1 Einleitung
Literatur und Tonträger 1 haben eine eng miteinander verbundene Tradition. Radio, Schallplatte und Tonband waren über viele Jahre von großer Wichtigkeit für die Verbreitung von Literatur, so saßen zu bestimmten Anlässen Erwachsene wie Kinder vor den entsprechenden Abspielgeräten und lauschten der gesprochenen Literatur. 2 Heute haben Hörmedien eine noch nie dagewesene Vielfalt, Mobilität und Verbreitung erreicht. Der Markt der sogenannten Hörbücher 3 boomt und erweitert sich seit Jahren hinsichtlich Vielfalt und Quantität. Darüber hinaus hat es die Weiterentwicklung der Unterhaltungstechnologie möglich gemacht, Hörbücher nahezu immer und überall rezipieren zu können. Bereits Kinder im Kindergartenalter nutzen dieses Medium häufig, da die Abspielgeräte in den meisten elterlichen Haushalten verfügbar und zudem robust und leicht bedienbar sind. Generell sind Hörmedien bei Kindern heute stark verbreitet und werden auch von den jüngeren gerne genutzt. 4 All dieser Entwicklung zum Trotz wird in der Institution Schule und besonders im Literaturunterricht noch eher selten auf Hörbücher, also die Verwendung von Literatur auf Tonträgern, zurückgegriffen. Ebenso hat die Fachliteratur erst vor einigen Jahren damit begonnen, sich intensiver mit den eben genannten Veränderungen auseinanderzusetzen und fachwissenschaftlich wie fachdidaktisch aufzuarbeiten. 5 Zum Ausfüllen dieser Forschungslücke möchte ich im Rahmen des mir Möglichen beitragen, indem ich in dieser Arbeit folgende These zu belegen versuche: 6
Die Verwendung von Hörbüchern ist für den Literaturunterricht in der Grundschule förderlich.
Um eine Antwort auf die Fragen zu erhalten, warum und wie Hörbücher im Literaturunterricht der Grundschule besonders förderlich eingesetzt werden können, wird zuerst die geschichtliche Entwicklung von Hörmedien kurz dargestellt (siehe Kapitel 2), woraufhin diese in Kapitel 3 einzeln definiert werden. In Kapitel 4 erfolgt
1 Unter dem Begriff Tonträger wird hier das Speichermedium als solches verstanden, das z.T. in Worttonträger und Musiktonträger unterschieden wird (z. B. Kassette oder MP3). Dagegen stellt die Bezeichnung Hörmedien den Oberbegriff für die jeweilige Art des Inhalts eines Tonträgers, d.h. das darauf Gespeicherte, dar, wobei die wortbasierte Variante hier Sprach-Hörmedien genannt wird.
2 Vgl. Vom Wege & Wessel 1999: 232.
3 Unter dem Oberbegriff Hörbuch wird im Buchhandel heute sehr viel mehr geführt als nur das Hörbuch im engen Sinn. Von diesem weiten Begriff von Hörbuch gehe ich in dieser Arbeit aus (siehe Punkt 3). Vgl. hierzu z. B. Köhler 2005.
4 Vgl. Vom Wege & Wessel 1999: 232 und KIM-Studie 2008: 9.
5 Vgl. Richter 2007: 12-22, Müller 2007: 96, Wermke 2003: 19, Kliewer 2002: 164-166 und Zymner 2001: 208.
6 Der Fokus liegt bei dieser Arbeit auf dem Literaturunterricht in der Grundschule, da dort die Grundlage für implizites, aber auch explizites Literarisches Lernen nach Spinner gelegt werden kann. Vgl. Spinner 2007: 3 und Spinner 2006: 9.
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die Begründung der Verwendung von Hörbüchern in der Grundschule aus drei Perspektiven: dem bestehenden Nutzungsverhalten der Kinder im Grundschulalter 7 , dem Mangel an Verwendung von Hörbüchern in der Grundschule und dem didaktischen Potenzial von Hörbüchern im Literaturunterricht. Dem letzten Punkt dient das Literarische Lernen nach Spinner als theoretische Grundlage, auf die das Hörbuch und seine Verwendungsmöglichkeiten bezogen werden. Darauf folgen zwei Unterrichtsvorschläge, in denen aufgezeigt wird, wie das didaktische Potenzial von Hörbüchern im Literaturunterricht der Grundschule zum Tragen kommen kann.
2 Geschichtlicher Hintergrund des Hörbuchs
Betritt man heute eine beliebige Filiale einer Buchhandelskette, sieht man sich im Regal mit der Überschrift Hörbücher einer Vielzahl von Angeboten gegenüber. So ist nicht nur die Bandbreite der verfügbaren Titel überaus groß, man hat darüber hinaus auch die Auswahl zwischen vielen verschiedenen Formen von Hörmedien, wie z. B. Lesungen, Hörspielkassetten, Collagen oder O-Ton-Hörbücher. 8 „Das Hörbuch ist in mediengeschichtlicher Perspektive kein Kind mehr, sondern schon im besten Erwachsenenalter. Seine Wurzeln reichen in die Anfangszeit der Ton- konserve:bis hinab zu Walze, Phonograph und Grammophon.“ 9 Um einen Überblick über die verschiedenen Formen und ihre jeweilige Entstehung zu erhalten, wird im Folgenden der Werdegang der Musik- und Worttonträger und der auf ihnen gespeicherten Hörmedien verkürzt dargestellt.
