In diesem Essay soll zunächst die Theorie des Neorealismus dargestellt werden und einer Prüfung hinsichtlich der Erklärungskraft unterzogen werden. Im zweiten Teil soll die Theorie auf das empirische Beispiel der aktuellen Ereignisse bei der Krim-Halbinsel angewendet werden.
Ziel ist es, eine Erklärung für das außenpolitische Handeln Russlands zu finden. Auch wenn der Fokus auf Russland liegt, soll die Beteiligung anderer europäischer Staaten zur Erklärung herangezogen werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Theorie des Neorealismus nach Kenneth Neal Waltz (1979)
3. Die aktuellen Ereignisse beim Ukraine-Russland Konflikt aus der Sicht des Neorealismus
4. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den andauernden Konflikt zwischen der Ukraine und Russland, insbesondere unter dem Aspekt der Ereignisse rund um die Krim-Halbinsel, durch die theoretische Brille des Neorealismus nach Kenneth Neal Waltz.
- Grundlagen des Neorealismus und das Selbsthilfe-Prinzip
- Die Rolle von Anarchie und Machtgleichgewicht im internationalen System
- Russlands sicherheitspolitische Ambitionen und Machtkonkurrenz
- Die Ukraine als Pufferstaat in einem neorealistischen Erklärungsmodell
- Die Rolle der EU und der internationale Umgang mit der Eskalationsspirale
Auszug aus dem Buch
2. Die Theorie des Neorealismus nach Kenneth Neal Waltz (1979)
Das größte Ziel der Staaten im Neorealismus ist das Streben nach Sicherheit. Dieses Sicherheitsstreben begründet sich in der Anarchie zwischen den Staaten und unterscheidet sich vom klassischen Realismus nach Hans Morgenthau in der Ursache für das Agieren in einer Anarchie. Denn Morgenthau überträgt sein skeptisches Menschenbild auf die Staaten und erklärt damit deren außenpolitisches Handeln. Die Anarchie nach Morgenthau zeichnet sich durch Chaos und Gewaltherrschaft aus. Im klassischen Realismus, als auch im Neorealismus ist die Anarchie von einer gewissen Machtverteilung ohne Gewaltmonopol geprägt und „it be populated by units wishing to survive“2. Die einzelnen Staaten agieren unabhängig von anderen Staaten und streben danach ihre eigene Sicherheit zu erhalten und zu vergrößern, was Waltz auch self-help-principle nennt.3 Nach dem Selbsthilfe-Prinzip handeln die Staaten, um Machtungleichgewichte selbst auszugleichen (balancing).
Das Sicherheitsstreben ist der Kausalmechanismus beim Neorealismus. Das internationale System, in dem sich die Staaten befinden, wird anhand von zwei Aspekten untersucht: Zum einen werden die Akteure des Systems betrachtet und zum anderen die Struktur des internationalen Systems.4 Da die Strukturen des internationalen Systems das Handeln der Staaten bedingt, wird der Neorealismus auch Struktureller Realismus genannt.
Die unabhängige Variable ist hier das internationale System, also die Anarchie, in denen sich die Staaten befinden und die Positionen der Staaten in diesem System. Die abhängige Variable ist die Außenpolitik der Staaten, im zu untersuchenden Konflikt die der Ukraine und Russlands. Das internationale System wird von Waltz nach drei Polaritäten unterschieden: Zum einen das unipolare System mit der Vorherrschaft eines Staates, dann das bipolare System mit einem Machtausgleich zwischen zwei Staaten und letztlich das multipolare System mit mehreren ähnlich mächtigen Staaten. Am stabilsten lässt sich die bipolare Ordnung aufgrund der Übersichtlichkeit der Bedrohungslage einstufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den bewaffneten Konflikt zwischen Russland und der Ukraine seit 2014 sowie Formulierung der Forschungsfrage zur neorealistischen Erklärung der Ereignisse um die Krim.
2. Die Theorie des Neorealismus nach Kenneth Neal Waltz (1979): Erläuterung der zentralen neorealistischen Konzepte wie Anarchie, Selbsthilfe-Prinzip, Machtgleichgewicht und der Systemstruktur als Determinante staatlichen Handelns.
3. Die aktuellen Ereignisse beim Ukraine-Russland Konflikt aus der Sicht des Neorealismus: Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf den Konflikt, wobei Russland als rationaler Akteur zur Wiederherstellung seines Sicherheitsbedürfnisses und der Machtbalance interpretiert wird.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Kritische Reflexion der neorealistischen Perspektive auf den Konflikt und Ausblick auf die weitere Instabilität durch die gegensätzlichen Sicherheitsinteressen.
Schlüsselwörter
Neorealismus, Russland, Ukraine-Konflikt, Sicherheit, Anarchie, Selbsthilfe-Prinzip, Machtgleichgewicht, balancing behaviour, Außenpolitik, internationale Beziehungen, Machtkonkurrenz, Krim-Halbinsel, Asowsches Meer, internationale Ordnung, Staatenwelt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den bewaffneten Konflikt zwischen der Ukraine und Russland unter besonderer Berücksichtigung der Eskalationen ab Ende 2018 aus der theoretischen Perspektive des Neorealismus.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind das Sicherheitsstreben von Staaten, die Auswirkungen der Systemstruktur auf die Außenpolitik und die spezifische Konfliktdynamik im Kontext der europäischen Sicherheitsarchitektur.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage lautet: „Wie lassen sich die aktuellen Ereignisse der Krim-Halbinsel seit dem 25. November 2018 aus der Sicht des Neorealismus erklären?“
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Theorie des Neorealismus nach Kenneth Neal Waltz als analytisches Instrumentarium, um empirische Ereignisse des Ukraine-Russland-Konflikts zu deuten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Neorealismus dargelegt und anschließend auf konkrete Vorkommnisse wie die Seeblockade des Asowschen Meeres angewendet, um Russlands Handeln strukturell zu begründen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wesentliche Begriffe sind Neorealismus, Anarchie, Machtgleichgewicht, Sicherheitsstreben und die geopolitische Lage in Osteuropa.
Warum wird die EU in der Analyse als „Staat“ behandelt?
Aufgrund der neorealistischen Logik, die sich primär auf Staaten als Akteure konzentriert, wird die EU als Zusammenschluss zur Machtbündelung (balancing) fiktiv wie ein Staat behandelt, um die Konfliktlinie zum Neorealismus argumentativ zu schließen.
Wie erklärt der Autor Russlands Handeln im Asowschen Meer?
Aus neorealistischer Sicht handelt Russland nach dem Selbsthilfe-Prinzip, um seine Machtsphäre zu sichern und das aus seiner Sicht gestörte Machtgleichgewicht zu seinen Gunsten wiederherzustellen.
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- Anonym (Autor), 2018, Russland im Konflikt mit der Ukraine, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1033306