Hauptseminar Gesprächsdolmetschen und mehrsprachige Rede
Dozentin: Prof Dr C Hauenschild
Inhaltsverzeichnis
EINLEITUNG 3
1. TRANSKRIPTIONSSYSTEME UND ANALYSEZIELE 4
2. TEXT- VS PARTITURNOTATION 5
2.1 TEXTNOTATION 5
2.1.1 Nutzen der Textnotation für die eingangs gestellten Analyseziele 6
2.2 PARTITURVERFAHREN 8
2.2.1 Nutzen der Partiturnotation für die eingangs gestellten Analyseziele 9
3. ZEILENBLOCKVERFAHREN 10
3.1. ZEILENBLOCKVERFAHREN IN EINFACHER NOTATION 10
3.1.1 Nutzen des Zeilenblockverfahren als einfache Notation für die eingangs gestellten
Analyse 12
3.2 ZEILENBLOCKVERFAHREN ALS PARTITURNOTATION 14
3.2.1 Nutzen des Zeilenblockverfahrens in Partiturnotation für die eingangs gestellten
Analyseziele 17
4. WELCHER FEINHEITSGRAD IST NOTWENDIG 17
4.1 DIE VIELZAHL VON VERSCHIEDENEN SYSTEMEN UND VARIANTEN 19
5. DER VERSUCH EINER VEREINHEITLICHUNG NACH GAT 20
5.1. NUTZEN VON GAT FÜR DIE EINGANGS ERWÄHNTEN ANALYSEZIELE 23
6. DER PHONETISCH PHONOLOGISCHE ANALYSEASPEKT 24
6.1. NUTZEN EINER PHONETISCH PHONOLOGISCHEN ANALYSE 24
7. DER TRANSKRIPTIONSKOPF 25
FAZIT 25
FEINTRANSKRIPT NACH GAT 31
DAS GESPRÄCH NACH HIAT 1 38
2
Hauptseminar Gesprächsdolmetschen und mehrsprachige Rede
Dozentin: Prof. Dr. C. Hauenschild
Einleitung
Für die Gesprächsanalyse ist das Transkript ein wichtiges Werkzeug. Diesem Werkzeug widmet sich die vorliegende Arbeit und geht dabei insbesondere folgenden Fragen nach:
N Welches Transkriptionssystem sollte wann gewählt werden?
N Existiert ein einheitliches Transkriptionssystem, das sowohl einer Mehr-
heit der Gesprächsanalysen gerecht wird als auch praktikabel ist?
N Ist ein Transkript überhaupt ein hinreichendes Analysewerkzeug? Denn
die Beobachtungen des Transkribenten sind stets subjektiv.
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf Transkriptionssystemen, die den dis- kursanalytischen Aspekt von Rede zum Schwerpunkt haben 1 . Sie wendet sich vor allem an deutschsprachige Studenten, dies ich für Dolmetschtechniken und deren Auswirkungen interessieren. Als Grundlage dient ein spontan gedol- metschtes Gespräch zwischen einem englisch- und einem deutschsprachigen Studenten. Die Situation war eine gestellte zwischen drei deutschen Mutter- sprachlern in einem Dolmetschseminar. Das gesamte Gespräch befindet sich vollständig transkribiert am Ende dieser Arbeit.
1 Im Gegensatz zum phonetisch/phonologischem Aspekt. In Kapitel ? werde ich darauf näher
eingehen.
3
Hauptseminar Gesprächsdolmetschen und mehrsprachige Rede
Dozentin: Prof. Dr. C. Hauenschild
1. Transkriptionssysteme und Analyseziele
Durch die Verschriftlichung eines Gesprächs werden Informationen sowohl reduziert als auch modifiziert. Da das Transkript später als Analysewerkzeug des Gesprächs dient, ist es sehr wichtig in welcher Form diese Informationen reduziert und modifiziert werden – d.h. welches Transkriptionssystem ausge- wählt wird.
Die Wahl des Transkriptionssystems richtet sich nach Zweck und Ziel der Analyse. Sind die phonetischen und phonologischen Aspekte des Gesprächs interessant oder ist der Diskursverlauf an sich entscheidender? Sollen nur verbale oder auch paraverbale und nonverbale Kommunikationsbeiträge fest- gehalten werden? Wie genau soll die Wiedergabe erfolgen? Inwieweit wird Subjektivität des Transkribenten hingenommen, um zu vereinfachen und zu verkürzen?
Ein mögliches Analyseziel für die nachfolgenden Transkripte könnte beispiels- weise sein, die eingesetzten Dolmetschtechniken von Sprecherin S2 zu unter- suchen und zu analysieren, welche Auswirkungen die von ihr angewandten Techniken auf den Gesprächsverlauf haben. Da die Ausarbeitung für ein Semi- nar zu Dolmetschtechniken erstellt wurde, ist in diesem Zusammenhang die phonetisch/phonologisch orientierte Transkription zweitrangig und wird nur kurz angerissen.
