Genau diese Freiheit kann beim Schreiben aber auch zur Herausforderung werden. Wie viel Welt musst du vorab entwickeln? Welche Regeln braucht Magie? Und was unterscheidet High Fantasy eigentlich von Urban Fantasy oder Romantasy? Wir zeigen dir, welche Merkmale eine Fantasygeschichte ausmachen, welche wichtigen Subgenres es gibt und wie du dein eigenes Fantasybuch Schritt für Schritt entwickeln kannst.
Was dich erwartet:
Das Wichtigste vorweg:
- Fantasy lebt von eigenen Welten, Magie und übernatürlichen Elementen.
- Ein stimmiges Worldbuilding gibt deiner Geschichte einen glaubwürdigen Rahmen.
- Figuren und ihre Konflikte bleiben auch in fantastischen Welten das Herz der Handlung.
- Die Wahl des passenden Subgenres hilft bei Einordnung und Vermarktung.
- High Fantasy, Urban Fantasy, Dark Fantasy, Romantasy und Cozy Fantasy sprechen unterschiedliche Erwartungen an.
Was ist Fantasy?
Fantasy erzählt Geschichten, in denen Elemente vorkommen, die nach den Gesetzmäßigkeiten unserer Realität nicht möglich sind. Das können Magie, fantastische Wesen, erfundene Welten, übernatürliche Kräfte oder vollkommen neue Gesellschaften sein.
Dabei muss eine Fantasygeschichte keineswegs ausschließlich in einer mittelalterlich anmutenden Welt mit Drachen, Burgen und Schwertern spielen. Auch eine Großstadt der Gegenwart kann zum Schauplatz werden, wenn sich hinter ihrer scheinbar normalen Oberfläche eine magische Welt verbirgt.
Entscheidend ist vielmehr: Das Fantastische ist ein grundlegender Bestandteil der erzählten Welt oder der Handlung.
Natürlich muss dein Roman nicht alle diese Bestandteile enthalten. Gerade moderne Fantasy lebt davon, bekannte Elemente neu zu kombinieren oder bewusst mit Genreerwartungen zu spielen.
Die wichtigsten Fantasy-Subgenres
Fantasy ist kein einheitliches Genre. Hinter dem Begriff verbergen sich zahlreiche Unterkategorien, die sich hinsichtlich Setting, Atmosphäre und Handlung deutlich voneinander unterscheiden können.
High Fantasy
High Fantasy spielt meist in einer vollständig erfundenen Welt mit eigenen Ländern, Kulturen, politischen Systemen und oftmals auch eigenen Sprachen oder Religionen. Häufig steht ein großer Konflikt im Mittelpunkt, dessen Ausgang nicht nur für einzelne Figuren, sondern für ganze Königreiche oder sogar die gesamte Welt entscheidend ist.
High Fantasy eignet sich besonders, wenn du gerne komplexe Welten entwickelst und große Geschichten erzählen möchtest.
Low Fantasy
Low Fantasy konzentriert sich stärker auf einzelne Figuren und kleinere Konflikte. Magische Elemente können vorhanden sein, stehen aber nicht zwangsläufig im Mittelpunkt der Welt. Die Geschichte wirkt dadurch häufig unmittelbarer und realistischer als klassische High Fantasy. Statt der Rettung eines gesamten Königreichs könnte es beispielsweise darum gehen, dass eine Figur versucht, ihre Familie zu schützen, einen Fluch zu brechen oder innerhalb einer gefährlichen Gesellschaft zu überleben.
Urban Fantasy
Was wäre, wenn Magie direkt vor unserer Haustür existieren würde? Urban Fantasy verbindet fantastische Elemente mit einer modernen, häufig städtischen Umgebung. Hexen, Vampire, Dämonen oder andere übernatürliche Wesen bewegen sich dabei beispielsweise durch Berlin, London oder New York. Besonders spannend ist der Kontrast zwischen vertrautem Alltag und verborgener magischer Welt. Du kannst dabei unterschiedliche Modelle wählen: Vielleicht weiß die gesamte Gesellschaft von der Existenz der Magie. Vielleicht wird sie aber auch sorgfältig vor gewöhnlichen Menschen verborgen.
