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Kants Kritik der Leibnizschen Theodizee. Eine Prüfung ihrer Triftigkeit

Titel: Kants Kritik der Leibnizschen Theodizee. Eine Prüfung ihrer Triftigkeit

Masterarbeit , 2008 , 70 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Richard Schwär (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Wie lässt sich das Vorhandensein des Übels und des Bösen in der Welt mit dem Glauben an einen allwissenden, allmächtigen und allgütigen Gott vereinbaren? Warum gibt es Naturkatastrophen, Krankheiten, Verbrechen und himmelschreiende Ungerechtigkeit, wenn Gott doch davon weiß und dies alles verhindern könnte?

Die vorliegende Arbeit widmet sich den Bemühungen des großen Universalgelehrten Gottfried Wilhelm Leibniz, auf diese Fragen, die sich allen Menschen stellen, welche die Welt als Schöpfung verstehen, eine Antwort zu finden. Leibniz selbst führte für das zu lösende Problem die Bezeichnung „Theodizee“ ein, d. h. die Rechtfertigung Gottes angesichts des Übels in der Welt. Die Analyse seiner gleichnamigen Abhandlung, in der er versucht, Wissenschaft und Glauben zu versöhnen, steht im Mittelpunkt des ersten Teils dieser Arbeit.

Einen weiteren Schwerpunkt bildet die Kritik Immanuel Kants an der optimistischen Lösung von Leibniz, der davon überzeugt ist, dass sich Glaube und Vernunft versöhnen lassen und somit das Theodizee-Problem lösbar ist. Kant dagegen erklärt alle bisherigen Versuche in der Theodizee für gescheitert, weil diese die Begrenztheit der theoretischen Vernunft missachten. Dennoch hält auch er am Gottesglauben fest und entwickelt einen Gegenentwurf, für den er den Titel „authentische“ Theodizee beansprucht. Da Kants Lösung auf seiner Moralphilosophie basiert, wird diese im zweiten Hauptteil in ihren Grundzügen vorgestellt.

Inwieweit Kants Kritik berechtigt ist, wird im letzten Kapitel untersucht.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Theodizee von Leibniz

2.1. Die Vereinbarkeit von Glaube und Vernunft

2.2. Das Theorem von der besten aller möglichen Welten

2.2.1 Die bestmögliche Welt und die Theodizee

2.2.2 Die Privationstheorie

2.3. Freiheit und Notwendigkeit

2.3.1 Vorherwissen Gottes und menschliche Freiheit

2.3.2. Die Fiktion einer absoluten Indifferenz

2.3.3 Abwehr des Nezessitarismus Spinozas

2.3.4 Freiheit und malum morale

3. Kants Theodizeekritik

3.1 Kants Schrift „Über das Misslingen aller philosophischen Versuche in der Theodizee“

3.2 Definition

3.3 Das Zweckwidrige

3.3.1 Die Heiligkeit Gottes

3.3.2 Die Güte Gottes

3.3.3 Die Gerechtigkeit Gottes

3.4 Ergebnis der Rechtfertigungsversuche

3.5 Kunstweisheit und moralische Weisheit

3.5.1 Kunstweisheit

3.5.2 Exkurs: Sittengesetz und Freiheit

3.5.3 Moralische Weisheit

3.6 Doktrinale und authentische Theodizee

3.6.1 Theodizee oder Anthropodizee?

3.6.2 Das Postulat vom Dasein Gottes nach der Kritik der praktischen Vernunft

3.6.3 Der moralische Gottesbeweis in der Kritik der Urteilskraft

3.6.4 Das Postulat von der Unsterblichkeit der Seele

3.6.5 Der epistemische Status der Postulate

3.6.5 Der Ursprung des Bösen

3.6.6 Der Sieg des Guten und das Reich Gottes auf Erden

3.6.7 Kants moralische Theodizee

3.6.8 Hiob als Vertreter einer authentischen Theodizee

3.6.9 Berechtigung von Kants Theodizee

4. Resümee: Wie zutreffend ist Kants Kritik an der Leibnizschen Theodizee?

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Triftigkeit der Theodizeekritik Immanuel Kants gegenüber der Konzeption von Gottfried Wilhelm Leibniz. Das primäre Ziel ist es, die philosophische Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Ursprung des Übels und der Rechtfertigung Gottes durch beide Denker zu analysieren und Kants Gegenentwurf einer „authentischen Theodizee“ als tragfähige Antwort herauszuarbeiten.

