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Inhalt
1 Einleitung 3
2 Amoklauf 4
2.1 Amock, Amock - die Herkunft einer Angst 4
2.2 Kurzer Exkurs: Der Fall Wagner 6
2.3 Amok laufende Schüler? 7
3 Massenweise Massaker 12
4 Spielen Killer Killerspiele ? 16
4.1 Ein Begriff ohne Inhalt? 16
4.2 Kurzer Exkurs: Wenn aus Mördern Killer werden 19
4.3 EGO-Shooter für EGOisten ? 21
5 Fazit 24
6 Bibliographie 25
7 Anhang 28
7.1 Korpora 28
7.2 Abbildungen 51
Im Anhang sind lediglich die in der Seminararbeit verwendeten Korpora aufgeführt
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1 Einleitung
Erfurt, Emsdetten, Winnenden waren vor gut einem Jahrzehnt lediglich mehr oder weniger bekannte Bezeichnungen für Orte in Deutschland. Das ist Vergangenheit. Es haben sich blutige Spuren an diese Wörter geheftet, die durch immer neue Meldungen von Amokläufen junger Menschen präsenter und sich unter Umständen dauerhaft in unser Gedächtnis einbrennen werden. Ihren Anteil daran haben die Medien, die mit Begriffen um sich werfen, die zwar eine hohe Aufmerksamkeit und Neugier erzeugen, jedoch fast nie ein korrektes Abbild der Wirklichkeit darstellen. Da wird live von Amokläufen berichtet, die per definitionem gar keine Amokläufe sind. Andernorts füllen blutige Massaker die Titelseiten, die im Vergleich zu den gleichnamigen Blutbädern der Weltgeschichte, verhältnismäßig harmlos erscheinen. Gleichzeitig wird die dazugehörige Diskussion mit Scheindebatten über Computerspiele vermengt, die der Jugend angeblich das Töten lehren sollen. Eine linguistische Untersuchung scheint daher mehr als angebracht. Es sind freilich in den letzten Jahren eine Vielzahl von Büchern, die sich mit dem Thema Amokläufe an Schulen und Killerspiele auseinandersetzen, veröffentlicht worden, doch diese hatten fast ausschließlich die soziologischen, medienwissenschaftlichen, juristischen oder neurophysiologischen Aspekte im Fokus. Eine linguistische Untersuchung des Gegenstandes scheint daher, auch aus persönlichem Interesse, durchaus angebracht.
Diese Arbeit möchte somit versuchen, die in den Diskussionen und Berichten auftretenden brisanten Lexeme zu untersuchen. Was macht sie brisant? Welche Wirkungen erzielen sie beim Rezipienten? Stellen sie den Sachverhalt neutral dar oder sind sie voreingenommen? Und welche Alternativen gibt es?
Begründet durch die Aktualität des Themas eignen sich besonders Textbelege aus den einschlägigen Zeitungen/Magazinen (bzw. deren Onlineausgaben) für eine Analyse. Diese soll zu einem bewussteren Umgang mit dem Thema führen und eine neutralere Ausgangslage für Debatten schaffen.
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2 Amoklauf
2.1 »Amock, Amock!« - die Herkunft einer Angst
Amok ist eine „Schöpfung des Berichterstatters“, sagt CHRISTIANS (2008: 21). Allerdings entspringt jene „aktuelle Chiffre der Angst" (CHRISTIANS 2008: 13) nicht dem Stift eines lebenden Journalisten, sondern den Federn europäischer Seefahrer und Kaufleute aus dem 15.-17. Jahrhundert (CHRISTIANS 2008: 13, 76). Als die Portugiesen Südostasien für sich entdeckten, trafen sie dort auf Krieger, deren Vorgehen sie mehr als überraschte. Jene „Wahnsinnige[n]“ (CHRISTIANS 2008: 77) kämpften selbst in den hoffnungslosesten Lagen 1 bis zum eigenen Tod. Die Portugiesen nannten sie amoucos „Krieger“ 2 (CHRISTIANS 2008: 76f) und referierten dabei zunächst nur auf eine „spezielle[...] kriegerisch-soldatische[...] Kaste aus den südlichen Hindu-Staaten Indiens“ (CHRISTIANS 2008: 76). Griffen diese Soldaten an, schrieen sie: „a muck“ oder „meng-amok“ (CHRISTIANS 2008: 78). Ob sie allerdings tatsächlich diese Worte brüllten oder in ihrem Wahn nur irgendwelche Angst einflößenden Lautfetzen ausstießen 3 , ist nur schwer rekonstruierbar. Ist Letzteres der Fall gewesen, wäre Amok ein Onomatopoetikon und somit ein „portugiesischindische[s] Wort für Krieger“ (CHRISTIANS 2008: 21). Die Wahrscheinlichkeit, dass es sich tatsächlich um ein autochthones, malaysisches Lexem handelt, ist allerdings ungleich höher und wird der kulturellen Anerkennung der Eingeborenen weitaus gerechter. Demnach, sagt VOGL (2005: 191), wäre Amok ein „malayisches Wort indischer Herkunft“ 4 und aus lexikalischer Sicht ein Lehnwort (vgl. RÖMER/MATZKE 2 2005: 44). 5 Es könnte das Wort malaysischer Eingeborener für wütend gewesen sein (CHRISTIANS 2008: 21). Nachprüfen lässt sich das allerdings nicht mehr.
1 „Das nackte Überleben der Akteure [...] galt offensichtlich in Südostasien in bestimmten Fällen als große Schande“ (CHRISTIANS 2008: 78).
2 Neben dem Portugiesischen wurde das Lexem im 17. Jahrhundert auch ins Holländische und Englische entlehnt und etwas später auch ins Deutsche (VOGL 2005: 191). 3 Die Europäer vermuteten nämlich, die Südostasiaten würden geradezu exzessiv Opium konsumieren (CHRISTIANS 2008: 120). Auch für SEEBOLD ( 24 2002: 39) ist der „Opiumrausch“ ein maßgebliches Merkmal eines malaysischen Amoklaufs. CHRISTIANS (2008: 121) führt allerdings zu Recht an, dass der Vorsatz zur Handlung bereits vorab getätigt wurde. Hier diagnostizierten die Europäer anscheinend damals wie heute die ursprünglichen Gründe einer solchen Tat falsch. Auch in Analogie zu den Killerspielen ist dies eine interessante Beobachtung. 4 „Die malayische Verbform ‚mengamuk’ [...] bedeutet so viel wie ‚einen wütenden Angriff machen’ [...]“ (VOGL 2005: 191).
5 Die Portugiesen selbst sehen amouco ebenfalls als ein Wort malaysischer Herkunft an (MACHADO 1990: 235).
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Dessen ungeachtet scheint es evident zu sein: Sucht man die Wurzeln des Amok, muss man in der Fremde gehen. Dieses Klischee findet auch in der heutigen Amoklauf-Diskussion Zuspruch. Doch war der malaysische Amoklauf tatsächlich eine Schöpfung jener Fremden? CHRISTIANS (2008: 65, 121) bemerkt richtigerweise, dass der gewalt(tät)ige Einfluss der europäischen Eroberer wohl seinen Anteil an dieser Entwicklung innerhalb des malaysischen Volkes gehabt haben dürfte. Der scheinbar erkannte „Volkscharakter“ (CHRISTIANS 2008: 65, 124) pflichtete äußerst adäquat dem Gefühl rassischer Überlegenheit bei. 6 Auf der einen Seite der europäische Herrenmensch, auf der Anderen der zu zähmende Wilde. 1906 findet man in Brockhaus´ Kleinem Konversations-Lexikon unter Amok, Amoklaufen den folgenden Eintrag: „bei malaiischen Volksstämmen vorkommende Geistesstörung, Raserei, in der die davon Befallenen im Laufe jeden mit dem Dolch (Kris) niederstoßen“ (Brockhaus 2007). 7
6 CHRISTIANS (2008: 120f) zitiert einen Bericht von William Marsden (1754-1836), der acht Jahre auf Sumatra gelebt hatte, in dem eine Portugiesin von ihrem Sklaven angefallen wird. „Jene [die Portugiesin] schrie: Mengamok!“ (CHRISTIANS 2008: 121) Sie verbalisiert den Angriff als Attacke eines Wahnsinnigen, statt die eigentlichen Ursachen zu be-/erkennen bzw. be-/erkennen zu wollen.
7 Für den ungarischen Ethnopsychiater Georges Devereux (1908-1985) ist Amok „eine ethnische Störung, die es nur in primitiven Gesellschaften gibt [...]"(CHRISTIANS 2008: 247).
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2.2 Kurzer Exkurs: Der Fall Wagner
Ausgerechnet ein Lehrer bewies schon 1913 das Gegenteil. Der Degerlocher (Schwaben) Ernst August Wagner ermordete im September zunächst seine Frau und die vier Kinder, anschließend fuhr er mit dem Zug nach Mühlhausen, zündete dort die Ortschaft an und erschoss wahllos die aus den Flammen laufenden Menschen. Insgesamt waren es dort 12 Opfer. Er wurde überwältigt und nach dem Prozess 8 in Heilbronn am 4. Februar 1914 in die Heilanstalt Winnentahl eingeliefert. Diagnose: Verfolgungswahn.
Seine Tat plante er bereits seit mehreren Jahren. Ursprünglich waren noch weitere Orte und Opfer vorgesehen. Am Ende wollte er sich eigentlich das Leben nehmen (SOMMER 2005). In zwei authentischen Zeitungsartikeln, die wenige Tage nach der Tat veröffentlicht wurden, findet man aber keineswegs die Bezeichnung Amok, obwohl damals noch niemandem die langjährigen Pläne Wagners bekannt gewesen waren: (1) Der Massenmord in Mühlhausen (2) Die Bluttat des Lehrers Wagner
Sowohl „Massenmord“ (1) als auch „Bluttat“ (2) referieren lediglich auf die Tat. Der geistige Zustand des Täters bleibt unerwähnt. Ein Amoklauf scheint Anfang des 20. Jahrhunderts noch keine allzu häufige Erscheinung gewesen zu sein und deshalb, so lässt sich mutmaßen, verwandt man nicht dieses Lexem, da wahrscheinlich die Mehrheit der Leser diesen Ausdruck gar nicht kannte bzw. noch mit der fernen, wilden Welt in Verbindung brachte; schließlich war der Europäer auch eben darum bemüht, dass jenes Rassemerkmal der primitiven Malaysier sich nicht auf ihn überträgt.
8 „[E]rstmals wurde damals in der Württembergischen Geschichte ein Prozess wegen Unzurech- nungsfähigkeit eingestellt“ (SOMMER 2005).
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2.3 Amok laufende Schüler?
Amokläufe passieren meist im Frühjahr und Herbst, schreibt Gabriele GOETTLE (1988). Es scheint also, dass man die Uhr nach dem Wahnsinn stellen kann und dennoch erstarrt der Fußgänger, dessen Blick über die Schlagzeilen der Tageszeitungen fliegt und plötzlich dieses Wort liest: Amok. Man fühlt sich dann wie im Koma. Die Zeit steht still und unsere rationale Welt gerät aus der Bahn. Ein Wilder ist eingefallen in die heile Welt der Ordnung und Sicherheit. 9 Doch sind Schüler, die in ihrer Schule Blutbäder anrichten, tatsächlich Amokläufer? Zunächst ist auszumachen, dass, wie zu den Zeiten der europäischen Eroberer, die meisten Menschen den Amok nur aus den Medien 10 (damals Reiseberichte) kennen. „Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien“, schreibt Niklas Luhmann (LUHMANN 2 1996: 9). Für sie sind die Morde an Schulen eindeutig Amokläufe: (3) Amoklauf Winnenden (4) Amoklauf an Berufsschule in Ludwigshafen
Manche Vertreter der Medienlandschaft gehen sogar soweit ihren Lesern eine Art „Best of“ der brutalsten Amokläufe zu präsentieren: (5) Die schlimmsten Amokläufe an Schulen (6) Die blutigsten Amokläufe an Schulen und Universitäten
9 Das Gefühl der Angst scheint in den letzten Jahren zu einem sich virulent ausbreitenden, lähmenden Gefühl innerhalb der westlichen Welt geworden zu sein. Wo man früher die Gefahren noch verorten konnte (z.B. die atomare Gefahr während des Kalten Krieges) und auf die Vernunft der Menschen hoffen durfte, ist eine Vorhersage heutzutage weitaus schwieriger zu treffen. Gerade nach 9/11 hat sich ein Gefühl des sich Ausgeliefert-Fühlens eingebrannt. Überraschenderweise findet man im Zusammenhang mit Terror-/Selbstmordanschlägen nie die Bezeichnung Amoklauf, obwohl hier das Kriterium des blindwütigen Tötens wesentlich eindeutiger zutrifft, als bei Schulmassakern. Schon FREUD (1993: 134, 146) verstand die Religion als Zwangsneurose und deren Lehren als „Wahnideen“.
