellt werden.“ 31 Die zeitgenössische Pädagogik übersieht dabei nur einen wichtigen Faktor: für das Gelingen der Interaktion von immenser Bedeutung ist die Zeit, die ausreichend zur Verfügung gestellt werden muss. Erst durch ausreichende Zeitressourcen kann Weiterbildung von Mitarbeiter/innen und Führungskräften für das Unternehmen einen umfassenden betriebswirtschaftlichen und „persönlichen“ Erfolg bewirken und dem Wachstumshemmnis durch abwanderndes Personal entgegentreten.
Blended Learning Konzeptionen binden den direkten Kontakt mit anderen Lernenden und Vortragenden sowie Experten in den Lernprozess mit ein. Reale Erfahrungen und Probleme können innerhalb der Gruppe diskutiert und einer möglichen Lösung zugeführt werden. Blended Learning ist also „eine Bezeichnung dafür, dass man traditionelle Methoden und Medien nun mit Möglichkeiten des E-Learning kombiniert.“ 32 Bei dieser Betrachtung verschwindet das Fokussieren auf eine Interpretation: steht nun das Präsenzlernen im Vordergrund oder das Lernen mit Hilfe der neuen Medien?
31 Fleissner in Banse/Bartikova, 2007, S.22
32 Reinmann, 2005, S.104
Begriffsbestimmungen - eine Auswahl 22
Lernumgebungen auf Basis Blended Learning implizieren durchaus gleichwertige und gleichberechtigte Lehr- und Lernformen, die einander sinnvoll ergänzen und bereichern. Revermann verknüpft auf dieser Basis folgende Lernszenarien: 33 Einbettungsszenario: Präsenzveranstaltungen werden während des Unterrichts durch virtuelle Lernformen ergänzt, d.h. E-Learning wird in die Präsenzlehre und damit in formale Lernprozesse eingebaut.
Ergänzungsszenario: E-Learning wird zur Vor- und Nachbereitung der Präsenzveranstaltungen eingesetzt.
Alternationsszenario: Präsenzveranstaltungen finden im Wechsel mit netzgestützten Veranstaltungen statt; die Sequenzen können synchrone und asynchrone Online-Komponenten enthalten; hier sind auch aufbauende didaktische Konzepte wie Selbststudium (ggf. tutoriell begleitet),
Präsenzveranstaltung oder Coaching und individueller Praxistransfer möglich. Kooperations- und Workshopszenario: Präsenzphasen werden mit virtuellen Unterrichtsphasen verknüpft, die insbesondere gruppendynamische Prozesse als auch die Kommunikation zwischen Lehrenden und Lernenden und damit u.a. auch informelles Lernen in der Lerngemeinschaft (Community) fördern.
3.4 Zusammenfassung
Zunächst muss festgestellt werden, dass es keine einheitliche Definition von E-Learning gibt. 34 Zum einen, da eine Übereinkunft zur Standardisierung fehlt, und nicht zuletzt, weil der Anspruch an Aufgaben und Ziele zu umfangreich ist und die angewandten Methoden zu vielfältig sind. Für Bildung und Lernen ermöglicht E-Learning neue Möglichkeiten der Wissensbeschaffung, Wissensaufbereitung und Wissensnutzung. „Sowohl ökonomische als auch politische Interessen, aber auch die Akzeptanz und die Gestaltungsfähigkeit von Lehrenden und Lernenden werden diese zu entwickelnde E-Learning-Kultur beeinflussen“ schreibt Michael Lang. 35
Im Bereich der beruflichen Weiterbildung innerhalb eines Kleinunternehmens kann E-Learning vermutlich dieselbe Änderung bewirken, wie das E-Business und E-Commerce ja auch bereits die Wirtschaft an sich verändert und beeinflusst hat. 36
33 Revermann, 2005, S.17f
34 Vgl. Röck, 2008 S.1
35 Lang, 2004, S.16
36 E-Business sind elektronische Geschäftsabläufe, E-Commerc über elektronische
Medien abgewickelter Handel von Waren und Dienstleistungen. Vgl. auch Herden et.
