Musik in Restaurants und ihre Auswirkung auf Raumatmosphäre und Konsumverhalten der Gäste. Einfluss von Tempo, Lautstärke und Musikstil


Seminararbeit, 2020

31 Seiten, Note: 1,0

Dominique Vosseler (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Struktur und Zielsetzung der Arbeit

2 Standpunkt von Musik in der Gesellschaft
2.1 Auswirkungen von Musik auf die Gesellschaft
2.1.1 Wechselwirkung: Musik und Kultur

3 Wechselwirkung: Kultur und Essen

4 Methoden der musikalischen Ausrichtung
4.1 Hintergrundmusik: Musik, die das Unterbewusstsein beeinflusst
4.1.1 Die Wahrnehmung von Musik
4.1.2 Interaktion zwischen Musik und Geschmack
4.1.3 Wiedererkennungswert
4.2 Vordergrundmusik: Musikgeschmack der Zielgruppe anpassen

5 Musik in Restaurants
5.1 Hintergrundmusik und Restaurant

6 Einfluss von Musik auf die Atmosphäre in Restaurants
6.1 Tempo
6.2 Lautstärke
6.3 Musikstil
6.4 Authentizität der Musik und musikalische Präferenz

7 Einfluss der Musik auf Konsum und Ausgabeverhalten
7.1 Tempo
7.2 Lautstärke
7.3 Kombinierte Betrachtung von Lautstärke und Tempo
7.4 Musikstil
7.5 Authentizität der Musik und musikalische Präferenz

8 Diskussion und Schlussbetrachtung

9 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Musik bringt Menschen zusammen, erinnert, entspannt, treibt an, und ist in der Lage alle möglichen Emotionen im Menschen auszulösen. Der Mensch ist täglich von Musik umgeben. Beim Radio hören während des Frühstücks, auf der Autofahrt zur Arbeit, oder beim Einkaufen im Supermarkt. Musik ist ein wichtiger Bestandteil in der Gesellschaft und beeinflusst viele Menschen bewusst und unterbewusst in ihrem Handeln. Auf Grund dessen wird Musik oft als Mittel zum Zweck eingesetzt. Sie dient aus wirtschaftlicher Sicht etwa als strategisches Mittel im Marketing, oder als Mittel zur Kundenbindung in Form eines Wohlfühlfaktors. Hierfür ergeben sich viele unterschiedliche Faktoren, die Einfluss auf das menschliche Verhalten haben. Eine Branche, in der Musik eine wichtige Rolle spielen kann ist das Gastgewerbe. Das Ziel ist es den Aufenthalt des Gastes so angenehm wie möglich zu gestalten. Aber Musik kann auch als Mittel zur Erzielung gewünschter Verhaltensweisen dienen und etwa die Aufenthaltsdauer und die Ausgaben der Gäste beeinflussen. Die Verwendung von Musik findet in der Gastronomie großen Anklang. Um diesen Service bieten zu können fällt zuvor eine Gebühr abhängig von der Restaurantgröße an die Autorengesellschaft GEMA an. Die Wahrnehmung dieser Kosten unterstreicht die Relevanz und Bedeutung der Musik in der Gastronomie. Musik ist ein wichtiger Bestandteil der Gesamtatmosphäre im Restaurant, der oft vom Gast gar nicht als solcher direkt wahrgenommen wird, sondern unterbewusst einen großen Teil zum Wohlfühlfaktor beiträgt. Die Ausführung von Musik kann verschiedene Auswirkungen auf Verhalten und Handlungen der Gäste haben. Somit fungiert sie bei optimaler Anwendung als Hilfsmittel für das wirtschaftliche Wachstum. Hierfür dienen verschiedene Indikatoren, die bestimmte Verhaltensweisen hervorrufen können.

1.1 Struktur und Zielsetzung der Arbeit

Gegenstand dieser Arbeit ist die literarische Untersuchung der Auswirkungen von Musik auf das menschliche Verhalten und die daraus resultierende Verwendung gastronomischer Zwecke. Im Laufe der Arbeit befassen wir uns mit der Frage; Wie kann Hintergrundmusik den Wohlfühlfaktor und damit die Ausgaben der Kunden in der Gastronomie beeinflussen? Um diese Frage zu beantworten befassen wir uns mit den musikalischen Einflussfaktoren auf die menschliche Wahrnehmung, das Verhalten und was Musik über den Menschen aussagt. Die folgende Arbeit ist in zwei grobe Abschnitte unterteilt; im ersten Abschnitt befassen wir uns mit der Auffassung von Musik im Allgemeinen in der Gesellschaft.

