Umgang mit Burn-out am Arbeitsplatz. Spezifische Gegenmaßnahmen auf der Ebene des Individuums und der Organisation


Hausarbeit, 2021

16 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Methodisches Vorgehen

2. Völlige Erschöpfung in modernen Gesellschaften
2.1 Stress als Indikator
2.2 Burn-out – Ausgebrannt am Arbeitsplatz

3. Der Wettlauf mit der Zeit – Burn-out vorbeugen
3.1 Priorisierung und Zeitmanagement
3.2 Das Sabbatical – Abstand vom Alltagsstress

4. Konklusion

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

„Die Welt im 21. Jahrhundert ist schnell, anstrengend, unberechenbar – und führt bei Millionen Deutschen zum Burnout“. So titelte der SPIEGEL im Jahr 2011 und reihte sich somit in eine von vielen Schlagzeilen, die in den letzten Jahren um die Thematik kursierten. Die sogenannte Work-Life Balance spielt in einer sich immer schneller entwickelten Gesellschaft eine sehr große Rolle. Zeit ist ein immer geringeres Gut, denn heutzutage muss alles immer schneller gehen. Mittlerweile alle Lebensbereiche werden stetig effizienter und so auch ihre Nutzer. Die Vereinbarkeit von Arbeit, Familie und Freizeit liegt vielen Deutschen am Herzen und dennoch scheint es einen exponentiellen Anstieg psychischer Erkrankungen am Arbeitsplatz zu geben.

Einordnen lässt sich die Problematik in das Gebiet der psychischen Gesundheit am Arbeitsplatz, welche wiederum nicht ohne Stress und seine Auswirkungen zu betrachten ist. Durch dauerhaften Stress während und außerhalb der Arbeitszeit aufgrund vielfältiger Faktoren können sich wiederum Phänomene wie Burn-out und Mobbing entwickeln.

Nach einer Studie von SwissLife fühlen sich 2 von 3 Deutschen gestresst. Davon empfinden wiederum „63% ihr Stresslevel im Job als hoch oder eher hoch“ (SwissLife 2019). Erfolg im Berufsleben scheint mit großer mentaler und körperlicher Belastung einherzugehen.

Viele sind diesem Druck auf lange Zeit nicht mehr gewachsen und dies führt jährlich zu immer mehr Arbeitsausfällen aufgrund von Burn-out oder Depressionen. Die AOK verzeichnete 2018 „durchschnittlich 5,7 Arbeitsunfähigkeitstage je 1.000 Mitglieder aufgrund einer Burn-out-Diagnose“ (Radtke 2019). Hierbei ist zu beachten, dass die Zahlen aufgrund der Dunkelziffer weitaus höher ausfallen könnten. Einschlägig ist, dass das Vorkommen von psychischen Erkrankungen in Deutschland stetig zunimmt. Dies zieht nicht nur für den Arbeitnehmer langjährige Folgen nach sich, sondern bedeutet auch für die Unternehmen negative Effekte aufgrund von ansteigenden Krankheitsausfällen. Ziel ist es, diese mithilfe vorbeugender Strategien zu minimieren.

In der vorliegenden Arbeit wird sich mit dem Burn-out Syndrom und dessen Prävention näher beschäftigt. Die folgenden Fragestellungen sollen dabei eine Rolle spielen: Inwieweit lässt sich das Zeitmanagement und die Priorisierung als Maßnahme einschätzen? Könnte das Angebot eines Sabbaticals seitens der Unternehmen Burn-out vorbeugen? Ziel der Hausarbeit ist es, zunächst das Phänomen Burn-out einzuordnen und Ursachen sowie Merkmale zu betrachten. Davor wird ein kurzer Einblick zur Entstehung von Stress gegeben und ab wann dieser schädlich wird. Weitergeführt wird die Betrachtung mit den jeweiligen Methoden zur Vorbeugung von Überlastungen, welche sich beide mit der Schaffung freier Zeit beschäftigen. Der Schlussteil beinhaltet eine Zusammenfassung der erarbeiteten Erkenntnisse sowie die Beantwortung der Fragestellung und einen Ausblick auf die zukünftigen Herausforderungen für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Beginnend mit der methodischen Vorgehensweise, wird zunächst ein Einblick in die Art der Literaturrecherche gleichfalls wie die Medienauswahl gewährt.

