Jeder lernt anders. Möglichkeiten und Herausforderungen der Lerntypentheorie für den Lernvorgang


Hausarbeit, 2019
17 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung:
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsystem
1.3 Aufbau der Arbeit

2. Die Lerntypentheorie

3. Die Lerntypen
3.1 Der auditive Lerntyp
3.2 Der visuelle Lerntyp
3.3 Der haptische (kinästhetische) Lerntyp

4. “Jeder lernt anders”

5. Schluss
5.1 Zusammenfassung
5.2 Kritische Auseinandersetzung

I. Literaturverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung:

1.1 Problemstellung

Das Lernen spielt eine gravierende Rolle im Leben des Menschen, da man nie vollends ausgelernt hat. Nahezu jede Tätigkeit ist mit bereits erlerntem Wissen verknüpft oder setzt die Bereitschaft Neues zu lernen voraus. Um substanziell nachhaltig zu lernen hat ein jeder besonders gut ausgeprägte Eigenschaften sich etwas Neues anzueignen - diese Eigenschaften kann man als Lerntypen bezeichnen. Differenziert wird hier zwischen Techniken des auditiven, des visuellen als auch des haptischen (kinästhetischen) Lernens. Fraglich ist jedoch, inwiefern jemand ausschließlich eines Typus des Lernens angehört. Setzt ein erfolgreiches und nachhaltiges Lernen nicht die Kombination aller möglichen Techniken voraus? Welchen Zweck hat also die Differenzierung dieser Lerntypen?

1.2 Zielsystem

Das Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es, das Thema des Lernens und die damit verbundenen Unterschiede des Lernvorgangs darzulegen. Ferner ist es zielführend die Lerntypentheorie zu betrachten und diese auf ihre Validität zu prüfen. Darüber hinaus gilt es herauszufinden, welche wesentlichen Eigenschaften die erwähnten Lerntypen haben und inwiefern diese zu einem nachhaltigen Lernergebnis beitragen. Darauf aufbauend wird eine Erläuterung des Satzes “Jeder lernt anders!” eine rationale Verbindung zwischen diesem Satz und den oben genannten Lerntypen aufzeigen.

1.3 Aufbau der Arbeit

In der folgenden Arbeit wird als erstes die Lerntypentheorie selbst angesprochen. Dies beinhaltet sowohl den Ursprung dieser Theorie als auch die dazugehörigen Lerntypen - welche kurz beschrieben werden. Ferner werden auch Zweifel an dieser Theorie geäußert. Diese werden durch einen weiteren vermeintlichen “Lerntypen” (laut Vester) unterstrichen. Abschließen wird dieser erste Teil der Arbeit mit einer Kritik der Professorin Maike Looß an Vester’s Lerntypentheorie.

Der nächste Teil dieser Arbeit wird in drei Kategorien unterteilt, in welcher die genannten Lerntypen im Einzelnen besprochen werden - angefangen mit dem auditiven Lerntyp. Dieser Typus wird zumal definiert und im Anschluss die Eigenschaften und typischen Merkmale erläutert. Im Anschluss hierzu werden auch die beiden anderen Lerntypen, der visuelle und der haptische (kinästhetische), definiert und dessen Eigenschaften und typischen Merkmale erläutert. Dies dient einer soliden Basis für die wissenschaftliche Konkretisierung des Satzes “Jeder lernt anders!”.

Nachdem die Eigenschaften und Merkmale der verschiedenen Lernpräferenzen ausführlich besprochen und definiert worden sind, wird die wissenschaftliche Arbeit mit einer kritischen Erläuterung des Satzes “Jeder lernt anders!” abschließen. Hierfür ist es notwendig die Wörter “jeder” und “Lernen” etwas genauer zu betrachten - dies dient der Konkretisierung dieses Satzes. Im Anschluss wird die Lerntypentheorie in Relation mit diesem Satz gesetzt, um festzustellen, ob dieser sogenannten Theorie Glauben zu schenken ist oder diese lediglich Ausprägungen der kognitiven Fähigkeiten des Menschen sind.