Welche Auswirkungen haben kulturelle Aspekte auf die Ausübung von Musik und was sagt die Musik über die jeweiligen Kulturen aus. Daraus resultierend, folgt die Beziehung zwischen Kultur, der damit verbundenen Gesellschaft und Musik, und dem Essverhalten. Nachdem wir die Relevanz von Musik im Allgemeinen und dem Zusammenhang zum Essverhalten erläutert haben, kommen wir auf die Methoden der musikalischen Ausrichtung in der Gastronomie. Hierzu wird bezüglich der unterbewussten Perzeption die individuelle Auffassung von Musik erfasst und welche Auswirkungen sie auf die Wahrnehmung des Menschen haben kann.

Die Auswirkungen der Musik auf Wohlbefinden, Atmosphäre und der damit verbundene Konsum von Restaurantbesuchern, wird in den letzten beiden Kapiteln der Arbeit, jeweils auf die Variablen Lautstärke, Tempo, Musikstil, Authentizität und musikalische Präferenz und deren jeweilige Auswirkungen auf Atmosphäre und Konsum, getrennt voneinander untersucht und dargestellt.

In der abschließenden Diskussion und Schlussbetracht werden die Ergebnisse und Erkenntnisse der Arbeit präsentiert.

2 Standpunkt von Musik in der Gesellschaft

2.1 Auswirkungen von Musik auf die Gesellschaft

Musik spielt in der Gesellschaft eine bedeutende Rolle, sei es für das reine Genussempfinden, die emotionale Reaktion oder als Ausdrucksweise. Musik spiegelt die Gesellschaft und ihre Veränderungen wieder. Sie erzeugt Stimmungen und Gefühle. Die musikalische Zugehörigkeit prägt Identitäten und Gemeinschaften. (Pichler, 2009) Musik hilft bei der Gestaltung der eigenen Identität und der sozialen Konstruktion des Selbst. Laut mehrerer Studien ist der Musikgeschmack ebenfalls mit nicht-musikalischen Aktivitäten und Einstellungen verbunden. Es gibt etwa Übereinstimmungen in sexueller Aktivität, Kleidung oder Medienvorlieben und dem Musikgeschmack. (Francis, 1995). Diese Identifikation findet schon in frühen Jahren statt. In einer Studie von North, Hargreaves und O'Neill wurden deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede bei den Gründen für das Musikhören von Jugendlichen festgestellt. Bei weiblichen Befragten galt Musik eher als Mittel zur Stimmungsregulierung. Für die männlichen Befragten diente Musik eher als Mittel zur Selbstdarstellung. (Sloboda & O'Neil, 2001) Musikrichtungen werden häufig mit bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen verbunden, die wiederum mit bestimmten Verhaltensweisen verknüpft werden können. (Ferwerda, et al., 2017)

Musikrichtungen wurden lange Zeit verschiedenen Gesellschaftsschichten zugeschrieben. Die Klassik beispielsweise wurde eher der der gesellschaftlichen Oberschicht zugeordnet. Klassische Konzerte wurden mit einem eleganten Kleidungsstil und einer vornehmen Verhaltensweise assoziiert. Künstler klassischer Musik werden Attribute wie „prätentiös“ oder „elitär“ zugeschrieben, die sie von der „Mainstream-Gesellschaft“ distanzieren. Dieser Stereotyp basiert auf frühere Zeiten, in denen klassische Musik lediglich in Konzertsälen zu hören war. Die Wahrnehmung dieser Kunstform war somit nur für die gut situierte Gesellschaft erschwinglich. Hervorgebracht wird ein solches stereotypische Denken aber meist durch den Künstler und Darsteller der jeweiligen Musikform selbst. (Galindo, 2003) Hörern der Musikform des Hip-Hops hingegen wurden zu Beginn (1970er Jahre) ein niedriger gesellschaftlicher Status zugeschrieben, was auf den Inhalt der Texte und der sozialen Herkunft der meisten Künstler zurückzuführen war.

