Inselwelten in J. M. Coetzee's "Foe" und Daniel Defoe's "Robinson Crusoe". Darstellung und Leben auf der Insel


Hausarbeit (Hauptseminar), 2015

22 Seiten, Note: 2.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Inselsetting

3. „Foe“ und „Robinson Crusoe“ ein Vergleich
3.1. Figuren
3.2. Darstellung und Leben auf der Insel
3.3. Die Religion
3.4. Die Rettung und das Leben nach der Insel

4. Fazit

Literaturangaben

1. Einleitung

Nachfolgende Arbeit soll sich mit den beiden Romanen „ Robinson Crusoe1 geschrieben 1719 von Daniel Defoe und „ Foe2 geschrieben von John Maxwell Coetzee im Jahre 1986 auseinandersetzten. Wenn man sich den Deutschen Titel von Coetzee ansieht „Mr. Cruso, Mrs Barton and Mr. Foe“ erkennt man auf den ersten Blick, dass es sich wohl um eine Robinsonade handelt, wohingegen sein Englischer Titel „Foe“ nicht sofort zu erkennen gibt, worum es sich in diesem Buch handelt. Doch ist vielen unbekannt das Daniel Defoe erst Daniel Foe hieß und sich erst später umbenannte. Die beiden Romane stimmen in ihren Motiven miteinander überein. Es handelt sich um das Leben eines Schiffbrüchigen auf einer einsamen Insel. Wobei unterschieden werden muss, dass es sich bei Defoe um das Leben des Robinson Crusoe handelt: seine Kindheit bis hin zu seiner Seefahrerei und dann sein Leben als Sklave, seine Flucht und dann die Strandung auf der Insel sowie seine Rettung von dieser und sein Leben danach. Den größten Strang nimmt aber eindeutig sein Leben auf der Insel ein, wohingegen es bei Coetzee um das Leben der Mrs. Bartons geht, die auf der Suche nach ihrer Tochter auf der Insel des Cruso landet und mit ihm und seinem Sklaven Freitag zusammen lebt, bis sie gerettet werden. Mrs. Barton gibt die Geschichte des Crusos weiter, bei Robinson Crusoe berichtet er selber über seine Lebensgeschichte. Dies wird bekräftigt durch den Ich-Erzähler und die Tagebucheinträge.

Dabei soll in einem ersten Kapitel das Thema des Inselsettings in den Blick genommen werden. Was löst die Faszination Insel so aus? Was ist ihre Geschichte und wieso bedienen sich so viele Autoren dem Ort der Insel? Im zweiten großen Abschnitt sollen die beiden Werke im Vergleich gestellt werden. Dieses soll mit verschieden Kriterien gemacht werde, um die Gemeinsamkeiten aber auch die Unterschiede herauszuarbeiten. Einmal sollen die Figuren miteinander vergleichen werden. Welche Figuren spielen eine Rolle und wie werden sie dargestellt? Was ist ihre Geschichte in dem jeweiligen Roman? In einem weiteren Schritt sollen die beiden Inseln verglichen werden. Was ist anderes? Oder wo haben sie sogar Gemeinsamkeiten? Handelt es sich wirklich um die gleiche Insel? Außerdem soll sich das Leben auf der Insel angesehen werde. Wie sind die beiden Leben? In einem dritten Schritt soll das Thema der Religion betrachtete werden. Welche Rolle spielt sie und für welche Hauptperson ist sie wichtiger? Wie verändert die Religion den Verlauf des Romans? Der vierte Punkt nimmt die Rettung in den Blick? Wie werden die Figuren von der Insel gerettet? Was tragen sie persönlich dazu bei gerettet zu werden? Im letzten Punkt sollen die Gemeinsamkeiten und die Unterschiede aufgezeigt werden welche die Protagonisten nach dem Leben auf der Insel erleben? Wie ergeht es ihnen? Worauf setzten sie nun ihre Prioritäten? Wie hat das Leben auf der Insel sie verändert?

