Öffentliche Kommunikation der EU- Klimaschutzziele 2030 und 2050 als Teil des Green Deals. Visuelle Framing-Analyse über die multimodale Twitter- Kommunikation der EU anhand zweier Videos


Hausarbeit (Hauptseminar), 2021

24 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Abbilungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund.
2.1 (Visueller) Framing-Ansatz
2.1.1 Framing - Begriffsklärungen
2.1.2 Visuelles Framing - Forschungsansätze
2.2 Framing von Klimawandel in den Medien
2.3 Ableitung der Forschungsfragen

3 Methodologie
3.1 Datenmaterial
3.1.1 Beschreibung der EU-Klimaziele
3.1.2 Videomaterial
3.2 Vorgehensweise der Analyse

4 Ergebnisse der -visuellen Framing-Analyse
4.1 Akteurlnnen im öffentlichen Diskurs um den Klimawandel
4.2 Klimawandel als Gefährdung für die Natur (, endangered nature‘)
4.3 Natur als nachhaltige Ressource für die Menschheit
4.4 Eindämmung des Klimawandels - Visionen für eine klimaneutrale Zukunft.

5 Zusammenfassung und Beantwortung der Forschungsfragen

6 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

„Visual images are everywhere in the portrayal of climate change. (...) Yet despite the ubiquitous nature of climate imagery, scholars in sociology, geography and communication studies have all called attention to the lack of research investigating climate visualization. “(O’Neill/Smith 2014, 73)

Trotz der umfassenden Nutzung von Bildmaterial unter anderem in der Kommunikation von Klimaschutz und -wandel ist nach wie vor ein Mangel in der Forschung zur Bildauswahl und -Wirkung in Bezug auf die Vermittlung des Themas zu verzeichnen. Diese Arbeit soll durch die Untersuchung der multimodalen Klima-Kommunikation der EU auf Twitter einen Beitrag zur Kommunikationsforschung im Bereich des visuellen Framings leisten.

Visualisierungen üben verschiedene Funktionen in der Kommunikation aus: Erstens können sie die Aufmerksamkeit der Rezipientlnnen durch lebhafte oder emotionale Darstellungen erregen; zweitens wirken sie unterstützend bei der Informationsverarbeitung, drittens können sie bei gemeinsamen Kulturreferenzen sprachliche und geografische Barrieren überschreiten. Letztere Funktion ist gerade bei einer diversen Zielgruppe vorteilhaft, wie es beispielsweise in sozialen Medien der Fall ist. Wissenschaftlerlnnen, Journalistinnen, Künstlerinnen und Institutionen - um nur einige nennen - visualisieren Informationen zum Klimawandel als Teil ihrer Arbeit (O’Neill/Smith 2014, 73). Dabei soll derjeweiligen Zielgruppe durch ein Bild eine bestimmte Botschaft vermittelt werden, das Konzept des Klimawandels wird im Zuge dessen geframed.

Auch die EU-KommissionyraweJ bei der multimodalen Darstellung ihrer Klimaziele auf Twitter das Konzept des Klimawandels. Auf Basis des Schemas von Rodriguez und Dimitrova (2011) werden die visuellen Frames auf denotativer, stilistischer, konnotativer und ideologischer Ebene in dieser Arbeit konzeptualisiert. Dazu werden ein Video über den EUKlimazielplan 2030 und eines über das EU-Ziel der Klimaneutralität 2050 in ihrer Tiefe analysiert. Ersteres wurde sowohl auf dem Twitter-Account der Generaldirektion für Klimawandel (@EUClimateAction) als auch jenem der Europäischen Kommunikation (@EU_Commission) auf Twitter gepostet, das zweite vom Twitter-Account von Ursula von der Leyen, der Kommissionspräsidentin der EU. Die untersuchten Videos müssen eine breite Masse an Menschen ansprechen und für diese verständlich und anregend sein. Die Untersuchung des visuellen Framings von Klimawandel in den Videos soll herausarbeiten, wie die EU als supranationale Organisation ihre ambitionierten Klimaziele der Öffentlichkeit präsentiert. Dabei wird die Arbeit durch folgende Fragestellung geleitet: Wie stellt die Europäische Kommission bei ihrer multimodalen Kommunikation auf Twitter das Konzept des Klimawandels und die Klimazielefür 2030 und 2050 visuell dar? Theoretisch basiert die Arbeit auf den klassischen Framing-Konzepten von Entman (1993) und Scheufeie (2004) sowie auf aktueller Forschung zu visuellem Framing (Geise et al. 2013; Rodriguez/Dimitrova 2011; Dan 2017). Die theoretischen Konzepte, welche dieser Arbeit zugrunde liegen, werden im folgenden Teil erörtert. Danach wird der aktuelle Forschungsstand wiedergegeben und anschließend die Forschungsfragen abgeleitet, die anhand der verschiedenen Analyseebenen von Rodriguez und Dimitrova (2011) strukturiert sind. Nach der methodischen Beschreibung werden die Ergebnisse der Analyse präsentiert und diskutiert. Abschließend wird ein Fazit über die Arbeit gezogen.