Eine stereotypische Hörerschaft ist in der Form heute nicht mehr existenziell. Insbesondere die zunehmende Globalisierung in den letzten Jahren hatte zur Folge, dass der Musikgeschmack in dem Zusammenhang relativiert wurde, dass er weniger gesellschaftszuordnend fungiert. Untersuchungen über die Wechselbeziehungen zwischen kultureller/ethnischer Identität, sozialer Klasse und musikalischen Präferenzen finden keine eindeutige Zuordnung mehr. Musik erzeugt ein Gemeinschaftsgefühl über Kulturen hinweg. Sie verbindet Menschen weltweit. (North & Hargreaves, 2008)

2.1.1 Wechselwirkung: Musik und Kultur

Der kulturelle Kontext, der eine bestimmte Musikpraxis umgibt, beeinflusst die Musik, die innerhalb dieser kulturellen Grenzen entsteht. Kultur beeinflusst das musikalische Verhalten und das musikalische Verhalten beeinflusst die Kultur in der sie produziert wird. Somit besteht eine Wechselwirkung zwischen Musik, Kultur und Gesellschaft. Musik gilt als Gemeinsamkeit aller Kulturen. Sie ist für einige Menschen ihre Kultur und ein direkter Ausdruck dessen, wer sie sind. Die auf kulturelle Unterschiede basierende Erfahrung der Menschen mit Musik beeinflusst die Art und Weise, wie sie Musik wahrnehmen. (Barton, 2018) Jede Musikrichtung ist aus einer bestimmten Kultur heraus entstanden. Hip-Hop ist beispielsweise in den 1970er Jahren in den afroamerikanischen und hispanischen Ghettos aus einer sogenannten „Straßenkultur“ heraus entstanden und diente in seiner musikalischen Form der Artikulation von Kritik gegen die gesellschaftlichen Unterscheide als Ausdruck von Kollektivität und Widerstand. Mittlerweile gilt Hip-Hop als eine weltweite Subkultur der urbanen Jugend. (Weller, 2003) Der Musikstil Reggae hingegen, ist in Jamaika in den 1960er Jahren entstanden und verkörpert Frieden und Wohlbefinden. Durch den langsamen und ruckartigen Rhythmus, die kämpferischen und spirituellen Texte in Verbindung mit dem rebellischen Auftreten seiner Artisten hatte Raggae großen Einfluss auf viele „Gegenkulturbewegungen“1 der Geschichte. (Dagnini, 2011) Musik ist in allen Kulturen eine wichtige soziokulturelle Ausdrucksform. Sie bildet eine Schnittstelle zwischen kulturellen Äußerungsformen und Gesellschaftssystemen. (Barton, 2018)

3 Wechselwirkung: Kultur und Essen

Ebenso wie die Musik wird das Essen kulturell beeinflusst. Die menschlichen Nahrungswege sind ein komplexes Ergebnis des Zusammenspiels von menschlichen Ernährungsbedürfnissen, Ökologie und Kultur. Die Kultur spielt schon sehr früh eine enorme Rolle. Viele Geschmacksstoffe gelangen ins Fruchtwasser und führen dazu, dass so Babys geboren werden, die bereits viele der Lieblingsspeisen ihrer Mütter mögen. Viele der Geschmacksrichtungen von Gewürzen und Gemüse gelangen in die Muttermilch. (Anderson, 2005) Daher wirken schon Genetik und Kultur als biokulturelles Phänomen zusammen.

Die Zusammensetzung des Essens ist kulturell bedingt. Vor der Globalisierung waren die Menschen auf die Nahrungsmittel angewiesen, die ihnen in Ihrer jeweiligen Region zur Verfügung standen. Gegessen wurde das, was angebaut oder gehalten werden konnte. Viele Agrarprodukte konnten somit nur in Regionen mit besonders fruchtbarem Boden verzehrt werden. Andere Regionen hingegen mussten sich auf eine geringe Vielfalt an Nahrungsmitteln begrenzen. Auch heutzutage haben die verschiedenen Kulturen bezogen auf die Abgrenzung durch Länder ihre eigenen bevorzugten Nahrungsmittel. Durch die Globalisierung kam es zu einer enormen Vielfalt an Esskulturen innerhalb der Länder so, dass mittlerweile alle Kulturen auf der ganzen Welt vorhanden sind. Musik und Essen finden Einklang in der jeweiligen Kultur und werden miteinander in Verbindung gebracht. Restaurants, die sich auf Speisen einer bestimmten Kultur spezialisiert haben, verstärken das Erlebnis des Restaurantbesuchs mit der eigenen Musikkultur und lassen den Gast so voll und ganz in die eigene kulturelle Welt eintauchen. (Kittler, et al., 2016)

