Abnehmen beginnt nicht auf der Waage, sondern im Kopf. Davon ist Autor Marcus Möllhoff überzeugt. Nachdem er selbst rund 15 Kilogramm abgenommen hat, beschäftigt er sich intensiv mit den Fragen, warum Menschen essen, was sie essen, und weshalb viele Diäten langfristig scheitern. In seinem Buch Bye, bye Kilos – Wie du dir eine gute Figur machst verbindet er persönliche Erfahrungen mit Erkenntnissen aus der Ernährungsmedizin und plädiert für einen genussvollen, alltagstauglichen Weg zur dauerhaften Gewichtsreduktion. In unserem Interview spricht er über seinen eigenen Wendepunkt, die Bedeutung emotionalen Essens und darüber, warum dauerhafte Veränderungen oft mit vielen kleinen Entscheidungen beginnen.
GRIN: Herr Möllhoff, bevor wir zu Ihrem Buch kommen: Sie haben in den letzten dreieinhalb Jahren rund 15 kg verloren. Wie kam es dazu?
Marcus Möllhoff: Bei über 113 Kilogramm, Gelenkschmerzen und einer gewichtsbedingten Fettleber gelang mir der Wendepunkt: Aus „Ich sollte eigentlich etwas ändern“ wurde ein „Ich werde etwas ändern“.
Ich begann mich intensiv mit Ernährungsmedizin, Gewohnheiten und emotionalem Essen zu beschäftigen. Heute gehe ich grundlegend anders mit Essen um, wiege unter 100 kg und habe wieder eine gesunde Leber.
GRIN: Viele Menschen beschäftigen sich mit dem Thema Abnehmen, aber jeder Weg ist anders. Was war Ihre persönliche Motivation, dieses Buch zu schreiben?
Marcus Möllhoff: Als im Frühjahr 2024 die Zeitschrift iss dich gesund über meinen Erfolg berichtete, empfahl mir die Redakteurin, aus meinem Ernährungswissen und Erfahrungen ein Buch entstehen zu lassen.
Ich folgte ihrem Rat, weil es mir hilft, am Thema Ernährung dranzubleiben. Außerdem dachte ich: Viele Menschen wollen bestimmt ebenfalls Gewicht verlieren – ob fünf, 15 oder 25 Kilogramm. Ich möchte ihnen einen möglichen Ausweg anbieten.
GRIN: Ihr Buch verfolgt einen lockeren und zugänglichen Ansatz, der vom Cover und den zahlreichen Illustrationen unterstützt wird. Warum war es Ihnen wichtig, das Thema Abnehmen nicht nur über Zahlen, Kalorien und Verzicht zu vermitteln?
Marcus Möllhoff: Ich habe mich für einen praxisnahen, genussreichen und dauerhaft umsetzbaren Abnehmweg entschieden. Diäten, bei denen Kalorien, Fettgehalt oder Kohlenhydrate gezählt werden, gelingen viel zu oft nur kurzfristig. Ich ermutige bewusst zum Genuss natürlicher, nährstoffreicher und uns schlanker machender Lebensmittel. Deshalb sage ich auch ganz bewusst: Abnehmwillige können guten Gewissens auf Ratgeber, die zum Verzicht aufrufen, verzichten.
Ich ermutige bewusst zum Genuss natürlicher, nährstoffreicher und uns schlanker machender Lebensmittel. Deshalb sage ich auch ganz bewusst: Abnehmwillige können guten Gewissens auf Ratgeber, die zum Verzicht aufrufen, verzichten.
Marcus Möllhoff
GRIN: Sie kritisieren viele klassische Diäten recht deutlich. Warum?
Marcus Möllhoff: Weil viele Menschen eine tiefe Sehnsucht danach haben, ihr Gewicht dauerhaft zu reduzieren – und trotzdem immer wieder die Erfahrung machen, dass es nicht gelingt. Ich kannte das früher selbst: Wenn einige Wochen oder Monate nach einer erfolglosen Diät das Gewicht wieder steigt, entsteht der Eindruck: „Ich habe es wieder nicht geschafft.“
Vielleicht stimmt das aber gar nicht.
In Wahrheit liegt der Fehler oft im Diätkonzept und nicht am fehlenden Willen.
GRIN: Was unterscheidet Ihren Ansatz von klassischen Diäten oder typischen Abnehm-Ratgebern?
Marcus Möllhoff: Viele Abnehmbücher beantworten vor allem die Frage: „Was soll ich essen?“
Mich interessiert zusätzlich eine andere Frage: „Warum esse ich eigentlich das, was ich esse?“
Denn was in unseren Mund gelangt, wird nicht nur durch unseren Hunger bestimmt.
Ich möchte mehrgewichtige Menschen ermutigen, ihre eigenen Gedanken, Gefühle und Gewohnheiten rund ums Essen zu verstehen und diese so zu verändern, dass ein genussvoller Umgang mit echtem Essen im persönlichen Alltag tatsächlich funktioniert.
Denn Abnehmen beginnt nicht auf der Waage, sondern im Kopf, im Alltag und bei der Ernährung.
Denn Abnehmen beginnt nicht auf der Waage, sondern im Kopf, im Alltag und bei der Ernährung.
Marcus Möllhoff
GRIN: Das Thema emotionales Essen nimmt viel Raum ein. Wird dieser Aspekt Ihrer Meinung nach oft unterschätzt?
Marcus Möllhoff: Wahrscheinlich fällt jedem von uns spontan mindestens ein Lebensmittel ein, das er eigentlich weniger essen sollte.
Warum essen wir es trotzdem?
