Subtitle: Die sozial-kognitive Lerntheorie nach Bandura und ihre sozialpsychologische Bedeutung für Schule und Unterricht
Termpaper, 2006, 23 Pages
Author: Liwia Kolodziej
Subject: Pedagogy - Science, Theory, Anthropology
Details
Institution/College: University of Wuppertal
Year: 2006
Pages: 23
Grade: 1,7
Language: German
ISBN (E-book): 978-3-640-36474-9
ISBN (Book): 978-3-640-36463-3
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Abstract
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema „Lernen am Modell- Die sozial- kognitive Lerntheorie nach Bandura und ihre sozialpsychologische Bedeutung für Schule und Unterricht“. Das Thema eröffnet mehrere komplexe Forschungsgebiete, die in dieser Hausarbeit nicht vollständig erfasst werden können und zum Teil auch nur allgemein formuliert werden können. Das Thema muss somit zunächst eingeschränkt werden. Im Vordergrund dieser Arbeit steht die sozial- kognitive Lerntheorie nach Albert Bandura, deren zentrale Aussagen als theoretische Grundlagen der gesamten Arbeit dienen. Es soll untersucht werden, welche Grundprinzipien Bandura vom menschlichen Verhalten annimmt, wie er diese begründet und analysiert. Diese theoretischen Überlegungen sollen in einen sozialpsychologischen Zusammenhang mit Schule und Unterricht gebracht werden. Somit besteht ein wesentliches Ziel dieser Arbeit darin, einen Theorie- Praxis- Bezug herzustellen. Das heißt mit anderen Worten, es soll untersucht werden, welche Konsequenzen aus der sozial- kognitiven Lerntheorie für Schule, Unterricht, Lehren und Lernen erfolgen. Ein wesentlicher Gedanke der sozial- kognitiven Lerntheorie ist das Lernen am Modell, also der Annahme, dass menschliches Lernen durch Beobachtung und Imitation anderer geschehen kann. In einer Gesellschaft, in der Menschen nach Individualität und Originalität streben, sind Imitation oder Nachahmung mit negativen Eigenschaften verbunden. Trotzdem besitzt Nachahmungsverhalten auch in alltäglichen Situationen eine wichtige Bedeutung. Aggressives Verhalten oder Drogenkonsum einer Person werden häufig darauf zurückgeführt, dass eine Person sich dieses Verhalten bei ihren Freunden abgeschaut hat oder, dass das der Einfluss von anderen sei, oder dass sie sich mit falschen Leuten abgibt. Diese Hausarbeit versucht, diese „Alltagsweisheiten“ wissenschaftlich zu begründen, teilweise zu widerlegen und zu analysieren. Es sollen sozialpsychologische Aspekte der Schule und des Unterrichts herangezogen werden, um herauszufinden, welcher Zusammenhang zwischen sozialen Interaktionen in der Schule, dem sozialen Lernen in der Schule und dem Imitationslernen besteht und welche Rolle dabei das Lehrerverhalten spielt.
Excerpt (computer-generated)
Bergische Universität Wuppertal
Fachbereich G Bildungswissenschaften
Fachgebiet Pädagogik
Veranstaltung: Blockseminar ,,Theorien des Lernens"
WS 05/06
Lernen am Modell:
Die sozial- kognitive Lerntheorie nach Bandura und ihre
sozialpsychologische Bedeutung für Schule und
Unterricht
Liwia Kolodziej
Studiengang: LA Gym/ Ges (Deutsch/ Pädagogik)
5. Semester
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Sozial-kognitive Lerntheorie 4
2.1. Theoretischer Rahmen 4
2.2. Lernen am Modell 6
2.3. Theorie der Verhaltensmodifikation 12
3. Sozialpsychologische Aspekte in Schule und Unterricht 13
3.1. Soziale Beziehungen in der Schulklasse 14
3.2. Lehrer- Schüler- Interaktion 15
3.3. Soziales Lernen in Schule und Unterricht 17
3.4. Lehrer als Modell 18
4. Zusammenfassung: Pädagogische Implikationen der sozial- kognitiven Lerntheorie für
Literaturverzeichnis 22
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1. Einleitung
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Thema ,,Lernen am Modell- Die sozial- kognitive
Lerntheorie nach Bandura und ihre sozialpsychologische Bedeutung für Schule und
Unterricht". Das Thema eröffnet mehrere komplexe Forschungsgebiete, die in dieser
Hausarbeit nicht vollständig erfasst werden können und zum Teil auch nur allgemein
formuliert werden können. Das Thema muss somit zunächst eingeschränkt werden. Im
Vordergrund dieser Arbeit steht die sozial- kognitive Lerntheorie nach Albert Bandura, deren
zentrale Aussagen als theoretische Grundlagen der gesamten Arbeit dienen. Es soll untersucht
werden, welche Grundprinzipien Bandura vom menschlichen Verhalten annimmt, wie er
diese begründet und analysiert. Diese theoretischen Überlegungen sollen in einen
sozialpsychologischen Zusammenhang mit Schule und Unterricht gebracht werden. Somit
besteht ein wesentliches Ziel dieser Arbeit darin, einen Theorie- Praxis- Bezug herzustellen.
