Im Rahmen dieser erkenntnistheoretischen Fragestellung wird die Arbeit zunächst die Grundlage einer konstruktivistischen Theorie darlegen, zusammengesetzt aus den drei Hauptströmungen des radikalen, sozialen und Erlanger Konstruktivismus, um dadurch den Kern der Debatte herauszustellen. Mit Hilfe dieser theoretischen Konzeption des Konstruktivismus wird anschließend der Begriff der Postfaktizität ("post-truth") als reale Ausbildungsform entschlüsselt. Das sogenannte Postfaktische Zeitalter bildet die realtheoretische Verbindung zwischen dem Konstruktivismus und den Fake News, welche im dritten Schritt zunächst als Konzept und anschließend in ihrer medialen Verbreitungsform erläutert werden. Im Rahmen dieser Arbeit wird sich die Betrachtungsweise auf die sozialen Medien in demokratischen Systemen beschränken, da das anschließende Beispiel der Corona-Leugner zur letztendlichen Untersuchung eines Zusammenhangs zwischen dem Aufkommen postfaktischer Phänomene (Fake News) und dem Konstruktivismus sich vor allem auf eben jene zentriert.
Inhaltsverzeichnis
1. Sprachliche Anmerkung
2. Forschungsinteresse
3. Konstruktivismusdebatte
3.1 Wissenschaftliche Wirklichkeitskonstruktion
3.2 Soziale Wirklichkeitskonstruktion
4. Postfaktizität
5. „Fake News“
6. Beispiel: Corona-Leugner
7. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwiefern das Phänomen der Fake News im postfaktischen Zeitalter als Symptom verstanden werden kann, das konstruktivistische Wirklichkeitstheorien stützt. Dabei wird analysiert, wie die mediale Verbreitung subjektiv konstruierter Realitäten den gesellschaftlichen Diskurs beeinflusst.
- Konstruktivistische Erkenntnistheorien (wissenschaftlich und sozial)
- Postfaktizität als gesellschaftliches Phänomen
- Konzept und mediale Verbreitung von Fake News
- Fallbeispiel: Desinformation und Verschwörungsmythen im Kontext der Corona-Pandemie
Auszug aus dem Buch
3. Konstruktivismusdebatte
Der Konstruktivismus knüpft an eine lange philosophische Tradition an, für die die Wirklichkeit vom menschlichen Gedanken bedingt ist.1 Als ein Vertreter der Urform des Konstruktivismus gilt Kant, der die Wirklichkeit als „eine Widerspiegelung unseres menschlichen Erkenntnisapparates“ im Sinne konstruktivistischer Ansätze als bedingt durch den Menschen ansah. Die Unvorstellbarkeit einer „nicht-räumliche[n] und nicht-zeitliche[n] Wirklichkeit“2 als Konsequenz der Gebundenheit vom Menschen an die eigene Erkenntnisfähigkeit nach Kant unterscheidet sich vom modernen konstruktivistischen Verständnis auf idealistische, individualistische und absolutistische Weise. Kants Phänomen des transzendentalen Ich und dessen Gedankenkategorien wirken als konstruktives Organ, abgelöst wurde diese Vorstellung von z.T. materiellen Faktoren auf der Konstrukteur-Seite und den gesellschaftlichen Strukturen in beeinflussender Form.
Moderne Strömungen im Konstruktivismus betrachten häufig ein kollektivistisches Konstruieren und einen geschichtlich veränderlichen Charakter der Wirklichkeitskonstruktion durch den Menschen als Grundelemente. Das Konstruieren an sich betrachtet der Konstruktivismus als unbewusst und nicht zielgerichtet. Je nach Lesart und Strömung besteht entweder gar keine objektive Realität bzw. Wirklichkeit oder sie ist für den Menschen aufgrund seiner Bedingtheit durch die eigene Erkenntnisart nie zu enttarnen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sprachliche Anmerkung: Die Autorin erläutert den Verzicht auf geschlechtergerechte Sprache aus Gründen der Vereinfachung.
