Dieser Essay hinterfragt, welche Selbstdarstellungstechniken bei Facebook verloren gehen und ob eine Vertrauensbildung bei Facebook funktionieren kann.
Das Thema Beziehungspflege im Netz ist gesellschaftlich sehr aktuell, da dort nicht nur Menschen miteinander kommunizieren, sondern dort stellen sich auch unterschiedliche profitorientierte Organisationen vor. Aus diesem Grund wurde nun dieses Thema für meinen Essay gewählt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begrifflichkeiten von Erving Goffman
3. Analyse der Beziehungspflege im Netz und auf Facebook
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht auf Basis des dramaturgischen Modells von Erving Goffman, wie soziale Netzwerke wie Facebook die menschliche Selbstdarstellung und die Qualität der Beziehungspflege beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf Vertrauensbildung und Interaktion hat.
- Anwendung des Theatermodells (Vorder- und Hinterbühne) auf die Online-Kommunikation
- Vergleich zwischen direkter (persönlicher) Anwesenheit und virtueller Präsenz
- Analyse von Selbstdarstellungstechniken im digitalen Raum
- Untersuchung der Vertrauensbildung und der Risiken zynischen Handelns
- Bewertung von Facebook als Plattform für soziale Interaktion
Auszug aus dem Buch
Perspektive des Theaters auf die sozialen Netzwerke
Nachdem alle Begrifflichkeiten geklärt sind, lässt sich diese Theorie Goffmans von der „Perspektive des Theaters“ auf die sozialen Netzwerke und darauf aufbauende Beziehungspflege leicht übertragen. Folgend wird auf die erste Leitfrage eingegangen: Was sind Leistungen und Vorteile der Interaktion unter Bedingungen persönlicher Anwesenheit? Immer mehr Menschen pflegen die persönliche Beziehungen durch digitale Medien. In heutiger Gesellschaft versucht man durch eine Fernbeziehung eine Standartbeziehung (persönliche Anwesenheit) zu ersetzen. „Wer sich die Zahlen genauer ansieht, bekommt den Eindruck, dass Smartphone, Handy und PC den Trend zur Fernbeziehung fördern. Persönliche Treffen stehen erst auf Platz zwei“ (Sächsische Zeitung mobil 2012). Was man dabei aus der Sicht verliert, sei die Tatsache, dass eine persönliche Anwesenheit bietet mehr Vorteile als eine Virtuelle Anwesenheit an.
Folgend wird auf Goffmans Modell eingegangen. Jeder Darsteller braucht im Hinblick auf eigenes Beruf oder Privatleben eine geeignete Fassade. Man weißt ja nicht welche der Fassaden die beste ist somit die erfolgreichste. „Da Fassaden meist gewählt und nicht geschaffen werden, müssen wir damit rechnen, daß Schwierigkeiten auftreten, wenn diejenigen, die eine bestimmte Aufgabe erfüllen, gezwungen sind, unter mehreren unterschiedlichen Fassaden eine geeignete auszuwählen“ (Goffman 2008: 28). Somit in der Realität kann jeder Darsteller beliebig eine Fassade wählen. Weiterer Aspekt in diesem Zusammenhang ist die Darstellung der eigener Arbeit nach Goffman. „In vielen Fällen ist die Tätigkeit einer Person von einem bestimmten sozialen Rang so wenig dazu geeignet, diesen Rang offenbar zu machen, daß der Darsteller einen beachtlichen Teil seiner Energie auf die Aufgabe verwenden muß, seine Rolle wirkungsvoll zu gestalten“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt das Thema der Selbstdarstellung im digitalen Zeitalter vor, erläutert die Relevanz des Themas anhand von Facebook-Nutzerzahlen und definiert die zentralen Forschungsfragen.
2. Begrifflichkeiten von Erving Goffman: Hier werden die theoretischen Grundlagen wie "Darstellung", "Rolle", "Vorderbühne", "Hinterbühne" und "Fassade" erläutert, die als Basis für die Analyse dienen.
3. Analyse der Beziehungspflege im Netz und auf Facebook: Dieser Hauptteil verknüpft Goffmans Theorie mit der Praxis der Online-Selbstdarstellung und diskutiert die Herausforderungen bei der Vertrauensbildung in sozialen Netzwerken.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen, bewertet das digitale Theatermodell als universal anwendbar und reflektiert die Problematik der verlorenen direkten Interaktion im Netz.
Schlüsselwörter
Beziehungspflege, Facebook, Erving Goffman, Selbstdarstellung, Vorderbühne, Hinterbühne, Fassade, soziale Netzwerke, Interaktion, Vertrauensbildung, Soziologie, digitale Medien, Rollenverhalten, Identität, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Nutzung von Facebook als Medium zur Selbstdarstellung und Beziehungspflege unter Anwendung des dramaturgischen Ansatzes von Erving Goffman.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Soziologie der Interaktion, die Theorie der Selbstdarstellung, die Dynamik digitaler sozialer Netzwerke und die Bedeutung persönlicher Anwesenheit für Vertrauensverhältnisse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Auswirkungen der Selbstdarstellung auf Facebook auf die Qualität menschlicher Beziehungen zu analysieren und zu prüfen, ob das Goffman’sche Theatermodell auf moderne digitale Situationen übertragbar ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse, die Begriffe eines soziologischen Modells (Goffman) auf ein spezifisches Fallbeispiel (Facebook/Online-Beziehungspflege) anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Anwendung von Begriffen wie Fassade, Vorder- und Hinterbühne auf Facebook-Profile und hinterfragt die Möglichkeiten der Vertrauensbildung im digitalen Raum im Vergleich zur direkten Interaktion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Beziehungspflege, Selbstdarstellung, Goffman, Fassade, soziale Netzwerke, Interaktion und Vertrauen.
Wie definiert die Arbeit das Verhältnis von Facebook zur "Hinterbühne"?
Einstellungen innerhalb eines Profils, die nicht öffentlich zugänglich sind (wie etwa Altersangaben oder private Daten), werden als Hinterbühne interpretiert, in der der Darsteller seine Fassade vorbereitet.
Warum wird Facebook laut Arbeit oft als "nervig" empfunden?
Die Arbeit führt an, dass Aktivitäten auf Facebook zeitintensiv sind und die notwendige ständige Verfügbarkeit sowie das Risiko zynischen Verhaltens (Lügen im Profil) als belastend für reale Beziehungen empfunden werden können.
Was ist das zentrale Fazit der Arbeit bezüglich der Selbstdarstellung?
Die Arbeit schließt, dass Selbstdarstellung im Netz zwar leichter zu realisieren ist als in der realen Welt, jedoch die Qualität und das Vertrauen, das in persönlichen Treffen (Echtzeit-Interaktion) entsteht, nicht durch digitale Kommunikation ersetzt werden können.
- Arbeit zitieren
- Sergio Merz (Autor:in), 2016, Beziehungspflege in sozialen Netzwerken. Das Modell des Soziologen Erving Goffman, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030675