  • Die Leibnizsche Lehre von der „besten aller möglichen Welten“
  • Kants Kritik an der traditionellen spekulativen Metaphysik
  • Die Rolle von Freiheit und Notwendigkeit im Theodizeekontext
  • Die Bedeutung von Kants „authentischer Theodizee“ und Hiobs Vorbild
  • Die Abgrenzung von theoretischer zu praktischer Vernunft in der Theodizeefrage

Auszug aus dem Buch

2.3.1 Vorherwissen Gottes und menschliche Freiheit

Nach Leibniz ist eine Handlung frei, wenn sie folgenden drei Bedingungen genügt: Spontaneität (Selbstbestimmung), Vernunftgemäßheit (Bestimmung des Willens durch das als gut Erkannte) und Kontingenz (Nicht-Notwendigkeit). Geht man davon aus, dass der Handelnde keinem äußeren Zwang ausgesetzt ist und zu vernünftigen Überlegungen fähig ist, dann sind die ersten zwei Kennzeichen gegeben. Doch wie verhält es sich mit der Kontingenz? Ist nicht durch die göttliche Wahl eines bestimmten Weltlaufs alles Geschehen, einschließlich aller Entscheidungen der Menschen, ein für alle Mal festgelegt? Eine Antwort ergibt sich aus der Analyse des folgenden Abschnittes in der Théodicée:

„[...] da der göttliche Beschluß einzig und allein im Entschlusse besteht, nach einem Vergleiche aller möglichen Welten die beste von ihnen auszuwählen und ihr mitsamt allem Inhalt Existenz zu geben durch jenes allmächtige Fiat, so liegt es auf der Hand, daß dieser Beschluß nichts an der Beschaffenheit der Dinge ändert und daß er sie in dem Zustande belässt, in dem sie sich schon als reine Möglichkeiten befanden [...]. Das Zufällige und Freie verbleibt demnach in seinem Zustande angesichts der göttlichen Beschlüsse wie auch angesichts der Vorsehung.“81 Aufgrund seiner Allwissenheit sah82 Gott, bevor er sich entschloss, aus der unendlichen Anzahl der möglichen Welten eine ins Dasein zu rufen, auch die freien Entscheidungen aller geistbegabten Wesen, die zu diesen Welten gehörten, z. B. die Sünde Adams, voraus. Nach dem Schöpfungsakt laufen nun alle Vorgänge, die in der möglichen Welt, die nun Wirklichkeit wurde, schon vorgesehen waren, mit physischer Notwendigkeit, d. h. nach den Kausalgesetzen, ab. Dabei bleibt jedoch alles „Zufällige und Freie“ bestehen. Falls sich also ein bestimmtes Individuum vor einer freien Entscheidung auch Möglichkeiten vorgestellt hat, die anderen Welten als der tatsächlich geschaffenen angehörten, so bleiben diese Vorstellungen im Bewusstsein83 dieses Individuums erhalten. Obwohl diese freie Entscheidung, die im Zustand des Möglichen frei getroffen wurde, sich in dieser Welt als vorausgesehen und vorherbestimmt (determiniert) ereignet, „weiß“ das Individuum, dass es sich um ein kontingentes Geschehen handelt.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entwicklung der Theodizeefrage vom Judentum über Augustinus bis hin zu Leibniz ein und skizziert die Problematik der Vereinbarkeit göttlicher Güte mit dem Bösen.