In dieser Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit das generische Maskulinum verwendet. Weibliche und anderweitige Geschlechteridentitäten werden dabei ausdrücklich mitgemeint, soweit es für die Aussage erforderlich ist.

1.2 Methodisches Vorgehen

Obwohl die Ausarbeitung der oben genannten Fragestellung sowohl theoretische als auch empirische Methoden offenlässt, wurde sich aufgrund des Umfangs der Hausarbeit für eine reine Literaturausarbeitung entschieden.

Für die Bearbeitung der Aufgabenstellung hat die Autorin sich zunächst mit der Literatursuche in Bibliotheken beschäftigt, da es dort eine große Auswahl an Material gibt und dieses einfach zu beschaffen ist. Hierfür wurden einige allgemeine Werke zum Thema Burn-out und Stress ausgesucht, um sich zu Beginn einen umfassenden Blick zu verschaffen. Die Bibliothek an der Fachhochschule in Meißen und besonders die Universitätsbibliothek der Technischen Universität Chemnitz boten eine Vielzahl von Exemplaren. Durch die Möglichkeit der Online Reservierung konnten die gesuchten Bücher schon mithilfe eines digitalen Inhaltsverzeichnisses selektiert werden und somit die Recherche vereinfachen. Auch mittels des Skripts aus der Vorlesung und dem bisher zusammengestellten Material haben sich schließlich zwei jeweilige Maßnahmen beider Seiten gefunden, die der Verfasserin besonders zugesagt haben.

Um sich auch einige aktuelle Einblicke geben zu lassen, war eine Recherche im Internet ebenfalls hilfreich. Fündig wurde man häufig in Zeitungsartikeln und Handels – oder Ärzteblättern, jedoch weniger in Statistiken mit aussagekräftigen Zahlen. Aufgrund des fehlenden Zugangs ließen sich nur wenige elektronische Exemplare auf der Seite GoogleScholar finden, allerdings waren einige Werke frei verfügbar oder mit Leseproben versehen. Für den allgemeinen Teil ließen sich viele Ratgeber zum Thema Burn-out und Stressbewältigung finden. Seitens der Maßnahmen des Individuums ist besonders auffällig gewesen, dass die Prävention oftmals mit der mentalen Selbstheilung in Verbindung gebracht wird, die häufig mit praktischen Tipps oder Selbsttests versehen waren. Wissenschaftliche Bücher in der Arbeits- und Organisationspsychologie waren bezüglich der Maßnahmen seitens der Unternehmen aussagekräftig.

2. Völlige Erschöpfung in modernen Gesellschaften

2.1 Stress als Indikator

In der Wissenschaft wird Burn-out sehr kontrovers diskutiert. Doch Forscher sind sich hierbei in einer Erkenntnis einig: Burn-out ist eine Stresserkrankung (vgl. Waadt/Acker 2013: 18). Aus diesem Grund wird im nachstehenden Kapitel ein kurzer Einblick in die Entstehung von Stress gegeben und warum er nicht immer negativ sein muss.

Als Definition von Stress führen Litzcke und Schuh folgende Erklärung auf. „Stress ist die Aktivierungsreaktion des Organismus auf Anforderungen und Bedrohungen - auf die sogenannten Stressoren“ (2005: 6). Diese Stressoren werden unterschieden in physisch (Hunger, Lärm, Hitze), psychisch (Zeitmangel, Überforderung, Unterforderung) und sozial (Mobbing, Isolation, Konflikte). Diese Reize rufen bei jeder Person eine subjektive Reaktion hervor. Stress wird also individuell wahrgenommen, da objektiv gleiche Situationen für jeden anders empfunden werden. Weiterhin kann derselbe Reiz für eine Person in unterschiedlichen Szenarien ebenfalls anders bewertet werden (vgl. ebd.: 7 f.).

