Diese Arbeit wendet sich den Privatisierungstendenzen zu, die im deutschen Krankenhausmarkt zunehmend zu beobachten sind und in den kommenden Jahren in der gesundheitspolitischen Diskussion nicht an Aktualität verlieren werden. Dabei setzt sich die Erkenntnis, dass Ressourcen nicht beliebig einsetzbar sind, auch im Gesundheitswesen durch, und folgt der Entwicklung des Wirtschaftlichkeitsgebots und der Effizienzsteigerung, die sich auf allen Sektoren innerhalb einer Volkswirtschaft erstreckt. Krankenhäuser nehmen als zentrale Einrichtungen des Angebots und der Nachfrage von Gesundheitsleistungen eine existenzielle Daseinsberechtigung in der Gesellschaft wahr. Die andauernde Finanzierungsproblematik im Gesundheitswesen geht aber auch an ihnen nicht spurlos vorbei. Sukzessiv abnehmende Fördermittel und ein Milliarden Euro großer Investitionsstau sind nur ein Teil des Ausdrucks ihrer chronischen Unterfinanzierung.
Das erklärte Ziel des Autors in der Analyse des Untersuchungsgegenstandes liegt in der Prüfung des Sachverhaltes, ob und inwiefern die Krankenhausversorgung als eine Form der öffentlichen Aufgabenwahrnehmung durch privatwirtschaftende Unternehmen zielführend ist und zur Lösung der Finanzierungsprobleme beiträgt. Dabei möchte die Arbeit u.a. Antworten auf Fragen geben, ob mit der Krankenhausprivatisierung eine schlechtere Gesundheitsversorgung einhergeht oder der Einbezug des privaten Sektors eine zukunftsfähige Alternative im medizinischen Versorgungsstatus darstellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Einreihung des Untersuchungsgegenstandes
1.2 Gang der Arbeit
2. Die Krankenhauslandschaft in Deutschland
2.1 Definitorische Begriffsbestimmung eines Krankenhauses
2.2 Wesentliche Interessensgemeinschaften und beteiligte Institutionen
2.3 Bestandsaufnahme der stationären Patientenversorgung
2.3.1 Klassifizierung von Krankenhäusern
2.3.2 Trägerpluralität in der Krankenhausversorgung
2.3.3 Diversität an Rechtsformen
2.4 Innere und äußere Krankenhausfinanzierung
2.4.1 Überblick über die wichtigsten Krankenhausreformen
2.4.2 Das duale System der Krankenhausfinanzierung
2.4.3 Das G-DRG System zur Abrechnung von Krankenhausleistungen
3. Privatisierung im Krankenhausbereich
3.1 Der Privatisierungsbegriff
3.2 Abgrenzung der Privatisierungsformen
3.3 Motive und Ziele der Privatisierung
3.3.1 Finanzpolitische und ökonomische Ziele
3.3.2 Ordnungs- und wettbewerbspolitische Ziele
4. Status Quo im stationären Sektor
4.1 Der Krankenhausmarkt im Umbruch
4.2 Die Finanzproblematik im Wege der öffentlichen Investitionsförderung
4.3 Implikationen für den Krankenhausmarkt
5. Indikatoren der Privatisierungen in der Praxis
5.1 Die überregionalen privaten Krankenhausketten
5.2 Anwendung von PPP im Krankenhausbereich
5.3 Krankenhausprivatisierung im europäischen Kontext
6. Zwischenfazit zur Entwicklung des Krankenhausmarktes
7. Evaluation der Privatisierung aus ökonomischer Perspektive
7.1 Nutzenstiftende Aspekte einer Krankenhausprivatisierung
7.2 Nachteilige Effekte einer Krankenhausprivatisierung
7.3 Chancen und Risiken der Privatisierung von Krankenhäusern
8. Schlussbetrachtung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den aktuellen Stand und die Auswirkungen von Privatisierungstendenzen auf dem deutschen Krankenhausmarkt, wobei der Fokus auf der Analyse liegt, inwiefern der Einbezug privater Träger und marktwirtschaftlicher Managementinstrumente zur Überwindung des strukturellen Finanzierungsdefizits beitragen kann.
- Analyse des deutschen Krankenhausmarktes und dessen Strukturwandel
- Untersuchung der Finanzierungsmodelle und des dualen Systems
- Evaluation der Vor- und Nachteile von Privatisierung im stationären Sektor
- Betrachtung der Rolle privater Krankenhauskonzerne und Public Private Partnerships (PPP)
- Diskussion ökonomischer Effizienzziele gegenüber gesundheitspolitischen Versorgungsaufträgen
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Privatisierungsbegriff
Der Begriff der Privatisierung ist ein weitläufiger und verschieden umschriebener Terminus, der überdies in der Literatur unterschiedlich gehandhabt wird. Eine erste Begriffserklärung besagt, dass eine Privatisierung existent ist, „wenn eine Verlagerung vom öffentlichen in den privaten Sektor stattfindet, die gleichzeitig eine Verminderung der Herrschaftsmacht des öffentlichen Sektors in finanzieller, rechtlicher oder faktischer Hinsicht bedingt.“ (Völmicke 1996: 54) Der im ersten Moment abstrakt anmutenden Definition fehlt es im Hinblick auf die Mehrdimensionalität einer Privatisierung aber an jeglicher Präzision, weshalb ihr nachfolgend eine andere Erklärung beigestellt ist. Danach ist eine Privatisierung „die Übereignung von staatlichem oder kommunalem Eigentum an Private, wobei es sich um eine vollständige oder teilweise Übertragung bzw. Veräußerung von öffentlichem Vermögen (Grundstücke, Betriebe oder Unternehmensbeteiligungen) an private Personen oder Unternehmen handelt.“ (von Loesch 1983: 28) Gleichwohl ist diese Erläuterung hinsichtlich der Umschreibung der Anteilsverhältnisse exakter, dennoch lässt sie die rechtliche Komponente im Vergleich zur vorangestellten Begriffsbestimmung außer Betracht. Zur Konkretisierung des Privatisierungsbegriffes bietet sich die Einteilung in Vermögensprivatisierung und Leistungsprivatisierung an, wobei die Leistungsprivatisierung näher zwischen einer materiellen oder formellen Privatisierung differenziert (Schauer 1991: 237-240).