2 Theoretischer Hintergrund

Bilder unterscheiden sich in mehreren Beziehungen von Text: Erstens werden Objekte in Bildern anhand von Ähnlichkeiten zu bereits bekannten Objekten wahrgenommen. Beispielsweise wird die Fotografie eines Baumes als Baum erkannt, weil das Bild und das bekannte Objekt ,Baum‘ sich ähneln. Wohingegen Kenntnisse einer bestimmten Sprache notwendig sind, um die Bedeutung eines Wortes zu verstehen. Zweitens haben Bilder keine Syntax, können ohne Text in einem einzelnen Bild schwerer Beziehungen und auf verschiedenen Arten interpretiert werden. Drittens werden Bilder häufig als direkte Spiegelung der Realität wahrgenommen, selten als bestimmte Darstellung der Realität (Frame). Daher werden Darstellungen in Bildern von Rezipientlnnen unreflektierter und wahrhaftiger wahrgenommen als dies bei Textbotschaften derFall ist (O’Neill/Smith 2014, 73f; Grittmann 2014, 132f).

Die Spezifizität von visuellen Darstellungen führt auch zu der Frage, inwieweit das Framing- Konzept angepasst werden muss, um dem Konzept des visuellen Framings gerecht zu werden. Dabei gibt es verschiedenen defmitorische Ansätze, die im folgenden Unterkapitel beschrieben und diskutiert werden.

2.1 (Visueller) Framing-Ansatz

Bevor auf den visuellen Framing-Ansatz genauer eingegangen werden kann, müssen das Konzept des Framing sowie einige Definitionen erklärt und diskutiert werden. Danach soll dargestellt werden, inwieweit das Framing-Konzept für das des visuellen Framings übernommen werden kann bzw. welche Anpassungen notwendig sind, um das Konzept des visuellen Framings fassen zu können.

2.1.1 Framing - Begriffsklärungen

Wie bereits erwähnt ist die theoretische Annäherung an das Konzept des visuellen Framings durch die Auseinandersetzung mit dem Framing-Konzept eine Möglichkeit. Das Konzept des Framing geht ursprünglich auf Goffman (1974) zurück, der feststellte, dass der Kontext und die Struktur einer Nachricht die Gedanken und Handlungen der Rezipientlnnen nach der Wahrnehmung beeinflussen. Entman - als einer der am häufigsten zitierten Vertreter der Framing-Forschung - definiert fast 20 Jahre später die Grundpfeiler des Framings. Ein Objekt zu framen bedeutet demnach ,,to select some aspects of a perceived reality and make them more salient in a communicating text, in such a way to promote a particular problem definition, causal interpretation, moral evaluation, and/or treatment recommendation. “ (Entman 1993, 52)

Entmans Definition zeigt auf, welche Aufgaben Frames in der Kommunikation haben: Bestimmte Realitätsausschnitte werden gezielt verstärkt, sodass bestimmte Interpretationsmuster in den Vordergrund rücken. Die Hervorhebung jener Ausschnitte der Realitätswahrnehmung („aspects of perceived reality“) erfolgt durch framing devices', wie zum Beispiel mittels Metaphern, bestimmten Schlagwörtern oder auch visuellen Elementen. Durch die gezielte Hervorhebung werden den Rezipientlnnen auch bestimmte Bewertungen, Entscheidungen oder Beziehungen suggeriert. In diesem Prozess werden kognitive Strukturen aktiviert, die vorher durch Schlüsselreize in der Information des Frames getriggert wurden. In seiner Definition nennt Entman auch vier Charakteristika, die einen Frame konstituieren. Erstens die Problemdefinition; zweitens die Ursachenzuschreibung als sinnhafter oder kausaler Zusammenhang; drittens die Bewertungen nach allgemeinen Wertvorstellungen und viertens Handlungsempfehlungen an die Rezipientlnnen, welche unterschiedlich interpretiert werden können. Diese vier Elemente stehen für van Gorp als ,resasoning devices' hinter dem Frame als latente Bedeutung (Geise et al. 2013, 43; van Gorp 2010; Entman 1993; 52f.).

