Das Ziel dieser Hausarbeit ist ein auf dem Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell basierender Schulungsentwurf für Instructional Designer* mit der Zielkompetenz, Mobile-Learning-Apps selbständig zu entwickeln. Lebenslanges Lernen und die berufliche Weiterbildung fordern von Arbeitnehmern immer mehr Eigeninitiative. Um dieser Entwicklung nachzukommen, bedarf es flexibel einsetzbarer Lernformen, die zeit- und ortsunabhängige Kommunikation ermöglichen. Der Einsatz von Mobile-Learning- Apps kommt diesem Anspruch der Lernenden und Lehrenden entgegen, da er den Zugriff auf Online-Inhalte mittels verschiedener Endgeräte erlaubt und so neue Möglichkeiten des Lernens bietet. Für Instructional Designer*, die Lernmaterialien designen, ist die Zielkompetenz, selbst eine App zu entwickeln, aktuell und zukunftsweisend.
Das von Jeroen J. G. van Merriënboer entwickelte Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell, kurz 4C/ID genannt, dient zur systematischen Erschaffung von kompetenzfördernden Umgebungsbedingungen und bezeichnet die Abfolge spezifischer Phasen zur Lernumgebungsgestaltung wie Analyse, Design, Entwicklung, Implementation und Evaluation. Es baut auf den folgenden vier Komponenten auf, die dem Modell auch seinen Namen geben.
Die Entwicklung einer Mobile Learning-App erfordert eine komplexe ganzheitliche Fertigkeit, die aus zahlreichen zusammenhängenden Teilkompetenzen besteht. Wichtig dabei ist, darauf zu achten, dass Lernende diese immer zusammenhängend als Gesamtkompetenz lernen. Eine Schulung nach dem 4C/ID-Modell ist dazu geeignet, sie dabei zu unterstützen.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
1.1 ZIELSETZUNG
1.2 4C/ID-MODELL
1.3 SZENARIO
1.4 VIRTUALITÄT
2 THEORETISCHER EXKURS
2.1 ANSÄTZE DER ALLGEMEINEN DIDAKTIK
2.2 PFADABHÄNGIGKEIT
2.3 BEZUGSTHEORIE DES 4C/ID-MODELLS
3 HIERARCHISCHE KOMPETENZANALYSE
3.1 HIERARCHIEFUNKTION
3.2 HIERARCHIEERSTELLUNG
3.3 (NON-)REKURRENTE FERTIGKEITEN
4 BILDUNG VON AUFGABENKLASSEN
4.1 FUNKTION
4.2 VEREINFACHENDE ANNAHMEN UND AUFGABENKLASSEN
5 ENTWICKLUNG VON LERNAUFGABEN
5.1 LERNAUFGABEN
5.2 VARIABILITÄT
5.3 MEDIALE UMSETZUNG
5.4 DIDAKTISCHE SZENARIEN
6 PROZEDURALE UND UNTERSTÜTZENDE INFORMATIONEN
6.1 UNTERSTÜTZENDE INFORMATION
6.2 PROZEDURALE INFORMATION
7 PART-TASK PRACTICE
8 FAZIT
8.1 VERORTUNG IM ADDIE-PHASENMODELL
8.2 PROZESS-PRODUKT-PARADIGMA UND STÄRKEN-SCHWÄCHEN-ABSCHÄTZUNG
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieser Arbeit ist die Erstellung eines praxisorientierten Schulungsentwurfs für Instructional Designer mittels des 4C/ID-Modells. Die Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie durch eine systematische Kompetenzanalyse und die Gestaltung authentischer Lernaufgaben die komplexe Fähigkeit zur eigenständigen Entwicklung von Mobile-Learning-Apps vermittelt werden kann.
- Anwendung des Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modells (4C/ID)
- Hierarchische Analyse von Teilfertigkeiten für die App-Entwicklung
- Konzeption von Lernaufgaben mit steigendem Komplexitätsgrad
- Integration prozeduraler und unterstützender Informationen
- Berücksichtigung von Blended-Learning-Szenarien und technologischen Anforderungen
Auszug aus dem Buch
1.2 4C/ID-Modell
Das von Jeroen J. G. van Merriënboer entwickelte Vier-Komponenten-Instruktionsdesign-Modell, kurz 4C/ID genannt, dient zur systematischen Erschaffung von kompetenzfördernden Umgebungsbedingungen und bezeichnet die Abfolge spezifischer Phasen zur Lernumgebungsgestaltung wie Analyse, Design, Entwicklung, Implementation und Evaluation (Vogel et al., 2020, S.126). Es baut auf den folgenden vier Komponenten auf, die dem Modell auch seinen Namen geben:
1. Lernaufgaben (learning tasks) sind konkrete, authentische, holistische Aufgaben, die Lernenden helfen, kognitive Schemata für non-rekkurente Fertigkeiten zu entwickeln und rekkurrente Fertigkeiten zu automatisieren.
2. Unterstützende Informationen (supportive information) unterstützen das Lernen und Ausführen nicht-wiederkehrender Aufgaben, die die Organisation und die Herangehensweise an Probleme und Aufgaben in einem Bereich erklären. Sie sollen dabei eine Brücke zwischen den bereits vorhandenen und den neuen Kenntnissen bilden.
