Träges Wissen und Problemlösen
von: Svenja Schäfer
I N H A L T S V E R Z E I C H N I S
1 EINLEITUNG 4
2 DIE BAUSTEINE DES WISSENS 5
2.1 BEGRIFFSBESTIMMUNG „WISSEN“ 5
2.2 DIE STRUKTUR DES MENSCHLICHEN WISSENS 6
2.3 DREI WISSENSARTEN NACH CHI 6
2.3.1 Bereichsbezogenes Wissen 6
2.3.2 Strategisches Wissen 9
2.3.3 Metakognitives Wissen 9
3 PROBLEM ALS FORSCHUNGSGEGENSTAND 10
3.1 PROBLEM: BEGRIFFSBESTIMMUNG 10
3.2 KLASSIFIKATION VON PROBLEMEN 11
4 PROBLEMLÖSEN ALS FORSCHUNGSGEGENSTAND 12
4.2 PROBLEMLÖSEN: BEGRIFFSBESTIMMUNG 12
4.3 KLASSIFIKATION VON PROBLEMLÖSUNGSWISSEN 12
4.4 PROBLEMLÖSEN VON EXPERTEN UND NOVIZEN 13
5 DIE ENTSTEHUNG VON „TRÄGEM WISSEN“ 15
6 „TRÄGES WISSEN“ UND PROBLEMLÖSEN: EINE VERSUCHSREIHE 16
6.1 THEORETISCHER HINTERGUND 16
6.2 HYPOTHESEN 16
6.3 DURCHFÜHRUNG DES VERSUCHS 17
6.5 DISKUSSION DER ERGEBNISSE 18
7 AUSBLICK 20
8 LITERATURVERZEICHNIS 21
1 Einleitung
Das Leben besteht zu einem großen Teil aus Aufgaben, Anforderungen und Problemen. Um diese Dinge zu bewältigen, benutzt der Mensch sein wichtigstes Hilfsmittel, den Verstand. Normalerweise findet ein problemloser Zugriff auf bereits bekanntes Wissen statt. Routinierte Verhaltensweisen sind zum Teil so stark automatisiert, dass der Rückgriff auf die jeweils notwendigen Lösungsstrategien kaum wahrgenommen werden kann. Z.B. der korrekte Gebrauch von Messer und Gabel ist ein alltägliches „Problem“, welches in unserem Kulturkreis jeden Tag zu Mahlzeiten unbewusst gelöst, d.h. ausgeführt wird. Zu einem größeren Problem entpuppt sich die Mahlzeit, wenn das Wissen, wie diese mit asiatischen Essstäbchen zu sich genommen werden soll, fehlt. Die motorischen Abläufe sind hierzu nicht weit genug entwickelt, stehen im wissenschaftlichen Interesse auch nur an sekundärer Stelle. Primär richtet sich der Fokus auf die Akkumulation von Wissen und die Möglichkeit des Rückgriffs auf dieses Wissen. Häufig passieren Situationen, in denen eine Fragestellung oder Aufgabe hinlänglich bekannt erscheint, dass no twendige Wissen dazu jedoch nicht abrufbereit ist. Dieses „eigentlich“ vorha ndene, aber eben manchmal blockierte Wissen wird „träges Wissen“ genannt. Das Ziel der Hausarbeit ist es, herauszufinden, wie weit das „träge Wissen“ die Problemlösefähigkeit der Menschen beeinflusst. In Kapitel 2, 3 und 4 möchte ich zunächst die Begriffe „Wissen“, „Problem“ und „Problemlösefähigkeit“ eingehend definieren, um der Hausarbeit klare Abgrenzung der Begriffe zugrunde zu legen. In Kapitel 5 beschreibe ich die Entstehung von „trägem Wissen“. In Kapitel 6 wird die Ausgangsfragestellung nach dem Zusammenhang von „trägem Wissen“ und Problemlösen“ mithilfe einer Versuchsreihe von Lind & Friege (2003) verifiziert.