2. Das Inselsetting

Der nachfolgende Abschnitt nimmt das Thema der Insel in den Blick. Das Inselsetting ist in vielen Werken ein beliebter Handlungsspielplatz. Doch was macht die Insel überhaupt zu so einem so besonderen Ort? Was ist die Faszination?

Fragt man nach einem Zeugnis über die fantastischen Inselgeschichten, geraten besonders die Hochkulturen am Mittelmeer und am Indischen Ozean in den Blick.3 Schon seit der Antike gehören die Inseln zu einer der sagenumwobensten Orte, dort verlieren Lebensvorschriften oder Liebeskonventionen ihre Wirksamkeit.4 Auf den meisten Inseln herrschen eigne Gesetzte und eine gewisse Art der Freizügigkeit. Durch diesen Verlust von Ordnung, kommt es dazu das viele Protagonisten auf der Inseln eine neue Identität finden, lernen sich den Zwängen des Festlandes zu entledigen und ihr altes Leben kritisch zu betrachten.5 Der Begriff der Insel weckt meist zahlreiche Assoziationen, Phantasien, Wünsche, Träume, Gefühle, aber auch Ängste. So ist z. B. Odysseus der von Insel zu Insel reist, auf seinem Weg nach Hause, einer der bekanntesten Inselhelden.6 Die Insel wird meist mit einem Parisischen Zustand in Verbindung gebracht. Das Paradies ist zum einen im christlichen Kontext der Ursprung der Menschheit aber auch im nichtchristlichen Bereichen wird es als ein Ort des Jenseits bezeichnet.7 Der Aufenthalt auf bestimmten Inseln scheint endgültig, denn mit dem Betreten der Inseln lassen die Menschen ihr altes Leben hinter sich. Die Insel verkörpert somit ein Jenseits, als Gegenstück zu dem was im Hier und Jetzt passiert, es kann also als ein Vorparadies gesehen werde.8 Paradiesische Inseln haben somit einen transzendentalen Charakter.9 Die Inseln werden als Orte dargestellt, die unglaublich schön sind. Die Beschreibung von diesen Orten setzt sich aus typischen Merkmalen zusammen, wie grüne, saftige Wiesen, Bäume voller Früchte und klare Quellen mit reinem Wasser. Auf diesen Inseln scheint das Leben vollkommen es gibt es kein Leiden, keinen Hunger und Durst, keine Krankheiten und keinen Tod.10 Inseln verfügen meistens über besondere Symbole. Schon immer haben diese Orte eine starke Anziehungskraft auf die Menschen. Die Erwartung, mit der eine Insel betreten wird, ist meist davon abhängig, ob dieser Ort freiwillig betreten wird oder man zu einem Aufenthalt gezwungen wird.11 Doch was ist eigentlich eine Insel? Ein von Wasser umgebenes Stück Land scheint eine relativ einfach Antwort auf diese Frage zu sein. Doch zeigt diese Definition keine Merkmale davon, wieso die Insel eine solche Faszination verbreitet.12 Die Insel ist ein Raum der sich durch die Nähe von Wasser auszeichnet aber auch auf eine bestimmte Art und Weise von der Außenwelt abgekoppelt ist.13 Somit verfügt die Insel über bestimmte Merkmale die über das Festland hinausgehen. Man benötigt ein Schiff oder ein Boot um zu ihr zu gelangen. Wenn die Insel nicht sichtbar für den Beobachter ist, benötigt er eine weitere Information um sie zu entdecken, erst durch diese Entdeckung wird sie überhaupt ein reales Objekt, welches im Raum existiert. Doch können Informationen auch falsch sein, was zu einer Verunsicherung der Wirklichkeit von der Insel führt. Eine Insel ist zu einem gewissen Grad in sich selbst abgeschlossen und doch gleichzeitig ist ihre Abgeschlossenheit niemals absolut, denn sie bleibt immer von außen erreichbar: Die Insel ist somit gleichzeitig nah und fern.14 Inseln sind im Gegensatz zum Festland, überschaubare Systeme. Sie sind in ihrer Beschreibung relativ eindeutig. Entweder sie sind fruchtbar oder karg, belebt oder unbelebt, durch ihre begrenzte Ausdehnung erlauben sie nur eine limitierte Anzahl besondere Elemente.15 Wie eine Insel dann aber auf einen Betrachter schlussendlich wirkt, hängt sowohl von der jeweiligen Perspektive ab, aber auch vom historischen Kontext.16 Im Mittelalter galt die Insel als ein öder Ort von Verlassenheit und Verbannung, von Gefangenschaft und sozialer Ausgrenzung. Zu dieser Zeit hatte daher die Insel als Motiv der Literatur kaum Bedeutung. Die Insel, die im Mittelalter als Symbol für Buße galt, wirkte in diesem Zusammenhang noch bis in die Zeit des Barocks.17 Heute hingegen löst die Vorstellung von einer einsamen, ruhigen Insel oftmals starke Gefühle bei uns aus. Wir sehen uns nach einem ruhigen Ort, dadurch erhält die Insel einen immer größeren Stellenwert aber auch die Art und Weise wie sie von uns gesehen werden und was wir mit ihr in Verbindung bringen. Inseln gelten somit als ein in sich geschlossene Gegenwelten. Auch räumlich sind sie durch das Wasser von der Außenwelt abgeschirmt.18 Der zweite April 1768 gilt als ein wichtiges Datum für die Inselliteratur. An diesem Datum entdeckte der französische Weltreisende de Bougainville einen Berg im Wasser, den er „Le Boudoir“ nannte. Dies ist der Hauptberg der Insel Tahiti. Nach dieser Entdeckung war den Menschen die Möglichkeit gegeben, dem Alltag zu entfliehen und durch einen Besuch der Insel all die Bedürfnisse nach dem Paradies, einer idyllischen Welt zu befriedigen.19 Seit diesem Moment wurden Inseln zum Objekte der Sehnsucht, unerfüllbarer Wünsche und Utopie. Im neunzehnten Jahrhundert war das Inselmotiv in zahlreichen Abenteuerromanen zu finden. Die Insel wurde damit zum dichterischen Allgemeingut. Sie wurde zu einer Metapher, einem Bild, welches auf verschiedenste Arten dargestellt werden konnte.20 Mit Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts konnte man Inseln ohne weiteres erreichen. Der schon immer vorhandene Wunsch nach Stille, Einsamkeit, Idylle, dem Paradies ist heute überall und jederzeit erfüllbar, Inseln sind für jedermann zugänglich gemacht worden. Fast alle damals unberührten Inselparadiese sind heute Teil der Tourismusbranche.21 Doch sind Insel nicht nur immer Ort des Paradies oder dem Fernweh. Inseln waren früher häufig auch Orte von Angst und Gefangenschaft. Das Inselmotiv der Gefangenschaft hat sich ebenfalls in der Literatur etabliert.22 Das wohl bekannteste Inselgefängnis ist Alcatraz, es wird in der Literatur oft als Motiv verwendet. Durch seine Abgeschlossenheit und Unzugänglichkeit war Alcatraz ein idealer Ort. Durch diese Abgeschiedenheit und Unzulässigkeit, war es für die Gefangen kaum möglich, die Insel zu verlassen. Damit gab sie ihren Bewohnern das Gefühl von Einengung und Unterdrückung. Der Aufenthalt auf solchen Inseln kann dazu führen, das die eigene Identität wieder neu gefunden wird und sich die Protagonisten ihre Schwächen einzugestehen. Damit wird sie zu einem idealen Ort der Buße.23