2.1 Zur Entstehung und Entwicklung der Tonträger und Hörmedien
Die Möglichkeit, Töne in irgendeiner Form festzuhalten und zu einem anderen Zeitpunkt wieder erklingen zu lassen, hat die Menschen bereits im 16. Jahrhundert fasziniert. So ließ Francois Rabelais in seinem Buch Pantagruel von anno 1532 die Geräusche einer winterlichen Feldschlacht im Eis einfrieren, woraufhin diese mit Abschmelzen des Eises im Frühling wieder zu hören waren. 1632 verfasste Charles Sorel einen imaginären Reisebericht, in dem ein Südseevolk seine Nachrichten in einen Schwamm spricht und diesen versendet, um über große Distan-
7 Als Kinder im Grundschulalter werden im Folgenden Kinder zwischen sechs und 13 Jahren angesehen.
8 Wie bereits erwähnt, wird in dieser Arbeit ein weiter Begriff von Hörbuch verwendet, der eine Vielzahl sehr ähnlicher akustischer Medien umfasst. Zur Konkretisierung der Bezeichnungen siehe Punkt 3.
9 Rautenberg 2007: 8.
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zen miteinander kommunizieren zu können. 10 Es dauerte jedoch weitere zweieinhalb Jahrhunderte, bis Tonaufzeichnungen und ihre spätere Wiedergabe technisch möglich wurden. Nachdem Anfang des 19. Jahrhunderts sowohl Töne als auch die menschliche Stimme erstmals aufgezeichnet und die Frequenz und Intensität ihrer Schallwellen bestimmt werden konnten, entwickelte Charles Cros die Idee zu einem Gerät namens Parléophone, das es vermag, eben diese Schwingungen mit einem Stichel in eine Walze zu übertragen und die Aufzeichnung auch wieder ertönen zu lassen. 11 Zwar wird Cros‘ Erfindung im Jahr 1877 als Patent angemeldet, jedoch gewährt die Pariser Académie des Sciences der von Thomas Edison den Vorrang, die auf denselben Prinzipien beruht und im selben Jahr patentiert wird. 12 Edison erfand den sogenannten Phonographen während seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Leiter des Menlo Park Laboratoriums. Der Phonograph zeichnete Töne auf, indem die über eine Membran auf eine Schreibspitze übertragenen Schwingungen Vertiefungen auf den Stanniolstreifen einer rotierenden Walze hinterließen. Zur Wiedergabe von aufgenommenen Tönen oder Sprache musste die Walze der Sprechmaschine von Hand gedreht werden, sodass die Vertiefungen über die Schreibspitze die Membran zum Schwingen und somit zum Tönen brachten. Den ersten Test führte Edison selbst durch, indem er das Kinderlied Mary had a little lamb zum Besten gab, den Gesang und sein darauf folgendes unfreiwilliges Gelächter aufzeichnete und die Aufnahme, wenn auch mit etwas veränderter Stimme, sogleich wieder abspielte. 13 Für Edison lagen die Einsatzgebiete des Phonographen allerdings eher darin, Diktat aufzunehmen, Zeugnis vor Gericht abzulegen, Reden festzuhalten, Vokalmusik wiederzugeben, Fremdsprechen zu unterrichten. [Außerdem] für Briefwechsel, zivile und militärische Befehle, […] die Distribution von Liedern großer Sänger, für Predigten und Ansprachen und die Worte von großen Männern und Frauen. 14
Neben anderen Erfindern, die an der Weiterentwicklung dieser Technologie arbeiteten, erweiterte auch Edison seine Sprechmaschine um einen Elektromotor und ersetzte die Stanniolfolie durch einen Wachszylinder. 15 Der verbesserte Phonograph war in der Folge auch das Gerät, das bei der Weltausstellung 1889 in Paris
10 Vgl. Hachenberg 2004: 32.
11 Vgl. Rühr 2008: 44.
12 Vgl. Rühr 2008: 44f und Hachenberg 2004: 33.
13 Vgl. Hanke 2003: o.S.
14 o.A. 1887: 422, zitiert nach: Rühr 2008: 45. Zur besseren Lesbarkeit stehen auch die zitierten Texte in der gängigen Rechtschreibung, wodurch eine Kennzeichnung ihrer z. T. nicht mehr gültigen Ursprungsschreibweise entfällt. Zudem sind die Hervorhebungen in den Zitaten deckungsgleich aus den jeweiligen Originalen übernommen, weshalb auch in diesen Fällen eine Kennzeichnung ausbleibt.