10 Auch in der Kunst wurde das Thema immer wieder aufgegriffen. So z.B. in Rainer Werner Fassbinders Film Warum läuft Herr R. Amok? (1970). Hauptfigur Raab tötet eine Nachbarin, seine Frau und seinen Sohn und erhängt sich einen Tag später in der Toilette seiner Arbeitsstelle (TÖTEBERG 1990: 47, 50). Als mögliche Ursache zeigt Fassbinder die spießbürgerliche Enge und Verlogenheit (CHRISTIANS 2008: 279); eine Negativbeeinflussung durch die Medien ist nicht zu erkennen. Dass aber auch ein Film unter Umständen massiv auf sein Publikum einwirken kann, zeigt das Beispiel Taxi Driver (1976) von Martin Scorsese. John Hinckley jr., ein psychisch labiler Einzelgänger, versuchte (wie Travis Bickle im Film) ein Attentat auf einen Politiker. Am 30. März 1981 unternahm er einen Attentatsversuch auf den damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan und scheiterte nur knapp (CHRISTIANS 2008: 272f).
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Hier wird die Schockwirkung eindeutig für eine Auflagensteigerung missbraucht, indem man die Taten besonders spektakulär präsentiert. 11 Mit der „sprachlichen Äußerung[...] werden Emotionen [hier: Ohnmacht, Schock] ausgedrückt und [...] intensiviert sowie konstituiert“ (SCHWARZ-FRIESEL 2007: 6). Eine Überschrift mit dem Kompositum Amoklauf weist ein ungleich höheres Emotionalisierungspotenzial (vgl. SCHWARZ-FRIESEL 2007: 41) auf, als eine mit dem Lexem Mehrfachmord beispielsweise. An Morde hat sich die Gesellschaft gewöhnt: sie begegnen einem in der Kriminalliteratur, im Fernsehen oder im Film. Ein Amoklauf jedoch ist, trotz der vermeintlichen Häufung in den vergangenen Jahrzehnten, etwas Neues. 12 Zusätzlich emotionalisiert ein Amoklauf die Menschen auch deshalb stärker, da viele Rezipienten selbst Kinder/Verwandte haben, die noch zur Schule gehen. Ein Amoklauf betrifft somit die Lebenswirklichkeiten von mehr Bürgern, als es Morde tun. 13 Da hinein spielt selbstverständlich auch die natürliche Angst um den eigenen, schutzlosen Nachwuchs. Überdies sind Kinder in der Opferrolle eine gern ver-wandte persuasive Strategie 14 der Medienmacher, da seit jeher die an ihnen verübten Taten eine besonders enorme Empörung erzeugen. Gleichzeitig schafft die Bezeichnung Amok(lauf) auch einen Schutzraum für die Gesellschaft, denn wenn eine blutrünstige Tat von einem Amokläufer, statt von einem gescheiterten Abiturienten (wie im Fall Steinhäuser) verübt wird, ist die psychische Krankheit eines Einzelnen schnell als Ursache ausgemacht. Damit entzieht sich die Gesellschaft der Mitverantwortung. Notwendige Gesellschaftskritik bleibt unausgesprochen und man macht weiter wie bisher oder sucht nach einfachen Lösungen wie den Killerspielen.
Dabei sticht ein wesentlich charakteristischeres Merkmal hervor, wenn man sich die Amokläufe der letzten Jahre ansieht. Die Schule als häufig gewählter Ort ergibt einen überaus passenderen Nenner als die in Verruf geratenen Spiele. Bereits vorab hat sich in den letzten Jahrzehnten ein Bedeutungswandel des Lexems vollzo-
11 Geradebei Live-Beiträgen ist oft sehr schnell, noch während der Amoklauf in vollem Gange ist, ein Kamerateam vor Ort (s. Amoklauf an der Columbine Highschool, 1999). 12 „Nichts erzeugt mehr Neugier und Interpretationen als die Verheißung des Unfassbaren in nächster Nähe [...]“ (CHRISTIANS 2008: 30). Die Medien übermitteln „den Schrecken und die Gefahr in die Nähe des Lesers […], wo sie keinesfalls sind“ (CHRISTIANS 2008: 19). 13 Das Aktivationsniveau (vgl. Schwarz 2007: 129) ist hier wesentlich höher. 14 „Persuasive Strategien sind kommunikative Verfahrensweisen, die spezifisch
rezipientenbeeinflussend, d.h. intentional auf eine bestimmte Wirkung ausgerichtet sind […]“ (SCHWARZ-FRIESEL 2007: 223).
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gen. Waren Amokläufe um die vorletzte Jahrhundertwende noch ein Spezifikum der malaysischen Kultur (wie oben dargelegt), hat sich die Denotation (die Grundbedeutung) des Wortes im letzten Jahrhundert zu (BLUTTAT MIT MEHREREN WAHLLOS AUSGEWÄHLTEN OPFERN, MÄNNLICHER, PSYCHISCH KRANKER TÄ-TER) entwickelt. Das kulturspezifische Merkmal ist verschwunden. Es wird interessant sein zu beobachten, ob sich die Denotation, aufgrund des vermehrten Auftretens von Schulmassakern, eventuell zu (BLUTTAT AN EINER SCHULE, JUN-GER/MÄNNLICHER TÄTER) in Zukunft verändern wird. Im Moment ist dies noch nicht feststellbar, höchstens auf Ebene subjektiver Assoziationen (vgl. SCHWARZ-FRIESEL 2007: 167).
Es existiert allerdings noch eine weitere Verwendungsweise des Lexems Amoklauf:
(7) Den Amoklauf des Innenministers kann jetzt nur noch das Bundeskabinett stoppen.
(8) Vielleicht sei sein Mandant sogar zum Teil unzurechnungsfähig gewesen, denn diese ständige Schwarzfahrerei könne man nur noch als 'Amoklauf' bezeichnen. (9) Sein jetziger rhetorischer Amoklauf sei Ausdruck einer „völligen Orientierungslo- sigkeitnach dem Zusammenbruch des Sozialismus". (10) Schalker Amoklauf?
In allen vier Beispielen 15 wird Amoklauf als (usuelle) Metapher (vgl. SKIRL/SCHWARZ-FRIESEL 2007: 1 bzw. SCHWARZ-FRIESEL 2007: 202) verwendet. Besonders im politischen Diskurs findet man sie häufig, wobei sie früher wesentlich häufiger gebraucht wurde als heute. Hier fand anscheinend eine Sensibilisierung innerhalb der Presse bzw. unter den Politikern statt, da heutige Amokläufe nicht zuletzt auch ein politisch intensiv diskutiertes Sujet geworden sind. Wird das Lexem dennoch benutzt, nimmt man ihm häufig die Brisanz durch ein die Bedeutung veränderndes Adjektiv (9) oder durch das Hinzufügen von Anführungszeichen 16 (8).
Abschließend bleibt die entscheidende Frage noch offen: Sind Jugendliche, die in ihrer Schule ein Blutbad anrichten tatsächlich Amokläufer? Nein, sie sind es nicht. Wie zuvor erläutert, sind Amokläufer Menschen, die in blinder Wut und ohne Plan andere Menschen töten oder verletzen. Dies trifft mitnichten auf die Mehrzahl der
15 Alle Belege stammen aus der Zeit vor dem Erfurter Amoklauf 2002.
16 Auf den Gebrauch von Anführungszeichen wird in Kapitel 4.1 eingegangen.
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Fälle zu: Die Taten wurden bewusst geplant 17 . Ihnen gingen meist bestimmte Ereignisse 18 voraus, die die Täter (aus ihrer Sicht) zum Amoklauf getrieben haben. Es wurden Waffen besorgt bzw. es wurde schon vorab das Schießen geübt. Und auch die Schule als Schauplatz auszuwählen, ist ebenfalls kein Zufall. Welchen Begriff könnte man stattdessen verwenden? Der Kriminalpsychologe und Gewaltforscher Jens Hoffmann (TU Darmstadt) deklariert ein Schulmassaker als „zielgerichtete Gewalt(tat) an [einer] Schule“ (HOFFMANN 2007: 25). In Wissenschaftskreisen mag sich dieser Terminus eventuell durchsetzen, doch als Schlagzeile auf Seite eins ist er wohl zu unhandlich. 19 Weiterhin ist er nicht weniger unpräzise. Schließlich ist zielgerichtete Gewalt an Schulen ein äußerst weites Feld. So kann man ohne weiteres auch verbales Mobbing 20 , Missbrauch durch Lehrer, Pausenhofschlägereien, usw. dazurechnen. Hoffmanns Kollege Frank J. Robertz zeigt eine Alternative auf:
„Eine Lösung findet sich jedoch in der Nutzung einer angloamerikanischen Begrifflichkeit. In den USA hat sich als pragmatisch naheliegende Bezeichnung der Terminus ‚school shooting’ eingebürgert. Er wird bereits sowohl in Massenmedien und politischen Vorträgen […], als auch in wissenschaftlichen Studien […] und auf Kongressen benutzt […] und umschreibt gleichzeitig sowohl den Ort, als auch die in der Mehrzahl der Fälle benutzte Waffe.“ (ROBERTZ 2004: 19f)
Tatsächlich hat dieser Ausdruck durch die Assonanz der Monophthonge und der Alliteration einen gewissen Wohlklang, was aber dem Ernst und der Dramatik des Ereignisses, auf das referiert wird, nicht gerecht werden würde. Die Wahrscheinlichkeit, dass er sich in Deutschland durchsetzen wird, ist somit eher gering. Zwar würde dieser Amerikanismus das generelle Vorurteil, dass derartige Erscheinungen ihren Ursprung in den „verdorbenen“ USA haben, hervorragend bekräftigen, doch wahrscheinlich könnte ihn ein Großteil der älteren Rezipienten nicht verstehen. Weiterhin weckt er nicht diese bedrohliche Angst, wie es Amoklauf schafft. Und ROBERTZ (2004: 20) gesteht selbst ein, dass der „Begriff allerdings eine gewisse Unschärfe [beinhaltet], denn von der reinen Wortbedeutung ausgehend, würden darunter beispielsweise auch Fälle von Schusswaffengebrauch an Schulen fallen, die aus Machtkämpfen zwischen Jugendbanden resultieren […].“
17 Dylan Klebold, einer der Amokläufer von Littleton (1999), schrieb vor der Tat einen Ablaufplan in sein Tagebuch (s. Abb. 1).
18 Robert Steinhäuser beispielsweise wurde nicht zu den Abiturprüfungen zugelassen und stand faktisch ohne Abschluss da (ROBERTZ 2004: 74f).
19 Selbst die Autoren des Sammelbandes, dem dieser Fachbegriff entnommen ist, nutzen weitestgehend den umgangssprachlicheren Begriff Amoklauf.
20 Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Betrachtung der durch Lehrersprache er- zeugten Gewalt (s. MIETH 2000).
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Amoklauf scheint folglich alternativlos zu sein. Warum sollten die Medien auch einen neuen Begriff einführen? Der Aktuelle ist fest etabliert und vermag durch die Angst, die er vermittelt, eine enorme Emotionalisierung (vgl. SCHWARZ-FRIESEL 2007: 212) beim Empfänger zu erreichen. Amoklauf erzielt diese Perlokution (vgl. SCHWARZ-FRIESEL 2007: 198) ungleich besser als die genannten Gegenvorschläge.
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3 Massenweise Massaker
„Auf dem betonierten Vorplatz dieser Tankstelle stand ein mittelgroßer, blonder und etwa 25jähriger Mann, der sich gerade ausruhend auf einen armdicken Holzprügel stützte, der ihm bis zur Brust reichte. […] Nur wenige Schritte hinter diesem Manne standen etwa 20 Männer, die - von einigen bewaffneten Zivilisten bewacht -, in stum- merErgebenheit auf ihre grausame Hinrichtung warteten.“ (KLEE et al. 1988: 35f) (Bericht eines Oberst zum Massenmord in Kowno, 27. Juni 1941)
In der Berichterstattung zu School Shootings begegnet dem Leser/Zuschauer neben dem Amoklauf vergleichbar häufig auch der Begriff Massaker: (11) Massaker nur durch Zufall verhindert
(12) Der Amoklauf von Winnenden. Fast alles erinnert an das Erfurt-Massaker
„Die Software zum Massaker“ titelte Frank Schirrmacher sogar in der FAZ vom 28. April 2002 mit Bezug auf den Amoklauf von Erfurt und der Tatsache, dass Robert Steinhäuser das Spiel Counter-Strike regelmäßig gespielt haben soll (MERTENS 2006: 250). Doch ist die Bezeichnung Massaker in diesem Kontext überhaupt korrekt?