Zu diesem Motiv lässt sich die wohl bekannteste Insel der Weltliteratur zählen, die Robinsoninsel, aus dem Roman „ Robinson Crusoe “ von Daniel Delfoe. Dieser Ort lässt sich durch seine besondere Abgeschiedenheit und damit ihrer isolierten Lage charakterisieren. Auch dieses Motiv trägt besondere Merkmale, durch welche die Inseln ihre spezifische Bedeutung erhält. Ein besonderes Charakteristikum ist, dass der Aufenthalte auf dieser Insel nicht freiwillig ist, sondern der Protagonist dazu gezwungen wird. Am Anfang wird die Insel immer als ein Ort der Gefangenschaft und Gefahr gesehen. Die Hauptperson ist vollkommen allein auf sich gestellt und muss versuchen sein Überleben zu sichern. Die Insel wird zudem oftmals als feindliche Fremde angesehen; die Protagonisten wenden ihre Gedanken sehnsuchtsvoll in die Ferne, in ihr altes Zuhause, weg von diesem bedrohlichen, fremden Ort. Die Außenwelt scheint jedoch zum jetzigen Zeitpunkt vollkommen unerreichbar, was den Protagonisten meistens zum aufgeben veranlasst. Doch nach einer anfänglichen Zeit des Schockes kommt es in den meisten Fällen zu einer Phase der Eingewöhnung. Die Insel wird erkundet und immer mehr in den Besitz des Protagonisten genommen. Dieser Ort wird nach einiger Zeit sogar als neue, vertraute Heimat angesehen.24 Die Menschen die sich gegen ihren Willen auf einer einsamen Insel aufhalten, erleben den Ort meist als ein Gefängnis. Die meisten literarischen Werke zeichnen sich dadurch aus, dass das Individuum die Einsamkeit nicht gewohnt ist und stark unter dem Verlassen sein und der Abgeschiedenheit von der Außenwelt leidet. Der Mensch hat keinen größeren Wunsch, als nach einem Mitmenschen, einem Freund. Doch kommt es oftmals zu großen Ängsten, wenn der Mensch schon lange Zeit allein auf der Insel verbracht hat und dann plötzlich fremde Menschen dazu stoßen. Dieses Phänomen wird besonders in Delfoes Roman deutlich. In diesem spielt auch das Motiv der Suche nach Gott eine große Rolle. Für die Personen, die allein und unfreiwillig auf der Insel verweilen, zeichnet sich nach und nach eine neue Erkenntnis ab, die Erkenntnis des “Ichs“. Die Insel wird somit zum Ort der Selbstkenntnis, einer neuentdeckten Identität und einer daraus resultierend einer inneren Wandlung, wie auch bei Robinson.25