15 Vgl. Rühr 2008: 46.
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für Furore sorgte und zum Publikumsmagnet wurde, was nicht verwundert, war es doch erstmals möglich, Töne und Stimmen sowohl aufzunehmen, als auch wiederzugeben und somit von der konkreten Gegenwart unabhängig der Nachwelt zugängig zu machen. „Der Apparat eröffnete märchenhafte Möglichkeiten. Der Ton wurde in Raum und Zeit veränderbar. Musik, von alters her die vergänglichste unter den Künsten, wurde […] reproduzierbar.“ 16 Die Fokussierung auf die Aufnahme und Wiedergabe von Musik war entscheidend für die Art der Verwendung von Edisons Phonographen. So nutzten die Menschen diesen hauptsächlich zum Abspielen von Musik, da die Wiedergabequalität mittlerweile annehmbar war. 17 Zudem konnte man an aufgestellten Phonographen für einige Cent für die Dauer einer Walzenrotation der abgespielten Musik über Hörschläuche lauschen. 18 Obwohl Edison die Verwendung seiner Erfindung zur Lebenszeit überdauernden Dokumentation der Stimmen berühmter Persönlichkeiten, wie z. B. Otto von Bismarck, und auch der Verbreitung von mündlich vorgetragener Literatur favorisierte, lag der Erfolg der Phonographen doch hauptsächlich im Unterhaltungsbereich. 19
Um die Jahrhundertwende wurde Edisons Erfindung durch das Grammophon Emil Berliners technisch überholt, „ein Gerät, das die Phone, die Stimme, als Gramme, als Einschreibung und Schrift, festhält.“ 20 Da das Grammophon in Verbindung mit Schallplatten als Tonträger eine leicht bessere Klangqualität, längere Laufzeiten und mehr Bedienungskomfort bot, löste es die Phonographen zunehmend ab. 21 In Deutschland begann man 1922 damit, Schallplatten über ein elektronisches Aufnahmeverfahren mit Mikrofon und Verstärker zu bespielen, was deren Qualität erhöhte. Darüber hinaus wurden viele Versuche zur Weiterentwicklung der Schallplatte unternommen, jedoch konnte sich erst ab 1948 diesbezüglich ein neuer Standard in Form der Mikrorillen-Langspielplatte (LP) durchsetzen. Die LP klang besser und hatte eine deutlich längere Spielzeit. 22 Zur Zeit früher Walzen und Schallplatten wurden neben der Musik hauptsächlich echte und arrangierte Reden und Ereignisse aus Politik und Krieg aufgenommen, so z. B. der Beschuss von Paris als Hörbildnis. Im weiteren Verlauf der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts
16 Draaisma 1999: 97.
17 Vgl. Hanke 2003: o.S.
18 Vgl. Rühr 2008: 46. Ende des 19. Jahrhunderts konnten mit einem gängigen Phonographen ungefähr 50 Dollar in der Woche eingenommen werden, wobei die mit 500 Dollar im Monat profitabelste Sprechmaschine in einem Drugstore von New Orleans stand. Vgl. Hiebler 1999: 607.
19 Vgl. Rühr 2008: 45f und Hiebler 1998: 139f.
20 Hachenberg 2004: 33.
21 Vgl. Rühr 2008: 47. Im Jahr 1904 hatte eine beidseitig bespielbare Schallplatte knapp acht Minuten Spielzeit. 1948 bot die Langspielplatte bereits ca. 23 Minuten pro Seite. Vgl. Rühr 2008: 47f.