2. Die Lerntypentheorie

Jeder lernt auf seine eigene Art und Weise am effizientesten. Bereits zahlreiche Wissenschaftler haben sich mit diesem Thema befasst, unter anderem der Experimentalpsychologe Ernst Meumann. Dieser spekulierte bereits vor 100 Jahren, dass unterschiedliche Lernmethoden unterschiedlich effektiv zu sein scheinen. Eine Reihe von Theorien wurden diesbezüglich aufgestellt und speziell die Lerntypentheorie weckte großes Interesse. Es wird gesagt, dass der Mensch mit Hilfe seiner “Sinneskanäle (sensorische Kanäle)”[1] (Schräder-Naef, S. 27f) nachhaltiger lernen kann. Diese Kanäle wurden “bereits von Aristoteles in fünf Kategorien eingeteilt, [...] in [den] Geruchssinn, Geschmackssinn, Gehörsinn, Gesichtssinn und Tastsinn”[2] (Mayer, S. Produkthaptik, 2001) (Fachtermini: olfaktorisch, gustatorisch, akustisch, visuell und haptisch).

Speziell in der Lerntypentheorie werden von diesen fünf Sinnen drei Lerntypen abgeleitet: der auditive Lerntyp, der visuelle Lerntyp und der haptische (kinästhetische) Lerntyp. Diese drei stehen in Verbindung zu den Sinneskanälen wie folgt: der auditive Lerntyp nutzt das Gehör des Menschen; der visuelle Lerntyp beansprucht das Sehen; und der haptische (kinästhetische) Lerntyp den Tastsinn des Menschen. ][3]

Abbildung 1: Welche Hemisphäre steuert welchen Lerntypen?

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[Quelle: http://www.publicdomainpictures.net/de/view-image.php?image=184491&picture=menschliches-gehirn ]

Größere Popularität erlangte die Lerntypentheorie mit der Veröffentlichung des Buches >Lernen, Denken, Vergessen<[4] (Vester, F. 1975) welches “die Biologie der Lernvorgänge allgemein verständlich darstellte”[5] (Züger, Selbstmanagement. S. 80). Verfasst von dem Universitätsprofessor Frederic Vester und mit den Jahren immer wieder aktualisiert und neu aufgelegt.

Obwohl die Lerntypentheorie viel Zuspruch erfahren hat, bestehen trotz alledem Zweifel. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die kognitiven Fähigkeiten des Menschen bereits Eigenschaften anderer Lerntypen beinhalten. Hier steht der Intellekt des Menschen im Vordergrund. Dieser Typus ist in diesem Sinne kein direkter Lerntyp, da dieser, anders als die anderen Typen, sich auf keinen speziellen Sinneskanal bezieht. Nichts desto trotz wurde dieser von Frederic Vester in sein Werk mit aufgenommen und als “Lerntyp” bezeichnet. Die kognitiven Fähigkeiten weisen Lernvorgänge durch die Kombination der Sinne auf und sind folglich auf dessen Fähigkeiten im Gehirn zurückzuführen. Dies wird angewandt, um alle Sinne am effizientesten anzuwenden und könnte somit als einzige Art des Lernens bezeichnet werden. (vgl. Looß, M. Sinnen. 2003)

Maike Looß, Professorin an der Technischen Universität Braunschweig, verfasste im Jahr 2003 “Eine Kritik an pädagogisch-didaktischer Konzepte [..]”[6], in welcher sie auch die Lerntypentheorie nach Vester analysiert. Dieses Werk unterstreicht die oben erwähnten Zweifel an dieser Theorie. Looß schreibt “die Lerntypen-Theorie behauptet [...], eine Abhängigkeit des individuellen Lernerfolgs [ist] von der Berücksichtigung unterschiedlicher Wahrnehmungskanäle [abhängig].”[7] (Looß, Sinnen. S.2) Im oben genannten Zitat von Regula Schräder-Naef werden diese “Wahrnehmungskanäle” als “Sinneskanäle” bezeichnet. Jedoch widerlegt Looß diese Aussage in dem sie ihre Leser darauf aufmerksam macht, dass diese Wahrnehmungskanäle mit den kognitiven Fähigkeiten des Menschen gleichgesetzt werden.[8] (vgl. Looß, Sinnen. S. 10) Zusätzlich betont sie, dass diese Theorie “auf vermeintlich naturwissenschaftliche Ergebnisse” [Hervorhebung nicht im Original] zurückzuführen ist.7 (Looß, Sinnen. S. 2)

3. Die Lerntypen

3.1 Der auditive Lerntyp

Die effizienteste Art und Weise wie der auditive Lerntyp Neues verinnerlicht ist mit der Hilfe seines Gehörs. Die gehörten Sprachlaute werden in der linken Hemisphäre des Gehirns aufgenommen, um dort weiterverarbeitet zu werden und diese Informationen nachhaltig zu verinnerlichen.[9] Ferner ist auch das Aussprechen des neuen Wissens ein effektives Hilfsmittel. Der auditive Lerntyp bevorzugt es, den zu lernenden Stoff laut vorzulesen oder ihn sich auch von anderen vorlesen zu lassen. Dieser Schritt ermöglicht es diesem Lerntypen zum Beispiel, Präsentationen im Unterricht aufmerksam zu folgen. Mit Vester’s Worten: der auditive Lerntyp lernt “durch Hören und Sprechen”[10] (Vester, F. 1998).

