Inhaltsverzeichnis
ABSTRACT 3
EINLEITUNG 3
INFORMATIONAL DENSITY: A PROBLEM FOR TRANSLATION AND
TRANSLATION THEORY (CATHRINE FABRICIUS-HANSEN) 4
TRANSLATIONS ENGLISH-GERMAN: INVESTIGATING THE RELATIVE
IMPORTANCE OF SYSTEMIC CONTRASTS AND OF THE TEXT-TYPE
TRANSLATION (ERICH STEINER) 9
PASSIVE PERSPECTIVES DIFFERENT PREFERENCES IN ENGLISH AND
GERMAN: A RESULT OF PARAMETERIZED PROCESSING (MONIKA
DOHERTY) 15
DEUTSCHE SATZSEMANTIK (PETER VON POLENZ) 18
PRAKTISCHE ANWENDUNG AN EINEM BEISPIELTEXT 23
ANHANG ................................................................................................... 31 31
ABB 1: BIBER S INVOLVED VS INFORMATIONAL PRODUCTION DIMENSION 31
ABB 2: CHANGE IN GRAMMATICAL CATEGORY IN TRANSLATION 33
ABB 3 AUSGANGSTEXT DES BEISPIELTEXTES 35
ABB 4 UMGEFORMTER KOMPLEXER STRUKTURIERTER TEXT 37
ABB 5 UMGEFORMTER EINFACHER STRUKTURIERTER TEXT 38
LITERATURLISTE 40
2 NA
Komprimierung und Expandierung von Information
ABSTRACT
Die vorliegende Arbeit vergleicht zunächst vier Ansätze aus der Fachliteratur, die sich auf unterschiedliche Art und Weise mit der Expandierung und Komprimie- rung von Information beschäftigen, und demonstriert anschließend an einem Bei- spieltext, wie sich komplexer und einfacher Ausdruck im Sinne von von Polenz (1988) jeweils manifestieren und wodurch sie sich unterscheiden.
EINLEITUNG
Globalthema des Seminars war die Informationsstruktur im Deutschen und im Englischen im allgemeinen. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nun mit der Komprimierung und Expandierung von Information im besonderen. Dafür werden zunächst vier verschiedene Ansätze aus der Literatur vorgestellt, als erstes der Ansatz von Cathrine Fabricius-Hansen, Informational density: a problem for translation and translation theory, der sich vor allem mit Informationsdichte im Sprachenvergleich Deutsch - Norwegisch beschäftigt und mit den Auswirkungen, die dies auf die jeweiligen Übersetzungen bei diesem Sprachenpaar haben kann. Erich Steiner, dessen Ansatz Translations English – German: investigating the relative importance of systemic contrasts and of the text-type „translation“ als nächstes erläutert wird, interessiert sich dagegen mehr für das Phänomen der grammatischen Metapher, die er auch sprachvergleichend betrachtet, allerdings für die Sprachen Englisch und Deutsch. Ebenso mit Englisch und Deutsch be- schäftigt sich Monika Doherty in ihrem Ansatz Passive perspectives; different preferences in English and German: a result of parameterized processing, wobei sie sich eher auf die Perspektive (Aktiv/Passiv) konzentriert. Peter von Polenz schließlich betrachtet in seinem Buch Deutsche Satzsemantik explizite und kom- primierte Texte ausschließlich für die deutsche Sprache und klammert das Pro- blem des Sprachenvergleichs völlig aus.
Nach der Erläuterung dieser vier Ansätze folgt die praktische Anwendung an ei- nem Beispieltext. Anhand einer Passage aus Jörn Albrechts Literarische Überset- zung: Geschichte, Theorie, kulturelle Wirkung wird demonstriert, wie sich kom- primierter und expliziter Ausdruck im Sinne von von Polenz manifestieren und wodurch sie sich unterscheiden. Zur Veranschaulichung wird der Originaltext
umgeschrieben, in eine komplexere Version einerseits und in eine explizitere Version andererseits, die dann jeweils mit dem Original verglichen werden. Es handelt sich dabei um eine intralinguale Umformulierung, deren Ergebnisse aber gewiß auch für das Übersetzen von Belang sind, da hier auch fast immer umfor- muliert wird, je nach Sprachenpaar, Textsorte und Zweck der Übersetzung sogar umformuliert werden muß.