Dark Fantasy
Dark Fantasy verbindet klassische Fantasy mit düsteren Elementen und Einflüssen aus Horror oder Gothic Fiction. Die Welten sind oft gefährlicher, moralische Entscheidungen weniger eindeutig und die Grenzen zwischen Gut und Böse verschwimmen. Typische Themen können Machtmissbrauch, Krieg, Tod, Schuld, Trauma oder der persönliche Preis von Magie sein. Eine düstere Atmosphäre allein macht allerdings noch keine Dark Fantasy. Entscheidend ist, dass diese Stimmung konsequent mit Figuren, Welt und Handlung verbunden wird.
Romantasy
Romantasy verbindet Fantasy mit Romance und gehört inzwischen zu den bekanntesten Bereichen des Genres. Neben dem fantastischen Konflikt spielt hier eine Liebesgeschichte eine zentrale Rolle. Beide Handlungsebenen sollten miteinander verbunden sein und sich gegenseitig beeinflussen.
Wichtig ist das richtige Verhältnis zwischen Fantasy- und Romance-Handlung. Überlege deshalb frühzeitig, welcher Bereich in deiner Geschichte stärker im Mittelpunkt stehen soll.
Cozy Fantasy
Nicht jede Fantasygeschichte braucht Weltuntergänge und gigantische Schlachten. Cozy Fantasy konzentriert sich auf kleinere, persönlichere Konflikte und eine warme Atmosphäre. Im Mittelpunkt stehen häufig Gemeinschaft, Freundschaft, Zugehörigkeit und persönliche Entwicklung. Eine magische Taverne, ein verzauberter Buchladen oder eine Hexe, die in einem kleinen Dorf neu anfängt, können genauso spannende Ausgangspunkte für Fantasyromane sein wie der Kampf um ein Königreich.
Das Herz deiner Geschichte: deine Fantasywelt
Eine der größten Besonderheiten beim Schreiben von Fantasy ist das Worldbuilding.
Je weiter sich deine Geschichte von unserer Realität entfernt, desto mehr musst du selbst festlegen.
Die Versuchung ist groß, vor dem eigentlichen Schreiben jedes Detail auszuarbeiten. Das ist jedoch nicht immer notwendig. Entwickle zuerst die Bereiche deiner Welt, die für deine Geschichte tatsächlich relevant sind. Wenn deine Hauptfigur in einer kleinen Hafenstadt lebt, musst du nicht unbedingt wissen, welche Herrscherdynastie vor 700 Jahren auf einem anderen Kontinent regierte. Worldbuilding sollte deine Geschichte unterstützen und nicht ersetzen.
Deine Figuren sind wichtiger als deine Welt
Ein ausgeklügeltes Magiesystem und eine Landkarte mit zwölf Königreichen können faszinierend sein. Leser:innen bleiben aber vor allem wegen deiner Figuren bei der Geschichte. Auch in der fantastischsten Welt brauchen deine Charaktere nachvollziehbare Wünsche, Ängste und Konflikte.
Frage dich deshalb:
- Was möchte meine Hauptfigur?
- Was steht diesem Ziel im Weg?
- Was hat sie zu verlieren?
- Welche falsche Vorstellung über sich selbst oder ihre Welt trägt sie mit sich?
- Wie verändert sie sich im Laufe der Geschichte?
Je größer deine Fantasywelt wird, desto wichtiger ist ein emotionaler Anker. Deine Hauptfigur ermöglicht den Leser:innen, diese unbekannte Welt Schritt für Schritt kennenzulernen.
