Inhaltsverzeichnis
Einleitung S. 3
1.1 Notker Balbulus (840-912) 3
1.2 Struktur und Ziel der Gesta Karoli 4
1.3 Die Geschichte vom gewendeten Fisch 5
2.1 Der Werdegang Liutprands von Cremona S 6
2.2 Auftrag und Ausgestaltung der
Legatio Constantinopolitana 7
2.3 Essen und Trinken als Spiegel der Kultur
in der „Legatio“ 9
Zusammenfassung S. 12
Literatur S. 14
2
Einleitung
In dieser Arbeit sollen zwei mittelalterliche Quellen kritisch untersucht werden, die sich unter anderem mit der politischen Beziehung zwischen dem Ost- und Weströmischen Reich beschäftigen. Näher untersucht werden soll dabei das Thema Ernährung. Während Notker Balbulus, dessen Werk um das Jahr 887 entstand, seine Quellen aus mündlicher Überlieferung schöpfte, reiste Liutprand von Cremona, der seine Schrift um 968 verfasste, selbst zum zweiten Mal im Auftrag Ottos II nach Byzanz. So ist es wenig verwunderlich, dass während Notkar gezielt literarische Heldentopoi verwendete und diese auf Karl den Großen übertrug, Liutprand eigene Erfahrungen verarbeitete. Als historische Werke in der Tradition Einhards können jedoch beide nicht bestehen, aus welchen Gründen soll unter anderem in dieser Arbeit aufgezeigt werden. Neben dem historischen Gehalt der Quellen sollen die realpolitischen Umstände und die Motivation der Verfasser einer näheren Betrachtung unterzogen werden. Die Arbeit ist nach Verfassern in zwei Teile gegliedert, die jeweils mit einem kurzen Werdegang und der Schilderung der politischen Umstände beginnen und mit der den in beiden Schriften enthaltenen Abhandlungen über die Speisegewohnheiten des byzantinischen Hofes schließen.
1.1 Notker Balbulus (840-912)
Notker Balbulus („der Stammler) wurde um 840 geboren, verwaiste früh und wurde in die Obhut eines Kriegers gegeben, der ihn in das Kloster von St. Gallen brachte. Seine Lehrer Marcellus und Iso formten ihn zu einem klugen Dichter und Schriftsteller, der im Kloster mit der Erstellung von Urkunden und dem Unterricht betraut war. Notker entstammte, wie auch seine Freunde und Schüler Waldo und Salomo, dem Landadel und sah in der Kultivierung des Familienbesitzes keine Chancen für einen gesellschaftlichen Aufstieg. Dem Erzkanzler des Kaisers widmete Notker mehrere Sequenzen und bat diesen, sich beim König für ihn einzusetzen. 1 Neben der Sequenzdichtung und historischen Werken in Zitat und Erzählform, verfasste Notker die Gesta Karoli Magni die die Entwicklung des Karlsbildes im Mittelalter wesentlich bestimmte. Die Entstehung des Werkes geht nach Aussage Notkers auf einen Besuch Karls III auf seinem vierten Italienfeldzug im Jahre 883 zurück. Notker hatte seinen Gast während des viertägigen Aufenthaltes mit Geschichten über Karl I erheitert, der ihn bat diese in einem Buch zu sammeln. Den genauen Zeitpunkt der Entstehung
1 Löwe, S. 274f
3
des Werkes datiert Löwe auf das Jahr 887, dem Jahr des Sturzes Karls III, der außenpolitisch nicht in der Lage war die Normannengefahr einzudämmen und auch in der Italienpolitik weitgehend untätig blieb. 2 Die Mahnung Notkers klingt hier wie eine Verheißung unsicherer Zeiten: „Herr König, halte Deine Härte fest, auf dass dir nie-mand die Gewalt, die dir von Gott übertragen ist, aus den Händen winde“ 3 .