INFORMATIONAL DENSITY: A PROBLEM FOR TRANSLATION AND TRANSLATION THEORY (CATHRINE FABRICIUS-HANSEN)
Fabricius-Hansen befaßt sich in ihrem Ansatz hauptsächlich mit dem Unterschied zwischen deutschen und norwegischen (Fach-)Texten, da „deutsche Texte vom norwegischen Standpunkt aus gesehen oft schwer, voll von Informationen, schwer zu lesen und schwer adäquat ins Norwegische zu übersetzen sind“ (Fabri- cius-Hansen 1996: 521). Vor allem akademische Texte haben im Deutschen eine höhere Informationsdichte als vergleichbare norwegische Texte. Sie beschäftigt sich nun mit der Frage, was dies im Einzelnen bedeutet, wie man es messen könnte, und welche Probleme es beim Übersetzen (vom Deutschen ins Norwegi- sche, aber auch vice versa) verursacht. Um darauf eine Antwort zu finden, be- dient sie sich der discourse representation theory (DRT), die es ermöglicht, ein mentales oder kognitives Modell der Information, die in einem Diskurs ausge- drückt wird, zu erstellen. Dieses Modell, die discourse representation structure oder kurz DRS, besteht aus einer Anzahl konzeptueller Objekte, den sog. dis- course referents, und einer Anzahl von conditions, die sich auf diese beziehen, d.h. Konzepte, die diesen Objekten zugeschrieben werden. Der Bezugsbereich (Skopos) eines Diskursreferenten wird dabei graphisch durch ein Rechteck ver- anschaulicht.
Um zu verdeutlichen, was unter Konzentration oder Dichte der Information zu verstehen ist, gibt sie folgendes Beispiel:
Sind in einem Satz S 2 von 6 discourse referents und 3 von 9 conditions, die in S ausdrücklich genannt werden, neu, d.h. nicht von einem anderen discourse re- ferent oder einer anderen condition im selben Satz S abzuleiten, so ist die Infor- mation in S weniger konzentriert, weniger dicht, als in einem Satz S’, in dem 4
von 6 discourse referents und 4 bis 5 von 9 conditions neu sind (Fabricius- Hansen 1996:526).
Je weniger man also beim Verstehen von S zusammenziehen muß und je weni- ger Redundanz es unter den conditions gibt, desto konzentrierter ist die Infor- mation in S. Es ist also derjenige Diskurs, der die höchste durchschnittliche Kon- zentration von Informationen je Satz aufweist, voller von Informationen als ein anderer.
Die Informationsdichte ist also definiert als die durchschnittliche Anzahl von In- formationen je Satz und Grad der Konzentration der Präsentation dieser Infor- mationen in jedem (Einzel-)Satz.
Zur weiteren Verdeutlichung und Veranschaulichung dient folgendes Beispiel (zwei Personen unterhalten sich über eine dritte Person, NN, die sie beide ken- nen):
1. Das Buch, das NN über Tempus geschrieben hat, ist unlesbar.
(The book that NN has written on tense is unreadable.)
2. NN hat ein Buch über Tempus geschrieben. Das Buch, das NN über Tempus geschrie- ben hat, ist unlesbar.
(NN has written a book on tense. The book that NN has written on tense is unreadable.)
3. NN hat ein Buch über Tempus geschrieben. Das Buch ist unlesbar. (NN has written a book on tense. The book is unreadable.)
4. NN hat ein Buch über Tempus geschrieben. Es ist unlesbar.
(NN has written a book on tense. It is unreadable.)
5. NNs Buch über Tempus ist unlesbar.
(NN’s book on tense is unreadable.)
In Beispiel 1 wird die Information, daß NN ein Buch über Tempus geschrieben hat, nicht explizit ausgedrückt, ist aber über den bestimmten Artikel „das“ prä- supponiert. In Beispiel 2 ist diese Information hingegen explizit ausformuliert durch den vorangestellten Satz (NN hat ein Buch über Tempus geschrieben), der gleichzeitig den Antezedenten darstellt für die Information im nächsten Satz (Das Buch, das NN über Tempus geschrieben hat, ...). Das gleiche ist der Fall in den Beispielen 3 und 4, mit dem Unterschied, daß in Beispiel 3 die Information aus dem ersten Satz nur über den bestimmten Artikel (Das Buch) wieder aufgegriffen wird und in Beispiel 4 über ein Pronomen (Es).
Gemäß obenstehender Definition hat also Beispiel 1 die höchste Informations- dichte.
Zu Beispiel 5 ist zu bemerken, daß vermutlich davon ausgegangen werden kann, daß die enthaltene Bedeutung dieselbe ist wie die in Beispiel 1. Ohne einen Kon- text jedoch bleibt offen, welche Beziehung zwischen dem Buch und NN besteht: hat sie es verfaßt oder gehört es ihr nur? Beispiel 5 alleine ist also ambig, d. h.
Es ließe sich nun durchaus behaupten, daß der Gehalt an Information in Beispiel 5 größer ist als in Beispiel 1, da in Beispiel 5 dieselbe Information mit weniger
linguistischem Material ausgedrückt wird, Redundanzen und Wiederholungen vermieden werden. Dies geschieht dadurch, daß Konstruktionen benutzt werden, die beim Empfänger (Leser/Hörer) Präsuppositionen auslösen, die im Text selbst nicht explizit enthalten sind, die der Empfänger also beim Decodieren für sich hinzufügen muß, um das Gesagte oder Gelesene zu verstehen. Diesen Vorgang nennt Fabricius-Hansen accomodation.