Plane deine Geschichte – oder entdecke sie beim Schreiben
Für Fantasy gibt es nicht die eine richtige Herangehensweise. Manche Autor:innen entwickeln ihre Handlung detailliert, bevor sie mit dem ersten Kapitel beginnen. Andere entdecken die Geschichte erst beim Schreiben. Beide Methoden können funktionieren.
Denke bei Fantasy früh an Reihenpotenzial
Fantasy eignet sich besonders gut für Buchreihen. Eine große Welt bietet schließlich genügend Raum für weitere Konflikte, Figuren und Schauplätze. Eine Reihe sollte trotzdem nicht allein deshalb entstehen, weil Fantasyromane häufig mehrere Bände haben.
Überlege stattdessen:
- Braucht meine Geschichte wirklich mehrere Bücher?
- Hat jeder Band einen eigenen Spannungsbogen?
- Welche Fragen werden innerhalb eines Bandes beantwortet?
- Welche größeren Konflikte bleiben über mehrere Bände bestehen?
Auch der erste Teil einer Reihe sollte Leser:innen das Gefühl geben, eine vollständige Geschichte gelesen zu haben – selbst wenn größere Fragen offenbleiben.
Fantasy veröffentlichen: Kenne dein Genre
Spätestens wenn du dein Fantasybuch veröffentlichen möchtest, lohnt sich ein genauer Blick auf dein Subgenre. Denn Begriffe wie High Fantasy, Urban Fantasy, Dark Fantasy oder Romantasy helfen Leser:innen dabei, dein Buch einzuordnen.
Sieh dir deshalb Bücher an, die sich an eine ähnliche Zielgruppe richten. Welche Gestaltungselemente tauchen häufig auf? Wie werden die Geschichten beschrieben? Welche Erwartungen entstehen dadurch? Dabei geht es nicht darum, andere Bücher zu kopieren. Du solltest vielmehr verstehen, welche Signale Leser:innen nutzen, um Bücher ihres Lieblingsgenres zu erkennen.
Deine Fantasywelt beginnt mit einer Idee
Du brauchst keine vollständig ausgearbeitete Weltkarte, bevor du deinen ersten Satz schreiben darfst. Vielleicht beginnt deine Geschichte lediglich mit einer Frage:
Was wäre, wenn Erinnerungen verkauft werden könnten?
Was wäre, wenn Drachen als ausgestorben gelten, aber plötzlich wieder auftauchen?
Was wäre, wenn Magie verboten wäre und ausgerechnet die Tochter des Königs magische Fähigkeiten entwickelt?
Aus einer solchen Ausgangsidee können Figuren, Konflikte und schließlich ganze Welten entstehen. Fantasy gibt dir die Freiheit, nahezu alles zu erfinden. Die besten fantastischen Geschichten nutzen diese Freiheit aber nicht nur, um außergewöhnliche Welten zu zeigen. Sie erzählen gleichzeitig von sehr menschlichen Fragen: von Macht und Verantwortung, Liebe und Verlust, Zugehörigkeit, Angst, Hoffnung und Veränderung. Und genau darin liegt vielleicht die größte Stärke des Genres.
Gut zu wissen
- Du musst nicht jedes Detail deiner Fantasywelt vollständig ausarbeiten.
- Eine Übersicht zu Figuren, Orten und Regeln hilft dir, Widersprüche zu vermeiden.
- Bekannte Fantasywesen und Motive kannst du neu interpretieren.
- Wichtig ist vor allem, dass die Regeln deiner Welt konsequent bleiben.
- Viele Fantasyromane verbinden mehrere Subgenres miteinander.
Deine Fantasygeschichte ist fertig? Veröffentliche dein Buch!
Du hast deine eigene Welt erschaffen, deine Figuren auf ihre Reise geschickt und dein Manuskript abgeschlossen? Dann fehlt nur noch der nächste Schritt: die Veröffentlichung.