Ursprünglich stammt das Wort aus dem Französischen. Le massacre bezeichnete die „Bank des Metzgers“. Dieser tranchierte darauf sein Schlachtgut mit dem massacreur, dem „Beil“. Seit dem 16. Jahrhundert hat das Wort massacre allerdings „die bis heute gültige Bedeutung extremer kollektiver Gewalt an Wehrlosen“ (BURSCHEL 2008: 110). Im deutschen Sprachraum taucht das Lehnwort dann etwa ein Jahrhundert später auf (BURSCHEL 2008: 110). Das Hauptaugenmerk bei der Beschreibung des Denotats Massaker - vor allem in der Geschichts- bzw. Politikwissenschaft - liegt auf der kollektiven Gewalt an Wehrlosen, die in einem politischen Kontext ausgeübt wird. Dies wird deutlich, wenn man sich z.B. das Inhaltsverzeichnis von Massacres - An Historical Perspective von Eric CARLTON (1994) an- sieht.Es bedarf immer politischer Rahmenbedingungen, die einen solchen „kollektive[n] Aktionsexzeß“, wie SOFSKY (1996: 178) es nennt, legitimiert. Erst dann können die Täter frei agieren, sich Zeit für ihre Grausamkeiten nehmen, denn keiner wird sie stören (SOFSKY 1996: 176-178). Das „Ziel ist die restlose Zerstörung“. „Massaker dulden keine Überlebenden“ (SOFSKY 1996: 176f). „Nichts soll übrigblei-
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ben, nichts soll mehr an die Menschen und ihre Behausungen erinnern“ (SOFSKY 1996: 176). 21
Amokläufe an Schulen sind oft auch „Schauspiele der Grausamkeit“ (SOFSKY 1996: 188), doch sie haben nur wenig mit den oben aufgeführten Merkmalen gemein. Die Täter vollziehen ihren Rachefeldzug in den meisten Fällen allein. 22 Sie sind Einzelgänger und ihr Hass richtet sich meist gegen ganz bestimmte Personen, die ihr eigenes Schicksal entscheidend beeinflusst haben. 23 Robert Steinhäuser ermordete beispielsweise ausschließlich Lehrer bzw. Vertreter des Verwaltungspersonals der Schule. Zwar wurden auch zwei Schüler getötet, doch dies geschah aller Ansicht nach unbeabsichtigt. Natürlich fehlt bei solchen Amokläufen auch die politische Legitimierung, so dass die Täter für ihre Gräueltaten meist wenig Zeit zur Verfügung haben, bevor die Polizei eintrifft. Es handelt sich also nie um einen geschlossenen Ort (vgl. SOFSKY 1996: 178), der ihnen Raum für jedwede Grausamkeiten bietet. 24 Daher ist der Grad der Brutalität im Vergleich zum politischen Massaker auch eher gering einzuschätzen. Sicherlich ist es etwas bedenklich die Schwere einer Tat nur an den Kriterien Opferzahl und Grausamkeit festzumachen, doch ein Ereignis, bei dem 14 Menschen (im Fall Erfurt) getötet wurden, mit demselben Wort zu bezeichnen, wie z.B. das Massaker von Babi-Yar (29./30.9.1941), dem 33.771 Juden zum Opfer fielen (KLEE et al. 1988: 66), ist schlichtweg unangebracht, unverhältnismäßig und aus wissenschaftlicher Sicht auch einfach falsch. Ähnlich konträr verhält es sich mit dem häufig im Anschluss an einen Amoklauf stattfindenden Suizid des Täters. Auch dies passt nicht zum typischen Ablauf eines Massakers.
Wie sich zeigte, ist die tatsächliche Schnittmenge zwischen Schulmassakern und politischen Massakern äußerst gering. Wie erklärt sich nun die falsche Verwendung? Es können diesbezüglich nur Vermutungen angestellt werden, doch offen- 21 BeimMassenmord von My Lai (16. März 1968) wurden neben den 504 Vietnamesen (Frauen und Kinder eingeschlossen) auch deren Häuser und sogar deren Vieh abgeschlachtet (WELZER 2 2005: 220f).
22 Eine Ausnahme bildet hier u.a. das Attentat von Littleton (1999). Die Freunde Eric Harris und Dylan Klebold töteten damals 13 Menschen und anschließend sich selbst. 23 SOFSKY (1996: 184) dagegen konstatiert für das politische Massaker, dass „Haß oder Wut […] keine notwendigen Bedingungen für das Gemetzel [sind]. Es ist die Aktion selbst, die sie packt […].“
24 Es bleiben immer Zeugen zurück, die die Erinnerung an die Taten behalten werden. Gerade das soll üblicherweise vermieden werden, wie man am Beispiel der Deportationen der Juden gut nachvollziehen kann. Sie wurden (in der Regel) nicht direkt in Sichtweite des deutschen Volkes ermordet, sondern zunächst weggebracht und dann ermordet.
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sichtlich nutzt ein Großteil der Medien diesen Terminus als persuasive Strategie, um die Leser/Zuseher zu emotionalisieren - in diesem Fall zu schockieren. Der Empfänger (Rezipient) liest das Wort Massaker und aktiviert gleichzeitig das Konzept, das er im Langzeitgedächtnis (LZG) abgespeichert hat. Dem Nicht-Historiker dürften dann wahrscheinlich folgende Informationen präsent sein: BESONDERS GRAUSAMES VERBRECHEN MIT VIELEN TOTEN. Dieses enzyklopädische Wissen (vgl. SCHWARZ-FRIESEL 2007: 38) ist von Rezipient zu Rezipient verschieden. Wie oben beschrieben dürfte ein Historiker zusätzlich noch weitere Dinge damit assoziieren. Doch auch er wird sich der Wirkung nur schwer entziehen können. Viele Tote, ein Blutbad usw., das sind Ingredienzien, die Quote bzw. Auflage bringen. Und gerade die Deutschen mit ihrer Vergangenheit, die sich ins kollektive Gedächtnis eingemeißelt hat, werden durch solche Schlagzeilen besonders angesprochen. Doch der vermehrte Gebrauch des Wortes Massaker birgt auch einige Gefahren für die Produzenten derartiger Artikel/Beiträge - die Gefahr der Abnutzung und das damit einhergehende Abfallen des Grades der Emotionalisierung. Einfacher gesprochen: Das Publikum stumpft ab. Auch der Begriff selbst verliert an Ausdruckskraft. So wird er auch in alltäglich banalen Kontexten verwandt, die mit der eigentlichen Bedeutung nur noch im übertragenen Sinn etwas zu tun haben. Das Wort wird zur Metapher: (13) Das Knetpuppen-Massaker (14) Sitzschalen-Massaker im badenova-Stadion (15) Fußball-Fernbedienungs Massaker! (16) Massaker im Kleiderschrank
Häufig findet man Massaker wie in (13), (14) und (15) als Kompositum in Überschriften. Der Determinans 25 schränkt dabei die 2. UK in ihrem semantischen Geltungsbereich ein (RÖMER/MATZKE 2 2005: 73) und schwächt in den oben aufgeführten Beispielen die eigentliche Wirkung des Wortes Massaker ab. In (16) ergibt sich die Bedeutung aus dem Kotext. Alle vier Belege stammen aus Artikelüberschriften. Das macht einmal mehr deutlich, dass die Verwendung des Wortes meistens die Erregung von Aufmerksamkeit auf Rezipientenseite zum Ziel hat. Zugebenermaßen muss man festhalten, dass derartige Beispiele relativ selten sind. Den meisten Produzenten scheint demnach die Brisanz des Wortes in einer anderen als der originalen Verwendungsweise bewusst zu sein.
25 Der Determinans (auch Modifikator genannt) ist die 1. unmittelbare Konstituente (UK) eines Determinativkompositums (RÖMER/MATZKE 2 2005: 73).
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Bleibt abschließend die Frage zu beantworten, welche Alternative man in Bezug auf School Shootings nutzen sollte: Blutbad, Gemetzel, Abschlachtung oder gar (Mas-sen-)mord? Die ersten drei Lösungen lassen eine extreme Grausamkeit vermuten, die wie oben geschildert, meist nicht der Fall ist. Der vierte Vorschlag ist ebenfalls wenig praktikabel, da die Opferzahlen von Amokläufen im Vergleich eher gering ausfallen und eine solche Tat als einfachen Mord bzw. Mehrfachmord zu deklarieren, grenzt das Ereignis zu wenig von anderen Tötungsdelikten ab. Weiterhin hat sich die Bezeichnung Massaker unter Umständen bereits zu stark etabliert und ein sensiblerer Umgang mit dem Wort ist, unter dem Druck Zeitungen verkaufen zu müssen, eher unwahrscheinlich.
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4 Spielen Killer »Killerspiele«?
4.1 Ein Begriff ohne Inhalt?
Seit Erfurt 2002, dem ersten größeren Schulmassaker in Deutschland, ist die Diskussion über Schul-Amokläufe untrennbar gekoppelt an die Kritik von Killerspielen. So heißt es u.a. im Koalitionsvertrag zwischen der CDU/CSU und der SPD aus dem Jahre 2005, dass ein „Verbot von ‚Killerspielen’“ erörtert werden soll (CDU/CSU/SPD 2005: 105) 26 . Eine Definition des Begriffs sucht man vergeblich. 27 Was ist ein Killerspiel? Bayerns ehemaliger Innenminister Günther Beckstein (CSU) antwortete darauf in einem Interview, dass Killerspiele Spiele seien, „in denen es alleine darum geht, am Bildschirm grausame oder die Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeiten zu begehen“ (PILZWEGER 2006). Diese Definition klingt schlüssig, kann sich aber nicht auf die aktuell diskutierten Killerspiele beziehen, da gewaltverherrlichende Videospiele von der BPjM (Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien) schon jetzt indiziert werden können bzw. worden sind. 28 Die in der Presse oft sehr scharf angegriffenen Spiele wie Counter-Strike sind allerdings frei erhältlich. Sie ermöglichen dem Spieler zwar derartige Grausamkeiten zu begehen, doch hat Gewalt für den normalen Nutzer lediglich funktionalistischen Charakter, um in den einzelnen Levels voranzukommen (HARTMANN 2006: 81). 29 Doch Killerspiele diskreditiert die gesamte Branche & deren Kunden, indem es eben das Spielen solcher Spiele auf das stumpfe Töten reduziert. Die Denotation des Lexems ist durch die einseitige Darstellungsweise in der Öffentlichkeit bereits stark negativ konnotiert. Man kann sogar soweit gehen, dass die semantische Repräsentation (vgl. Schwarz-Friesel 2007: 166f) des Lexikoneintrags im Langzeitgedächtnis (LZG) zu Killerspiel ohne jenes wertende Element nicht denkbar ist. Diese Negativwirkung wird (neben der Referenz des Lexems auf
26 Vier Jahre später heißt es überraschenderweise im Koalitionsvertrag zwischen der Union und der FDP: „Computerspiele sind ein selbstverständlicher Teil unserer Alltagskultur geworden“ (CDU/CSU/FDP 2009: 72).
27 Es ist wohl evident, dass jede Generation über Computerspiele, und im Speziellen über Killerspiele, ein eigenes Tokenkonzept (vgl. SCHWARZ/CHUR 4 2004: 25) im LZG abgespeichert hat. Bedenkt man, dass viele Politiker nahezu keine direkten Erfahrungen mit Videospielen gemacht haben, ist das natürlich eine äußerst schlechte Ausgangssituation für eine Debatte. 28 Werden derartige Medien dennoch verbreitet, droht eine Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr (s. StGB § 131).
29 Zusätzlich ist die „[...] Kategorie ‚Killerspiel’ irreführend. Denn wenn man von lustigen Fingerübungen wie Tetris einmal absieht, handeln Computerspiele seit ihren Anfängen von der Aus- schaltung des Gegners“ (ROSENFELDER 2008: 120).
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Gewaltspiele und Amokläufe) durch die erste unmittelbare Konstituente (UK) Killer erreicht. CARSTENSEN (1994: 771-775) verzeichnet in seinem Anglizismen-Wörterbuch unter dem Eintrag Killer nur negativ konnotierte Bedeutungen. Auch Killerspiele zählen dazu. CARSTENSENs (1994: 774) frühester Textbeleg stammt aus dem Jahr 1982 (FAZ vom 26. 8.). Dort steht jedoch nicht das Töten von Menschen im Mittelpunkt, sondern das Abschießen von Raumschiffen. Dass sich Killerspiel auf Spiele, in denen gemordet wird, bezieht, ist allerdings nur eine mögliche Lesart. Versteht man es als brutales Videospiel, ist es aus linguistischer Sicht ein Determinativkompositum (vgl. RÖMER/MATZKE 2 2005: 73). Die zweite UK Spiel (das Determinatum) ist der Kopf (Head). Killer (der Determinans) ist der Modifikator. Er schränkt die zweite UK in ihrem Geltungsbereich ein (RÖ- MER/MATZKE 2 2005:73). Bei dieser Lesart handelt es sich demnach um ein Spiel, in dem das Töten das Hauptmerkmal darstellt. Doch die semantische Relation der Konstituenten von Komposita, ist, wie ALTMANN/KEMMERLING ( 2 2005: 51) bemerken, oft sehr vage. Sie ergibt sich meist durch den am häufigsten gebrauchten Verwendungskontext. Diesem entspricht die gerade Genannte. Darüberhinaus kann man Killerspiel auch als Spiel eines Killers verstehen, also eine Beschäftigung, der ein Killer in seiner Freizeit nachgeht. 30 Diese Lesart kommt einer Kriminalisierung der gesamten Spielerschaft gleich. 31 In Bezug auf den gerne geäußerten Vorwurf, viele Spieler könnten Virtualität und Realität nicht trennen, ist diese Interpretation geradezu paradox. So unangebracht der Begriff demzufolge auch ist, durch den inflationären Gebrauch in jeder Diskussion zu diesem Thema ist er nur schwer auszumerzen. Doch zumindest die Schriftsprache bietet ein paar wenige Möglichkeiten, sich von ihm zu distanzieren:
(17) Dort finden Sie unter anderem Unterschriftenlisten gegen »Killerspiele« und Faustfeuerwaffen, sowie den offiziellen Song des Bündnisses. (18) Wenn in Deutschland die so genannten »Killerspiele« am Pranger stehen, dann fällt über kurz oder lang ein Name: Counter-Strike.