3. „Foe“ und „Robinson Crusoe“ ein Vergleich

Dieses Kapitel soll sich nun den beiden Werken „ Robinson Crusoe “ und „ Foe “ widmen. Dabei sollen durch verschiedenen Punkte die Gemeinsamkeiten aber auch die Unterschiede herausgearbeitet werden. Beide Romane spielen auf einer Insel, wobei vermittelt werde soll, dass es sich um ein und dieselbe Insel handelt. Außerdem sind die Figurenkonstellationen ebenfalls sehr ähnlich, weitere Punkte die Untersucht werde sein: Das Leben auf der Insel, sowie die Religion, die Rettung und das Leben nach der Insel.

3.1. Figuren

Wenn man den Titel „Foe“ zum ersten Mal hört, könnte man meinen es handelt sich um einen Roman über Feinde.26 Doch geht es bei dem Roman viel mehr um die Figur der Mrs. Susan Barton, die durch die Suche nach ihrer Tochter auf einer Insel strandet an der ebenfalls Cruso und sein Sklave Freitag leben.27 Dabei ist besonders zu beachten das die Figur der Susan, nicht nur eine Person darstellt, die gestrandet ist, viel mehr ist sie ein Beispiel für eine Frau die unter der Hand eines Mannes gelitten hat und auch ebenfalls mit sich selbst aber auch mit der Männer dominierten Gesellschaft kämpft.28 Das Buch besteht aus vier Teilen, indem es jedes Mal einen Wechsel der Erzählermodi gibt. Von der mündlichen Überlieferung bis hin zur Briefform über einen personierten Ich- Erzähler der am Ende im letzten Kapitel von einem unbekannten Autor abgelöst wird. So erzählt der erste Teil des Buches, über die gemeinsame Zeit der dreien auf der Insel, bis sie dann von einem Schiff was nach England segelt gerettet werden. Auf der Fahrt stirbt Cruso allerdings und lässt Susan mit dem stummen Freitag zurück.29 Im zweiten Teil des Romans wird eine weitere Person eingeführt, die in Daniels Defoes Werk nicht vorkommt. Der Autor Mr. Foe, der Briefe von Susan bekommt und unbedingt über ihre Zeit auf der Insel schreiben möchte. Im dritten Teil des Buches treffen die beiden sich endlich nach einer Reihe von Briefen die ausgetauscht worden sind und versuchen die Geschichte von Susan zu erzählen.30 Durch diesen letzten Part ist der Leser mit einem unbekannten Erzähler konfrontiert, der ihm eine unbekannte Zukunft offenbart.31 In Robinson Crusoe finden wir nur zwei Personen die eine eigentlich wichtige Rolle spielen, einmal Crusoe selbst und hinterher seinen Sklaven Freitag, der aber in Defoes Text nicht stumm ist, sondern im Gegenteil die Sprache seines Herren lernen möchte, um mit ihm zu kommunizieren. Über die Figur der Susan Barton erfahren wir, dass sie allein ist und ihr Vater ein Franzose war, der nach England von Flandern aus geflohen ist. Ihre Mutter war Engländerin, vor zwei Jahren ist ihre Tochter entführt worden und seitdem ist sie auf der Suche nach ihr. Durch ihre Suche landete sie in Lissabon, wo sie mit Meuterern in Verbindung kommt und durch diese erst auf der Insel von Cruso strandet bzw. dort von diesen zurückgelassen wird.32 Ab diesem Moment wird Susan von der Autorität von Cruso geleitet und wirft sich seinem Willen auf der Insel unter. Der erste Teil des Werkes stellt Cruso als einen Monarchen dar, der über sein Königreich seine Insel regiert und alle müssen sich an seine Regeln halten.33 So kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen der beiden Protagonisten, weil sie ihm vorwirft er würde die Zeit auf der Insel verschwenden, jedoch führen die drei Überlebenden sowieso ein viel nutzloseres Leben auf der Insel in „Foe“ als in „Robinson Crusoe“, weil der Cruso im Coetzess Text viel