Vor diesem Hintergrund wird nun die Definition von Informationsdichte erweitert. So hat ein Text A eine höhere Informationsdichte als ein Text B, wenn minde- stens eine der folgenden Aussagen (ceteris paribus) zutrifft: (Fabricius-Hansen 1996: 529)
1. Der durchschnittliche Gehalt an Information je Satz ist in A höher als in B.
2. Im Durchschnitt enthalten die Einzelsätze in A weniger redundante conditions
als in B und man muß weniger zusammenziehen als in B.
3. Um A zu verstehen, braucht es mehr accomodation.
4. Es gibt in A mehr underdetermined conditions als in B, d. h. man braucht
mehr Weltwissen zum Verstehen.
Aussagen 1 und 2 beziehen sich auf den Zusammenhang zwischen expliziten In- formationen und ausdrücklichem linguistischen Material. Je mehr Informationen je Satz und Wort, desto höher ist also die Informationsdichte.
Aussagen 3 und 4 beziehen sich auf das, was sozusagen „zwischen den Zeilen“ steht. Diese Information bekommt der Empfänger über linguistische Mittel wie z. B. Konstruktionen, die Präsuppositionen auslösen (in Aussage 3), oder aber der Empfänger kann diese Information aus dem Gesagten heraus verstehen, weil er ein bestimmtes Vor- oder Weltwissen hat (in Aussage 4).
Bei Aussage 4 könnte man argumentieren, daß die Information in einem gewis- sen Sinne gar nicht vorhanden ist und man sie infolgedessen auch nicht bei der Bestimmung der Informationsdichte berücksichtigen sollte. Allerdings erwartet der Sender ja vom Empfänger, daß dieser die Information hinzufügt, insofern ist sie dann doch wieder enthalten.
All diese Aussagen oder Parameter helfen, den Eindruck zu belegen, daß deut- sche (wissenschaftliche) Texte eine höhere Informationsdichte haben als norwe- gische Paralleltexte. So kommt ein deutscher wissenschaftlicher Text mit weniger Sätzen und Satzgefügen aus, um dieselbe Information zu vermitteln wie ein ver- gleichbarer norwegischer Text. Vom Empfänger des deutschen Textes wird dem- nach mehr accomodation, d. h. das selbständige Hinzufügen impliziter Informa- tionen, verlangt und auch ein höheres Maß an eigener Vervollständigung oder Ergänzung des Gesagten. Dies scheinen empirische Studien auch zu bestätigen (Fabricius-Hansen 1996: 530).
Dies hat nun natürlich Auswirkungen auf Übersetzungen solcher deutschen Texte ins Norwegische, denn schließlich müssen diese Unterschiede berücksichtigt wer- den, wenn der Zieltext stilistisch adäquat sein soll. Was dies bedeuten kann, wird an folgendem Beispiel deutlich.
Der deutsche Satz
Frankreich trauert über den Tod eines sehr bekannten französischen Schauspie- lers.
könnte also beispielsweise eine adäquate norwegische Entsprechung in folgenden drei Sätzen finden:
En fransk skuespiller er død. Han var svært kjent. Frankrike sørger over hans død.
(Ein französischer Schauspieler ist gestorben. Er war sehr bekannt. Frankreich trauert über seinen Tod.)
Hier lassen sich zwei Prinzipien beobachten, die generell anwendbar sind bei der Übersetzung vom Deutschen ins Norwegische.
1. Das sogenannte information splitting, also die Aufteilung von Information. Da- bei werden zwei verschiedene conditions, die denselben discourse referent inner- halb eines Satzes oder Teilsatzes beschreiben, auf syntaktisch voneinander un- abhängige (Teil-)Sätze verteilt, wobei implizite discourse referents zu expliziten werden (müssen), damit der Zusammenhang zwischen ihnen und den sich auf sie beziehenden conditions gewahrt wird; dies kann z. B. geschehen, indem be- stimmte Artikel oder anaphorische Pronomina hinzugefügt werden. Gleichzeitig müssen accomodations aufgelöst werden, indem der präsupponierte discourse referent als explizit vorhandener in den Text aufgenommen wird. So kann auch im Folgenden auf ihn referiert werden. Dies bedeutet natürlich eine Steigerung der Redundanz. Zuletzt muß eventuell die Reihenfolge der discourse referents und conditions dahingehend verändert werden, daß zuerst das genannt wird, auf was später im Text referiert wird oder was später wieder aufgegriffen wird.
2. Die sogenannte discourse structure fidelity, also die Beibehaltung der Struktur
des Diskurses. Die Relationen zwischen den Teilsätzen des Ausgangstextes müs- sen gewahrt bleiben, das heißt, die Kohäsion muß stimmen. Dafür wird es meist notwendig, kohäsive Mittel hinzuzufügen.
Zwischen diesen beiden Prinzipien muß nun eine Balance gefunden werden. Die Wahrung der Kohäsion wird natürlich umso schwieriger, je mehr Aufteilung von Information stattfindet.
Quote paper:
Nicolette Frech, 2004, Komprimierung und Expandierung von Information, Munich, GRIN Publishing GmbH
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