4 Methoden der musikalischen Ausrichtung

4.1 Hintergrundmusik: Musik, die das Unterbewusstsein beeinflusst

Bei der Anwendung von Hintergrundmusik im Restaurant, liegt der Fokus darauf, dass die Gäste nicht direkt auf die Musik aufmerksam werden, sondern dass Musik im Laufe der Zeit unterbewusst wahrgenommen wird und damit durch Variationen der Ausführung zu bestimmten Verhaltensweisen verleiten.

4.1.1 Die Wahrnehmung von Musik

Die Deutung der mütterlichen Stimme ist die früheste Entwicklung klanglicher und rhythmischer Erinnerungen. Menschen besitzen eine unterschiedlich ausgeprägte auditive Wahrnehmungsfähigkeit. Das Gehör ist in der Lage bis zu 20 Signale in der Sekunde in Form von Tönen wahrzunehmen. Je höher die Möglichkeit der differenzierten Aufnahme dieser Signale, desto geringer ist die Möglichkeit auftretender Verständnisschwierigkeiten. Hierbei können in verschiedenen Bereichen Wahrnehmungsschwächen auftreten. Defizite in der Wahrnehmung der Lokalisation (Ursprung des Tons), in der Differenzierung (Unterscheidung von ähnlich klingenden Tönen) und die individuelle Interpretation haben Auswirkungen auf die akustische Aufnahme. (Fischer, 2008) Demzufolge reagiert jedes Individuum unterschiedlich auf auditive äußerliche Einflüsse.

Beim Hören bekannter, wohltuender Musik schüttet das Gehirn den Neurotransmitter Dopamin aus was dazu führt, dass Freude empfunden wird. Bei unangenehmer Musik kann es gegensätzlich zur Reduktion des Glückshormons Serotonin führen. Bei einem Mangel von Serotonin kann es zu depressiven Verstimmungen kommen. (Schröder, 2011)

Abhängig von der Musikrichtung, und dem persönlichen Bezug vom Hörer zur Musik, können verschiedene Hormone abgegeben, und somit verschiedene Reaktionen ausgelöst werden. Aggressive, schnelle Musik führt zu einer Ausschüttung von Adrenalin. Langsame, ruhige Musik hingegen führt dazu, dass die Ausschüttung von Stresshormonen verringert werden kann und somit in einem gewissen Maße schmerzkontrollierend wirken kann. Große Auswirkungen kann Musik auf das limbische System haben, dass im menschlichen Gehirn unter anderem dafür sorgt Gefühle auszulösen. Textlich oder melodisch vermittelt kann Musik durch Erinnerungen hervorgerufene Emotionen auslösen. Musik stellt in gewisser Weise eine Funktion der Sprache dar, die in vielen Fällen objektiv betrachtet mit bestimmten Ereignissen verbunden wird; Weihnachtslieder versetzen den Zuhörer in Weihnachtsstimmung, Horror oder Spannungsmusik assoziieren passende Emotionen und Bilder im Kopf. (Butt, 2019)

Musik ruft ein breites Spektrum an emotionalen Zuständen hervor. Emotionale Reaktionen sind das stärkste Motiv für das Hören von Musik. Der Psychologe Reinhard Pekrun (1985) beschrieb eine wechselseitige Beeinflussung von Musik und Emotionen. So wirken sich sowohl emotionale Befunde auf die Wahrnehmung von Musik aus, ebenso wie Emotionen durch Musik beeinflusst werden. Zahlreiche Untersuchungen bestätigen, dass Musik in der Lage ist emotionale Prozesse beeinflussen zu können. (Gerland, 2014) Experimentellen Studien zufolge berichten Testpersonen über starke emotionale Reaktionen auf Musik. Verbale Urteile über musikalische Emotionen sind bei allen Personen ziemlich konsistent und weitgehend unabhängig von der musikalischen Ausbildung, obwohl interkulturelle Entwicklungsunterschiede vorhanden sind. Die Beurteilungen für grundlegende Emotionen wie traurig, ängstlich, glücklich und wütend sind konstant.

