Diese Masterarbeit beschäftigt sich mit der Quellen- beziehungsweise Textsorte "Hofordnungen" vor allem unter Berücksichtigung sprachwissenschaftlicher Aspekte, welche in der Literatur bisher allenfalls sporadisch behandelt wurden.
Das hierarchische Verhältnis zwischen Verfasser und Empfänger zeigt an, dass Hofordnungen Schriftstücke der Überordnung sind, da der jeweilige Landesfürst beziehungsweise Herzog sich als Verfasser vordergründig an seinen Hofstaat richtet
und nicht etwa an Personen gleicher Position.
Das zugrunde liegende Quellenmaterial basiert auf den Faksimiles dreier Hofordnungen folgender Potentaten: Herzog Albrecht des Beherzten von Sachsen (1470-80), Kurfürst August (1554) und Johann Georg I. von Sachsen (1637).
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zur Textsorte
2.1 Aktenkundliche Einordnung
2.2 Hofordnungen – Akten oder Urkunden?
3 Zum Korpus
3.1 Zustand der Textträger
3.1.1 HO1
3.1.1.1 äußere Merkmale
3.1.1.2 innere Merkmale
3.1.1.3 Überlieferungsform
3.1.2 HO2
3.1.2.1 äußere Merkmale
3.1.2.2 innere Merkmale
3.1.2.3 Überlieferungsform
3.1.3 HO3
3.1.3.1 äußere Merkmale
3.1.3.2 innere Merkmale
3.1.3.3 Überlieferungsform
3.2 Zusammenfassung
4 Pragmatische Situierung
4.1 Anlässe zur Abfassung von Hofordnungen
4.2 Entstehungsanlässe der sächsischen Hofordnungen
4.2.1 HO1
4.2.2 HO2
4.2.3 HO3
4.3 Publikationspraxis am kursächsischen Hof
4.3.1 Empfänger der Hofordnungen
4.3.2 Textbelege zur Publikationspraxis
5 Kurialstil der Hofordnungen
5.1 Der 'pluralis majestatis' - die Selbstanrede der Fürsten
5.2 Nominale Anredeformen
5.2.1 Geburts- und Standesprädikate
5.2.2 Würdeprädikate
5.2.3 Anrede von Anverwandten
5.2.4 Epitheta ornans
5.2.5 Anrede mit Berufsbezeichnungen
5.2.5.1 HO1
5.2.5.2 HO2/HO3
5.3 Wortpaare
5.3.1 Zum Begriff
5.3.2 Funktionstypen
5.3.3 Korpus der Wortpaare
5.3.4 Analyse
5.3.4.1 Beispiel 1
5.3.4.2 Beispiel 2
5.3.4.3 Variationen im Gebrauch
5.3.5 Verwendungshäufigkeit
5.3.6 Mehrfachformeln
5.3.7 Zusammenfassung
6 Textentwicklung zwischen 1554 und 1637
6.1 Vorbemerkungen
6.2 Gegenüberstellung 1
6.2.1 Einbindung in den Kontext
6.2.2 Differenzen
6.2.3 Bedeutungsgehalt
6.2.4 Syntaktische Varianz
6.2.5 Satzebene
6.2.5.1 Exzeptivsätze
6.2.6 Bestimmung der typologischen Felder
6.2.7 Topologische Feldebene
6.2.8 Phrasenebene
6.3 Gegenüberstellung 2
6.3.1 Einbindung in den Kontext
6.3.2 Differenzen
6.3.3 Bedeutungsgehalt
6.3.4 Satzebene
6.3.5 Bestimmung der typologischen Felder
6.3.6 Topologische Feldebene
6.3.7 Phrasenebene
7 Resümee der Arbeit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht diachrone Entwicklungstendenzen in der Textsorte 'Hofordnung' vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit, mit einem Fokus auf sächsische Quellen. Ziel ist es, sprachwissenschaftliche Aspekte dieser normativen Texte zu erforschen, insbesondere hinsichtlich ihrer aktenkundlichen Einordnung, des Kurialstils, der Verwendung von Wortpaaren sowie der textuellen Modifikationen über den Zeitraum von 1554 bis 1637.
- Analyse und Vergleich der textsortenspezifischen Merkmale sächsischer Hofordnungen.
- Untersuchung der pragmatischen Situation und Publikationspraxis am kursächsischen Hof.
- Erforschung des Kurialstils durch Analyse von Selbstanreden, Anredeformen und Wortpaaren.
- Vergleichende Untersuchung der Textentwicklung und topologischen Satzstruktur zwischen den Hofordnungen von 1554 und 1637.
Auszug aus dem Buch
3.1.1.1 Äußere Merkmale:
Der Textträger der HO1 setzt sich aus vier zu einer Lage gehefteten Doppelblättern zusammen; der Heftfaden ist noch deutlich am Falz der inneren Doppelblätter zu erkennen (s. Abb. 1; vgl. Wührer 2011, 51). Auf dem Deckblatt sind archivalische Vermerke sowie der Titel Ordnung des hoffs zu dreßden mit der vermuteten Datierung (circa 1470- 1480) zu lesen. Fünf Seiten wurden doppelseitig beschrieben (exklusive Deckblatt), dann folgen drei nur einseitig genutzte Seiten, von denen die letzten beiden mit einer symbolischen Grafik versehen sind (s. Anhang, S. 102). In seiner Gesamtheit ist der Textträger gut bis sehr gut erhalten (wenn man bedenkt, dass er fast 530 Jahre alt ist). Nach derzeitiger Erkenntnis ist diese Hofordnung nur in dieser Ausfertigung überliefert.
