Zu den Begriffen Kohärenz und Translation close

Bitte warten

Bitte installieren Sie den Flash Player, wenn kein E-Book erscheint.



Details

Veranstaltung: Aspekte der Translationswissenschaft
Institution/Hochschule: Universität des Saarlandes (Dolmetscherinstitut)
Tags: Begriffen, Kohärenz, Translation, Aspekte, Translationswissenschaft
Kategorie: Hauptseminararbeit
Jahr: 2004
Seiten: 26
Note: 2,0
Sprache: Deutsch
Dateigröße: 253 KB
Archivnummer: V37012
ISBN (E-Book): 978-3-638-36485-0
ISBN (Buch): 978-3-638-79019-2

Zusammenfassung / Abstract

Die Definition des Begriffes „Kohärenz“ gestaltet sich sehr schwierig, denn zwischen den bisherigen, sehr verschiedenen Ansätzen der Beschreibung wurde sowohl in der Terminologie als auch in der Methodik noch kein einheitlicher Konsens gefunden. Eine recht treffende Beschreibung bietet Hadumod Bußmann1, indem er den Begriff „Kohärenz“ im allgemeinen und im engeren Sinne betrachtet. Im allgemeinen Sinne sieht er darin „einen textbildenden Zusammenhang von Sätzen, der alle Arten textübergreifender (...) und semantischer Beziehungen umfaßt [sic]. Neben den formalen Mitteln der Syntax und Morphologie sind vor allem semantische Strukturen kohärenzbildend, z. B. kausale oder temporale Konnexion, Isotopie2 im Wortschatz oder Formen der Thematischen Progression3.“ Im engeren Sinne zieht Bußmann den immer wieder kehrenden Vergleich zwischen Kohärenz und Kohäsion, wobei er Kohärenz von dieser „grammatischen Textverknüpfung“ abgrenzt und in ihr „den semantischen, den der Kohäsion zugrundeliegenden Sinnzusammenhang eines Textes, seine inhaltlich-semantische bzw. kognitive Strukturiertheit“ sieht. Probleme der Kohärenz äußern sich in Verständigungs- oder Verstehensschwierigkeiten (vgl. Fritz, 1982: 1). Bei fehlender Kohärenz stellen sich Fragen des richtigen Zusammenhangs, des eventuellen Missverstehens oder bei schriftlichen Texten Fragen der richtigen Überlieferung bzw. eigenen Auslegung. Seit etwa 1970 lässt sich im deutschen Sprachraum ein Prozess der Terminologisierung der beiden Begriffe feststellen, da man sich in Folge der Ausweitung der linguistischen Forschungsrichtung spezifizierterer Begriffe als „Wohlgeformtheit“ oder „Grammatikalität“ bedienen wollte. Im Zuge dieses zunehmenden Interesses an dem Begriff entstanden verschiedene Betrachtungen zu diesem Thema, die im Folgenden beschrieben, verglichen und kritisch unter die Lupe genommen werden sollen.. Alles in allem soll versucht werden, den Begriff der Kohärenz sowie die verschiedenen Analyseansätze darzulegen, zu erklären und kritisch zu betrachten sowie den konkreten Bezug zwischen Kohärenz und Translation herzustellen und zu verdeutlichen.

Textauszug (computergeneriert)

Universität des Saarlandes

Dolmetscherinstitut

Hauptseminar: Aspekte der Translationswissenschaft

Sommersemester 2004

Kohärenz und Translation

vorgelegt von:

Alexa Wissel

 

 

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung 1

2 Analyseansätze 2
2.1 Kohärenzbedingungen nach Klaus Brinker 2
2.1.1 Grammatische Bedingungen der Textkohärenz 2
2.1.2 Thematische Bedingungen der Textkohärenz 6
2.2 Kohärenzbedingungen nach Beaugrande/Dressler 9

