In dieser Hausarbeit soll der Umgang mit Lyrik im Grundschulunterricht genauer betrachtet werden. Anhand des Wort- und Lautgedichts ottos mops [1963] von Ernst Jandl wird dabei die Frage beantwortet, wie sich der handlungs- und produktionsorientierte Ansatz speziell im Literaturunterricht der Grundschule umsetzen lässt, wobei auch die Anschlussfähigkeit an den inklusiven Unterricht berücksichtigt wird. Zu Beginn der Arbeit wird der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht einer Begriffsklärung unterzogen und in seiner Funktion und Zielsetzung besprochen und anschließend mit dem Schwerpunkt der Lyrik vertiefend beleuchtet. Am Beispiel des Wort- und Lautgedichts ottos mops von Ernst Jandl, das zunächst im Hinblick auf grundschulrelevante, didaktische Aspekte und Perspektiven analysiert wird, werden anschließend Umsetzungsmöglichkeiten im Literaturunterricht der Klassen 3 und 4 aufgezeigt. Im Abschluss der Arbeit werden die Ergebnisse nochmals zusammenfassend dargestellt und reflektiert.
"Es ist kaum noch möglich, über Gedichte im Unterricht zu sprechen, ohne dass man in die durch die Tradition belasteten Begriffe tritt wie in zähflüssigen Honig". Dieser Beschreibung ähnelt sicherlich auch der Literaturunterricht, an den so manche*r mit Schaudern zurückdenkt. Insbesondere wenn es um jene langwierigen und kleinschrittigen Gedichtinterpretationen ging, die die Schulstunden wie eben jenen zähflüssigen Honig haben vorbeigehen lassen. Doch der Umgang mit Gedichten in der Schule muss nicht quälend oder gar angsteinflößend sein. Der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht zielt auf eine kreative, mit allen Sinnen erfolgende Herangehensweise ab, die den Tätigkeitsdrang und die Fantasie der Schüler*innen nutzt, um sich einem literarischen Text zu nähern und ihn zu durchdringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
2.1 Definition
2.2 Lehrplanbezug
2.3 Kritik
3. Lyrik im Unterricht der Grundschule
3.1 Definition
3.2 Lehrplanbezug
3.3 Didaktisches Phasenmodell
4. Didaktische Perspektiven von Ernst Jandls ottos mops
5. Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht
6. Fazit
7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie ein handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht die Auseinandersetzung mit Lyrik in der Grundschule bereichern kann. Ziel ist es, unter Einbeziehung des Wort- und Lautgedichts „ottos mops“ von Ernst Jandl aufzuzeigen, wie kreative Methoden und die Nutzung unterschiedlicher Sinne Lernenden dabei helfen, literarische Texte zu erschließen, ihre Lesemotivation zu steigern und einen inklusiven Zugang zum Fach Deutsch zu finden.
- Grundlagen des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts
- Didaktische Anforderungen an Lyrik in der Grundschule
- Analyse des Gedichts „ottos mops“ unter didaktischen Gesichtspunkten
- Methodische Umsetzungsmöglichkeiten in inklusiven Lerngruppen
- Förderung von Leselust und Sprachbewusstsein durch kreatives Schreiben
Auszug aus dem Buch
2. Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht
Im Kontext des offenen und schüler*innenzentrierten Unterrichts haben handlungs- und produktionsorientierte Ansätze Hochkonjunktur. Im Zuge des Poststrukturalismus wurde verstärkt Zugängen zu literarischen Werken Beachtung zuteil, in denen die Texte eben nicht als geschlossene Einheiten gesehen, sondern als bewegliche und auch teilweise in sich widersprüchliche Instanzen wahrgenommen und bearbeitet wurden. Genau hier schließt der handlungs- und produktionsorientierte Literaturunterricht mit seiner offenen Begegnung von Texten an, denn „Texte in andere Medien, Aussageformen und Situationen hinein übersetzen, sie variieren, modifizieren, ergänzen, verändern, ihnen widersprechen, sie spielen, aktualisieren, verfremden“ (Haas 2018, 40) bedeutet sich von den traditionellen, eher analytisch reflexiven Herangehensweisen zu entfernen (vgl. Haas et al. 2002, 18).