Es gibt zwei verschiedene Möglichkeiten wie Musik beim Zuhörer emotionale Reaktionen hervorruft. Zum einen die reine Präsentation von Emotionen, zum anderen die Erzeugung echter Emotionen im Hörer. Der Musikphilosoph Peter Kivy (1990) bezeichnet diese zwei Ausdrucksweisen der Emotionen; die der Emotivisten und die der Kognitivisten. Bei den Emotivisten ruft Musik echte Emotionen des Hörers hervor, bei den Kognitivisten hingegen sind die Emotion eine Ausdruckseigenschaft der Musik, die der Hörer in ihr erkennt, aber selbst nicht erfährt. Musikalische Emotionen sind auch oft von Bestätigungen und Verletzungen der Erwartungshaltung abhängig. Für den tatsächlichen Ausdruck echter Emotionen des Hörers wurden in Untersuchungen psychophysiologische Vorkommnisse analysiert. Die Beziehung zwischen psychischen Vorgängen und körperlichen Funktionen spiegelt sich in diesem Experiment in etwa erhöhtem Herzschlag, Piloerektion (Gänsehaut), Atemfrequenzen oder Körpertemperatur wieder. Die Zuhörer berichten nicht nur verbal über emotionale Reaktionen auf Musik, Musik erzeugt auch physiologische Veränderungen, die der Art der musikalischen Emotion entsprechen. (Krumhansl, 1997)

4.1.2 Interaktion zwischen Musik und Geschmack

Menschen ordnen oft unterbewusst verschiedene Sinneseindrücke einander zu. Runde Formen werden beispielsweise eher mit „weichen“ Konsonanten assoziiert (m, l, u, etc.), wohingegen eckige eher mit „harten“ Konsonanten verglichen werden. (t, k, etc.) Diese Korrespondenz zwischen verschiedenen Sinnesmodalitäten, findet sich auch im Zusammenhang von Akustik und Geschmack wieder. In drei Studien zeigten die Autoren Ngo, Misra und Spence (2011), dass kakaoarme, süße Schokoladen zusammenhängend mit Wörtern weicher Konsonanten und Vokalen (z.B. "luna") assoziiert werden, während kakaohaltige, bittere Schokoladen mit Wörtern assoziiert werden, die mehr harte Konsonanten und Vokale enthalten (z.B. "rakete"). So können beispielsweise Lebensmittelanbieter Einfluss auf die Essgewohnheiten ihrer Kunden nehmen, indem sie bestimmte Lebensmittel in der Werbung mit Geräuschen oder Musik kombinieren. Die Grundidee dahinter ist es Musik in Form von Geschmack beschreiben zu können.

Der Komponist Berlioz (1856) beschrieb zum Beispiel einmal einen kleinen säuerlich-süßen Klang der Oboe. (Mesz, et al., 2015) Der Schriftsteller Huysman beschrieb es als eine Reihe von Empfindungen am Gaumen, die den Empfindungen durch Musik im Ohr ähnlich seien.

Studien berichten von Aussagen der Harmonie zwischen Tonhöhe und Geschmack. (Holt-Hansen, 1976) Geschmäcker, die als eher unangenehm (z.B. bitter) empfunden werden, wurden mit tendenziell unangenehmen Klängen (z.B. Posaunenklänge) und angenehmere Geschmäcker (z.B. süß) mit angenehmeren Klängen (z.B. Klavierklänge) verbunden. (Crisinel & Spence, 2010) Hierbei konnten aber wiederum auch kulturelle Aspekte bezüglich bestimmter Instrumente einen Einfluss auf die Ergebnisse haben. Es wurde ein signifikanter Einfluss des Geschmacks auf die Wahl der Tonhöhe und des Instrumententyps beobachtet. In einer Studie von Knöferle und Spence (2012) kam hervor, dass eine Reihe psychoakustischer und musikalischer Eigenschaften mit dem Grundgeschmack des Menschen übereinstimmen.

