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7. Februar 2024 • Lesedauer: 6 min

Welcher Lerntyp bist du? Die vier Lerntypen nach Vester

Den eigenen Lerntyp zu kennen, hilft dabei, effektiver für Klausuren und andere Prüfungen zu lernen. Dieser Artikel stellt dir die vier Lerntypen nach Frederic Vester vor. Bei welchem erkennst du dich wieder?

Was dich erwartet:

Das Wichtigste vorweg:

  • Vesters Lerntypen teilen sich auf in auditiv, visuell, kommunikativ und haptisch
  • Auch wenn Vesters Theorie nicht unumstritten ist, eine Beschäftigung mit den verschiedenen Typen hilft dir, die beste Art zu lernen für dich zu entdecken

Wir lernen unser Leben lang. Vom Alphabet und Kopfrechnen in der Grundschule, über das Abitur und schließlich im Studium. Manchmal fällt es uns dabei ganz leicht, uns Dinge zu merken, während manche Fakten und Zusammenhänge einfach nicht in unserem Kopf bleiben wollen. Mit dieser Frage haben sich schon viele Forscher*innen und Psycholog*innen befasst: wie können wir am effektivsten lernen? Einer von ihnen war der deutsche Biochemiker und Systemforscher Frederic Vester.

Vester entwickelte 1975 die Theorie, dass alle Menschen einer der folgenden vier Lernkategorien angehören: visuell, auditiv, kommunikativ oder haptisch. Inzwischen gibt es zu dieser Thematik auch neuere Forschungsansätze, die auf anderen Lernmodellen beruhen. Allerdings haben alle Theorien eines gemeinsam: jeder Mensch lernt anders. Wenn man also so effektiv wie möglich lernen will, ist es sinnvoll, sich genauer mit seinen Präferenzen zu befassen. Im Folgenden stellen wir dir Vesters Aufteilung genauer vor – vielleicht erkennst du dich in einem Lerntypus wieder?

Der visuelle Lerntyp

Beim visuellen Lerntyp liegt der Fokus auf dem Sehen. Dir fällt das Lernen am leichtesten, wenn du Bilder vor dir hast und der Lernstoff grafisch aufbereitet ist? Dann könntest du zum visuellen Lerntyp gehören. Menschen, die diese Art des Lernens bevorzugen, verstehen Informationen und Zusammenhänge besser, wenn sie diese direkt vor Augen haben.

Dem visuellen Lerntyp fällt das Lernen mithilfe von bildlichen Veranschaulichungen wie Diagrammen, Schaubildern und Mindmaps am leichtesten. Aber auch das farbliche Markieren von wichtigen Informationen im Text (hierbei am besten verschiedene Farben für unterschiedliche Arten von Informationen verwenden) und Notizen am Seitenrand können hilfreich sein. Durch diese grafische Aufbereitung des Textes fällt es dem visuellen Lerntyp leichter, sich zu merken, an welcher Stelle im Text welche Information zu finden ist.

Es hilft dem visuellen Typ, eine strukturierte Arbeitsweise zu entwickeln, bei der er Informationen in Modellen grafisch aufbereitet, die einer bestimmten Logik folgen. Auch das Schreiben von Zusammenfassungen kann helfen, Informationen zu visualisieren und in einen logischen Zusammenhang zu bringen.

Der auditive Lerntyp

Beim auditiven Lerntyp steht das Hören im Mittelpunkt. Dir fällt das Lernen am leichtesten, wenn du die Informationen in einer Aufnahme hörst, oder sie dir selbst laut vorliest? Dann könntest du ein auditiver Lerntyp sein. Menschen, die diese Art des Lernens bevorzugen, können mündlichen Erklärungen besonders gut folgen und auch das Zuhören über einen längeren Zeitraum fällt ihnen leicht. Der Frontalunterricht beispielsweise, wie er häufig in Vorlesungen angewendet wird, kommt dem auditiven Lerntyp besonders gelegen.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich Lernstoff über das Hören zuzuführen: Podcasts, Videos, Hörbücher oder Aufnahmen von Vorlesungen, die manche Dozent*innen zur Verfügung stellen. Es hilft aber auch, wie schon oben erwähnt, sich den Lernstoff selbst laut vorzulesen. Prinzipiell ist aber darauf zu achten, dass auditive Lerntypen von einer ruhigen Umgebung profitieren – laute Musik und andere Hintergrundgeräusche können schnell ablenkend sein.

