Das Ziel dieser Forschungsarbeit ist, verschiedene Aspekte, die sich auf die Streikbeteiligung auswirken können, zu identifizieren. Dazu wird folgende Forschungsfrage gestellt: Welche Aspekte nehmen Einfluss auf die Streikbeteiligung professionell Pflegender an deutschen Krankenhäusern?
Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurde ein strukturiertes Leitfadeninterview mit fünf Krankenpflegern geführt. Diese Interviews wurden mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet. Die Ergebnisse sind erste Annahmen, die durch weitere Forschung bestätigt oder verworfen werden müssen.
Aufgrund der facettenreichen Aspekte, die die Streikbeteiligung beeinflussen, ist immer individuell abzuwägen, ob und wie interveniert wird oder überhaupt werden kann. Für die Praxis ist es unerlässlich, diese Aspekte zu berücksichtigen, wenn Mitarbeiter oder Kollegen motiviert werden sollen, an einem Streik teilzunehmen. Allerdings muss die Entscheidung, nicht zu streiken, immer respektiert werden, auch wenn die Arbeitsbedingungen noch so prekär sind.
Inhaltsverzeichnis
Streik im Gesundheitswesen
1 Theoretischer Teil
1.1 Begriffsbestimmung
1.1.1 Professionell Pflegende
1.1.2 Streik
1.1.3 Moral
1.1.4 Gewerkschaft
1.2 Rechtliche Aspekte in Bezug auf Streik in der Pflege
1.3 Moralische Aspekte beim Streik in der Pflege
1.4 Verantwortlichkeiten der Arbeitsbedingungen der Krankenpflege im klinischen Setting
1.5 Gewerkschaften im Berufsfeld der Krankenpflege
1.6 Literaturrecherche zum Forschungsstand
1.6.1 Suchstrategie
1.6.2 Gründe für einen Pflegestreik
1.6.3 Erfahrungen und Einstellungen in Bezug auf Pflegestreiks
1.6.4 Auswirkungen von Streik
1.6.5 Resümee und Limitationen der Literaturrecherche
1.7 Die Forschungsfrage
2 Methodik
2.1 Ethische Aspekte
2.2 Samplingverfahren und der Zugang zum Feld
2.3 Die Stichprobe
2.4 Erhebungsinstrument: strukturiertes Leitfadeninterview
2.4.1 Gestaltung des Interviewleitfadens
2.4.2 Analyse der Entstehungssituation
2.5 Auswertungsverfahren
2.5.1 Transkription
2.5.2 Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring
3 Ergebnisse der empirischen Untersuchung
3.1 Soziodemographische Daten aus dem Vorabfragebogen
3.2 Entscheidung für die Pflege
3.3 Bedeutung des Berufes
3.4 Einstellung zu Streik
3.5 Pflegerische Versorgung der Patienten
3.6 Arbeitskollegen
3.7 Notdienstvereinbarung
3.8 Verantwortung und Veränderung
3.9 Einfluss aller Pflegenden
3.10 Einstellung zur Gewerkschaft
3.11 Bewertung der Streikergebnisse 2018 am Klinikum Augsburg
3.12 Bedingungen zur Teilnahme an einem Streik
3.13 Persönliche Anliegen der Befragten
4 Diskussion und Limitationen
4.1 Diskussion
4.1.1 Soziodemographische Merkmale
4.1.2 Weg zum Beruf und seine Bedeutung
4.1.3 Einstellung zu Streik
4.1.4 Moralische Aspekte
4.1.5 Verantwortung, Veränderung und Einfluss
4.1.6 Gewerkschaft
4.2 Limitationen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, die verschiedenen Aspekte zu identifizieren und zu analysieren, die einen Einfluss auf die Streikbeteiligung von professionell Pflegenden in deutschen Krankenhäusern haben. Ausgehend von der Beobachtung, dass diese Beteiligung im Vergleich zu anderen Berufsfeldern eher gering ausfällt, wird die Forschungsfrage gestellt: „Welche Aspekte nehmen Einfluss auf die Streikbeteiligung professionell Pflegender an deutschen Krankenhäusern?“
- Analyse der moralischen Bedenken und ethischen Konflikte von Pflegenden bezüglich Streiks.
- Untersuchung der Wahrnehmung von Verantwortlichkeiten für Arbeitsbedingungen (Staat vs. Arbeitgeber vs. Gewerkschaft).
- Evaluierung der Einstellung zur gewerkschaftlichen Arbeit (speziell ver.di) in der Pflegebranche.
- Diskussion über das Berufsbild und die Einflüsse von Arbeitskollegen und Notdienstvereinbarungen auf das Streikverhalten.
- Qualitative Erhebung durch Experteninterviews mit Pflegenden zur Gewinnung erster Erkenntnisse und Hypothesengenerierung.
Auszug aus dem Buch
1.3 Moralische Aspekte beim Streik in der Pflege
Kranke oder pflegebedürftige Menschen befinden sich in einer verletzlichen Lebenssituation und stehen dadurch in einem Abhängigkeitsverhältnis zu den Menschen, die sie pflegen und versorgen (vgl. Lehmeyer 2018, S. 76). Im Krankenhaussetting sind dies die Gesundheits- und Krankenpfleger und ihre Patienten. Durch dieses Abhängigkeitsverhältnis können bei den Mitarbeitern moralische Konflikte entstehen, wenn ein Streik angekündigt wird. Denn durch das Ruhenlassen der Arbeit werden somit im Endeffekt die verletzlichen Patienten „alleine“ gelassen. Dies widerspricht der grundsätzlichen Haltung, aufgrund derer sich viele Menschen für den Pflegeberuf entscheiden.