Im Folgenden werden einzelne Transkriptionssysteme kurz erläutert. Weiterhin werden ihre Vor- sowie Nachteile dargestellt. Abschließend wird diskutiert, ob sie dem oben gestellten Analyseziel dienlich wären. Bei allen Transkripten ist die Sprecherverteilung wie folgt:
N S1: Englisch sprechender Student (deutscher Muttersprachler)
N S2: dolmetschender Student (deutscher Muttersprachler)
4
Hauptseminar Gesprächsdolmetschen und mehrsprachige Rede
Dozentin: Prof. Dr. C. Hauenschild
N S3: Deutsch sprechender Student (deutscher Muttersprachler)
2. Text- vs. Partiturnotation
Hinsichtlich des Layouts unterscheiden Brinker und Sager 2 generell zwei unterschiedliche Verfahren der Transkription – die Text- und die Partiturno- tation. Diese beiden Verfahren können als einfaches oder Zeilenblocksystem ausgeführt werden. Das einfache System beinhaltet pro Sprecher eine Zeile und jegliche Anmerkungen müssen in der Zeile für verbale Äußerungen mitnotiert werden.
2.1 Textnotation
Beispiel (1a):
Ausschnitt als Textnotation im einfachen Verfahren - Gesprächsmitte 3
S2 okay so if you take the main entrance, +
S 1
045 S2 that’s, + do you have seen the café? S1 think so, ya S2 ya and you just walk (pass) there, and you go up the
S 1
050 S2 big building, + and than you turn + you turn right, and
2 vgl. Klaus Brinker/Sven F. Sager 1996, S.39ff
3 vgl. Klaus Brinker/Sven F. Sager 1996, S.41 ff.
5
Hauptseminar Gesprächsdolmetschen und mehrsprachige Rede
Dozentin: Prof. Dr. C. Hauenschild Beispiel (1b)
Ausschnitt als Textnotation – Gesprächsende
S1 can manage to find (h that h) (LACHEN)
095 S2 also sie glaubt, sie findet es;
Bei diesem Verfahren werden die Sprecherbeiträge in Textblöcken notiert und parallele Äußerungen werden durch gekennzeichnet.
Dadurch eignet sich dieses Verfahren für Gesprächstypen bei denen jeweils ein Redner lange Textpassagen hat. Für eine Verfolgung der Interaktion eignet sich eher die in Beispiel (2) angeführte Partiturnotation.
Die Anmerkung p in Zeile 044 seht für eine leise Sprechweise, das h in Zeile 094 für eine hohe Sprechweise, die Unterstreichungen kennzeichnen Emphasen und Pausen werden durch + wiedergegeben.
2.1.1 Nutzen der Textnotation für die eingangs gestellten
Analyseziele
Da jedem Sprecher nur eine Zeile zur Verfügung steht, können mit diesem Verfahren para- und nonverbale Äußerungen nur beschränkt wiedergegeben werden. Würde dieses Transkriptionssystem für die eingangs gestellten Analysezwecke (vgl. 1. Transkriptionssysteme und Analyseziele) angewendet, ließen sich zwar einige Dolmetschtechniken beobachten und man könnte verfolgen wie sie sich auswirken, aber dennoch gingen relevante Informationen verloren.
6
Hauptseminar Gesprächsdolmetschen und mehrsprachige Rede
Dozentin: Prof. Dr. C. Hauenschild
Folgende Dolmetschtechniken hat der Sprecher S2 in diesem Ausschnitt angewandt:
1. In den Zeilen 043 und 048 wartet S2 mit einer Pause auf eine Bestätigung
von S1, ob dieser der Beschreibung folgen kann, erst als dessen Bestätigung kommt, fährt er fort.
2. In Zeile 045 unterbricht S2 sich selbst um eine unausgesprochene, aber
mögliche Frage von S1 vorweg zu nehmen, um sicherzugehen, dass dieser das benötigte Stück Hintergrundwissen tatsächlich hat 4 .
Verloren gehen folgende Informationen bei dieser Transkriptionsweise:
1. Die Bestätigung von Sprecher S1 in Zeile 44 kommt nur sehr zaghaft.
Doch bei diesem einzeiligen System ist kein Platz vorgesehen, um dieses explizit in einer weiteren Zeile mit einer Bemerkung hervorzuheben. Das zaghafte Bestätigungssignal lässt nämlich den Verdacht aufkommen, dass Sprecher S1 gar nicht wirklich folgen konnte und Sprecher S2 eventuell darauf hätte eingehen sollen. Am Schluss des Gesprächs wird auch klar, dass S1 die Wegbeschreibung offenbar nicht verstanden hat.