Süße Geschmacksrichtungen wurden höheren Tönen zugeordnet und bittere eher den tieferen Tönen. (Crisinel & Spence, 2010) Saure und salzige Geschmacksrichtungen schwankten in ihrer Tonhöhe zwischen süßen und bitteren Geschmacksrichtungen, wobei sauer eher mit hohen Tönen verbunden wurde. (Crisinel & Spence, 2012)

Die Zusammenhänge sinnesübergreifender Assoziationen zwischen der Tonhöhe von Musikklängen und grundlegenden Geschmacksempfindungen sind nicht eindeutig zuzuordnen, jedoch deuten Studien darauf hin, dass zwischen akustischen Eigenschaften und Grundgeschmacksrichtungen (süß, sauer, etc.) Korrelationen bestehen. Außerdem wurde ein signifikanter Zusammenhang beim musikalischen Tempo erkannt, wobei der saure Geschmack zum höchsten Durchschnittstempo führte und der bittere Geschmack mit dem niedrigsten Durchschnittstempo verbunden war. (Mesz et al., 2015).

Diese Wahrnehmungen verhalten sich auch umgekehrt; Musik ist in der Lage über die Nervenbahnen im Gehirn den Geschmack zu stimulieren. Das Ergebnis war, dass es mit Änderung der Tonlage zu Angaben geschmacklicher Veränderungen am gleichen Gericht kam. Bei dezent hohen Tönen wurden im Beispiel eines Schokotörtchens die süßen Geschmacksaromen viel stärker wahrgenommen als bei tiefen Tönen, bei denen die Testesser eher die Bitterstoffe der Schokolade herausschmeckten. (Crisinel & Spence, 2012)

Außerdem wurde ein signifikanter Zusammenhang beim musikalischen Tempo erkannt, wobei der saure Geschmack zum höchsten Durchschnittstempo führte und der bittere Geschmack mit dem niedrigsten Durchschnittstempo verbunden war. (Mesz et al., 2015). Allerdings ist zu beachten, dass Musik oft emotional geprägt ist nicht ausschließlich als Hinweise auf grundlegende Geschmacksrichtungen interpretiert werden können. Ergebnisse aus diesen Experimenten implizieren, dass Parallelen zwischen auditiven und geschmacklichen Hinweisen bestehen, so dass auditive Hinweise auf geschmackliche Qualitäten und umgekehrt abgebildet werden können. (Knöferle & Spence, 2012)

4.1.3 Wiedererkennungswert

Musik hat meist einen hohen Wiedererkennungswert. Dieses Prinzip lässt sich auch auf die Musik im Restaurant übertragen, sodass bestimmte Melodien mit dem Restaurant auch außerhalb der Lokalität in Verbindung gebracht werden. Dies geschieht zum einen durch das Spielen von Musik, die das Restaurant einzigartig macht. Es hat großen Einfluss auf den Gast und damit auf das Konsumverhalten, wenn der Gast die Marke Restaurant mit möglichst vielen Sinnen wahrnimmt und verbindet. Das führt zu einer verstärkten Wahrnehmung des Gastes und somit zu einer stärkeren Identität des Restaurants.

Der Identitätsbezug über die musikalische Ebene wird als „Audio Branding“ bezeichnet. Klang und Musik können eine Markenbedeutung vermitteln und sowohl funktionale Hinweise als auch emotionale Verbindungen bieten. Musik kann eine entscheidende Rolle bei der Hervorhebung eines Produkts oder einer Dienstleistung einnehmen und Vertrauen schaffen. Musik dient als Identifikation durch den Wiedererkennungswert, indem sich das Restaurant musikalisch von anderen unterscheidet. Auch die Stimmung eines Kunden bezüglich Kaufabsichten kann durch musikalisch induzierte Emotionen beeinflusst werden.

Außerdem kann dies als eine Art Wissensaktivierungseffekt fungieren, d.h. Musik aktiviert beim Hörer Wissen, das zu einem bestimmten Produkt passt, was den Verbraucher dazu veranlasst, sich für dieses bestimmte Produkt zu entscheiden. (Kuntokoski, et al., 2016) Beispiel hierfür ist die Unterlegung italienischer Musik, welche die Assoziation italienischer Speisen wie Pasta oder Pizza hervorrufen kann und den Kunden somit in seiner Entscheidungsfindung beeinflussen.