22 Vgl. Rühr 2008: 48f und Hachenberg 2004: 33.
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wurden in Deutschland weiterhin viele Politiker auf Schallplatte festgehalten. Zudem waren kurze Kabarettszenen und Auszüge aus Literaturklassikern, wie Shakespeares Othello, Hofmannsthals Jedermann, Schillers Die Räuber und verschiedenen Texten Goethes auf sogenannten Sprechplatten erhältlich. Spezielle Kinder- und Jugendtonträger gab es bis in die 1920er Jahre hinein fast überhaupt nicht. Dies änderte sich geringfügig mit der Einführung des Hörfunks in Deutsch-land im Jahr 1923. Zwar bestand das Hörfunkprogramm schwerpunktmäßig aus Unterhaltungsmusik, beinhaltete aber ab 1924 darüber hinaus auch Hörspiele. Mit dem Ende der 1920er Jahre begannen in der Folge einzelne Schallplattenhersteller damit, in Verbindung mit Hörfunkanstalten spezielle Hörspiele für Kinder herzustellen, wie z. B. Märchen und Kasperlestücke und später auch kurze Kindertheaterstücke nach den Gebrüdern Grimm, wobei diese Art von Kindertonträgern bis Mitte der 1950er Jahre eher eine Randerscheinung blieb. 23 Im Gründungsjahr der Deutsche Blindenhörbücherei (DBH) 1954 fand auch der Begriff Hörbuch erstmalig Verwendung. Zu dieser Zeit wurden mit dem Begriff des Hörbuchs im Gegensatz zum Musiktonträger Worttonträger bezeichnet, die speziell für eine blinde Konsumentengruppe mit Literatur, meist belletristischer Art, besprochen wurden. Leider hatten viele Hörer enorme Schwierigkeiten mit der Bedienung der unhandlichen Tonbandspulen. 24 Einen der ersten großen kommerziellen Erfolge mit einem Worttonträger konnte der Schallplattenverlag Deutsche Grammophon ebenfalls 1954 verbuchen, als sich ihr auf LP erschienener Mitschnitt der Gründgens-Inszenierung von Faust I mehr als 250.000-mal verkaufte. 25 Im Jahr 1958 erschienen die ersten räumlich klingenden Stereoschallplatten, die im direkten Wettbewerb zu den relativ neuen Tonbandgeräten standen. Diese wurden ebenfalls für den Hausgebrauch entwickelt, aber waren mit zweimal knapp 45 Minuten Laufzeit der Stereo-LP überlegen. Die Konkurrenz wurde jedoch durch die Einführung der Kompakt-Kassette bzw. MusiCassette (MC) der Firma Philips 1963 obsolet. Die MC und der entsprechende Kassettenrekorder waren handlich genug für den alltäglichen Transport und boten trotzdem gute Qualität, Vor- und Zurückspielbarkeit, ein Abspielvermögen von bis zu zwei Stunden sowie eine Aufnahmefunktion. Diese Merkmale führten dazu, dass die elektro-magnetische Art von Musik- und Worttonträgern ab den frühen 1970er Jahren beharrlich an Bedeu-
23 Vgl.Rühr 2008: 50-55 und Hanke 2003: o.S.
24 Vgl. Fey 2004: 8 und Hanke 2003: o.S. In den U.S.A. wurde bereits 1931 ein akustisches Lesesystem für Blinde namens Readaphone entwickelt. Das erste kommerzielle Audiobook erschien dort im Jahr 1952. Vgl. Hanke 2003: o.S.
25 Vgl. Fey 2004: 8.
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tung gewann. 26 So sollten Kassettenrekorder und MC „[f]ast 40 Jahre lang […] die Lebensgewohnheiten ganzer Generationen junger Leute mit prägen.“ 27 Einen Massenmarkt erhielt die MC in den folgenden Jahren letztlich durch die Entwicklung von Kassettenspielern für das Auto sowie durch den von Sony im Jahr 1979 eingeführten Walkman. Die Attraktivität der MC lag nicht zuletzt darin, dass der Nutzer Rundfunksendungen und Schallplatten auf sogenannten Leer-Kassetten mitschneiden konnte. 28 Durch die ersten Versuche der Deutschen Grammophon Mitte der 1950er Jahre mit Sprechplatten hatten mehrere Schallplattenfirmen erkannt, dass sich dieses Medium „zu einer zusätzlichen Rezeptionsvariante von Literatur neben dem Theater, dem Fernsehen, dem gedruckten Buch und dem Hörfunk [entwickelte]“ 29 und wurden in diesem Bereich aktiv, wenngleich die Einnahmen im Vergleich zu denen der Musiktonträger lediglich gering blieben. Parallel dazu wuchs die inhaltliche Bandbreite der Sprechplatteninhalte kontinuierlich und enthielt z. B. Dokumentationen, Sprachkurse und Sachthemen aus Religion, Philosophie und Medizin. In der dominierenden Sparte, der literarischen, konzentrierte man sich auf die Klassiker, wie z. B. Auszüge aus Texten Goethes und Lesungen von Thomas Manns Die Buddenbrooks oder Joseph und seine Brüder. Speziell für Kinder standen hauptsächlich Märchen auf dem Programm. Ende der 1970er Jahre war der Bildungsaspekt von Sprechplatten in den Vordergrund getreten, sodass Schulungsprogramme, Unterrichtsmaterialien etc. das Repertoire erweiterten. 30 „Literarische Schallplatten bestanden weiterhin auf dem Markt, allerdings dominierten sie diesen nicht mehr.“ 31 Nach der ersten Ausweitung der Sprechplatte entwickelte sich ein Trend zu Sachthemen, der sich in noch deutlicherer Form bei der Kassette als aufkommendem Trägermedium zeigte. Da die Kassette jedoch nicht als eigenständig befunden wurde, kam sie häufig in Kombination mit einem gedruckten Buch in den Handel und konnte auf diese Weise auch besser im Buchhandel untergebracht werden. So z. B. beim Titel Max und Moritz, dem in der Telefunken-Reihe Tönende Bilderbücher neben dem akustischen Medium auch eine Bilderbuch beilag. Im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur erschienen weiterhin hauptsächlich Märchenklassiker nach Hans Christian Andersen und den Gebrüdern Grimm und Abenteuerhörspiele nach Karl May, Astrid Lindgren und Mark Twain. 32