3 Kohärenz und Translation 13
3.1 Stand der Forschung 13
3.2 Bedeutung der Kohärenzanalyse für das Übersetzen 13
3.2.1 Übersetzung eines deutschen Werbetextes in Amerikanische 14
3.2.2 Beachtung von Wissenssystemen 15

4 Übersetzungsschwierigkeiten bei Jigsaw–Texten 18
4.1 Definition „Jigsaw–Text” 18
4.2 Beispiele für Jigsaw-Texte 19
4.2.1 Softwarelokalisierung 19
4.2.2 Dynamische Webseiten 19
4.2.3 Untertitelung 20
4.2.4 Technische Dokumentation 20

5 Schluss 22

Literaturverzeichnis

 

 

1 Einleitung

Die Definition des Begriffes „Kohärenz“ gestaltet sich sehr schwierig, denn zwischen den bisherigen, sehr verschiedenen Ansätzen der Beschreibung wurde sowohl in der Terminologie als auch in der Methodik noch kein einheitlicher Konsens gefunden. Eine recht treffende Beschreibung bietet Hadumod Bußmann1, indem er den Begriff „Kohärenz“ im allgemeinen und im engeren Sinne betrachtet. Im allgemeinen Sinne sieht er darin „einen textbildenden Zusammenhang von Sätzen, der alle Arten textübergreifender (...) und semantischer Beziehungen umfaßt [sic]. Neben den formalen Mitteln der Syntax und Morphologie sind vor allem semantische Strukturen kohärenzbildend, z. B. kausale oder temporale Konnexion, Isotopie2 im Wortschatz oder Formen der Thematischen Progression3.“ Im engeren Sinne zieht Bußmann den immer wieder kehrenden Vergleich zwischen Kohärenz und Kohäsion, wobei er Kohärenz von dieser „grammatischen Textverknüpfung“ abgrenzt und in ihr „den semantischen, den der Kohäsion zugrundeliegenden Sinnzusammenhang eines Textes, seine inhaltlich-semantische bzw. kognitive Strukturiertheit“ sieht. „Semantische Kohärenz ist darstellbar als Folge von Propositionen4 (Thematische Entfaltung, Makrostruktur) bzw. (in einem kognitiven Modell semantischer Netze) als Konstellation aus begrifflichen Konzepten und verbindenden Relationen. Bei wenig kohärenten Satzfolgen kann der Hörer durch sinnvolle Inferenz5 bei der Textverarbeitung Kohärenz und damit einen „Text“ herstellen.“ (Bußmann, 1990: 389). Da die Begriffe „kohärent“ und „Kohärenz“ im Deutschen als Fremdwörter verwendet werden, ist ihr Gebrauch und ihr Verständnis im deutschen Sprachraum deutlich geringer als im englischen, wo die äquivalenten Begriffe „coherent“ und „coherence“ weitaus gebräuchlicher sind.6

Probleme der Kohärenz äußern sich in Verständigungs- oder Verstehensschwierigkeiten (vgl. Fritz, 1982: 1). Bei fehlender Kohärenz stellen sich Fragen des richtigen Zusammenhangs, des eventuellen Missverstehens oder bei schriftlichen Texten Fragen der richtigen Überlieferung bzw. eigenen Auslegung. Seit etwa 1970 lässt sich im deutschen Sprachraum ein Prozess der Terminologisierung der beiden Begriffe feststellen, da man sich in Folge der Ausweitung der linguistischen Forschungsrichtung spezifizierterer Begriffe als „Wohlgeformtheit“ oder „Grammatikalität“ bedienen wollte. Im Zuge dieses zunehmenden Interesses an dem Begriff entstanden verschiedene Betrachtungen zu diesem Thema, die im Folgenden beschrieben, verglichen und kritisch unter die Lupe genommen werden sollen.. Alles in allem soll versucht werden, den Begriff der Kohärenz sowie die verschiedenen Analyseansätze darzulegen, zu erklären und kritisch zu betrachten sowie den konkreten Bezug zwischen Kohärenz und Translation herzustellen und zu verdeutlichen. Da-rüber hinaus soll besonderes Augenmerk auf das Phänomen der sogenannten „Jigsaw-Texte“7 gelegt werden, die eine besondere Form inkohärenter Texte darstellen.