2. Die Antwort von Sprecher S1 in Zeile 094 klingt nicht überzeugend, da
seine Aussage, den Weg zu finden in Zeile 094 mit einem gepressten und hohen Lachen abschließt. Dies wird ohne zusätzliche Anmerkungen seitens des Transkribenten meiner Meinung nach bei diesem System nicht genug hervorgehoben und ist somit nur aus dem Kontext ersichtlich. Nämlich an der Stelle, als der Dolmetscher übersetzt, dass sie glaubt, es zu finden.
4 antizipatorische Fragetechnik
7
Hauptseminar Gesprächsdolmetschen und mehrsprachige Rede Dozentin: Prof. Dr. C. Hauenschild
Möchte der Transkribent expliziter wiedergeben können, wie die Techniken des Dolmetschers sich auf Gesprächsverlauf- und fluss auswirken, kann er eine interaktionsfreundlichere Transkriptionsweise – das Partitursystem - wählen.
2.2 Partiturverfahren
Beispiel (2a)
als Partiturnotation nach HIAT
S2 |¯ Okay, so if you take the main entrance (.) down here, (..)
S2 |¯ pass the cafe, (.) that's / do cafe?
S1 | S2 |_
S2 |¯ and you go up the stairs and you just cross the campus (.) S1 |
hmhm, | |_
to the next big
S2 [ building (.) and then you turn (.) / you turn right, and then
Beispiel (2b)
als Partiturnotation nach HIAT
8
Hauptseminar Gesprächsdolmetschen und mehrsprachige Rede
Dozentin: Prof. Dr. C. Hauenschild Die Beispiele (2a) und (2b) zeigen das HIAT (Halbinterpretative Arbeitstranskription) nach Ehlich/Rehbein 5 - ein Partiturverfahren im einfachen System – d.h. pro Sprecher steht auch hier nur eine Zeile zur Verfügung und je nachdem wie die Sprecherbeiträge eines Blocks versetzt untereinander angeordnet sind, treten sie auch zeitlich auf.
2.2.1 Nutzen der Partiturnotation für die eingangs gestellten
Analyseziele
Der Auszug erscheint aus zwei Gesichtspunkten heraus besser geeignet für das eingangs gestellte Analyseziel (vgl. 1. Transkriptionssysteme und Analyseziele):
1. Die Interaktion des Gesprächs lässt sich durch die Partiturschreibweise
besser nachvollziehen. So ist die Pause, die Sprecher S2 macht, um auf die Bestätigungsform von S1 zu warten im Gesprächsfluss viel leichter und schneller zu erkennen.
2. Paraverbale Aspekte werden am linken Rand notiert und fallen leichter ins
Auge – so zum Beispiel das gepresste Lachen von S1, als er antwortet, den Weg zu finden.
Dieses Verfahren weist zwar noch keine zusätzliche Transkriptionszeile pro Block auf, um Information hinzuzufügen, ist aber dem Analyseziel dieser Arbeit dienlicher, da es einfach übersichtlicher ist und wichtige Informationen so schneller erfasst werden können.
5 siehe Ehlich/ Rehbein (1976)
9
Quote paper:
Simone Kotarra, 2004, Transkriptionsmethoden, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Gestik und Mimik als Mittel der Kommunikation
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 24 Pages
"als diu âventiure giht" - Die Kommunikation als zentrales E...
Dargestellt an Hartmanns von A...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Termpaper, 23 Pages
Wie verändert sich Enites Redeverhalten im Verlauf des Romans?
Ein Essay
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Essay, 6 Pages
Beurteilungsfehler bei der Verhaltensbeurteilung von Mitarbeitern auf ...
Psychology - Work, Business, Organisational and Economic Psychology
Scholary Paper (Seminar), 30 Pages
Leistungsmessung- und Bewertung (in Betrieben)
Business economics - Personnel and Organisation
Termpaper, 21 Pages
Personalbeurteilung und Beurteilungsgespräch als Bestandteil der Führu...
Business economics - Personnel and Organisation
Scholarly Research Paper, 52 Pages
Content and language integrated learning - CLIL
English - Pedagogy, Didactics, Literature Studies
Diploma Thesis, 114 Pages
Aspekte der "secessio plebis" von 494 v.Chr. bei Livius
History - World History - Early and Ancient History
Termpaper, 13 Pages
Spiele im Geschichtsunterricht - Warum Geschichte spielend lernen?
Examination Thesis, 85 Pages
Simone Kotarra's text Transkriptionsmethoden is now available as a printed book
Simone Kotarra has published the text Transkriptionsmethoden
Simone Kotarra has uploaded a new text
A Tale of Three Cities: The 1993 Rede Lecture and Related Summit Decla...
L. M. Singhvi, Singhvi L. M.
What Is Punishment for and How Does It Relate to the Concept of Commun...
Her Royal Highness the Princess Royal, H R H the Princess Anne, H R H the Princess Royal
Comparative Politics. Six Lectures Read Before the Royal Institution i...
Edward Augustus Freeman
0 comments