Rückblickend erscheinen Vorhersagen, die sich nicht erfüllt haben, als absurd und lächerlich. Sei es der Präsident der Michigan Savings Bank, der Henry Fords Automobil als Modeerscheinung bezeichnete, Thomas Watson, der annahm, dass es maximal einen Markt von fünf Computern geben würde oder ein Journalist der New York Times, der vorhersagte, dass Apple niemals ein Mobiltelefon auf dem Markt platzieren würde. Das Gefühl einer deterministischen Notwendigkeit stellt sich bei der ex-post Beurteilung von Innovationsvorhersagen ein. Das „Ich-hab’s-doch-gewusst-Phänomen“ wird als Rückschaufehler (engl. Hindsight-Bias) bezeichnet.
In der vorliegenden Seminararbeit wird deshalb die Möglichkeit erläutert, inwiefern die Prognosefehler der Vergangenheit eine Lehre für die Vorhersage für zukünftige Disruptionen sind. In dem ersten Abschnitt wird auf den Hindsight-Bias eingegangen. In dem zweiten Abschnitt werden disruptive Innovationen charakterisiert und es wird auf die ex-post-Identifikation eingegangen. Daraus wird die ex-ante-Vorhersage der Innovationen abgeleitet und zuletzt ein Fazit gezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Rückschaufehler – Der verzerrte Blick auf die Vergangenheit
2. Die ex-post Prognose von disruptiven Innovationen
3. Alternative Pfade und Prognoseillusion
4. Die Perspektive der oberen Ebene und Intrapreneurship
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die Problematik der Vorhersehbarkeit disruptiver Innovationen und analysiert, inwiefern Prognosefehler der Vergangenheit sowie kognitive Verzerrungen wie der Hindsight-Bias eine objektive Einschätzung künftiger Disruptionen erschweren.
- Analyse des Rückschaufehlers (Hindsight-Bias) bei der Bewertung historischer Fehlprognosen.
- Charakterisierung disruptiver Innovationen und die Herausforderungen der ex-post-Identifikation.
- Untersuchung von Pfadabhängigkeiten und Prognoseillusionen als Hürden für die ex-ante-Vorhersage.
- Rolle der Unternehmensführung (Upper Echelon Perspective) und Intrapreneurship bei der Antizipation von Innovationen.
Auszug aus dem Buch
Alternative Pfade und Prognoseillusion
Der Prozess der Innovationsführung ist durch eine Pfadabhängigkeit bestimmt, bei der sich die Kreuzungspunkte nicht deterministisch, sondern chaotisch verhalten (Taleb, 2005). Störungen innerhalb der Kreuzung oder überlagernde Pfade können Einfluss auf das Ergebnis der Handlung ab dem Kreuzungspunkt haben. Aufgrund der Vielzahl von alternativen Pfaden ist im Ausgangspunkt die Innovationsprognose ungewiss. Marktteilnehmer besitzen keine vollständige Informationstransparenz und entscheiden begrenzt rational (Simon, 1993). Ungewissheit hinsichtlich diskontinuierlicher Präferenzen des Marktes stellt die Grundlage für Prognosefehler dar (Brody, 1993; Tripsas 2008). Hieraus ergibt sich das Innovationsdilemma, in dem Akteure aufgrund der alternativen Pfade sowie der Informationsasymmetrien unsicher sind, welche Innovation durch den Markt angenommen werden (Christensen, 1997; Danneels, 2004). Es ist der Trade-off zwischen dem bestehenden Geschäftsmodell und der Geschäftsmodellinnovation, welcher die ex-ante-Prognose verhindert (Bower & Christensen, 1995).