In (17) wurde Killerspiele in Anführungszeichen gesetzt. Man spricht in diesem Fall von „modalisierenden Anführungszeichen“ (vgl. KLOCKOW 1978: 15). Sie signalisie-
30 DerKopf Spiel ist hier ein Derivat des Verbs spielen. Gemäß der Argument-Prädikat-Relation der so genannten Rektionskomposita (eine Unterklasse der Determinativkomposita, vgl. RÖ- MER/MATZKE 2 2005:76) fordert der Kopf einen Agens. Dies wäre Killer. Die anderen Argumente (Adressat, Thema) werden, wie üblich bei Determinativkomposita, aufgrund der Binarität nicht realisiert (RÖMER/MATZKE 2 2005: 76).
31 Besonders die Schreibweise Killer-Spiel befördert eine solche Auslegung. Der Bindestrich hebt die einzelnen Elemente nochmals „expressiv“ hervor (FLEISCHER/BARZ 2 1995: 143).
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ren, dass „sich der Sprecher nicht völlig mit dem markierten Ausdruck identifiziert. […] Der Schreiber gebraucht gewissermaßen den Ausdruck, ohne ihn gebrauchen zu wollen“ (ebd.). Ähnlich der Verwendung von konventionellen Anführungszeichen (u.a. für Zitate) weist der Autor „die volle Verantwortung für den markierten Teil der Äußerung“ von sich (ebd.). „Durch Setzung von AZ [Anführungszeichen] kommt der Schreiber dem Leser entgegen; er gibt eine Interpretationshilfe […]“ (KLOCKOW 1978: 17). Gerade engagierte Redakteure von Spielemagazinen achten akribisch auf die Schreibung, da es sich ganz offensichtlich um einen elementaren Bestandteil ihres Lebens handelt, der angegriffen wird. Sie möchten, dass der Leser den Begriff hinterfragt. 32 Die Anführungszeichen bzw. deren Fehlen erweisen sich auch als guter Indikator, welche Einstellung der Produzent eines Textes zu Killerspielen hat. So stammt (19) beispielsweise von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU):
(19) Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Miteinander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet.
Eine Alternative stellt „so genannte“ in (18) dar. Es besitzt die gleiche modalisierende Funktion wie die Anführungszeichen.
32 Anführungszeichen werden „oft gerade deshalb gesetzt, weil kein treffenderer Ausdruck vor- handen ist […]“ (KLOCKOW 1978: 21).
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4.2 Kurzer Exkurs: Wenn aus Mördern Killer werden
Die in Kapitel 4.1 angesprochene pejorative Konnotation von Killer in Killerspielen ergibt sich nicht nur aus dessen Grundbedeutung, sondern auch aus dessen Herkunft. Es ist ein Anglizismus, wobei man gerade brutale (Serien-)killer noch etwas stärker mit der amerikanischen Kultur assoziiert. Daher möchte ich, unter Berücksichtigung dieser soziokulturellen Komponente, es als Amerikanismus bezeichnen. Es ist zu vermuten, dass es kein Zufall ist, dass Killerspiele Killerspiele genannt werden und nicht Mörderspiele oder Todesspiele. Hierhinter verbirgt sich, so lässt sich mutmaßen, die tief verankerte Skepsis und teilweise Ablehnung gegenüber der US-amerikanischen Massenkultur (STEPHAN 2006: 36). Diese weist im Gegensatz zur so genannten europäischen Kultur keine derart strikte Trennung zwischen Massen- und Hochkultur auf. Durch den Einfluss des Amerikanischen entwickelte sich gerade unter den Älteren die Befürchtung eines Kultur- bzw. Sprachverfalls. Das ist keine neue Erscheinung. Schon 1909 beklagt der Studienrat Hermann Dunger (1843-1912) in seiner Schrift Engländerei in der deutschen Sprache den „Amerikafimmel“ (VIERECK 1986: 110) der Deutschen:
„Für manchen jungen Deutschen ist es das höchste Ziel seines Ehrgeizes, für einen Engländer gehalten zu werden. Wie der Deutsche früher der Affe des Franzosen war, so äfft er jetzt den Engländern nach.“ (DUNGER 1989: 3)
Abgesehen davon, dass sowohl Englisch als auch Deutsch zur westgermanischen Sprachfamilie gehören (VIERECK et al. 2002: 51), ist der Vorwurf absolut absurd, denn „unsere Sprache (ähnlich dem Englischen oder dem Französischen) [ist] im starkem Maße eine Mischsprache […] und schätzungsweise 80 Prozent der Wörter unseres aktuellen Wortschatzes [haben] ihren Ursprung in anderen Sprachen […]“ (HELLER 2002: 185). Von Sprachverfall kann somit keine Rede sein. Während vor einigen Jahrhunderten Latein und Französisch unsere Sprache bereicherten, hat derzeit das Englische diese Vorbildrolle inne. Nicht außer Acht lassen darf man ebenfalls die historischen Fakten. Erst zwei von Deutschland angezettelte Weltkriege bereiteten den Boden für eine Landung des Amerikanischen in der Alten Welt. Deutschland verlor vor allem in der Wissenschaft an sprachlichen Einfluss. Man denke nur an Nietzsches Übermensch, der als Superman ins Englische entlehnt wurde (EICHHOFF 2002: 276).
Mit der Ablehnung des fremden Kultureinflusses korrespondiert die gleichzeitig ablehnende Haltung gegenüber der eben durch Amerika so stark beeinflussten
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Jugendkultur. In ihr meinen die älteren Bürger den zukünftigen Verfall ihres Landes/ihrer Sprache bereits erkennen zu können. Für sie sind die Killerspiele ein Indiz für diese Befürchtungen.
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4.3 »EGO-Shooter« für »EGOisten«?
Wie in Kapitel 4.1 deutlich wurde, können bei einer bestimmten Lesart des Wortes Killerspiele deren Nutzer kriminalisiert bzw. stigmatisiert werden. Daher sind die Spielebranche und die Computerspielmagazine auch darum bemüht, mit diesem Begriff äußerst behutsam umzugehen, indem man ihn meist in Anführungsstriche setzt oder erst gar nicht verwendet. Leider erschweren sich die Anhänger von Computerspielen allerdings häufig selbst die Diskussion. So hat sich der Genrebegriff Ego-Shooter 33 in den letzten Jahren im Sprachgebrauch etabliert und auch in der Bevölkerung durch die Amokläufe und die damit verbundene Diskussion um Killerspiele an Verbreitung gewonnen. Unter Ego-Shooter ist dabei ein actionreiches Spiel zu verstehen, bei dem der Spieler die Spielfigur aus der so genannten Ego-Perspektive, also aus der Ich-Perspektive, steuert. Der Spieler nimmt die Spielumgebung quasi durch die Augen des Protagonisten wahr, was einen höheren Grad an Identifikation bietet als die so genannten Third-Person-Shooter, die die Über-die-Schulter-schauen-Perspektive nutzen. 34 Der Gewinn an einer größeren Identifikation bei Ego-Shootern bietet allerdings auch das Material für einen konstanten Kritikpunkt der Gesellschaft an jenen Spielen, denn wenn der Spieler sich in den Protagonisten hineinversetzt, wird er zum Schützen (Shooter). 35 Offenkundig nur in der virtuellen Welt, doch für Vertreter der Theorie, dass einige Spieler Schwierigkeiten hätten, Realität und Virtualität zu differenzieren, ist die Ich-Perspektive selbstredend eine hervorragende Argumentationsbasis für die Vermutung der wahrscheinlichen Übertragung von gewalttätigem Verhalten ins eigene, wirkliche Leben. 36
Darüber hinaus ist die Wahl der 1. UK Ego äußerst ungünstig. Zwar bedeutet das lateinische ego „ich“ (SEEBOLD 24 2002: 227), doch das Wort erfuhr in den letzten
33 Auch hier ist, wie bei Killerspiele, eine UK des Kompositums ein Anglizismus. Dieser dient aber im Fall von Ego-Shooter nicht der Kritik an der amerikanisierten Jugend, sondern ist wohl auf den richtungsweisenden Einfluss der amerikanischen Spieleindustrie zurückzuführen. 34 Ego-Shooter sind keine allzu neue Erscheinung in der Spielewelt. Eine besonders wegweisende Rolle spielte dabei Doom aus dem Jahre 1993 (MERTENS/MEIßNER 2006: 171). 35 Die Bezeichnung Ego-Shooter ist hierbei jedoch ein sehr oberflächlich gewähltes Unterscheidungsmerkmal, denn sie referiert lediglich auf die Perspektive und auf das Schießen. Mancher Kritikermeinung mag das beipflichten, dennoch bleibt die eigentliche inhaltliche Gestaltung des Spiels völlig außen vor. Das Schießen ist für den normalen Nutzer lediglich Mittel zum Zweck, um im Spielverlauf voranzukommen und die Ich-Perspektive nur ein eher nebensächliches stilistisches Kriterium.
36 Dabei findet man den Terminus Ich-Perspektive bereits in der Erzähltheorie. Auch hier bietet der Ich-Erzähler ein hohes Maß an Identifikationspotenzial (MARTINEZ/SCHEFFEL 7 2007: 90).
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Jahrhunderten einen Bedeutungswandel. Laut SEEBOLD ( 24 2002: 227) wurde égoïsme im 18. Jahrhundert aus dem Französischen entlehnt, später zu Ego verkürzt. Im Deutschen diente es zunächst als Bezeichnung „der später Solipsismus genannten philosophischen Richtung“ (SEEBOLD 24 2002: 227). Wann es genau ein Synonym für Selbstsucht wurde, ist schwer zu beurteilen. Nichtsdestoweniger ist der Begriff Ego/Egoismus heute ein Pejorativum (vgl. SCHWARZ-FRIESEL 2007: 135), ein negativ konnotiertes Wort. Es steht für eine Charaktereigenschaft eines Menschen, der extrem eigensüchtig, selbstverliebt und nur auf seinen eigenen Vorteil bedacht ist. 37 Man kann allerdings soweit gehen und behaupten, dass das Negativmerkmal heute bereits im Denotat fest verankert ist. Dies ist vergleichbar mit dem Beispiel Nigger (s. SCHWARZ-FRIESEL 2007: 166), bei dem „das Pejorative gar kein Zusatz, sondern integraler Bestandteil der Bedeutung“ ist. Die Spieleindustrie in Deutschland hat sich mit der Wahl dieses Begriffes demnach absolut keinen Gefallen erwiesen. Besser gelöst haben es die Amerikaner. Dort nennt man ein Spiel gleicher Gattung first-person shooter (FPS). Dieser Terminus erinnert noch stärker an die Erzähltheorie, wo der first-person narrator eine von drei möglichen Erzählinstanzen darstellt. 38 Auch für die deutschen Videospielmagazine ist die Genrebezeichnung Ego-Shooter fester Bestandteil ihres Vokabulars. Das PC-Spiele-Magazin GameStar 39 beispielsweise unterteilt den Bereich Action u.a. in die Sub-Genres Actionspiel, Taktik-Shooter und Ego-Shooter (s. Abb. 2). Diese Differenzierung ist mehr als unglücklich gewählt. So ist ein Ego-Shooter auch ein Actionspiel und in einem Taktik-Shooter spielt man auch in der Ich-Perspektive. Im Jahre 2001 nutzte man die Be- zeichnung„3D-Action“ (s. Abb. 3), die allerdings noch weniger Unterscheidungsmöglichkeit bot als der jetzige Begriff, da schon damals die Mehrheit der Actiontitel eine dreidimensionale Darstellung nutzte.
37 Die Psychologie nennt dies Narzissmus. Bei seinen Patienten konstatierte FREUD (2009: 52) u.a. die Charakterzüge „Größenwahn und die Abwendung ihres Interesses von der Außenwelt […]“. Dies trifft sicher auf viele Amokläufer zu, doch führt es im Zusammenhang mit Spielern, die Ego-Shooter spielen, zu einer Verschärfung des Generalverdachts, dass diese Art Spiel Neurosen entstehen lässt bzw. befördert.
