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Diplomarbeit, 2004, 66 Seiten
Autor: Anja Green
Fach: Sprachwiss. / Sprachforschung (fachübergreifend)
Details
Institution/Hochschule: Universität Leipzig (Angewandte Linguistik und Translatologie)
Tags: Bilingualität, Dolmetschern, Fach, Englisch
Jahr: 2004
Seiten: 66
Note: 1,3
Literaturverzeichnis: ~ 46 Einträge
Sprache: Deutsch
ISBN (E-Book): 978-3-638-40964-3
ISBN (Buch): 978-3-638-70694-0
Dateigröße: 381 KB
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Zusammenfassung / Abstract
Als mir zum ersten Mal meine Bilingualität und ihre Auswirkungen auf mein Studium bewusst wurden, begann ich mich zu fragen, wie andere bilinguale Übersetzer und Dolmetscher mit zwei Sprachen in ihrem Leben umgehen und welchen Einfluss diese auf die Ausübung ihres Berufes haben. Diese Diplomarbeit bildet den passenden Rahmen, um eben dies zu erforschen. Die beste Möglichkeit, meine eigenen Erfahrungen mit denen anderer Bilingualer zu vergleichen, war, diese direkt dazu zu befragen. Eine solche Befragung bot auch die Gelegenheit, die Erfahrungen der Bilingualen zu denen der Monolingualen in Beziehung zu setzen und so herauszufinden, ob es für den Beruf des Übersetzers oder Dolmetschers vorteilhaft ist, monolingual oder bilingual zu sein. Des Weiteren lag es nahe, auch die Dozenten des Instituts für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) der Universität Leipzig in die Forschung einzubinden. Um herauszufinden, wo meine Untersuchung im Vergleich zu schon bestehenden Forschungsprojekten einzuordnen ist, wurde ein großer Teil der Studien zu Bilingualität und Translation analysiert und deren Ergebnisse den von mir gewonnenen Erkenntnissen gegenübergestellt. Heute wird die Bilingualität weitaus häufiger und umfangreicher erforscht als noch vor 60 Jahren, als Wissenschaftler erstmals begannen, sich eingehend mit dem Thema zu beschäftigen. Außerdem befassen sich die neueren Studien mit zahlreichen Themen aus verschiedenen Fachbereichen, während die älteren Forschungen hauptsächlich untersuchen, ob die Bilingualität negative Auswirkungen auf die Intelligenz des Menschen hat (vgl. Baker/Jones 1998:62f.). Die Bilingualitätsforschung steht also immer mehr im Interesse der Wissenschaft und wird mehr denn je zu einem multi- und interdisziplinären Thema. Nur durch diese Multi- und Interdisziplinarität kann sie alle für die Bilingualität relevanten Phänomene beschreiben (vgl. Romaine 1989:7, Hoffmann 1994:6). In Bezug auf Mehrsprachigkeit wird also unter anderem untersucht, wie sich die Sprachverarbeitung bei Monolingualen und Bilingualen unterscheidet oder inwiefern sich soziale Faktoren auf die Sprachverwendung auswirken. Das Übersetzen und Dolmetschen, und demnach auch diese Arbeit, gehören in den Bereich der Angewandten Linguistik.