Das heißt mit anderen Worten, es soll untersucht werden, welche Konsequenzen aus der
sozial- kognitiven Lerntheorie für Schule, Unterricht, Lehren und Lernen erfolgen.
Ein wesentlicher Gedanke der sozial- kognitiven Lerntheorie ist das Lernen am Modell, also
der Annahme, dass menschliches Lernen durch Beobachtung und Imitation anderer geschehen
kann. In einer Gesellschaft, in der Menschen nach Individualität und Originalität streben, sind
Imitation oder Nachahmung mit negativen Eigenschaften verbunden. Trotzdem besitzt
Nachahmungsverhalten auch in alltäglichen Situationen eine wichtige Bedeutung.
Aggressives Verhalten oder Drogenkonsum einer Person werden häufig darauf zurückgeführt,
dass eine Person sich dieses Verhalten bei ihren Freunden abgeschaut hat oder, dass das der
Einfluss von anderen sei, oder dass sie sich mit falschen Leuten abgibt. Diese Hausarbeit
versucht, diese ,,Alltagsweisheiten" wissenschaftlich zu begründen, teilweise zu widerlegen
und zu analysieren. Es sollen sozialpsychologische Aspekte der Schule und des Unterrichts
herangezogen werden, um herauszufinden, welcher Zusammenhang zwischen sozialen
Interaktionen in der Schule, dem sozialen Lernen in der Schule und dem Imitationslernen
besteht und welche Rolle dabei das Lehrerverhalten spielt.
Die Beschäftigung mit diesem Thema soll mir für meine spätere Arbeit als Lehrerin zur
Reflexion dienen.
Ich möchte noch betonen, dass die Arbeit sich lediglich auf zentrale allgemeine
wissenschaftliche Ergebnisse beschränkt. Sicherlich können viele dieser Ergebnisse
situationsspezifisch differenziert werden.
3
2. Sozial-kognitive Lerntheorie
Die sozial- kognitive Lerntheorie nach Albert Bandura geht im Allgemeinen den Fragen
nach, wie Menschen Verhaltensweisen erlernen und wie sie miteinander und ihrer Umwelt
interagieren. Dabei spielt nicht nur die Reaktion eines Individuums auf seine Umwelt eine be-
deutende Rolle, sondern auch die aus der Interaktion von Mensch und Umwelt resultierenden
Denkprozesse, d.h. kognitive Operationen.
Banduras sozial-kognitive Lerntheorie versucht somit behavioristische und kognitivistische
Lerntheorien zu integrieren und lässt die Möglichkeit zu, komplexes soziales Lernen zu
erklären, zu analysieren und zu verstehen. Soziales Lernen wird definiert als das Erlernen von
bestimmten Verhaltensweisen, die soziale Anerkennung oder soziale Verachtung auslösen.
Welche Wechselwirkungsprozesse zwischen Individuum und Umwelt bei dem Erlernen dieser
Verhaltensweisen eine zentrale Rolle einnehmen, ist Gegenstand der sozial-kognitiven
Lerntheorie. Dieses Kapitel konzentriert sich auf die theoretischen Prinzipien der sozial-
kognitiven Lerntheorie, wie sie von Bandura 1979 in seiner gleichnamigen Veröffentlichung
beschrieben worden sind.