2 Analyseansätze

Im Folgenden werden verschieden Ansätze der Sprachwissenschaft, Kohärenz zu erklären und zu verstehen, untersucht und miteinander verglichen.

2.1  Kohärenzbedingungen nach Klaus Brinker

Klaus Brinker sieht Kohärenz als ein „Gefüge“8 von Beziehungen, die zwischen den Sätzen und den Propositionselementen als Strukturelemente des Textes existieren und die den „inneren Zusammenhang“ (ebd.), das heißt die Kohärenz, bewirken. Dabei unterscheidet er zwei Arten der Kohärenz, nämlich die grammatische und die thematische Kohärenz. 

2.1.1 Grammatische Bedingungen der Textkohärenz

Klaus Brinker unterscheidet in seiner Analyse verschiedene Bedingungen, die gegeben sein müssen, um einen kohärenten Text zu erhalten. Ein Kriterium hierbei stellt das Prinzip der Wiederaufnahme dar (vgl. Brinker 2001: 27). Dabei wird unterschieden zwischen expliziter und impliziter Wiederaufnahme.

Explizite Wiederaufnahme bedeutet, dass ein oder mehrere in einem Text bereits erwähnte Ausdrücke im weiteren Verlauf des Textes wieder aufgenommen werden. Das bedeutet, dass sich der wiederaufnehmende und der wiederaufgenommene Ausdruck auf ein gleiches Objekt beziehen, welches auch als „Referenzträger“ (ebd.) bezeichnet wird. Solche Referenzträger können Gegenstände, Personen, Sachverhalte, Handlungen usw. sein. Folgende Beispiele verdeutlichen das typische Verfahren bei der expliziten Wiederaufnahme:


Beispiel 1:

“Drehbuchautor Peter Märthesheimer gestorben Fassbinders Filme der siebziger Jahre, Toelles legendäre TV-Satire "Millionenspiel": Ohne Peter Märthesheimer wären sie vielleicht nie entstanden. Der Drehbuchautor und Produzent schrieb mit seinen Texten Filmgeschichte. Am heutigen Freitag ist er 67-jährig in Berlin gestorben.“ (aus: Spiegel vom 18.06.2004 unter der Schlagzeile: Todesfall, Ressort: Kultur)

Beispiel 2:

Die Fahrpräsentation des neuen BMW 1er läuft noch, da kontert die Konkurrenz aus Stuttgart ebenfalls mit einem neuen Einstiegsmodell. (...) Kompakt, kraftvoll und vielleicht sogar wuchtig sieht das neue Modell aus, mit schärferen Karosserielinien als der Vorgänger und flotter geschnittenen Seitenfenstern. (...) Das Auto ist gegenüber dem bisherigen Modell, von dem in den vergangenen sieben Jahren rund 1,1 Millionen Exemplare gebaut und verkauft wurden, deutlich gewachsen. (aus: Spiegel vom 21.06.2004 unter der Schlagzeile: Mehr Bescheidenheit wagen, Ressort: Auto)

Die beiden Beispiele zeigen, dass der durch ein Substantiv bezeichnete Referenzträger (in Beispiel 1 eine Person und in Beispiel 2 ein Gegenstand) durch Wiederholung desselben Substantivs (Beispiel 1: Drehbuchautor), durch ein oder mehrere Substantive bzw. substantivische Wortgruppen (Beispiel 1: Drehbuchautor, Beispiel 2: Auto) oder durch ein Personalpronomen (Beispiel 1: er) wieder aufgenommen werden kann.