Ziel des handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterrichts ist eine nicht ausschließlich kognitive, sondern mit allen Sinnen geleitete Auseinandersetzung mit literarischen Texten, die vom Konstruktivismus und der Rezeptionsästhetik geprägt die Leser*innen dazu anregt, den Sinn eins Textes selbst mitzugestalten (Gien 2014, 284). Dabei bedeutet handlungsorientiert, das Reagieren auf einen vorgelegten literarischen Text (vgl. Haas et al. 1994, 18). Dies kann beispielsweise durch operative Verfahren geschehen, die es den Schüler*innen ermöglichen, den Produktionsprozess des Textes nachzuvollziehen und präzise und reflektiert mit Formulierungen und inhaltlichen Entscheidungen umzugehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz des handlungs- und produktionsorientierten Ansatzes, um Gedichte vom Ruf einer „zähflüssigen“ und quälenden Interpretation zu befreien und zeigt das Vorgehen anhand des Beispiels „ottos mops“ auf.
2. Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht: Dieses Kapitel definiert den Ansatz als schülerzentrierte und offene Methode, beleuchtet den Lehrplanbezug und setzt sich kritisch mit Einwänden gegen eine mögliche Entwertung des Originaltextes auseinander.
3. Lyrik im Unterricht der Grundschule: Der Fokus liegt hier auf den Merkmalen lyrischer Texte, dem Lehrplanbezug für die Primarstufe und der Vorstellung eines didaktischen Phasenmodells für den Unterricht.
4. Didaktische Perspektiven von Ernst Jandls ottos mops: Das Gedicht wird als konkrete Poesie analysiert, wobei besonders die Eignung für den handlungs- und produktionsorientierten Unterricht durch den spielerischen Umgang mit Klang und Sprache hervorgehoben wird.
5. Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht: Hier werden beispielhafte methodische Vorgehensweisen entlang des didaktischen Phasenmodells für inklusive Klassen der 3. und 4. Jahrgangsstufe skizziert.
6. Fazit: Das Fazit resümiert, dass der Ansatz eine ideale Spielwiese für Kreativität bietet und den Kompetenzanforderungen des Lehrplans auch in heterogenen Klassen gerecht wird.
Schlüsselwörter
Handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Lyrik, Grundschule, Ernst Jandl, ottos mops, Sprachdidaktik, Inklusion, konkrete Poesie, Lesemotivation, Klanggedicht, Didaktik, kreatives Schreiben, Phasenmodell, Sprachbewusstsein, Literarische Produktivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Möglichkeiten, Lyrik in der Grundschule durch einen handlungs- und produktionsorientierten Ansatz für Kinder lebendig und erfahrbar zu gestalten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die didaktische Theorie des handlungsorientierten Literaturunterrichts, die Analyse lyrischer Merkmale sowie praktische Anregungen zur Umsetzung im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Schülerinnen und Schüler durch aktive Verfahren – statt durch rein analytische Interpretationen – einen Zugang zur Ästhetik von Sprache finden und ihre Leselust steigern können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch fachdidaktische Literatur, die mit einer exemplarischen didaktischen Analyse und methodischen Entwürfen verknüpft wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung, die didaktische Auseinandersetzung mit dem Gedicht „ottos mops“ und die Ableitung konkreter, stufenweiser Umsetzungsmöglichkeiten für den Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie handlungs- und produktionsorientierter Literaturunterricht, Grundschule, Inklusion, Kreativität und Sprachästhetik geprägt.
Warum eignet sich gerade „ottos mops“ von Ernst Jandl für den Grundschulunterricht?
Das Gedicht eignet sich aufgrund seiner Simplizität, seines humorvollen Rhythmus und der Fokussierung auf Klangelemente, die ohne komplexe kognitive Vorbildung spielerisch erforscht werden können.
Wie trägt der Ansatz zur Inklusion bei?
Durch die Offenheit des Verfahrens können Kinder unabhängig von ihrem jeweiligen Leistungsniveau am selben Material arbeiten, wobei individuelle Zugänge und differenzierte Ergebnisse ermöglicht werden.
- Citation du texte
- Laura-Marie Siebert (Auteur), 2020, Lyrik im handlungs- und produktionsorientierten Literaturunterricht. Didaktische und methodische Perspektiven des Wort- und Lautgedichts "ottos mops" von Ernst Jandl, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1005510