Das Konzept des Framings wird häufig mit den Begriffen Agenda-Setting und Priming in Verbindung gebracht. Der grundlegende Unterschied kann darin gesehen werden, wie kognitive Schemata in dem/der Rezipienten/in aktiviert werden. Dabei gibt es die Möglichkeiten der Aktivierung durch Anwendbarkeit und Zugänglichkeit. Erstere vollzieht sich kurz nach der ersten Wahrnehmung eines Frames, wenn vordergründige Elemente der Botschaften eines Frames kognitive Schemata durch Ähnlichkeit mit bereits bestehenden Schemata aktivieren. Wohingegen die Aktivierung durch Zugänglichkeit bei wiederholter Wahrnehmung eines Schemas auftritt, da bereits bekannte Schemata (z.B. als Teil eines Frames) wahrscheinlicher wieder erkannt werden. Umgelegt auf die Konzepte des AgendaSetting bzw. Priming und des Framing bedeutet das folgendes: Framing stellt die Bedeutung auf Basis der Prinzipien der Anwendbarkeit und Zugänglichkeit her, während Priming bzw. Agenda-Setting nur auf dem Prinzip der Zugänglichkeit basieren, beispielsweise die wiederholte Berichterstattung über ein spezifisches Thema (Geise et al. 2013, 43; Scheufeie 2004, 405, 408f).

Bei der Interaktion von wahrgenommener Information (z.B. als Medienframe) und vorhandenen kognitiven Schemata kommt es zu Framingeffekten. Da jeder Mensch unterschiedliche kognitive Schemata aufweist, sind die Interpretation und der Framingeffekt ebenfalls verschieden. Trotzdem kann zwischen grundlegenden Typen von Framingeffekten unterschieden werden: Bereits existierende kognitive Schemata können durch Framing aktiviert (Aktivierungseffekt) oder angepasst werden (Transformationseffekt). Durch Framing können aber auch noch nicht existente Schemata gebildet (Etablierungseffekt) oder dadurch Einstellungen verändert werden (Einstellungseffekt) (Scheufeie 2004, 411).

Allgemein kann die empirische Framing-Forschung in drei Teilbereiche eingeteilt werden: Erstens gibt es den Kommunikatoransatz, mit dem Frames von Journalistinnen und ihr Aufbau analysiert werden können. Zweitens unterscheidet Schefele (2014) den Ansatz öffentlicher Diskurs‘ bzw. ,soziale Bewegungen^ der eine Makroperspektive einnimmt. Innerhalb dieses Ansatzes werden zum Beispiel Politikerinnen untersucht und die Art und Weise, wie sie Frames in die Medien einbringen. In dieser Perspektive dienen die Medien als Vermittler von Frames verschiedener Akteurlnnen. Drittens wird der Medieneffekt-Zugang unterschieden, der sich mit Medienframes und ihren Einflüssen auf kognitive Schemata, Einstellungen und Entscheidungen beschäftigt (siehe auch Framingeffekte) (Scheufeie 2004, 403; Geise et al. 2013, 45).

2.1.2 Visuelles Framing - Forschungsansätze

Das bisher beschriebene Konzept des Framings bildet die Basis für die theoretische Konzeption und Anwendung des visuellen Framings. Die Analyse von Text-Frames ist zwar noch immer vorherrschend, doch mit Etablierung der visuellen Kommunikationsforschung ist die Forschung zu visuellem Framing immer umfangreicher geworden (Geise et al. 2013, 41). Eine Möglichkeit visuelles Framing zu definieren, wäre die direkte Anwendung der Definition von Entman (1993). Demnach wäre visuelles Framing „der Prozess und/oder das Ergebnis der Selektion und Akzentuierung bestimmter Aspekte der wahrgenommenen Realität in einem kommunikativen Kontext durch Mittel Visueller Kommunikation, durch die spezifische Strukturierungs- und Interpretationsmuster und/oder Handlungsempfehlungen für den beschriebenen Sachverhalt nahegelegt werden und die die Informationsverarbeitung prägen.“ (Geise et al. 2013, 46)

