Die individuellen Kosten des Erziehungsurlaubs. Eine empirische Analyse der kurz- und längerfristigen Folgen für den Karriereverlauf von Frauen

Analyse zu Andrea Ziefles "Die individuellen Kosten des Erziehungsurlaubs" von 2004


Exzerpt, 2015

6 Seiten, Note: 1.2


Leseprobe

Leibniz Universität Hannover

Wintersemester 2015/16

Institut für Soziologie

Wahlpflichtbereich A: Bildung, Kultur und Lebenslauf I (BKL 1)

Seminar: „Kind, Kegel und Karriere“

Autor: Sergio Merz

Datum: 04.11.2015

Ziefle, A. (2004). "Die individuellen Kosten des Erziehungsurlaubs. Eine empirische Analyse der kurz- und längerfristigen Folgen für den Karriereverlauf von Frauen." Kölner Zeitschrift für Soziologie Und Sozialpsychologie 56(2): S. 213-231.

1. Was sagt die ökonomische Humankapitaltheorie über die Folgen von Erwerbsunterbrechungen (bzgl. Lohnentwicklung)?

„Die ökonomische Humankapitaltheorie erklärt Karriereverläufe beispielsweise durch die Entwicklung der individuellen beruflichen Fertigkeiten, so dass die individuelle Entlohnung im Karriereverlauf in dem Maß ansteigt, in dem die individuelle Produktivität durch Weiterbildung und Routine zunimmt. In diesem Zusammenhang nimmt die Humankapitaltheorie an, dass jede Erwerbsunterbrechung negative Karrierefolgen, dass heißt individuelle Lohn- und Einkommensverluste nach sich ziehen sollte, da während einer Erwerbsunterbrechung kein neues Humankapital erworben und schon vorhandenes Humankapital entwertet wird (vgl. Ziefle 2004: 213). Wichtig ist dabei, dass Lohnverluste nach einer kindbedingten Erwerbsunterbrechung theoretisch keine Auswirkung der Geburt eines Kindes, sondern allein der daraus folgenden Erwerbsunterbrechung sind. Wenn es nicht zu einer Erwerbsunterbrechung kommt und Frauen nach der Geburt eines Kindes weiterhin erwerbstätig sind, sollten sich keine Abweichungen von der Normalkarriere ergeben“ (vgl. Ziefle 2004: 214f.). „Ein weiterer Erklärungsfaktor für Karrierenachteile von Müttern liegt in den Risiken beruflicher Mobilität nach der Geburt eines Kindes. Sind Frauen auf Grund der Erwerbsunterbrechung zu einem Arbeitsplatz- bzw. Arbeitgeberwechsel gezwungen, kommt es zu einem Verlust des bisher erworbenen firmenspezifischen Humankapitals und damit eventuell zu negativen Auswirkungen auf ihre weitere Karriere“ (Mertens et al. 1995; Waldfogel 1998a; Budig und England 2001; Jacobs 1997). Wenn Mütter einerseits gezielt flexiblere Tätigkeiten aufnehmen, und diese Berufe andererseits systematisch geringer entlohnt sind, würde ein negativer Karriereeffekt von Erwerbsunterbrechungen (auch) deshalb entstehen, weil die Geburt von Kindern ein verändertes Erwerbsverhalten von Frauen zur Folge hätte. „Als letzter Erklärungsansatz können schließlich Signalmodelle herangezogen werden, die davon ausgehen, dass das flachere Lohnprofil der Frauen nach einer familienbezogenen Erwerbsunterbrechung nicht auf Grund von Humankapitalverlusten oder realen Verhaltensänderungen der Frauen entsteht, sondern dass Arbeitgeber die Entscheidung der Frauen, ihre Berufstätigkeit zu unterbrechen, als Signal einer geringeren Erwerbsorientierung ansehen und nach der Erwerbsunterbrechung vergleichbar weniger in das Humankapital von Müttern investieren“ (Stafford und Sundström 1996; Albrecht et al. 1999).

2. Welchen Datensatz benutzt Andrea Ziefle in ihrer Untersuchung? Wie heißt die abhängige Variable der Untersuchung und wie heißt das statistische Verfahren, dass Ziefle verwendet?

Der empirischen Analyse liegen Karriereverlaufsdaten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) für die Jahre 1984–1999 zugrunde. Das SOEP ist eine jährliche Wiederholungsbefragung einer repräsentativen Stichprobe in Deutschland lebender Haushalte, die von der SOEP-Projektgruppe am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung und Infratest Sozialforschung durchgeführt wird (Wagner et al. 1994; DIW 2000; SOEP Group 2001). Die abhängige Variable der Analyse ist der Bruttostundenlohn. Der Stundenlohn ist für die Fragestellung, ob Frauen nach dem Erziehungsurlaub nachteilsfrei auf adäquate Arbeitsplätze zurückkehren, besonders geeignet, da er im Gegensatz zum Einkommen nicht von einer Veränderung der Arbeitszeit abhängt, also z.B. nicht dadurch beeinflusst wird, dass Frauen nach dem Erziehungsurlaub ihre Arbeitszeit reduzieren. Es wird zudem der Bruttolohn verwendet, da durch das Ehegattensplitting im deutschen Steuerrecht das Nettoerwerbseinkommen von Frauen stark durch Heirat beeinflusst wird, die oft wegen der Geburt von Kindern geschlossen wird (Blossfeld und Mills 2001). Fixed-Effects- Regressionsmodell (FE-Modell). Für die Analyse des kurz- und längerfristigen Karriereverlaufs von Frauen nach dem Erziehungsurlaub werden Fixed-Effects-Panelregressionsmodelle benutzt (Greene 1997; Allison 1994; Wooldridge 2002).

