Die Graffiti der Frauen Pompejis. Verschiedene Arten und ein Vergleich zur heutigen Zeit


Hausarbeit, 2018

29 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort

2. Die Bedeutung der Graffiti Pompejis in der Antike und heute
2.1 Antike
2.2 Heute

3. Die Anordnung der Graffiti (Wo sind sie in Pompeji zu finden?)

4. Analyse und Beschreibung der Graffiti der Frauen Pompejis anhand von drei Beispielen
4.1 Wahlwerbung
4.2 Werbung für Prostituierte
4.3 Geburtsmitteilung

5. Was inspirierte die Frauen zu ihren Graffiti?

6. Vergleich: Graffiti im antiken Pompeji – Graffiti im heutigen Zeitalter

7. Fazit

8. Quellen- und Literaturverzeichnis

9. Bildnachweis

1. Vorwort

In dieser Hausarbeit mit dem Titel „Die Graffiti der Frauen Pompejis“, die in Verbindung mit dem Aufbauseminar „Frauenliteratur der römischen Antike: Autorinnen und Texte“ steht, soll darauf eingegangen werden, dass auch einige antike Römerinnen in der Lage waren Literatur zu verfassen und dies auch taten, was anhand von Fundstücken in beziehungsweise aus Pompeji (siehe Abb. 1) diese als Autorinnen von unterschiedlichen Texten bestätigen soll.

Mit Hilfe von sowohl älterer, als auch teilweise sehr aktueller Literatur und Quellen aus dem Internet, sowie einer reichen Bebilderung versuche ich dieses Ziel und den derzeitigen Forschungsstand dem Leser nahe zu bringen.

Um ein besseres Verständnis für das Thema zu bekommen, ist eine kleine Einführung, aus meiner Sicht, sehr sinnvoll. Deshalb sollte man folgendes wissen:

„… im Jahre 79 nach Christi Geburt erfolgte… der… Ausbruch des Vesuv, der … das tragische… Ende… der [heute in Italien gelegenen] Stadt Pompeji herbeiführte. Dadurch wurde… ihr… das einzigartige Vorrecht zuteil, das grösste Forschungsgebiet über das öffentliche und private Leben der Alten zu werden, ein Feld, so reich an wissenschaftlichen Entdeckungen, wie man es über soziale und wirtschaftliche Struktur einer antiken Stadt bisher nie gefunden hat und nie wieder finden wird.“1

Eine dieser 2000 Jahre alten Entdeckungen stellt die Unmenge (mehrere Tausend) an Wandschriften dar, die in ihrem unveränderten Sachverhalt durch die herabfallende Asche und den Bimssteinregen luftdicht abgeschlossen und dadurch konserviert wurden. „Einzeln betrachtet erscheinen sie eher unbedeutend, in ihrer Gesamtheit vermitteln sie uns aber ein außergewöhnliches Bild von dem Alltagsleben jener Zeit.“2 „Nirgendwo sonst gibt es faszinierendere Wände als in Pompeji…“3 , denn dort wurde eine Momentaufnahme des antiken römischen Lebens festgehalten und ist heute wieder zugänglich und wird zudem noch wissenschaftlich erforscht.

„Genug der allgemeinen Einführung!“4 Ich wünsche Ihnen viel Spaß beim Lesen und eventuell auch neue Erkenntnisse zu diesem Thema.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 Junge Frau mit Schreibtafel und -griffel, Wandbild aus einem unbekannten Haus in Pompeji, Neapel, Nationalmuseum

2. Die Bedeutung der Graffiti Pompejis in der Antike und heute

Aus heutiger Sicht scheinen die Wandmalereien aus der Provinzstadt Pompeji einen hohen Stellenwert zu haben, wenn man zum Beispiel einen Satz, wie den nun folgenden in der gekürzten Version einer Doktorarbeit über das Thema „Graffiti als Interaktionsform – Geritzte Inschriften in den Wohnhäusern Pompejis“ von Polly Lohmann liest . „Die pompejanischen Graffiti haben seit ihrer Entdeckung eine starke Anziehung auf Forscher wie Laien ausgeübt, weil sie Einblick in Alltägliches und Banales geben, das sich aus den kalten Steinen und leeren Straßen anderer antiker Städte so nicht erschließt.“5 Deshalb ist es interessant zu erfahren, welche Bedeutung die Dipinti, wie die Wandmalereien auch genannt werden, nicht nur heute besitzen, sondern welche Aussagekraft ihnen in der Antike beigemessen wurde. Das folgende Kapitel setzt sich nun damit auseinander, indem getrennt voneinander die jeweiligen Sichtweisen untersucht werden.