2. Die Theodizee von Leibniz: Das Kapitel behandelt Leibniz’ Antwort auf Bayles Kritik, insbesondere das Theorem von der besten aller möglichen Welten und das Prinzip vom zureichenden Grund.

3. Kants Theodizeekritik: Dieser Teil analysiert Kants Schrift von 1791 und seine grundsätzliche Ablehnung doktrinaler Theodizeeversuche zugunsten einer praktischen Vernunftbegründung.

4. Resümee: Wie zutreffend ist Kants Kritik an der Leibnizschen Theodizee?: Das Resümee bewertet die verschiedenen Ebenen von Kants Kritik, insbesondere die Unterscheidung von Sein und Sollen sowie die Rolle der Freiheit in beiden Systemen.

5. Literaturverzeichnis: Ein Verzeichnis der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

Theodizee, Leibniz, Kant, Böses, Freiheit, Wille, Vernunft, Vorsehung, Sollen, Gott, Moralität, Metaphysik, Notwendigkeit, Gerechtigkeit, Endzweck

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht und vergleicht die Ansätze von Leibniz und Kant zur Theodizee, also zur Frage der Rechtfertigung Gottes angesichts des Leids und des Bösen in der Welt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentral sind die Metaphysik des Optimismus, die Freiheit des menschlichen Willens gegenüber göttlicher Vorsehung sowie die Grenzen menschlicher Erkenntnisfähigkeit im Hinblick auf moralische Fragen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Kants scharfe Kritik an Leibniz’ metaphysischem Optimismus aufzuzeigen und Kants „authentische Theodizee“ als eine moralisch fundierte Alternative zu analysieren.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine interpretativ-analytische Methode, indem sie die entsprechenden Originalschriften der beiden Philosophen im Kontext ihrer jeweiligen philosophischen Systeme und ihrer Kritiker (z.B. Bayle) untersucht.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Leibnizschen Theodizee (mit Fokus auf Vernunft und Freiheit) und die detaillierte Analyse von Kants Theodizeekritik, inklusive der Bedeutung des „Zweckwidrigen“ und der praktischen Vernunft.

Welche Begriffe charakterisieren diese Arbeit?

Schlüsselbegriffe sind die beste aller möglichen Welten, der kategorische Imperativ, das Postulat der praktischen Vernunft, moralische Weisheit und das malum morale.

Warum lehnt Kant traditionelle Gottesbeweise im Theodizeekontext ab?

Kant argumentiert, dass Gott kein Gegenstand endlicher Erkenntnis sein kann; die theoretische Vernunft überschreitet ihre Grenzen, wenn sie versucht, Gottes Weisheit durch spekulative Argumente zu beweisen.

Was bedeutet Kants „authentische Theodizee“?

Sie ist keine spekulative Rechtfertigung durch menschliche Vernunft, sondern ein Ausdruck des moralischen Glaubens, bei dem das Handeln des Menschen als „Stimme Gottes“ im Sinne des Sittengesetzes verstanden wird.

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Details

Titel
Kants Kritik der Leibnizschen Theodizee. Eine Prüfung ihrer Triftigkeit
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,3
Autor
Richard Schwär (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2008
Seiten
70
Katalognummer
V1007277
ISBN (eBook)
9783346391742
ISBN (Buch)
9783346391759
Sprache
Deutsch
Schlagworte
theodizee die beste aller möglichen Welten der gütige Gott und das Übel Ursprung des Bösen Privationstheorie Sittengesetz und Freiheit doktrinale und authentische Theodizee Gottfried Wilhelm Leibniz Immanuel Kant Pierre Bayle Hiob
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Richard Schwär (Autor:in), 2008, Kants Kritik der Leibnizschen Theodizee. Eine Prüfung ihrer Triftigkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1007277
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Leseprobe aus  70  Seiten
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