3. Welche individuellen Merkmale haben einen positiven Einfluss auf die Lohnentwicklung nach der Unterbrechung?

„In Bezug auf die Kontrollvariablen bestätigen die Modellschätzungen jedoch zunächst die Bedeutung der Humankapitalvariablen für den Lohnverlauf von Frauen. Ein zusätzliches Bildungsjahr erhöht den Reallohn um 7,2 Prozent (Modell 1 ohne Beruf und Branche) bzw. um 6,3 Prozent (Modell 2 einschließlich Beruf und Branche). Ebenso wirkt sich auch eine höhere Berufserfahrung bzw. eine längere Betriebszugehörigkeitsdauer positiv auf den Stundenlohn aus. Nach den Modellergebnissen geht jedes zusätzliche Jahr Berufserfahrung mit einer Lohnsteigerung von 2,8 bzw. 3,1 Prozent einher. Ein zusätzliches Jahr Betriebszugehörigkeit erhöht den Reallohn der Frauen um jeweils 0,7 Prozent“ (vgl. Ziefle 2004: 222).

4. Welche Bedeutung hat die Dauer der Elternzeit der Mütter für ihre weitere Lohnentwicklung?

„Die Schätzergebnisse zeigen, dass Mutterschaft und Erziehungsurlaub deutliche Auswirkungen auf den Karriereverlauf von Frauen haben. Nach den Modellschätzungen führt jedes zusätzliche Kind zu einem Lohnverlust von 1,3 Prozent. Wenn Frauen nach der Geburt eines Kindes Erziehungsurlaub in Anspruch nehmen, führt jeder Monat im Erziehungsurlaub zu einem zusätzlichen Lohnverlust von 0,4 Prozent. Wenn Frauen nach dem Erziehungsurlaub wieder zu ihrem früheren Arbeitgeber zurückkehren können, hat dies allerdings positive Auswirkungen auf ihre Lohnentwicklung“ (vgl. Ziefle 2004: 223f.).

5. Wie entwickelt sich der Lohn langfristig nach einer Unterbrechung?

„Waldfogel (1997b, 1998b) findet beispielsweise in den ersten zehn Berufsjahren bei Frauen, die in diesem Zeitraum ein Kind bekommen haben, einen deutlich geringeren Lohnzuwachs als bei Frauen, die in diesem Karriereabschnitt kein Kind bekommen haben. In einer weiteren Studie ermittelte Waldfogel (1997a) in Panelregressionsmodellen eine Lohnlücke von etwa 6 Prozent zwischen Frauen ohne Kind und Müttern sowie von 13 Prozent zwischen Frauen ohne Kind und Müttern mit mehr als einem Kind. Auch in einer neueren Studie errechnen Budig und England (2001) eine Lohnlücke von 7 Prozent pro Kind. Teilweise kann diese Lohnlücke mit der durch die Erwerbsunterbrechung verursachten geringeren Berufserfahrung von Müttern sowie tendenziell häufigerer Teilzeiterwerbstätigkeit erklärt werden. Analysen von Waldfogel (1997a) zeigen zudem, dass diese Karrierenachteile vor allem durch langfristig geringere Karrierechancen entstehen: Während Mütter mit einem Kind nach einem bis zwei Jahren Lohnverluste von etwa 2 Prozent hinnehmen mussten, erhöhte sich der Abstand nach etwa fünf Jahren auch unter Kontrolle von Kovariaten auf 6 Prozent“ (vgl. Ziefle 2004: 229). „Die geringeren Löhne von Frauen entstehen zu einem sehr großen Teil dadurch, dass Frauen die ökonomischen Kosten der Kinderbetreuung tragen: Trotz Erziehungsurlaubsregelunge „bezahlen“ Frauen ihre Entscheidung für ein Kind mit mittelfristig geringeren beruflichen Chancen“(vgl. Ziefle 2004: 229f.).

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Ende der Leseprobe aus 6 Seiten

Details

Titel
Die individuellen Kosten des Erziehungsurlaubs. Eine empirische Analyse der kurz- und längerfristigen Folgen für den Karriereverlauf von Frauen
Untertitel
Analyse zu Andrea Ziefles "Die individuellen Kosten des Erziehungsurlaubs" von 2004
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Kind, Kegel und Karriere
Note
1.2
Autor
Jahr
2015
Seiten
6
Katalognummer
V1030711
ISBN (eBook)
9783346476517
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Die individuellen Kosten, Karriereverlauf von Frauen
Arbeit zitieren
Sergio Merz (Autor:in), 2015, Die individuellen Kosten des Erziehungsurlaubs. Eine empirische Analyse der kurz- und längerfristigen Folgen für den Karriereverlauf von Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1030711

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