26 Vgl. Rühr 2008: 58f und Hachenberg 2004: 33.
27 Hanke 2003: o.S.
28 Vgl. Rühr 2008: 60f.
29 Rühr 2008: 89.
30 Vgl. Rühr 2008: 88f und Fey 2004: 8.
31 Rühr 2008: 89.
32 Vgl. Rühr 2008: 76f und 89f.
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Ein neues Trägermaterial und positive Entwicklungen in den U.S.A. ermutigten die Verleger dazu, Wortprogramme für Erwachsene zu etablieren oder auf Sprechplatten erschienene Reihen auf Kassette neu zu inszenieren. Im Bereich der literarischen Themen wurde dabei an die Entwicklung der Sprechplatten angeknüpft, indem man vorrangig Klassiker der Weltliteratur vertonte. 33
Auch die Deutsche Blindenhörbücherei stieg Anfang der 1970er Jahre auf Kassetten um, was den Versand, aber auch die Handhabung für ihre Klientel erheblich erleichterte. 34 Im Jahr 1983 wurde die Compact Disc (CD) von Philips und Sony gemeinsam in Europa eingeführt und leitete als erstes elektronisch-digitales Speichermedium den Siegeszug dieser Tonträger ein. Trotzdem hatten die analogen Medien Schallplatte und MC neben der CD anfänglich weiterhin Bestand am Markt. Doch aufgrund der Vorteile, wie die lasergestützte und somit reibungslose Abtastung des Tonträgers und die Reduzierung des Hintergrundrauschens, stellten nach und nach immer mehr Schallplattenverlage ihre Produktion auf CD als Trägermedium um. 35
2.2 Zur kommerziellen Vermarktung des Hörbuchs
Wie bereits erwähnt, wurde der Begriff Hörbuch als Bezeichnung für Worttonträger für Blinde schon 1954 eingeführt. Im Jahr 1987 starteten die Verlage Deutsche Grammophon, Ekkehard Faude Verlag, Litraton und Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen jeweils eigene Hörbuchreihen für den gesamten Markt und traten damit ungewollt eine Debatte über das ‚neue‘ Medium des Hörbuchs los. 36 War von den Verlegern „eine neue Form vereinfachten Literaturkonsums“ 37 propagiert worden, wurden sie hingegen als „Verlag für die ganz Dummen und Lesefaulen“ 38 beschimpft und kultureller Verfall durch das Erscheinen von Hörbüchern befürchtet. Hörbücher waren als Medium für sehbehinderte und alte Menschen verkannt und führten im Buchhandel ein Schattendasein, was nicht verwundert, richteten sich die ersten speziellen Hörbuchproduktionen doch zuallererst an diese Zielgruppe. 39 Ob die anfängliche Ablehnung durch die Angst vor einem Bedeutungsverlust des gedruckten Buches, vor Tonkonserven im Allgemeinen oder ähnlichem bedingt war, lässt sich nicht eindeutig klären. Fakt ist jedoch, dass „[s]eit der Einführung des Begriffs ‚Hörbuch‘ […] ein Wandel von der Dokumentation zur