Eine Studie von Jirwe und Rudman (2012) ergab, dass 75% von über 1000 Befragten Krankenpflegeschülern den Beruf gewählt haben, da sie sich um andere kümmern und ihnen helfen möchten (vgl. Jirwe und Rudman 2012, S. 1618). Diese moralische Problematik wird auch in einer Studie in der Altenpflege rund um die Thematik Streik deutlich. In dieser wurde aufgezeigt, dass viele Altenpfleger (knapp 80% der Befragten) davon ausgehen, bei einem Streik ihre Patienten im Stich zu lassen. Dies sei einer der Hauptgründe, wieso Altenpfleger bei Problemen in der Arbeit nicht aktiv werden (vgl. Schroeder 2018, S. 198).
Alten- und Krankenpfleger sind natürlich keine homogene Masse, auf die man problemlos solche Studienergebnisse anwenden kann. Allerdings ist vermutlich anzunehmen, dass generell in Pflegeberufen ähnliche Motivationen in Bezug auf die Arbeit vorherrschen können. Zusätzlich stellen die Alten- und Krankenpflege Berufe mit Dienstleistung am und für Menschen dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel definiert die zentralen Begriffe und analysiert rechtliche, moralische und gewerkschaftliche Rahmenbedingungen sowie den aktuellen Forschungsstand zum Thema Streik in der Pflege.
2 Methodik: Hier wird das methodische Vorgehen der empirischen Untersuchung dargelegt, welches auf einem problemzentrierten, strukturierten Leitfadeninterview mit fünf Fachkräften basiert.
3 Ergebnisse der empirischen Untersuchung: Dieses Kapitel präsentiert die durch qualitative Inhaltsanalyse gewonnenen Ergebnisse, gegliedert in verschiedene Ober- und Unterkategorien zu Aspekten wie Berufswahl, Streik-Einstellung und Gewerkschafts-Bewertung.
4 Diskussion und Limitationen: Die empirischen Ergebnisse werden hier interpretiert, in den Kontext existierender Literatur eingeordnet und die methodischen Grenzen der Untersuchung diskutiert.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfrage und gibt Handlungsvorschläge für die Praxis sowie zukünftige Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Pflege, Streikbeteiligung, Gewerkschaft, Arbeitsbedingungen, Krankenpflege, Berufsethos, Patientenversorgung, Notdienstvereinbarung, qualitative Sozialforschung, Leitfadeninterview, Profession, Arbeitgeber, Tarifautonomie, Pflegekammer, Fachkräftemangel.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Gründe für die geringe Streikbeteiligung von professionell Pflegenden in deutschen Krankenhäusern und identifiziert Einflussfaktoren, die zu dieser Zurückhaltung führen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören das moralische Selbstverständnis in der Pflege, das Rollenbild, die Bewertung von Gewerkschaften (insb. ver.di) sowie die wahrgenommene Wirksamkeit von Arbeitskämpfen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: „Welche Aspekte nehmen Einfluss auf die Streikbeteiligung professionell Pflegender an deutschen Krankenhäusern?“ Ziel ist es, diese Aspekte zu identifizieren und zu kategorisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine qualitative Studie durch, basierend auf fünf strukturierten Leitfadeninterviews mit Pflegenden, die mithilfe der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden theoretischen Rahmen zu Streikrecht und Pflege-Ethik sowie einen empirischen Teil, in dem die Interviewergebnisse zu Kategorien wie Berufswahl, Gewerkschaftskritik und Notdienstvereinbarungen zusammengeführt werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Pflege, Streikbeteiligung, Gewerkschaft, Arbeitsbedingungen, Berufsethos und Notdienstvereinbarung.
Wie bewerten die befragten Pflegenden die Notdienstvereinbarung bei Streiks?
Die Bewertungen sind ambivalent: Während einige sie als ethisch notwendiges Instrument zur Patientensicherung sehen, bezeichnen sie andere als ineffektiv („Ein Witz“), da sie auf unrealistischen theoretischen Annahmen basiere.
Welche Rolle spielt die Gewerkschaft ver.di für die Pflegenden laut Studie?
Es zeigt sich eine starke Kritik: Viele Pflegende fühlen sich durch die große Multibranchengewerkschaft ver.di nicht adäquat vertreten und fordern ein kämpferischeres Auftreten oder eine spezifische Vertretung durch Pflegende selbst.
Hat der moralische Aspekt (Patienten im Stich lassen) einen direkten Einfluss auf die Streikbeteiligung?
Interessanterweise lässt sich dieser direkte Zusammenhang in der Untersuchung nicht bestätigen. Zwar machen sich die Pflegenden Gedanken, aber die Auswirkungen auf die Versorgung werden im Falle eines angekündigten Streiks oft als „handelbar“ eingestuft.
- Quote paper
- Lucas Fehr (Author), 2020, Einflüsse der professionell Pflegenden an deutschen Krankenhäusern. Rechtliche, moralische und ethische Aspekte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1022824