4.2 Vordergrundmusik: Musikgeschmack der Zielgruppe anpassen

Das Restaurantgewerbe arbeitet in einem stark wettbewerbsorientierten Umfeld. Dementsprechend ist einer der wichtigsten Bestandteile eines Restaurants, die Zielgruppe genau zu analysieren und sich ihren Anforderungen anzupassen. Eine Zielgruppe definiert sich als der Teil der Bevölkerung, der sich am ehesten von den angebotenen Produkten angesprochen fühlt. Bei der Definition der Zielgruppe wird teilweise gleichzeitig eine Charakterisierung der Kunden vorgenommen. Ein aussagekräftiger Bestandteil der Definition der eigenen Zielgruppe ist zum einen die Lage des Restaurants. Bei zentraler Innenstadtlage besteht eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass in der Mittagspause Geschäftsleute vorbeikommen. Liegt das Restaurant im noblen Vorort, bezieht sich die Zielgruppe wahrscheinlich eher auf Paare und Familien.

In Restaurants, in denen davon ausgegangen wird, dass die Gäste ihre Gerichte vor Ort einnehmen, und somit einen längeren Zeitraum verweilen besitzt die Atmosphäre einen höheren Stellenwert, als beispielsweise in Fastfood Restaurants.

Außerdem ist das Produkt an sich entscheidend. Die Speisen die angeboten werden können sich von anderen Restaurants und ihren Zielgruppen in der Spezialisierung bestimmter Gerichte, im Geschmack, Preis, in der Gestaltung, Qualität und weiteren Variablen unterscheiden, die große Auswirkungen auf die Selektion der Kundschaft haben kann. (Heinrich, 2016) Die Zielgruppe wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst, an denen sogenannte „Personas“2 abgelesen werden können. Diese Persona hilft, zu verstehen, wer der Gast ist und warum er tut, was er tut. Sie beinhalten Motivationen, Denkweisen, Verhaltensweisen, Interessen und Ziele des Gastes. Sie enthalten auch demografische Informationen wie Geschlecht, Alter und Einkommen sowie einige charakteristische Informationen, z.B. was dem Gast an bestimmten Restaurants gefällt und was die jeweiligen Prioritäten sind, wenn es um die Wahl eines Restaurants geht. (Singh, 2018)

In Restaurants, in denen davon ausgegangen wird, dass die Gäste ihre Gerichte vor Ort einnehmen, und somit einen längeren Zeitraum verweilen besitzt die Atmosphäre einen höheren Stellenwert, als beispielsweise in Fastfood Restaurants. Musikrichtungen schaffen Assoziationen der jeweiligen Hörerschaft. Klassik beispielsweise wird tendenziell mit Bildung und Reichtum verbunden. (Hargreaves & North, 1999)

[...]


1 Bewegung einer gesellschaftlichen Minderheit gegen primäre Normen einer Mehrheitskultur

2 Nutzermodelle, die Personen einer Zielgruppe in ihren Merkmalen charakterisieren.

Ende der Leseprobe aus 31 Seiten

Details

Titel
Musik in Restaurants und ihre Auswirkung auf Raumatmosphäre und Konsumverhalten der Gäste. Einfluss von Tempo, Lautstärke und Musikstil
Hochschule
Hochschule Heilbronn, ehem. Fachhochschule Heilbronn
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
31
Katalognummer
V1039252
ISBN (eBook)
9783346460257
ISBN (Buch)
9783346460264
Sprache
Deutsch
Schlagworte
musik, restaurants, auswirkung, raumatmosphäre, konsumverhalten, gäste, einfluss, tempo, lautstärke, musikstil
Arbeit zitieren
Dominique Vosseler (Autor), 2020, Musik in Restaurants und ihre Auswirkung auf Raumatmosphäre und Konsumverhalten der Gäste. Einfluss von Tempo, Lautstärke und Musikstil, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1039252

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Musik in Restaurants und ihre Auswirkung auf Raumatmosphäre und Konsumverhalten der Gäste. Einfluss von Tempo, Lautstärke und Musikstil



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden