Warum nicht Wortbildungsproduktivität? Schließlich geht es um Wörter. Im Hinblick auf das Thema der Arbeit ist es nach der Definition von Gallmann sinnvoll, von Lexembildungsproduktivität zu sprechen statt von Wortbildungsproduktivität. Untersuchte man letztere, so müssten alle flektierten Formen, die sich bilden lassen, als eigenständige Wörter vermerkt werden, wodurch es zu einer Vielzahl an Wörtern käme, die eigentlich nur einem einzigen Lexem zuzuordnen sind. In dieser Arbeit soll nicht untersucht werden, wie viele Wörter sich aus einem Ausgangslexem bilden lassen, sondern wie viele neue Lexeme zu finden sind. Der Fokus liegt daher auf Lexemen und somit auf der Lexembildungsproduktivität.
Lexembildungsproduktivität kann auf zweierlei Weise untersucht werden. Man kann innerhalb eines bestimmten Textes auszählen, wie oft eine bestimmte Kategorie von Lexemen auftritt, damit würde man tokens zählen, oder man findet heraus wie viele Lexeme sich überhaupt aus einem Ausgangslexem bilden lassen und zählt aus, wie viele Lexeme davon der jeweiligen Lexembildungsart zuzuordnen sind und zählt damit die types. In beiden Verfahren geht es um die Frequenz. In meiner Arbeit werde ich das zweite Verfahren anwenden und mich den types widmen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
3. Lexembildungsproduktivität der Lexeme LASSEN und LAISSER
4. Fazit
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lexembildungsproduktivität durch einen interlingualen Vergleich der deutschen Entsprechung "LASSEN" mit dem französischen Pendant "LAISSER". Dabei steht die Frage im Vordergrund, inwieweit sich die beiden Sprachen in ihrer Fähigkeit unterscheiden, neue Lexeme aus diesen Ausgangsformen zu bilden.
- Lexikologische Grundlagen und Abgrenzung von Wort, Lemma und Lexem
- Methodik der Erfassung von Lexembildungsproduktivität (Types vs. Tokens)
- Vergleichende Analyse der Wortbildungsprozesse (Komposition, Derivation, Konversion)
- Evaluierung der Produktivität anhand von Korpora der Lexeme LASSEN und LAISSER
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Warum nicht Wortbildungsproduktivität? Schließlich geht es um Wörter. Eine Antwort hierfür hat Peter Gallmann parat und mehr noch, denn er zeigt einen Weg durch das Wirrwarr der Fachtermini auf. Zunächst ist es notwendig, den Unterschied zwischen Wort, Lemma und Lexem zu klären. Lemmata finden sich in Lexika, nicht aber in den mentalen, sondern in den tatsächlich greifbaren. Ein Lexem dagegen ist abstrakt. Es ist stets unflektiert und steht in keinem syntaktischen Kontext. Allerdings besitzt es Flexionsparadigma, wie ein nominales Lexem die Flexionsparadigma Kasus und Numerus aufweist. Wird ein Lexem in einen syntaktischen Kontext gesetzt, so ist Flexion notwendig. Ab diesem Zeitpunkt kann man vom Wort im gebräuchlichen Sinne sprechen, denn es zeichnet sich dadurch aus, dass es flektiert ist und eine Einheit in einem Satz bildet. Unter den Begriff „Wort“ fallen aber noch viele weitere Definitionsmöglichkeiten, wie Heinz Vater anmerkt, weshalb der Begriff sehr vage ist und je nach Blickwinkel eine andere Bedeutung haben kann (Gallmann 1991; Vater 2002). Im weiteren Verlauf wird daher von Lexemen gesprochen.
Weitergehend drängt sich die Frage auf, wann ein Lexem beginnt und wann es endet, genauer, ob ein Lexem, das aber mehrere Bedeutungen haben kann, für jede Bedeutung einzeln gezählt wird oder ob es sich trotzdem um nur ein einziges Lexem dabei handelt. Für meine Arbeit werde ich es so handhaben, dass etwas als ein Lexem gezählt wird, wenn es nur eine Bedeutung hat oder mehrere einander ähnliche Bedeutungen, beispielsweise BESUCHEN. Man kann einen Freund besuchen, den Arzt aus einem medizinischen Grund besuchen, eine Vorlesung besuchen oder eine Institution zwecks einer Ausbildung besuchen. So hat das Lexem BESUCHEN mehrere Bedeutungen, die einander sehr nahe sind und wird somit als einziges Lexem gewertet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel klärt die terminologische Basis der Arbeit, insbesondere die Unterscheidung zwischen Wort, Lemma und Lexem, und führt in die Fragestellung der Lexembildungsproduktivität ein.
2. Theoretischer Hintergrund: Hier werden gängige Klassifizierungen der Wortbildung (u.a. nach Vater, Fleischer/Barz, Hentschel/Weydt) detailliert dargestellt und für den geplanten Vergleich kritisch beleuchtet.
3. Lexembildungsproduktivität der Lexeme LASSEN und LAISSER: Das Hauptkapitel präsentiert die praktische Erhebung der aus den Ausgangslexemen gebildeten Wörter und ordnet diese den jeweiligen Wortbildungsarten zu.
4. Fazit: Die Ergebnisse werden hier zusammengeführt und bewertet, wobei die Unterschiede in der Produktivität und den strukturellen Möglichkeiten des Deutschen und Französischen herausgearbeitet werden.
5. Literaturverzeichnis: Auflistung der in der Arbeit zitierten wissenschaftlichen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Lexembildung, Wortbildung, Produktivität, LASSEN, LAISSER, Komposition, Derivation, Konversion, Sprachvergleich, interlingual, Morphologie, Syntax, Flektiert, Wortarten, Lexikologie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Produktivität der Lexembildung, indem sie die deutschen und französischen Verben "LASSEN" und "LAISSER" miteinander vergleicht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die morphologische Wortbildung, die theoretische Definition von Lexemen und der kontrastive Sprachvergleich zwischen dem Deutschen und dem Französischen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, welche der beiden Sprachen in Bezug auf die genannten Lexeme produktiver ist und welche strukturellen Unterschiede bei der Bildung neuer Wörter auftreten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin verwendet eine deskriptive Analyse auf Basis der "Types"-Zählung, bei der die aus den Ausgangslexemen gebildeten neuen Wörter erfasst und systematisch kategorisiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Wortbildungsmodelle diskutiert, gefolgt von einer umfangreichen Auflistung und Kategorisierung der von "LASSEN" und "LAISSER" abgeleiteten Begriffe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Lexembildung, Produktivität, Komposition, Derivation, Konversion sowie die beiden Kernlexeme "LASSEN" und "LAISSER".
Wie unterscheidet sich die Wortbildung bei Komposita in beiden Sprachen?
Während im Deutschen eine Vielzahl von Komposita mit "LASSEN" gebildet werden kann, ist die Bildung im Französischen oft stärker an syntaktische Strukturen wie "LAISSE DE..." gebunden.
Welche Rolle spielt die Konversion in der Analyse?
Die Konversion wird untersucht, um festzustellen, inwieweit sich die Wortart ohne explizite Affigierung ändert, wobei das Deutsche hier eine andere Flexibilität zeigt als das starre französische System.
- Citation du texte
- Julia Rosenau (Auteur), 2019, Lexembildungsproduktivität. Ein interlingualer Vergleich des Deutschen mit dem Französischen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1037839