Beim visuellen Framing werden also genauso bestimmte Aspekte des kommunizierten Themas durch visuelle Darstellungen hervorgehoben. Damit können Problemdefmitionen, kausale Interpretationen, moralische Bewertungen oder Handlungsanleitungen bei der Wahrnehmung in den Vordergrund gerückt werden und so die Informationsverarbeitung der Visualisierung beeinflussen. Doch wie unterscheidet sich die Verwendung von visuellen Darstellungen im Vergleich zu Text-Frames? Es gibt einige Spezifika von visuellen Darstellungen, die im empirischen Umgang mit selbigen zu beachten sind. Visualisierungen verfügen über eine höhere Erinnerungswirksamkeit als verbale Information und können leichter wahrgenommen und verarbeitet werden. Durch die schnellere Verarbeitungszeit müssen die Frames in kürzerer Zeit aktiviert werden können, werden auch weniger kognitiv reflektiert. Die am Anfang dieses Kapitels beschriebenen Eigenschaften von Bildern, ihre Ikonizität, Indexikalität und syntaktische Implizitheit, machen sie zu effektiven Framing-Tools. Auch in Bezug auf die Framingeffekte kann beobachtet werden, dass Transformations- und Einstellungseffekte wahrscheinlicher bei der Verwendung von visuellen Darstellungen werden (Geise et al. 2013, 46).

Häufig werden Visualisierungen in Verbindung mit Text verwendet, wobei es sich um interagierende Elemente handelt. Diese sollten analytisch nicht als voneinander getrennt untersucht werden, da auch die Wahrnehmung von Text und Bild selten getrennt voneinander erfolgt und durch die kombinierte Wahrnehmung gemeinsame Framingeffekte vermutet werden. Daraus folgt, dass Untersuchungen, die sich nur mit einem Modus beschäftigen, nur begrenzte Aussagekraft haben. Dies gilt auch für Text-Untersuchungen, die die Bilder im untersuchten Material ignorieren. Daher wird auch die in dieser Arbeit durchgeführte Framing- Analyse den Text in den Videos kombiniert mit den Visualisierungen untersuchen (Geise et al. 2013, 47).

Nachdem die theoretischen Grundlagen des (visuellen) Framings dargelegt wurden, wird nun das Forschungsfeld des visuellen Framings kurz beschrieben. Das Feld der visuellen Framing- Forschung wird beispielsweise von Rodriguez und Dimitrova (2011) dafür kritisiert, methodisch und theoretisch nicht strukturiert genug zu sein und keine geteilten Konzeptdefinitionen zu haben.

Um dies zu überprüfen führten Geise et al. (2013) eine Meta-Analyse bisheriger visueller Kommunikationsforschung durch, um einen Forschungsüberblick über visuelle Framing- Forschung zu bekommen. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass sich die methodische und theoretische Fundierung als eigenständige Forschung noch in Entstehung befindet. Dennoch zeigt sich, dass die verschiedenen Studien zu visuellem Framing eine gemeinsame theoretische Basis in der Anwendung des Framing-Konzeptes von Entman (1993) gefunden haben. Daher widersprechen die Autorinnen der Sichtweise von Rodriguez und Dimitrova (2011), die das Konzept des visuellen Framings als fractured paradigm" einschätzen. Die Verwendung des etablierten Framing-Konzeptes kann zudem als Vorteil gesehen werden, da die visuelle Framing-Forschung mit der klassischen Framing-Forschung verbunden werden kann. Durch die dominierende Verwendung des klassischen Framing-Konzeptes als theoretische Fundierung ist es gerade für neue Dynamiken im Forschungsfeld (Differenzierungen, Weiterentwicklungen) schwierig sich zu etablieren (Geise et al. 2013, 63, 65).

Wie bereits beschreiben sehen Rodriguez und Dimitrova (2011) das Forschungsfeld und Konzept des visuellen Framings als fractured paradigmDaher versuchten mit ihrer Forschung Struktur in die theoretische Debatte zu bringen und entwickelten zudem ein Analyseschema für eine visuelle Framing-Analyse, die in mehreren Ebenen gegliedert ist. Dieses Schema wird im Folgenden beschrieben.