al., 2006
Begriffsbestimmungen - eine Auswahl 23
Um E-Learningszenarien implementieren und die Vorteile 37 akquirieren zu können bedarf es dazu einer konkreten Anpassung des Unternehmens an veränderte Bildungs- und Geschäftstrukturen. Revermann nennt in diesem Zusammenhang 38 Integration von E-Learning in die Unternehmensstrategien Enge Verzahnung von Lern- und Geschäftprozessen Etablierung eines entsprechenden Wissensmanagements Organisatorisch-technische Abbildungen in der betrieblichen IKT-Landschaft
E-Learning steht also per definitionem für die Unterstützung von Lernprozessen mit Hilfe der Informations- und Kommunikationstechnologie. Da Lernen ein neuronaler und individualgebundener Prozess ist, kann E-Learning „deshalb keine Lernstrategie, kein Lernkonzept und auch keine Lernmethode [sein], sondern meint zunächst die Unterstützung von Lernprozessen mittels elektronischer Medien.“ 39
Lernen hat mit Veränderung zu tun. Aber Lernen lässt sich nicht sehen, nicht hören und nicht riechen. Es ist ein Phänomen grundsätzlich nicht bewusstseinsfähiger, neuronaler Vorgänge im Gehirn, deren Auswirkungen nur in der Veränderung von Leistungen erfassbar sind, die vorher noch nicht evident waren. Aus diesem Grund ist es notwendig, einen Blick auf die wichtigsten Theorien des Lernens zu werfen, die im folgenden Kapitel beschrieben werden.
37 Vgl. Kapitel 5.2.1
38 Revermann in Banse, 2007, S.189 und Georgieff et. al., 2006, S.8
39 Hahne, 2004, S.1
Lerntheorien und Lernformen in der beruflichen Bildung 24
4 Lerntheorien und Lernformen in der beruflichen
Bildung
4.1 Grundlagen der Lerntheorien
Lernen ist ein Prozess, der sich nicht beobachten, sondern nur schlussfolgern lässt. Allerdings lassen sich Veränderungen beobachten und können ihrerseits dem Prozess des Lernens zugerechnet werden.
Lernen ist aber auch ein Produkt unserer genetischen Ausstattung. Mensch und Tier erben eine spezifische Lernfähigkeit, und je nach genetischem Bauplan innerhalb der Lebenswelt von Mensch und Tier, wird von einem artspezifischen Lernpotential gesprochen. 40
Nach Lachmann (1983) ist Lernen „der Prozeß [sic!], der zu einer relativ stabilen Veränderung von Reiz-Reaktions-Beziehungen führt; er ist eine Folge der Interaktion des Organismus mit seiner Umgebung mittels seiner Sinnesorgane.“ 41 Um überhaupt leben zu können, müssen bestimmte Schlüsselbeziehungen zwischen Ereignissen in einer Umgebung simultan werden: potenzielle Beute muss erkannt und Räubern aus dem Weg gegangen werden. Um Verhaltensweisen generieren zu können, die zum Erfolg im Umgang mit neuen oder unterschiedlichen Situationen führen, ist extensives Lernen erforderlich. Eine von Mensch und Tieren erworbene Methode dazu ist die Fähigkeit, prädiktive, also vorhersehende Beziehungen von Ereignissen zu lernen, die miteinander verknüpft sind. 42 Was immer wir über die Welt und unser Dasein wissen, haben wir gelernt. Somit gilt: „Je häufiger wir einer Idee begegnen und je stärker wir sie mit anderen Ideen verknüpfen, desto dauerhafter wirkt sie auf unseren Verstand ein.“ 43 Bereits Ivan P. Pawlow (klassische Konditionierung, 1928) beobachtete durch Zufall, dass es zum Lernen kommen kann, wenn zwei Reize miteinander gekoppelt werden. 44 Im Anschluss an diese Entdeckung begann Pawlow mit der systematischen Erforschung der unterschiedlichsten Konditionierungsphänomene, die zur Grundlage fast aller Lerntheorien geworden sind.
Kandel (2007) unterscheidet drei Basislernformen (Habituation, Sensitivierung und klassische Kondition). Studien über die Beziehung zwischen Sensitivierung und
40 Vgl. Zimbardo, 1999, S.206
41 Lachmann, 1983, zit. nach Zimbardo, S.229
42 Vgl. Kandel, 2008, S.200f
43 a.a.O., S.224
Lerntheorien und Lernformen in der beruflichen Bildung 25
klassischer Konditionierung lassen Kandel darauf schließen, „dass Lernen darin besteht, verschiedene elementare Formen synaptischer Plastizität zu neuen und komplexen Formen zu verbinden, etwa so, wie wir mit Hilfe eines Alphabets Wörter bilden.“ 45 Lernen erzeugt Kurzzeiterinnerungen, indem es zu vorübergehenden Veränderungen in der Stärke von synaptischen Verbindungen führt. Diese werden von Molekülen und Proteinen hervorgerufen, die bereits in der Synapse vorhanden sind. 46
Abbildung 4-1: Veränderungen bei Kurz- und Langzeitgedächtnis (Kandel 2007, S. 280)
Kurzzeitgedächtnis: funktionelle Veränderung, Synapse wird verstärkt Langzeitgedächtnis: anatomische Veränderung - Ausbildung und Bewahrung neuer synaptischer Verbindungen für die Dauer des Gedächtnisses.