weniger das Bedürfnis hat, sich mit der Insel auseinanderzusetzen und auch aus dem Wrack des Schiffes keine weiteren Materialen gerettet hat als nur ein Messer.34 Somit bleiben ihnen auch viele Möglichkeiten verschlossen, der in „ Robinson Crusoe “ ein wichtiger Bestandteil wird. Susan möchte unbedingt von Cruso, dass er ein Tagebuch führt, um so die Erinnerungen der Insel weiter zutragen, wenn sie einmal gerettet werden. „Suppose,” said I, that one day we are saved. Would you not regret it that you could no bring back with you some record of your years of shipwreck, so that you have passed through shall not die from memory?“35 Doch für Cruso spielt das überhaupt keine Rolle, er ist der festen Überzeugung das alle die Sachen die er Erinnern muss auch erinnern kann und wehrt sich gegen ihre Idee, dass er über seine Zeit auf der Insel schreiben soll.36 Obwohl Susan von Cruso meist unterdrückt wird und nicht geachtet, fängt sie trotzdem eine sexuelle Beziehung mit ihm an. Auch, wenn er völlig unterkühlt ist in seinem Verhalten ihr gegenüber und auch Freitag.37 Er bringt ihm nur ein paar Befehlsformen bei und hat auch sonst kein Interesse sich auf eine emotionale Beziehung einzulassen, viel mehr baut er lieber Wälle, von denen er auch denkt, sie werden ihm als Erinnerung für sein Leben auf der Insel dienen.38 In seinen letzten Tagen liegt Susan bei ihm und kümmert sich um ihn, sie gibt ihm ihren Körper auch immer wieder hin, bevor er dann auf dem Schiff, welches sie gerettet hat, stirbt.39 Auch die Beziehung zu dem Autor Foe ist stark durch eine Unterdrück Susans ausgezeichnet. Doch sie sieht diese Unterdrückung als ihre Aufgabe und Rolle. „This is the manner of the Muse when she visits her poets.”40 Durch Foe’s Verhalten fühlt sie sich wieder zurück auf die Insel gebracht, in die Arme von Cruso. Aber nicht nur in diesem Verhalten sind die beiden sich ähnlich auch in ihrer Art wie sie Susan bevormunden und sich nicht von ihr Helfen lassen wollen. Vielmehr geht es Foe darum, Susans Geschichte zu erzählen, jedoch so, dass sie abenteuerlicher ist als sie es eigentlich war. Susan weigert sich aber die Unwahrheit zu sagen, obwohl sich ihre Versionen der Geschichte auch immer wieder ändern.41 Foe möchte eine größere Geschichte erzählen und auch alle Bereiche von Susans Leben mit einbringen, von der Suche ihrer Tochter, über die Strandung, bis zur Rettung und das Auffinden ihrer Tochter. Doch für Susan ist klar sie möchte von dem Leben auf der Insel berichten und das auch nur so wie es der Wahrheit entspricht. „Once you proposed to supply a middle by inventing cannibals and pirates. These I would not accept because they were not truth.”42 Auch ist der Autor Foe der Susan immer wieder drängt Freitag zum Sprechen zu bewegen umso noch viel mehr von der Geschichte zu erfahren, für ihn ist Freitag das Herz der Geschichte. „Till we have spoken the unspoken we have not come to the heart of the Story.”43 Susan versucht zwar verzweifelt Freitag das Sprechen und Schreiben beizubringen, scheitert aber kläglich daran.44 Durch die Beziehung von Susan und Mr. Foe, geschieht eine Verschiebung der Wichtigkeit der Inselgeschichte. Foe versucht immer wieder die Rahmengeschichte aber auch das Leben von Susan manipulativ zu verändern.45 Im Großen und Ganzen ist er ein Autor, der hofft mit der Geschichte von Susan und ihrer Hilfe, erfolgreich zu werden. Er benutzt sie und möchte nicht seine Freiheit daran verlieren, viel zu wichtig ist sie ihm und seine Einstellung dazu.46