38 Dass der Amerikaner per se eine andere Einstellung zu Gewalt und Waffen hat, ist allgemein bekannt. Dagegen führt man in den USA andere Kämpfe, so z.B. die Debatte über die Darstellung von Sex in Videospielen.
39 Nach dem von der Axel Springer AG herausgegebenen Magazin Computer Bild Spiele ist GameStar mit einer Auflage von 152.671 Exemplaren pro Monat das zweitstärkste Fachmagazin für Video- spiele (STEINLECHNER 2009).
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Abschließend muss wieder die Frage nach den Alternativen gestellt werden: wie gesehen, ist Abgrenzung der einzelnen Genres äußerst schwierig. Selbst in einem Fußballspiel kann man ein hohes Maß an Action vorfinden und mancher Shooter lädt den Spieler bewusst zum Schleichen statt zum Töten ein, um weiterzukommen. Persönlich hoffe ich, dass man die Unterteilung mehr an den Inhalten der Spiele ausrichtet. Das würde auch der Entwicklung des Videospiels als Kulturgut durchaus dienlich sein. Z.B. Weltkriegsspiel, Gangsterepos oder Science-Fiction würden hier besser klingen als Ballerspiel. Letztere Bezeichnung findet man häufig in der Killerspiel-Debatte (20), aber auch besonders in Texten (21), die den vermeintlich stupiden Charakter 40 eines solchen Spiels hervorheben wollen. (20) Das Ballerspiel des Amokläufers (21) Das Ballerspiel "Moorhuhn" wird zehn Jahre alt
40 Dieses Vorurteil wird durch die umgangssprachliche Bedeutung des Wortes ballern, die nach SEEBOLD ( 24 2002: 86) „(herum-)schießen“ ist, bekräftigt.
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5 Fazit
Es hat sich gezeigt, dass in den Diskussionen 41 über Schulamokläufe und Killerspiele einige brisante Wörter im Gebrauch sind, die „die sprachliche Verständigung [deutlich] erschweren“ (Strauß et al. 1989: 9). Statt zu einer Lösung des Problems zu führen, verschärfen sie eher die Fronten zwischen den alten und jüngeren Generationen. Killerspiel ist ein wahrhaftiges Stigmawort 42 (vgl. MUSOLOFF 2005: 309), das wohl nie die (implizite) negative Bewertung verlieren wird, die es auf den Referenten überträgt. 43 Auch Massaker und Amoklauf werden nur schwer zu ersetzen sein. Doch zumindest in Bezug auf die Akzeptanz von Computerspielen verspricht die Zukunft bessere Aussichten. HARTMANN (2004: 9) sieht in ihrer Entwicklung deutliche Überschneidungen mit der Geschichte des Films. Beide galten zunächst als eher minderwertig und dienten lediglich der Unterhaltung. Auch die Kritik, der Rezipient könne unter Umständen die Grenze zwischen Realität und Fiktion nicht mehr wahrnehmen, ist eine Behauptung, die es nicht erst seit der Existenz von Computerspielen gibt. Langfristig dürften sich Computerspiele als Kulturgut durchsetzen. Dann dürften auch sprachliche Fehlleistungen wie Killerspiele der Vergangenheit angehören. Wie üblich sind die USA in dieser Frage schon einen Schritt weiter. Dort hat die Library of Congress einen Kanon der zehn wichtigsten Computerspiele aller Zeiten erstellt; darunter auch Actiontitel wie Doom (BÄßLER 2007: 93). Aber auch Deutschland hat einen ersten Schritt getan. Seit letztem Jahr wird jährlich der Deutsche Computerspielpreis vergeben.
41 Es ist „ein medienkritisches Grundschema […], wonach solche Debatten vornehmlich im soziokulturellen Umfeld der Durchsetzung von neuen Medien geführt werden“ (ANDREE 2006: 16). 42 Der Verdacht liegt nahe, dass die traditionellen Medien diesen Begriff bewusst nutzen, da durch das neue Medium auch eine neue Konkurrenz entstanden ist.
43 Auch andere vermeintlich gewalthaltige Kunstwerke erfuhren oft harsche Kritik. Prominentestes Beispiel: Goethes Die Leiden des jungen Werther. Im Jahr der Veröffentlichung kam es in einer Reihe deutscher Städte zum Verbot, da man den Text als Anleitung zum Suizid missinterpretierte (ANDREE 2006: 13).
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Amoklauf Winnenden
So schlampig sicherte Tims Vater seine Munition Kombination für Waffen-Safe war Geburtsdatum
18.03.2010
Von R. MÜHLEBACH und T. NIEDERMÜLLER
Seine Schlamperei soll den Amoklauf von Winnenden (16 Tote) erst ermöglicht haben. Jörg K. (52), der Vater von Amokläufer Tim K. († 17), hatte u.a. die Tatwaffe hinter Pullovern versteckt. Durch eine weitere Nachlässigkeit kam sein Sohn möglicherweise an die 300 Schuss Munition, mit der er das Blutbad anrichten konnte.
Der Zahlen-Code zum Waffenschrank (12015903) basierte auf dem Geburtsdatum des Vaters (12. Januar 1959) und seiner Adresse (Hausnummer 3). Das geht aus neuen Akten hervor, die BILD-Stuttgart vorliegen.
Der Ludwigsburger Sicherheits-Experte und Tresor-Spezialist Oliver Berberich (41, „Sicherheitsteam International“): „Wer so etwas macht, kann seinen Waffenschrank gleich offen stehen lassen. Es ist erschreckend, wie viele Leute es trotzdem tun.“ Absurd: Diese neue Wende könnte Tims Vater vor Gericht sogar entlasten. Sein Anwalt Hans Steffan (52): „Der Amoklauf hätte auch seitens des Angeschuldigten durch Anwendung pflichtgemäßer Sorgfalt nicht vermieden werden können. Da seinem Sohn möglicherweise der Code für den Waffenschrank, in dem sich auch die Munition befand, bekannt war, ohne dass der Angeschuldigte dies hätte ahnen können...“
Heißt auf deutsch: Der Amoklauf wäre so oder passiert. Jetzt will das Landgericht prüfen, ob der Tatvorwurf „fahrlässige Tötung in 15 Fällen“ fallen gelassen werden muss.
http://www.bild.de/BILD/regional/stuttgart/aktuell/2010/03/18/amoklaufwinnenden/so-schlampig-sicherte-tims-vater-munition.html (26.03.2010)
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Ein Lehrer wurde getötet
Amoklauf an Berufsschule in Ludwigshafen
zuletzt aktualisiert: 18.02.2010
Ludwigshafen (RPO). Wieder ein tödlicher Amoklauf an einer Schule: Ein 23-Jähriger hat am Donnerstag an einer Technischen Berufsschule in Ludwigshafen einen Lehrer offenbar mit Messerstichen getötet. Der mutmaßliche Täter wurde noch am Tatort festgenommen und umgehend verhört, wie Polizeisprecher Norbert Steitz der Nachrichtenagentur DAPD sagte. Angaben eines Schülers unterrichtete der Lehrer an der Berufsschule Malen und Lackieren. Ein weiterer Schüler sagte, bei der Flucht aus dem Gebäude habe er den Lehrer schwerverletzt im Treppenhaus liegen sehen.
Zu der Frage, ob es sich bei dem Täter um einen Schüler oder Ex-Schüler der Berufsschule handelt, machte die Polizei zunächst keine Angaben und verwies auf das laufende Verhör. Zur Art der Waffe sagte Polizeisprecher Michael Lindner: "Keiner ist durch Schüsse verletzt oder getötet worden." Berichte, wonach der junge Mann auch eine Schreckschusspistole bei sich hatte, bestätigte die Polizei zunächst nicht. Zeuge berichtet von Bengalofeuer
Laut Polizei ereignete sich die Tat gegen 10.00 Uhr in dem Schulkomplex, der von 3.200 Schülern besucht wird. Allein auf die betroffene Technische Schule gehen 1.500 Schüler. Der Komplex liegt südwestlich der Innenstadt in unmittelbarer Nähe zur Fachhochschule und weiteren Bildungseinrichtungen. Es sei gelungen, die Schule rasch zu räumen, betonte die Polizei. Ein Großaufgebot von Einsatzkräften riegelte den Tatort ab. Schüler und Eltern würden psychologisch betreut, um 11.00 Uhr wurden die Schüler nach Hause geschickt. Die Durchsuchung des Gebäudes lief gegen 14.00 Uhr noch.
Ein Berufsschüler sagte der örtlichen Zeitung "Rheinpfalz Online": "Wir saßen im Unterricht, als plötzlich jemand bemerkt hat, dass auf dem Gang ein Bengalofeuer brannte. Fünf Minuten später gab es Feueralarm, und wir mussten alle das Gebäude verlassen." Vom eigentlichen Geschehen habe er aber nichts mitbekommen. Das sogenannte Bengalische Feuer, das häufig in Fußballstadien zu sehen ist, ist ein pyrotechnisch erzeugtes Licht, das Entzünden ist nur in Ausnahmefällen erlaubt.
Erinnerungen an Winnenden
"Spiegel Online" zitierte einen weiteren Schüler mit den Worten, beim Alarm während der zweiten Stunde habe er zunächst an einen Feueralarm gedacht, dann hätten Gerüchte von einem Amoklauf die Runde gemacht. Um 15.00 Uhr wollten Polizei und Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz über Einzelheiten informieren.
Die Tat weckt Erinnerungen an den Amoklauf von Winnenden in Baden-Württemberg am 11. März 2009: An diesem Tag hatte der 17-jährige Tim K. in seiner Schule und auf seiner Schule und auf seiner anschließenden Flucht 15 Menschen erschossen, ehe er selbst von der Polizei getötet wurde.anschließenden Flucht 15 Menschen erschossen, ehe er selbst von der Polizei getötet wurde.
http://www.rp-online.de/panorama/deutschland/Amoklauf-an-Berufsschule-in-Ludwigshafen_aid_821568.html (26.03.2010)
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19.11.2007
Chronik
Die schlimmsten Amokläufe an Schulen
Die beiden Schüler, die den Mehrfachmord am Kölner Gymnasium planten, orientierten sich offenbar an bereits erfolgten Bluttaten anderer Amoktäter. Mehrfach kam es an Schulen in den vergangenen Jahren zu regelrechten Massakern - weltweit.
13. März 1996: Im schottischen Dublane eröffnet ein Amokläufer das Feuer in der Turnhalle einer Schule. 16 Kinder und ihre Lehrerin werden getötet. Der Täter begeht Selbstmord.
20. April 1999: An der Columbine-Schule in Littleton im US-Bundesstaat Colorado erschießen zwei schwarz gekleidete und vermummte Jugendliche zwölf Mitschüler und einen Lehrer. Danach begehen sie Selbstmord.
26. April 2002: Der 19-jährige Robert Steinhäuser dringt in das Gutenberg-Gymnasium in Erfurt ein, erschießt 16 Menschen und tötet sich schließlich selbst. Die meisten der Opfer sind Lehrer.
21. März 2005: In Red Lake im US-Bundesstaat Minnesota richtet ein Jugendlicher in einer Schule ein Blutbad an und begeht anschließend Selbstmord. Neun Menschen sterben, unter ihnen fünf Schüler und eine Lehrerin. Zuvor hatte der Schüler seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin getötet.
2. Oktober 2006: Ein Amokläufer dringt in die Dorfschule in Nickle Mines im US-Bundesstaat Pennsylvania ein und ermordet dort fünf Mädchen der Religionsgesellschaft der Amish. Nach der Tat nimmt sich der 32-Jährige das Leben.
20. November 2006: Ein 18-jähriger ehemaliger Schüler schießt an einer Realschule in Emsdetten im Münsterland um sich und verletzt 37 Menschen, bevor er sich selbst eine Kugel in den Kopf jagt. Der Täter verfasste einen Abschiedsbrief im Internet.
16. April 2007: Beim bislang blutigsten Amoklauf an einer US-Hochschule sterben an der Virginia Tech in Blacksburg mindestens 33 Menschen, unter ihnen der Täter. Der aus Südkorea stammende, 23 Jahre alte Cho Seung Hui erschießt 27 Studenten und fünf Hochschullehrer und verletzt außerdem 20 weitere Menschen.
7. November 2007: Der 18-jährige Abiturient Pekka-Eric Auvinen erschießt am Jokela-Gymnasium in der finnischen Stadt Tuusula acht Menschen, bevor er sich selbst tötet. Er feuert insgesamt 69 Kugeln ab. Seine Tat kündigte er Stunden zuvor im Internet an. nsu/AFP
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,518191,00.html
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Chronik
Die blutigsten Amokläufe an Schulen und Universitäten
7. November 2007
16. April 2007: Ein Amokläufer erschießt in der Technischen Universität in Blacksburg im US-Bundesstaat Virginia 32 Studenten und Lehrkräfte. Beim Eintreffen der Polizei nimmt sich der 23jährige Englisch-Student aus Südkorea das Leben.