33 Rühr 2008: 90.
34 Vgl. Hanke 2003: o.S.
35 Vgl. Rühr 2008: 60f.
36 Vgl. Rühr 2008: 91f.
37 Rühr 2008: 91.
38 Verlag und Studio für Hörbuchproduktionen, zitiert nach: Fey 2004: 8.
39 Vgl. Rühr 2008: 91f und 115 sowie Fey 2004: 8.
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akustischen Darbietung literarischer Klassiker stattgefunden [hatte].“ 40 Ende der 1980er und zu Beginn der 1990er Jahre herrschte die Darbietungsform der Lesung vor, die meist mit den Autoren selbst oder mit bekannten Schauspielern abgehalten wurde. Hörspiele fanden fast nur als Zweitverwertung ihren Weg auf einen Worttonträger, d. h. wenn sie in Zusammenarbeit mit Rundfunkanstalten ent-standen und primär für die Hörfunksendung produziert waren. Für Kinder und Jugendliche wurden vor allem Buchvorlagen und Fernsehadaptionen in Serienproduktion vertont und in großen Stückzahlen kommerziell vertrieben. So z. B. Masters of the Universe, Hanni und Nanni, Barbie, Die Schlümpfe, Alf und Urmel, aber auch Hörspielfassungen von Kasperle, Nils Holgersson, Jim Knopf, Emil und die Detektive und Das fliegende Klassenzimmer. Mit Die drei ??? und Benjamin Blümchen wuchs eine Generation auf, die noch im Erwachsenenalter diese Geschichten rezipiert, sie zu Kultobjekten machte und von Hans-Jürgen Krug demzufolge als Kassettenkinder bezeichnet wird. Neben gekürzten und ungekürzten Klassikern der Erwachsenenliteratur wurden die Programme der wenigen Hörbuchverlage und Verlage mit Hörbuchsparte auch um zeitgenössische Literatur, Krimis und Sachthemen erweitert. 41 Doch der Buchhandel als Vertrieb blieb vor- erstskeptisch, „[d]ie Zurückhaltung der Buchhändler gegenüber Sprechplatten, welche sie als trägermediale Zwitterwesen nicht adäquat zu präsentieren wussten, wich einer generellen Abwehrhaltung gegenüber dem Hörbuch auf Kassette.“ 42 In den vergangenen 15 Jahren hat sich auf den drei wichtigsten Ebenen - der Technik, den Verlagen und den Konsumenten - viel getan. Nach Einführung der CD und dem damit verbundenen Eintritt ins Zeitalter digitaler Träger- bzw. Speichermedien wurden weitere neue Trägermaterialien entwickelt. Die DVD, MP3-CD, MiniDisc (MD), Super Audio CD (SACD) und die networked-CD (n-CD) konnten sich obgleich ihrer jeweiligen Vorteile nicht im Markt der Tonträger durchsetzen, weshalb die CD diesen weiterhin dominiert und die Kassette kontinuierlich an Bedeutung einbüßt. 43 Die Digitalisierung der Produktion eröffnete vielfältige neue Möglichkeiten im Produktionsprozess und machte die Herstellung von Worttonträgern vor allem schneller und günstiger. Zudem machte es die Hörspielmacher prinzipiell unabhängig von teuren Rundfunkstudios und ermöglichte es dem Hörbuch, Musik, Geräusche und Klang in den Vordergrund zu stellen und seine Ge-
40 Rühr2008: 114.
41 Vgl. Rühr 2008: 99f und 114f sowie Krug 2008: 153f.
42 Rühr 2008: 115. Zur Entwicklung des Audiobook-Markts in den U.S.A. ab den späten 1980er Jahren und den unterschiedlichen Tendenzen des U.S.-amerikanischen und des deutschen Marktes siehe Rühr 2008: 101-114.
43 Vgl. Rühr 2008: 116. Zu den technischen Aspekten der einzelnen Medien siehe Rühr 2008: 116-121.
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schichten dadurch abwechslungsreicher, opulenter und weniger traditionell erzählen zu können. 44 Durch die Startschwierigkeiten der kommerziellen Vermarktung hatten sowohl die betroffenen Verlage als auch der Buchhandel erkannt, dass das Hörbuch ein neues Ansehen und eine klare Ausrichtung benötigte, welche in der Öffentlichkeit eindeutig präsentiert und vielseitig beworben werden mussten, damit sich das Hörbuch als eigenständiges Medium etablieren könnte. Zu diesem Zweck wurden Ende der 1990er Jahre Arbeitsgemeinschaften gegründet, die z. B. Gemeinschaftsstände für Hörbuchverlage auf den beiden großen deutschen Buchmessen in Leipzig und Frankfurt organisierten, Öffentlichkeitsarbeit in Form von Foren und dem Verteilen von Hörproben-CDs auf Messen, Autobahnraststätten etc. leisteten und sich mit Ringvorlesungen und Kompaktseminaren an der Ausbildung des buchhändlerischen Nachwuchses beteiligten. Des Weiteren wurde viel Geld in die Werbung für das Hörbuch in den Massenmedien, aber auch in qualitativ hochwertigere und informative Verpackungen (z. B. ausführliche Booklets) und nicht zuletzt namhafte Sprecher als Zugpferde investiert. 45 Durch die Digitale Entgrenzung, wie Hans-Jürgen Krug die Produktion und den Vertrieb in ausschließlich digitaler Form nennt, wurde auch das aufkommende World Wide Web (WWW) zum Umschlagplatz von Worttonträgern. Zum einen eröffneten einzelne Verlage eigene Online-Auftritte zur Präsentation und Vermarktung von Hörbüchern in Form von digitalen Dateien, die gegen Bezahlung vom Käufer auf den heimischen Computer oder ein mobiles Abspielgerät geladen werden können. Aktuelle Beispiele hierfür sind die Online-Portale www.sofort-hoeren.de, www.audible.de und www.libri.de. Zum anderen entwickelte sich neben den legalen Beschaffungsmaßnahmen im Internet ein betriebsamer Markt des Peer-to-peer-sharing mittels sogenannter Online-Tauschbörsen, über die alle Arten von Daten und eben auch von Worttonträgern illegal zum Tausch angeboten und kostenfrei heruntergeladen werden können, was laut Stefan Köhler auch massenhaft der Fall ist. 46
2.3 Zum derzeitigen Stand des deutschen Hörbuchmarktes
Heute kann man sich durch seine Omnipräsenz in den Massenmedien, im Handel und in der Fachliteratur meist kaum noch dagegen wehren, von dem sogenannten Hörbuch-Boom zu hören und zu lesen 47 , und tatsächlich hat in den letzten fünfzehn Jahren ein faszinierender Image-Wandel des Hörbuchs stattgefunden. 48 Pa-
