Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung Seite 1 2
2. Grünbeins Dresden 'Porzellan. Poem Seite 2 - 5
vom Untergang meiner Stadt'
3. Die deutsche Sprache im 5
Nationalsozialismus
3.1 Victor Klemperer: ´LTI Seite 5 - 7
3.1.1 Grünbein und Klemperer Seite 7 - 8
3.2 ´Aus dem Wörterbuch des Unmenschen Seite 8 - 9
3.3 ´Sprachwandel im Dritten Reich Seite 9 - 10
3.4 ´Sprachwörterbuch im 10
Nationalsozialismus
3.5 Charakteristika der Sprache im Seite 10 - 12
Nationalsozialismus und deren Vorkommen
in ´Porzellan
4. Probleme der Lyrik Seite 13 - 14
5. Schlussfolgerung Seite 14 15
Literaturverzeichnis 16
1. Einleitung
Die menschliche Sprache ist nicht statisch, sie unterliegt einem kontinuierlichen Wandlungsprozess. Dieser Wandlungsprozess resultiert aus der Notwendigkeit der Anpassung sprachlicher Ausdrucksmittel an eine sich ständig verändernde Lebenswirklichkeit. In den Jahren zwischen 1933 und 1945 veränderte sich die Lebenswirklichkeit der deutschen Sprachgemeinschaft drastischer als je zuvor. Hitler-Faschismus, Propaganda, Ideologie, Kriegstrauma, Holocaust. Wie sollte eine Sprache dieser Lebenswirklichkeit Rechnung tragen?
In der vorliegenden Hausarbeit soll untersucht werden, inwieweit sich ein Sprachwandlungsprozess in den Jahren 1933-1945 vollzogen hat und ob bzw. wie weitreichend der Sprachgebrauch der Nationalsozialisten die deutsche Sprache beeinflusst und ggf. bis in die Gegenwart geprägt hat.
Auch soll im Zusammenhang mit der Frage nach der Korrumpierung der deutschen Sprache die Möglichkeit des Dichtens in derselben und die daraus resultierende Künstlerproblematik thematisiert werden.
Ausgehend von dem von Durs Grünbein in den Jahren 1992-2005 verfassten Gedicht 'Porzellan. Poem vom Untergang meiner Stadt', wird in dieser Hausarbeit die sprachkritische Position des Dichters aufgegriffen und anhand konkreter Textverweise der Bezug zur Sprache im Nationalsozialismus hergestellt werden.
Zunächst soll hierbei eine allgemeine Einführung in die Thematik des Gedichts erfolgen, wovon ausgehend sich der Fokus auf für die zentrale Fragestellung relevante Textstellen richten wird.
Anschließend wird der Bezug zu Victor Klemperers Abhandlung 'LTI. Notizbuch eines Philologen' untersucht, das Werk und dessen Entstehungsgeschichte sowie Grünbeins Bezug zu Klemperer beleuchtet.
Schließlich sollen weitere signifikante Werke zur Sprache des Nationalsozialismus vorgestellt werden. Gemeinsame, anhand der Werke ermittelte Charakteristika des nationalsozialistischen Sprachgebrauchs werden zusammenfassend dargestellt. Ihr Vorkommen in Grünbeins Gedicht wird untersucht und kommentiert werden.
Abschließend wird die Frage nach der Möglichkeit des Dichtens in der deutschen Sprache nach 1945 behandelt werden und die Relevanz eben dieses Gedankenganges für die Gegenwart diskutiert werden.
2. Grünbeins Dresden 'Porzellan. Poem vom Untergang meiner Stadt'
Pompei, nur ein 1
Am 13. auf den 14. Februar 1945 wurde Dresden in drei verheerenden Bombenangriffen der anglo-amerikanischen Luftwaffe großflächig zerstört.
Ein Feuersturm jagte durch die Stadt, vernichtete einen Großteil der historischen Bauwerke und hinterließ zehntausende Opfer.
Das augusteische Dresden ging unter . Und lange sollte es auch versunken bleiben, im grauen Betonmeer der sowjetischen Besatzer.
Der 1962 in Dresden geborene Lyriker und Essayist Durs Grünbein ist selbst nie Zeuge dieser Zerstörung gewesen.