20. November 2006: Im nordrhein-westfälischen Emsdetten eröffnet ein 18-Jähriger das Feuer in seiner ehemaligen Schule. Elf Menschen werden verletzt, bevor der Täter Selbstmord begeht.
2. Oktober 2006: Der Fahrer eines Lieferwagens eröffnet das Feuer im Klassenzimmer einer Schule der Amish-Sekte. Fünf Mädchen werden getötet, fünf weitere verletzt.
21. März 2005: Nach tödlichen Schüssen auf seinen Großvater und dessen Lebensgefährtin erschießt ein 16-jähriger Amokläufer in der Red Lake High School im US-Bundesstaat Minnesota sieben Menschen. Danach tötet er sich selbst.
Februar 2002: Im bayerischen Freising erschießt ein Schüler nach seinem Rauswurf aus einer Handelsschule drei Menschen.
26. April 2002: Ein 19-jähriger Schüler richtet ein Blutbad am Erfurter Gutenberg-Gymnasium (Thüringen) an. Er tötet zwölf Lehrer, zwei Schüler, eine Sekretärin und einen Polizisten. Dann erschießt er sich selbst. Er war der Schule verwiesen worden.
Juni 2001: In Japan ersticht ein Mann an einer Grundschule nahe Osaka acht Kinder. Er wird im September 2004 hingerichtet.
20. April 1999: Zwei mit Sturmgewehren bewaffnete US-Schüler töten in der Columbine High School in Littleton (Colorado) zwölf ihrer Mitschüler und einen Lehrer. Danach erschießen sich die Täter selbst.
13. März 1996: Aus Rache für seine Ausgrenzung als Jugendbetreuer richtet ein 43-jähriger Arbeitsloser in einer Grundschule im schottischen Dunblane ein Massaker an. Der Waffennarr erschießt in der Turnhalle 16 Erstklässler, deren Lehrerin und sich selbst. dpa/reuters/kas
http://www.welt.de/vermischtes/article1339550/Die_blutigsten_Amoklaeufe_an_Schulen_u nd_Universitaeten.html (26.03.2010)
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„Ankündigungsminister"
Andererseits mußte Zimmermann ein Blick zurück auch zu denken geben. Denn schon einmal fügte wohlmeinender Umweltschutz der Umwelt Schaden zu: Als in Europa zu Beginn der siebziger Jahre die ersten Abgasvorschriften erlassen wurden, galten vor allem das Kohlenmonoxid und die Kohlenwasserstoffe als schädlich - folglich wurden für diese beiden Schadstoffe niedrigere Grenzwerte vorgegeben. Die Autofirmen entwickelten entsprechende Motoren - die aber pusteten mehr Stickoxide aus als zuvor. Diese neue Gefahr wurde erst einige Jahre später erkannt, und erst dann wurden auch für diese Gifte die Grenzwerte herabgesetzt. •
Zimmermann aber nimmt all das nicht zur Kenntnis. Er leidet schwer unter dem Vorwurf, ein „Ankündigungsminister" zu sein. Beim Auto will er nun endlich dieses Etikett loswerden - koste es, was es wolle. Den politisch opportunen Zeitpunkt zur Einsicht hat er ohnehin verpaßt. Voreilig ließ er die Formeln der Brüsseler Kommission als unzureichend verdammen; die Möglichkeit, die eigenen Forderungen als taktische Züge im Spiel um eine bessere Umwelt in ganz Europa darzustellen, war damit vergeben.
Den Amoklauf des Innenministers kann jetzt nur noch das Bundeskabinett stoppen. Nur der Bundeskanzler könnte in der nächsten Woche den besseren Argumenten zum Durchbruch verhelfen. Eine solche Wende jedoch ist nach dem Wahlerfolg der Grünen am 17. Juni kaum zu erwarten. Helmut Kohl wird wohl auch wie sein Innenminister den Umweltschutz der vermeintlichen politischen Opportunität opfern.
DIE ZEIT, 29.06.1984 Nr. 27
http://www.zeit.de/1984/27/Ankuendigungsminister
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Bonner General-Anzeiger vom Dienstag, den 27.08.1985, Stadtausgabe Bonn Seite 05 / Lokales
Aufs schiefe Gleis geraten. Haftstrafe für notorischen Schwarzfahrer.(rik)
Dietmar M. hat der Bundesbahn arg zu schaffen gemacht. Der 35jaehrige Arbeitslose wurde vom 25. Dezember 1984 bis zum 15. März '85 mehr als 40 mal von den Zugkontrolleuren ohne Fahrschein erwischt, und fuhr am nächsten Tag trotzdem weiter - 'schwarz'. Wegen fortgesetzter Beförderungserschleichung in 40 Fällen, Betruges in zwei Fällen, Diebstahls geringfügiger Sachen in 15 Fällen wurde der Polizistensohn gestern von einem Bonner Schöffengericht zu 15 Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt..'Ehe ich mich noch mal auf die Bahn setze, fliege ich jetzt lieber', sagte M. zu Beginn der Verhandlung. Angefangen habe
alles damit, dass er eines Tages zwecks Jobsuche schwarz mit der Bahn gefahren und dabei erwischt worden sei. Er habe sich über das Verhalten des Kontrolleurs so geärgert, dass er sich gedacht habe: 'Und nun erst recht.'. Aber nicht genug damit, dass er die Bahn mit seiner Schwarzfahrerei um ungefähr 4 000 Mark gebracht hat, er ließ es sich auch in den Speisewagen schmecken. Seine dickste Zeche dort belief sich auf 125,20 Mark. 18 mal wurde er dabei gefasst, zweimal versuchte er, sich betrügerisch aus der Affäre zu ziehen: Einmal stellte er einen nicht gedeckten Postscheck aus, ein anderes Mal gab er vor, sein Portemonnaie sei ihm gestohlen worden..Eine Haftstrafe von eineinhalb Jahren ohne Bewährung forderte der Staatsanwalt für den seit fünf Monaten in Untersuchungshaft befindlichen 35jaehrigen Dietmar M., der schon einmal wegen Schwarzfahrens - allerdings nur zu einer Geldstrafe von 2 100 Mark - verurteilt worden war. M., so der Staatsanwalt, müsse 'einmal nachdrücklich beeindruckt werden'. Das Gericht folgte seiner Argumentation..Verteidiger Berthold Eckes hatte vergebens dafür plädiert, die Strafe zur Bewährung auszusetzen. Auch der 6 000
Mark-Schaden könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich lediglich um Kleinkriminalität handle. Vielleicht sei sein Mandant sogar zum Teil unzurechnungsfähig gewesen, denn diese ständige Schwarzfahrerei könne man nur noch als 'Amoklauf' bezeichnen.
von RIK
http://www.wiso-net.de/webcgi?START=A60&DOKV_DB=GAZ&DOKV_NO=198500009354&DOKV_HS=0&PP=1 (18.03.2010)
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Bonner Bühne
Skins mit Krawatten
Datum 5.2.1993
Das Mütchen an Günter Grass zu kühlen wird seit einiger Zeit Mode. Für die CDU hat sich nun auch Peter Hintze, der Generalsekretär, mit dem Schriftsteller angelegt. So, wie er gegen die Einheit Deutschlands „agitiert" habe, so wüte er nun in blindem Haß gegen jene, die sich in allen demokratischen Parteien um das friedliche Zusammenleben von Deutschen und Ausländern in unserem Land sorgen. Sein jetziger rhetorischer Amoklauf sei Ausdruck einer „völligen Orientierungslosig- keitnach dem Zusammenbruch des Sozialismus". Die Wirklichkeitsverweigerung von Grass schließe jede politische Diskussion aus.
Gewaltige Worte. Was ist passiert? Um Skinheads mit Krawatten und gepflegter Frisur handle es sich bei den Christdemokraten, hatte Grass in einem Interview mit dem amerikanischen Magazin Newsweek gesagt. Er meinte jene, die die Diskussion im Lande über das Asylrecht nicht stoppen wollen. Und er bezog sich auf Volker Rühe, der als CDU-Generalsekretär auf demagogische Weise eine Kampagne gestartet und damit das gleiche gemeint habe wie die Skinheads, nur nicht so laut: „Wir sollten sie hinauswerfen!"
Scharfe Worte hat Grass gewählt, ganz gewiß. Aber das, was er zur Vereinigung und einer Konföderation der beiden deutschen Staaten, zum Asyl und zur Festung Westeuropa oder zu der Gefahr anmerkt, in zwei Jahren werde es einen zweiten Eisernen Vorhang an der Ostgrenze Polens geben, von der deutschen Regierung errichtet - ist das alles grundfalsch? Hat es keine CDU-Kampagne und immer nur Sorge um das friedliche Zusammenleben mit Ausländern gegeben? Hat sich die Union immer in die Lichterketten eingereiht, die Helmut Kohl jetzt beim Europarat so rühmte? Verweigert sich nicht auch oder ganz besonders Bonn der Wirklichkeit?
DIE ZEIT, 05.02.1993 Nr. 06
http://www.zeit.de/1993/06/Skins-mit-Krawatten
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05.12.2001
Transfercoup
Schalker Amoklauf?
Fußball-Bundesligist Schalke 04 hat dem Erzrivalen Borussia Dortmund einen dänischen Jung-Nationalspieler vor der Nase weggeschnappt. BVB-Sportdirektor Michael Zorc ist empört.
Gelsenkirchen - Der 21-jährige Däne Christian Poulsen wechselt vom FC Kopenhagen zum FC Schalke 04.
Nachdem Dortmunds Sportdirektor Zorc am Dienstag bestätigt hatte, dass dem Mittelfeldspieler ein konkretes Angebot unterbreitet worden sei, vermeldeten die Schalker am Mittwochabend die Verpflichtung des Talents. Poulsen unterschrieb in Schalke einen ab 1. Juli 2002 laufenden Vier-Jahres-Vertrag.
"Das hat italienische Ausmaße angenommen. Wir machen nicht jeden Amoklauf eines Vereins mit", sagte Zorc. Dortmund hatte Kopenhagen angeblich eine Ablösesumme von elf Millionen Mark offeriert, gefordert waren zuletzt bis zu 25 Millionen Mark. "Schalke ist genau der richtige Verein für mich"
"Christian ist der Shootingstar in der dänischen Liga und ein sehr begehrter Spieler. Er könnte für uns ein zweiter Jiri Nemec werden", sagte Schalkes Manager Rudi Assauer über den Überraschungscoup.
Poulsen hatte sich vorab schon bei seinem Nationalmannschaftskollegen Ebbe Sand über Schalke informiert. "Dabei habe ich einen guten Eindruck vom Verein bekommen. Mein Besuch am Mittwoch hat mich endgültig überzeugt. Die Arena AufSchalke, dazu die Atmosphäre und das familiäre Umfeld im Club - Schalke ist genau der richtige Verein für mich", sagte Poulsen.
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,171343,00.html
(26.03.2010)
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20.11.2006
Schulüberfall
Massaker nur durch Zufall verhindert
Mit vier Gewehren und 13 Rohrbomben hat ein 18-Jähriger seine frühere Schule in Emsdetten gestürmt. Er verletzte 37 Menschen und beging Selbstmord.
Von FOCUS-Korrespondent Arno Heissmeyer
Es war am Morgen gegen 9.30 Uhr, als sich die Kinder der Geschwister-Scholl-Realschule auf dem Pausenhof vergnügten. Zu diesem Zeitpunkt, so die Polizei, stürmte der ganz in schwarz gekleidete und maskierte Ex-Schüler Sebastian B. seine ehemalige Schule. Zunächst, so berichteten verstörte Schüler, warf der 18-Jährige Blendgranaten auf den Pausenhof und rannte anschließend in das Gebäude. Dort schoss er mit einer Pistole um sich und traf mehrere Menschen. Die Zahl der Verletzten erhöhte sich bis zum Abend auf 37. 16 Polizeibeamte erlitten Rauchgasvergiftungen, weil der Attentäter in der zweiten Etage des Schulgebäudes Rauchbomben zündete. 19 Schüler, eine Lehrerin sowie der Hausmeister der Schule wurden zum Teil durch Schüsse verletzt. Die Opfer wurden in ein nahe gelegenes Krankenhaus eingewiesen.