Bei der Wiederaufnahme durch mehrere Substantive wird - anders als bei der Wiederaufnahme durch dasselbe Substantiv - ein Substantiv gewählt, das mit dem bereits genannten Substantiv bedeutungsverwandt ist (z. B. Auto, Einstiegsmodell, Fahrzeug etc.). Diese Bedeutungsähnlichkeiten ergeben sich aber meist aus dem Kontext und sind daher oft stark von dem jeweiligen Text abhängig, das heißt nicht beliebig auf jeden Text übertragbar. Die Wiederaufnahme durch Pronomen kann nach Brinker durch Personalpronomen (er, sie es etc.), Demonstrativpronomen (dieser, jener, der etc.) und Adverbien (da, dort, damals deshalb etc.) sowie Pronominaladverbien (dabei, darin, deshalb etc.) erfolgen (vgl. Brinker 2001: 33). Diese Platzhalter der entsprechenden Substantive werden als sogenannte Pro- Formen bezeichnet.

Als ein weiteres kohärenzbildendes Merkmal betrachtet Brinker die Wahl des Artikels. So werden unbekannte Personen bzw. Gegenstände für den Leser mit dem unbestimmten Artikel eingeführt und bei einer Wiederaufnahme mit dem bestimmten Artikel, dem Demonstrativpronomen bzw. Interrogativpronomen wieder aufgegriffen und damit als bekannt vorausgesetzt. Ein Missachten dieser Regel würde beim Leser das Gefühl erzeugen, es handele sich um einen inkohärenten Text.

[...]


1 Bußmann, Hadumod (1990): Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart: Kröner, S. 389.

2 Isotopie: „Wiederkehr von Wörtern desselben Bedeutungs- bzw. Erfahrungsbereiches in einem Text, z. B. Arzt,
Fieber, Spritze“ (aus: Bußmann 1990: 357).

3 Thematische Progression/Entfaltung: „Spezifische Struktur, in der das Textthema zum Gesamtinhalt des Textes ausgestaltet wird. Die T. E. entfaltet sich durch Verknüpfung von Teilinhalten gemäß semantischer Relationen wie Spezifizierung, Einordnung oder Begründung. Grundformen der T .E. sind die deskriptive, narrative, explikative und argumentative E.“ (aus: Bußmann 1990: 786) .

4 Propositionen: „Unter P. wird der sprachunabhängige, bezüglich des Illokutionstyps neutrale gemeinsame Nenner der Bedeutung von Sätzen bezeichnet, die das Zutreffen eines Sachverhalts zum Inhalt haben.“ (aus: Bußmann 1990: 616f).

5 Inferenz: „Kognitiver Prozeß bei der Textverarbeitung: Ergänzung oder Erweiterung der semantischen Repräsentation eines Textes (der Textbasis) durch dessen Implikationen und Präsuppositionen, also durch unausgesprochene, aber zum Textverständnis notwendige Inhalte (...) sowie durch eigenes, in einem Schema gespeichertes, zum Textinhalt passendes Wissen des Lesers/Hörers.“ (aus: Bußmann 1990: 335).

6 Vgl. Fritz, Gerd (1982): Kohärenz – Grundfragen der linguistischen Kommunikationsanalyse. Tübingen: Narr, .

7 Jigsaw -Texte (jigsaw, engl.: Puzzle) sind Texte, die nicht kohärent geschrieben sind. Das resultiert meist aus der Tatsache, dass sie meist stückweise geschrieben, überarbeitet, übersetzt und gelesen werden. Diese „Textbrocken“ sind meist klein, ungeordnet und ohne Zusammenhang. Sie erinnern an Puzzleteile, die zusammengesetzt wurden (vgl. Schubert 2003: 295).

8 Brinker, Klaus (2001): Linguistische Textanalyse. Berlin: Erich- Schmidt, S. 21.

 

Kommentare

Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:

http://www.grin.com/e-book/37012/