Lernen ist eine Anzahl sensorischer Signale, die aus der Umwelt kommen und im Gedächtnis der Zelle gespeichert werden. Lernprozesse sind demgemäß Umweltreize 47 . Zur Aktivierung des Langzeitgedächtnisses ist unter anderem „die Ein- und Abschaltung von Genen“ 48 erforderlich. Auf lange Sicht gesehen, werden wir uns aufgrund biologischer Beschränkungen „nur an bestimmte Ereignisse und Erfahrungen“ 49 erinnern. Die meisten Dinge werden also schlichtweg vergessen.
44 Vgl. Zimbardo, 1999, S.209
45 a.a.O., S.226
46 Vgl. a.a.O.: Kap. 16 und 17
47 a.a.O., S.301
48 a.a.O., S.300
49 a.a.O., S.301
Lerntheorien und Lernformen in der beruflichen Bildung 26
Da, wie bereits erwähnt, eine unmittelbare Beobachtung von Lernvorgängen nicht möglich ist, erfolgt in der Fachliteratur meist eine Beschreibung von „Paradigmen des Lernens“ 50 , die sich in drei Theoriesysteme unterteilen, welche jeweils unterschiedliche Grundannahmen über das Lernen und Wissen vertreten. Diese Systeme werden in den folgenden Kapiteln in der Reihenfolge ihre Entstehungsgeschichte in ihren Grundzügen beschrieben.
4.1.1 Behaviorismus
Begründer des Behaviorismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts war John B. Watson, der die Doktrin vertrat: „Bewusstseinszustände wie die sog. geistigen Phänomene sind nicht objektiv verifizierbar, und aus diesem Grunde können daraus nie wissenschaftliche Daten werden.“ 51 Nur unmittelbar beobachtbare Verhalten dürfen nach ihm Gegenstand der Forschung sein im Gegensatz zu geistigen Ereignissen, die subjektiv und somit der Wissenschaft nicht zugänglich sind.
Während bei der klassischen Konditionierung etwas auf der Seite der Reize passiert (Pawlowscher Hund), geschieht bei der operanten Konditionierung (Versuch - Irrtum -Lernen 52 ) etwas auf der Seite der Reaktionen.
Dieser Ansatz von Burrhus Frederic Skinner bedeutet, dass das Verhalten vielmehr durch Reize aus der Umwelt verursacht wird. Mit dem Verfahren des operanten 53 Konditionierens konnte Skinner beobachten, ob sich das ursprüngliche Verhalten verändert hat oder ob neues Verhalten entstanden ist.
Der Behaviorismus (amerik.: behaviour = Verhalten, „Lernen durch Verstärkung“, Frank Thissen, 1999) gehört zu den einflussreichsten Schulen der amerikanischen Psychologie und versteht sich als allgemeine und umfassende Bezeichnung für alle beobachtbaren Aktivitäten des lebenden Organismus. In diesem Ansatz ist das Interesse hauptsächlich auf sichtbare, äußerliche Verhaltensreaktionen von vorgegebenen optischen oder akustischen Reizen fokussiert. Ziel der behavioristischen Analyse ist es zu verstehen, wie bestimmte Reize in der Umwelt bestimmte Reaktionen kontrollieren. Im klassischen Behaviorismus ist das Verhalten völlig durch Umweltbedingungen bestimmt. Das, was aus Mensch und Tier wird, ist zum größten Teil das Ergebnis von Umwelteinflüssen und nicht von Vererbung.
50 Reinmann, 2005, S.145
51 Zimbardo, 1999, S.207
52 Vgl. Kandel, 2007, S.472
53 operant = die Umwelt beeinflussend, in ihr wirksam werdend (Zimbardo, 1999, S.219)
Lerntheorien und Lernformen in der beruflichen Bildung 27
Im Behaviorismus ist Verhalten und Wissen das Ergebnis von Reiz und daraufhin folgender Reaktion und verstärkend im Sinne von belohnend oder bestrafend sein. Das Gehirn wird dabei als ein Organ angesehen, das auf Reize mit vorgegebenen (angeborenen oder erlernten) Verhaltensweisen reagiert. 54 An die im Gehirn ablaufenden Prozesse sind die Behavioristen kaum interessiert.