Eine Minimierung des pfadabhängigen Risikos wäre für Organisationen dann gegeben, wenn alle möglichen Pfade, respektive alle verfügbaren Innovationen, explorativ evaluiert werden. Dieser Trade-off besteht darin, dass bei maximalen Suchkosten das Disruptionsrisiko gegen ein Minimum konvergieren. Eine Maximierung der Suchkosten, respektive der Forschungs und Entwicklungskosten, schränkt jedoch die Wettbewerbsfähigkeit erheblich ein, sodass die Wahrscheinlichkeit eines Sterbens der Organisation steigt. Dementsprechend ist hier das Optimum aus Innovationsmaximierung und Transaktionskostenminimierung zu finden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Rückschaufehler – Der verzerrte Blick auf die Vergangenheit: Das Kapitel erläutert, wie der Hindsight-Bias dazu führt, dass historische Fehlentscheidungen retrospektiv als vorhersehbar erscheinen und verzerrt wahrgenommen werden.
2. Die ex-post Prognose von disruptiven Innovationen: Hier wird das Konzept der schöpferischen Zerstörung nach Schumpeter eingeführt und die Schwierigkeit etablierter Unternehmen beleuchtet, sich auf disruptive Marktveränderungen einzustellen.
3. Alternative Pfade und Prognoseillusion: Dieses Kapitel analysiert, wie Pfadabhängigkeiten und chaotische Marktbedingungen eine präzise Prognose zukünftiger Innovationen verhindern und das Innovationsdilemma verstärken.
4. Die Perspektive der oberen Ebene und Intrapreneurship: Der Abschnitt diskutiert, welchen Einfluss das Top-Management auf die Innovationsfähigkeit hat und wie Intrapreneurship-Ansätze dazu beitragen können, Innovationspotenziale innerhalb einer Organisation zu erschließen.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Abschließend wird resümiert, dass disruptive Innovationen fundamental unvorhersehbar bleiben, Unternehmen jedoch durch agile Strukturen und offene Innovationsansätze wettbewerbsfähiger agieren können.
Schlüsselwörter
Disruptive Innovation, Hindsight-Bias, Innovationsdilemma, Pfadabhängigkeit, Prognoseillusion, Schöpferische Zerstörung, Intrapreneurship, Upper Echelon Perspective, Geschäftsmodellinnovation, Marktprognose, Managemententscheidungen, Wettbewerbsvorteil, Risikoadjustierung, Innovationsprozess.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, warum es für Organisationen so schwierig ist, disruptive Innovationen bereits vor ihrem Eintritt (ex-ante) verlässlich vorherzusagen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind kognitive Verzerrungen bei der Rückschau, die Theorie der disruptiven Innovation, Pfadabhängigkeiten in der Strategieentwicklung sowie Ansätze zur Steigerung der Innovationsfähigkeit durch Führung und interne Unternehmertätigkeit.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Gründe für das Scheitern von Innovationsprognosen zu identifizieren und zu diskutieren, ob und wie Unternehmen durch agile Strategien trotz fundamentaler Unvorhersehbarkeit erfolgreich agieren können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Aufarbeitung theoretischer Konzepte der Innovationsökonomie und Organisationslehre.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Verzerrungen wie dem Hindsight-Bias, die Analyse des Innovationsdilemmas nach Christensen sowie die Betrachtung von Managementperspektiven und Intrapreneurship als strategische Gegenmaßnahmen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie disruptive Innovation, Pfadabhängigkeit, Innovationsdilemma und kognitive Verzerrungen charakterisiert.
Warum ist laut Autor eine ex-ante-Vorhersage von Innovationen kaum möglich?
Aufgrund von chaotischen Entwicklungen, Informationsasymmetrien und dem sogenannten Innovationsdilemma können Marktteilnehmer nicht mit Sicherheit bestimmen, welche Innovation sich durchsetzen wird.
Wie kann Intrapreneurship bei der Lösung des Innovationsdilemmas helfen?
Durch Empowerment der gesamten Organisation können Innovationen früher an der Basis identifiziert werden, was den Top-Down-Ansatz der Innovationsführung durch einen integrativen, retrogeraden Prozess ergänzt.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2019, Mistaken Technological Predictions. Wie können disruptive Innovationen vorhersehbar werden?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1034402