2.1 Antike

In der antiken Welt Pompejis wurde mit Hilfe der Dipinti sowohl Banales, wie etwa geschäftliche Mitteilungen (siehe Abb. 2), Preislisten von Waren, Eintrittspreise von öffentlichen Spielen oder sogar derbes Erotisches (siehe Abb. 3), aber auch beißender Spott, Grüße oder offizielle Nachrichten (wie etwa Wahlslogans (siehe Abb. 4) oder Ankündigungen von Gladiatorenspielen) veröffentlicht.6

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2 Laden in der Via dell´Abbondanza, Pompeji, Foto: Photo Alinari, 1939

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3 Sexdarstellung mit Graffitokommentar, Foto, © Ministero die Beni e delle Attività Culturali e del Turismo – Soprintendenza Pompei

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4 Putzfragment einer Wand mit Wahlaufrufen aus verschiedenen Wahlkämpfen

„Die Graffiti… sind jedoch … nur eine von vielen Inschriftengattungen, ihre Texte und Bilder ein Teil der medialen Landschaft Pompejis. Gleichzeitig… stellen sie… das Überflussprodukt einer – wenn auch nicht homogenen – schreibenden Gesellschaft, einen Nebeneffekt der Verbreitung von Lese- und Schreibkenntnissen… dar .“7 Da es „… Im römischen Reich des 1. Jh. n. Chr…. durchaus die Möglichkeit gab… Persönliches auf Wachstafeln… [niederzuschreiben…], Ehrungen in Stein… [zu meißeln oder…] seine Liebste persönlich… [zu treffen, war es eigentlich nicht von Nöten die Wände mit Graffiti zu beschmieren] .“8 Trotzdem taten die Menschen Pompejis dies, einfach nur, weil sie dazu in der Lage waren.9 Wahrscheinlich galt es ihnen, geprägt durch ihre römische Erinnerungskultur (in der die Handhabung des Einzelnen und/oder der Gesellschaft mit der eigenen Vergangenheit und Geschichte eine wichtige Rolle spielte) als ein Bedürfnis mit und in Inschriften (persönliche) Ereignisse und gegebenenfalls auch Schicksale schriftlich festzuhalten, genauer gesagt zu fixieren. Man kann somit davon ausgehen, dass die Pompejer ein starkes Interesse daran hatten ihren Mitmenschen, aber eventuell (wenn sich die jeweiligen Graffiti so lange erhielten) auch der Nachwelt von sich zu erzählen. Dabei war die Wiedergabe der/des eigenen Namen von großer Bedeutung, denn damit konnte dem Leser die Familienzugehörigkeit, das Geschlecht, der rechtliche Status, aber auch der Beruf oder das bekleidete Amt der/des Verfasser/in offeriert werden. So konnte direkt die Stellung einer Person innerhalb der Gemeinschaft, aber auch wer mit wem bekannt war kundgetan und überliefert werden. Die eigene Identität wurde vom Schreiber/der Schreiberin selbst gefeiert und sogleich bestätigt, denn genau genommen handelt es sich bei vielen der Wandschriften um „… eine auf das Wesentliche reduzierte Form der Selbstdarstellung…“10 , nicht aber um eine Art Leistungsübersicht desjenigen.11

Um nun einen Einblick in die Bedeutung der Graffiti für die Pompejianerinnen die ebendiese schrieben oder auch lasen zu erlangen, ist es wohl angebracht die Aussagen aus dem Artikel „Salve Domina. Hinweise auf lesende und schreibende Frauen im Römischen Reich“ aus der Zeitschrift „Hefte zur Archäologie des Mittelmeerraumes aus Bern“ auch auf eben erwähnte anzuwenden, zudem es auch nur wenig Literatur dazu zu geben scheint und die Frauen üblicherweise (egal wo im Römischen Reich) innerhalb ihrer römischen Familienstrukturen „gefangen“ zu sein schienen und die Graffiti ihnen die Möglichkeit boten sich der Umwelt mitzuteilen.