Wenn ich gestresst nach Hause komme und automatisch nach etwas Süßem greife, hat das nicht unbedingt mit Hunger zu tun. Essen kann trösten, belohnen, beruhigen oder Langeweile vertreiben.
Wer ist in Momenten von Stress, Einsamkeit oder Traurigkeit für uns da? Stets Schokolade.
Wenn wir dauerhaft abnehmen wollen, brauchen wir auch für solche Gefühle bessere Lösungen.
Deshalb findet sich im Buch auch eine konkrete Übung, mit der man sein eigenes emotionales Essverhalten einmal genauer unter die Lupe nehmen und individuell passende Lösungen finden kann.
GRIN: Was fällt Ihnen heute leichter als früher?
Marcus Möllhoff: Für Stress, Langeweile und Selbstzweifel habe ich bessere Lösungen als emotionales Essen gefunden. Mit Essen hingegen verbinde ich heute viel stärker Genuss, Freude und zur Ruhe kommen.
Auch beim Einkaufen treffe ich heute bewusstere Entscheidungen. Ein Beispiel: Früher konnte mich ein Joghurtbecher mit schönen Himbeeren auf der Verpackung überzeugen. Heute schaue ich genauer hin: Muss es wirklich der zuckerreiche Fruchtjoghurt sein? Wie viel Frucht enthält er wirklich? Schmeckt mir Naturjoghurt mit echten Beeren vielleicht sogar besser?
Das klingt nach einer Kleinigkeit. Aber genau aus vielen solcher kleinen Entscheidungen entsteht eine dauerhafte Ernährungsumstellung – und irgendwann zeigt sich das im Blick in den Spiegel und auf der Waage.
Aber genau aus vielen solcher kleinen Entscheidungen entsteht eine dauerhafte Ernährungsumstellung – und irgendwann zeigt sich das im Blick in den Spiegel und auf der Waage.
Marcus Möllhoff
GRIN: Was empfehlen Sie Menschen, die schon viele Diäten ausprobiert haben und trotzdem immer wieder an denselben Punkt zurückkehren?
Marcus Möllhoff: Vielleicht brauchen sie gar keine neue Diät. Vielleicht müssen sie zunächst verstehen, warum die alten immer wieder gescheitert sind.
Ich möchte ihnen mit all meiner Überzeugungskraft sagen: „Gib nicht auf“!
Zunächst hatte ich ebenfalls Zweifel, ob dauerhaftes Abnehmen überhaupt möglich ist. „Dies ist mein letzter Versuch“, sagte ich damals zu mir selbst. Heute bin ich sehr froh, einen für mich passenden Weg gefunden zu haben. Und genau dabei möchte ich andere Menschen mit meinem Buch unterstützen: ihren eigenen, zu ihrem Alltag passenden Weg zu finden und zu gehen.
Und genau dabei möchte ich andere Menschen mit meinem Buch unterstützen: ihren eigenen, zu ihrem Alltag passenden Weg zu finden und zu gehen.
Marcus Möllhoff
GRIN: Neben den großen Veränderungen: Gibt es eine eher unscheinbare Gewohnheit, die Ihnen beim Abnehmen erstaunlich viel gebracht hat?
Marcus Möllhoff: Da könnte ich jetzt vieles erzählen. Eine kleine Gewohnheit, die mir viel bedeutet: Ich schreibe am Ende jedes Tages auf, welche guten und sättigenden Lebensmittel ich heute genossen habe. Nicht: Was habe ich falsch gemacht? Sondern: Was habe ich gut gemacht?
Das klingt zunächst unspektakulär, verändert aber den eigenen Blick auf Ernährung enorm.
GRIN: Was war die größte Herausforderung beim Schreiben des Buches?
Marcus Möllhoff: Die größte Herausforderung bestand darin, Abnehmwillige einerseits wissenschaftlich fundiert zu informieren und ihnen andererseits eine lockere und motivierende Sprache zu bieten, die Freude – ja, Sie haben richtig gehört: Freude! – auf eine neue, natürliche Ernährungsweise macht.
Ich wollte zeigen, dass eine Ernährungsumstellung auch etwas sein kann, auf das man sich freut.
Ich wollte zeigen, dass eine Ernährungsumstellung auch etwas sein kann, auf das man sich freut.
Marcus Möllhoff
GRIN: Was hat Ihnen am meisten Freude am Schreibprozess gemacht?
Marcus Möllhoff: Als ich meine eigenen Aha-Abnehm-Momente aufschrieb, stellte ich mir vor, wie Leser meine Gedanken auf ihr eigenes Leben übertragen und dabei ihre ganz persönlichen Aha-Momente erleben. Diese Vorstellung hat mich beim Schreiben motiviert – und sie motiviert mich bis heute.
GRIN: Für wen ist Ihr Buch besonders geeignet? Wen möchten Sie mit Ihren Gedanken erreichen?
Marcus Möllhoff: Bye, bye Kilos richtet sich an alle Menschen, die gerne essen, aber weniger davon an sich herumtragen möchten.
Es richtet sich an mehrgewichtige Menschen, die wirklich und dauerhaft abnehmen wollen und den entscheidenden Schritt vom bloßen Ernährungswissen zur dauerhaften Umsetzung in ihrem Leben gehen wollen.
GRIN: Lieber Herr Möllhoff, herzlichen Dank für die ehrlichen Einblicke in Ihre persönliche Geschichte und die Gedanken hinter Ihrem Buch. Wir wünschen Ihnen, dass Ihre Erfahrungen noch viele Menschen ermutigen, ihren eigenen Weg zu ihrem Wohlfühlgewicht zu finden.
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