Fraglich ist, nach welchen Faktoren Stress bewertet werden kann und wann er auch für den Einzelnen als stressend empfunden wird. Die Erklärung bietet das transaktionale Stressmodell nach Lazarus & Launier, das von Kauffeld aufgenommen wurde. „Entscheidend für die Entstehung von Stress ist, wie der Reiz durch die Person eingeschätzt bzw. bewertet wird“ (Kauffeld 2019: 315). Nach dem Modell durchläuft die Einschätzung von einem Stressempfinden mehrere Stadien.

Die primäre Bewertung besteht darin, dass eingeschätzt wird, ob der Reiz als positiv, irrelevant oder gefährlich wahrgenommen wird. Erstere werden nicht als stressfördernd erlebt. Wird der Reiz jedoch als bedrohlich empfunden, kommt es zu einer zweiten Bewertung. Diese unterscheidet, inwiefern die verfügbaren Ressourcen vorhanden sind, um den Reiz bewältigen zu können.

Sind sie ausreichend, endet der Pfad. Sind sie jedoch ungenügend, wird die Situation als stressend bewertet und es wird sich auf eine Bewältigung eingestellt. Wird diese erfolgreich durchgeführt, können gleiche Umstände zukünftig ein geringeres Empfinden von Stress hervorrufen (vgl. ebd.: 315 f.).

Weiterhin verursacht Stress auch biologische Reaktionen. Typische Merkmale sind ein ansteigender Blutdruck, das Unterdrücken von Hunger- und Müdigkeitsgefühlen sowie die Einstellung auf einen erhöhten Energieverbrauch. Im modernen Arbeitsumfeld gestaltet sich eine Bewältigung allerdings zunehmend schwerer, da bei der Lösung schwieriger Aufgaben das Gehirn detailorientiert arbeiten soll. Biologisch ist jedoch ein schnelles, unkontrolliertes und körperliches Agieren im Menschen veranlagt (vgl. Waadt/Acker 2013: 24 f.).

Doch auch wenn Stress im allgemeinen Sprachgebrauch häufig negativ konnotiert ist, so ist er auch notwendig und kann nützliche Effekte mit sich bringen. Nach dem Biochemiker Hans Selye kann Stress in positiv (Eu-Stress) und negativ (Dis-Stress) unterteilt werden. Stress verursacht eine Entscheidung zwischen Flucht oder Angriff, die jeder unwillkürlich trifft (vgl. Litzcke/Schuh 2005: 32 f.). Daraus ergibt sich eine blitzschnelle und leistungsstarke Handlung, die besonders in gefährlichen Situationen wie beispielsweise einem Unfall von Vorteil sein kann. Der Körper aktiviert ersparte Reserven. Das wahrgenommene Erlebnis führt wiederum zu einem Erfahrungszuwachs, welcher notwendig für die Weiterentwicklung ist. Wichtig ist hierbei eine anschließende Ruhephase. Am Arbeitsplatz, an dem lediglich geistige Leistungen gefordert werden, kann dieser Stress allerdings nicht mehr ausreichend bewältigt werden und führt mitunter zu Dauerstress (vgl. ebd.)

Angemessen ist somit die Ausgeglichenheit zwischen Stress und Ruhe zu finden. Mittlerer Stress ist nötig, um die gewünschten Ziele zu erreichen. Dieser sollte wiederum kein Dauerzustand sein, vielmehr muss dem Körper die Möglichkeit zur Regeneration gegeben werden. Zu hoher aber auch zu geringer Stress führt außerdem zu einem Leistungsabfall (vgl. ebd.). Niedriger Stress könnte demnach mit einer Unterforderung auf Arbeit verstanden werden. Das sogenannte Bore-out Syndrom stellt die gegenteilige Seite des Burn-outs dar und zeigt, dass auch zu wenig Beanspruchung körperlicher und geistiger Fähigkeiten am Arbeitsplatz zu gesundheitlichen Schäden führen kann. „Wird das [...] angelegte Stresssystem ständig beansprucht, kehrt der Körper nicht mehr in den Ruhemodus zurück [...] In solchen Situationen werden Erholungsphasen seltener“ (Waadt/Acker 2013: 26).