3. Just-in-Time-Informationen (procedural information) erklären den Lernenden die Herangehensweise an wiederkehrende Aspekte von Aufgaben. In der Regel liegen sie in kleinen Einheiten vor und werden den Lernenden erst dann vorgelegt, wenn sie zur Bearbeitung der vorgegebenen Aufgabe benötigt werden.
4. Part-Task-Practice sind zusätzliche repetierende Übungen zur Automatisierung von wiederkehrenden Teilfertigkeiten, die besonders präzise, akkurat und schnell ausgeführt werden müssen. (Vogel, Weidlich, Bastiaens, 2020, S.62)
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Definiert die Zielkompetenz zur eigenständigen Entwicklung von Mobile-Learning-Apps und stellt das 4C/ID-Modell sowie das zugrunde liegende Szenario vor.
2 THEORETISCHER EXKURS: Beleuchtet Ansätze der Allgemeinen Didaktik, das Konzept der Pfadabhängigkeit und die kognitionspsychologischen Bezugstheorien des 4C/ID-Modells.
3 HIERARCHISCHE KOMPETENZANALYSE: Beschreibt die Identifikation und Strukturierung der notwendigen Teilfertigkeiten, die für die Zielkompetenz erforderlich sind.
4 BILDUNG VON AUFGABENKLASSEN: Erläutert die Gruppierung von Lernaufgaben basierend auf vereinfachenden Annahmen und die Prinzipien der Aufgabenklassenbildung.
5 ENTWICKLUNG VON LERNAUFGABEN: Detailliert die konkreten Lernaufgaben für die Schulung, deren mediale Umsetzung und die gewählten didaktischen Szenarien.
6 PROZEDURALE UND UNTERSTÜTZENDE INFORMATIONEN: Beschreibt, wie theoretisches Wissen und technische Anleitungen zur Unterstützung der Lernprozesse bereitgestellt werden.
7 PART-TASK PRACTICE: Fokus auf die Automatisierung wiederkehrender Fertigkeiten durch gezielte Teilübungen wie das Zehnfingersystem.
8 FAZIT: Diskutiert die Einordnung in das ADDIE-Modell sowie eine kritische Abschätzung der Stärken und Schwächen des entworfenen Schulungskonzepts.
Schlüsselwörter
4C/ID-Modell, Instructional Design, Mobile-Learning-App, Kompetenzanalyse, Lernaufgaben, Blended Learning, Cognitive Load Theory, Pfadabhängigkeit, Didaktische Szenarien, Prozedurale Informationen, Automatisierung, Part-Task Practice, Informatikdidaktik, Bildungswissenschaft, Android Studio
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit entwickelt einen praxisnahen Schulungsentwurf für Instructional Designer, um diese dazu zu befähigen, eigenständig Mobile-Learning-Apps zu konzipieren und zu programmieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen das Vier-Komponenten-Instruktionsdesign (4C/ID), die Analyse von Lernvoraussetzungen, die didaktische Szenariengestaltung und die mediale Umsetzung von Lerninhalten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist die Anwendung des 4C/ID-Modells auf eine spezifische Zielkompetenz („Mobile-Learning-App entwickeln“), um einen strukturierten, kompetenzfördernden Lernpfad zu kreieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine systematische hierarchische Kompetenzanalyse durchgeführt, kombiniert mit dem Prinzip der vereinfachenden Annahmen nach van Merriënboer zur Sequenzierung von Aufgabenklassen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Analyse der Fertigkeiten, die Bildung von Aufgabenklassen, die konkrete Ausgestaltung von Lernaufgaben sowie die Bereitstellung von unterstützenden und prozeduralen Informationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe 4C/ID-Modell, Instructional Design, Mobile-Learning, Kompetenzanalyse und didaktische Modellierung charakterisiert.
Warum wird im Bereich Part-Task Practice das Zehnfingersystem geübt?
Das Zehnfingersystem ist eine wiederkehrende Fertigkeit. Durch die Automatisierung beim Tippen wird die kognitive Kapazität der Lernenden frei, sich stärker auf die inhaltliche Arbeit und die komplexen Programmieraufgaben zu konzentrieren.
Wie werden die Anforderungen an die App im Kurs durch die Lernaufgaben gesteuert?
Durch das Sequenzprinzip der vereinfachenden Annahmen steigt der Schwierigkeitsgrad von der ersten zur dritten Aufgabenklasse, etwa durch die Anzahl der Medien oder die Komplexität der benötigten Benutzerverwaltung.
Inwiefern spielt das ALOYS-Prinzip eine Rolle?
Das ALOYS-Prinzip („Assistant looking over your shoulder“) wird genutzt, um Lernenden bei prozeduralen Informationen in der Programmierung direktes, zeitnahes Feedback und Unterstützung durch die Lehrenden zu bieten.
- Arbeit zitieren
- Nadine Yahyaijan (Autor:in), 2021, Das Vier-Komponenten-Instruktions-Design 4C/ID Blueprint einer Schulung für Instructional Designer*. Eine Mobile-Learning-App entwickeln, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011217