Ziel dieser Arbeit ist eine Analyse des Objektes, aus welcher heraus gezeigt werden soll, dass für die spezifische Darstellung von Findus‘ Entwicklung und der Einsamkeit des Eremiten Text und Bild nötig sind. Um dies zu leisten, soll im ersten Schritt die entwicklungspsychologische Theorie vom Leben in wachsenden Ringen von Warwitz erläutert werden, um diese im Folgeschritt auf Findus‘ text- und bildlich verhandeltes Heranwachsen anzuwenden. Hierbei wird immer wieder auch darauf einzugehen sein, wie die Entwicklung von einem alten, melancholischen Pettersson hin zu einem lebensfreudigen, eng mit den wachsenden Ringen des kleinen Katers korreliert. Eine Konklusion samt Ausblick beschließt die Diskussion. Am Beispiel von Nordqvists berühmtem Kater Findus wird dies anhand des Buches Wie Findus zu Pettersson kam aufgezeigt. Im Horizont der entwicklungspsychologischen Theorie Vom Leben in wachsenden Ringen (Warwitz) wird diskutiert, auf welche Weise Findus selbstständig wird und wie dies vor allem in den Bildern der Geschichte angelegt ist.
Der Text ist das Opus Magnum der Wissenskultur. Aus Buchstaben werden Wörter, aus Wörtern Sätze und aus Sätzen wird Wissen. Bilder sind erklärendes Beiwerk und unterstützen den Text beim Erzählen, Informieren etc. In dieser recht populären Sichweise wird Bildern unrecht getan, sie werden sogar diskriminiert. Denn Bilder können viel mehr, sie verhandeln narrative Fortgänge mitunter selbstständig und "bilden" im Schulterschluss mit dem Text ein eigenes Kunstwerk, wobei der eine (Text) ohne den anderen (Bild) nicht auskommt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Im Wagnis erwächst das Leben
2.1 Der Wagnisbegriff
2.2 Vom Leben in wachsenden Ringen (Warwitz)
3 Sven Nordqvist: Wie Findus zu Pettersson kam
3.1 Das Objekt im Überblick
3.1.1 Text- und bildgestützte, objektinhärene Werbung
3.1.2 Die physikalische Rahmung: Die Objektdeckel
3.1.3 Die Seitengestaltung von Text und Bild
3.1.4 Der Seiteninhalt – ein Blick auf die Erzählung
3.2 Findus‘ Leben in wachsenden Ringen
3.2.1 Die Ringe 1 und 2: Die Geburt aus der Pappkiste und die Küche als häusliche Insel
3.2.2 Ring 3: Nächste Umgebung und der Tischlerschuppen (nicht autonom)
3.2.3 Ring 4: Findus‘ Exodus in die Welt der Mäuse und kleinen Wesen
3.2.4 Ring 5: Eine Kiste am Ende des Tunnels
3.2.5 Der nächste Ring – Sicherheitsbildung und Verwachsen der Lebenswelten
4 Konklusion
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Ziel dieser wissenschaftlichen Hausarbeit ist eine tiefgehende Analyse des Buches "Wie Findus zu Pettersson kam" von Sven Nordqvist unter Anwendung der entwicklungspsychologischen Theorie "Vom Leben in wachsenden Ringen" von Warwitz, um die Ontogenese des kleinen Katers Findus im Zusammenspiel von Text und Bild zu entschlüsseln.