„Plötzlich hat es laut geknallt“
Die 15-jährige Malgurzata Huberska aus der neunten Klasse hat das Grauen erlebt: „Plötzlich hat es auf dem Schulhof laut geknallt. Wir sind einfach alle nur gerannt.“ Weiter berichtet die Schülerin, dass ihr eine Lehrerin entgegenkam, deren Gesicht blutverschmiert gewesen sei. Viele der Kinder, so die Schülerin, rannten zunächst in die Aula. Nur Minuten später wurden Lehrer und Schüler rasend schnell aus dem Gebäude gebracht. Es sei reiner Zufall gewesen, dass es kein größeres Blutbad gegeben hätte. Auch die Anwohnerin Heike Michalski wurde unerwartet Zeugin des Amoklaufs. „Ich hörte heute morgen nur dumpfe Schläge, die aus der Schule drangen, und kurze Zeit später war auch schon überall Polizei.“
Der 14-jährige Achtklässler Salem Gökce stand gerade am Vertretungsplan nahe des Haupteinganges, als ihm der Täter plötzlich entgegenkam. „Er schoss in die Luft, und ich bin nur noch gerannt“, berichtet Salem. Auch sein Freund Ahmed Karakaya musste dem Amokschützen in die Augen blicken. „Ich sah nur, wie plötzlich alle Schüler zum Haupteingang rannten. Dort stand der Täter und zündete eine Rauchbombe.“ Einen Mitschüler, so der 15-jährige Ahmed, habe er mit seiner Waffe getroffen. „Die Lehrer schrien nur noch ‚raus’, ‚raus, ‚raus’.“
Steven Kief aus der 8. Klasse schilderte unter Schock Szenen wie beim Amoklauf im Erfurter Gutenberg-Gymnasium im Jahre 2002. Nur durch Zufall sei ein größeres Blutbad verhindert worden. Den Attentäter kannte er vom Sehen. „Seit zwei Jahren“, berichtet der 15-Jährige, „ist der nicht mehr an der Schule.“ Er kenne ihn als sehr einsamen Menschen, der mit seiner aus der Grufti-Szene bekannten Kleidung ständig abseits stand. Vor der Tat soll der 18-Jährige die Schule in einem Computerspiel als Tatort dargestellt haben.
Täter wirkte „völlig gestresst“
Der Leitende Polizeidirektor Hans Volkmann berichtete, dass Sebastian B. einen Schüler traf, bevor er seinen Horrorplan umsetzte. Der sagte hinterher aus, dass der Täter „völlig gestresst“ wirkte. Nach dieser Begegnung ging um 9.28 Uhr auf der Leitstelle der Polizei der Notruf einer Sekretärin der Schule ein, wonach eine bewaffnete und maskierte Person auf Schüler und andere Personen
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geschossen habe. Nur sechs Minuten später stürmten die ersten vier Polizisten das Gebäude und retteten so viele Schüler wie möglich. An dieser Stelle, so betonte Volkmann, seien nach dem Amoklauf in Erfurt vor vier Jahren neu formulierte Einsatzpläne konsequent „und vorbildlich“ umgesetzt worden.
Als die Beamten das völlig verqualmte Schulgebäude betraten, flüchtete der Amokschütze in die zweite Etage des Gebäudes. Ein Spezialeinsatzkommando brachte vier Kinder aus einem Klassenraum in Sicherheit. Die Polizei fand den Täter in der zweiten Etage dann tot auf. Fest steht für die Ermittler, dass keine Kugel der Polizei Sebastian B. getötet hat. Volkmann: „Es gab keinen Schusswaffengebrauch der Polizei.“ Ob er sich durch die an seinem Körper befestigten Rohrbomben das Leben nahm oder sich erschoss, blieb zunächst unklar. In der Nähe des Täters fand die Polizei drei Vorderlagergewehre und ein abgesägtes KLeinkalibergewehr, außerdem trug er ein Messer am Hosenbein. Die Leiche des Amokläufers konnte wegen der Sprengsätze erst am Abend geborgen werden.
Abschiedsbrief im Internet
Als Tatmotiv vermuten die Beamten Rache. Der Schüler hinterließ im Internet einen Abschiedsbrief, der nach Angaben der Polizei authentisch ist. „Das einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin“, schreibt der Mann, dem Mitschüler und Lehrer eine Nähe zum Satanskult bescheinigen. „Ich verabscheue Menschen“, bekennt der Täter.
Auf Fotos auf seiner Internetseite posiert er mit Waffen, darunter auch eine Maschinenpistole. „Ihr habt Euch über mich lustig gemacht, dasselbe habe ich nun mit euch getan, ich hatte nur einen ganz anderen Humor“, schreibt er dort weiter. „Ich will, dass sich mein Gesicht in eure Köpfe einbrennt. Ich will Rache! Ich hasse euch und eure Art. Ihr müsst alle sterben!“, heißt es weiter. Der Brief schließt mit den Worten: „Ich bin weg...“.
Sebastian B. war der Polizei wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz bekannt. Im Sommer dieses Jahres war er mit einer scharfen Pistole erwischt worden. Deswegen hätte er sich am Dienstag vor dem Gericht in Rheine verantworten müssen.
http://www.focus.de/panorama/welt/schulueberfall_aid_119618.html (26.03.2010)
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Der Amoklauf von Winnenden Fast alles erinnert an das Erfurt-Massaker
Schüler richtete Blutbad an
Amoklauf an Schule in Winnenden
Erschoss 16 Menschen: Der Amokläufer von Erfurt, Robert Steinhäuser († 19)
13.03.2009
Von EINAR KOCH
Beängstigend, diese Parallelen! Auch vor sieben Jahren beim Amoklauf von Erfurt (16 Tote) hatte es frühzeitig Warnsignale gegeben ...
26. April 2002: Robert Steinhäuser († 19) erscheint um 10.46 Uhr im Gutenberg-Gymnasium, seiner früheren Schule. Es ist der letzte Tag der zentralen schriftlichen Abiturprüfungen. An diesem Freitag wird Mathe geprüft.
Minutenprotokoll des Amoklaufs von Winnenden
ca. 9.30 Uhr: Der 17-jährige Tim K. dringt in Winnenden in die Albertville-Realschule ein und erschießt während des Unterrichts neun Schüler im Alter von 14 bis 16 Jahren und drei Lehrerinnen. 9.33 Uhr: Ein Notruf aus der Realschule geht bei der Polizei ein.
9.40 Uhr: Zwei Interventionsteams der Polizei dringen in das Gebäude ein und finden die zwölf Leichen. Sie durchsuchen die Schule nach dem Täter, der bereits geflohen ist und auf dem Weg in die Innenstadt einen Mitarbeiter eines Zentrums für Psychiatrie erschießt. 9.41 Uhr: Eine Großfahndung auch mit Hubschrauber wird eingeleitet.
9.45 Uhr: Der Täter ist in die Innenstadt von Winnenden unterwegs. Er stoppt einen VW Sharan, kidnappt dessen Fahrer und zwingt ihn zur Fahrt in das 40 Kilometer entfernte Wendlingen. Etwa 10.00 Uhr: Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) erfährt im Mainzer Landtag von dem Amoklauf und macht sich per Hubschrauber auf den Weg nach Winnenden.
Kurz vor 12.00 Uhr: Der Täter stellt das gestohlene Auto auf der Autobahn ab und lässt die Geisel zurück. Der 17-Jährige geht zu Fuß zum nahe gelegenen Industriegebiet. Der Fahrer benachrichtigt die Polizei.
12.01 Uhr: Der Täter betritt ein VW-Autohaus und erschießt zwei Angestellte. 12.05 Uhr: Als der Amokläufer aus dem Autohaus kommt, eröffnet er das Feuer auf die Polizei. Er verletzt zwei Beamte schwer. Er wird am Bein angeschossen, steht wieder auf, lädt seine Waffe durch und richtet sich durch einen Kopfschuss selbst.
http://www.bild.de/BILD/news/2009/03/13/winnenden/parallele-zu-steinhaeusererfurt/aehnliches-massaker.html (27.03.2010)
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Das Knetpuppen- Massaker
21. Juni 2001
Das Knetpuppen- Massaker
Heute ab 23 Uhr geht es richtig zur Sache: Joschka Fischer und Gerhard Schröder bekriegen sich im Wrestling-Ring mit Jagdbombern und Steinen, bis sie blutig zusammenbrechen. Dann folgt Harald Schmidt, der Stefan Raab aufs Porzellan-Gebiss schlägt, Bela. B. von den "Ärzten", der Campino von den "Toten Hosen" schlagkräftig beweisen will, wer der wahre Punk in Deutschland ist. Zwei Minuten dauert so ein Kampf. In den USA ist "Celebrity Death Match" (Prominenten-Abschlachten) auf MTV ein TV-Hit. Jetzt startet die deutsche Version. "Es gibt offensichtlich immer noch Möglichkeiten, schlechten Geschmack im Fernsehen zu unterbieten", empört sich SPD-Fraktionsvorsitzende Peter Struck. Für MTV ist das "alles nur Satire", so Programmdirektor Elmar Giglinger. Kanzler und Außenminister wüssten im übrigen Bescheid über das Knetmännchen-Massaker. "Wir müssen erst einmal sehen, ob das im Rahmen einer üblichen Ulk-Sendung liegt. Da wir eine freie Medienlandschaft haben, werden Sende-Inhalte natürlich vorher nicht mit dem Kanzleramt abgesprochen. Gerhard Schröder hat immer klar gemacht, dass seine Schmerzgrenze überschritten wird, wenn seine Familie verballhornt wird", erfuhr die BZ aus dem Kanzleramt. Das soll laut Giglinger nicht passieren. "Die deutsche Version", so versichert er, "ist nicht so brutal wie die amerikanische". Heißt, abgerissene Gliedmaße, gespaltene Schädel und literweise Blut soll es hier nicht geben.
http://www.bz-berlin.de/archiv/das-knetpuppen-massaker-article196108.html (24.3.2010)
42
(14)
Sitzschalen-Massaker im badenova-Stadion
Mittwoch, 25. März 2009
Nürnberger Fußballfans haben nach dem 1:0-Sieg der Franken am Montag Abend Teile der Südtribüne im badenova-Stadion beschädigt. Ein Freiburger Ordner wurde dabei leicht am Rücken verletzt. Der Sportclub Freiburg prüft nun in Gesprächen mit der Polizei, ob eine Strafanzeige erstattet werden soll. SC-Pressesprecher Rudi Raschke geht in unserem Interview auf die Vorgänge ein.
http://www.regenbogen.de/sport/sc-freiburg/view/article/sitzschalen-massaker-imbadenova-stadion.html (24.3.2010)
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(15)
Fußball-Fernbedienungs Massaker!
Junger Mann, der mit Fußball genausoviel anfangen kann, wie ich (nämlich nix), geht in die Fußgängerzone mit Universalfernbedienungen und schaltet die TVs in den Kneipen bei dramatischen Szenen einfach um. Yeah! Sehr, sehr (sehr [sehr]) schöne Idee. Hätte direkt von mir sein können.
http://www.nerdcore.de/wp/2007/10/25/fusball-fernbedienungs-massaker/ (24.3.2010)
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29.11.2006
Achilles' Verse
Massaker im Kleiderschrank
Von Achim Achilles
Für viele Läufer ist das Wichtigste an einem Rennen, ein T-Shirt heimzubringen. Als Arbeitsnachweis oder Erinnerungsstück. Irgendwann jedoch ist der Schrank voll, dann muss ausgemistet werden. Nur wer entscheidet, was weg soll? Bei Achim macht Mona ordentlich Druck. Eine der düstersten Regionen jedes Ausdauersportlers ist der T-Shirt-Friedhof. Meine historische Sammlung beläuft sich auf einen knappen Kubikmeter. Seit Jahren gelingt es mir, immer neue Leibchen dazuzustopfen. Physikalisch ist das kaum möglich, da objektiv kein Platz mehr dazwischen ist. Aber es muss sein. Man bekommt ja bei jedem Feld- und Waldrennen ungefragt ein Hemd, meist in miesen Farben, oft mit peinlichen Aufdrucken, immer in lausiger Qualität. Aber wegwerfen? Niemals.
T-Shirts sind wie Kaninchen - sie vermehren sich wie wild. Ich vermute, dass sich die Rückwand vom Schrank schon besorgniserregend beult; womöglich hat sie sich durch die Wohnungswand gearbeitet und die meisten meiner T-Shirts liegen beim Nachbarn. Aber er hat sich noch nicht gemeldet. Ich schaue nicht nach. Bloß keine schlafenden T-Shirts wecken.
Dabei bin ich seit Jahren entschlossen, dieses schwarzbunte Loch aufzuräumen. Aber es geht nicht. Wenn ich nur eines herausziehe, werden mir alle entgegenpurzeln. Und ich bekomme sie nie wieder so kunstvoll gestopft. Als Mona neulich Stauraum suchte für ihre beträchtliche und von mir finanzierte Wintergarderobe, wurde ich wieder mal auf mein textiles Endlager hingewiesen. Sie (fordernd): "Du wolltest doch da aufräumen." Ich (kleinlaut): "Ja, klar, aber nicht jetzt, ich muss zum Training." Sie (tückisch): "Kein Problem. Ich mach das. Wenn Du zurückkommst, wirst Du den Schrank nicht wieder erkennen."