Im Bereich von E-Learning helfen Lernprogramme mit behavioristischem Hintergrund (programmiertes Lernen nach Skinner) die zu lernenden Wissensgebiete zu internalisieren, indem sie so lange wiederholt werden, bis sie richtig gelöst wurden und vielleicht Eingang in das Langzeitgedächtnis gefunden haben (z.B. Übungsprogramme, die reines Fachwissen in Abfolge von Frage- und Antworten vertiefen sollen). Solche Lern- und Übungsprogramme haben den Charakter einer starren Paukmaschine für Faktenwissen (deklaratives Wissen, Know-that) in der der Inhalt übersichtlich gegliedert und Lernziele klar und eindeutig festgelegt ist. 55 Wird von einer lernenden Person eine Frage richtig beantwortet, erfolgt eine dementsprechend positive Rückmeldung. Andernfalls wird die entsprechende Frage neu gestellt. Vorgegebene Lernergebnisse sind eindeutig messbar. Das Prinzip der Verstärkung durch Belohnung wird hier berücksichtigt. 56
Abbildung 4-2: Rolle des Lernprogramms mit behavioristischem Hintergrund (Thissen 1999, S. 6)
54 Vgl. Thyssen, 1999, S.5 und Reinmann 2005, S.149
55 Vgl. Thissen, 1999, S.6
56 Vgl. Wortmann, 2007, S.31
Lerntheorien und Lernformen in der beruflichen Bildung 28
4.1.2 Kognitivismus
Kognition (lat. Erkennen, „Lernen durch Einsicht“, Frank Thissen, 1999) ist ein Begriff für alle Formen des Erkennens und Wissens. Denk- und Verstehensprozesse nehmen bei dieser Theorie den zentralen Aspekt ein. Kognition umfasst alle Prozesse und Strukturen, die mit dem Prädikat geistig versehen werden können und beinhaltet alle erkennenden Funktionen des Gehirns wie Wahrnehmung, Erinnern, Begriffsbildung, Entscheiden, Problemlösen, schlussfolgerndes Denken udgl. mehr. Es wird die Auffassung vertreten, dass es individuelle Informationsverarbeitungsprozesse sind, die Lernverhalten durch extern und objektiv (Input) vorhandenen Faktoren bewirken. 57 Der Kognitivismus untersucht die im Gehirn ablaufenden Prozesse. Wissen und Erkenntnis werden somit nicht als eingepaukte Informationen verstanden, sondern erworben durch komplizierte Vorgänge, die neue Informationen mit bestehendem Wissen verarbeiten und verknüpfen. 58 Nicht die Verbindung von Reiz und Reaktion ist maßgebend, sondern die Methoden, die zu Problemlösungen führen. 59
Im Bereich von E-Learningszenarien wird nicht mehr die Erfolgskontrolle in den Mittelpunkt gestellt, sondern die Präsentation der Inhalte, denn im Blickpunkt von Lernprozessen ist problemlösungsorientiertes Verständnis gefordert sowie die Entwicklung von Strategien um Entscheidungen fällen zu können. Im Vordergrund stehen dabei nicht rein darbietende Lehrformen sondern solche, die es mit Hilfe eines Tutors erlauben, Inhalte zu erarbeiten. „Es geht nicht darum, richtige Antworten oder Handlungen zu trainieren, sondern richtige Methoden zur Beantwortung oder
Problemlösungsverfahren zu erwerben.“ 60 Lernprogramme mit kognitivistischem Hintergrund sind objektivistisch im Sinne authentischer Situationen geprägt und zeigen Zusammenhänge und Vorgehensweisen auf, durch die die Lernenden zu neuen Einsichten gelangen sollen. 61
Thissen weist darauf hin, dass der strenge Aufbau und Verlauf der meisten kognitivistisch beeinflussten Lernprogramme den Lernenden kaum Möglichkeiten bietet, sich den Themen assoziativ und stöbernd zu erschließen. Und bemerkt kritisch dazu, dass durch
57 Vgl. Zimbardo, 1999, S.13 u. 275
58 Vgl. Thissen, 1999, S.11
59 Vgl. Reinmann, 2005, S.152f
60 Thissen, 1999, S.11
61 Vgl. Reinmann, 2005, S.161 u. 162
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