1.2 Struktur und Ziel der Gesta Karoli
Notker verteilte die Gesta Karoli auf drei Teile, von denen der erste das Verhältnis des Kaisers zum Klerus, der zweite seine diplomatischen Beziehungen mit dem Orient und Konstantinopel betrachtet und der dritte verlorengegangen ist. Ein Anordnungsprinzip ist innerhalb der Bücher nicht erkennbar. Der Stil Notkers vereint volkstümliche und zum Teil anspruchslose Erzählweise mit Zitaten klassischer Werke und Kirchenschriften. Hansen weist darauf hin, dass die Schrift auch eine Legitimations-bekundung der Kaiserwürde Karls ist, die dem Allmachtsverständnis des oströmischbyzantinischen Reichs entgegensteht. Nach dem von Hansen als „Reichstheologie“ 4 bezeichneten Verständnis galt so Dölger als Herrschaftsbereich „das nach Gottes Willen bis zum Weltenende dauernde irdische Weltreich griechischer Nation, christlichen Glaubens und römischen Rechts“ 5 In der „Weltfamilie der Fürsten und Völker“, nach Dölger ein „System fiktiver Weltbeherrschungsorganisation“ erfolgte eine hierarchische Abstufung nach fiktiven Verwandtschaftsverhältnissen zum byzantinischen Kaiser. Dölger verweist aber darauf, dass diese Weltfamilie eine weitverbreitete Institution war, die Anerkennung nicht nur im direkten byzantinischen Einflussbereich genoss. 6 Es existierten drei Grade der Verwandtschaftsbeziehungen; dem eines Freundes, die hierarchisch niedrigste Stufe, dem eines Bruders und dem eines Sohnes, wobei letzterer Grad zu einem besonderen Maß zum Gehorsam verpflichtete. 7 Bereits nach seiner Erhebung zum Kaiser machte Karl der Große in Briefen an den byzantinischen Kaiser, den er als „Bruder“ ansprach, deutlich, dass er die politische Parität mit dem Ostreich verlangte. Im Jahre 812 bestätigte Kaiser Michael auf-grund außenpolitischen Drucks den Titel Karls, was zwar nach Hansen einer formalen, nicht aber einer realen Gleichstellung aus der Sicht des byzantinischen Kaisers
2 Löwe, S. 286f
3 Notker Balbulus, Gesta Karoli I, 4
4 Hansen, S. 65
5 Dölger, S. 161
6 ebd., S. 36
7 ebd., S. 168
4
entsprach. Als Stellvertreter Christi auf Erden beanspruchte dieser weiterhin die Vormachtstellung über alle Fürsten der Welt. 8 Die Superiorität Karls vermittelt die Gesta Karoli hingegen durch eine Anknüpfung an Daniel II:
„Nachdem der allmächtige Ordner der Dinge und Einteiler der Reiche und Zeiten die eisernen und tönernen Füße jener wunderbaren Bildsäule in den Römern zermalmt hatte, errichtete er das goldenen Haupt einer zweiten, nicht minder wunderbaren Bildsäule durch den erlauchten Karl.“ 9
Seine persönliche Bindung zum Königshaus nutzte Notker für die didaktische Präsentation eines idealtypischen Herrscherbildes. 10 Karl dem Großen kommen dabei alle Herrschertugenden zuteil wie Frömmigkeit, Milde, Unüberwindbarkeit und Weisheit und er betont, dass Karl und die Franken ein neues Universalreich begründet haben. Betrachten wir zunächst die von Notker angeführten idealen Herrschercharakteristika in Buch II. Karl war gerecht weil er den Goten und Wandalen Einhalt bei ihren Plünderungszügen gebot. Karl war milde, da er die Nachlässigkeit seiner schlafenden Wachen nicht, wie es gerecht gewesen wäre, mit dem Tode bestrafte, sondern sie zwar auf das schärfste ermahnte, ihnen aber ihr Leben ließ. Während Einhard, aufgrund der seinerzeit aktuellen Gewaltenlehre des Papstes Pelagius, das sog „Königspriestertum“ Karls aus seiner Karlsbeschreibung ausgeklammert hatte, ist es für Notker selbstverständlich, dass der Kaiser als Belohnung für treue Dienste Bischöfe einsetzte. In der Gesta wird Karl in die Ebene des göttlichen gehoben, als Abbild Gottes mit dessen Attributen. Wie Gott im jüngsten Gericht erhöhte Karl die Demütigen und erniedrigte die Hochmütigen 11 , und der Hof des Königs wird von Notker mit den himmlischen Heerscharen gleichgesetzt 12 .
1.3 Die Geschichte vom gewendeten Fisch
Nach den Sachsenkriegen schildert Notker eine Anekdote über einen Gesandten Karls am Hofe von Byzanz. Bei einer Festtafel wurde ein Flussfisch serviert, der mit Tunke übergossen war. Nach einem griechischen Gesetz durfte keiner außer dem König ein ihm vorgesetztes Mahl auf dem Teller drehen, sondern musste „von oben
8 Hansen , S. 67
9 Notker Balbulus, Gesta Karoli 1
10 http://www.bautz.de/bbkl/n/notker_balbulus.shtml
11 Notker Balbulus, Gesta Karoli II, 3-6
12 ebd., II, 6
5
Arbeit zitieren:
MA Guido Maiwald, 2004, Essen und Trinken in Byzanz im Spiegel der "Legatio" Liudbrands von Cremona und der "Gesta Karoli" von Notker dem Stammler, München, GRIN Verlag GmbH
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