2. Forschungsinteresse: Das Kapitel führt in die Problematik von Fake News und Postfaktizität ein und fragt nach dem Zusammenhang zur konstruktivistischen Wirklichkeitskonstruktion.
3. Konstruktivismusdebatte: Hier werden die philosophischen Grundlagen von Kant bis hin zu modernen, materialistischen und systemtheoretischen Ansätzen dargelegt.
3.1 Wissenschaftliche Wirklichkeitskonstruktion: Dieses Kapitel beleuchtet soziologische Perspektiven auf die Wissenschaft, insbesondere das "strong programme" der Edinburgh-Schule.
3.2 Soziale Wirklichkeitskonstruktion: Die Autorin diskutiert systemtheoretische und medienkulturelle Ansätze, wie soziale Realität durch Beobachtung und Kommunikation entsteht.
4. Postfaktizität: Das Kapitel definiert Postfaktizität als einen Verfall der Rationalität zugunsten einer emotionsgetriebenen, "gefühlten" Wahrheit.
5. „Fake News“: Es werden Charakteristika und Verbreitungsmechanismen von Fake News als Instrument der Manipulation untersucht.
6. Beispiel: Corona-Leugner: Dieses Kapitel analysiert anhand der Corona-Pandemie die praktische Anwendung postfaktischer Phänomene und deren Dynamik in sozialen Netzwerken.
7. Resümee: Die Autorin zieht das Fazit, dass die Verbreitung von Fake News konstruktivistische Annahmen über die Subjektivität der Wirklichkeit stützt, ohne jedoch die Existenz einer objektiven Realität abschließend zu negieren.
Schlüsselwörter
Konstruktivismus, Postfaktizität, Fake News, Wirklichkeitskonstruktion, Medien, Corona-Leugner, Erkenntnistheorie, soziale Netzwerke, Manipulation, Systemtheorie, Echokammer-Effekt, Filter Bubble, Subjektivität, Diskurs, Verschwörungstheorien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische Verbindung zwischen dem Konstruktivismus und dem aktuellen Phänomen der Fake News im Kontext postfaktischer Diskurse.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die erkenntnistheoretischen Debatten des Konstruktivismus, das Konzept der Postfaktizität sowie die Rolle der Medien bei der Konstruktion und Verbreitung von Falschinformationen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob Fake News als Symptom des Postfaktischen als Beleg für konstruktivistische Theorien der Wirklichkeitskonstruktion dienen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die durch eine Fallstudie (Corona-Leugner) veranschaulicht wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung des Konstruktivismus, die Definition von Postfaktizität und Fake News sowie die Untersuchung dieser Konzepte am Beispiel der Corona-Pandemie.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Konstruktivismus, Postfaktizität, Fake News, Wirklichkeitskonstruktion und soziale Medien.
Warum ist das Beispiel der Corona-Leugner für die Untersuchung relevant?
Die Gruppierung dient als aktuelles, kontroverses Praxisbeispiel, um die Dynamik von Falschinformationen und deren Erfolg in sozialen Netzwerken zu analysieren.
Welche Rolle spielen "Echokammern" und "Filter Bubbles"?
Diese Konzepte erklären, warum Nutzer zunehmend in Informationsblasen leben, die ihre eigene subjektive Wirklichkeitskonstruktion verstärken und den Zugang zu widersprüchlichen Informationen erschweren.
Kommt die Autorin zu dem Schluss, dass es keine objektive Realität gibt?
Nein, sie hält fest, dass die Frage nach einer empirischen Realität außerhalb der erkenntnistheoretischen Fragestellung der Arbeit bleibt, betont aber, dass Fake News die Zunahme subjektiv konstruierter Realitäten deutlich machen.
- Citation du texte
- Lena Marie Meyer (Auteur), 2020, Sind Fake News als Symptom des Postfaktischen ein Beleg konstruktivistischer Theorien?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000233