[...]


1 Defoe, Daniel: Robinson Crusoe. London [u.a.]: Pinguin Group 1994.

2 Coetzee, John, Maxwell: Foe. London [u.a.]: Pinguin Group 1986

3 Vgl. Billig, Volkmar: Inseln. Geschichte einer Faszination. Berlin: Matthes & Seitz Ver-lagsgesellschaft 2010. S. 24.

4 Vgl. Greif, Stefan: Literatur der Aufklärung. Paderborn: Fink Verlag 2013. S. 184.

5 Vgl. Ebd.

6 Vgl. Meyer, Lothar: Von Insel zu Insel. Ein Lesebuch. Frankfurt am Main: Insel 2004. S. 260.

7 Vgl. Clarke, Thurston: Die Insel. Eine Welt für sich. München: Piper 2004. S. 11

8 Vgl. Ebd. S. 16.

9 Vgl. Ebd. S. 38.

10 Vgl. Ebd. S. 18-19.

11 Vgl. Ebd. S. 2.

12 Vgl. Billig, Volkmar: Inseln. Geschichte einer Faszination. S. 18.

13 Vgl. Ebd. S. 19.

14 Vgl. Ebd. S. 20-21.

15 Vgl. Ebd. S. 22.

16 Vgl. Weber, Jochen: V on Robinson bis Lummerland. Die Insel als Motiv in der Kinder- und Jugendliteratur. Hrsg. von der Internationalen Jugendbibliothek. München: Internationale Jugendbibliothek 1995. S. 3.

17 Vgl. Meyer, Lothar: Von Insel zu Insel. Ein Lesebuch. S. 261.

18 Vgl. Weber, Jochen: Von Robinson bis Lummerland. S. 4.

19 Vgl. Meyer, Lothar: Von Insel zu Insel. Ein Lesebuch. S. 262-263.

20 Vgl. Ebd. S. 264.

21 Vgl. Ebd. S. 265.

22 Vgl. Clarke, Thurston: Die Insel. Eine Welt für sich. S. 4.

23 Vgl. Ebd.

24 Vgl. Weber, Jochen: Von Robinson bis Lummerland. S. 23.

25 Vgl. Clarke, Thurston: Die Insel. Eine Welt für sich. S. 118.

26 Vgl. Corcoran, Patrick: Foe: Metafiction and the Discourse of Power. In: Robinson Crusoe. Myths and Metamorphoses. Hrsg. Spaas, Lieve and Stimpson, Brian. Basingstoke [u.a.]: Macmillan 1996. S. 256.