Rodriguez und Dimitrova (2011) identifizieren nach einer eingehenden Literaturrecherche vier Ebenen, die von der Analyse der sichtbaren Bedeutung (denotativ) zu immer tieferen Analysen der latenten Bedeutungen von visuellen Darstellungen reichen:

Im ersten Level der denotativen Systeme werden Frames durch die einfache Beschreibung dessen identifiziert, was auf der Visualisierung zu erkennen ist. Das Erkennen von Bildern kann durch Unterschriften oder begleiteten Text vereinfacht werden. Trotzdem kann immer nur das identifiziert werden, was der Forscherin/dem Forscher bekannt ist. Bei der zweiten Ebene der stilistisch-semiotischen Systeme ist vor allem die Art der Darstellung relevant. Bei der Analyse kann auf viele verschiedene Charakteristika eingegangen werden, unter anderem gestaltpsychologische Eigenschaften, Distanz, Farbe oder Betonung diverser Teile in der Darstellung. Die dritte Ebene der konnotativen Systeme analysiert latente Bedeutungen von visuellen Darstellungen in Form von Zeichen, Symbolen und Ideen. Dabei kann zwischen abstrakten und figurativen Symbolen unterschieden werden. Ebenfalls unter diese Kategorie fallen beispielsweise Metaphern. Die Identifizierung von Symbolen und ähnlichen ist von der sozio-kulturellen Einbettung des wahmehmenden Individuums abhängig. Das letzte Level der ideologischen Repräsentation geht auf die grundlegendste latente Bedeutung von Visualisierungen in Form von zugrundeliegenden Prinzipien ein. Auf dieser Ebene werden Fragen wie jene beantwortet: Welche Stimmen werden gehört? Welche ideologischen Konzepte werden vermittelt? Das Analyseschema kann auf alle Typen von Frames angewendet werden, unabhängig von Art der Visualisierung und des Mediums (Rodriguez & Dimitrova 2011, 52-59).

2.2 Framing von Klimawandel in den Medien

Es gibt sehr unterschiedliche methodische Vorgangsweisen innerhalb der visuellen Darstellungsforschung im Bereich des Klimawandels. Darunter beispielsweise Diskurs- und Inhaltsanalyse, Q-Methode, Semiologie und soziale Semiotik. Die Vielfalt der Methoden zeigt, wie inter- und multidisziplinär der Bereich ist. Dabei dominieren aber häufig quantitative Ansätze. Es wird mehrmals betont, dass es gerade in einem wachsenden und vielschichtigen Forschungsfeld von entscheidender Bedeutung ist, die methodische Vorgangsweise für andere Forscherinnen nachvollziehbar zu beschreiben.

O’Neill und Smith (2014) finden in ihrer Untersuchung über die Bildrepräsentation im Themenbereich des Klimawandels drei dominante Themen, die sich sowohl im Moment der Produktion als auch der Konsumation zeigen: Zeit, Wahrheit und Macht. Das Konzept des Klimawandels ist untrennbar mit der zeitlichen Dimension verbunden. Daher werden auch Visualisierungen häufig zur Veranschaulichung der Vergangenheit und möglicher Folgen und Visionen in der Zukunft verwendet. Bilder können dazu anstoßen Klimaschutz als dringliche Angelegenheit wahrzunehmen. Viele Studien betonen zudem, dass es sich bei visuellen Darstellungen um eine bestimmte normative Sichtweise auf die Realität handelt und nicht um eine objektive Wahrheit. Trotzdem werden Bilder als Wahrheitsbeweis verwendet, häufig um textuelle Information zu stützen. Die normative Darstellung der Realität ist eng verbunden mit Macht und Ressourcen. Wer genügend Ressourcen hat, kann mitbestimmen, wie ein Begriff geframed wird. Wie in jedem Diskurs dominieren dabei bestimmte Sichtweisen, während andere marginalisiert werden (O’Neill/Smith 2014, 83ff.).

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Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Öffentliche Kommunikation der EU- Klimaschutzziele 2030 und 2050 als Teil des Green Deals. Visuelle Framing-Analyse über die multimodale Twitter- Kommunikation der EU anhand zweier Videos
Hochschule
Universität Wien  (Fakultät für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
M10: Kultur und Politik - Climate Visuals: The Visual Construction of the Climate Crisis
Note
1.0
Autor
Jahr
2021
Seiten
24
Katalognummer
V1009769
ISBN (eBook)
9783346397720
Sprache
Deutsch
Schlagworte
EU-Kommunikation, Twitter, Social Media, Green Deal, Klimaziele, Visual Framing
Arbeit zitieren
Luana Luisa Heuberger (Autor), 2021, Öffentliche Kommunikation der EU- Klimaschutzziele 2030 und 2050 als Teil des Green Deals. Visuelle Framing-Analyse über die multimodale Twitter- Kommunikation der EU anhand zweier Videos, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1009769

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