- Analyse der Text-Bild-Komposition als autonomes Medium
- Untersuchung der kindlichen Entwicklungsprozesse anhand von Wagnis- und Sicherheitsaspekten
- Erforschung der pikturalen Erzählweise und Symbolik (z.B. Muckla, Kühe, Kisten)
- Erarbeitung der Korrelation zwischen Findus' Entwicklung und Petterssons Lebensfreude
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Die Ringe 1 und 2: Die Geburt aus der Pappkiste und die Küche als häusliche Insel
Findus‘ erste Begegnung mit Pettersson erfolgt, nachdem Beda Andersson den melancholischen Eremiten besucht hat und ihm, aufgrund seiner Lethargie, wenig später bei einer erneuten Visite einen Pappkarton mitbringt (vgl. DS 3). Für die Erzählung fungiert diese Kiste daher als erster Ring von Findus. „Pettersson öffnete ihn [den Pappkarton; M.R.]“ (S. 6) und blickte auf einen piepsenden Jungkater, welcher auf einer grün gestreiften Decke hockte (vgl. ebd.). Infolgedessen kommt es zu einem seltenen artifiziellen Sprachgebrauch im Objekt: Der metaphorische Vergleich von Petterssons Gefühlslagenmodifikation von traurig zu glücklich, indem Findus in ihm das Gefühl eines sonnendurchfluteten Sommermorgens evoziert (vgl. ebd.). Von großer Bedeutung ist das Faktum, dass Findus nur „piepste“ (ebd.), er kann also noch nicht sprechen, was sich im Verlauf ihres Zusammenlebens allerdings noch ändern wird (vgl. S. 10).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Text-Bild-Analyse ein und formuliert das Ziel, Findus' Entwicklung anhand der Theorie von Warwitz aufzuzeigen.
2 Im Wagnis erwächst das Leben: In diesem Kapitel werden die theoretischen Grundlagen des Wagnisbegriffs und der Theorie "Vom Leben in wachsenden Ringen" erarbeitet.
3 Sven Nordqvist: Wie Findus zu Pettersson kam: Das Hauptkapitel analysiert zunächst das Werk auf einer Metaebene und untersucht anschließend die Ontogenese von Findus in seinen verschiedenen Lebensringen.
4 Konklusion: Die Arbeit resümiert die Ergebnisse und betont die notwendige Parität von Text und Bild für die Narration.
Schlüsselwörter
Ontogenese, Sven Nordqvist, Wie Findus zu Pettersson kam, Warwitz, Leben in wachsenden Ringen, Text-Bild-Analyse, Kinderliteratur, Wagnis, Mündigkeit, Muckla, Pettersson, Bildsprache, Entwicklungsprozess, narrative Komposition
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Kinderbuch "Wie Findus zu Pettersson kam" von Sven Nordqvist hinsichtlich der Entwicklung des Katers Findus und nutzt dafür eine entwicklungspsychologische Theorie.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Wagnisses, der Autonomieentwicklung (Ontogenese), die Bedeutung von Text-Bild-Kombinationen sowie das Verhältnis zwischen Pettersson und Findus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Text und Bild gemeinsam die Geschichte von Findus' Heranwachsen erzählen und welche Rolle dabei die Theorie vom "Leben in wachsenden Ringen" spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine text- und bildweltanalytische Arbeit, die eine werkimmanente Untersuchung mit einer psychologischen Theorie verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Metaanalyse des Objekts sowie eine detaillierte Untersuchung der Entwicklung von Findus in fünf hierarchischen Lebensringen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Ontogenese, Text-Bild-Komposition, Wagnis, Sicherheitsbildung, Mündigkeit und das Motiv der wachsenden Ringe.
Welche Bedeutung kommt den Muckla im Analyseobjekt zu?
Die Muckla dienen als bildliche Begleiter des Entwicklungsprozesses, die Findus bei seinem Voranschreiten sekundieren, während sie für Pettersson (meist) unsichtbar bleiben.
Warum spielt die räumliche Darstellung der Kisten eine besondere Rolle?
Die Kisten fungieren als strukturelle Rahmung der Ontogenese: Sie symbolisieren sowohl den Schutz als auch die Beschränktheit, die Findus in verschiedenen Entwicklungsphasen überwinden muss.
- Citation du texte
- Martin Reese (Auteur), 2019, Warwitz' entwicklungspsychologisches Modell. Eine Text- und Bildweltanalyse zur Ontogenese des kleinen Katers aus Sven Nordqvists "Wie Findus zu Pettersson kam", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1013069