Eine exakte Datierung ist schwerlich möglich, da der Text ohne Eschatokoll (und auch ohne Protokoll) verfasst wurde. Wenn man jedoch berücksichtigt, dass (fast) alle der nachfolgenden sächsischen Herrscher gleich im ersten Jahr ihres Regierungsantritts eine Hofordnung veröffentlichen, so könnte man demnach die Jahre 1485-86 als mögliches Erscheinungsjahr angeben, da im Zuge des „Leipziger Teilungsvertrags“ im Herbst 1485 die Herrschaftsteilung zwischen Herzog Albrecht und seinem Bruder Ernst vollzogen wurde, die doch bis zu diesem Zeitpunkt 20 Jahre gemeinschaftlich regiert hatten; Albrecht erhielt „den meißnischen Teil und wurde zum Stammvater der albertinischen Linie des Hauses Wettin, die ihre dauerhafte Residenz nun in Dresden einrichtete“ (Blaschke 2002, 20).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung erläutert das Forschungsinteresse an Hofordnungen als normativen Texten und steckt den zeitlichen sowie methodischen Rahmen der Untersuchung ab.
Zur Textsorte: Dieses Kapitel widmet sich der aktenkundlichen Einordnung der Hofordnungen und der Frage ihrer Differenzierung von anderen Archiv- und Schriftguttypen.
Zum Korpus: Hier werden die drei untersuchten Hofordnungen hinsichtlich ihrer materiellen Beschaffenheit, ihrer äußeren Form und ihrer Überlieferungsgeschichte im Detail analysiert.
Pragmatische Situierung: Das Kapitel beleuchtet die Entstehungsanlässe und die Publikationspraxis, welche die Verbreitung und den normativen Charakter der Hofordnungen maßgeblich beeinflussten.
Kurialstil der Hofordnungen: Diese Sektion untersucht die sprachliche Gestaltung, insbesondere die fürstliche Selbstanrede, die Verwendung von Anrede- und Würdeformen sowie die Rolle von Wortpaaren als stilistisches Mittel.
Textentwicklung zwischen 1554 und 1637: Ein detaillierter Vergleich der Hofordnungen aus den Jahren 1554 und 1637 zeigt die syntaktische und inhaltliche Transformation der Texte auf.
Resümee der Arbeit: Das Fazit fasst die wesentlichen Ergebnisse hinsichtlich der sprachlichen und formalen Entwicklungstendenzen der untersuchten Textsorte zusammen.
Schlüsselwörter
Hofordnung, Sächsische Hofordnungen, Kurialstil, Frühneuhochdeutsch, Textsorte, Publikationspraxis, Wortpaare, Mehrfachformeln, Sprachwandel, Kanzleisprache, Herrschaft, administrative Normierung, Textentwicklung, Diachronie, Dokumententyp
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit analysiert die sprachliche und formale Entwicklung der Textsorte 'Hofordnung' am Beispiel des kursächsischen Hofes vom Spätmittelalter bis zur Frühen Neuzeit.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Analyse behandelt?
Zentrale Themen sind die aktenkundliche Einordnung, die pragmatische Situierung, der spezifische Kanzleistil (Kurialstil) sowie die sprachliche Evolution durch Wortpaare und syntaktische Strukturen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, durch eine diachrone Betrachtung herauszuarbeiten, wie sich Hofordnungen als Instrumente fürstlicher Verwaltung in ihrem Aufbau und ihrer Sprachgestaltung an veränderte gesellschaftliche und administrative Bedürfnisse angepasst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?
Die Arbeit nutzt korpuslinguistische Ansätze, eine komparative Gegenüberstellung von Textpassagen (insbesondere bei den Hofordnungen von 1554 und 1637) sowie eine Analyse topologischer Satzstrukturen.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die Bestandsaufnahme des Quellenkorpus, die Erforschung der pragmatischen Bedingungen der Textentstehung und die detaillierte stilistische sowie syntaktische Untersuchung der vorliegenden Dokumente.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind Hofordnung, Kursachsen, Kurialstil, administrative Normierung, Sprachgeschichte und Textsortenentwicklung.
Wie unterscheidet sich die Hofordnung von 1485 (HO1) von späteren Exemplaren (HO2/HO3)?
Die HO1 ist deutlich formloser und weist eine geringere Standardisierung auf, während die späteren Hofordnungen (HO2, HO3) eine strengere formale Struktur, durchgehende Paragrafennummerierungen und eine höhere sprachliche Komplexität zeigen.
Warum spielt die Hofstube in der Publikationspraxis eine so wichtige Rolle?
Die Hofstube fungierte als zentraler Ort des täglichen Zusammentreffens, an dem durch das öffentliche Vorlesen der Hofordnung gewährleistet werden konnte, dass auch das des Lesens unkundige Hofpersonal über seine Pflichten informiert wurde.
Welchen Stellenwert haben 'Wortpaare' im Kurialstil der Hofordnungen?
Wortpaare dienen als dominante stilistische Mittel, die den normativen Charakter der Texte verstärken, indem sie durch Paarungen (z.B. 'klage und gebrechen') Präzision, Intensivierung oder Konkretisierung der Regelungen bewirken.
- Citar trabajo
- Aron Jährig (Autor), 2012, Die Textsorte der "Hofordnungen". Entwicklungstendenzen vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000520