Für die Frauen der Vesuvstadt Pompeji (wie aber auch für alle anderen Frauen der damaligen Zeit) war also „… das Kommunizieren über die Wände nicht unüblich…“12, was anhand von Namensangaben der weiblichen Urheberinnen belegt werden kann. Im Falle dieser Graffiti handelt es sich oft um Grussworte oder Allgemeines. Anzumerken bleibt jedoch, dass „Von Frauen selbst geschriebene Texte… [nur] einen relativ geringen Teil der Wandinschriften [ausmachten] ,… aber [eine] deutlich [grössere] … Zahl… an sie [gerichtete] … Botschaften… [waren] .“13 „Aufgrund der lebensnahen und spontanen Inhalte scheinen die Texte nicht auswendig gelernt oder im Auftrag anderer Personen verfasst worden zu sein…. Möglicherweise handelte es sich… [bei den Verfasserinnen und/oder Empfängerinnen…] um Mädchen, welche nicht zur Oberschicht gehörten. Jene hatten zwar die grösste Chance auf eine Ausbildung in Lesen und Schreiben, waren aber ausserhalb des Hauses fast immer unter Aufsicht und hatten so wenig Gelegenheiten, ihre Gedanken auf den Wänden zu verewigen. Einige Inschriften lassen sich ausserdem klar dem Gebiet der käuflichen Liebe zuweisen….“14

2.2 Heute

Heute vertreten Wissenschaftler und Forscher nicht mehr die Meinung, dass es sich bei den Graffiti Pompejis um das „… stupide… Gekritzel…“15 von „… kurzen, simplen Inschriften…“16 handelt, wie es seit deren Entdeckung bis ins 20. Jahrhundert suggeriert wurde. Inzwischen hat man erkannt, dass die Graffiti kein „… Unterschichtenphänomen…“17 sind, das von Gelehrten als „… nutzlos…“18 abgetan wird. Stattdessen können diese schriftlichen Hinterlassenschaften wertvolle Hinweise auf die „… Alltagsrealität…“19 der unterschiedlichen Bevölkerungsschichten liefern.

Leider entsteht oft, durch Veröffentlichungen, wie etwa die der Autoren Hunink und Weeber, die auch in dieser Hausarbeit zitiert werden, der Eindruck, dass es sich bei den Wandinschriften Pompejis zu einem großen Teil aus amüsanten, kurzweiligen Texten ohne wichtige Informationen über deren Schreiber handelt.20 Das stimmt so aber nicht. Denn durch die genaue Analyse der noch existierenden Artefakte auf denen Schrift abgebildet ist, können beispielsweise Rückschlüsse auf deren Entstehung und Verfasser gezogen werden. Was wiederum zum Beispiel dabei helfen kann zu belegen, dass auch Frauen in der Stadt unterhalb des Vesuvs Inschriften in und an Haus- und Innenraumwänden hinterließen und somit nicht immer dem damalig vorherrschenden Idealbild der römischen Frau nach dem Vorbild der Lucretia (die somit keusch, tüchtig in der Hausarbeit, bescheiden, sparsam, treu und vor allem eine Mutter zu sein hatte) entsprachen.

„Die pompejanischen Graffiti enthalten insgesamt rund 400 praenomina [Vornamen], 800 gentilicia [Volksbezeichnungen] und 3300 cognomina [Beinamen].“21 Darunter befinden sich auch die Namen einiger Frauen. Wie oft in den Inschriften von der selben Person gesprochen wird, oder die „Botschaft“ von ein und demselben Menschen stammt kann dabei allerdings nicht genau geklärt werden. Sicher ist aber, dass „Die häufigsten in den Pompejanischen Graffiti belegten…Frauennamen… Prima, Successa, Primigenia, Fortunata und Ianuaria… [sind].22

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5 Tabelle zu in pompejanischen Graffiti vorkommenden Rufnamen mit Anzahl der Belege (in Klammer: weitere Nennungen mit unsicherer Lesart)

Damit kann zumindest die Existenz dieser namentlich genannten Damen belegt werden, was für die Wissenschaft eine weitere Möglichkeit der Erforschung der antiken Lebenswelt bietet und durch den Vulkanausbruch konserviert auch eine Art Erinnerung an eben jene darstellt.