44 Vgl.Krug 2008: 150-154.
45 Vgl. Rühr 2008: 122-124 und 138.
46 Vgl. Krug 2008: 149f, Rühr 2008: 199f und Köhler 2005: 65.
47 Siehe z. B. Germann 2008, Krug 2008, Wermke 2004, Fey 2004 und Müller 2004.
48 Vgl. Krug 2008: 164.
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rallel dazu stiegen auch die Umsatzzahlen und Marktteilnehmer stetig. Ein Trend, der aktuell immer noch anhält. Neben der seit 1997 bestehenden hr2-Hörbuchbestenliste gibt es seit 2003 den Deutschen Hörbuchpreis des WDR und seit 2008 den Hörbuch-Award des Bundesverbands Musikindustrie, die die gelungensten Werke aus dem noch immer expandierenden Angebot auszeichnen (sollen). 49 Dieses Angebot umfasst derzeit rund 20.000 Hörbücher mit einer jährlichen Zuwachsrate von zuletzt 2.000 Titeln, die von insgesamt knapp 500 Verlagen herausgegeben werden. 50 Nachdem anfänglich nahezu ausschließlich Belletristik ihren Weg auf einen Worttonträger fand, liegt ein Schwerpunkt heute auf Sachhörbüchern, wobei die inhaltliche Bandbreite fast so groß ist, wie die bei den gedruckten Büchern. Dies scheint jedoch eher darin begründet zu sein, dass eine Vielzahl von Verlagen Hörbücher weiterhin nur als lukrative Zweitverwertung nutzen und somit eher auf zu vertonende Buchgrundlagen zurückgreifen, als dass auf die Wünsche der Kunden direkt eingegangen wird oder Hörbücher auf Grundlage eigener Texte oder Inszenierungen entstehen. 51 Mittlerweile finden sogar eigentlich nicht mehr gelesene Literaturwerke dadurch wieder Publikum, dass sie auf Hörbüchern erscheinen und akustisch rezipierbar geworden sind. 52 Trotz aller neuen technischen Errungenschaften ist der Hörbuchmarkt heute weitestgehend CD-fixiert 53 und produzierte bereits 2003 ca. 70 Prozent der Hörbücher auf CD. 54 Demgemäß werden die bis heute konstant steigenden Gewinne von zuletzt etwa 200 Millionen Euro hauptsächlich im klassischen Buchhandel, an Tankstellen, in Spielwarenläden, Discountern etc. und nur zu einem geringen Teil von ca. einem Zehntel über Online-Portale gemacht, wobei dieser Bereich tendenziell stark zunehmen wird. 55 Die durchschnittliche Hörbuchauflage liegt zwischen 1.000 und 5.000 Exemplaren. Einzelne Titel erreichen jedoch ganz andere Verkaufszahlen, so wurden z. B. die Hörspielfassungen von Der Alchimist (Steinbach Sprechende Bücher, 1997) bis 2005 ca. 170.000-mal und Der Herr der Ringe (DerHörVerlag, 2001) bis 2002 sogar über 235.000-mal veräußert. 56 Hörbücher sind mittlerweile ein derart lukratives Geschäft, dass für den Rezipienten 57 da-
49 Vgl.Krug 2008: 164 und Rühr 2008: 175.
50 Stand von 2007, vgl. Germann 2008: 12 und Schwarz 2007: o.S.
51 Vgl. Rühr 2008: 175.
52 Vgl. Ueding 2004: 27.
53 Vgl. Krug 2008: 163.
54 Vgl. Köhler 2005: 72.
55 Vgl. Schwarz 2007: o.S.
56 Vgl. Krug 2008: 164. Zu den ausführlichen Literaturangaben siehe Literatur- und Quellenverzeichnis.
57 In dieser Arbeit verwende ich z. T. die männlichen Personenbezeichnungen, was ausschließlich der besseren Lesbarkeit dient, weshalb meine Ausführungen selbstverständlich in gleichem Maße auch auf weibliche Personen zutreffen.
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durch auch Nachtteile entstehen können. So werden nur wenige Hörbücher exklusiv für die Verwertung als Hörbuch produziert, um finanzielle Risiken durch fehlende Annahme durch die Konsumenten zu vermeiden. Zudem werden Komplettausstrahlungen im Hörfunk, wie z. B. von Sofies Welt, aus Angst vor digitalen Mitschnitten und damit einhergehenden Gewinneinbußen unterlassen. 58 Heute gilt das Überdauern von Tönen und Stimmen als selbstverständlich. Zudem hat es die stete technische Weiterentwicklung möglich gemacht, dass man die heutigen Worttonträger in bester Qualität und nahezu überall konsumieren kann. Ob im Auto, im Zug, auf einer Wiese oder im Schwimmbad, ob über CD-Player, Kassettenrekorder, Computer, iPod oder das Multimedia-Handy, wortbasierte Hörmedien in ihrer inhaltlichen und kategorialen Vielfalt sind derzeit verbreiteter, vielseitiger und mobiler einsetzbar als je zuvor.