Bei einer Vermögensprivatisierung werden entweder alle Unternehmensanteile an eine private Person bzw. an ein privates Unternehmen veräußert (Vollprivatisierung) oder lediglich bestimmte Unternehmensanteile auf eine private Organisation übertragen (Teilprivatisierung). Die Leistungsprivatisierung, bei der materiell abermals zwischen einer funktionalen und organisatorischen Privatisierung zu unterscheiden ist, führt zu einer Reduktion des öffentliches Leistungsspektrums oder der Leistungstiefe (Reisner 2000: 6-7). Die folgende Abbildung verdeutlicht die vielfältigen Privatisierungsformen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die aktuelle Privatisierungswelle im deutschen Krankenhaussektor ein und definiert die zentralen Fragestellungen und Ziele der Arbeit.
2. Die Krankenhauslandschaft in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert die rechtlichen und organisatorischen Grundlagen, einschließlich der Krankenhausfinanzierung und -klassifizierung, um ein Verständnis für das bestehende System zu schaffen.
3. Privatisierung im Krankenhausbereich: Hier werden die verschiedenen Formen der Privatisierung theoretisch definiert und voneinander abgegrenzt.
4. Status Quo im stationären Sektor: Dieses Kapitel analysiert den Strukturwandel im Krankenhausmarkt, insbesondere den Bettenabbau und die zunehmende Finanzproblematik der öffentlichen Hand.
5. Indikatoren der Privatisierungen in der Praxis: Die praktische Anwendung der Privatisierung wird anhand großer Klinikketten, PPP-Projekte und der europäischen Marktentwicklung aufgezeigt.
6. Zwischenfazit zur Entwicklung des Krankenhausmarktes: Das Zwischenfazit fasst die ökonomischen Auswirkungen der Reformen zusammen und begründet die Notwendigkeit der folgenden Evaluation.
7. Evaluation der Privatisierung aus ökonomischer Perspektive: Dieser Hauptteil bewertet die Chancen und Risiken der Privatisierung aus betriebswirtschaftlicher und ordnungspolitischer Sicht.
8. Schlussbetrachtung und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert alternative Lösungswege zur Bewältigung des Finanzierungsdefizits.
Schlüsselwörter
Privatisierung, Krankenhaussektor, Krankenhausfinanzierung, G-DRG-System, Gesundheitsökonomie, Klinikketten, Public Private Partnership, Investitionsstau, Ökonomisierung, Patientenversorgung, Strukturwandel, Trägerpluralität, Krankenhausplanung, Leistungsmanagement, Daseinsvorsorge
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit dem Stand der aktuellen Privatisierungstendenzen im deutschen Krankenhaussektor und prüft, inwieweit diese zur Überwindung des bestehenden Finanzierungsdefizits beitragen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die Krankenhausfinanzierung, die verschiedenen Rechtsformen von Kliniken, die Rolle privater Klinikbetreiber sowie die Auswirkungen von Ökonomisierung und Wettbewerbsdruck auf die stationäre Versorgung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Hauptziel ist es, wissenschaftlich zu prüfen, ob die Privatisierung eine zielführende Alternative zur öffentlichen Aufgabenwahrnehmung darstellt oder ob sie mit negativen Konsequenzen für das Gesundheitswesen verbunden ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor stützt sich auf eine Literaturanalyse relevanter Gesetzestexte, statistische Daten des Statistischen Bundesamtes und eine kritische Gegenüberstellung ökonomischer und ordnungspolitischer Sichtweisen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert den Status Quo des Krankenhausmarktes, erläutert die verschiedenen Formen der Privatisierung und evaluiert kritisch deren Nutzen und Risiken, wie z.B. das Phänomen der „Rosinenpickerei“ oder die Auswirkung auf die Qualität der Patientenversorgung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Krankenhausfinanzierung, Privatisierung, G-DRG-System, Investitionsstau und Klinikketten charakterisieren.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen "formeller" und "materieller" Privatisierung eine wichtige Rolle?
Diese Unterscheidung ist essenziell, um zu verstehen, dass ein bloßer Rechtsformwechsel (formell) lediglich betriebswirtschaftliche Flexibilisierungen bewirkt, während eine materielle Privatisierung eine echte Aufgabenverlagerung auf private Akteure darstellt.
Welches Fazit zieht der Autor zur "Rosinenpickerei" privater Kliniken?
Der Autor bewertet die Spezialisierung privater Kliniken auf gewinnbringende Fachbereiche kritisch, da sie zu einer Patientenselektion führt, die die Kalkulationsbasis der verbleibenden öffentlichen Häuser schwächen und die flächendeckende Versorgung gefährden kann.
- Citation du texte
- Thomas Krüger (Auteur), 2009, Zum Stand der gegenwärtigen Privatisierungstendenzen auf dem deutschen Krankenhausmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1021086