Weder erlebte er die einstige Barockpracht Dresdens noch sah er deren Ruinen nach der Brandnacht.
Er ist der Nachgeborene, spricht aus der Perspektive der Mittelbarkeit über die Geschehnisse, die er lediglich anhand historischer Quellen oder Erzählungen zu erschließen vermochte.
kannten, kam zum Ausdruck, wie außergewöhnlich diese Stadt gewesen sein muß. eine barocke Residenzstadt in all ihrer Pracht 2
Dennoch scheint Grünbeins Position geprägt von der Idee des augusteischen Dresdens, dem maßlosen Kummer über den unwiederbringlichen Verlust dieses Weltkulturerbes. n ihrer
selbst. Aber noch dieser Schatten teilte sich den Jüngeren mit. Auch als Spätgeborener konnte 3
1 Durs Grünbein: Porzellan, Gedicht 38.
2 Durs Grünbein: Die wüste Stadt, S. 190 f. 3 Durs Grünbein: Die wüste Stadt, S. 191.
Bitter scheint für ihn die Tatsache seiner späten Geburt, verunmöglichte sie es ihm, Dresden, die Barockstadt an der Elbe, deren einstige Ästhetik noch immer nachwirkt, in ihrem vollen Glanze zu erleben.
So notiert Grünbein in seinem Tagebuch: an definiert so das Zu spät alle 4
Seit 1988 widmete sich Grünbein der Dresden-Thematik in einer Vielzahl von Gedichten und Aufsätzen. Merklich verändert sich jedoch seine Position im Laufe der Jahre: Ausgehend von Sarkasmus und Bitterkeit, Trauer und Wut angesichts der Katastrophe und ihrer Konsequenzen für die Entwicklung der Stadt, schlägt der Dichter gerade in den späteren Werken mildere, gar elegische Töne an. Verschwunden ist der Sarkasmus. Die Trauer jedoch insistiert.
'Porzellan. Poem vom Untergang meiner Stadt' ist Grünbeins Hommage an seine Geburtsstadt, ein Nachruf, ein Selbstgespräch und konsequente Selbstbefragung. Entstanden in den Jahren 1992 bis 2005 und laut eigenen Angaben des Dichters jeweils am Jahrestag der Brandnacht verfasst, geben die Verse einen einzigartigen Einblick in Grünbeins engen Bezug zu seiner Geburtsstadt und deren Schicksal.
In 49 zehnzeiligen Gedichten, partiell (kreuz-)gereimt und in Distichen verfasst, widmet sich Grünbein dem Untergang seiner Heimatstadt.
Dabei spannt er den Bogen vom historischen Gesamtkontext, verwoben mit antiken und religiös-mythologischen Bezügen über gesellschaftskritische Anklänge hin zum Persönlichen. Im klassischen Metrum der Elegie, sechshebigen Trochäen mit wechselnder stumpfer und klingender Kadenz, führt uns das artikulierte Ich in Form eines anhaltenden Selbstgesprächs in die Thematik des Poems ein:
chwunden war / Die Geburtsstadt, Freund, als deine
Wenigkeit erschien. / Wie der Name sagt: du bist zu flink dafür, zu grün. / Siebzehn Jahr genügten, kaum ein Jugendalter, / Auszulöschen, was da war. / Nicht aus Not geschlachtet haben sie ihn, Sachsens Pfau. / Flechten wuchsen, unverwüstlich, über Sandsteinblüten. / Elegie, das kehrt wie Schluckauf wieder. Wozu brüten?// 5
Bereits die erste Strophe verweist auf das elegische Thema, ebenso wie auf die selbstkritische Haltung des artikulierten Ichs und dessen Frage nach der Berechtigung des Klagens aus der Position des Nachgeborenen. Dieser Gedankengang wird dem Leser im Verlauf des Gedichts
4 Durs Grünbein: Die wüste Stadt, S. 13.
5 Durs Grünbein: Porzellan, Gedicht 1.
Arbeit zitieren:
Katherina Hettmer, 2009, Ist die deutsche Sprache korrumpiert? Zur Möglichkeit des Dichtens in der deutschen Sprache nach 1945, München, GRIN Verlag GmbH
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