2.1. Theoretischer Rahmen
Um Banduras Ausführungen zur sozial-kognitiven Lerntheorie nachvollziehen zu können und
ihre Bedeutung für das komplexe Forschungsgebiet Lernen zu verstehen, bedarf es zunächst
einer lerntheoretischen Einordnung. Lerntheoretiker des radikalen Behaviorismus
beschäftigten sich in ihren Untersuchungen überwiegend mit Umwelteinflüssen, die auf das
menschliche Verhalten (in ihren Experimenten waren es jedoch überwiegend tierische
Organismen, vgl. z.B. Skinner) einwirkten. Somit entstand die Auffassung, ein Individuum sei
wahllos seiner Umwelt ausgeliefert, von ihr determiniert und könne durch äußere Eingriffe
willkürlich manipuliert werden. Gemeint ist hier die Vorstellung, menschliches Verhalten
könne beliebig konditioniert werden, wie es Experimente, die an Tieren und Menschen
durchgeführt worden sind, belegten. Allerdings ist diese lerntheoretische Konzeption nur
einseitig orientiert (Kontrolle der Umwelt) und lässt eine Erklärung des sozialen Lernens nur
unzureichend zu. Banduras Lerntheorie basiert auf behavioristischen Lerntheorien, erweitert
diese um zahlreiche Aspekte und schreibt den innerpsychischen Faktoren, sowie der
Wechselwirkung zwischen Individuum und Umwelt eine entscheidende Rolle zu. Lernen ist
nach Bandura ein Prozess, in dem Erfahrungen aktiv und kognitiv verarbeitet werden,
verbunden mit der Fähigkeit aus der Erfahrung anderer zu lernen (symbolisches und
stellvertretendes Lernen). Menschliches Lernen wird begleitet von Motivations-,
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Empfindungs- und Denkprozessen. Symbolische, stellvertretende und selbstregulierende
Prozesse nehmen hier eine zentrale Bedeutung ein. Menschen lernen, indem sie das Verhalten
anderer Menschen beobachten, sowie die Konsequenzen, die aus ihrem Verhalten folgen:
,,Die Fähigkeit, durch Beobachtung zu lernen, ermöglicht den Menschen ausgedehnte,
integrierte Verhaltensmuster zu erwerben, ohne sie langwierig und mühsam durch Versuch
und Irrtum aufbauen zu müssen." (Bandura, A.: Sozial-kognitive Lerntheorie. Stuttgart: Klett-
Cotta. 1979, S. 22). Nicht nur, dass durch Beobachtungslernen der Mensch in der Lage ist
sich unmittelbar Verhaltensweisen anzueignen, diese Fähigkeit ist nach Bandura
überlebenswichtig. Die Vorstellung, dass angemessene Verhaltenweisen durch ihre
Konsequenzen aufgebaut und durch Erfolge oder Fehler entdeckt werden, kann fatale Folgen
haben, z.B. beim Autofahrenlernen. Mögliche Irrtümer können sich hier sogar tödlich
auswirken. Die wesentliche Erkenntnis der sozial-kognitiven Lerntheorie besteht darin, dass
Lernen nicht nur durch direkte Erfahrung von Kontingenzen stattfindet, sondern auch durch
die Beobachtung anderer Personen. Bandura beobachtete, dass menschliches Verhalten
weitgehend durch soziale Modelle vermittelt wird. Soziale Modelle können nicht nur reale
Modelle sein (z.B. Lehrer oder Eltern), sondern auch symbolische Modelle (z.B. Medien),
durch die soziales Lernen stattfinden kann. Aus dieser Überzeugung erarbeitete Bandura die
Theorie des Modelllernens, welche an späterer Stelle genauer erläutert wird.
Zunächst geht Bandura davon aus, dass das menschliche Verhaltensrepertoire nicht angeboren
ist, sondern erlernt werden muss, durch eigene oder beobachtete Erfahrungen.
Verhaltensweisen werden in ihren Möglichkeiten andererseits von genetischen Bedingungen
beeinflusst. Trotzdem ist es nach Bandura unmöglich, Verhaltenweisen allein durch
Vererbungstheorien oder durch Umwelttheorien zu erklären. Vielmehr ist Bandura überzeugt,
,,(...) dass die Einflüsse aus Erfahrung und Physiologie auf vielfältige Weise interagieren und
so das Verhalten bestimmen. Sie lassen sich deshalb kaum voneinander scheiden." (Bandura,
A.: Sozial-kognitive Lerntheorie. Stuttgart: Klett-Cotta. 1979, S. 25). Des Weiteren sieht
Bandura davon ab, Verhaltenweisen in angeborene oder erlernte zu unterscheiden, sondern
sieht die Erklärung von komplexen Verhaltensweisen in der Analyse ihrer
zusammengesetzten Determinanten. Das Bekräftigungslernen ist nach Bandura eine wichtige
Vorraussetzung dafür, das bestimmte Verhaltensweisen erlernt und beibehalten werden,
während andere Verhaltensweisen verworfen werden. Menschliches Verhalten orientiert sich
an den Konsequenzen, die es hervorruft. Diese können positiv (z.B. Erfolg, Lob,
Anerkennung) oder negativ (z.B. Misserfolg, Verachtung, Strafe, Ärger) sein und wirken sich
auf das spätere Verhalten aus: ,,Durch diesen Prozess differenzierter Bekräftigung werden
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