Bei dieser Lernpräferenz gibt es einige Erkennungsmerkmale. Das erste Charakteristikum bezieht sich auf die äußerlichen Merkmale. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass jemand, der auditiv lernt, auch seine Lippen bewegt, während er etwas liest. Diese Technik findet meist unbewusst statt. Sie hilft jedoch, das Gelesene besser zu verinnerlichen, um es zu einem späteren Zeitpunkt wieder ins Gedächtnis rufen zu können. Zusätzlich zu diesem Merkmal kann es auch sein, dass der auditive Lerntyp “Selbstgespräche” führt. Durch das Aussprechen der gelesenen Worte werden die Sprachlaute, wie oben schon erwähnt, effizient an das Gehirn weitergeleitet.[11]

Der auditive Lerntyp lässt sich auch durch verschiedene Verhaltenscharakteristika bestimmen. Hier fällt besonders auf, dass dieser Lerntyp eine ausgesprochen beachtliche Auffassungsgabe hat, was ihn meist von den restlichen Lerntypen etwas abhebt. Ein Vorteil, welcher sich schon ab der Grundschule als sehr nützlich erweist, ist die Fähigkeit Gedichte, Sagen, Melodien und dergleichen rasch in das Gedächtnis aufzunehmen und anschließend wiederzugeben. Diese Eigenschaft lässt sich sehr gut mit der Theorie verbinden, dass das Gehörte mit hoher Wahrscheinlichkeit nachhaltiger bei diesem Lerntypen verarbeitet wird. Bei Gedichten oder Sagen, welche im Unterricht besprochen oder von einem selbst laut vorgelesen wurden, verankern sich die neuen Informationen, wie auch die gehörten Sprachlaute, in der linken Gehirnhemisphäre.[12] Zusätzlich ist der auditive Lerntyp dazu im Stande, sich Melodien oder Hörspiele ohne großen Aufwand einzuprägen und auch im Anschluss auswendig vorzutragen.[13]

[...]


[1] Schräder-Naef, Rationeller Lernen, 1992, S. 27f

[2] Mayer, Produkthaptik. 2001, S. 7

[3] Dieses Schaubild ist selbst erstellt, bzw. bearbeitet. Es zeigt welche Hemisphäre welchen Lerntypen steuert; lediglich die Grafik des Gehirns wurde eingefügt (ohne die Beschriftungen; seitlich, „L“, „R“); Quelle in Literaturverzeichnis

[4] Vester, F. Lernen, Denken, Vergessen. 1975

[5] Züger, Selbstmanagement. 2007, S. 80

[6] Looß, M. Von den Sinnen in den Sinnen? - Eine Kritik pädagogisch-didaktischer Konzepte zu Phänomen und Abstraktion, Vortrag. Braunschweig, 2003

[7] Looß, M. Sinnen. 2003, S. 2

[8] Vgl. Looß, M. Sinnen. 2003, S. 10

[9] Vgl. Züger, R., Selbstmanagement, 2. Auflage, Zürich, 2007, S. 81

[10] Vester, F. (1975): Lernen, Denken, Vergessen; 25. Auflage, München, 1998

[11] vgl. Solms, Andrea, Lerntechniken üben. München, 2010, S. 7

[12] Bösch, Manuela. Theorie und Praxis des Mentaltrainings. 2016, S.43. vgl. Schönpflug, Wolfgang / Schönpflug, Ute. Psychologie, Grundlagen. Weltbild, 1997.

[13] vgl. Solms, Lerntechniken. 2010, S. 7

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Jeder lernt anders. Möglichkeiten und Herausforderungen der Lerntypentheorie für den Lernvorgang
Hochschule
AKAD University, ehem. AKAD Fachhochschule Stuttgart
Note
1,3
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V492337
ISBN (eBook)
9783668986428
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Assignment-Testat, SQF23, Lerntypen, Jeder lernt anders
Arbeit zitieren
Sara Kießling (Autor), 2019, Jeder lernt anders. Möglichkeiten und Herausforderungen der Lerntypentheorie für den Lernvorgang, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/492337

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