3 Das Hörbuch als Oberbegriff - Definition derzeitiger Sprach-
Hörmedien
Gesamtgesellschaftlich gesehen ist der Begriff Hörbuch ein recht junger, der bis vor knapp anderthalb Jahrzehnten allenfalls im Bereich von Menschen mit Behinderung Verwendung fand. Wie im vorherigen Kapitel erwähnt, war vor seiner Etablierung von Worttonträger wie der Sprechplatte, dem Hörspiel und der Kinderkassette die Rede. Heute wird im Handel und im alltäglichen Gebrauch unter Hörbuch zum einen ausdrücklich die Lesung, also das vorgelesene Buch, verstanden. Zum anderen herrscht jedoch ein weiter Begriff von Hörbuch vor, unter den verschiedene Sprach-Hörmedien subsumiert werden, bei denen meist der Wortanteil inhaltlich und dramaturgisch dominiert. 59 „Derzeit gibt es zehn Arten von Hörbüchern. Unter Hörbüchern werden […] Sprachaufnahmen aller Art verstanden, die allein oder in Kombination mit Musik und Geräuschen auf Tonträgern (wie z. B. MC, CD oder DVD) angeboten werden.“ 60 Im Folgenden werden die einzelnen Definitionen nach Stefan Haupt dargestellt, um eine Konkretisierung des jeweiligen Sprach-Hörmediums zu erhalten und im weiteren Verlauf der Arbeit darauf Bezug nehmen zu können: 61
58 Vgl. Köhler 2005: 73f.
59 Vgl. Schnickmann 2007: 23, Wermke 2004: 52f und Fey 2004: 7f.
60 Haupt 2002: 323.
61 Vgl. Germann 2008: 14-17, Kleedorfer 2007: 8f und Haupt 2002: 324-328. Die Grenzen zwischen den verschieden Hörbucharten sind jedoch nicht immer klar zu ziehen und die Definitionen somit nicht als der Weisheit letzter Schluss anzusehen. Bsp.: Ist die Vorlesung eines einfachen und nicht umgeschriebenen Textes mit verschiedenen Sprechern und von Musik untermalt folglich eine Lesung mit Musik oder bereits ein Hörspiel ohne Geräusche? Trotzdem reichen die Definitio-
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Das Original-Hörbuch
ist ein Text, der erstmalig bzw. ausschließlich auf ei-
nem Tonträger veröffentlicht ist, wodurch dessen Rezeption nur über das Hören erfolgen kann, z. B.:
Manfred Krug liest Manfred Krug
-
Schweinegezadderund anderes
(Ullstein Hörverlag, 2000).
Die Lesung
wird in sich nochmal unterschieden:
Der Live-Vortrag
unterscheidet sich dadurch von der Live-Lesung, dass ihm
keine Text-Vorlage zugrunde liegt. So spricht die/ der AutorIn frei und formuliert die Sätze spontan. Der Mitschnitt dieses Vortrags dient wiederum als Grundlage für das Hörbuch, das thematisch meist in den Bereichen Ratgeber, Management und Verkauf angesiedelt ist, z. B.: Rhetorik Klassik von Nikolaus B. Enkelmann (Gabal, 1999).
Das Hörspiel
ist eine akustische Inszenierung der sprachlichen Vorlage.
Diese wird meist speziell dafür bearbeitet, z. T. gekürzt und durch Musik und Geräusche ergänzt, um das spätere Hörerlebnis zu intensivieren. Zudem wird je nach Rollenverteilung mit mehreren SprecherInnen gearbeitet, z. B.: Otfried Preußlers
Die kleine Hexe
(Der Audio Verlag, 2008b).
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Das Feature
ist das Sprach-Hörmedium, bei dem unterschiedliche Aufnah-
men, wie z. B. Original-Ton-Material, Geräusche, Musik und Sprache, so
nen m. E. aus, um zu verdeutlichen, von was für einer Art Hörbuch jeweils die Rede ist. Vgl. Germann 2008: 17.
62 Im Bereich des Hörspiels ist m. E. zusätzlich das Original- bzw. Autoren-Hörspiel, zu dem es keine literarische Vorlage gibt und somit erstmalig bzw. ausschließlich auf Tonträgern erhältlich ist, erwähnenswert, da es ebenfalls Literatur transportiert. So z.B. die Märchenkuddelmuddel- Geschichtenvon Helmut Peters (NDR/Jumbo, 2004). Vgl. Germann 2008: 17.
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Arbeit zitieren:
Georg Rabe, 2009, Das Hörbuch und seine Verwendung im Literaturunterricht der Grundschule, München, GRIN Verlag GmbH
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