27 Vgl. Ebd.

28 Vgl. Ebd.

29 Vgl. Coetzee, John, Maxwell: Foe. S. 5-45.

30 Vgl. Ebd. S. 113-157.

31 Vgl. Lundén, Bo: (Re)educating the reader: fictional critiques of Poststructuralism in Banville’s Dr Copernicus, Coetzee’s Foe, and Byatt’s Possession. Göteborg: Acta Universitatis Gothoburgensis: Gothenburg studies in English 73. 1999. S. 57.

32 Vgl. Coetzee, John, Maxwell: Foe. S. 10.

33 Vgl. Corcoran, Patrick: Foe: Metafiction and the Discourse of Power. S. 258.

34 Vgl. Ebd.

35 Vgl. Coetzee, John, Maxwell: Foe. S. 17. “Angenommen”, sagte ich “dass wir eines Tages gerettet werden. Würdest du es nicht bereuen das du keine Aufnahmen hast über die Jahre des Schiffsbruch, so dass was du weitergeben möchtest nicht aus der Erinnerung stirbt?“.

36 Vgl. Coetzee, John, Maxwell: Foe. S. 17-18.

37 Vgl. Ebd. S. 30.

38 Vgl. Ebd. S. 18.

39 Vgl. Burnett, Paula: The Ulyssean Crusoe in Foe and Omeros. In: Robinson Crusoe. Myths and Metamorphoses. Hrsg. Spaas, Lieve and Stimpson, Brian. Basingstoke [u.a.]: Macmillan 1996. S. 246.

40 Vgl. Coetzee, John, Maxwell: Foe. S. 139. “Das ist das Verhalten einer Muse, wenn sie ihren Dichter besucht.“.

41 Vgl. Lundén, Bo: (Re)educating the reader: fictional critiques of Poststructuralism in Banville’s Dr Copernicus, Coetzee’s Foe, and Byatt’s Possession. S. 59.

42 Vgl. Coetzee, John, Maxwell: Foe. S. 121. “Einmal hast du vorschlagen wir sollten eine Mitte herstellen, indem wird Kannibalen und Piraten erfinden. Das wollte ich aber nicht akzeptieren, weil es nicht die Wahrheit ist.“.

43 Vgl. Ebd., S. 141. “Solange wir das Ungesagte noch nicht haben sprechen lassen, solange sind wir auch nicht zum Herz der Geschichte gekommen.“.

44 Vgl. Lundén, Bo: (Re)educating the reader: fictional critiques of Poststructuralism in Banville’s Dr Copernicus, Coetzee’s Foe, and Byatt’s Possession. S. 82.

45 Vgl. Corcoran, Patrick: Foe: Metafiction and the Discourse of Power. S. 263.

46 Vgl. Coetzee, John, Maxwell: Foe. S. 149.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Inselwelten in J. M. Coetzee's "Foe" und Daniel Defoe's "Robinson Crusoe". Darstellung und Leben auf der Insel
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn  (Institut für Germanistik, Vergleichende Literatur- und Kulturwissenschaft, Komparatistik)
Veranstaltung
Themen und Theorien der Weltliteratur
Note
2.0
Autor
Jahr
2015
Seiten
22
Katalognummer
V1000203
ISBN (eBook)
9783346391063
ISBN (Buch)
9783346391070
Sprache
Deutsch
Schlagworte
inselwelten, coetzee, daniel, defoe, robinson, crusoe, darstellung, leben, insel
Arbeit zitieren
Anna Maria Heinisch (Autor:in), 2015, Inselwelten in J. M. Coetzee's "Foe" und Daniel Defoe's "Robinson Crusoe". Darstellung und Leben auf der Insel, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000203

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