Mit Selfpublishing kannst du dein Fantasybuch selbst veröffentlichen und dabei die Kontrolle über dein Werk behalten. Von der Gestaltung deines Buches bis zur Positionierung im Handel kannst du entscheiden, wie deine Geschichte ihren Weg zu den Leser:innen findet.
Bei GRIN kannst du dein Manuskript als E-Book und gedrucktes Buch veröffentlichen und über zahlreiche Online-Buchhandlungen verfügbar machen.
Deine Welt existiert bereits auf dem Papier. Jetzt kannst du sie mit anderen teilen.
Häufige Fragen zum Schreiben von Fantasy
Eine Geschichte gehört zur Fantasy, wenn fantastische oder übernatürliche Elemente ein wesentlicher Bestandteil der Handlung oder der erzählten Welt sind. Dazu können beispielsweise Magie, erfundene Welten, fantastische Wesen oder übernatürliche Fähigkeiten gehören.
Zu den bekanntesten Subgenres gehören High Fantasy, Low Fantasy, Urban Fantasy, Dark Fantasy, Romantasy und Cozy Fantasy. Daneben existieren zahlreiche weitere Formen und Mischgenres. Viele Fantasyromane lassen sich deshalb nicht ausschließlich einer einzigen Kategorie zuordnen.
Nein. Während High Fantasy häufig in vollständig erfundenen Welten spielt, können andere Subgenres unsere reale Welt als Grundlage nutzen. Urban Fantasy kombiniert beispielsweise moderne Städte und Alltagswelten mit Magie oder übernatürlichen Wesen.
Das hängt von deiner Geschichte ab. Entwickle vor allem die Aspekte deiner Welt, die für Figuren und Handlung relevant sind. Eine komplexe Welt kann spannend sein, sollte die eigentliche Geschichte aber nicht in den Hintergrund drängen.
Nicht jedes Detail muss erklärt werden. Leser sollten jedoch verstehen können, welche Möglichkeiten und Grenzen Magie innerhalb deiner Geschichte besitzt. Besonders wichtig ist, dass die Regeln konsequent bleiben und Magie nicht jederzeit jedes Problem lösen kann.
Nein. Manche Autor planen Handlung und Welt sehr genau, andere entwickeln vieles erst beim Schreiben. Auch eine Kombination ist möglich. Gerade bei komplexen Welten, mehreren Perspektiven oder geplanten Buchreihen kann zumindest eine grobe Planung hilfreich sein.
Dafür gibt es keine feste Vorgabe. Der notwendige Umfang hängt unter anderem vom Subgenre, der Komplexität der Handlung und der Zielgruppe ab. Umfangreiche High-Fantasy-Geschichten benötigen häufig mehr Raum als beispielsweise eine konzentrierte Cozy-Fantasy-Geschichte. Entscheidend ist, dass der Umfang zur Geschichte passt und keine unnötigen Passagen enthält.
Ja, Fantasywelten bieten häufig viel Potenzial für mehrere Bücher. Eine Reihe ist aber kein Muss. Wenn du mehrere Bände planst, sollte jeder Teil einen eigenen Spannungsbogen besitzen und gleichzeitig zur übergeordneten Geschichte beitragen.
Schau dir vor allem Setting, Atmosphäre und zentralen Konflikt deiner Geschichte an. Spielt sie in einer vollständig erfundenen Welt? Ist die Atmosphäre besonders düster? Steht eine Liebesgeschichte im Mittelpunkt? Die Antworten helfen dir bei der Einordnung. Auch ein Vergleich mit ähnlichen bereits veröffentlichten Büchern kann sinnvoll sein.
Ja. Genregrenzen sind nicht starr. Eine Geschichte kann beispielsweise gleichzeitig Elemente aus Dark Fantasy und Romantasy oder aus Urban Fantasy und Mystery enthalten. Für die spätere Vermarktung solltest du dennoch überlegen, welches Genre die Erwartungen deiner wichtigsten Zielgruppe am besten beschreibt.
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