Die andauernde Belastung führt zu negativen Folgen körperlicher und seelischer Natur, die für die Herausbildung des Burn-out Syndroms verantwortlich sind. Während Stress als Indikator auch nützliche Eigenschaften aufweist, ist Burn-out bereits die Folge negativer und dauerhafter Stressbelastung und sollte behandelt, aber in jedem Fall verhindert werden. Im nächsten Abschnitt wird sich mit Symptomen, Merkmalen und häufig Betroffenen beschäftigt, aber auch mit Faktoren, die die Entwicklung der Überlastung am Arbeitsplatz beschleunigen.

2.2 Burn-out – Ausgebrannt am Arbeitsplatz

Mittlerweile ist der Begriff des Burn-out Syndroms inmitten unserer Gesellschaft angekommen. Nicht zuletzt auch aufgrund zahlreicher Erwähnungen in Fachzeitschriften, die das Ausgebranntsein als Volkskrankheit betitelten. “Wer Burnout sagt, spricht im Modus der Kulturkritik“ (Neckel/Wagner 2014: 179).

In der heutigen Zeit angekommen, beschreibt Burn-out nicht nur eine psychische Erkrankung, sondern auch den Stellenwert von Arbeit und Stress in unserer Gesellschaft. Kury erwähnt die positive Konnotation von Burn-out. In einer sich über Leistung definierenden Gesellschaft bedeute der Begriff das Erbringen einer außerordentlichen Arbeitsanstrengung. Dies sagt wiederum aus, dass der oder die Ausgebrannte immerhin einmal für etwas gebrannt haben musste und das als gut erachtet wird (vgl. 2012: 274). Obwohl diese Ansicht eine positive Bedeutung von Burn-out impliziert, erläutern Waadt und Acker ebenfalls eine Stigmatisierung von psychisch erkrankten Menschen, die mit Faulheit, Schwäche sowie Disziplinlosigkeit in Verbindung gebracht wird (vgl. 2013: 16). Diese Abschwächung wird ebenfalls mit dem Fakt unterstützt, dass Burn-out bis heute nicht als alleinstehende Krankheit angesehen wird. Gründe dafür wären, dass sich Burn-out nicht mithilfe medizinischer Untersuchungen diagnostizieren lässt und sich somit nur auf Ausführungen der Betroffenen berufen werden kann. Weiterhin ist das Krankheitsbild und dessen Symptomatik schwer von anderen psychischen Erkrankungen abzugrenzen. Darum wird Burn-out häufig nur als Sammelbegriff für psychisches Unbehagen verwendet (vgl. Fury 2012: 272).

Burn-out in der Wissenschaft und auch die Thematik „Ausgebrannt am Arbeitsplatz“ wurde zuerst vom deutsch-amerikanischen Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger in den 1970er Jahren aufgegriffen. Burn-out wird beschrieben als Zustand dauerhafter Erschöpfung und Belastung (vgl. Litzcke/Schuh 2005: 147). „Nicht das zeitlich begrenzte Projekt ist ein Problem, auch wenn es noch so fordernd ist, sondern die länger dauernde Überforderung, sowohl im Job als auch im Privatleben“ (Waadt/Acker 2013: 18). Wie bereits beschrieben, erweist sich Stress nur als positiv, wenn ausreichende Erholungsphasen folgen. Sind diese nicht mehr gegeben, befindet sich der Organismus in einem Dauerstresszustand. Diesem kann er auch eine gewisse Zeit standhalten, jedoch gewöhnt sich der Körper mit der Zeit an geringer werdende Ruhephasen und dadurch entsteht chronischer Stress (vgl. ebd.: 26).

[...]

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Umgang mit Burn-out am Arbeitsplatz. Spezifische Gegenmaßnahmen auf der Ebene des Individuums und der Organisation
Hochschule
Fachhochschule der Sächsischen Verwaltung Meißen
Note
1,8
Autor
Jahr
2021
Seiten
16
Katalognummer
V1020350
ISBN (eBook)
9783346413369
ISBN (Buch)
9783346413376
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Depression, Burn-Out, Zeitmanagement, Stress, Sabbatical, arbeitsplatz, Unternehmen, Organisationen, Individuum
Arbeit zitieren
Jessica Schranz (Autor:in), 2021, Umgang mit Burn-out am Arbeitsplatz. Spezifische Gegenmaßnahmen auf der Ebene des Individuums und der Organisation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1020350

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