2 Die Bausteine des Wissens
2.1 Begriffsbestimmung „Wissen“
Jeder Prozeß, den der Mensch innerhalb seiner Umwelt ausführt, ist dadurch gekennzeichnet, dass Informationen aufgenommen werden. Diese werden anschließend verarbeitet und daraus werden Handlungsentscheidungen abgeleitet, die in eine Reihe von Handlungen umgesetzt werden. Wird die Wirkungsweise des Menschen beim Prozeß der Interaktion mit der Umwelt betrachtet, so können also drei Teilprozesse unterschieden werden1: 1) Informationsaufnahme bedeutet das Wahrnehmen und Entdecken sowie das Identifizieren und Erkennen der Umwelt. 2) Informationsverarbeitung erfordert eine Entscheidung, die durch Antriebe und Motivationen beeinflußt wird. 3) Informationsausgabe drückt sich in Reaktionen in Form von Handlungen und Bewegungen aus. Das kognitive System unseres Gedächtnisses besitzt zwei verschiedene Speichermodi, um die von der Umwelt aufgenommen Einflüsse zu verarbeiten und als Wissen für spätere Anwendungen bereitzuhalten, das Kurzzeit- und das Langzeitgedächtnis2. Das Erkennen eines Problems erfolgt im Kurzzeitspeicher. Der in diesem Prozess gewonnene Input wird im Sinne einer Aufgabenerfüllung weiterverarbeitet. Es ist ein problemlösungsorientierter Prozeß, bei dem zwischen mehreren Optionen gewählt werden kann und die Informationen jeweils als nützlich oder sekundär selektiert werden, um die Lösung des Problems zu fokussieren3. Bei der letztendlichen Informationsausgabe, die sich in einer Reaktion, der Handlung äußert, spielen individuelle Fähigkeiten und Fertigkeiten eine maßgebliche Rolle, da diese den Speicher von Entscheidungsmöglichkeiten prägen, auf den während des abschließenden Lösungsschrittes zurückgegriffen werden kann.
2.2 Die Struktur des menschlichen Wissens
Die Lösung eines Problems wird primär durch die „geistige Ausstattung“ 4 des Problemlösenden bedingt. Unter „geistiger Ausstattung“ soll dabei zunächst die Gesamtheit des Wissens eines Menschen verstanden werden. Hier wird bereits deutlich das der Begriff „Wissen“ eine viel größere Komplexität und Spannweite beinhaltet, die in der alltäglichen Verwendung dieses Wortes nicht so ohne weiteres abzusehen ist. Wissen geht über das bloße Faktenwissen hinaus. Die Frage, wie man welches Wissen wann anwenden kann, gibt einen ersten Aufschluss über das Ausmaß des Potentials, dass ein „Problemlösender“ bei seiner Aufgabe beachten muß.
Es gibt bisher keine allgemeingültige, wissenschaftlich anerkannte Definition von „Wissen“. Die Wissenschaftler der Kognitionspsychologie sind sich jedoch in zweierlei Hinsicht einig: Erstens existiert eine Differenzierung über die „Arten“ des Wissens, zweitens gibt es verschiedene „Formate“, in denen sich das Wissen im menschlichen Gedächtnis darstellen läßt.5 Jede Wissensart für sich ist nicht zwangsläufig an ein festgelegtes Format gebunden, jedoch besteht ein sehr enger Zusammenhang zwischen ihnen. Grundsätzlich sind beide Perspektiven erst einmal separat voneinander zu betrachten. Der Wissenschaftler Chi hat sich als einer der ersten dieser Thematik gewidmet und eine Klassifikation der verschiedenen Wissensarten vorgenommen. Er unterscheidet zwischen drei Wissensstrukturen: Bereichsbezogenes Wissen, strategisches Wissen, metakognitives Wissen.
2.3 Drei Wissensarten nach Chi
2.3.1 Bereichsbezogenes Wissen
[...]
1 Vgl. Luczak, H.: Arbeitstechnologie und Ergonomie. Arbeitswissenschaft 2. Umdruck zur Vorlesung, 2002: Lehrstuhl und Institut der Arbeitswissenschaft der RWTH Aachen, S.77.
2 Im Rahmen der Hausarbeit können die zwei Speichermodi nicht eingehender bearbeitet werden. Ich gehe davon aus, dass diese bekannt sind.
3 Vgl. Luczak, 2000: S.88.
4 Vgl Arbinger, R.: Psychologie des Problemlösens. Eine anwendungsorientierte Einführung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1997, S.17.
5 Vgl. Arbinger, 1997: S.17.
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Svenja Schäfer, 2004, Träges Wissen und Problemlösen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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