Ich (panisch): "Aber Schatz, das ist doch nicht nötig. Ich kümmere mich darum, ehrlich." Sie (lauernd): "Und wann?" Ich (überzeugend): "Nächstes Wochenende." Sie (ärgerlich): "Ich brauche den Platz jetzt." Ich (verzweifelt): "Na gut, heute Abend." Sie (herrisch): "Wenn Du Dich drückst, werde ich aufräumen." Ich (flötend): "Du kannst Dich auf mich verlassen, Hase." Sie: Knurrt.
Abends war es soweit. Ich hatte auf Zeit gespielt, die Spülmaschine ausgeräumt, Laufsocken gebügelt, die Wochenendzeitungen gelesen, sogar den Kulturteil. Ich hatte Mona auf schöne TV-Schnulzen hingewiesen. Aber sie ließ sich nicht ablenken. Für eine Frau ist Mona bemerkenswert ausdauernd.
Gegen 21 Uhr gab es kein Entkommen mehr. Sie stand hinter mir wie Olga, die kasachische Gefängnisaufseherin. "Hol mal alle raus", riet sie mit trügerischem Kumpelton, "ich helfe Dir beim Zusammenfalten." Als ich am ersten zog (Berliner Halbmarathon 2004), kamen vier oder fünf ungebeten hinterher, darunter die unter Kennern sehr geschätzten Modelle "Volkstriathlon 2001" und "HEW-Cyclassics 2003".
Der Schrank sah unverändert übervoll aus. Insgeheim hatte ich gehofft, durch geschicktes Ziehen ein Baumwollgewölbe im unteren linken Eck zu schaffen, einen Hohlraum, in den Mona dann einen ihrer Pullover hätte hineinstopfen können. Es wäre die letzte Chance gewesen, das nahende T- Shirt-Massaker abzuwenden.
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Die Gattin spürte meine Unlust, weitere Hemden ans Licht zu ziehen. Jedes Loch in meinem T-Shirt-Lager würde ein Loch in meinem Leben bedeuten. Was Frauen nie kapieren werden: T-Shirts besitzt man nicht, um sie zu tragen. Wann auch? Zum Laufen nimmt man Fortschrittsfaser. Unterm Oberhemd sieht ein T-Shirt eher grenzwertig aus. Und die Sommertage sind rar, an denen man ganz auf locker eins überwirft. Soll man das lappige Ding vom Grünwalder Burgtriathlon 1989 anziehen zur Gartenparty? Die Botschaft würde ja lauten: Meine letzte Großtat datiert aus dem Jahr des Mauerfalls. Außerdem ist das Hemd viel zu eng. T-Shirts neigen dazu, gleichzeitig auszuleiern und zu schrumpfen.
T-Shirts soll man ruhen lassen. Der Schrank ist wie ein Fotoalbum. Es sind Erinnerungen. Jedes Stück Stoff erzählt eine Geschichte, von wenigen Siegen und ungezählten Niederlagen. Jedem Hemd kann man eine Frau zuordnen, eine Wohnung, ein Wetter, ein Gefühl. Auf meiner Beerdigung soll jemand mein Leben anhand meiner T-Shirts nacherzählen.
Vorsichtig zog ich die nächste Wurst heraus. Mona musterte das Textil. "Kein einziges Mottenloch", murmelte sie. Sie hatte offenbar auf Schützenhilfe von Insekten gehofft. "Motten haben Respekt vor den Zeugnissen eines Sportlerlebens", sagte ich mit leiser Bitternis. Ich war bereit, ein oder zwei meiner baumwollenen Freunde zu opfern.
Plötzlich klingelte das Telefon. Monas beste Freundin Hildegard. Sie wollte ihre jüngste Trennung noch mal durchsprechen. Ich trennte mich von drei teuren Sweatshirts, um der Gattin neuen Platz anzubieten. Die T-Shirts stopfte ich mit zarter Gewalt zurück. Das war knapp. Wir hatten noch mal Aufschub bekommen.
http://www.spiegel.de/sport/achilles/0,1518,450873,00.html
(24.3.2010)
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News - Vermischtes
von Christian Schneider (chs) 15.10.2009
Killerspiele - Aktionsbündnis Winnenden fordert Entsorgung
Das Aktionsbündnis Winnenden stellt am 17. Oktober in Suttgart einen Kontainer auf und fordert die Bürger auf, darin ihre »Killerspiele« zu entsorgen.
Das »Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden« plant für den kommenden Samstag ein öffentlichkeitswirksames Event gegen Killerspiele. Am 17. Oktober soll auf dem Platz vor der Staatsoper in Stuttgart ein Container aufgestellt werden (siehe Bild links). Das Aktionsbündnis ruft die Bürger unter dem Motto »Familien gegen Killerspiele« auf, ihre »Killerspiele« zu entsorgen und verlost zur Belohnung ein T-Shirt mit Unterschriften der Fußball-Nationalelf.
Laut der Internetseite des Aktionsbündnisses ist das »Verbot von Computer-Killerspielen die dazu dienen Menschen zu ermorden« eines der kurzfristigen Ziele der Aufruf-Initiatoren von Stuttgart. Das „Aktionsbündnis Amoklauf Winnenden“ ist ein Zusammenschluss von Angehörigen der Opfer des Amokläufers Tim Kretschmer, der am 11. März 2009 insgesamt 15 Menschen ermordete. Mehr Informationen zum Aktionsbündnis finden Sie auf der Internetseite www.memosoftware.de/aaw. Dort finden Sie unter anderem Unterschriftenlisten gegen »Killerspiele« und Faustfeuerwaffen, sowie den offiziellen Song des Bündnisses.
http://www.gamestar.de/news/vermischtes/1959645/killerspiele.html (17.03.2010)
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Specials - Spiele-Specials
von Christian Schmidt (cs) 23.06.2009
Counter-Strike: Ein »Killerspiel«?
Counter-Strike gilt Kritikern gewalthaltiger Spiele als das »Killerspiel« schlechthin. Warum ausgerechnet dieser Ego-Shooter - und warum ist es noch nicht verboten?
Wenn in Deutschland die so genannten »Killerspiele« am Pranger stehen, dann fällt über kurz oder lang ein Name: Counter-Strike. Der Online-Shooter gilt einem Teil der Öffentlichkeit seit vielen Jahren als der Inbegriff des gefährlichen Computerspiels. Das hat drei naheliegende Gründe.
Das Szenario: Counter-Strike besitzt einen realitätsnahen Rahmen, es geht um ein Duell zwischen Polizeikräften und Terroristen. Dieser Spielhintergrund stammt aus der Zeit vor den Anschlägen des 11. Septembers und dem anschließenden »Krieg gegen den Terror«, gewann durch diese Ereignisse aber eine Aktualität und Relevanz, die bis heute anhält.
Die Darstellung: In Counter-Strike schießen Menschen auf Menschen. Dabei stellt das Spiel- zumindest in den englischen Versionen - auch Blutspritzer dar. Kritiker sehen darin eine Abbildung der Wirklichkeit, die auf Dauer die Hemmschwelle senken könnte, mit echten Waffen auf Menschen zu zielen.
Die Popularität: Counter-Strike ist das beliebteste Schießspiel der Welt. Die moderne Variante Counter-Strike: Source befindet sich seit ihrem Erscheinen im Jahr 2004 Jahr für Jahr unter den fünf bestverkauften PC-Spielen in Deutschland. Bis Ende 2008 hatten sich Counter-Strike und Counter-Strike: Source allein über den Handel rund 9 Millionen Mal verkauft; rechnet man den Online-Vertrieb über Steam ein, dürfte die Zahl um ein Vielfaches höher liegen. Im Internet spielen laut der Statistik von Gamespy weltweit zu jeder Zeit zwischen 100.000 und 200.000 Menschen Counter-Strike auf mehr als 10.000 Servern. Counter-Strike ist das wichtigste Spiel des E-Sports, also des professionellen Wettkampfs in Computerspielen. Hier werden auch die höchsten Preisgelder gezahlt; das beste CS-Team der Weltmeisterschaft World Cyber Games in Köln bekam letztes Jahr 50.000 Dollar.
http://www.gamestar.de/specials/spiele/1956953/counter_strike_ein_killerspiel.html (17.03.2010)
48
(19)
München, 31. März 2009
Pressemitteilung Nr. 127/09
Innenminister Joachim Herrmann: Keine Geschäfte mit Tötungstrainingssoftware Innenminister Joachim Herrmann begrüßt, dass sich die deutsche Medienwirtschaft bei der erstmaligen Verleihung des deutschen Computerspielpreises heute in München für die Entwicklung kulturell und pädagogisch wertvoller Spielekonzepte und -inhalte ausgesprochen hat. Er will die Absichtserklärungen, für Qualität bei Computerspielen zu sorgen, beim Wort nehmen: "Ich fordere die Computerspielbranche auf, den schönen Worten endlich Taten folgen zu lassen und auf Herstellung und Vertrieb von Killerspielen in Deutschland freiwillig zu verzichten. Killerspiele gehören bislang zu den intensiv beworbenen Hauptumsatzträgern der Branche. Mit derartiger Tötungstrainingssoftware, die zum Beispiel von der US-Army zur Vorbereitung von Soldaten auf Kampfeinsätze verwendet wird, dürfen in Deutschland keine Geschäfte mehr gemacht werden." Für Herrmann ist es wissenschaftlich klar erwiesen, dass der andauernde Konsum derartiger Spiele, in denen Gewalt und Brutalität anders als bei Filmen aktiv ausgeübt und gesteuert wird, die Gewaltbereitschaft fördert und die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden, verkümmern lässt. "Damit sind derartige Spiele eine der Ursachen für die erschreckende Jugendgewalt und auch für Amokläufe, in den Szenen aus Killerspielen in die Realität übertragen werden." Mit großer Sorge sieht Innenminister Herrmann auch die Suchtgefahr, die von derartigen Spielen ausgeht. "Immer mehr Kinder und Jugendliche versinken täglich stundenlang in dieser virtuellen Gewaltwelt. Für Schule und Ausbildung haben sie keine Zeit mehr und drohen, so für unsere Gesellschaft verloren zu gehen. Leider habe viele Eltern überhaupt keine Vorstellungen davon, welchen dauerhaften Schaden ihre Kinder hier nehmen." Killerspiele widersprechen dem Wertekonsens unserer auf einem friedlichen Mitei-nander beruhenden Gesellschaft und gehören geächtet. In ihren schädlichen Auswirkungen stehen sie auf einer Stufe mit Drogen und Kinderpornografie, deren Verbot zurecht niemand in Frage stellt.
http://www.stmi.bayern.de/presse/archiv/2009/127.php
(17.03.2010)
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(20)
„Counterstrike“
Das Ballerspiel des Amokläufers
12.03.2009
Immer wieder „Counterstrike“! War das brutale Computerspiel Vorbild für Amoktäter Tim K. († 17)?
Auch bei den Tätern von Erfurt und Emsdetten wurde das Spiel gefunden. Was ist das für ein Spiel?
„Counterstrike“ (freigegeben ab 16) wird online gespielt, mit bis zu 32 Personen. Terroristen und Anti-Terror-Einheiten kämpfen auf verschiedenen Schauplätzen. Ziel: Bomben legen oder Geiseln befreien, alle Gegner töten - mit Messern, Pistolen, Gewehren. „Counterstrike“ ist eines der meistgespielten Online-Spiele (2008: weltweit elf Mio. Spieler). Das Spiel stand nach dem Amoklauf von Erfurt in der Kritik, wurde aber nicht verboten.
Begründung der Bundesprüfstelle: Es kann auch gewaltfrei gespielt werden und fördere die Kommunikation unter den Spielern.
http://www.bild.de/BILD/ratgeber/kind-familie/2009/03/13/welche-videospiele/hgcounterstrike/das-ballerspiel-des-amoklaeufers.html (25.3.2010)
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Stuttgarter Nachrichten, 18.11.2009, S. 9 / Wirtschaft
Das Ballerspiel "Moorhuhn" wird zehn Jahre alt
Ein Werbespiel wurde zum Kult: das Moorhuhn. Vor zehn Jahren wurde die Jagd auf das virtuelle Federvieh im Internet freigegeben. Vier Redakteure erinnern sich an die Anfangszeit.
http://www.wiso-net.de/webcgi?START=A60&DOKV_DB=STN&DOKV_NO=STN-20091118-9-60&DOKV_HS=0&PP=1 (18.03.2010)
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7.2 Abbildungen
(1)
ROBERTZ (2004: 15)
52
(2)
GAMESTAR (3/2010: 67)
53
(3)
GAMESTAR (3/2001: 83)
Arbeit zitieren:
Karsten Tischer, 2010, »Game over«. Eine linguistische Analyse der brisanten Diskussion über Amokläufe an Schulen und Killerspiele, München, GRIN Verlag GmbH
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Germanistik - Linguistik: neuer Titel erschienen: »Game over«. Eine linguistische Analyse der brisanten Diskussion über Amokläufe an Schulen und Killerspiele
Karsten Tischer hat einen neuen Text hochgeladen
Game Over: How You Can Prosper in a Shattered Economy
Stephen Leeb, Donna Leeb, Glen Strathy
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