Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Phänomen des Arbeitskraftunternehmers nach Günter Voß und dem Unternehmerischen Selbst nach Ulrich Bröckling. Beide Phänomene beschreiben Leitbilder in der heutigen Gesellschaft und werden im Rahmen der Hausarbeit verglichen.
Das Phänomen des Arbeitskraftunternehmers geht davon aus, dass der Arbeitskraftunternehmer die vorherrschenden Typen des Arbeitnehmers ablöst. Der Arbeitskraftunternehmer bildet demnach ein gesellschaftliches Leitbild für den zukünftigen Arbeitsmarkt, welches die Entwicklung Erwerbstätiger zu Unternehmen ihrer selbst beschreibt. Das heißt, betriebliche Bedürfnisse, wie das Erwirtschaften von Profit, werden überwiegend von Arbeitnehmern übernommen.
Hervorgerufen wird dieses Phänomen laut Voß durch einen allgemeinen Strukturwandel. Dieser Strukturwandel ist durch eine marktorientierte Wirtschaft, die zunehmende Rolle der Technologien, einer veränderten Betriebsorganisation, sowie neuen Berufsstrukturen gekennzeichnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Der Ansatz des Arbeitskraftunternehmers
2.1. Die These des Arbeitskraftunternehmers
2.2. Der Arbeitnehmer früher und heute
2.3. Die Eigenschaften des Arbeitskraftunternehmers
3. Der Ansatz des unternehmerischen Selbst
3.1. Die These des unternehmerischen Selbst
3.2. Die Entwicklung zum unternehmerischen Selbst
3.3. Die Merkmale des unternehmerischen Selbst
4. Fazit: Zwei Theorien im Vergleich
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht das Leitbild des "Arbeitskraftunternehmers" nach Günter Voß mit dem des "unternehmerischen Selbst" nach Ulrich Bröckling, um deren theoretische Grundlagen, Ausprägungen und gesellschaftliche Funktionen zu analysieren und kritisch gegenüberzustellen.
- Struktureller Wandel der Arbeitswelt und Entstehung neuer Arbeitstypen.
- Vergleich der Konzepte in Bezug auf Arbeitswelt versus ganzheitliche Lebensgestaltung.
- Analyse der Rahmenbedingungen und Entstehungsfaktoren beider Leitbilder.
- Kritische Reflexion der Praxistauglichkeit und des Nutzens für das Individuum.
- Untersuchung der treibenden Kräfte wie Erfolgsversprechen und Versagensängste.
Auszug aus dem Buch
3.3. Die Merkmale des unternehmerischen Selbst
Die von außen definierten Anforderungen bzw. das Ziel an jedes einzelne Individuum ist, wie oben beschrieben wurde, demnach die Selbstverwirklichung, der wirtschaftliche Erfolg und die Selbstverantwortung (vgl. BRÖCKLING, 2007: 50-53; SMECHOWSKI, 2010). Zu beachten ist hier jedoch, dass der „[...] Arbeitsmarkt als Feld der Mittel für eigene Zwecke [...]“ (BRÖCKLING, 2007:55) verwendet wird. Dies bedeutet, dass der wirtschaftliche Erfolg eines jeden Individuums ausschließlich dafür eingesetzt wird dessen individuelle Selbstverwirklichung und Selbstverantwortung zu realisieren (vgl. ebda.). Die Voraussetzung, dass ein Individuum Selbstverantwortung und Selbstverwirklichung umsetzt und auf den ökonomischen Erfolg abzielt, bildet nach Bröckling die Aktivierung sog. Selbststeuerungspotenziale (vgl. BRÖCKLING, 2007:61). D.h. die Individuen müssen von außen dementsprechend adressiert bzw. gefordert werden, um in den Habitus des unternehmerischen Selbst zu verfallen (vgl. ebda.). Zum einen erfolgt dies laut Bröckling durch eine Minimierung der betrieblichen Führung, so dass Freiräume, Anreize für das eigene Handeln und ein Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt, sowie in den einzelnen Betrieben geschaffen werden (vgl. BRÖCKLING, 2007:63; SMECHOWSKI et. al., 2010). Die geschaffenen Freiräume und Anreize für das eigene Handeln eines jeden Individuums führen laut Bröckling zu einer Stärkung des Selbstwertgefühles, -bewusstseins, sowie der Körperbewusstheit (z.B. der Gesundheit) (vgl. BRÖCKLING, 2007:61).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die beiden theoretischen Leitbilder des Arbeitskraftunternehmers und des unternehmerischen Selbst in ihrer Funktionsweise und ihrem Praxisbezug zu vergleichen.