Textauszug (computergeneriert)
Universität Leipzig
Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie
Diplomarbeit
Bilingualität bei Übersetzern und Dolmetschern
eingereicht von:
Anja Green
Leipzig 09.2004
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung ... 1
2 Zum Problem der Bilingualität ... 5
2.1 Bilingualität im Allgemeinen ... 6
2.1.1 Definition des Begriffes Bilingualität ... 7
2.1.2 Geschichte der Bilingualität ... 10
2.1.3 Arten von Bilingualität ... 11
2.1.3.1 Kompositionelle und Koordinierte Bilingualität ... 12
2.1.3.2 Äquilingualität und Ambilingualität ... 13
2.1.3.3 Semilingualität ... 15
2.1.4 Sprachen im bilingualen Gehirn ... 15
2.1.5 Merkmale von Bilingualen ... 18
2.1.5.1 Interferenzen ... 18
2.1.5.2 Kodewechsel ... 19
2.1.5.3 Sprachübergreifende Fähigkeiten ... 21
2.2 Bilingualität in Bezug auf Übersetzer und Dolmetscher ... 22
2.2.1 Forschung zu Bilingualität und Translation ... 23
2.2.2 Vorurteile über Bilinguale ... 25
2.2.3 Hypothesen zu Bilingualen als Übersetzer und Dolmetscher ... 27
2.2.3.1 Bilinguale Sprachkompetenz und Translation ... 27
2.2.3.2 Interferenzerscheinungen und Translation ... 28
3 Datenerhebung ... 29
3.1 Herangehensweisen ... 30
3.1.1 Diskrepanzen zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung ... 30
3.1.2 Sprachenklassifizierung ... 31
3.2 Befragung von Dozenten des Instituts für Angewandte Linguistik und Translatologie ... 32
3.2.1 Erkenntnisse aus der Befragung der Dozenten ... 32
3.2.2 Schlussfolgerungen aus der Befragung der Dozenten ... 33
3.3 Befragung mit Fragebögen ... 34
3.3.1 Aufbau der Fragebögen ... 34
3.3.1.1 Art der Fragestellung ... 35
3.3.1.2 Inhalt ... 35
3.3.2 Befragte Personen ... 38
3.3.2.1 Freiberufliche Übersetzer und Dolmetscher in Leipzig ... 38
3.3.2.2 Dozenten des Instituts für Angewandte Linguistik und Translatologie ... 38
3.3.3 Erkenntnisse aus der Befragung mit Fragebögen ... 39
3.3.4 Schlussfolgerungen aus der Befragung mit Fragebögen ... 46
3.4 Befragung von weiteren Personen ... 49
3.4.1 Erkenntnisse aus der Befragung von weiteren Personen ... 49
3.4.2 Schlussfolgerungen aus der Befragung von weiteren Personen ... 52
3.5 Erkenntnisse aus der gesamten Befragung ... 53
3.6 Schlussfolgerungen aus der gesamten Befragung ... 55
4 Ausblick ... 58
5 Literaturverzeichnis ... 60
6 Abbildungsverzeichnis ... 64
1 Einleitung
People rarely make a conscious decision to become bilingual; it happens because their interaction with the world around them requires the use of two languages.
(Grosjean 1982:VIII)
Diese Aussage von François Grosjean beschreibt den Weg vieler Bilingualer in die Zweisprachigkeit mit wenigen Worten. Verschiedenste Faktoren können ein zweisprachiges Leben erforderlich machen, seien es das Arbeiten im Ausland, Angehörige verschiedener Sprachgruppen im engen Freundeskreis, das Zusammenleben mit einem anderssprachigen Partner oder die Teilnahme an einem Austauschprogramm der Schule oder Universität. Auch ich selbst bin vor drei Jahren durch meinen amerikanischen Ehepartner bilingual geworden. Das Zusammenleben macht es erforderlich, dass ich zu Hause mit meinem Mann englisch spreche und sonst, wie schon vorher, deutsch.
Das plötzliche Vorhandensein von zwei Sprachen in meinem Leben machte sich rasch bemerkbar. Anfangs äußerte es sich vor allem darin, dass ich nicht schnell genug zwischen Englisch und Deutsch wechseln konnte und so gelegentlich Personen in der falschen Sprache ansprach. Dies trat besonders dann auf, wenn Personen beider Sprachgruppen aufeinander trafen und so ein ständiger Sprachwechsel nötig war. Schon nach kurzer Zeit gewöhnte ich mich an das bilinguale Leben und lernte, mit schnellen Sprachwechseln besser umzugehen. Dafür traten dann bald Interferenzerscheinungen auf, also Strukturübertragungen aus der einen in die andere Sprache, die nur schwer kontrollierbar waren. Die Interferenzen waren in beiden Sprachen vorhanden, nicht nur in meiner stärkeren Sprache Deutsch. Seit einiger Zeit bemerke ich nun, dass die Interferenzerscheinungen deutlich nachgelassen haben und besser kontrollierbar sind. So treten sie nur noch auf, wenn ich unaufmerksam, müde oder stark belastet bin oder wenn es nicht wichtig ist, dass etwas sprachlich korrekt ausgedrückt wird. Da der Inhalt meines Studiums das Übersetzen und Dolmetschen ist, ist es wichtig, etwas in Form und Ausdruck korrekt wiedergeben zu können. Doch auch beim Übersetzen und Dolmetschen macht sich meine Bilingualität durch Interferenzerscheinungen bemerkbar. Allerdings treten diese Interferenzen dort wesentlich seltener auf als im Privatleben, da ich sie durch hohe Konzentration in der Regel unterbinden kann.