Der kommunikative Lerntyp 

Beim kommunikativen Lerntyp steht die Kommunikation mit anderen im Vordergrund. Dieser Typ wird oft auch als kognitiv oder abstrakt-verbal bezeichnet. Dir fällt das Lernen am leichtesten, wenn du den Stoff mit Kommiliton*innen zusammen laut durchgehst? Dann könntest du ein kommunikativer Lerntyp sein. Menschen, die diese Art des Lernens bevorzugen, führen sich den Lernstoff zunächst visuell oder auditiv zu, brauchen dann aber den Austausch mit anderen Personen, um die Informationen zu verarbeiten und sich letztlich zu merken.

Für diesen Lerntyp ist vor allem die Arbeit in (kleinen) Lerngruppen zuträglich, in denen der Lernstoff zusammen durchgegangen und diskutiert wird. Durch Diskussionen und Gespräche über den Stoff fällt es diesem Lerntyp leichter, Informationen zu verarbeiten und langfristiger abzuspeichern. Besonders geeignet sind hier Lerngruppen, in welchen der Lernstoff aus unterschiedlichen Blickwinkeln diskutiert wird.

Auch das selbstständige Lernen ist als kommunikativer Lerntyp möglich: er kann Gesprächssituationen simulieren, indem er abwechselnd in die verschiedenen Rollen einer Gruppendiskussion, eines Interviews oder anderer hilfreicher Lernszenarios schlüpft. Dies hat zudem den Vorteil, dass der Lernende das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. 

Der haptische Lerntyp 

Beim haptischen Lerntyp steht das „learning by doing“ im Vordergrund. Dieser Typ wird auch oft als kinästhetischer oder motorischer Lerntyp bezeichnet. Dir fällt das Lernen am leichtesten, wenn du Informationen anwendest und die Dinge direkt ausprobierst? Dann könntest du ein haptischer Lerntyp sein. Menschen, die diese Art des Lernens bevorzugen, fällt es leichter, sich Wissen nachhaltig anzueignen, wenn sie es selbst in der Praxis anwenden und austesten können.

Umgekehrt fallen dem haptischen Lerntyp Lehrveranstaltungen schwer, die sehr theorielastig sind. Praktische Übungen, Arbeit im Labor und die Beschäftigung mit Modellen hingegen helfen bei der Aufnahme von Lernstoff. Andere Beispiele können die Arbeit mit Experimentierkästen und Maschinen oder das Erlernen einer neuen Fremdsprache in einem Konversations-basierten Sprachkurs oder bei Treffen mit Muttersprachler*innen (viele Universitäten vermitteln sogenannte „Sprachtandems“) sein.  

Da nicht jeder Lernstoff auch eine praktische Ebene hat, können andere Herangehensweisen dabei helfen, sich dennoch theoretisches Wissen anzueignen. Beispielsweise kann es helfen, sich während des Lernens zu bewegen, oder das Durcharbeiten des Lernstoffs mit gewissen Gesten zu verbinden, die dann in der Prüfung helfen können, das Wissen abzurufen.

Du hast beim Durchlesen der verschiedenen Lerntypen sicher gemerkt, dass sie sich in manchen Punkten überschneiden. Einer der größten Kritikpunkte an Frederic Vesters Theorie der vier Lerntypen ist, dass die Grenzen zwischen den verschiedenen Gruppen nicht so genau gesteckt werden können. Die meisten Menschen profitieren beim Lernen davon, eine Kombination der verschiedenen Lernstrategien anzuwenden. Daher soll dieser Artikel vor allem eine Inspiration für dich darstellen, dich einmal tiefergehend mit den verschiedenen Arten zu lernen zu beschäftigen und sie bei der Vorbereitung auf deine nächste Prüfung anzuwenden. Herauszufinden, wie man am besten lernt, bedeutet auch, effektiver zu lernen – und das sorgt dafür, dass wir es entspannter durch die Klausurenphase schaffen.

 

Das GRINspiration-Team wünscht dir viel Erfolg bei der nächsten Klausur!

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Quellen:

  • 4 Lerntypen nach Vester (Übersicht) Lerntypentest
  • Cress, Ulrıke. „Lernorientierungen, Lernstile, Lerntypen und kognitive Stile.“ Handbuch Lernstrategien(2006): 365-377.
  • Looß, M. (2001). Lerntypen?: Ein pädagogisches Konstrukt auf dem Prüfstand: (2001).

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