3. Die Anordnung der Graffiti (Wo sind sie in Pompeji zu finden?)

Bei einer Einwohnerzahl von etwa 8.000 bis 10.000 besaß die kleine kampanische Landstadt Pompeji zum Zeitpunkt ihres Untergangs23 mehrere tausend Graffiti, was für die Wandinschriften als eine beliebte Mitteilungsweise spricht. In Prozent ausgedrückt bedeutet dies: „19 % der Graffiti (inklusive… Zeichnungen) stammen von und aus öffentlichen Gebäuden…, 27 % von Fassaden und der größte Teil aus den Innenräumen nicht-öffentlicher Gebäude… [siehe Abb. 6]“24

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6 Grafik von Alexa Kirsten Hartwig, beruhend auf Angaben aus: Lohmann, P.: Graffiti als Interaktionsform – Geritzte Inschriften in den Wohnhäusern Pompejis, Berlin/Boston 2018, S. 128 f.

Wie groß davon der Anteil an von Frauen als Autorinnen gefundenen Graffiti ist, ist jedoch nicht ganz eindeutig. Was man aber sagen kann ist wo sich die Graffitischreiber innerhalb der Stadt mit Vorliebe verewigten. Und zwar waren hierfür die stark frequentierten Hauptverkehrsachsen und auch -knotenpunkte (wie etwa die Hauptgeschäftsstraßen Via Consolare oder Via dell´Abbondanza) sehr gefragt. Dort fand man zum Beispiel Wahlplakate und Spielankündigungen. Das dortige hohe Aufkommen an Passanten, die die „Mitteilungen“ nicht nur lasen, sondern häufig auch mit eigenen Dipinti darauf reagierten, versprach viel Aufmerksamkeit.25

[...]


1 Maiuri, A. (Hrsg.): Pompeji – Kultur und Kunst einer antiken Stadt, Berlin, Stuttgart 1939, S. 8

2 Ranieri Panetta, M. (Hrsg.): Pompeji – Geschichte, Kunst und Leben in der versunkenen Stadt, Stuttgart 2005, S. 228

3 Weeber, K.-W.: Wahlkampf im alten Rom, Düsseldorf 2007, S. 9

4 Weeber, K.-W.: Decius war hier… - Das Beste aus der römischen Graffiti-Szene, Zürich und Düsseldorf 1996, S. 13

5 Lohmann, P.: Graffiti als Interaktionsform – Geritzte Inschriften in den Wohnhäusern Pompejis, Berlin/Boston 2018, S. 1

6 Hunink, V. (Hrsg.): Glücklich ist dieser Ort! - 1000 Graffiti aus Pompeji – Lateinisch/Deutsch, Stuttgart 2011, S. 7 f.

7 Lohmann, P.: Graffiti als Interaktionsform – Geritzte Inschriften in den Wohnhäusern Pompejis, Berlin/Boston 2018, S. 76

8 Ebd.

9 Ebd.

10 Ebd., S. 78

11 Ebd., S. 77 ff.

12 Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern (Hrsg.): Hefte zur Archäologie des Mittelmeerraumes aus Bern, Ausgabe 22/2017, Artikel von Josy Luginbühl (S. 49-73), S. 62

13 Institut für Archäologische Wissenschaften der Universität Bern (Hrsg.): Hefte zur Archäologie des Mittelmeerraumes aus Bern, Ausgabe 22/2017, Artikel von Josy Luginbühl (S. 49-73), S. 62

14 Ebd.

15 Lohmann, P.: Graffiti als Interaktionsform – Geritzte Inschriften in den Wohnhäusern Pompejis, Berlin/Boston 2018, S. 39

16 Ebd.

17 Ebd.

18 Ebd., S.41

19 Ebd., S. 39

20 Ebd. S. 42

21 Ebd. S. 332

22 Lohmann, P.: Graffiti als Interaktionsform – Geritzte Inschriften in den Wohnhäusern Pompejis, Berlin/Boston 2018, S. 333 f.

23 Kuratorium des Villa Hügel e. V.: Pompeji – Leben und Kunst in den Vesuvstädten, Recklinghausen 1973, S. 280

24 Lohmann, P.: Graffiti als Interaktionsform – Geritzte Inschriften in den Wohnhäusern Pompejis, Berlin/Boston 2018, S. 128 f.

25 Ebd., S.129

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Die Graffiti der Frauen Pompejis. Verschiedene Arten und ein Vergleich zur heutigen Zeit
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Note
1,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
29
Katalognummer
V1000970
ISBN (eBook)
9783346374592
Sprache
Deutsch
Schlagworte
graffiti, frauen, pompejis, verschiedene, arten, vergleich, zeit
Arbeit zitieren
Alexa Hartwig (Autor), 2018, Die Graffiti der Frauen Pompejis. Verschiedene Arten und ein Vergleich zur heutigen Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1000970

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