Natürlich hat das Vorhandensein von zwei Sprachen in meinem Leben nicht nur negative Auswirkungen, sondern in weit überwiegendem Maße positive Seiten. Einer der größten Vorteile ist, dass mein Englisch sich durch den ständigen Gebrauch stetig verbessert. Dies wirkt sich unmittelbar auf mein Studium aus, da eine hohe Sprachkompetenz in allen studierten Sprachen für Übersetzer und Dolmetscher unverzichtbar ist. Die ständige Gegenwart von zwei Sprachen in meiner Umwelt erleichtert es mir, beim Dolmetschen schnell passende Ausdrücke zu finden und nahezu problemlos zwischen beiden Sprachen zu wechseln. Ich bemerke außerdem, dass mein Gefühl für die englische Sprache wesentlich ausgeprägter ist als vor meiner bilingualen Zeit, was für das Übersetzen und Dolmetschen ohne Zweifel von großem Vorteil ist.
Als mir zum ersten Mal meine Bilingualität und ihre Auswirkungen auf mein Studium bewusst wurden, begann ich mich zu fragen, wie andere bilinguale Übersetzer und Dolmetscher mit zwei Sprachen in ihrem Leben umgehen und welchen Einfluss diese auf die Ausübung ihres Berufes haben. Diese Diplomarbeit bildet den passenden Rahmen, um eben dies zu erforschen. Die beste Möglichkeit, meine eigenen Erfahrungen mit denen anderer Bilingualer zu vergleichen, war, diese direkt dazu zu befragen. Eine solche Befragung bot auch die Gelegenheit, die Erfahrungen der Bilingualen zu denen der Monolingualen in Beziehung zu setzen und so herauszufinden, ob es für den Beruf des Übersetzers oder Dolmetschers vorteilhaft ist, monolingual oder bilingual zu sein. Des Weiteren lag es nahe, auch die Dozenten des Instituts für Angewandte Linguistik und Translatologie (IALT) der Universität Leipzig in die Forschung einzubinden. Um herauszufinden, wo meine Untersuchung im Vergleich zu schon bestehenden Forschungsprojekten einzuordnen ist, wurde ein großer Teil der Studien zu Bilingualität und Translation analysiert und deren Ergebnisse den von mir gewonnenen Erkenntnissen gegenübergestellt.
Heute wird die Bilingualität weitaus häufiger und umfangreicher erforscht als noch vor 60 Jahren, als Wissenschaftler erstmals begannen, sich eingehend mit dem Thema zu beschäftigen. Außerdem befassen sich die neueren Studien mit zahlreichen Themen aus verschiedenen Fachbereichen, während die älteren Forschungen hauptsächlich untersuchen, ob die Bilingualität negative Auswirkungen auf die Intelligenz des Menschen hat (vgl. Baker/Jones 1998:62f.). Die Bilingualitätsforschung steht also immer mehr im Interesse der Wissenschaft und wird mehr denn je zu einem multi- und interdisziplinären Thema. Nur durch diese Multi- und Interdisziplinarität kann sie alle für die Bilingualität relevanten Phänomene beschreiben (vgl. Romaine 1989:7, Hoffmann 1994:6). So beschäftigt sich zum Beispiel die Erziehungswissenschaft unter anderem mit der Frage, welche Rolle die Bilingualität beim Spracherwerb spielt und wie Kindergärten und Schulen mit bilingualen Kindern umgehen können. Mit der stetigen Zunahme an Immigranten tritt diese Problematik immer mehr in den Vordergrund. Die Linguistik und deren Unterdisziplinen wie Neuro-, Psycho- und Soziolinguistik erforschen dagegen die menschliche Sprache und Themen wie Spracherwerb und Kognition. In Bezug auf Mehrsprachigkeit wird also unter anderem untersucht, wie sich die Sprachverarbeitung bei Monolingualen und Bilingualen unterscheidet oder inwiefern sich soziale Faktoren auf die Sprachverwendung auswirken. Das Übersetzen und Dolmetschen, und demnach auch diese Arbeit, gehören in den Bereich der Angewandten Linguistik.
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