2. Der Ansatz des Arbeitskraftunternehmers: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des Arbeitskraftunternehmers infolge eines gesellschaftlichen Strukturwandels, der eine stärkere Eigenverantwortung und Selbstvermarktung der Erwerbstätigen erfordert.
3. Der Ansatz des unternehmerischen Selbst: Hier wird das von Ulrich Bröckling geprägte Konzept vorgestellt, welches das Individuum als "Unternehmen seiner selbst" betrachtet, das sein gesamtes Leben aktiv und selbststeuernd an Marktlogiken ausrichtet.
4. Fazit: Zwei Theorien im Vergleich: Das Fazit stellt die beiden Phänomene gegenüber und arbeitet heraus, dass sich der Arbeitskraftunternehmer primär auf die Arbeitswelt beschränkt, während das unternehmerische Selbst die gesamte Lebensführung des Individuums durchdringt.
Schlüsselwörter
Arbeitskraftunternehmer, unternehmerisches Selbst, Strukturwandel, Selbstverwirklichung, Selbstverantwortung, Arbeitsmarkt, Erwerbstätigkeit, Ökonomisierung, Subjektivierung, Flexibilisierung, Selbstmanagement, Markterfolg, Leistungsdruck, Identität, Soziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Hausarbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einem theoretischen Vergleich der beiden gesellschaftlichen Leitbilder "Arbeitskraftunternehmer" nach Günter Voß und "unternehmerisches Selbst" nach Ulrich Bröckling.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Themenfelder sind der gesellschaftliche Strukturwandel, die Veränderung der Erwerbsbiografien sowie die Anforderungen an das Individuum, sich aktiv an marktwirtschaftliche Gegebenheiten anzupassen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unterschiede und Gemeinsamkeiten beider Theorien aufzuzeigen, insbesondere hinsichtlich ihres Geltungsbereichs im Arbeits- und Privatleben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine vergleichende Literaturanalyse, um die theoretischen Konzepte von Voß und Bröckling strukturiert gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung beider Leitbilder, ihre geschichtliche Entwicklung und eine explizite Gegenüberstellung ihrer Merkmale und Funktionsweisen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Subjektivierung, Selbstorganisation, Ökonomisierung und den Wandel der Arbeitswelt charakterisieren.
Wie unterscheidet sich der Arbeitskraftunternehmer vom unternehmerischen Selbst?
Der Arbeitskraftunternehmer bezieht sich primär auf die Arbeitswelt, während das unternehmerische Selbst als eine umfassende Lebensform fungiert, die alle Aspekte der Persönlichkeit einbezieht.
Welche Rolle spielt die Angst in diesen Modellen?
Beide Theorien betrachten Angst – sei es die Versagensangst oder die Furcht vor Ausschluss vom Arbeitsmarkt – als einen wesentlichen Motivationsfaktor, der das Individuum zur ständigen Selbstoptimierung antreibt.
Gibt es laut der Autorin einen Ausweg aus diesen Strukturen?
Die Autorin diskutiert die Einschätzung von Bröckling, der für das unternehmerische Selbst keine lohnenswerten Alternativen sieht, sowie die Forderungen von Voß an Staat und Wirtschaft, bessere Rahmenbedingungen zu schaffen.
Welchen Forschungsbedarf identifiziert die Arbeit für die Zukunft?
Die Autorin schlägt vor, die Phänomene in realen Unternehmensumfeldern empirisch zu prüfen, um die theoretischen Ansätze zu bestätigen und konkrete Maßnahmen im Umgang mit diesen Leitbildern zu entwickeln.
- Citation du texte
- Samantha Joanna Marzinzik (Auteur), 2018, Der Arbeitskraftunternehmer nach Günter Voß und das Unternehmerische Selbst nach Ulrich Bröckling, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1011509